Linke-Wahlsieg in Berlin: Grotesker Antisemitismus-Zirkus nimmt Fahrt auf

Wir teilen gerne die Erklärung der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost vom 25. September. Diese Erklärung ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der eskalierenden Hexenjagd gegen Menschen, die sich mit Palästina solidarisieren gegen den anhaltenden Völkermord in Gaza und die ethnischen Säuberungen in den besetzten Gebieten. Es ist besonders erschreckend, dass die groteske Antisemitismus-Kampagne offenbar von der Führung der Linkspartei unterstützt wird, um regierungsfähig zu werden. Stoppt die Hexenjagd gegen die Palästina-Solidarität!

Wir danken der Jüdischen Stimme für das Publikationsrecht.

Linke-Wahlsieg in Berlin: Grotesker Antisemitismus-Zirkus nimmt Fahrt auf

Seit dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin am 20.09. hat das Geschrei in Presse und Politik kaum aufgehört. Dass die Partei mit 25,7% stärkste Kraft wurde, trotz wochenlanger medialer Hetze gegen sie, hat im politischen Mainstream zu einer Kernschmelze geführt. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Berliner:innen sich nicht von den altbekannten rassistischen „Antisemitismusdebatten“ täuschen ließen und für die längst überfällige Vergesellschaftung von Wohnraum stimmten – und angesichts der zunehmenden Polizeigewalt und Wohnungsnot auch kaum verwunderlich.

Die Hysterie über die misslungene Hetzkampagne ist umso lauter: Der israelische Botschafter Prosor, für seine ständigen Einmischungen längst bekannt, sprach von einer „unmittelbaren Existenzgefahr“ für Jüdinnen und Juden in Berlin. Ehemalige Berliner Führungspersönlichkeiten der SPD riefen ihre Partei dazu auf, keine Koalition mit der Linken einzugehen, und meinten dabei, es drohe die „Vernichtung jüdischen Lebens“ in Berlin.

Gekrönt wurde das Ganze von Jörg Thadeusz, der in den Tagesthemen die Linkspartei nicht nur als antisemitisch bezeichnet hat, sondern sie mit zynischer Arroganz auch noch dazu aufforderte, am internationalen Holocaust-Gedenktag von Gedenkveranstaltungen fernzubleiben, da ihr jüdisches Leben in Deutschland offenbar nichts wert sei – und beendete seinen Meinungsbeitrag mit dem faschistischen Schlachtruf „Am Israel chai“.

Die Wahl einer linken Bürgermeisterin wurde somit in einer grotesken rhetorischen Eskalation geradezu als Anfang eines zweiten Holocausts dargestellt. Warum? Etwa weil der Rapper Dahabflex auf einer Wahlveranstaltung das Wort „Intifada“ benutzt hatte? Oder weil die Partei eine lauwarme Resolution beschlossen hatte, die Verständnis sowohl für Opfer als auch Täter des Genozids in Gaza ausdrückte?

Die Antwort ist banal: Es geht um Geld. Kapitalinteressen, Immobilien, Waffengeschäfte. Nichts macht dem kapitalistischen Mainstream mehr Angst, als Geld und Einfluss zu verlieren, und die kapitalistische Grundordnung, die die deutsche Politik beherrscht, wird in manchen Aspekten von der Linken bedroht. Aufgrund der direkten wirtschaftlichen Verstrickung von Politiker:innen mit der Immobilienbranche, zum Beispiel, versetzen sie die Enteignungspläne der Linkspartei in Panik. Seit dem Volksentscheid „Deutsche Wohnen & co. enteignen“ ist die Durchsetzung der Vergesellschaftung eigentlich schon lange demokratische Pflicht.

Warum empören sich diejenigen, denen angeblich der „Schutz jüdischen Lebens“ so wichtig ist, mehr über den Wahlsieg der Linken als über den der faschistischen AfD in Sachsen-Anhalt, der ihnen mit 44% fast eine absolute Mehrheit einbrachte? Auch in Mecklenburg-Vorpommern war sie kurz danach mit 38% der Stimmen stärkste Kraft. Auf Bundesebene ist sie seit Juni in den Umfragen beliebteste Partei und kann inzwischen mit ca. 30% Zustimmung rechnen. Warum gibt es angesichts dieser faschistischen Entwicklung nicht annähernd so viel Aufregung im Establishment? Warum spricht man eher davon, dass die Demokratie nun mal so laufe und man irgendwie damit umgehen muss, während das Wahlergebnis in Berlin geradezu als Terroranschlag gilt?

Weil die AfD  eine Partei des Kapitals und der Staatsräson ist. Kommen wir weg von der moralischen Debatte und der Propaganda um „Existenzrecht“, „historische Verantwortung“ und „jüdisches Leben“: Eine AfD-Regierung, ob auf Landes- oder Bundesebene, wäre kein Problem für den kapitalistischen Status Quo. In Sachsen-Anhalt hat der Wahlsieger Ulrich Siegmund den anstehenden Bau einer Fabrik des israelischen Waffenkonzerns Elbit Systems, der als Drohnenweltmeister eine Schlüsselrollebeim Genozid in Palästina spielt, damit verteidigt, dass man für das geplante„Remigrationsprojekt“ schließlich auch militärische Ressourcen benötige. Entsetzen in Politik und Presse fielen – ähnlich wie bei den Anhörungen in Den Haag zu Deutschlands Mittäterschaft im Völkermord  – eher gering aus. Business as usual im Geschäft mit palästinensischem Blut. 

Die wahnsinnige Aufrüstung mithilfe der Kürzungen der Merz-Regierung, die Tatsache, dass die AfD immer mehr Macht erlangt und die rasante Faschisierung Deutschlands verblassen geradezu neben dem Antisemitismus-Zirkus, den Medien und Politik zurzeit orchestrieren. Dieser ist gut besucht – von Eigentumsfanatikern und Rassisten bis zu solchen, die mit gut gemeinten Statistiken zu Antisemitismus in Parteien den defensiven Kurs der Linken weiter anheizen. Währenddessen läuft die Waffenindustrie für weltweiten Völkermord auf Hochtouren und Migrant:innen werden reihenweise gekündigt, ausgebürgert, abgeschoben, zu Hause von Polizisten belagert und geschlagen – all das im Rahmen desselben rassistischen „Kampfes gegen Antisemitismus“.

Gleichzeitig werden unsere jährlichen Kundgebungen am 27. Januar, in denen wir auf die deutsche Beteiligung am zionistischen Genozid als Entlarvung der hegemonialen „Erinnerungskultur“ hinweisen, und die vielen nichtjüdischen Opfergruppen der Nazis nennen, als Holocaust-Relativierung diffamiert, und ein „Antisemitismusbeauftragter“ verlangt für uns ein Vereinsverbot. „Jüdisches Leben“ hat für den deutschen Staat nur einen Wert, wenn es sich mit der Staatsräson und ihren Nazi-Kontinuitäten verträgt.

Da passt es, dass wir als jüdische Gruppe im Schatten der Berlin-Wahl ausgerechnet an Jom Kippur vom Berliner Oberverwaltungsgericht erneut als „gesichert extremistisch“ eingestuft und einer weiteren Verfolgung durch Geheimdienste preisgegeben wurden. Eine jüdische Organisation, die sich mit den Zielpersonen dieses „Kampfes gegen Antisemitismus“ solidarisiert, muss in einem Staat, der hierauf seine Macht aufbaut, schließlich dringend aus dem Weg geräumt werden.

Staatliche Akteure und Instanzen stellen uns als Propaganda-Abteilung der Hamas dar, während Holocaust-Leugner im Bundestag sitzen und der Kanzler Jüdinnen und Juden als „Ausländer“ bezeichnet oder die israelische Flagge die „Judenfahne“ nennt – und dann in einer Synagoge Krokodilstränen darüber vergießt, dass die Nazis mithilfe des deutschen Kapitals unsere Vorfahren vernichtet haben.

Angesichts dieser desaströsen politischen Lage ist es unabdingbar, dass die Linkspartei standhaft bleibt. Der Untergang des ehemaligen Labour-Vorsitzenden Corbyn in Großbritannien hat gezeigt, wie jede Gefahr einer Einschränkung kapitalistischer Privilegien zum politischen Krieg führt, in dem der Antisemitismusvorwurf zynisch missbraucht wird – ob von Parteien und Organisationen, die selber voller Rassisten und Antisemiten sind, oder von vermeintlichen jüdischen Vertretern, etwa dem Zentralrat, die nur aufgrund ihrer Unterstützung des westlichen Imperialismus Einfluss haben.

Schon mit Elif Eralps Distanzierungen während des Wahlkampfs, die den rassistischen Antisemitismusdiskurs weiter rechtfertigten, zeichnete sich ein gefährlich defensiver Kurs der Linken ab. Jetzt wird aber das Verstecken der standhaftesten Parteimitglieder zum armseligen Versuch, die Hetze zu beschwichtigen: Gegen Hannah Bruns von der LAG Palästinasolidarität läuft nun ein Ausschlussantrag und Ferat Kocak, der unermüdlich für ein gutes Leben in Neukölln kämpft und nicht unerheblich am massiven Wahlsieg im Wahlkreisbeteiligt war, trat von seiner Rolle vorläufig zurück.

Dabei sind es Leute wie Ferat Kocak, Ahmed Abed und Hannah Bruns, die sich klar gegen Krieg und Genozid positionierten und nah an der Bewegung arbeiteten, die das Vertrauen in eine Partei, die sich links nennt und Jahre lang eben keine klare Position hierzu beziehen konnte, aufrecht erhalten hat und am Stimmgewinn in Kreuzberg oder Wedding maßgeblich mitgewirkt haben. Ausgerechnet sie nun ans Messer zu liefern ist nicht nur gefährlich und dumm, sondern eine Kapitulation an einen fabrizierten rassistischen Diskurs, der seit Jahren die Ausbeutung von Migrant:innen und ihren Heimatländern, die sozialen Kürzungen, die Aufrüstung und den Genozid gerade erst ermöglicht. Mit diesen Diskussionen, wie sehr man rassistisch konstruierte Debatten bespielen sollte – darunter auch die sogenannte „Clankriminalität“, ein Begriff, der in großen Teilen auf Statistiken über falsch Parkende mit dem gleichen Nachnamen basiert – lässt die Partei sich gefährlich von ihren sehr ernsten Aufgaben ablenken: einem standhaften Antifaschismus und Antimilitarismus sowie der Vergesellschaftung von Wohnraum und einem Ausbau des Sozialstaats.

Lasst euch nicht ablenken, entlarvt die Angriffe als das, was sie sind: Angriffe auf die Möglichkeit einer sozialeren Politik und auf die Menschenrechte. Lasst nicht eure migrantischen Politiker:innen von Nazi-Enkeln diffamieren, die die eigene Antisemitismusgeschichte auf die muslimische Bevölkerung abwälzen. Seid solidarisch mit denen, die sich konsequent gegen Genozid und Besatzung stellen, statt sie den Geiern der Boulevardpresse zu überlassen. Geht in die Offensive, statt euch in die Ecke drängen zu lassen. Nur so gibt es eine Chance auf Gerechtigkeit, ob soziale Gerechtigkeit in Deutschland oder Gerechtigkeit für Palästina.

Quelle: https://www.juedische-stimme.de/news-und-stellungnahmen/linke-wahlsieg-in-berlin-grotesker-antisemitismus-zirkus-nimmt-fahrt-auf

United for Palestine – bundesweite Demo

Der 10. Oktober ist der internationale Aktionstag gegen den Genozid in Gaza. Namhafte Gewerkschafter:innen aus über 30 Ländern haben auf der Londoner internationalen Friedenskonferenz im Juli dazu aufgerufen. In vielen europäischen Städten finden große Protestmärsche statt. Auch in Deutschland sind etliche lokale Aktionen geplant.

In Berlin ruft das Bündnis „United for Palestine“ zu einer bundesweiten Demonstration auf. Die Proteste an diesem Tag sind die notendige Antwort auf den weitergehenden Genozid in Gaza, auf Besatzung und Unterdrückung im Westjordanland und Südlibanon, auf die rassistische Apartheidpolitik und die Menschenrechtsverletzungen in Foltergefängnissen im Inneren von Israel.

Bundesweite Großdemonstration United for Gaza

10. Oktober 15 Uhr Brandenburger Tor Berlin

Die Behörden ändern ständig die Auflagen und Routen. Neuer Startpunkt: vor Kanzleramt

Update:

Unser gewerkschaftlicher Treffpunkt bleibt die Straße des 17. Juni. Wir treffen uns ab 14:30 auf Höhe des Rufers, auf der Straßenseite des sowjetischen Ehrenmals und gehen gegen 14:45 Uhr zum Kanzleramt!

Treff Berliner Gewerkschafter:innen: am Denkmal der Rufer, Straße des 17. Juni, ca. 100 Meter vom Brandenburger Tor entfernt, ab 14:30 Uhr

Der Aktionstag ist aber auch die richtige Antwort auf all diejenigen, die diese kriegsverbrecherische Politik unterstützen. Auf all diejenigen, die sich erdreisten, Kritiker:innen dieser Politik mit Dreck zu bewerfen und Menschen -zuletzt vor allem Mitglieder:innen der Linkspartei in Berlin, aber auch Jüd:innen – des „Antisemitismus“ zu bezichtigen:

  • weil diese Menschen sich universell für Menschenrechte einsetzen – unterschiedslos für Jüd:innen oder Palästinenser:innen,
  • weil sie für das im Völkerrecht verbriefte Widerstandsrecht gegen Angriffskriege, Besatzung, Kriegsverbrechen und Völkermord eintreten;
  • weil sie nicht schweigen, wenn eine rechtsextrem geprägte Regierung und deren Armee tageintagaus Menschenrechtsverletzungen barbarichster Art begehen.

Letztendlich wollen die Hetzer:innen durch ihre unredliche Kampagne der letzten Tage auch eine Wohnungspolitik im Interesse der Mehrheit der Berliner Bevölkerung verhindern. Soziale Gerechtigkeit ist keine Einpunktbewegung. Wer das Völkerrecht nicht respektiert, respektiert auch soziale Rechte, Arbeits- und Gewerkschaftsrechte und Bürgerrechte nicht, wie es die regierenden Parteien jeden Tag unter Beweis stellen.

Eine große Demonstration am 10. Oktober in Berlin für Palästina wäre ein Zeichen der Entschlossenheit, dass wir die Diffamierung und die Instrumentalisierung des Antisemitismus gegen die legitime Kritik an Israel nicht tatenlos hinnehmen. Es wäre ebenso ein Zeichen, dass wir linke gesellschaftsverändernde Programmatik durch bürgerliche Hetzkampagnen nicht weichspülen lassen.

Das Töten und Sterben in Palästina müssen ebenso wie der kontinuierliche Bruch des Völkerrechts durch die israelische Regierung ein Ende haben. Die Unterstützung dieser Barbarei durch die deutsche Regierung und durch die Parteien von AFD über CDU, SPD und Grüne muss ein Ende haben! Die Verfolgung und Ausgrenzung israelkiritscher Jüd:innen in diesem Land muss ein Ende haben. .

Das Bündnis United for Palestine erklärt:

Der Genozid ist nicht vorbei

Seit dem sogenannten ,,Waffenstillstand“ imOktober 2025 wurden in Gaza mehr als 1.250 Palästinenser#innen ermordet, darunter über 300 Kinder.
Insgesamt wurden mehr als 100.000 Menschen von Israel ermordet, über 12.200 liegen weiterhin unter den Trümmern, und mehr als 20.000 Kinder wurden allein in den ersten zwei Jahren ermordet.

Über 92 % der Wohneinheiten in Gaza wurden zerstört. Mehr als 540 Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen und über 240 Journalistinnen wurden von Israel ermordet.

Der Genozid in Gaza ist nicht vorbei. Doch der Angriff auf palästinensisches Leben endet nicht in Gaza.

Warum United for Palestine

Während der Genozid in Gaza weitergeht, verschärfen sich im besetzten Westjordanland und in Jerusalem Siedlerterror, militärische Razzien, Landraub, Siedlungsausbau, Hauszerstörungen, Masseninhaftierungen und Vertreibung.

Allein 2026 wurden mehr als 1.100 Siedlerangriffe registriert. Bis Anfang Juli wurden mehr als 3.200 Palästinenserinnen vertrieben, 18 Palästinenserinnen durch Siedlerterror ermordet. Gleichzeitig wurden 350 Millionen Euro für 34 neue Siedlungen bereitgestellt, während 84 palästinensische Schulen unter Abriss- oder Baustoppanordnungen stehen. Hinzu kommt eine weitere Eskalation staatlicher Repression: Seit April 2026 ist in Israel ein Gesetz zur Todesstrafe nur für Palästinenser*innen Kraft.

Jerusalem, das Westjordanland, Gaza und das besetzte Palästina sind untrennbare Teile Palästinas. Darum: United for Palestine

Warum jetzt?

Jerusalem kann nicht vom Westjordanland getrennt werden. Das Westjordanland kann nicht von Gaza getrennt werden. Gaza kann nicht von Palästina getrennt werden. Darum: United for Palestine

Mehr als 9.500 Palästinenserinnen befanden sich im März 2026 in israelischen Gefängnissen. Rund 200 palästinensische Kinder zwischen 12 und 18 Jahren sind in Israelischen Foltergefängnisse. Der Genozid in Gaza, der beschleunigte Landraub im Westjordanland, die Kolonisierung Jerusalems, Siedlergewalt, Vertreibung und Masseninhaftierung können nicht voneinander getrennt werden.

Auch die deutsche Komplizenschaft mit den Verbrechen an Palästinenserinnen geht weiter – politisch, diplomatisch, wirtschaftlich und militärisch.
Der Genozid endet nicht in Gaza. Die Besatzung endet nicht an den Checkpoints. Das koloniale Projekt endet nicht mit einer Siedlung. Unser Widerstand endet erst mit der vollständigen Befreiung Palästinas.

Unsere Forderungen
  • Sofortiges Ende des Genozids, der Apartheid, der Blockade und der illegalen Besatzung Palästinas.
  • Sofortiger und vollständiger Stopp aller deutschen Waffenlieferungen und militärischen Kooperationen mit Israel.
  • Konsequente Achtung des Völkerrechts, Unterstützung internationaler juristischer Verfahren, Durchsetzung des Rückkehrrechts sowie Reparationen und Wiederaufbau.
  • Vollständige Aufhebung der Gaza-Blockade und uneingeschränkter Zugang zu humanitärer Hilfe.
  • Entkriminalisierung der Palästina-Solidarität, Ablehnung der Staatsräson und der IHRA-Definition als Grundlage staatlicher Repression.
  • Schutz vor antipalästinensischer Diskriminierung und Förderung palästinensischer Strukturen in
    Deutschland.

Das Bündnis richtet auch einen besonderen Apell an die Partei Die Linke:

Was wir von Euch erwarten:

Wer Menschenrechte, Völkerrecht und soziale Gerechtigkeit ernst nimmt, kann bei Palästina nicht schweigen.

Wir rufen DIE LINKE- ihre Landes- und Kreisverbände, ihre Jugendorganisation, ihre Mandatsträger*innen und jedes einzelne Mitglied – auf: Schlieẞt euch der Massendemonstration United for Palestine in Berlin an. Mobilisiert eure Strukturen. Tragt unsere Forderungen mit!

„Nicht mit uns!“ – Impressionen und Anmerkungen zum DGB Aktionstag in Berlin!

Am Samstag waren12.000 Kolleginnen in Berlin gegen die Angriffe auf ihre sozialen Errungenschaften auf der Straẞe. Es war eine groẞe und kämpferische Demonstration. Was auffiel, aber auch notwendig ist: Viele Teilnehmerinnen vertraten weitergehende Positionen, als die vom DGB offiziell ausgegebene Losung „Hart verdient“.

Und es hätten doch angesichts der Größe der Stadt und Heftigkeit der Angriffe mehr sein müssen!

Der Bezirk Die Linke Neukölln hatte folgenden Aufruf verteilt:

Bezahlbares Leben statt Panzer und Raketen

26.September: Auf die Straẞe!

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz greift soziale Rechte und den Sozialstaat an. Während hunderte Milliarden für Aufrüstung und Milităr ausgegeben werden, sollen Be-schäftigte, Rentner*innen, Pflegebedürftige, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen die Rechnung bezahlen.

70-Stunden-Woche?

Der Achtstundentag soll aufgeweicht, der Kündigungsschutz weiter geschwächt und bei Gesundheit, Pflege, Jugend- und Behindertenhilfe sowie den Renten will Merz kürzen. Das sind die heftigsten Angriffe auf den Sozialstaat seit der Agenda 2010.

Wir sagen: Es reicht!

Gleichzeitig steigen die Militärausgaben immer weiter. Nach den aktuellen Finanzplänen sollen sie bis 2029 auf mindestens 152 Milliarden Euro jährlich steigen – vor 10 Jahren waren sie noch bei 32 Milliarden. Deutschland gehört inzwischen zu den Ländern mit den höchsten Militärausgaben weltweit. Die Rüstungskonzerne machen Rekordprofite.

Krieg für Konzerne

CDU, SPD und Grüne wollen Deutschland kriegstüchtig“ machen. Wenn sie uns erzählen, es ginge bei ihren Kriegen, der Aufrüstung und der Wehrpflicht um die Verteidigung, Freiheit und Demokratie -dann lügen sie.
Denn es geht im Krieg nie um Menschen, sondern um Profit, geostrategische Macht und Kapitalinteressen. Es geht auch ganz sicher nicht um unsere Sicherheit hirr.

Sicherheit für die 99 Prozent

Sicherheit heiẞt für uns: bezahlbare Mieten, sichere Arbeitsplätze, gute Bildung, ein funktionierendes Gesundheitssystem, ausfinanzierte Jugendzentren, Schutz vor Altersarmut und Bleiberecht für alle. Aufrüstung und Kriege verschärfen auch die Klimakrise und unsere gesamte Lebensgrundlage. Panzer, Tornados Bomben und Drohnen verpesten mit Millionen Tonnen CO{2 die Welt-das Militär, Aufrüstung und Kriege sind Klimakiller.

Zeit für Widerstand

Wir lehnen Aufrüstung,Sozialabbau und Kriegsvorbereitung ab.Statt Milliarden für Panzer und Raketen fordern wir Investitionen in bezahlbares Wohnen, gute Löhne, Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und soziale Sicherheit. Für eine solidarische Gesellschaft statt Sozialabbau und Militarisierung.

Kommt am 26. September
mit uns auf die Straẞe!

Elon Musk ist in vielen Punkten, nach denen sich die Metallbosse jetzt die Finger lecken, in Vorlage gegangen. Eine starke politische und kämpferische Rede eines Betriebsrats von Tesla Grünheide. Insgesamt war die IG Metall sichtbar auf der Demo vertreten. Der gesamte Beitrag ist als pdf am Schluss des Artikels zu lesen.

Bemerkenswert im Flyer aus Neukölln: es wird ohne jede Umschweife der Zusammenhang zwischen dem sozialen Kahlschlag und dem neuen deutschen Kriegskurs hergestellt. Da wo sonst in den offiziellen Aufrufen und Reden der DGB Gewerkschaften eine Leerstelle bleibt und eine Erklärung fehlt, warum denn gerade jetzt diese massive beispiellose und unversöhnliche Angriffswelle auf alle sozialen Belange der Beschäftigten niederprasselt. Denn dass Reiche immer reicher werden – so die immer wieder in „revolutionär“ klingender Tonlage vorgetragene Erklärung – und kaum gerecht besteuert werden, das gilt schon lange. Auch die Profitgier der Kapitalisten gibt es schon länger als das, was wir seit Ausrufung der „Zeitenwende“ erleben.

Dass geopolitische Verwerfungen eine Rolle spielen, kommt der Wahrheit schon ein Stück näher. Aber schuld sollen immer die anderen sein, die imperialen Gegenspieler. In den Reden der Gewerkschaftsspitzen breites Stillschweigen darüber, dass der Großmachtkurs der eigenen Regierung diese Verwerfungen anfeuert, die zum Beispiel zu der allseits beklagten immensen Verteuerung der Energieversorgung führen.

Jana Seppelt von der Verdi zeigt in einer kämpferischen Rede die ganze Bandbreite der verheerenden Auswirkungen der sozialen Angriffe -insbesondere im Gesundheitsbereich – auf!

Das Handelsblatt hat ausgrechnet, dass in den nächsten Jahren über eine Billion Euro für die Aufrüstung ausgegeben werden soll. Für das erklärte Ziel zur „stärksten Armee Europas“ aufzurücken.

Abgesehen vom steigenden Kriegsrisiko kann sich jeder ausrechnen, dass diese Kosten für die Militarisierung wie eine Krake alle finanziellen Spielräume für soziale Aufgaben wegfressen. Die angehäuften Schulden werden nicht nur die Zinsbelastungen der öffentlichen Haushalte, sondern auch die Inflation in die Höhe treiben und die Lebenshaltungskosten drastisch verteuern. Die Inflationsrate hat letzten Monat breits 2,8% betragen.

Mehr Besteuerung der Reichen. Einverstanden. Doch wird dadurch zum Beispiel etwas an der Profitorientierung des Gesundheitssystems geändert, die strukturell Reiche immer schnelller reich und eine katastrophale Gesundheitsversorgung immer weniger bezahlbar macht? Und wo fließt dieses Geld hin? Mit Sicherheit ebenfalls in die Militarisierung, wenn diesem gesamten Kurs zur Großmacht nicht Einhalt geboten wird. Auf einem Transparent stand: „Geld für Waffen, kein Geld für Krankenhauspersonal – Beides ist tödlich!“ Das trifft den Nagel auf den Kopf. Auf einem anderen Transparent stand: „Gemeinsam gegen Sozialabbau und Krieg!“ Das ist zu tun.

Aber das Führungspersonal der DGB Gewerkschaften meidet das Wort „Militarisierung“ im Zusammenhang mit den laufenden sozialen Angriffen wie der Teufel das Weihwasser.

„Im Kampf vereint“ . Gesundheitspersonal der Berliner Charité, die um den Bestand ihrer hart erstreikten Arbeitsbedingungen mit Personalbemessung kämpfen und Mercedes-Arbeiter:innen aus Stuttgart, die sich gegen die Versuche der Autobosse wenden, die 35 Stundenwoche abzuschaffen, haben sich gegenseitig Unterstützung in ihren Kämpfen zugesagt. So muß es sein. Flächendeckende Solidarität im Kampf, über alle Branchen und Standorte hinweg. Wir würden uns wünschen, wenn die IG-Metaller:innen von Mercedes Berlin Marienfelde dem Beispiel ihrer Stuttgarter Kolleg:innen folgen würden!

175.000 Leute bundesweit sind ein Erfolg. Viele Beschäftigte fragen sich, was möglich wäre, wenn noch konsequenter mobilisiert worden wäre. Was möglich ist, wenn wir jetzt daran anknüpfen und in den nächsten Wochen und Monaten weiter mobilisieren und kämpfen. Gibt es denn eine andere Wahl? Ein Betriebsrat von Tesla betonte: Was wäre, wenn wir nicht nur Samstags mittags zu 12 000 auf der Straẞe wären, sondern mitten in der Woche während der Arbeitszeit? Doch was kommt jetzt? Seitens der Gewerkschaftsspitzen: Schweigen!

Von den insgesamt 70 Personen, die am Samstag bundesweit offiziell auf den Sozialprotesten gesprochen haben, sind 23 Parteimitglieder. Von diesen 23 sind 19(!) Mitglied in einer der Regierungsparteien, gegen die sich der Protest richtet.

Angesichts der konzertierten Angriffswelle von Unternehmen und Staat hatte sich in den Belegschaften, insbesondere in der Automobilindustrie und im Gesundheitsbereich, eine echte Wut angestaut, die sich in Protesten und einzelnen widerständigen Aktionen im Sommer Bahn brach.

Die Gewerkschaftsführungen reagierten mit der Organisierung von Protesten. Diese Septemberwoche war wohl als Höhepunkt geplant. Auf die Frage, was folgt, ist große Funkstille. Bei etlichen Aktivist:innen verdichtet sich der Verdacht, dass der Kampf nur mit „angezogener Bremse“geführt werden soll. Sie befürchten, dass bei weiterem Nachgeben alle sozialen Dämme brechen werden.

Die Angriffe der Bosse und ihrer Regierung treffen uns alle. Über alle Branchen, Standorte, Konzerne und öffentlichen Dienste hinweg. Die Antwort der Beschäftigten darauf sollte ebenso koordiniert, entschlossen kämpferisch und gemeinsam erfolgen. „Machen die Gewerkschaftsspitzen es nicht, müssen wir es selber tun,“ heißt es in einer Resolution von Automobilarbeiter:innen. Notwendig sind nachhaltige Widertstandsmaßnahmen und Streiks, die der Kapitalseite wirklich weh tun und politische Forderungen, die deren Handlunsspielraum einschränken, die zu einer Wende von der „Zeitenwende“ führen. In den Betrieben müssen wir politischer diskutieren. Die Kolleg:innen sind nicht blöd. Nur wer die Zusammenhänge begreift, kann erfolgreich kämpfen. Der Ruf nach bundesweiter und regionaler Vernetzung gewerkschaftlicher Aktivist;innen „von unten“ werden immer lauter. Bundesweit haben sich gewerkschaftliche Ratschläge gebildet, um das gemeinsame Vorgehen zu koordinieren. Abwarten und Stillhalten ist keine Wahl mehr!

Zum Schluß noch ein großes Dankeschön an die DGB Jugend, die den Lautsprecherwagen vorne moderiert hat. Da war nicht nur Stimmung, sondern auch Inhalt.

Fotos: Konstantin Kieser, Lea Hartung, Peter Witte, Milla und Peter Vlatten

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung