Sozialisierung ohne Sozialismus?

Eine Veranstaltung zur Geschichte der Sozialisierung, den Versuchen, die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne zu verhindern und Möglichkeiten der Gegenwehr

Donnerstag, 10 September um 19 Uhr in der Beratungstelle der Berliner Mietergemeinschaft, Sonnenallee 101, 12045 Berlin

Titelbild: Jochen Gester

Mit dem Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienkonzerne rückte die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ (DWE) das Thema Vergesellschaftung ins Blickfeld der Öffentlichkeit.

Im Laufe der Geschichte gab es besonders nach den beiden Weltkriegen breite Unterstützung für die Idee der Vergesellschaftung, um die Macht großer Landbesitzer und Unternehmen zu brechen.
In der Weimarer Republik und in der BRD scheiterten Enteignungen am Widerstand der herrschenden Klasse, die „Eigentumsgarantie“ wurde als konstitutiver Bestandteil des kapitalistischen Systems verteidigt. In der sozialistisch verfassten DDR war die Enteignung und Überführung in Volkseigentum dagegen ein Grundpfeiler der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung.

Mit dem DWE-Volksbegehren ist diese grundlegende Auseinandersetzung wieder voll entbrannt. Begleitet von einer großen Medienkampagne soll ein gesetzliches Verbot von Vergesellschaftungen privater Immobilienkonzerne durchgesetzt werden.

Auf der Veranstaltung wollen wir einige Kernfragen dieser Auseinandersetzung mit unseren Gästen und dem Publikum diskutieren:

– Ist Sozialisierung ohne Sozialismus überhaupt möglich?

– Was bedeutet die anstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus für die in einem Volksentscheid beschlossene Vergesellschaftung?

– Was können wir tun, um die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne gegen massive Widerstände durchzusetzen?

Auf dem Podium:

Peter Nowak, Journalist und Autor des MieterEchos
Geschichte der Sozialisierung in der Weimarer Republik und der BRD

Karin Baumert, Stadtsoziologin und Autorin des MieterEchos
Sozialisierung und Wohnungspolitik in der DDR

Nico Hertz-Eichenrode, Deutsche Wohnen & Co enteignen
Aktuelle Angriffe auf die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne und Gegenwehr

Moderation: Andreas Hüttner, Redaktion MieterEcho

Veranstalter

MieterEcho

Das MieterEcho ist die Zeitschrift der Berliner MieterGemeinschaft und organisiert regelmäßig Veranstaltungen zu den aktuellen Heften und weiteren stadtpolitischen Themen.

Zur Website des Mieterechos:
https://bmgev.de/politik/veranstaltungen/sozialisierung-ohne-sozialismus

Demo – Runter mit der Miete! Her mit den Wohnungen!

Wohnungen für Alle statt Millionen für Wenige. Wir sind die 85 % – die Mieterinnen und Wohnungslosen Berlins! Raus auf die Straße, komm kurz vor der Berlin-Wahl zur Demo gegen die Wohnungskrise:

Samstag, 05.09.2026, 13 Uhr
Vor dem Roten Rathaus, 10178 Berlin-Mitte

Die Miete frisst das Leben auf:

Schon wieder eine Mieterhöhung? Völlig undurchsichtige Betriebskosten? Fahrstuhl schon seit Monaten kaputt? Die Tochter will ausziehen, findet aber nix? Eigenbedarfskündigung im Briefkasten, dir dreht sich der Magen um? Obdachlos und keine Aussicht auf eine Wohnung? Das zweite Kind kommt, aber die Wohnung ist zu klein?

Die Politik hat das Treiben der Konzerne und Vermieter:innen seit Jahrzehnten aktiv unterstützt und wir müssen es ausbaden. Wenn auch du davon genug hast, dann bist du auf der Demo genau richtig! Der Ärger und die Wut müssen raus, alleine ist das nicht mehr auszuhalten.

Dabei wäre es so einfach: Mieter:innenrechte stärken; die Wohnraumversorgung nicht dem privaten Profit überlassen, die fetten Immobilienkonzerne enteignen, bezahlbare kommunale Wohnungen für Alle bauen und nicht Luxuslofts für ein paar Reiche, die Wohnungslosigkeit beenden und Eigenbedarfskündigungen verbieten.

Damit wir in unserem Zuhause und unseren Kiezen bleiben können, mit unseren Nachbar:innen in Sicherheit und ohne Angst leben — in einer lebenswerten Stadt für Alle.

Komm zur Demonstration! Bring deine Familie, Nachbar:in, Freunde und Arbeitskolleg:innen mit. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir, desto mehr Druck erzeugen wir. Wir sehen uns am 05.09., vor dem Roten Rathaus, Berlin-Mitte!

13 Uhr: Auftaktkundgebung vor dem Roten Rathaus

Route: Rotes Rathaus – Spandauer Str.- Unter den Linden – Friedrichstr.  – Französische Str. – Werderscher Markt – Schlossplatz  – Rathausstr. – Rotes Rathaus

siehe auch IG Metall Delegierte sehen Berlin in einer Wohnungsnotlage. 

Deshalb ruft die IG Metall Berlin ihre Kolleginnen und Kollegen dazu auf, sich an der Demonstration gegen Mietenwahnsinn, Verdrängung und Wohnungsnot am 5. September 2026 vor dem Roten Rathaus zu beteiligen

Kampagne: Du hast keine Wahl. Organisier dich lokal!

Die Stadtteilkomitees Berlin (Neukölln, Wedding, Lichtenberg) haben zur Berlin-Wahl eine Kampagne gestartet mit dem Titel „Du hast keine Wahl. Organisier dich lokal!“

Die ansprechend designten Plakate und eine Broschüre können in den Stadtteilbüros abgeholt werden und sind auf der Kampagnenseite downloadbar: 

keinewahl.org
Wir spiegeln hier den Kampagnentext samt der 3 Kernforderungen:

Stadtteilkomitees Berlin

Berlin wählt 2026

Es stehen mal wieder Wahlen an. Am 20. September wählen wir in Berlin das Abgeordnetenhaus (AGH). Und wieder hören wir wie vor jeder Wahl aus verschiedenen Mündern, das es diesmal zukunftsweisend, jetzt wirklich eine Richtungswahl sei – einige reden sogar davon, dass „unsere Demokratie“ in Gefahr sei.

Was natürlich stimmt, ist die katastrophale Lage, in der wir uns in Berlin befinden: Wir können unsere Mieten kaum noch zahlen, unsere Löhne stagnieren oder sinken, Busse und Bahnen sind, salopp gesagt, am Arsch, das Gesundheits- und Bildungssystem wird immer schlechter, die Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit nimmt immer erschreckendere Ausmaße an – die Liste lässt sich noch lange fortführen.

„Wählt uns“ – und es bleibt wie immer!

Wem haben wir all dass zu verdanken, wer ist verantwortlich für diesen Zustand? Es sind die selben Akteure, die vor jeder Wahl dazu aufrufen, doch bitte sie zu wählen, damit es diesmal wirklich besser wird. Es sind die selben Parteien, die uns in diese Misere getrieben haben:

Die GRÜNEN sind von einer Friedenspartei zum treibenden Faktor der Kriegstreiberei geworden. Ihren ökologischen Anspruch finden wir – wenn überhaupt – nur noch in erneuerbaren Energien für Panzer.

Die SPD ist in Berlin seit jeher die Lieblingspartei der Immobilienlobby. Seit Jahren versuchen sie auf der Landesebene – und aktuell auch im Bund – alles mögliche, um die Vergesellschaftung von großen Konzernen zu verhindern.

Und die LINKE, die den Volksentscheid DWE zwar befürwortet, ist mitverantwortlich dafür, das es diesen überhaupt braucht. Als Juniorpartner der SPD hat die damalige PDS nämlich vor 20 Jahren einen Großteil der landeseigenen Wohnungen zu einem Spottpreis verscherbelt.

Von der CDU kann man im Gegensatz dazu wenigstens behaupten, sich stets treu geblieben zu sein. Ob Zäune um den Görlitzer Park, die Bekämpfung der Forderungen der Berliner Kita-Erzieher:innen oder die Hetze gegen Migrant:innen: Law & order, Arbeiterfeindlichkeit und Rassismus sind in die DNA dieser Partei eingeschrieben.

(Nicht) Wählen – und was dann?

Es ist ihre Politik, die verantwortlich ist für mehr Armut, mehr Überwachung und mehr Gewalt auf den Straßen unserer Stadt. Es ist ihre Politik, die autoritär und neoliberal ist. Es ist ihre Politik, die überhaupt erst den Nährboden bereitet hat für den Aufstieg der rechtsextremen AfD.

Was dennoch auch stimmt: Es ist nicht einfach irrelevant, wer in der Regierung sitzt. Ein sozialdemokratischer Senat unter Führung der Partei die LINKE könnte theoretisch punktuelle Verbesserungen durchsetzen. Die Geschwindigkeit, mit der wir gerade gesellschaftlich in den Abgrund rasen, könnte zumindest etwas abgebremst werden.

Es geht uns auch nicht darum, zu einem Wahlboykott aufzurufen. Aber unabhängig davon, ob du nicht wählen gehst oder bei jeder Wahl irgendwo ein Kreuz machst: eine langfristige und grundlegende Veränderung wird nicht in den Parlamenten durchgesetzt werden.

Erst recht kann man sich nicht alleine gegen Krieg, gegen Sozialabbau und Lohndrückerei, gegen die autoritäre Zuspitzung und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wehren. Nur zusammen können wir uns wehren – nur zusammen können wir Alternativen aufbauen.

Organisier dich lokal!

Deshalb organisieren wir uns gemeinsam in der Nachbarschaft. Unser Ziel ist nicht kompliziert: Nur wenn wir uns zusammenschließen, können wir unsere Interessen durchsetzen. Und je mehr Menschen im Alltag an einem Strang ziehen, desto eher können wir etwas erreichen!

Unsere Kampagne zur Berliner-AGH Wahl 2026 steht deshalb unter dem Motto „Du hast keine Wahl – organisier dich lokal“. Wir mischen uns ein, wir sind im Kiez präsent, wir kämpfen gemeinsam für unsere Rechte, unsere Interessen und unsere Zukunft!

Wir fordern:

1. Den DWE-Volksentscheid umsetzen und Anmeldung für alle!
2. Die Vergesellschaftung sozialer Bereiche statt Kürzungen!
3. Die Rücknahme des Polizeigesetzes und ein Ende der Waffenproduktion!

Komm vorbei und mach mit — holen wir uns Berlin zurück!

Illustrationen und Text:
Stadtteilkomitees Berlin

Die Stadtteilbüros finanzieren ihre Angebote komplett selbst, um politisch unabhängig arbeiten zu können.

Spenden:
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