Mit Schienenblockaden und Demos gegen Nato-Hafen und Aufrüstung

In Hamburg wurde das Manöver »Red Storm Charlie« durchgängig von Aktionen des zivilen Ungehorsams und Protesten begleitet

Von HENRIKE STIER, Hamburg

Von Anfang an haben Aktive mehrerer Initiativen in Hamburg die zivil-militärische Übung »Red Storm Charlie« mit Protesten begleitet. Das dreitägige Manöver wie auch die Aktionen gingen am Samstag zu Ende, Letztere mit einer Demonstration. In der Hamburger Innenstadt versammelten sich am Nachmittag Tausende überwiegend junge Menschen zu der vom Bündnis »Kein Nato-Hafen« organisierten Veranstaltung unter dem Motto »Nein zu Red Storm Charlie – Ja zu sozialem Fortschritt«. Die Polizei sprach von 8000 bis 10.000 Teilnehmenden. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: »Aktiv gegen Faschismus, Weltkriegsgefahr und Umweltkatastrophe« oder »Hamburg bleibt untauglich«.

Zuvor hatten etwa 60 Aktive des Netzwerks »Ende Gelände« zwölf Stunden lang den Zugverkehr des Hamburger Hafens blockiert – mit Luftmatratzen und Schwimmringen in Wassermelonen-Form, bunten Lichterketten und Neon-Knicklichtern waren sie nicht etwa zu einer Poolparty, sondern zu einer Sitzblockade der Hafenbahn südlich der Elbe angerückt. Nach Angaben des Bündnisses werden über diese Strecke auch Rüstungsgüter und Waffen in den Hafen transportiert und zur Verschiffung in die ganze Welt verladen. Die Blockade war Teil der Aktionstage von Rheinmetall Entwaffnen gegen Red Storm Charlie.

»Über Stunden hinweg ist verhindert worden, dass Rüstungsgüter sowie weitere Waren verladen werden konnten.« Jule Liebig Sprecher*in von Rheinmetall Entwaffnen

Seit sechs Uhr morgens am Freitag saßen die Aktivist*innen auf den Gleisen, erst in den frühen Abendstunden, gegen 18.30 Uhr, konnte die Polizei die Blockade vollständig räumen. »Über Stunden hinweg ist so verhindert worden, dass Rüstungsgüter sowie weitere Waren verladen werden konnten«, so Jule Liebig, Sprecher*in von Rheinmetall Entwaffnen.

Laut Hafenbehörde HPA rollen über diese Schiene normalerweise 140 Züge am Tag und liefern Güter zu den Containerterminals des Hafens. »Jeder einzelne Container mit Waffen drin, der nicht den Hafen erreicht, ist für mich ein Win«, sagt eine Aktivistin nach der Aktion dem »nd«. In roten Overalls saßen die Aktivist*innen auf den Gleisen, ausgestattet mit Schwimmringen im Wassermelonenlook, mit einem aufblasbaren Wasserball, goldfarbenen Rettungsdecken, Kreuzworträtseln und antimilitaristischen Demo-Shouts.

An der Blockade Beteiligte berichten unterdessen von massiver Polizeigewalt. Die Polizeimaßnahme habe etwa sieben Stunden gedauert. »Ich wurde erst ganz zum Schluss geräumt und musste stundenlang zusehen, wie einer Person nach der anderen beim Räumen Schmerzgriffe zugefügt wurden«, erzählt eine Aktivistin. »Es haben immer mindestens vier Polizisten gleichzeitig an einem Menschen gezerrt und sind dabei unglaublich gewaltvoll vorgegangen. Ich wurde selber mit auf dem Rücken verdrehten Armen und Handgelenken über die Schienen geschleift, während ein Polizist mit einem Arm meinen Kiefer verdreht hat.«

»Überall wird gekürzt, bei Sozialausgaben, Gesundheit, Bildung oder der Klimapolitik, um damit die zusätzlichen Milliarden für Waffen und Aufrüstung zu finanzieren. Dabei bedeutet mehr Waffen immer auch mehr Gewalt.« Lakshmi Thevasagayam Sprecherin von Ende Gelände

Zum Zweck der Blockade sagt Lakshmi Thevasagayam, nd-Autorin und Sprecherin von Ende Gelände: »Überall wird gekürzt, bei Sozialausgaben, Gesundheit, Bildung oder der Klimapolitik, um damit die zusätzlichen Milliarden für Waffen und Aufrüstung zu finanzieren. Dabei bedeutet mehr Waffen immer auch mehr Gewalt.« Die Gruppe habe den Hafen auch als Ziel gewählt, um direkt zu verhindern, dass deutsche Waffen an Israel geliefert werden können: »Die Beweise für einen Genozid sind längst erdrückend. Wir stellen uns diesem Verbrechen heute in den Weg.«

Auch mit weiteren Aktionen störten Aktivist*innen das Manöver. Neben der Demo am Samstag fanden am Freitag in der Hansestadt eine große Demonstration im Rahmen des bundesweiten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und am selben Tag eine antirassistische Demo statt. Außerdem hatte das Bündnis gegen den Nato-Hafen ein Protestcamp im Alten Elbpark eingerichtet, wo Besucher*innen etwa zu Konzerten und Vorträgen vorbeischauen konnten.

Eine Störaktion der Nato-Truppenverlegung, die der Nacht von Donnerstag auf Freitag mitten durch Hamburg führte, wurde von der Polizei vereitelt. Derweil nahmen einige Aktivist*innen von Rheinmetall Entwaffnen verschiedene Unternehmen ins Visier. In der Nacht von Freitag auf Samstag hätten sie die Rheinmetall-Zulieferer Lippold GmbH und Reyher, Edeka sowie die Karriereberatung der Bundeswehr mit Farbe »markiert«. Der Einzelhandelsriese Edeka war neben der Supermarktkette Lidl unter dem Stichwort der zivil-militärischen Zusammenarbeit am Manöver in Hamburg beteiligt.

Erstveröffentlicht im nd v. 26.9. 2026
Antimlitarismus-Proteste gegen NATO-Hafen

Wir danken für das Publikationsrecht.

»Wir wollen nicht kämpfen«

Der Schüler Golo Kirsch streikt. Denn er lehnt Zwangsmusterungen und Aufrüstung ab. Ein Gespräch über die Angst vor Krieg und was wirklich wichtig ist im Leben.

Interview: HENRIKE STIER

Titelbild: Demo gegen Wehrpflicht in Göttingen. K.P. Wittemann. R-mediabase.

Du beteiligst dich am Freitag an einem Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Aber die gibt es doch noch gar nicht.

Das Verteidigungsministerium hat erst am vergangenen Freitag kundgegeben, dass es ab jetzt Zwangsmusterungen geben wird. Das macht noch mal klar, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll, und zwar lieber heute als morgen. Das macht mich und viele meiner Mitschüler sauer.

Die Wehrpflicht wird gerade etappenweise eingeführt. So schafft die Bundeswehr oder die Regierung es, dass die Wehrpflicht dabei kein großes Thema wird.

Die Zwangsmusterungen sind also ein Schritt auf dem Weg zur Wehrpflicht?

Genau. Auf der einen Seite sprechen Politiker ganz offen davon, dass wir eine konventionelle große Armee brauchen, die stärkste Armee Europas. Aber gleichzeitig spricht die Bundeswehr nicht sehr offen davon, dass wir jetzt alle zwangsgemustert werden. Das sieht man nur, wenn man sich die Gesetze wirklich gründlich durchliest. Für Schüler ist es also sehr schwer nachzuvollziehen, was jetzt genau passiert. Auch in den Medien ist die Wehrpflicht in meiner Wahrnehmung kein so großes Thema. Es wird darüber gesprochen, inwiefern wir weiter aufrüsten müssen. Aber die Zwangsmusterungen von uns Jugendlichen werden nicht breit genug in die Öffentlichkeit getragen.


Du sagst, du möchtest nicht für Deutschland kämpfen. Wofür möchtest du kämpfen oder dich einsetzen?

Für ein besseres, gerechteres Bildungssystem. Und für ein besseres Gesundheitssystem. Ich meine: Wenn ich zum Arzt gehe, muss ich zwei Stunden warten. Und bei jedem Arzt, zu dem ich in der letzten Zeit gegangen bin, lagen Unterschriftenlisten gegen die Kürzungen im Gesundheitssystem aus. Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft. Dass man es da nicht hinbekommt, das beste Gesundheitssystem überhaupt aufzubauen, finde ich komisch. Würde man sich mal Gedanken machen, was wirklich wichtig ist, anstatt Kriege vorzubereiten, könnte das Leben hier sehr schön sein.

»Würde man sich mal Gedanken machen, was wirklich wichtig ist, anstatt Kriege vorzubereiten, könnte das Leben hier sehr schön sein.«

Ist der Schulstreik gegen Wehrpflicht die erste politische Bewegung, in der du aktiv bist?

Ich war schon bei den Klimastreiks, da war ich aber noch ganz klein. Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht sind das erste große Ding, bei dem ich so richtig aktiv bin.

eht in Kiel zur Schule und organisiert den Protest gegen Zwangsmusterungen und Wehrpflicht mit.

Wie wurde Kriegsdienstverweigerung ein Thema für dich?

Das ist einfach ein sehr zentrales Thema bei uns Jugendlichen. Wir wollen nicht kämpfen, aber die Wehrpflicht wird gerade immer realer.

Es wird so viel Geld in die Militarisierung gesteckt und bei uns fehlt es. Das merken meine Freunde und ich in der Schule und im Alltag. Dann habe ich mitbekommen, dass die ersten Schulstreiks gegen Wehrpflicht organisiert werden. Da habe ich gedacht, das mache ich hier auch mit meinen Freunden. Und beim ersten Schulstreik waren wir in Kiel schon um die 1500 Schüler. Und dann habe ich einfach nicht aufgehört.

Wie organisiert man einen Streik an der Schule?

Bei den Schülern ist das so: Entweder sind sie von Grund auf gegen die Wehrpflicht und sehen direkt ein, dass sie gegen unsere Interessen ist, oder sie sind in ihrem Patriotismus oder Nationalismus gefangen und sehen den Zusammenhang zwischen der Militarisierung, also der Tatsache, dass Milliarden in die Rüstung gesteckt werden, und deren Fehlen im Bildungssystem und im Gesundheitssystem einfach nicht.

Der Großteil steht hinter dem Schulstreik. Aber das heißt nicht, dass alle hingehen, weil wir leider auch einfach noch nicht die Breite haben, mit allen in Kontakt zu kommen.

Und wie wollt ihr mit mehr Schüler*innen in Kontakt kommen?

Im Streikkomitee hier in Kiel versuchen wir, in den Schulen Strukturen aufzubauen – Schulkomitees nennen wir das –, in denen wir den Streik an den Schulen selbst vorantreiben.

Wir machen Kreideaktionen vor den Schulen, verteilen Schülerzeitungen oder machen Schulhofkundgebungen. So machen wir den Streik an den Schulen präsent.

Wie reagieren eure Lehrer*innen darauf?

Auf mich sind Lehrer zugekommen und haben gesagt, dass sie es wichtig finden, was wir machen. Es gibt bundesweit aber auch Beispiele von Schulen, die während des Streiks ihre Schüler einschließen. Ich wurde am Anfang mal zum Schulleiter gerufen, weil ich für den Schulstreik geworben habe.

Man bekommt eine Sechs, wenn man während einer Klausur streikt. Zumindest hier in Schleswig-Holstein sagt das Bildungsministerium ganz klar, dass niemand entschuldigt wird. Lehrer können natürlich immer etwas anderes machen. Wenn ihr Lehrer seid und das lest, bitte entschuldigt uns am 25. September!

Dich hat kürzlich sogar der Verfassungsschutz angequatscht. Was war da los?

Vor dem dritten Streik Ende April wollte ich zur Schule fahren. Auf dem Weg dorthin hat mir jemand vom Verfassungsschutz aufgelauert, mit der Hook »allgemeine Verkehrskontrolle! Spaß, Verfassungsschutz«. Er hat mir gesagt, dass er mit mir über die Grenzen des antimilitaristischen Kampfes sprechen möchte. Und dann bin ich auch relativ schnell wieder aus der Situation geflohen.

Das war doch bestimmt sehr gruselig?

Das sitzt schon immer noch tief. Dass dort Menschen vor meinem Haus auf mich gewartet haben. Weil ich gegen Krieg bin. Die wissen, wo ich wohne. Die wissen, wo mein Schulweg ist.

Was glaubst du, war der Zweck davon?

Das war kein Gespräch, das mich vom Gegenteil überzeugen oder mich warnen sollte, mit wem ich da auf der Straße bin. Das sollte mir einfach Angst machen und mich einschüchtern. Und das einfach nur, weil ich für eine gerechtere Zukunft kämpfe, weil ich keinen Bock habe, im nächsten Krieg zu sterben. Das finde ich schon krass.

Wie reagiert die Politik auf euren Streik? Auch im Vergleich zu den letzten großen Schulstreiks von Fridays for Future?

Bei Fridays for Future haben alle Politiker einfach gesagt, wie toll das ist, dass wir auf die Straße gehen. Aber am Ende hat sich wenig geändert. Bei uns hat eigentlich nie ein Politiker versucht, sich hinter uns zu stellen. Außer vielleicht die Linke, die hat sich mehrmals mit uns solidarisiert. Aber von den Regierungsparteien kam nie etwas. Wir stellen uns hier gegen etwas, das die Politik wirklich durchbringen möchte.

Wurdest du schon zu einer Musterung eingeladen?

Ja, ich habe einen Brief bekommen und wurde zum 31. August eingeladen. Ich bin aber nicht aufgekreuzt, weil ich das nicht mit mir machen lasse. Das Ziel der Musterung ist zu schauen, ob man gutes Menschenmaterial ist, um dann im Krieg auf andere Soldaten zu schießen.

Und kennst du Menschen, die hingegangen sind?

Ein Freund von mir war schon da. Der wusste gar nicht, dass man da nicht hin muss. Das ändert sich ja auch jetzt. Die Bundeswehr hat zwar gar nicht die Kapazitäten, uns zu verfolgen, wenn wir nicht aufkreuzen. Aber auf dem Papier ist es inzwischen verpflichtend.

Und was hat dein Freund erzählt? Was passiert bei einer Musterung?

Er hat erzählt, dass es erst ein paar Tests gibt – Blutdruck, wie die Gelenke funktionieren, eine Urinprobe, man wird gewogen. Aber dann passiert auch eine Inspizierung im Genitalbereich. Einem wird an die Hoden gepackt und der Finger in den Po gesteckt.

Danach ging es weiter mit Reaktionstests und Mathe- und Logiktests. Das Witzige ist, dass die Computer wirklich sehr alt sind. Keine Ahnung, wie die Reaktion geprüft werden soll, wenn die Maus zwei Sekunden verzögert ist.

Und es gab eine Befragung dazu, ob man verfassungstreu ist. Da wurde gefragt, ob man den Holocaust leugnet oder ob Frauen und Ausländer Menschenrechte haben sollen. Das dient wahrscheinlich dazu, dass die Bundeswehr sagen kann, sie habe ja alle gefragt, ob sie Nazis sind.

Kriegsgegner*innen werden oft Egoismus oder mangelnde Solidarität der Gesellschaft gegenüber vorgeworfen. Was sagst du dazu?

Ich halte es nicht für egoistisch, Nein zu Krieg zu sagen. Auch wenn ein Soldat in Russland oder in der Ukraine verweigert, stehe ich solidarisch dahinter und sage, dass es nicht egoistisch ist. Solche Leute verhindern diesen Krieg, wenn sie sich verweigern.

Außerdem glaube ich nicht, dass diese Wehrpflicht und die Aufrüstung überhaupt nötig sind. Es gibt eine tolle Greenpeace-Studie, die klarmacht, dass das nicht so ist: Es gibt keinen Grund für Aufrüstung, wenn man sich nur verteidigen möchte. Die Aufrüstung dient dazu, dass Deutschland wieder Kriege führen kann. Wir sind nicht egoistisch, wenn wir uns einem Krieg verweigern, der nicht unseren Interessen dient. Es geht ja eben nicht darum, eine Kita zu sichern oder dafür zu sorgen, dass mein Jugendzentrum nicht geschlossen wird.

Interview

Der 18-jährige Golo Kirsch geht in Kiel zur Schule und organisiert den Protest gegen Zwangsmusterungen und Wehrpflicht mit.

Erstveröffentlicht im nd v. 24.9. 2026
Wir wollen nicht kämpfen …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Solidarität mit Palästina

Die britische Gewerkschaftsbewegung geht voran

„Der TUC hat eine langjährige Politik zur Unterstützung von Gerechtigkeit und Freiheit für die Palästinenser. Wir arbeiten eng mit der Gewerkschaftsbewegung in Palästina zusammen, während wir in Solidarität mit allen palästinensischen Arbeitern in ihrem Kampf gegen Apartheid, Völkermord in Gaza und ethnischen Säuberungen im Westjordanland stehen.“ (TUC-Beschluss)

In einer Publikation des DGB betont der DGB-Vorstand seine unverbrüchliche Verbundenheit mit der israelischen Gewerkschaft Histradut: „Die Partnerschaft zwischen Histadrut, dem israelischen Gewerkschaftsbund, und dem DGB ist ein herausragendes Beispiel für gelebte internationale Solidarität und historische Verantwortung. Seit nunmehr 50 Jahren besteht diese enge Zusammenarbeit, die wir 2025 in Berlin gefeiert haben. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten haben wir das Partnerschaftsabkommen erneuert und ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus und Rassismus abgegeben.“ (https://www.dgb.de/politik/bildung-und-gesellschaft/internationale-und-europaeische-gewerkschaftspolitik/)

Der Vorstand des DGB folgt hier der offiziellen Politik, die eine solche unverbrüchliche Zusammenarbeit auch mit der Regierung Israels pflegt. Dass die Histradut eine ethnisch selektierende Organisation ist, und sich für arabische Arbeiter:innen nicht zuständig fühlt, stößt genauso wenig auf, wie der Umstand, dass der Partner in der „herausragenden internationalen Solidarität“ an der Seite einer rechtsextrem dominierten Regierung die völkerrechtswidrige Besatzung samt genozidaler Kriegsführung unterstützt.

Aktuell berichteten Hannoveraner Kollegen, dass sich Aktive und Funktionäre der niedersächsichen ver.di-Jugend nicht entblödeten, inmitten des israelischen Massenmords in Gaza zusammen mit Anhängern des Schah-Regimes auf dem Bahnhofsvorplatz in Hannover eine Gegendemonstration gegen eine Mahnwache der örtlichen Palästina-Solidarität zu veranstalten. Für den Versuch, diese niederzubrüllen, erhielten sie Tags darauf publizistischen Beifall samt Foto von der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ des Madsack-Verlages. Doch diese Interpretation für „historische Verantwortung“ ist in der europäischen Gewerkschaftsbewegung alles andere als selbstverständlich.

In Großbritannien sieht die Lage ganz anders aus. Dort hat gerade der Trade Union Council (TUC) auf seiner Jahreskonferenz die Unterstützung der BDS-Kampagne beschlossen, die in der BRD vom bürgerlichen Maistream gern als „antisemitisch“ verunglimpft wird.

Der am 13. September, verabschiedete TUC-Antrag sieht vor, die Rechte der Palästinenser zu unterstützen und Unternehmen zu boykottieren, die sich an israelischen Verstößen gegen Menschenrechte und das Völkerrecht mitschuldig machen. Der vollständige Antrag lautet wie folgt:

Die derzeitige rechtsgerichtete israelische Regierung, die ihren größten Militäreinsatz im Westjordanland seit zwei Jahrzehnten gestartet hat, kündigt neue illegale Siedlungen an, vertreibt Palästinenser aus Ostjerusalem und Masafer Yatta, reißt Häuser und Schulen ab und versäumt es, bewaffnete Siedler daran zu hindern, in Dörfern zu wüten, Palästinenser zu töten und anzugreifen sowie Häuser und landwirtschaftliche Flächen zu zerstören.

Das israelische Militär hat in diesem Jahr mehr als 180 Palästinenser getötet.

Der Kongress stellt ferner fest:

Der Gesetzentwurf der Regierung über die wirtschaftliche Tätigkeit öffentlicher Stellen (Auslandsangelegenheiten) würde ethisches Investieren und die Beschaffung durch öffentliche Stellen untergraben, indem er die Berücksichtigung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten, des Völkerrechts und von Umweltbelangen im Zusammenhang mit dem Verhalten eines ausländischen Staates einschränkt. Er würde zudem die Meinungsfreiheit, die lokale Demokratie, die Dezentralisierung und die Rechte der Mitglieder von Rentensystemen beeinträchtigen.

Der Gesetzentwurf würde die israelische Regierung sowie Unternehmen, die sich an der Besatzung mitschuldig machen, vor Rechenschaftspflicht schützen, indem er diejenigen zum Schweigen bringt, die versuchen, Veränderungen herbeizuführen.

Der Kongress ist der Ansicht:

Jeder Versuch, die palästinensische Forderung nach Boykott, Desinvestition und Sanktionen zu delegitimieren und zu suggerieren, dass den Palästinensern das Recht verwehrt werden sollte, Menschen mit Gewissen um Unterstützung zu bitten, muss zurückgewiesen werden.

Die Möglichkeit öffentlicher Stellen, einschließlich öffentlicher Rentenfonds, sich aus Unternehmen zurückzuziehen, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, sollte verteidigt werden.

Ein solches Gesetz hätte den Boykott von Waren und Unternehmen verhindern können, die sich an der Apartheid in Südafrika mitschuldig gemacht haben.

Der Kongress beschließt:

Die Unterstützung der palästinensischen Rechte zu bekräftigen, einschließlich unserer Verpflichtung, „die Waren von Unternehmen zu boykottieren, die von illegalen Siedlungen, der Besatzung und dem Bau der Mauer profitieren“.

Die Koalition „Right to Boycott“ zu unterstützen.
Gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen gegen den Gesetzentwurf zu kämpfen.

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