Iran und Nahost: Jubel, Schweigen, aber auch Trauer und Wut über US und Israels Angriffe – ein Spiegel über „in weiße Tücher gehüllte Kindheit“

Schon am ersten Kriegstag wurde in der iranischen Stadt Minab eine Mädchenschule bombardiert. Bilder wie anfangs in Gaza. Der Luftangriff forderte unzählige Verletzte. Die Zahl der Todesopfer stieg bis heute – laut offizieller Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA – auf 165 tote Mädchen an. Zu den Vorgängen von der Zerstörung bis einschließlich Beerdigung gibt es zahlreiche Videoaufnahmen, auch von mutmaßlich unabhängigen Zeugen. Das uns vorliegende Video wurde über Iranrevolution.info verbreitet. Bei der Abschiedszermonie waren es 165 in weisse Leinentücher gehüllte Leichname von vorwiegend unschuldigen Schüler:innen. Die meisten davon waren Kinder.

Auf der Plattform X von Elon Musk wurde behauptet, dass das gesamte Dokumaterial ein Fake sei. Aber selbst Tagesschau und NYT verifizierten, daß diese Behauptung über ein Fake selbst ein Fake ist.

Iraner:innen feiern zusammen mit Zionist:innen die Angriffe auf Iran

Nur die genaue Zahl der Toten konnte nicht überprüft werden. Aber mit Sicherheit waren es sehr sehr viele Opfer.

Die Jubelschreie und Tänze etlicher Exil Iraner:innen vor dem Brandenburger Tor sind weder der Jubel der betroffenen Bevölkerung im Iran noch der Jubel des größten Teils der Opposition im Land selbst.

US und Israels Militär stellten sich ahnungslos, sprachen von unbeabsichtigten Kollateralschäden oder wiegelten ganz ab. Die Bilder passen so gar nicht zum Narrativ einer chirurgischen Kriegsführung, mit der eine „ruchlose Führungskaste“ und deren Anhänger klinisch rein zur Befreiung des iranischen Volkes beseitigt wird. Die „Ruchlosigkeit“ der einen entschuldigt nicht die „ruchlose Drecksarbeit“ der anderen. Zumal es die USA waren, die mit dem Sturz der demokratischen Regierung Mohammad Mossadegh – durch Verstaatlichung war das iranische Öl dem US Zugriff entzogen worden – die Implementierung der nachfolgenden Tyranneien von Shah und Mullahs erst in Gang gesetzt haben.

„Wie Satellitenbilder und Kartendienste zeigen,“ schreibt die Tagesschau, „handelt es sich bei dem Gebäude tatsächlich um eine Grundschule für Mädchen in der iranischen Stadt Minab. Das Schulgelände liegt neben dem Gelände einer Kaserne der Islamischen Revolutionsgarde. Weitere Aufnahmen zeigen, dass auch ein Gebäude an der Basis neben dem Schulgelände getroffen wurde.“

Da fällt einem unweigerlich das frisch eröffnete Munitionswerk Pierburg von Rheinmetall mitten im Berliner Wedding ein. Wie weit entfernt sind eigentlich die nächsten Schulen von diesem Werk?

Das Geschehen hat Zeki Gökhan dazu veranlasst, ein Gedicht zu verfassen, das den Vorgängen den Spiegel vorhält und alle auffordert, nicht stillzuschweigen, nicht zu vergessen, sondern darüber zu schreiben. Was wir hiermit begonnen haben. Es sind Opfer einer imperialistischen Aggression.

Vorwort..
Es gibt Schmerzen, die mehr sind als Verlust – sie sind der Moment, in dem die Menschheit ihrem eigenen Spiegel nicht mehr standhalten kann.
Und es gibt Augenblicke, in denen Kinder sterben, während anderswo getanzt wird.
Dieses Gedicht ist nicht nur Klage – es ist ein Zeugnis des zerbrechenden Gewissens
…“

„In weiße Tücher gehüllte Kindheit“..

Weiß waren sie alle…
Als würden sie gleich spielen gehen,
als würde ihre Mutter ihr Haar streicheln
und sagen: „Erkälte dich nicht…“

Doch Weiß war diesmal nicht Unschuld,
sondern die Farbe der Stille.

Sie hatten kleine Hände,
die sich dem Leben entgegenstrecken sollten,
Hände für Hefte,
für Stifte, für Spielzeug, für Hoffnung…

Doch nun
schreiben sie,
eingehüllt in kaltes Leinen,
eine stumme Geschichte.

Jedes Gesicht eine Erzählung,
jeder Name ein unvollendeter Satz,
jedes Kind eine Welt…
Und die Welt ist ohne sie
ein Stück ärmer geworden.

165 Morgen, die vor Sonnenaufgang erloschen,

165 Lachen verstummt—
der Himmel trägt seine eigene Scham.

Doch in jenen Momenten—
als Feuer vom Himmel fiel,
als Bomben den Atem der Kinder raubten,
erhob sich anderswo
Musik…

Kleine Gruppen versammelten sich,
tanzten im Kreis in der Nacht,
Schritte im Takt,
als wäre nicht der Tod gekommen, sondern ein Fest.

Lachen stieg über die Trümmer,
Rhythmen erstickten die Schreie,
und der Mensch versuchte,
seine eigene Dunkelheit im Tanz zu verbergen.

Was ist das für ein Zustand—
wenn der letzte Atem eines Kindes
zeitgleich mit Applaus erklingt?
Was ist das für eine Entfremdung,
was für ein Verlust an Gewissen?

Mütter…
Sie umarmen nicht die Erde,
sondern ihre Kinder—
ein letztes Mal…
Und die Welt dreht sich weiter,
als wäre nichts geschehen.

Schweigen ist oft der größte Komplize,
stumme Zungen
sind schwerer als Bomben.

Und o Menschheit—
wenn ein Kind stirbt,
fällt nicht nur ein Körper zu Boden,
die Zukunft wird begraben,
das Gewissen wird begraben,
die Hoffnung wird begraben.

Was ist das für eine Zeit,
in der Spielzeuge schweigen
und Waffen sprechen?

Was ist das für eine Ordnung,
in der Kinder sterben
und die Mächtigen schweigen?

Und wir—
Zeugen dieses Schmerzes—
werden wir schweigen,
oder
die unvollendeten Stimmen der Kinder
in den Himmel schreiben?

Denn manche Gedichte
werden nicht geschrieben, um schön zu sein,
sondern um zu erinnern:

Wenn ein Kind stirbt,
stirbt auch ein Teil der Menschheit.

Zeki Gökhan

Zeki Gökhan ist Mitglied der Partei Die Linke NRW und ehemaliger Bundestagsabgeordneter.

Amnesty International mahnt angesichts des Ereignisses in Minab: „Alle Konfliktparteien müssen das humanitäre Völkerrecht einhalten und Zivilist*innen schützen. Wir müssen den aktuellen Verstöẞen gegen das Völkerrecht klar entgegentreten. Sonst stehen Frieden und Menschenrechte für alle auf dem Spiel.“ Gute Worte, die Aggressoren und Tyrannen immer weniger interessieren.

Als medizinisches Personal und Verletzte der Proteste von iranischen Sicherheitskräften attackiert wurden, war der Aufschrei im Westen groß, Jetzt mit dem Krieg wurden ( Quelle Amnesty International) schon mindestens 10 medizinische Einrichtungen im Iran von US und israelischen Bomben getroffen und der Großteil der westlichen Medien und Politiker schweigt.

6. März 2026. Das Bombardement der Schule in Minab bleibt kein Einzelfall. Al Jazeera und Reuters melden: am 5. März haben „von den USA und Israel abgefeuerte Raketen zwei Schulen in der Stadt Parand südwestlich von Teheran getroffen.“ Ein Faktencheck steht noch aus. 7. März: Besonders heftige Attacken auf medizinische Einrichtungen. Auch das kennen wir inzwischen doch von Gaza.

Der israelische Kanal N12 zitierte schon vor 5 Tagen Verantwortliche aus Israel, Teheran werde nach den Angriffswellen „nicht mehr aussehen wie zuvor“. Da muss man fragen: wie Gaza? Netanjahu und Trump lassen ihren martialischen Worten in der Regel ihre imperialistischen Taten folgen.

Trump will sich nach dem Iran um Kuba kümmern!

Titelbild: Collage Peter Vlatten, Quelle Bildmaterial Iranrevolution.info

Über 50.000 Schüler:innen bundesweit im Streik gegen die Wehrpflicht

Erneut sind tausende Schüler:innen in über 130 Städten gegen die Wehrpflicht auf die Straße gegangen. Unterstützung erhielten sie dabei von Gewerkschafter:innen und Friedensbewegung. In Berlin beispielsweise von der GEW, der EVG Jugend und dem Arbeitskreis Internationalismus Metall, auch einige Ver.di Westen waren im Demozug zu erkennen. Die Ver.di Jugend hatte sich am Vorabend ebenfalls mit dem bundesweiten Schülerstreik solidarisiert.

Inhaltsverzeichnis


„Als GEW BERLIN sagen wir ganz klar, dass das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ein massiver Eingriff in die Lebensplanung und Selbstbestimmung junger Menschen ist! Denn es bedeutet nichts anderes als die Wiedereinführung der Wehrpflicht!“

Marie Viney – GEW Landesvorstand

Konstantins Rede auf dem Schülerstreik


Kleine Fotogalerie von Konstantin


Schüler:innen trotz Repression entschlossen

Die Schüler:innen machten auf Transparenten und in ihren Reden deutlich, dass sie einen Zwangsdienst an der Waffe ablehnen. Immer wieder stimmten sie die Parolen „Nie wieder Wehrpflicht“ und „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!“ an. Die Demonstrationen waren wie schon im Dezember klar internationalistisch geprägt. In einigen Städten gab es Berichte über Repressionen. So sollen in Stuttgart und Frankfurt beispielsweise Schüler:innen in der Schule eingeschlossen worden sein, um nicht am Schulstreik teilzunehmen. Solche Maßnahmen dürften rechtswidrig sein und sind scharf zu verurteilen. In München sollen Schüler:innen von der Polizei in ihre Schulen zurückgezwungen worden sein. Eine Gesellschaft, die stets betont wie wichtig ihr demokratische Werte sind, sollte die Meinungs- und Versammlungsfreiheit wertschätzen und auf solche Repressalien gegenüber der Jugend verzichten. Die Berliner Polizei fiel mit bemerkenswertem Verfolgungseifer gegen Plakate auf, die sie als beleidigend gegenüber Bundeskanzler Merz einstufte. [1]beleidigendes-merz-plakat


Kleine Fotogalerie von Ingo Müller

Weitere Bilder


Kurzvideo über die Demo zum Oranienplatz


Video Labournet TV: Schulstreik gegen die Wehrpflicht

Recht herzlichen Dank für die Genehmigung der Veröffentlichung.


Nächster Streiktag in Planung

Die Schüler:innen scheinen sich jedenfalls nicht einschüchtern zu lassen und planen bereits den nächsten Streiktag. Schon kurz vor dem Streik gaben sie bekannt, dass der nächste Schulstreik am 08. Mai 2026 statt finden soll. Es ist zu hoffen, dass sich dann noch deutlich mehr Schüler:innen anschließen und die Bewegung gegen den Militarismus insgesamt wächst. Eine Bundesregierung, die nicht in der Lage ist völkerrechtswidrige Angriffskriege ihrer Verbündeten zu benennen, sondern in Teilen offen mit einem Kriegseintritt gegen Iran kokettiert, macht deutlich, dass dies dringend erforderlich ist. [2] Webseite von Schulstreik und auf Instagram

Screenshot: schulstreikgegenwehrpflicht

Internationale Solidarität aufbauen

Die Regierenden müssen zum Umdenken gezwungen werden. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass die Schüler:innen eine bundesweite Streikbewegung auf die Beine stellen konnten. Doch das kann nur der Anfang sein. Hoffnung macht, dass sich auch weltweit viele Jugendverbände mit den Schüler:innen in Deutschland solidarisierten. In Italien kam es zu Solidaritätsstreiks von Schüler:innen. Aus Frankreich gab es unter anderem eine Solidaritätserklärung der Bildungsgewerkschaft FNEC FP-FO, die die Militarisierung des Bildungswesens in einen geopolitischen Kontext setzt. Solche klaren Worte lassen die deutschen Gewerkschaften in der Summe nach wie vor vermissen.

Iran und Nahost: Ein Manifest Oppositioneller aus dem Land

Es gibt sie, die Opposition innerhalb des Iran, die sagt: weder Mullahs noch Shah noch USA noch Israel noch Krieg. Für soziale Rechte. Für Frauenrechte. Für Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Die wirkliche unabhängige Opposition im Iran besteht aus einem vielfältigen Spektrum von Gewerkschafter:innen, Intellektuellen, Frauenrechtler:innen, Gewerbetreibenden bis hin zu Geistlichen, die den religiösen Fundamentalismus der Mullahs vollständig ablehnen. Sie mögen den Tod führender Mullahs begrüßen, aber angesichts der US- und israelischen Bombenteppiche ist Ihnen nicht zum Lachen zumute. Diese Opposition und ihre oft mit breiteren Teilen der Bevölkerung vernetzten Aktionen werden von der westlichen Presse weitgehend ignoriert. Sie passt ganz und gar nicht in das Konzept der Unterwerfung unter westliche Dominanz. Diese Opposition hat weder Lobby noch kann sie mit den immensen für den Shah gesponserten Geldsummen mithalten. Wir publizieren hier beispielhaft eine Erklärung, die über die gemeinnützige Presseagentur Pressenza ihren Weg in die globale Öffentlichkeit gefunden hat. (Peter Vlatten)

Pressenza IPA, 2. März 2026

Wir veröffentlichen diesen wichtigen Appell von 353 iranischen Aktivisten und Akademikern – die im Iran leben –, die ein Manifest mit dem einfachen und unmissverständlichen Titel „Nein zum Krieg“ veröffentlicht haben.

Es ist unerlässlich, der kriegstreiberischen iranischen Diaspora und ihren westlichen Unterstützern die wahren Forderungen der Iraner aufzuzeigen. Es stimmt nicht, dass die im Iran lebenden Iraner – also jene, die Trumps erste Ziele wären – Krieg wollen. All jene innerhalb und außerhalb der akademischen Welt, die Trump für seinen Wunsch, die Iraner zu „befreien“, gedankt haben, sollten wissen, dass er niemanden vertritt. Man kann nicht, bequem von seinem Platz im Westen aus, das Leben von Millionen unschuldiger Menschen aufs Spiel setzen.
Dieses Manifest verurteilt sowohl politische Repression und das Massaker an Demonstranten als auch ausländische Invasionen, da beides dem nationalen Interesse zuwiderläuft.

„Nein zum Krieg gegen den Iran“

Krieg ist das größte Übel, das die Politik hervorbringen kann. Er tötet, zerstört und stürzt Familien in tiefe Trauer. Er vernichtet Infrastruktur, erzeugt Armut, opfert Unschuldige und schürt neue Gewalt. Er schwächt unsere Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, und verdunkelt jede Aussicht auf Entwicklung, Demokratie und Gerechtigkeit für den Iran.

Netanjahu und die Falken in Washington zielen mit kriegstreiberischer Rhetorik, Sanktionen und Drohungen ganz bewusst darauf ab, unser Land zu destabilisieren und zu schwächen. Die Tragödien vom Januar 2026 – wie jedes andere Leid – können in keiner Weise Krieg rechtfertigen, noch das Zufügen weiteren Leids über unsere Landsleute oder die Zerstörung Irans in irgendeiner Form.

Wir, Iranerinnen und Iraner unterschiedlicher politischer Überzeugungen, lehnen jede Aggression gegen unser Land entschieden ab. Wir sind überzeugt, dass die Lösung – so schwer sie auch zu erreichen sein mag – in Iran selbst liegt: im konstruktiven Wandel, in der Erneuerung der Gesellschaft, im Wandel von unten nach oben. Das ist der Weg in die Zukunft. Nicht der Krieg.

Deshalb rufen wir zu einer starken und einhelligen Stimme gegen jegliche kriegstreiberische Logik auf. Angesichts jeder Aggression stehen wir zu unserem Land. Und wir laden alle unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger – insbesondere jene mit Stimme, Einfluss und Glaubwürdigkeit – ein, sich diesem Widerstand mit noch größerer Entschlossenheit anzuschließen.

Unterzeichnet von 353 Politikern, Intellektuellen und Aktivisten der Zivilgesellschaft aus dem Iran, die ein breites Spektrum politischer Ansichten repräsentieren.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen bei Pressenza IPA, 2. März 2026, Wir danken für das Publikationsrecht.

Titelbild: Gasdotto-Explosion im Iran, Quelle: Scenarieconomici.it

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