Kein “Weiter so” der Linken

Die folgende Erklärung der Initiative für eine sozialistische Vernetzung in der Linken hat nicht zuletzt Bedeutung für die Nachbetrachtung der aktuell abgeschlossenen Wahlen. Drei Anmerkungen zur Berlinwahl:

Erstens. Der Wahlerfolg der Linken in Berlin ist ein Riesenerfolg und legitimiert in der Gesellschaft eine linke Programmatik und linke Forderungen. Diese Forderungen lassen sich aber nicht bei den gegebenen Kräfteverhältnissen herbeiregieren durch eine gemeinsame Verwaltung des bestehenden Elends mit SPD und Grünen. Sie müssen vor allem weiterhin durch den Kampf der Menschen von unten durchgesetzt werden.

Zweitens ist endlich von der gesamten Parteiführung klarzustellen, dass Kritik an Israel und Völkermord in Gaza kein „Antisemitismus“ ist. Diffamierungen dieser Art sind als Versuch, schlimmste Kriegsverbrechen und deren Verantwortliche und Unterstützer zu schützen, zurückzuweisen. Besonders der breit medial angegriffene Bezirk Neukölln stellt sich beispielhaft gegen jede Art von Rassismus. Die Genoss:innen schützen jüdisches wie palästinensisches Leben mit gleicher Elle. Was man von ihren „Kritiker:innen“ von der AFD über alle Parteien der Mitte bis zu den sogenannten antideutschen Linken nicht behaupten kann. Gerade Jüd:innen, die in Berlin in großer Zahl die Politik Israels ablehnen und sich mit den Palästinenser:innen solidarisch erklären, mussten in den letzten Jahren in dieser Stadt wieder überproportional staatliche Verfolgung und gesellschaftliche Ausgrenzung erleben. Das ist die wahre Schade!

Drittens. Berlin muss sozial bezahlbar sowie kulturell und ökologisch lebenswert werden. Aber auch Null Toleranz für Militarismus und den Aufbau eines militärisch-industriellen Komplexes in der Stadt ist erforderlich.

Wir dokumetieren hier eine Stellungnahme, die am 16. September auf einem bundesweiten Zoom-Unterstützer*innen-Treffen der Initiative für eine sozialistische Vernetzung in der Linken beschlossen wurde:

Die Wahl in Sachsen-Anhalt muss ein Weckruf für unsere Partei sein. Dass wir in Zeiten höchster gesellschaftlicher Polarisierung, des verschärften Klassenkampfs von oben und bei deutlich gestiegener Wahlbeteiligung prozentual und in absoluten Stimmen verloren haben, muss Anlass zu einer selbstkritischen Aufarbeitung der Strategie von Landesverbänden und der Partei- und Fraktionsführung sein. Ein “Weiter so” darf es nicht geben. 

Der Erfolg der AfD ist vor allem eine Absage an die Regierung Merz/Klingbeil, eine Folge der abgehobenen und arbeiter*innenfeindlichen Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte und im speziellen der als “Sozialreformen” kaschierten Angriffe auf die sozialen Rechte der Arbeiter*Innenklasse und der durch Merz personalisierten Arroganz der Macht. Es ist der AfD gelungen, diese Unzufriedenheit in eine migrant*innen- und queerfeindliche Richtung zu kanalisieren. Ihr gelingt das, weil sie sich durch einen unverschämten Sozialpopulismus als Partei der einfachen Leute und durch ihre Haltung zum Ukraine-Krieg als Friedenspartei präsentiert – obwohl sie in beiden Fällen genau das Gegenteil ist.. 

Dieser Erfolg hätte, zumindest zu einem Teil, auch unser Erfolg sein können. Denn das Programm der Linken entspricht den Klasseninteressen des Großteils der AfD Wähler*innen, während das AfD Programm dies in Wirklichkeit nicht tut.

Nur wird unsere Partei leider nicht als radikale und glaubwürdige Alternative zum prokapitalistischen Establishment und als Interessenvertretung von Lohnabhängigen wahrgenommen. Warum? Weil die Führungen auf Bundes- und Landesebene sich als Juniorpartnerin für CDU, SPD und Grüne anbieten, statt einen eindeutigen, unabhängigen und klassenkämpferischen Kurs zu vertreten. 

Wir wenden uns gegen jeden Versuch der politischen Kooperation mit diesen Parteien. Eine solche wird nur unser eigenes Profil schwächen, unsere Politik verwässern und die AfD nur noch stärker machen. Unsere Antwort darf nicht sein, in einem vermeintlich “demokratischen Block” unterzugehen, sondern wir müssen die Klassenfront in der Gesellschaft aufmachen und diese sowohl dem Kulturkampf der AfD als auch dem pseudo-demokratischen Einheitsbrei und den Sozialkürzungen der etablierten Parteien entgegen stellen. Unsere Antwort muss sein: auf die Straße und die Arbeit niederlegen gegen das Sozialmassaker der Bundesregierung – gemeinsam als Klasse und unabhängig von Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, sexueller Identität und Orientierung! Deshalb rufen wir zur Beteiligung an den Gewerkschaftsdemonstrationen am 26.9. und allen weiteren Sozialprotesten auf, diese dürfen aber nur ein weiterer Schritt in Richtung Massenproteste und politischer Streiks sein.

Wenn es in Sachsen-Anhalt nötig ist, in einem dritten Wahlgang einen CDU Kandidaten zu wählen, um zu verhindern, dass Ulrich Siegmund Ministerpräsident wird, so sollten die Linke Abgeordneten das tun – als einmaligen taktischen Akt zur Verhinderung einer Verschlechterung der Lage, um als nächsten Schritt die Politik von CDU, SPD und Grünen weiter zu bekämpfen. Keine Verhandlungen und keine Bedingungen für eine solche Wahl, denn das würde bedeuten sich mit den prokapitalistischeb Parteien in einen Blick zu begeben!

In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin darf es keine Regierungskoalitionen mit SPD und Grünen geben. Auch hier gilt, dass es eine Sache ist, die Wahl von AfD- oder auch CDU-geführten Regierungen zu verhindern, eine andere aber eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit Parteien des Kapitalismus zu betreiben. 

Wir teilen die Forderung von AKL, SL, BAG Palästinasolidarität und anderen nach einem Sonderparteitag, der die zukünftige Strategie und Politik der Partei entscheiden soll. Die formale Entscheidung sollte weiterhin bei den Landesverbänden liegen, aber erst nachdem ein Bundesparteitag dazu eine inhaltliche Position und Aufforderung an den Landesverband beschlossen hat. Wir machen uns außerdem dafür stark, im veränderten Grundsatzprogramm eine Ablehnung von Regierungsbeteiligungen mit pro-kapitalistischen Parteien festzuschreiben.

Wir befürchten, dass unsere Warnungen nicht gehört werden und die Partei wieder den Kurs einschlägt, der sie in die Existenzkrise geführt hat. Wir befürchten, dass sich dann viele neue, junge, engagierte Mitglieder frustriert zurückziehen könnten. Wir rufen diese auf, das nicht zu tun, sondern mit uns den Kampf für eine klassenkämpferische, oppositionelle und sozialistische Ausrichtung der Linken zu führen. Um diesen Kampf koordinierter und organisierter führen zu können, gründen wir im November eine neue Sozialistische Vernetzung innerhalb der Linken. Dazu laden wir alle herzlich ein, die mit unserer Kritik übereinstimmen. 

Und nicht vergessen: Rechtspopulismus und Faschismus gehören zum Kapitalismus in der Krise. Es gibt keinen Kapitalismus ohne Krise. Der Kampf gegen Rechtsaußen muss deshalb auch ein Kampf gegen den Kapitalismus sein.

Save the Date: Konferenz der Initiative für eine sozialistische Vernetzung in der Linken! Am 21. und 22. November findet in Kassel die Gründungskonferenz der Sozialistischen Vernetzung statt

Quelle: Solidaritaet.info, 20.Spetember 2026

Titelbild: common via Wikipedia

Aus den Protestaktionen der IG Metall muss Widerstand werden!

Kommt am 21. und 26. September vor die Werkstore, auf die Straßen und Plätze.

Update nach den Wahlen: Der Kanzler  und SPD Führung machen weiter, wir machen auch weiter und drehen richtig auf, jetzt erst recht! 

Am 21. September mobilisiert die IG Metall bundesweit Beschäftigte der Automobil- und Zulieferindustrie gegen Arbeitsplatzabbau, Verlagerungen und Werksschließungen.

Am 21. September werden die Beschäftigten der Automobilindustrie ein deutliches Zeichen setzen – bundesweit bei unzähligen betrieblichen Aktionen, bei unzähligen Zulieferbetrieben und Herstellern. Nicht länger werden sie sich zu Sündenböcken machen lassen für eine Krise, die sie nicht verursacht haben.

in Berlin

Mercedes-Benz Werk Berlin mit Rede u. A. von Yasmin Fahimi (DGB)
Aktion: Kundgebung am Tor 1
Zeit: 14:00 bis 15:00 Uhr
Ort: Parkplatz, Daimlerstraße 143, 12277 Berlin
Ansprechpartnerin: Annika Schwarze, 0171 1033127

Am 26. September folgen die gemeinsamen Aktionen von DGB und Mitgliedsgewerkschaften für Sozialstaat, Arbeitsplätze und Arbeitnehmer*innenrechte.

Kämpferische Gewerkschafter:innen machen aber auch zum Thema, was nicht ausgeblendet werden darf und rufen auf zum:

„DGB Aktionstag: Am 26.09. auf die Straße gegen Sozialabbau und Aufrüstung!“

Sozialkahlschlag und Kriegsvorbereitung gehören zusammen. Während bei sozialer Sicherheit, öffentlicher Infrastruktur und Arbeitsplätzen der Rotstift angesetzt wird, werden Milliarden für Aufrüstung und die Ausrichtung der Gesellschaft auf „Kriegstüchtigkeit“ mobilisiert.

Die Aktionstage können nur ein Auftakt sein. Die beispiellose Angriffswelle auf soziale Errungenschaften kann nur durch energische Gegenwehr bis zu Streiks abgewehrt werden. Die Antwort auf Arbeitsplatzvernichtung, KI und Rationalisierung kann nur weitere Arbeitszeitverkürzung sein. Die Antwort auf steigende Inflationsraten, Gebühren und Steuerprogression können nur deutliche Lohnerhöhungen sein – und zwar einheitlich für alle!

Die IG Metall Führung hat an alle Mitglieder ein Mobilisierungsmail verschickt. Gut so.

Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke

Richtige Worte. aber was steckt dahinter? Ein ehemaliger Betriebsrat von Mercedes anwortete dem Vorstand und äusserte seine Skepsis:

Starke Worte, doch lasst ihr diesen auch Taten folgen? Ich fürchte nein. Die kampflose Zustimmung von euch im Aufsichtsrat bei VW spricht Bände  –  und demotiviert ganze Belegschaften.

IG Metall will künftig mehr Abweichungen vom Tarifvertrag, heißt es im Stadtanzeiger BW. [1]„IG Metall will künftig mehr Abweichungen vom Tarifvertrag zulassen „, heißt im Statdtanzeiger BW. Zum Beispiel soll es in gut laufenden Branchen wie der Rüstungsindustrie … Continue reading Die Kolleg:innen aus Branchen wie zum Beispiel der Rüstungsindustrie sollen mehr bekommen.

Jetzt auch noch das: Noch mehr Abweichungen vom Tarifvertrag  –   Klasse Idee unmittelbar vor Beginn der Tarifrunde – damit sich „die Belegschaften die schlechte Zahlen erwirtschaften“ erst gar nicht an der Tarifrunde beteiligen.

Euer Rufen zu den Aktionstagen hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!

Ihr schreibt: „Je mehr Kolleginnen und Kollegen sich beteiligen, desto stärker wird unser Signal an Arbeitgeber, Politik und Öffentlichkeit.“ Wenn Worte und Taten so weit auseinander liegen verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. (….)

Meine Empfehlung an alle KollegInnen: Mehr Abweichungen vom sozialpartnerschaftssüchtigen Kurs des IG Metall Vorstands und der Bezirksleitungen.

Mit kämpferischen Grüßen , Martin Bott IG Metall Mitglied seit 1978 BR Mercedes-Benz Untertürkheim i.R.

Ein anderer Kollege kommentierte „Wir folgen dem Ruf auf die Strasse. Aus den Protestaktionen muss Widerstand werden! Tun wir alles, dass unsere Geister, die sie riefen, uns alle nicht mehr los lassen!“

Michael Häberle, der Betriebsratsvorsitzende am Mercedes-Standort Stuttgart Untertürkheim forderte am 17. September die 30 statt 40 Stundenwoche! [2]https://www.automobilwoche.de/autohersteller/mercedes-benz/amw-mercedes-betriebsrat-schlagt-30-statt-40-stunden-pro-woche-vor/ Richtig so!

Nutzen wir die Proteste zum Warmlaufen. Gehen wir mit der Tarifrunde in die Offensive!
Mehr zum Thema:

Einladung zum Gewerkschaftsratschlag Berlin-Brandenburg

IG-Metaller:innen aus den Autokonzernen rufen auf zur Gegenwehr – Petition unterschreiben!

References

References
1 IG Metall will künftig mehr Abweichungen vom Tarifvertrag zulassen „, heißt im Statdtanzeiger BW. Zum Beispiel soll es in gut laufenden Branchen wie der Rüstungsindustrie Überschussboni geben
2 https://www.automobilwoche.de/autohersteller/mercedes-benz/amw-mercedes-betriebsrat-schlagt-30-statt-40-stunden-pro-woche-vor/

DGB Aktionstag: Am 26.09. auf die Straße gegen Sozialabbau und Aufrüstung


„Komm mit uns auf die Straße! Der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ zu einem bundesweiten Aktionstag auf. 

Die Bundesregierung plant Einschnitte in die soziale Sicherung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß: sinkende Rentenleistungen, steigende Pflegekosten, Kürzungen bei der Gesundheitsversorgung, Debatten über längere Arbeitszeiten. Was politisch als „Reform“ bezeichnet wird, bedeutet für viele Beschäftigte schlicht: weniger Sicherheit und mehr Belastung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Mitgliedsgewerkschaften reagieren darauf mit bundesweiten Kundgebungen.

Unter dem Motto Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente treffen wir uns auch in Berlin und machen lautstark deutlich, dass wir diesen Weg nicht mitgehen, sondern bessere Ideen haben: Für die Menschen, für mehr Gerechtigkeit.“

DGB Aufruf

Screenshot DGB
Treffpunkt kämpferischer Gewerkschaftsaktivist:innen  in Berlin 26.09.26, 12:00 Uhr 
IG Metall Haus Alte Jakobstraße → Abschlusskundgebung am Roten Rathaus. Redner: Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall

Treffpunkt für alle Antimilitarist:innen: Brandesstr./Lindenstr., 11:30-11:55 Uhr


Als Forum Gewerkschaftliche Linke rufen wir alle linken Kräfte dazu auf, sich laut und sichtbar an den Aktionen am 26. September zu beteiligen. Die Angriffe der herrschenden Klasse nehmen drastisch zu und der bisherige Kurs der DGB-Gewerkschaften wird nicht ausreichen, um mühevoll erkämpfte Errungenschaften zu verteidigen. Es benötigt jetzt den Druck der Basis!


Die Kriegsvorbereitung muss endlich beim Namen genannt werden. Teile der Gewerkschaftsführungen leugnen jedoch beharrlich den klaren Zusammenhang zwischen Rüstungsausgaben und Kürzungspolitik. Einen Tag nach dem bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht werden wir sichtbar machen, was die Beschäftigten von Sozialabbau und Militarisierung halten – Denn wir haben kein Interesse an Aufrüstung und Krieg. Wir haben mehr gemeinsam mit allen Arbeiter:innen weltweit, als mit den Bossen und ihrer Regierung. Wir kämpfen für internationale Solidarität, statt Standortnationalismus und Sozialpartnerschaft.
Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

Mehr zum Thema:

Einladung zum Gewerkschaftsratschlag Berlin-Brandenburg

IG-Metaller:innen aus den Autokonzernen rufen auf zur Gegenwehr – Petition unterschreiben!

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung