Auf der Sumud Flotilla: «Ein kleiner Einblick in ihre Maschinerie der Gewalt»

Die Gewalt Israels kennt keine Grenzen. Sie richtet sich ohne jeden Skrupel auch gegen Bürger:innen „befreundeter“ Staaten. Das zionistische israelische Regime weiss genau, dass es zum Beispiel aufgrund der „bedingungslosen Staatsräson“ Deutschlands keine wirklichen Konsequenzen zu befürchtern hat. Ernsthafte Rückedendeckung für die eigenen Bürger:innen sind kaum zu erwarten. Die verbalen Proteste haben vor dem Hintergrund der fortlaufenden Unterstützung Israels reine Alibifunktion. Das folgende Interview – voller Empathie – zeigt auf, wie es Betroffenen ergeht, die den Mut aufbringen, in dieser Situation der imperialen Gewalt Israels die Stirn zu bieten, und dann mit dieser Gewalt konfrontiert werden. Zwei Wochen nach dem Überfall stach die Flotilla gestern von der Türkei aus erneut in See. (Peter Vlatten)

Daniel Müller spricht über seine Teilnahme an der Sumud Freedom Flotilla auf dem Weg nach Gaza und über die erfahrene Gewalt durch das israelische Militär.

Christa Dregger ZEITPUNKT 7.5.26, Pressenza ,11.05.26 –

Zeitpunkt: Daniel, du bist gerade von der «Sumud Flotilla» zurückgekehrt. Das Ziel der Flotilla war, Hilfsgüter nach Gaza zu liefern – und auch auf den Genozid Israels an der Bevölkerung Gazas aufmerksam zu machen. Ihr wurdet vor Griechenland vom israelischen Militär aufgegriffen – in internationalen Gewässern weit entfernt von Israel. Doch als erstes möchte ich wissen: Was hat dich dazu bewogen, mitzufahren?

Daniel Müller: Ich konnte segeln und hatte technische Erfahrung mit Segelbooten – das waren genau die Fähigkeiten, die gesucht wurden. Letztes Jahr war ich bereits beim Global March to Gaza dabei und wurde in Kairo am Flughafen zurückgeschickt. Diese Erfahrung hat etwas in mir ausgelöst. Ich wollte nicht abstumpfen angesichts der Nachrichten aus Gaza. Als ein Freund mich auf die neue Flottille aufmerksam machte, habe ich mich gemeldet.

Wie gross war die Flotilla?

Am Ende waren wir 56 Boote mit schätzungsweise 400 bis 500 Menschen an Bord. Es war eine unglaubliche organisatorische Leistung. Auf unserem Boot, der «Arkham», waren wir zu fünft: ein Australier, der momentan in Ägypten lebt, ein Ungar, der wegen der Repression in seiner Heimat nach Spanien ausgewandert ist, ein Brite mit pakistanischem Hintergrund, ein sehr gläubiger Muslim und ein Livestreamer aus Malaysia. Eine wirklich tolle, internationale Crew. Wir sind in Barcelona gestartet, haben in Sizilien Zwischenhalt gemacht und sind dann Richtung Kreta gefahren.

In internationalen Wässern ein Schiff aufzubringen, ist illegal. Es ist ein kriegerischer Akt.

Und was geschah dann?

Es war am 29. April, südlich von Kreta, bei sehr ruhiger See – fast spiegelglatt – schon eine Stunde nach Sonnenuntergang. Zuerst bemerkten wir, dass es noch mehr Drohnen gab als ohnehin schon während der ganzen Fahrt. Dann haben wir über Funk von einem anderen Boot vor uns gehört, dass sie ein unbeleuchtetes Objekt im Wasser sehen. Dann habe ich mit dem Fernglas drei dunkle Schnellboote entdeckt. Es war klar: Hier ist etwas im Busch. Wir dachten da noch nicht, dass es schon die israelische Armee sein könnte. Ich dachte, das wäre die Küstenwache, die uns aufhalten oder checken wollen. Was wichtig ist: In internationalen Wässern ein Schiff aufzubringen, ist illegal. Es ist ein kriegerischer Akt.

Wir haben sofort gewendet und versucht, uns zu entfernen, aber sie waren natürlich schneller. Sie haben uns festgesetzt und dann mit Gummigeschossen auf uns geschossen – ich wurde am Bein getroffen. Ab diesem Moment war für mich klar: Das ist meine Grenze. Jetzt geht es um Leib und Leben. Wir haben noch Notsignale abgegeben und Raketen abgefeuert, uns dann aber ergeben.

Sie kamen an Bord, haben alle Telefone und die Elektronik inklusive Starlink kaputt gemacht und das Boot systematisch zerstört – Segel zerschnitten, Leinen durchtrennt, sogar die Maschine mit einem Bolzenschneider zerstört. Wir haben erst da gehört, dass sie hebräisch sprachen, dass es also die israelische Armee war. Uns wurden die Telefone weggenommen, wir wurden einzeln unter Deck geführt, durchsucht, auf dem Rücken mit Zip Ties gefesselt. Danach wurden wir auf ein israelisches amphibisches Landungsschiff gebracht, das sie mit Containern und Stacheldraht zu einem provisorischen Gefängnis umgebaut hatten.

ch selbst wurde mit dem Kopf gegen eine Stahlwand geschlagen, wurde bewusstlos und wachte erst im Boot der Küstenwache wieder auf.

Wie waren die Bedingungen dort?

Wir waren 181 Menschen und blieben anderthalb Tage auf dem offenen Deck, mit drei Stahlcontainern. Es gab kaum Matratzen, ein paar Dixi-Klos, ein wenig Essen und Wasser. Viele gingen in den Hungerstreik. Es gab immer wieder Demütigungen: stundenlanges Knien mit Händen über dem Kopf, Anschreien, Tritte. Ich habe dort eine ganz andere Welt entdeckt: die Welt der Geheimdienste und Armee, völlig jenseits von jeglichen Rechtsstandards. Es gibt keine Informationen, keine Kommunikation, nur gebrüllte Befehle und Gewalt. Einzelne Aktivisten wurden herausgeholt, und wir hörten an ihren Schreien, dass sie misshandelt wurden. Zwei der Leiter der Flotilla kamen nicht wieder zurück: Thiago Ávila und Saif Abu Keshek. Wir haben protestiert und gefordert, dass sie zu uns zurückkommen. Darauf ging man nicht ein. Wir haben gesungen und gechantet, daran konnten sie uns nicht hindern.

Die zweite Nacht war sehr kalt, viele waren ja noch in ihren T-Shirts, einige verletzt. Und am Morgen eskalierte die Gewalt. Wir sollten in die Boote der Küstenwache umsteigen. Wir haben uns geweigert, solange unsere Kameraden nicht wieder bei uns sind. Wir haben Sitzblockade gemacht und gechantet. Und dann haben sie uns einzeln mit Gewalt rausgeprügelt und geschleift und auf das Boot von der Küstenwache gebracht. Ich selbst wurde mit dem Kopf gegen eine Stahlwand geschlagen, wurde bewusstlos und wachte erst im Boot der Küstenwache wieder auf. Das war kurz vor dem Hafen von Kreta, also in griechischen Gewässern.

Da war dann die griechische Küstenwache?

Ja. Die Griechen haben uns übernommen. Wir dachten ja, sie wären da, um uns zu helfen. Dann wurde offensichtlich, dass sie mit Israel kooperiert haben. Sie waren mit vielen Polizeiwagen, aber nur einem einzigen Krankenwagen eingetroffen. Es gab wieder stundenlange Verhöre. Die Verletzten wurden erstmal nicht versorgt. Erst am Nachmittag kamen wir ins Krankenhaus.

21 Boote wurden gestoppt. Was ist mit dem Rest der Flotilla?

Die restlichen Boote sind nach Lyapatra im Süden von Kreta weitergefahren, wo sie weiterhin unter starker Beobachtung von Drohnen und Helikoptern stehen. Die Stimmung ist ungebrochen, aber man ist auch sehr alert. Die Frage ist, ob und wann sie auch angegriffen werden. Der Plan im Moment ist, sich in der Türkei wieder zusammenzutun und dann hoffentlich die Mission fortzusetzen.

Du bist seit zwei Tagen wieder zu Hause. Wie geht es dir heute?

Körperlich einigermassen. Die Schusswunde am Bein ist tief und braucht Zeit. Seelisch arbeitet es noch. Man merkt, dass man Sphären gesehen hat, die man sonst nicht sieht – die kalte, gewalttätige Maschinerie. Ich bin schreckhafter als vorher. Gleichzeitig habe ich grossen Respekt vor den Menschen, die weitermachen. Ich selbst werde vorerst nicht zurückkehren. Ich muss das erst verarbeiten. Aber ich unterstütze die Mission weiter.

Ihr habt die Gewalt sichtbar gemacht durch eure Aktionen. Ich finde, das ist etwas, was Aktivismus auf jeden Fall bewirkt, auch wenn noch keine Hilfsgüter hingebracht werden konnten. 

 Es stimmt, unsere Aktion hat dieses Unrecht sichtbarer gemacht. Aber noch lieber hätten wir Hilfsgüter hingebracht. Was wir dort gesehen haben, ist ein Einblick in eine Maschinerie, die weltweit und tagtäglich am Laufen ist. Und nichts im Vergleich zu dem, was Palästinenser täglich erdulden – Tausende sitzen ohne Anklage in israelischen Gefängnissen, darunter viele Kinder. Ich appelliere an alle: Erhebt eure Stimme! Demonstriert, schreibt an Politiker, fordert von euren Regierungen, dass sie ihre Bürger schützt und dieses Vorgehen in internationalen Gewässern verurteilt. Thiago Ávila und Saif Abu Keshek müssen sofort freikommen. Es braucht eine rote Linie gegen diesen Krieg und diese Gewalt.


Das Interview führte Christa Dregger. Wir danken für das Publikationsrecht. Das Original ist am 7.5.2026 bei Zeitpunkt erschienen.

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Titelbild: Flotilla

„Ich fühlte mich wie ein Monster“-Israelische Soldaten über Ihren Einsatz in GAZA

Ein sehr eindringlicher Text der israelischen Zeitung Haaretz gibt Einblicke in die Erfahrungen israelischer Soldat:innen in Gaza.

Hintergrund: Die Geschehnisse holen die Täter:innen, Weggucker:innen und Beteiligten ein. Die Selbstmordrate unter Angehörigen oder Ehemaligen der israelischen Armee ist immens angestiegen. Viele können nicht mehr in den Spiegel schauen. Ihr Schweigen und ihre Tatenlosigkeit macht sie zu Mittäter:innen und gleichzeitig zu Opfern. Nicht wenige, die sich nicht bekennen und aussprechen, werden zu moralisch verkommenen Subjekten. Humaner Sprengstoff, der das soziale Miteinander der gesamten israelischen Gesellschaft bedrohen kann. Hat dieser Staat eine Zukunft? Oder delegitimiert sich dieser Staat nicht ständig selbst und bedroht nicht nur die anderen, die Menschen im Libanon, in Gaza, im Westjordanland, sondern zerstört seine eigenen Bürger und macht sie zu menschlichen Wracks?

Einige äussern sich jetzt öffentlich. Es geht um das, was sie gesehen, getan und miterlebt haben und um die psychischen Folgen davon. Bei ihren öffentliichen Bekenntnissen geht es um mehr als die Überwindung klassischer Traumafolgen wie Schuldgefühle, Scham und Zweifel an sich selbst. Ihre Bekenntnisse sollen auch nicht Gewalt relativieren oder Verantwortung aufheben. Aber sie können helfen zu verstehen, was Krieg mit Menschen macht – auf allen Ebenen.

Yuval sitzt da, kaut an seinen Nägeln und zappelt unruhig mit den Beinen. Es ist Mittag in Tel Aviv, und die Straße ist voller Menschen. Manchmal blickt er sich um und mustert ängstlich die Vorbeigehenden. „Tut mir leid“, sagt er. „Meine größte Angst ist eine Racheaktion.“

Zitate, die für sich selbst sprechen. Auszüge aus einem Beitrag von Tom Levinson in der Zeitung Haaretz, einem der größten und renommiertesten israelischen Presseorgane. Texte die es in der deutschen Mainstreampresse so kaum zu lesen gibt. Texte die das ganze Ausmaß der Barbarei der israelischen Armee erahnen lassen

„Plötzlich riefen mich ein paar Soldaten, also ging ich mit ihnen zum Käfig. Der Palästinenser saẞ dort, gefesselt und mit verbundenen Augen, und schien vor Kälte zu frieren.

Plötzlich holte einer der Soldaten seinen Penis heraus und begann, auf ihn zu urinieren. Er sagte zu ihm: ,Das ist für Be'eri, du Arschloch, das ist für Nova""-der Kibbuz Be'eri und das Nova-Musikfestival, zwei der Orte, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas angegriffen wurden. ,,Niemand konnte aufhören zu lachen. Vielleicht habe ich auch gelacht."

Am nächsten Tag kam ein Shin-Bet-Vernehmer. „,Er war zehn Minuten bei ihm und sagte, es sei nur irgendein Mann, der versuchte, nach Hause in den Norden Gazas zurückzukehren, dass er nichts mit der Hamas zu tun habe, also lieẞen sie ihn gehen", sagt Maya, die wenige Wochen später entlassen wurde. Aber was sie gesehen hatte, blieb bei ihr.

Diese Texte, die in Israel publiziert werden konnten, können angesichts der deutschen Staatsräson für einen Autor in Deutschland existenziell bedrohlich werden. Wenn es nach der hessischen Landesregierung geht, soll in Zukunft in Deutschland derjenige, der das hier geschilderte System der staatlichen Barbarei Israels grundsätzlich kritisiert und infrage stellt, mit Gefängnis bestraft werden. Was sind das für Leute in den deutschen Eliten, insbesodnere in der hessischen Landesregierung, die mit allen Mitteln diese Barbarei zu schützen versuchen und diejenigen zum Schweigen bringen wollen, die sich mit den Opfern solidarisieren? Was für eine Dreistigkeit, unter dem Vorwand von Antisemitismus, antizionische Jüd:innen zu verfolgen, die sich für Völker- und Menschenrecht universell einsetzen!

„Als wir unser Ziel erreichten, wurde mir klar, dass das keine Terroristen waren. Es war ein alter Mann und drei Jungen, vielleicht Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.
Aber ihre Körper waren von Kugeln durchsiebt; ihre Organe quollen heraus. So etwas hatte ich noch nie aus der Nähe gesehen.

Ich erinnere mich, dass es still war; niemand sagte ein Wort. Dann kam der Bataillonskommandeur mit seinen Leuten, und einer spuckte auf die Körper und schrie: 'So geht es jedem, der sich mit Israel anlegt, ihr Hurensöhne.' Ich war unter Schock, aber ich habe geschwiegen, weil ich ein Versager bin, ein feiger Feigling."
"Das Bild seiner Hilflosigkeit lieẞ mich nicht los. Gedanken nagen ständig an mir- wie konnte ich einfach dastehen und nichts tun? Was sagt das über mich aus?" - Maya

Der Verein „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“, der diese „rechtsextremen“ Zustände anklagt, die in diesen Zeugenaussagen zum Ausdruck kommen, wurde von Verfassungschutz und Bundesinnenministerium als „gesichert extremistisch“ eingestuft. Ein Berliner Gericht hat diese Einstufung jetzt untersagt. [1]https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/solidaritaetskundgebung-mit-der-juedischen-stimme-gegen-den-verfassungsschutz/

„Vielleicht will ich auf eine gewisse Weise sterben, um es hinter mich zu bringen. Ich bringe mich nicht um, weil ich es meiner Mutter versprochen habe, aber ich gebe zu, dass ich nicht weiẞ, wie lange ich das noch durchhalte." -Yuval
„,Es hat alles zerstört, was ich über die Armee gedacht habe, alles, was ich über uns gedacht habe, über mich. Wenn wir zu so etwas Schrecklichem fähig sind, ohne dass Zivilisten davon wissen, was passiert dann noch in den Kellern? Welche anderen Geheimnisse verbergen wir?" - Eitan

Allein diese wenigen Textausschnitte zeigen eindringlich auf, was es heißt, „kriegstüchtig“ zu sein, was der Krieg aus unserer Gesellschaft und aus uns selbst macht.

"Sie kommen immer zu zweit - ein Vernehmer und ein Kampfsoldat. Als sie ankamen, standen wir am Eingang des Hauses Wache, und ich konnte das ganze Verhör hören und sehen."

Eitan sagt, dass der Vernehmer dem Gefangenen irgendwann die Hose und Unterwäsche auszog. ,,Er nahm ein paar Kabelbinder und befestigte einen an seinem Penis und einen an seinen Hoden. Er stellte ihm eine Frage, und als er nicht antwortete, zog er die Kabelbinder enger. Sie wiederholten das immer wieder; es wurde wie verrückt geschrien. Er hörte nicht auf zu schreien, als würde seine Seele seinen Körper verlassen.

Am Ende sprach er; alles sprudelte heraus, und der Vernehmer löste die Kabelbinder und brachte ihn zu einerm Lastwagen. Sie müssen ihn in Haft gebracht haben."

Nach dem 2.Weltkrieg hiess es:“ Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg.“ Beides ist oft untrennbar miteinander verbunden. Wer „kriegstüchtig“ sein will in einem Land mit einer der größten weltweiten imperial fähigen Militärapparate, muss derjenige nicht zwangsläufig auch „faschismusfähig“ werden?

Eine Operation fand im Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza statt. ,,Die ganze Gegend roch nach Tod, nach Leichen", sagt er. Seitdem kann ich den Geruch von verbranntem Fleisch nicht mehr ertragen. „Ich bin Vegetarier geworden. Ich erinnere mich genau an den Moment, als es mich traf, als der Geruch mich an das erinnerte, was ich in Be'eri gerochen hatte.
Da fragte ich mich - was sind wir geworden? Was bin ich geworden? Bis heute habe ich Angst, darauf eine Antwort zu geben.
Kein weiterer Kommentar zu diesen Zitaten. Jeder möge selbst urteilen. Was ist von denen zu halten, die ihre schützende Hand über Täter und Verantwortliche halten und gleichzeitig ein Kesseltreiben gegen alle veranstalten, die diese Barbarei anklagen!

Wir sollen breit geklopft werden, damit wir diese „Drecksarbeit“ demnächst auch selber machen können.

Hier der vollständige Text von Tom Levinson in Haaretz. [2] … Continue reading


Titelbild: Collage Peter Vlatten


Global Sumud Flotilla in See gestochen – lasst sie nicht aus den Augen!

Global Sumud Flotilla ist in See gestochen – lasst sie nicht aus den Augen!

Was Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International vor mehreren Monaten zur brüchigen Waffenruhe in GAZA gesagt hat, hat sich inzwischen tausendfach bewahrheitet: [1]

Die Waffenruhe birgt die Gefahr, eine gefährliche Illusion zu erzeugen, dass das Leben in Gaza zur Normalität zurückkehrt. Zwar haben die israelischen Behörden und Streitkräfte das Ausmaß ihrer Angriffe reduziert und begrenzte humanitäre Hilfe nach Gaza zugelassen, doch die Welt darf sich nicht täuschen lassen. „Israels Völkermord ist noch nicht vorbei“!

Israel hat den Palästinensern im Gazastreifen durch seinen Völkermord, darunter zwei Jahre unerbittlicher Bombardierungen und systematischer Aushungerung, verheerendes Leid zugefügt. Bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Israel ernsthafte Maßnahmen ergreift, um die tödlichen Folgen seiner Verbrechen rückgängig zu machen, und keine Beweise dafür, dass sich seine Absicht geändert hat. Im Gegenteil, die israelischen Behörden setzen ihre rücksichtslose Politik fort, indem sie den Zugang zu lebenswichtiger humanitärer Hilfe und grundlegenden Dienstleistungen einschränken und bewusst Bedingungen schaffen, die darauf abzielen, die Palästinenser im Gazastreifen physisch zu vernichten.

Schweigen zu Gaza und Übergang zu „business as usual“ wie es die offizielle Politik gern hätte, ist tödlich. Die Palästinenser:innen brauchen den Blick der Weltöfflichkeit auf das, was in Palästina wirklich geschieht. Internationale Solidarität ist notwendiger denn je.
Vor diesem Hintergrund will die Freedom Flotilla Coalition (FFC) gemeinsam mit weiteren globalen Initiativen, ihre Missionen und Aktionen 2026 fortsetzen und ausweiten! Zur Durchbrechung und Beendigung der illegalen Blockade des Gazastreifens durch Israel. Die jetzt gestartete Global Sumud Flotilla soll aber auch den Mantel des Schweigens zerschneiden, der über die fortlaufenden Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen durch Israel und seine Unterstützer ausgebreitet werden soll.

Thousand Madleens to Gaza schrieb in ihrer Ankündigung

Angesichts des Gräuels in Israel müssen wir handeln. Die vor wenigen Monaten gestarteten Flottillen – die Globale Sumua-Flottille, „Tausend Madleens“ und die Freedom Flotilla Coalition – haben gezeigt: Wenn sich die Menschen der Welt vereinen, können sie sich aus ihrer Ohnmacht befreien. Gemeinsam sind wir in der Lage, dem Zionismus entgegenzutreten, den israelischen Staat herauszufordern und das Machtgleichgewicht zugunsten freier Menschen zu verschieben. Wir bereiten uns darauf vor, stärker und zahlreicher denn je zurückzukehren, denn Flottillen bleiben ein Mittel verantwortungsvollen internationalen Handelns als Reaktion auf den andauernden Völkermord und ergänzen lokale Aktionen gegen die Rüstungsindustrie sowie gegen Unternehmen und Staaten, die Israels Völkermord finanzieren.

Merz meint, er mache die „Drecksarbeit“, aber für Merz und seinesgleichen, nicht für „uns

Letzten Sonntag, den 12. April, war es soweit. Nach intensiver Vorbereitung und Schulung der Crews und zwei Solidaritätstagen voller Workshops, Musik und Kunst starteten die Schiffe ihre Fahrt mit Delegationen aus 52 Ländern.

Die Botschaft zum Aufbruch: Einsatz für die palästinensische Sache, für den interntionalistischen Zusammenhalt der Völker und der Aufruf, dass sich die Mobilisierung an Land wieder mit Nachdruck äuẞert – Sowohl für Palästina als auch zur Unterstützung der GSF.

Eine andere Situation


Genau wie im letzten Jahr müssen die Besatzungen das Tempo der Reise den Wetter- und Seebedingungen sowie dem Zustand der Boote, die sie besteigen, anpassen. Ebenso entscheidend aber sind die Veränderungen in der politischen Lage. Die Flotillen 2025 fanden auf dem Höhepunkt des israelischen Völkermordkrieges im Rahmen massiver Mobilisierungen statt. Millionen Menschen besetzten Universitäten, boykottierten Institutionen und gingen auf die Straẞe, während Teile der Arbeiter:innenklasse, angeführt von Hafenarbeiter:innen, bedeutende Streiks organisierten.

Die Solidarität mit Palästina ist nicht verschwunden, aber das Abkommen zwischen Israel, den USA und der Hamas ermöglichte eine Ausweitung der Besatzungspolitik und Kriegshandlungen im Westjordanland, der Invasion im Süden des Libanon und die Angriffe auf den Iran. Infolgedessen liegen die aktuellen Aktionen der Flotilla weniger im Fokus der Aufmerksamkeit der weltweiten Öffentlichkeit. Die militärische Eskalation bezieht direkt die USA und den Staat Israel gegen Iran, Libanon, Palästina, Jemen und andere Länder ein. Dies erfordert ständige Bewertungen und bewusste Entscheidungen über die Sicherheit der Mission.

Das alles macht es notwendig, Mobilisierungen voranzutreiben, um die Flottille zu schützen, von Regierungen zu fordern, Stellung zu beziehen, und so Verbindung zwischen Mobilisierung an Land und Meer herzustellen. Den Aktivisten ist diese Situation bewusst. Sie bitten und rufen auf: Lasst uns und Palästina nicht aus den Augen. Mobilisiert jetzt erst recht. Unterstützt die Aktion mit Spenden. Macht weiter Blockaden und Streiks gegen Waffenlieferungen. Berichtet über den Fahrtverlauf und jeden Zwischenfall. „Nur so können wir die Boote schützen und Druck aufbauen um Palästina zu befreien“.

Freie Seefahrt für was und wen?

Während die Herrschenden bei der Blockade der Straße von Hormuz nicht müde werden, über die Sicherung der freien Seefahrt zu reden , verlieren sie kein Wort über die seit vielen Jahren bestehende illegale Seeblockade Israels vor Gaza. Zur Straße von Hormus schicken USA und Europäer eine ganze Armada von schwerbewaffneten Militärschiffen. Vor
Gaza interessiert sie die „freie Seefahrt“ einen Dreck. Bei Hormuz geht es um Öl und Gas. Bei Gaza „nur“um Menschen. Die Flotilla hat statt Waffen Hilfsgüter geladen. Lebensmittel und Medikamente, um Hungernde und Kranke zu retten. Sie will ein Zeichen setzen für freie Seefahrt zur freien Versorgung mit allen Gütern, aber auch mit Unterstützern, die in Not geratene Menschen zum Leben und Wiederaufbau brauchen.

Diese Mission zielt nicht nur darauf ab, Israels illegale Belagerung zu durchbrechen und lebensrettende humanitäre Hilfe zu leisten, sondern auch eine nachhaltige zivile Präsenz zu etablieren. Teams von Ärzten, Krankenschwestern, Öko-Bauern, Ermittlern für Kriegsverbrechen, unbewaffneten zivilen Beschützern und anderen werden von Bord gehen, um mit dem palästinensischen Volk zusammenzuarbeiten. Während sie weiterhin die anhaltenden Angriffe des israelischen Regimes ertragen, werden wir mit dem Wiederaufbau der Gesundheitssysteme und der Grundinfrastruktur beginnen, die zerstört wurden.

Global Sumud Flotilla ist in See gestochen – lasst sie und Gaza nicht aus den Augen! Informiert Euch regelmäßig hier . Spendet . Berichtet! Stärkt den mutigen Besatzungsmitgliedern den Rücken!
Alle Infos hier !

Global Sumud Flotilla live tracker,

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Enthüllung! DGB Leipzig: Kritik an Völkermördern und Kriegstreibern und Solidarität mit den Opfern soll ausgegrenzt werden. Hauptgegner ist nicht mehr das Kapital, sondern „links“!

Wir werden weiter berichten!

Bilder: von Beteiligten der Startveranstaltung, Collage Peter Vlatten.

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