Ein Lied für Esther (Bejarano)

Das Verharren vor Denkmälern kann uns nicht vor Faschismus schützen und wäscht auch Schweigende, Wegschauende von ihrer Tatenlosigkeit gegenüber den aktuellen Verbrechen gegen das Menschenrecht nicht rein! Ein aussergewöhnliches, notwendiges Kunstereignis gerade heute, welches „Erinnerungskultur“ vom Kopf auf die Füße stellt! (Peter Vlatten)

Candice Breitz

A Song for Esther

  • Musik
  • Performance
Sa 6.6.2026, 19:30 / HAU1 tickets ab 12 €
So 7.6.2026, 19:30 / HAU1 tickets ab 12 €

Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Englisch /  mit deutschen Übertiteln 

“A Song for Esther” wurde im Dialog mit der Familie Bejarano geplant.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Künstler*innen und Musiker*innen in Zeiten von Völkermord und Unterdrückung? Ein Jahrhundert nach der Geburt der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano reflektiert dieses konzeptionelle Konzert die anhaltende Wirkung ihres widerständigen Vermächtnisses – sowohl als Aktivistin als auch als Musikerin – für die Gegenwart.

“A Song for Esther” ist ein Akt des Gedenkens, der die Abwesenheit von Esther Bejarano markiert – ein vergängliches Mahnmal in Form eines Konzerts. Auf Einladung der Künstlerin Candice Breitz würdigt ein außergewöhnliches Line-up von Musiker*innen die unermüdliche antifaschistische Aktivistin und Musikerin:

Neben Breitz werden am Abend Lie Ning, Rasha Nahas, Polly Ott, Aeham Ahmad, Lili Sommerfeld, Dejan Jovanović + Oana Cătălina Chiţu, Die Anstalt, Lurje Judelman Shneyveys und das Sialan String Quartet auftreten. Als besondere Gäste des Abends werden Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven von der Hip-Hop-Band Microphone Mafia dabei sein, die über tausend Konzerte mit Esther gespielt hat – das letzte davon nur wenige Wochen vor ihrem Tod im Alter von 96 Jahren.

Esther wurde 1924 als Tochter einer jüdischen Familie im Saarland geboren. Im Alter von 18 Jahren wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie begriff kurz nach ihrer Ankunft, dass die brutale Schwerstarbeit, zu der sie gezwungen wurde, ganz auf ihre Auslöschung abzielte. Als sie für die Mitwirkung im “Mädchenorchester” des Vernichtungslagers vorgeschlagen wurde, sah sie eine Möglichkeit, dem sicheren Tod zu entkommen.

Wie Esther später erklärte, verdankte sie ihr Überleben letztendlich dem Umstand, dass sie der Dirigentin des Orchesters ein bestimmtes Lied vorspielen konnte. Während der unvorstellbar düsteren Aufnahmeprüfung sollte sie beweisen, dass sie den zuckersüßen Kriegsschlager “Bel Ami” auf dem Akkordeon beherrschte, einem Instrument, das sie noch nie zuvor gespielt hatte. Aus purer Verzweiflung quetschte Esther mithilfe ihrer Klavierkenntnisse das eingängige Lied aus dem Akkordeon.

Nach dem Holocaust wollte Esther siebzig Jahre lang nichts von “Bel Ami” wissen. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie jedoch – zur Überraschung vieler – zu dem Lied zurück und nahm es in ihr Repertoire für Hunderte von Konzerten auf. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu diesem zutiefst traumatischen Moment zurückkehrte, der ihr Schicksal bestimmt hatte, beschrieb Esther ihre Darbietung von “Bel Ami” als einen “Akt der Rache”. Für sie war das Lied ein Symbol dafür geworden, dass sie die albtraumhafte Erfahrung, von Nazi-Deutschland buchstäblich instrumentalisiert worden zu sein, überwunden hatte.

Angesichts des weltweit erstarkenden Faschismus bietet “A Song for Esther” einen flüchtigen Ort für verkörperten Widerstand. Am Abend des Konzerts werden alle beteiligten Musiker*innen und Bands einen einzigen Song spielen, der nichts mit ihrem üblichen Repertoire zu tun hat. Als Künstler*in kann man sich das Instrument oder das zu spielende Lied nicht immer aussuchen. Und doch birgt der Moment der Aufführung ein politisches sowie ein kreatives Potenzial.

Titelbild: Candice Breitz aus dem Programm

Sa 6.6.2026, 19:30 / HAU1 tickets 
So 7.6.2026, 19:30 / HAU1 tickets

Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Englisch /  mit deutschen Übertiteln 

Spielplan & Tickets

Während Pferde fliegen, bleibt die Menschheit am Boden ..

Manche kleinen Ereignisse dieser Tage voll kapitalistischer Barbarei sagen viel und lassen sich wohl am Besten mit Poesie — mit peschschwarzer Lyrik – einfangen. Ein Gedicht über Liebe für alles, was Kapital ist und nicht Mensch. (Peter Vlatten)

„Diese ‚Rührseligkeit‘ des Kapitalismus hat mich zu Tränen gerührt“ – Schwarzer Humor, eine antiimperialistische Klage –

Gestern Abend lief auf Habertürk TV eine Szene:
Schwere Frachtflugzeuge steigen in den Himmel…
Keine Menschen an Bord.
Keine Hoffnung.
Keine Zukunft.

Aber…
Millionenwerte Rennpferde.

Ja, genau.
Von Bahreyn nach Belgien –
Pferde, die vor der „Gefahr des Krieges“ gerettet werden.

Eines muss hier klar gesagt werden:
Wir sind nicht gegen die Rettung eines Lebewesens.
Im Gegenteil – Leben zu schützen ist das elementarste menschliche Prinzip.

Doch in dieser Szene wurde nicht einfach ein Lebewesen gerettet…
Gerettet wurde sein Warenwert.
Gerettet wurde das Kapital, das sich aus ihm vermehren lässt.

Was in dieses Flugzeug geladen wurde, war nicht nur ein Tier –
sondern ein Versprechen auf zukünftige Millionengewinne.

Was für eine elegante Epoche!
Während Bomben auf Menschen niedergehen, spannt der Kapitalismus einen Schirm über seine Pferde.

Auf der einen Seite:
Feuer, das vom Himmel fällt.
Kinder, die in der Erde verschwinden.
Zerfetzte Häuser.
Städte in Dunkelheit.
Kein Strom.
Kein Wasser.
Keine Wärme.
Selbst Atmen wird zum Luxus.

Im Libanon
sind Menschen auf der Flucht,
ohne Koffer, ohne Perspektive –
nur mit dem nackten Instinkt zu überleben.

Krankenhäuser überfüllt.
Schreie, die den Himmel durchbohren.
Getroffene Ölquellen –
der Himmel ist nicht nur dunkel, sondern giftig geworden.

Apokalypse…
aber nur für Menschen.

Auf der anderen Seite:
Pferde werden verladen.

Behutsam.
Sorgfältig.
Mit größter Aufmerksamkeit.

Als wäre nicht der Mensch das Wertvollste.
Als wäre das Recht auf Leben eine Rennbahn.

Vielleicht beugt sich ein Angestellter hinunter und flüstert:
„Hab keine Angst… wir retten dich.“

Was für eine große Barmherzigkeit.
Was für eine erhabene Moral.

Doch diese Barmherzigkeit spricht eine andere Sprache:
Nicht Mitgefühl, sondern Bewertung.
Nicht Empathie, sondern Renditekalkül.

Diese „Rührseligkeit“ des Kapitalismus…
sie hat mich wirklich zu Tränen gerührt.

Während Menschen vor Bomben fliehen,
fliegt das Kapital seine Pferde weiter – fast wie Business Class.

Das ist die Moral des Kapitalismus:
Der Mensch stirbt – der Markt lebt.
Die Natur brennt – das Kapital wird verlagert.
Städte zerfallen – Werte werden versichert.

Und man verlangt von uns, das „Weltordnung“ zu nennen.

Vielleicht werden Geschichtsbücher eines Tages schreiben:
„In dieser Epoche, in der Menschen an Krieg, Hunger und giftiger Luft starben,
zeigten die Mächtigen ihre größte Sensibilität… gegenüber Rennpferden.“

Und Kinder werden fragen:
„Wirklich?“

Und wir werden beschämt antworten:
„Ja… denn damals war nicht die Menschlichkeit heilig,
sondern die Profitrate.“

Vielleicht ist die eigentliche Tragödie:
Die Pferde wurden gerettet.
Doch die Menschheit…

liegt noch immer unter den Trümmern.

Zeki Gökhan, 20. März 2026

Titelbild: Collage Zeki Gökhan

Frommes Gedicht der Konzernbesitzenden

von Peter Jüriens, März 2026

Willkommen im Shop of the wars
Wir treten der Welt für verteufelt viel Geld
bis sie brennt immer fest in den Mors
Und für Uns ist’s bequem
Euer Outlawsystem
Das ihr da nennt die freie Welt

Wir werden Euch alles verkaufen:
Hier Raketen wie wild, da ’nen Raketenschild
Panzerflotten, die Unser Öl saufen
Kriegsgrund gratis dazu!
Heut gibt’s Schulkindragout!
Regen billig! Viel Platz in den Traufen!

Wir geben Euch nur eine Regel:
Daß der Frieden nie reicht den ihr eh nie erreicht –
Blut her! Füttert des Krieges Egel!
Uns ist’s regelbasiert
wenn ihr losbombardiert,
massakriert, killt, blockiert. Es ist leicht.

Keine Rechtsgrundlage ist gegeben
Weil halt might makes so right und Ihr dumm genug seid
Uns zu geben Geld Macht, und das Leben…
Und für Uns ist’s genial
Los! Das Ganze nochmal!
Unsern Arsch auf den Weltthron zu heben.

Alle Bilder: Collagen Peter Jüriens

In den USA fanden gestern, 28.März, unter dem Motto „No Kings“ landesweit Demonstrationen mit 8 bis 10 millionenfacher Beteiligung gegen Präsident Trump statt. 

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung