In Deutschland stilllegen, in den USA sich vor Trump verbeugen und 4 Milliarden Dollar investieren – „Jeder Cent, auf den wir verzichten, wendet sich gegen uns“

Der Fall „ein neues Audiwerk in den USA während gleichzeitig die Schliessung von Werken hierzulande droht“ ist nicht zuletzt lehrreich für die laufende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie.

Der Kommentar am 25. Oktober im Handelsblatt könnte von der Antifa sein:

Eine Dreiviertelstunde Hass, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, eine johlende Menge – und dann tritt Audi-Chef Gernot Döllner ans Rednerpult. Er ruft der angestachelten Menge zu, dass Audi im Bundesstaat Georgia ein neues Werk errichtet und über vier Milliarden Dollar dafür investiert. US-Präsident Donald Trump, der kurz zuvor seine Hasspredigt gehalten hat, lobt Döllner als den „handsome guy“ aus Germany

Und noch deutlicher heisst es:

Wenn deutsche CEOs offenbar kein Problem damit haben, einem xenophob und frauenfeindlich auftretenden Trump im Wahlkampf auszuhelfen, was hält sie dann noch davon ab, das Gleiche auch bei der in Teilen rechtsextremen AfD zu tun?

In Deutschland gab es diese Art der Verführung von Unternehmen schon einmal – den Ausgang kennen wir alle

Auch die IG-Metall entrüstet sich:

Statt sich zum Wahlkampfhelfer für Donald Trump zu machen, sollten sich die deutschen Autobauer um ihre eigentliche Aufgabe kümmern: eine Strategie für Aufschwung, gute Jobs und sichere Standorte.

Das Handelsblatt meint aber trotz aller moralischen Entrüstung: die Investition mache ökonomisch Sinn.

Das Werk, gepaart mit Zollerleichterungen, ist ein Ausweg.

Mit dem Bau des neuen Werkes in Georgia soll 2027 begonnen werden. Das Investment umfasst 4 Milliarden Dollar, also mehr als 3,5 Milliarden Euro. Ab 2030 sollen 200 000 hochkarätige SUVs, gebaut von 4500 Mitarbeitern, pro Jahr vom Band laufen.

Wir erinnern: parallel dazu stellt der VW Konzern, zu dem Audi gehört, den Weiterbetrieb von 4 Werken zur Disposition, darunter den Audi Standort Nekarsulm mit 15 500 Mitarbeitern. Schon letztes Jahr hat Audi sein Werk im belgischen Nachbarland ohne mit der Wimper zu zucken, dicht gemacht.

Für wen macht das Sinn? Wir haben ein paar Anmerkungen dazu!

Erstens. Eigentümer setzen ihr Kapital grundsätzlich da ein, wo sich am Besten damit Gewinne realisieren lassen.

Audi Chef Döllner wehrt alle Kritik ab, denn er habe lediglich die Unternehmensinteressen wahrgenommen. Döllner argumentiert, ein stärkeres US-Geschäft sei „ ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi“.

„Eine Strategie des Aufschwungs, gute Jobs und sichere Standorte“, sieht er eben nicht als seine Aufgabe an. Sein Handeln orientiert sich am Gewinninteresse der Kapitaleigner. Und diese sehen anders aus als sich die IG-Metall Vertreter:innen wünschen und den Beschäftigten gut tut.

Audimitarbeiter:innen in Nekarsulm befürchten eine internationale Kettenreaktion: Verlagerung großer SUVs von Bratislava in die USA und der Baureihen A5 und A6 von Deutschland Nekarsulm nach Bratislava. Die Zukunft des Werks in Nekarsulm wackelt.

Es ist eine llusion, Döllner von etwas anderem überzeugen zu wollen, wenn man dieser Überzeugung nicht mit spürbarer Gegenmacht nachhilft.

Als guter Manager und Sachverwalter seiner Eigentümer setzt er deren Kapital mit Sicherheit nicht dort ein, wo er bestehende Arbeitsplätze erhalten kann, wenn die Profiterwartungen andernorts höher sind. Natürlich kann er sich dabei auch verkalkulieren.

Zweitens. Die Entscheidung ist kein „totes Pferd“, sondern der Versuch einer profitablen Dopplelstrategie?

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) zweifelt die Zukunftsfähigkeit der Entscheidung von Audi an:

Während sich weite Teile der Welt aufmachen hin zur technisch überlegenen Elektromobilität, wettet Audi auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd.

Hat auch Schneider nicht die Profitlogik von Döllner verstanden? Die Premiumstellung von Audi bei hochwertigen Verbrennern bis zum letzten Moment und Tropfen auszuschöpfen und die damit verbundenen Profite einzufahren, muss nicht zwangsläufig mittel- und längerfristig eine Absage an E-Mobilität bedeuten. Schneiders eigene Bundesregierung verfährt doch selbst nach dieser Logik bei der Verschiebung des Aus für Verbrenner. Das mag nicht ohne Risiko sein. Aber für mehr Profite reitet Kapital auf der Rasierklinge, Klima scheißegal und riskiert große Kriege. Parallel zum Verbrenner wird nichts destotrotz breit in E Mobilität und andere zukünftig profitable Produkte investiert.

Nur: die Beschäftigten rackern sich krumm in den alten Fabriken. Die Eigentümer setzen währenddessen das von den Arbeiter:innen erarbeitete Geld als gewinnbringendes Kapital weltweit ein. Oft eben nicht in den Fabriken, wo es erwirtschaftet wurde. Das Geld kreist als Kapital rund um den Erdball und sucht neue profitable Anlagemöglichkeiten. Die Kolleginnen und Kollegen an den Standorten bleiben zurück, werden zu Zugeständnissen erpresst oder gucken ganz in die Röhre.

Drittens. Eigentümer und deren Vorstände werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass es weltweit und insbesondere in Europa zu hohe Produktionskapazitäten geben würde.

Mit diesem Argument werden Werke geschlossen bzw. die Schließung von Werken vorbereitet und Zugeständnisse den vorhandenen Belegschaften abgepresst.

Wenn es darum geht, die kapitalistische Konkurrenz auszustechen, dann hindern diese Überkapazitaten die Eigentümer aber überhaupt nicht daran, neue Werke zu bauen und damit die von ihnen selbst beklagte Überproduktionskrise zu verschärfen.

Je mehr gleichzeitig Vernichtung von Produktionsstätten einerseits und Aufbau neuer Produktionsstätten andererseits, desto größer ist der Kapitalbedarf. Die Profitrate sinkt. Wie können Rendite und der Mehrbedarf an Kapital gedeckt werden? Aus verschärfter Ausbeutung der Beschäftigten!

Viertens. Kapitalisten fühlen sich auch nicht der eigenen Branche verpflichtet.

So reinvestieren die großen Haupteigner von VW, die Familien Porsche und Piech, große Teile ihrer Gewinne in anderen Branchen, die in Zukunft deutlich mehr Profite versprechen.

Staatlich unterstützte Investitionen in Rüstung und Sicherheitstechnologie mit einem staatlich garantierten Absatz locken mit gesicherten Extraprofiten. Da reiben sich auch die VW Eigner die Hände. Im März 2026 meldete die Porsche SE eine Investitionszusage über 100 Millionen Euro für einen europäischen Verteidigungsfonds.

Der Rest klingt absolut wie ein futuristisches Programm: Elektromobilität ABB E-mobility, Luft- und Raumfahrt Isar Aerospace, Stoke Space, Drohnen & Verteidigung Quantum Systems, KI & Halbleiter Celestial AI, proteanTecs, Ethernovia Quantencomputer Xanadu, Quantum Motion, Autonome Fahrzeuge Waabi, Mobilität & Logistik Flix, PTV Logistics, Umovity. …

Nur ein Narr glaubt, daß sich die großen Finanzverwalter wie BlackRock, Vanguard und Staatsfonds von Katar, China oder Kuwait, die wesentliche Anteile an der deutschen Automobilindustrie halten, dem ursprünglichem Standort, dem ursprünglichen Konzern oder auch nur der Automobilbranche beim Reinvestment ihrer Gewinne verpflichtet fühlen. Das Finanzkapital sucht international den Weg für seine optimalste Vermehrung. Da hat auch Audiboss Döllner so gut wie keine Lenkungsmacht mehr.

Und woher haben sie all das Geld ? Aus der Arbeit der VW- und Audiarbeiter:innen. Jeder Cent, auf den diese verzichten wird zu Kapital, das sich der Kontrolle der Arbeiter:innen entzieht und gegen sie wenden kann.

Wer meint, durch Verzicht und damit Vermehrung des Kapitals in der jetzt gestarteten Tarifrunde seinen Arbeitsplatz retten zu können, die/der liegt komplett falsch. Das Gegenteil ist oft der Fall.

Hafenarbeiter gegen Krieg und Genozid – Internationaler Aktionstag

Internationaler Aktionstag an über 60 Häfen.

in Hamburg: Dessauer Straße 5, 30. Oktober 12:30 bis 13:30 Uhr

Die Hafenarbeiter:innen lassen nicht locker, international die Kriegslogistik zu stören!

Bereits am 6. Februar 2026 organisierten Hafenarbeiter:innen grenzüberschreitend Streiks und Proteste gegen Waffentransporte, Krieg und Militarisierung.

KEINE HÄFEN FÜR NATO, EU UND USA!

Zum gemeinsamen Aktionstag am 30. Oktober rufen unter anderem CGT (Frankreich), ENEDEP (Griechenland), USB und ORSA Porti (Italien), LAB (Baskenland), Liman-İş (Türkei), ODT (Marokko) und WTWFI (Indien) auf.

Der Weltgewerkschaftsbund (WGB) unterstützt die Aktionen. Die Gewerkschaften führen dezentral in den versschiedenen Ländern Aktionen durch. Darunter sind auch zahlreiche Steiks geplant.

Auch Hamburger Hafenarberter:innen und ver.di Fachgruppe „Luftverkehr und Maritime Wirtschaft“ rufen auf.

Die Hafenarbeitergewerkschaften fordern basierend auf der Istanbuler Erklärung unter anderem

  • Beendigung des Genozids am palätinensischen Volk!
  • Beendigung der US-israelischen Kriege im Nahen Osten und gegen Iran!
  • Solidarität mit Kuba, Venezuela und Sudan!
  • Kein Transport von Waffen und Truppen!
  • Keine Häfen als Militärbasen der NATO, USA und EU!
  • Lohnerhöhungen, sichere Arbeitsplätze, Arbeitszeitverkürzung, gerechte Renten!
  • Kein Arbeitsplatzabbau durch Automatisierung

HERAUS ZUM AKTIONSTAG!

Die Hamburger ver.di lehnte es bisher ab, sich an den Aktionen zu beteiligen. Für den 30. Oktober wird nun von der Fachgruppe Luftverkehr und maritime Wirtschaft aufgerufen zu einer ,,Kundgebung gegen soziale Angriffe, Krieg und Militarisierung“. Solidarität mit der internationalen Mobilisierung wird bekundet. Der Standort der Kundgebung ist vor einem KZ-Außenlager. Das sollte heißen: Nie wieder Krieg, nie wieder Genozid!

DAS IST EIN GROSSER ERFOLG -ABER NICHT AUSREICHEND.

Ver.di versäumt es weiterhin, den Völkermord an den Palästinensern und die deutsche Mitverantwortung durch Waffenlieferungen über u. a. den Hamburger Hafen klar zu benennen und zu verhindern.

Deswegen brucht es weiterhin den Druck der Basis. Herau zum Aktiosntag. Hoch die internationale Solidarität!

Hier der Aufruf der Verdi Fachgruppe

Gegen Repression und Rassismus, für die Grundrechte

Die Hamburger Kolleg:innen der Zeitung „Sand im Getriebe“ haben uns den den folgenden von ihnen übersetzten Aufruf zur Veröffentlichung zugesandt. Wir danken ihnen herzlich und wünschen der Mobilisierung unserer Nachbarn jenseits des Rheins viel Erfolg. Am Schluss des Artikels gibt es einen Link zu den Aufrufen der Gewerkschaften im französischen Original, die man sich aber einfach im Web übersetzen lassen kann. (JG)

Übersetzung des Textes im Titelbild: 10 Jahre Macron: Attac verurteilt die Plünderung der Staatskassen. Seit 10 Jahren vermehrt Macron die Steuergeschenke und die öffentlichen Subventionen an die Großunternehmen, ohne Gegenleistung. 2023: 211 Milliarden öffentlicher Hilfen an die Unternehmen: Aufrechterhaltung der ungerechten Steuerschlupflöcher; Kürzung der Mittel zur Bekämpfung des Steuerbetrugs; Abschaffung vom ISF; pauschale Besteuerung zu 30%; Herabsetzung der Körperschaftssteuer; Beibehaltung des Dutreil-Pakts. Ergebnis: die öffentlichen Dienste werden geopfert und die Austeritätspolitik wird der Bevölkerung auferlegt.

Zwei Tage vor den Demonstrationen am 24. Oktober 2026 unterzeichnen Persönlichkeiten aus Verbänden, Gewerkschaften, der Kunstszene und dem Hochschulbereich einen von Attac initiierten offenen Brief, um ihre Unterstützung für die laufenden Mobilisierungen zu bekunden und anzuprangern, dass der Autoritarismus der Regierung eine neue Schwelle überschritten hat, gekennzeichnet durch eine beispiellose Aushöhlung der demokratischen Freiheiten.

Dieser offene Brief stellt fest, dass die soziale Unzufriedenheit Ende 2026 ein Ausmaß erreicht hat, das seinesgleichen sucht. Grund dafür sind die steuer-, haushalts- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen der letzten zehn Jahre, die die Ungleichheiten vertieft und die Superreichen sowie Großunternehmen massiv begünstigt haben. Der Haushaltsentwurf von Lecornu bestätigt diese Ausrichtung: Er droht, die unteren Bevölkerungsschichten noch weiter verarmen zu lassen und den öffentlichen Dienst zu ersticken.

Angesichts dieser berechtigten sozialen Wut prangern die Unterzeichner die Unterdrückung der von der Jugend angeführten Bewegung an und warnen davor, dass der Autoritarismus der Machthaber eine neue Schwelle überschreitet, die demokratischen Freiheiten in beispielloser Weise in Frage gestellt werden und ein Ausnahmezustand eingeführt wird, der nur nicht so genannt wird.

Die Unterzeichner rufen dazu auf, auf die Forderungen der Bewegung einzugehen: Die öffentlichen Dienste müssen gestärkt werden, um insbesondere einen gerechten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und Verkehr zu gewährleisten; es müssen Maßnahmen zur Steuergerechtigkeit umgesetzt werden, um die Finanzierung dieser dringenden Aufgaben sicherzustellen; die Kaufkraft, insbesondere die Löhne, müssen verbessert werden; verstümmelnde? Waffen und tödliche Festnahmetechniken müssen verboten werden.

Der Text ruft schließlich dazu auf, die Mobilisierungen fortzusetzen und auszuweiten, insbesondere an den kommenden Tagen, dem 24. Oktober und dem 5. November.

Der vollständige Beitrag wurde in mehreren unabhängigen Medien veröffentlicht, darunter in Mediapart, L’Humanité, Basta, Regards und Politis, und ist hier verfügbar.

Übersetzung des gesamten Aufrufs:

Mehr als fünfzig VertreterInnen von Verbänden und Gewerkschaften und Persönlichkeiten rufen zu Demonstrationen für Demokratie und soziale Gerechtigkeit auf – gegen das autoritäre Abdriften

Die soziale Unzufriedenheit erreicht Ende 2026 ein bis dahin selten gesehenes Ausmaß. Nach einem Sommer, der von den sich verschärfenden Folgen der Klimakrise geprägt war, ist die Jugend auf die Straße gegangen, um gegen den fortschreitenden Verfall des Bildungssystems und eine aussichtslose Zukunft zu protestieren. Diese Mobilisierung hat in der gesamten Gesellschaft, die unter den Folgen der ungerechten Politik aufeinanderfolgender Regierungen leidet, großen Widerhall gefunden.

Während die Preise für Benzin, Lebensmittel und Wohnen ständig steigen, verschlechtert sich die Lage für zu viele Menschen; es fällt ihnen immer schwerer, von ihrem Einkommen in Würde zu leben, und sie müssen sich entscheiden, ob sie heizen, essen, mobil sein oder sich medizinisch versorgen lassen wollen.

Die Ungleichheiten vertiefen sich, was weitgehend durch die steuerlichen, haushaltspolitischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der letzten zehn Jahre zugunsten der Superreichen und Großunternehmen begünstigt wurde. Während die Gewinne der CAC-40-Unternehmen und die Dividendenausschüttungen Rekordhöhen erreichen, ist die Armutsquote auf einem historischen Höchststand.

„Die Gründe für die Wut der Jugend sind berechtigt“

Gerade jetzt drehen sich die Haushaltsdebatten um einen unfairen Haushaltsentwurf, der die unteren Bevölkerungsschichten noch weiter in die Armut treiben und die öffentlichen Dienste ersticken wird, die bereits unter chronischer Unterfinanzierung leiden, während der Bedarf in unseren Schulen, Gymnasien, Krankenhäusern,… enorm ist. Darüber hinaus haben die verheerenden Waldbrände dieses Sommers auf dramatische Weise die Untätigkeit angesichts des Klimawandels und die Folgen der Austeritätspolitik für die Ausrüstung der Feuerwehr verdeutlicht.

Und die Regierung steht nicht allein beim Vorschlag dieser ungerechten Politik als einzigen Ausweg. Der Rassemblement National (RN) überbietet sie noch bei der Zerstörung der öffentlichen Dienste. Marine Le Pen kündigte eine „radikale Anstrengung“ mit Einsparungen in Höhe von 140 Milliarden Euro bis 2032 an, sollte die rechtsextreme Partei an die Macht kommen.

Vor diesem Hintergrund hat die Mobilisierung der Jugend das Erbe der massiven Mobilisierungen der letzten Jahre für soziale und ökologische Gerechtigkeit sowie für die Grundrechte angetreten. Sie bringt dieselbe Botschaft zum Ausdruck: Empörung über die Verschlechterung der Lebensbedingungen, Angst vor der Zukunft und Hoffnung auf Alternativen: steuerliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit.

„Hartnäckige Weigerung der Regierung, ihre Politik zu ändern“

Die Gründe für die Wut sind legitim, ebenso wie die Forderungen dieser Bewegung. Dennoch hat sich die Regierung für eine umfassende Repression entschieden, um die von der Jugend angeführte Bewegung zu unterdrücken. Diese repressive Reaktion stützt sich auf eine Medienberichterstattung, die Demonstrantinnen und Demonstranten stigmatisiert und es sorgfältig unterlässt, an die wahren Ursachen und Bestrebungen dieser Bewegung zu erinnern.

Wir erleben ein autoritäres Abdriften, das mit der hartnäckigen Weigerung der Regierung einhergeht, Verantwortung für ihre Bilanz zu übernehmen und ihre ungerechte Politik zugunsten der Reichsten zu ändern. Schlimmer noch: Sie verbreitet immer mehr Lügen und Manipulationen, um die Verantwortung für ihr Versagen einer erfundenen „Ultralinken“ – wenn nicht gar dem gesamten Lager des sozialen und ökologischen Fortschritts – zuzuschieben.

Sie führt einen Ausnahmezustand ein, der nicht als solcher bezeichnet wird, und sieht den Einsatz der Armee auf der Straße vor. Diese Entscheidung ist unverantwortlich und gefährlich für die Demokratie sowie für die körperliche Unversehrtheit derjenigen, die sie im Rahmen dieser Mobilisierungen verteidigen. Sie ebnet den Weg für einen Machtantritt der extremen Rechten.

„Wir rufen dazu auf, die Bewegung in den kommenden Tagen zu verstärken“

Diese Situation ist weder ein unabwendbares Schicksal noch eine schweigend hinzunehmende Ungerechtigkeit. Die Jugendbewegung bringt die Ablehnung wachsender Ungleichheiten, steuerlicher Ungerechtigkeit und der Untätigkeit im Klimabereich zum Ausdruck, aber auch die Hoffnung auf Veränderung.
Die von dieser Bewegung vorgebrachten Vorschläge müssen Gehör finden:

  • Die öffentlichen Dienste müssen gestärkt werden, um insbesondere einen gerechten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und öffentlichen Verkehrsmitteln zu gewährleisten. Vor allem müssen die Forderungen der Feuerwehrleute und des öffentlichen Dienstes Gehör finden, eine ehrgeizige Klimapolitik muss umgesetzt werden und der von der Studentenbewegung geforderte Notfallplan in Höhe von 10 Milliarden Euro muss im Haushalt 2027 umgesetzt werden.
  • Es müssen Maßnahmen zur Steuergerechtigkeit umgesetzt werden, um die Finanzierung dieser dringenden Aufgaben, des öffentlichen Handelns und der notwendigen Investitionen zur Bewältigung der klimatischen, energetischen, ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Herausforderungen sicherzustellen.
  • Die Kaufkraft muss – insbesondere durch Lohnerhöhungen – angesichts stark steigender Lebenshaltungskosten verbessert werden, wie es der Gewerkschaftsverbund im Vorfeld des Aktionstages am 5. November fordert.
  • Waffen, die zu Verstümmelungen führen, und lebensgefährliche Festnahmetechniken müssen verboten werden: Die Unterdrückung sozialer Proteste durch Repression ist ein autoritärer Missbrauch, der bereits zu Tragödien geführt hat und dringend beendet werden muss.

Die seit über zehn Jahren betriebene Politik hat in die Sackgasse geführt. Darum bekräftigen wir, dass die aktuelle Bewegung legitim ist, und lehnen das Abdriften in ein repressives, ungerechtes, intolerantes und autoritäres Regime ab.
Deshalb rufen wir dazu auf, die Aktionen in den kommenden Tagen, insbesondere am Samstag, dem 24. Oktober, zu verstärken und den Streik am 5. November flächendeckend durchzuführen.
Wir fordern, dass die Forderungen nach steuerlicher, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit Gehör finden.


Unterschriften:

SprecherInnen von Attac Frankreich: Raphaël Pradeau et Youlie Yamamoto

Verantwortliche von studentischen Organisationen: Eloïse Lefebvre Milon, secrétaire générale de l’Union étudiante, Ryad Rani, président de l’Union syndicale lycéenne, Lucie Clamens, co-secrétaire fédérale de Solidaires Etudiant-e-s, Yassine Benyettou, Red jeunes.

Verantwortliche von Gewerkschaften: Julie Ferrua et Murielle Guibert, co-déléguées générales Union Syndicale Solidaires, Caroline Chevé, secrétaire générale de la Fédération Syndicale Unitaire, Thomas Gibert et Fanny Metrat, porte-paroles de la Confédération paysanne, Angélique Grosmaire, secrétaire générale de la fédération SUD-PTT, Julien Troccaz, secrétaire fédéral SUD-Rail, Sandra Demarcq, secrétaire générale de Solidaires Finances publiques, Aurélie Gagnier, Sandrine Monier, Nicolas Wallet, co-secrétaires Généraux de la FSU-SNUipp, Info’Com-CGT.

Verantwortliche und Mitglieder von ökologischen Organisationen: Julien Le Guet, co-porte parole des Collectifs Bassines Non Merci – Inter-BNM, François Chartier, Greenpeace, Lounes Dupeux, co-président des Amis de la terre France, Camille Dupond, co-porte parole Soulèvements de la terre, Thomas Wagner, fondateur de Bon Pote, Marie Chureau, activiste et juriste pour l’écologie et les droits humains, Fanny Petitbon, responsable France 350, Zoé Pélegry, porte-parole d’Alternatiba, Franzeska Bindé, porte-parole d’Action non-violente COP 21 (ANV-COP 21), Action Justice Climat Paris.

Künstlerinnen und Künstler: Kaddour Hadadi (HK), artiste, Pierre Luquet, chanteur et accordéoniste de La Rue Ketanou, Corinne Masiero, actrice, Robert Guediguian, réalisateur, Nina Faure, réalisatrice, Gilles Perret, réalisateur, Juliette Arnaud, chroniqueuse, Guillaume Meurice, humoriste, Aymeric Lompret, humoriste, Florence Mendez, humoriste, Pierre-Emmanuel Barré, humoriste, TataDrapi, créatrice de contenus.

Lehrkräfte an Universitäten und prominente Persönlichkeiten: Amal Bentounsi, militante antiraciste, Omar Slaouti, militant antiraciste, Mona Chollet, essayiste, Sebastian Roché, sociologue, Ludivine Bantigny, historienne, Laurence De Cock, historienne, Mathilde Larrère, historienne, Claire Dujardin, avocate et ancienne présidente du SAF, Eric Lagadec, astrophysicien, Geneviève Legay, gilet jaune, altermondialiste, Bernard Langlois, journaliste retraité, cofondateur de Politis, Raphaël Kempf, avocat, élu au Conseil de l’Ordre du Barreau de Paris, Dominique Plihon, économiste, Jean-Marie Harribey, économiste, Juliette Rousseau, écrivaine, Maxime Combes, économiste, Alexis Cukier, philosophe, Christiane Vollaire, philosophe, Amine Messal, ingénieur et doctorant économiste.

Verantwortliche und aktive Mitglieder von Vereinen: Céline Méresse, présidente du CRID, Jean-Baptiste Eyraud, porte-parole de Droit Au Logement, Isabelle Mathurin, co-présidente de Convergence nationale des Services Publiques, Marie-Pierre Vieu, Benoît Teste et Ingrid Darroman, Fondation Copernic, Sarah Durocher, présidente du Planning familial, Margot Mahoudeau, présidente de l’Espace Santé Trans, Suzy Rojtman, porte parole du Collectif national pour les Droits des Femmes, Ana Azaria, Comité National Femmes Egalité, Monique Dental, Réseau Féministe « Ruptures », Christian Delarue, président du CADTM France, Floraine Jullian, porte-parole de Victoires populaires, #NousToutes, Karim Donati, membre de Carré Citoyen, Nasteho Aden, militante antiraciste et membre de Carré Citoyen, Josée Pépin, membre du collectif unitaire pour le maintien du centre d’IVG de Tenon, Yessa Belkhodja, cofondatrice du collectif de défense des jeunes du Mantois, Fabien Marcot, militant associatif, Daniel Rome, militant associatif, Françoise Clément, militante associative, Marielle Topelet, ancienne élue de Malakoff, Killian Caudal, Alternatiba Rennes.

Originaltext:

https://france.attac.org/actus-et-medias/salle-de-presse/article/plus-de-cinquante-responsables-associatifs-syndicaux-et-personnalites-appellent

Übersetzung: Redaktion von ‚Sand im Getriebe‘ https://www.sand-im-getriebe.org

Gewerkschaftsaufrufe:
https://syndicollectif.fr/apres-le-17-octobre-2026-positions-syndicales/

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