Aktuelle Erklärung der baskischen Gewerkschaft LAB zu Volkswagen!

Die baskische Gewerkschaft LAB bekennt sich angesichts der aktuellen „Kapitaloffensive“ zur internationlen Solidarität und zum gemeinsamen gewerkschaftlichen Kampf bei VW über Ländergrenzen hinweg. Wir fügen hinzu: wer sich dem Diktat des VW Vorstands beugt, wird nichts gewinnen, hat nur eine Perspektive: die nächste Angriffswelle. LAB erklärte am 3.September 20226

„Wir von LAB möchten unsere Solidarität und Unterstützung für die Volkswagen-Arbeiter in Deutschland zum Ausdruck bringen, die gegen die Pläne des Konzernmanagements protestieren, Arbeitsplätze abzubauen, Werke umzustrukturieren und die Zukunft von Tausenden von Arbeitsplätzen zu gefährden.

Wir stehen weder vor einer einfachen Unternehmensanpassung noch einer isolierten Entscheidung von Volkswagen. Wir stehen vor einer neuen Offensive des Kapitals, das darauf abzielt, die Arbeiterklasse dazu zu bringen, die Kosten der Widersprüche eines Industriemodells zu tragen, das auf Rentabilität, Wettbewerb und der Anhäufung von Gewinnen basiert.

Seit Jahrzehnten organisieren große multinationale Konzerne die Produktion auf internationaler Ebene und suchen ständig nach niedrigeren Kosten, höheren Gewinnen und besseren Bedingungen für den Wettbewerb. Europas große Automobilunternehmen haben weit weniger investiert als ihre globalen Wettbewerber und höhere Gewinne erzielt. Jetzt wollen sie, dass die Arbeiterklasse den Preis für dieselbe Strategie zahlt.

Volkswagen ist ein multinationales Unternehmen mit einem umfangreichen Produktionsnetzwerk in ganz Europa. Seine Anlagen sind über Produktionsketten, Investitionen, Modelle und Komponenten miteinander verbunden. Daher können Entscheidungen, die in Deutschland getroffen werden, direkte Auswirkungen auf andere Werke innerhalb des Konzerns haben, darunter Volkswagen Navarra in Landaben.

Kapital kann von einem Territorium zum anderen wechseln, die Kosten vergleichen und entscheiden, wo es investieren soll. Die Arbeitnehmer müssen genau das Gegenteil tun: sich über Grenzen hinweg organisieren und koordinieren. Wir wollen keinen Wettbewerb zwischen Deutschland und dem Baskenland oder zwischen dem Baskenland und anderen europäischen Gebieten darüber, wer bereit ist, schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, um die Produktion zu halten.

Volkswagen Navarra zu verteidigen bedeutet auch, alle Werke und Arbeitskräfte im gesamten Konzern zu verteidigen. Und die Verteidigung der deutschen Arbeiterklasse muss unsere Solidarität beinhalten.

Die Situation bei Volkswagen ist Teil einer tieferen Krise, die die europäische Industrie betrifft. Die Europäische Union spricht von strategischer Autonomie, Energiewende, Reindustrialisierung und Wettbewerbsfähigkeit. Doch während riesige Mengen an öffentlichen Ressourcen für die Unterstützung großer Unternehmen eingesetzt werden, wird von der Arbeiterklasse erwartet, dass sie die Last der Entlassungen, der Unsicherheit und des Verlusts von Rechten trägt.

Bei LAB befürworten wir eine radikal andere industrielle Transformation. Der Energie- und Technologiewandel kann nicht als Vorwand genutzt werden, um Arbeitsplätze zu zerstören oder Industriekapazitäten abzubauen. Die Transformation der Industrie muss zusammen mit der Arbeiterklasse durchgeführt werden, die menschenwürdige Beschäftigung, Arbeitnehmerrechte und soziale Kontrolle über strategische Entscheidungen gewährleistet.

Wir brauchen industrielle Souveränität und die Fähigkeit zu entscheiden, was wir produzieren, wie wir sie produzieren und welchem Zweck die Produktion dient. Die Industrie kann nicht ausschließlich den Bedürfnissen der Märkte und Aktionäre untergeordnet werden.

Wir akzeptieren nicht, dass die Aufrüstung und Militarisierung der Wirtschaft als Ausweg aus der europäischen Industriekrise dargestellt wird. Die Arbeitnehmer sollten sich nicht zwischen Arbeitslosigkeit und Kriegsführung entscheiden müssen. Die Reaktion auf die Industriekrise kann nicht darin bestehen, zivile Fabriken und Produktionskapazitäten zu transformieren, um ein Wettrüsten anzuheizen, von dem vor allem die großen wirtschaftlichen und militärischen Interessen profitieren.

Wir wollen eine Industrie, die darauf ausgerichtet ist, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen, menschenwürdige Arbeitsplätze zu garantieren und eine nachhaltige Zukunft aufzubauen, nicht eine Wirtschaft, die dem Krieg und den Profiten großer Unternehmen untergeordnet ist.

Daher fordern wir:

  • Die Beibehaltung aller Arbeitsplätze und Volkswagen Werke.
  • Ein Ende der Schließungen, Entlassungen und Umsiedlungen.
  • Die Verteidigung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in allen Werken der Gruppe.
  • Ein Ende des Wettbewerbs zwischen Arbeitern, Umwelt und Stamndorten.
  • Eine Industriepolitik, die eine stabile, qualitativ hochwertige Beschäftigung garantiert.
  • Einen gerechten technologischen und energiewirtschaftlichen Wandel, der nicht auf Kosten der Arbeiterklasse erfolgt.
  • Ablehnung der Militarisierung der Industrie und der Umwandlung der Zivilwirtschaft in eine Kriegswirtschaft.

Titelbild: LAB

Polizei löst friedliche Blockade gegen Kriegsmaschinerie brutal auf!

Deutschland rüstet auf und kürzt in allen anderen Lebensbereichen! „Zeitenwende“ bedeutet: die Weichen werden auf Großmacht und „Kriegstüchtigkeit“ gestellt. „Friedenstüchtig“ und „Sozial“, das war gestern.

Gegen diesen Kurs wendet sich ein mehrtägiges Camp von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Köln. Es trägt den Protest direkt vor die Tore der Fabriken, in denen die Waffen gebaut werden, direkt vor die Zentralen, von denen aus Krieg und Militarisierung gemanagt sowie die Profite aus Krieg und Waffen in schwindlige Höhen getrieben werden.

Im Rahmen dieser Campaktionen blockierten am Donnerstag über 200 Aktivist:innen die Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich. Die Kaserne ist eine zentrale Stelle für die Verwaltung der Bundeswehr. Hier werden die Menschen rekrutiert, die für den Kriegskurs gebraucht werden. Von hier wird die „Wehrpflicht“ verwaltet. Von hier gehen nach ganz NordrheinWestfalen die Musterungsbescheide aus. Hier werden die Strafen und Busbescheide gemanagt, die an die jungen „Männer“ geschickt werden, die sich der Kriegsmaschinerie entziehen.

Es ist unglaublich, wie dieser Staat mit Demonstrant:innen umgeht, die widerständig, aber friedlich gegen diese Zentralstelle der Bundeswehr gestern protestierten und die Anliegen hundert Tausender junger Menschen und ihrer Eltern zum Ausdruck brachten. Sitzblockaden aus Protest, die niemanden gefährden, sind rechtlich absolut zulässig!

Die für den Sanitätsdienst des Camps zutändige  Sanitätsgruppe Süd-West e.V. berichtet:

Nach ca. 1,5 Stunden erklärte die Polizei die Versammlung für aufgelöst und begann die weiterhin bestehende Blockade zu räumen. Die geräumten Menschen wurden erkennungsdienstlich behandelt. In Sichtweite unserer Teams wurde dabei seitens der Polizeikräfte vor Ort mehrfach auf die an der Blockade teilnehmenden Menschen eingeschlagen mit dem Ziel, diese aus der Blockade zu entfernen. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, in sechs Fällen war eine anschließende Krankenhausbehandlung nötig

In zwei Fällen ließen die Einsatzkräfte der Polizei die anwesenden Sanitäter*innen nicht zu der verletzten Person durch.

In einem Fall wurde lautstark von den Teilnehmenden der Blockade nach Sanitäter*innen gerufen. Wir versuchten, zu der verletzten Person zu gelangen, wurden dabei jedoch von der Polizei aufgehalten.

(….)

Wir verurteilen, dass unsere Einsatzkräfte in mehreren Fällen nicht zu Patient*innen durchgelassen wurden

Die Behinderung von medizinischer Hilfeleistung, insbesondere von medizinischem Personal, ist eine Missachtung minmaler humanistischer Grundsätze und Ausdruck einer weltweiten Verrohung. Selbst für Kriegsgebiete schreibt die Genfer Konvention den ungehinderten Zugang von medizinischem Personal zu Verletzten vor – auch des Gegners. Innerhalb Deutschland verstoßen Polizisten, wenn sie Sanitäter:innen oder Notärzte behindern, Verletzten zu helfen, gegen ihre Pflichten. Schon letztes Jahr kam es zu ähnlich massiven Polizeiübergriffen und Verstößen. Wir berichteten! Die Verantwortlichen wurden damals aufgeklärt. Konsequenzen dieses Jahr? Offensichtlich keine.

Der Einsatzleiter der Kölner Polizei Frank Wißbaum gab sich im Kölnerstadtanzeiger „demokratisch“, sogar „selbstkritisch“:

Es gibt Dinge, die die Polizei selbst erkannt hat, die im vergangenen Jahr vielleicht nicht so gut waren: Es hat zu lange gedauert, bis für die eingeschlossene Gruppe Toiletten oder Wasser verfügbar waren.

Aber wie sah die Praxis gestern am Donnerstag aus? Demonstrierende, die sich untergehackt hatten, wurden – laut etlichen Berichten – brutal aus der Blockade gezogen. Dann überzog die Polizei ihre hilflosen Opfer mit weiterer Gewalt.

So wurden Menschen auf den Boden geworfen und teils mehrere Polizist:innen knieten sich auf ihre Körper – immer wieder auch auf den Kopf und Nacken. Eine Teilnehmerin wurde brutal auf den Boden geworfen und ihre Hände ohne Grund hinter ihrem Rücken mit Kabelbinder gefesselt.

Ein Demonstrant wurde regungslos an beiden Armen über den Boden gezerrt , während eine Regenjacke ihm die Atemwege versperrte. Eine weitere Aktivistin verlor ebenfalls das Bewusstsein, während sie von Polizist:innen über den Boden gezogen wurde. Ganze anderthalb Minuten war sie ohne Bewusstsein, mehrere Polizisten knieten über ihr und überprüften ihre Puls, ließen dennoch keine Demosanitäter:innen zu ihr und holten keine andere medizinische Hilfe dazu. Eine weitere Person musste wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus gefahren werden……

aus einem Report von perspektive online

So sieht also die Reaktion dieses Staates aus, wenn die Betrügereien mit der „Freiwilligkeit“ nicht mehr fruchten. Auch Presseleute sollen behindert worden sein.

Tragt die Erfahrungen aus Köln in die ganze Republik. Machen wir insbesondere die weiteren Proteste gegen Wehrpflicht zu einem Tribunal über das Verhalten dieses Staates , wie es sich jetzt in Köln wieder abzeichnet. Wie dieser Weg endet, macht ein Blick in die Ukraine deutlich. Dort werden die wehrfähigen Männer auf offener Straße gekidnappt und an die todbringende Front verschleppt.

„Wir wollen Arbeitsplätze. Und keine Bundeswehreinsätze!“ , „Wir zahlen nicht für Eure Krisen und Kriege!“ „Der Jugend eine Zukunft“. Das sind klare Ansagen von Schüler:innen und Arbeiterjugendlichen. Wenn die Antwort von Kapital und Staat nur noch „sozialer Kahlschlag“, „Polizeiknüppell“ und „Soldat“ heißt, wen wundert es da, wenn immer mehr Betroffene die Wut erfasst.

Antikriegscamp von „Rheinmetall entwaffnen“ in Köln. Sie brauchen Solidarität aus dem Hinterland. Von uns allen. Wir werden weiter berichten!

Die Schere zwischen arm und reich

Sozialismus chinesischer Prägung?

Chinas mysteriöse neue Milliardäre erobern die Welt und weigern sich, mit der Presse zu sprechen

DeepSeek (…) Gründer Liang Wenfeng (…) bleibt eine geheimnisvolle Persönlichkeit, doch zumindest eines ist klar. Während DeepSeek eine Finanzierungsrunde mit einer Unternehmensbewertung von 71 Mrd. US-Dollar abschließt, ist das persönliche Vermögen seines Gründers auf rund 38 Mrd. US-Dollar gestiegen – damit ist er weitaus wohlhabender als Dario Amodei von Anthropic oder Sam Altman von OpenAI.


(…) Damit reiht er sich nahtlos in die neue Generation junger chinesischer Milliardäre ein. Das Land bringt mehr von ihnen hervor als jedes andere Land außer Amerika. Laut Hurun, das das Vermögen der reichsten Menschen der Welt erfasst, gab es in China in diesem Jahr mindestens 29 Selfmade-Milliardäre im Alter von 40 Jahren oder jünger. Zählt man Herrn Liang hinzu, der im Laufe dieses Jahres 41 Jahre alt wird, beläuft sich die Gesamtzahl auf 30. Das sind neun mehr als im Vorjahr. (…)

Die Geschichte der Superreichen in China ist noch jung. In den 1980er Jahren fanden die Großunternehmer einen Weg, dem Staat Vermögenswerte zu entreißen. Zhang Ruimin, Mitglied einer Studentengruppe, die während der Mao-Ära Lehrer und Intellektuelle terrorisiert hatte, übernahm das staatliche Kühlschrankunternehmen Haier und baute es zum heute weltweit größten Hersteller von Haushaltsgeräten aus. Die Öffnung des Immobilienmarktes in den 1990er Jahren brachte eine weitere frühe Gruppe von Milliardären hervor, darunter Xu Jiayin, Gründer von Evergrande, einem inzwischen zusammengebrochenen Immobilienentwickler.

Anfang der 2000er Jahre lösten Industrielle wie Wang Chuanfu von BYD, ursprünglich ein Batteriehersteller, eine Welle von Produktionsunternehmen aus, als China der Welthandelsorganisation beitrat. Und dann brachte das Verbraucher-Internet in den 2010er Jahren Chinas erste Generation von Tech-Mogulen hervor, darunter Jack Ma von Alibaba, einem E-Commerce-Riesen, und Pony Ma von Tencent, dem Entwickler von WeChat. Die Gründer von ByteDance, dem Entwickler von TikTok, und von Shein, dem Online-Fast-Fashion-Unternehmen, die beide mittlerweile Anfang 40 sind, bauten ihr Vermögen einige Jahre später auf. (…)


Die von Chinas neuen Milliardären aufgebauten Unternehmen sind zudem weitaus globaler ausgerichtet als früher. Früher brauchten chinesische Unternehmer ein Jahrzehnt oder länger, um den Sprung ins Ausland zu schaffen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Zhang Junjie, der 33-jährige Gründer von Chagee, einer Milchtee-Kette, gründete sein Unternehmen 2017 und eröffnete bereits zwei Jahre später seine erste Filiale im Ausland. Das Unternehmen ist mittlerweile in New York börsennotiert und in neun Ländern tätig. (…)


Diese Menschen leben mit dem Gefühl, dass ihre Unternehmen jederzeit durch plötzliche politische Kurswechsel in China oder den USA aus der Bahn geworfen werden könnten, bemerkt Rupert Hoogewerf von Hurun. Indem sie die Öffentlichkeit meiden, scheinen sie zu glauben, länger überleben zu können, sagt er. (…) Viele meiden auch die chinesische Presse. Das Ergebnis ist eine Generation von Magnaten, die sowohl Chinas globalste – als auch seine rätselhafteste ist.

the economist 19.7.2026

Junge chinesische Arbeiter teilen sich Betten, um ihre Wohnkosten zu senken

In China gewinnt eine unkonventionelle Methode zur Senkung der Wohnkosten bei jungen Arbeitern zunehmend an Bedeutung: Manche teilen sich ein einzelnes Schlafzimmer und sogar ein Bett mit Fremden. (…)

Ende Juni wurde der Hashtag „Das gemeinsame Schlafen im Bett ist eine für mich unvorstellbare Strapaze“ zu einem der beliebtesten Themen rund um das Leben in Megastädten – mit mehr als 14 Millionen Aufrufen auf Weibo (Twitter ähnlich), während die Beiträge auf Douyin (Pendant zu TikTok) fast 40 Millionen Aufrufe verzeichneten. (…)

Obwohl ein solcher Ansatz unter den rund 260 Millionen Mietern des Landes noch relativ selten ist, offenbart der Trend eine wirtschaftliche Realität: Die Verbraucher sind vorsichtig, und die Beschäftigungslage erscheint für viele junge Arbeiter unsicher. (…)

Mezha Net 29.7.2026

Peking – Wanderarbeiter arbeiten tagsüber und übernachten auf der Straße


Neben der Errichtung eines mit Klingen gespickten Grenzzauns filmte ein Internetnutzer in Peking am 25. Juli eine große Anzahl von Kletterabwehrklingen, die an den Stämmen und Ästen einiger Bäume angebracht waren.


Unterdessen waren in der Nähe des Pekinger Hauptbahnhofs zahlreiche Menschen aus anderen Teilen Chinas gezwungen, auf der Straße zu schlafen. Tagsüber verrichten sie schwere Arbeit und erbringen Dienstleistungen für die Stadt und ihre verschiedenen „Herren“, doch nachts haben sie keine Unterkunft und können nur im Freien schlafen.


Yesterday 25.7.2026

Author Karsten

Quelle: Forum Arbeitswelten Deutschland China

Wir danken für das Publikationsrecht.

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