Gen Z steht auch in Deutschland auf

In mehreren deutschen Städten organisieren Schüler Proteste gegen Bildungsnotstand und Militarisierung. Am 31. Oktober folgt ein Aktionstag.

Von ELIAS INAN CHRISTE

Titelphoto: Schulstreik gegen Wehrpflicht in Köln. r-mediabase

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der wütenden Jugend. Der Blick nach Albanien, nach Belgien oder ins Nachbarland Frankreich zeigt, wie schnell aus sozialem Frust, struktureller Vernachlässigung und politischer Entfremdung massenhafter Protest werden kann. Auf den Straßen von Paris entlädt sich seit Wochen eine Wut, die längst über punktuelle Kritik an Schulreformen hinausgeht: Es ist der Aufstand einer Generation, die spürt, wie ihre Lebensgrundlagen, ihre Bildungschancen und ihre Zukunft auf dem Altar staatlicher Krisenbewältigung und geopolitischer Aufrüstung geopfert werden.

Doch die Dynamik macht an den deutschen Landesgrenzen keineswegs Halt. Auch hierzulande formiert sich ein Unmut, der nicht mehr hinter den Schulbänken gehalten werden kann. Die Anlässe liegen auf der Hand: seit Jahren verfallende Schulgebäude, bröckelnder Putz in den Klassenzimmern, ein historischer Lehrkräftemangel, ausfallender Unterricht und sich dramatisch verschlechternde Bildungschancen, vor allem für Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Währenddessen gibt das Kabinett Merz Rekordsummen für die Bundeswehr aus und trimmt die Gesellschaft auf Kriegstüchtigkeit. Viele Jugendliche sind zudem durch den bedrohlichen Aufstieg der extremen Rechten verunsichert.

Dass dieser Unmut nicht mehr nur unausgesprochen schwelt, sondern in konkretes Handeln umschlägt, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Wochen. Der Widerstand formiert sich zusehends in Form organisierter Schulblockaden: Was am Französischen Gymnasium in Berlin anfing, tritt seitdem immer häufiger auf. In Berlin, Hamburg und München legten Schüler*innen den Unterrichtsbetrieb an mehreren Gymnasien und Gesamtschulen lahm. Mit verbarrikadierten Eingängen und Transparenten wie »Geld für Bildung statt für Waffen« erzwangen sie Aufmerksamkeit für ein Unbehagen, das die etablierte Politik lange zu ignorieren versuchte.

Organisiert werden die Aktionen vor allem über das Bündnis »Gen Z regelt«, das auch unter dem Aufruf »Gen Z steht auf« und mit einem Eichhörnchen-Logo auftritt. Über Telegram-Gruppen sowie Tiktok und Instagram haben sich Schüler in Dutzenden Städten zusammengeschlossen.

Für den 31. Oktober ruft das Bündnis zu einem ersten bundesweiten Protesttag auf. Die Ankündigung hat hektische Betriebsamkeit ausgelöst: Polizeigewerkschaften und Innenministerien warnen vor möglichen Ausschreitungen wie in Frankreich. Das Bündnis betont jedoch in einem »Wertekompass«, friedlich und überparteilich zu sein: Es lehne Gewalt ab und setze auf Deeskalation. Um nicht für parteipolitische Ränkespiele missbraucht zu werden, sind Parteifahnen auf den Kundgebungen unerwünscht. Rechtsextreme, rassistische und hetzerische Positionen sollen ausgeschlossen werden.

Streit um politische Ausrichtung

Knapp drei Wochen später, am 20. November, wird außerdem unter dem Motto »Schulstreik gegen Wehrpflicht« zu einem internationalen Jugendaktionstag aufgerufen. Beteiligt sind Organisationen aus Frankreich, Belgien und Italien. Im Mittelpunkt steht die Ablehnung einer möglichen Rückkehr zur Dienstpflicht.

In der Bewegung gibt es zugleich eine Kontroverse zur Haltung zum Nahost-Konflikt und zur Frage, inwiefern die Solidarisierung mit der palästinensischen Zivilbevölkerung Teil des Forderungskatalogs sein sollte. Dazu gibt es auch Reaktionen aus der Politik. Martin Sonneborn, Vorsitzender der Partei Die Partei, warnte vor einer Verknüpfung mit der Palästina-Bewegung. Eine starke Polarisierung könne Unterstützer abschrecken und das Anliegen gegen Sozialabbau, Wehrpflicht und Bildungsnotstand schwächen. Der Landtagsabgeordnete Mustafa Groener (Die Linke Sachsen-Anhalt) sieht das anders. Für ihn gehören Friedensfrage, Kritik an der Aufrüstung und Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung zusammen. Sie dürften aus Angst vor staatlicher Repression nicht ausgeklammert werden.

Hier der Aufruf "Zeit für Widerstand - GenZ regelt das!"
Gen Z nimmt sich ihr Recht auf Zukunft

Trotz all dieser Debatten und der Versuche von Politik und Medien, das Phänomen abzutun oder zu kriminalisieren, offenbart die Dynamik rund um »Gen Z regelt« eine tiefgreifende Zäsur: Die Gen Z hat das Vertrauen in die Politik verloren. Über Jahre hinweg wurde Jugendlichen vermittelt, ihre Anliegen seien nachrangig, ob bei der Klimapolitik, bei der Unterfinanzierung der Bildungsstätten oder bei der Entscheidung, Milliarden in Rüstungsprojekte zu lenken, während für die soziale Zukunft kein Geld da sei.

Jugendliche erleben hautnah, wie eine Politik gemacht wird, deren Fehler sie bezahlen müssen, ohne dass ihnen ein echtes Mitspracherecht eingeräumt wird. Wer glaubt, diese Generation werde das stumme Hinnehmen zur Regel machen, hat die Dynamik an den Schulen unterschätzt.

Wenn am 31. Oktober und 20. November, wie von den Organisatoren erhofft, Hunderttausende Schüler auf die Straße gehen, dann tun sie das aus der Erkenntnis, dass ihnen niemand freiwillig eine gerechte Zukunft schenkt. Die Botschaft an die Regierung in Berlin ist klar: Die Jugend fühlt sich ungehört, ignoriert und entmündigt. Und genau deshalb dürfte sie in den kommenden Wochen so laut und unüberhörbar protestieren wie lange nicht mehr. Die Gen Z wartet nicht mehr darauf, um Erlaubnis gefragt zu werden – sie nimmt sich ihr Recht auf Zukunft jetzt selbst.

Elias Inan Christe (18) ist Schüler aus Berlin, war früher bei Die Linke aktiv und betätigt sich nun als freier Journalist. Er wurde vor allem durch die kurdische Freiheitsbewegung politisiert.

Erstveröffentlicht im nd v. 21.10. 2026
Generation Z steht auch in Deutschland auf

Wir danken für das Publikationsrecht.

Zeit für Widerstand – GenZ regelt das!

Achtung Termin geändert!

Bundesweiter Protest der Generation Z am 31. Oktober 2026,

Berlin 16:00 14:00 Uhr, Brandenburger Tor

Gegen kaputte Schulen, Krieg, Wehrpflicht, Genozid, Rassismus, Sozialkürzungen, teures Leben, niedrige Löhne ….“Unsere Zukunft ist für den Arsch“
Hier Link zur zentralen bundesweiten Website der Veranstalter. Für Berlin haben bereits bis 28.10. 18 Uhr knapp 9000 Menschen ihre Teilnahme hier fest zugesagt. 

Bereits in über 23 Städten wird zu Demonstrationen aufgerufen. Die Rechte mobilisiert eine Hetzkampagne dagegen. Gut zu sehen, wer sich gegen die Interessen der Jugend wendet und sie in die Pfanne haut. Hier das zentrale Positionspapier – Gen Z regelt!

Bundesweiter Protest der Generation Z am 31. Oktober 2026

Wer wir sind

Am 31. Oktober gehen wir als Generation Z in ganz Deutschland auf die Straße – und wir laden euch ein, uns dabei zu unterstützen. Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne dass wir gehört werden. In Frankreich, Belgien und Spanien protestieren Jugendliche bereits. Der Funke istb nach Deutschland übergesprungen: Erste Solidaritätsaktionen mit denbSchüler:innenprotesten in Frankreich haben schon stattgefunden.

Was uns bewegt

Wohin wir auch schauen, sehen wir Krisen und kaum eine Perspektive für uns:

  • Kaputte Schulen und Sparkurs: Gespart wird bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit. Suchtkliniken für Jugendliche schließen, Psychotherapie ist für viele kaum noch erreichbar.
  • Steigende Lebenshaltungskosten: Preissteigerungen, hohe Steuern und Armut belasten viele Menschen im Alltag – ihre Sorgen bekommen zu wenig
    Aufmerksamkeit.
  • Ungerechte Lastenverteilung: Die Kürzungen gehen auf unseren Rücken, während Großunternehmen weiter profitieren und Milliarden in Aufrüstung
    fließen.
  • Wehrpflicht und Musterung: Wir sollen für Kriege ausgebildet werden, über die wir nie mitentschieden haben.
  • Mehr Überwachung: Der Überwachungsapparat wird immer weiter ausgebaut.
  • Fachkräftemangel: Er verschärft die Probleme in Schulen, Pflege und Gesundheitsversorgung.

Wofür wir stehen

  1. Überparteilich und gemeinsam: An diesem Tag stellen wir politische Differenzen zurück und stehen gemeinsam für die Menschen ein, nicht für eine Partei. Unsere gemeinsamen Probleme sind wichtiger als das, was uns trennt.
  2. Kritik an der politischen Führung: Wir kritisieren Entscheidungen der Politik, egal welche Partei dahintersteht. Viele Kräfte stellen sich als einzige Lösung dar, obwohl ihre Politik unsere Zukunft gefährdet. Keine Partei steht über den Sorgen der Bevölkerung.
  3. Einheit statt Spaltung: Wir stehen für alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder politischer Meinung. Wir wollen zusammenbringen, statt uns gegeneinander aufbringen zu lassen.
  4. Eine Stimme für die Jugend: Wir Jugendlichen werden vernachlässigt und ignoriert. Das wollen wir ändern.

Was wir wollen

Wir fordern eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit un bezahlbares Leben investiert – statt bei der jungen Generation zu sparen. Wir wollen mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird.


Der 31.10. ist erst der Anfang. Dauerhafte Probleme brauchen mehr als einen Protesttag. Wir wollen langfristig etwas verändern und auch danach weitermachen.

Unser Aufruf an euch

Wir suchen Organisationen, Vereine und Initiativen, die unsere Anliegen teilen. Unterstützt uns, indem ihr den Protest am 31. Oktober bekannt macht, mit euren Mitgliedern teilnehmt oder uns mit Erfahrung und Ressourcen helft. Gemeinsam zeigen wir: Ohne uns läuft die Zukunft nicht!

Jetzt ist eure Zeit zu handeln, Genz!

Die „Berliner:innen“ schreiben:

KAPUTTE SCHULEN, WEHRPFLICHT, PREISSTEIGERUNG, SOZIALKÜRZUNG, ÜBERWACHUNG, RECHTSRUCK – ZEIT FÜR WIDERSTAND

Die Krisen des Kapitalismus spitzen sich zu und die Regierenden kürzen lieber am Sozialen und an der Bildung. Dazu kommt aufrüsten, überwachen und tatenlos zusehen, wie der Rechtsruck immer gefährlicher wird. Wir sagen: nicht mit uns!
Wir lassen uns unsere Zukunft nicht kaputtkürzen. Es ist Zeit für echten, solidarischen Widerstand von unten!

GENZ REGELT DAS

P.S.: Am 31.10. ist letzter Schulferientag…

Rechts stellt sich gegen die Jugend. Skandalös der Antrag der Stuttgarter CDU.

Eine Woche vor den angekündigten Protesten der Initiative ,,Gen-Z-regelt“ will die Gemeinderatsfraktion in Stuttgart ein Verbot der dortigen Demonstration prüfen lassen. Schon zuvor hatte der Innenminister von Baden-Württemberg, Manuel Hagel (CDU), die Proteste in die Nähe von Plünderungen in Frankreich gerückt und scharf kritisiert.
Auch andere CDU-Politiker und Medien hatten die Proteste gegen Wehrpflicht, Kürzungen, steigender Überwachung und steigender Lebenshaltungskosten angegriffen.

Laut Bundesinnenministerium stehen zu dem Tag Behörden in Deutschland auch im Kontakt mit der Polizei in Frankreich und Italien. In beiden Ländern hatte es, Berichten zufolge, verdeckte Polizeieinheiten gegeben, die Gewalt provozierten.
Für den 31. Oktober sind mittlerweile in 23 Städten Proteste angekündigt. Laut den Organisatoren sollen sich bereits über 100.000 Menschen für den 31. Oktober angekündigt haben. Die gröẞten Demos finden demnach in Stuttgart, Erfurt und Köln statt.

Wir vom Forum Gewerkschftliche Linke Berlin meinen: Berlin und Hamburg haben da noch viel Luft nach oben.
Es sind aufregende Zeiten. Die Termine überstürzen sich. Schon am Vormittag wird gegen eine eingehegte „linke“ Regierungskoalition [1] https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/kundgebung-31-10-26-was-die-linke-versprochen-hat-und-was-jetzt-im-sondierungspapier-steht/ in Berlin protestiert. Solidarität zählt nur, wenn sie grenzenlos ist. Die Ausgrenzung von Palästinasolidarität ist der Versuch, jeglicher Solidaritätsbewegung das Rückgrat zu brechen. Gerade deshalb auch: kommt zusammen und Auf zum Brandenburger Tor am 31. Oktober!

PS1. Viele fragen sich, wer steckt denn hinter dieser Bewegung GenZ. Es handelt sich wohl eher um eine Graswurzelbewegung. Das kann erfolgreich sein. Das zeigen zum Beispiel die Erfahrungen mit Gaza United. Der Ansatz ist richtig. Antikapitalistisch, sich nicht von der Mitte, schon gar nicht von Rechts vereinnahmen lassen und internationalistisch in die Proteste eingebettet. Die Jugend verliert die Lust an diesem System. Nicht immer ist ein Bündnis mit hunderten alt bekannter Organisationen erfolgreicher. Wenn viele mit den richtigen Auffassungen kommen gilt: Wer wagt gewinnt.

PS2. Die Junge Union Berlin-Mitte will auf die Schülerproteste und Jugendlichen die Bundeswehr hetzen.

„Am 31.10. sollen die sogenannten ‚Schüler‘-Proteste in Berlin stattfinden. Paris hat gezeigt, was Hasser der freiheitlichen, demokratischen Welt anrichten“, schreibt die Jugendorganisation der CDU zu einem Instagram-Beitrag. „Wir fordern, vorsorglich die Bundeswehr zur Verteidigung unserer freiheitlichen Ordnung hinzuzuziehen. Um Terror wie in Paris zu verhindern.“

Damit dürfte klar sein, was den Wehrpflichtigen in Zukunft auch noch blühen könnte: Schießbefehl auf nicht parierende Jugendliche.

PS3. Wer den Kriegskurs unterstützt, ist für ein marodes Bildungssystem mitverantwortlich. Sollte eigentlich jeder und jedem klar sein.

Gegen Repression und Rassismus, für die Grundrechte

Die Hamburger Kolleg:innen der Zeitung „Sand im Getriebe“ haben uns den den folgenden von ihnen übersetzten Aufruf zur Veröffentlichung zugesandt. Wir danken ihnen herzlich und wünschen der Mobilisierung unserer Nachbarn jenseits des Rheins viel Erfolg. Am Schluss des Artikels gibt es einen Link zu den Aufrufen der Gewerkschaften im französischen Original, die man sich aber einfach im Web übersetzen lassen kann. (JG)

Übersetzung des Textes im Titelbild: 10 Jahre Macron: Attac verurteilt die Plünderung der Staatskassen. Seit 10 Jahren vermehrt Macron die Steuergeschenke und die öffentlichen Subventionen an die Großunternehmen, ohne Gegenleistung. 2023: 211 Milliarden öffentlicher Hilfen an die Unternehmen: Aufrechterhaltung der ungerechten Steuerschlupflöcher; Kürzung der Mittel zur Bekämpfung des Steuerbetrugs; Abschaffung vom ISF; pauschale Besteuerung zu 30%; Herabsetzung der Körperschaftssteuer; Beibehaltung des Dutreil-Pakts. Ergebnis: die öffentlichen Dienste werden geopfert und die Austeritätspolitik wird der Bevölkerung auferlegt.

Zwei Tage vor den Demonstrationen am 24. Oktober 2026 unterzeichnen Persönlichkeiten aus Verbänden, Gewerkschaften, der Kunstszene und dem Hochschulbereich einen von Attac initiierten offenen Brief, um ihre Unterstützung für die laufenden Mobilisierungen zu bekunden und anzuprangern, dass der Autoritarismus der Regierung eine neue Schwelle überschritten hat, gekennzeichnet durch eine beispiellose Aushöhlung der demokratischen Freiheiten.

Dieser offene Brief stellt fest, dass die soziale Unzufriedenheit Ende 2026 ein Ausmaß erreicht hat, das seinesgleichen sucht. Grund dafür sind die steuer-, haushalts- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen der letzten zehn Jahre, die die Ungleichheiten vertieft und die Superreichen sowie Großunternehmen massiv begünstigt haben. Der Haushaltsentwurf von Lecornu bestätigt diese Ausrichtung: Er droht, die unteren Bevölkerungsschichten noch weiter verarmen zu lassen und den öffentlichen Dienst zu ersticken.

Angesichts dieser berechtigten sozialen Wut prangern die Unterzeichner die Unterdrückung der von der Jugend angeführten Bewegung an und warnen davor, dass der Autoritarismus der Machthaber eine neue Schwelle überschreitet, die demokratischen Freiheiten in beispielloser Weise in Frage gestellt werden und ein Ausnahmezustand eingeführt wird, der nur nicht so genannt wird.

Die Unterzeichner rufen dazu auf, auf die Forderungen der Bewegung einzugehen: Die öffentlichen Dienste müssen gestärkt werden, um insbesondere einen gerechten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und Verkehr zu gewährleisten; es müssen Maßnahmen zur Steuergerechtigkeit umgesetzt werden, um die Finanzierung dieser dringenden Aufgaben sicherzustellen; die Kaufkraft, insbesondere die Löhne, müssen verbessert werden; verstümmelnde? Waffen und tödliche Festnahmetechniken müssen verboten werden.

Der Text ruft schließlich dazu auf, die Mobilisierungen fortzusetzen und auszuweiten, insbesondere an den kommenden Tagen, dem 24. Oktober und dem 5. November.

Der vollständige Beitrag wurde in mehreren unabhängigen Medien veröffentlicht, darunter in Mediapart, L’Humanité, Basta, Regards und Politis, und ist hier verfügbar.

Übersetzung des gesamten Aufrufs:

Mehr als fünfzig VertreterInnen von Verbänden und Gewerkschaften und Persönlichkeiten rufen zu Demonstrationen für Demokratie und soziale Gerechtigkeit auf – gegen das autoritäre Abdriften

Die soziale Unzufriedenheit erreicht Ende 2026 ein bis dahin selten gesehenes Ausmaß. Nach einem Sommer, der von den sich verschärfenden Folgen der Klimakrise geprägt war, ist die Jugend auf die Straße gegangen, um gegen den fortschreitenden Verfall des Bildungssystems und eine aussichtslose Zukunft zu protestieren. Diese Mobilisierung hat in der gesamten Gesellschaft, die unter den Folgen der ungerechten Politik aufeinanderfolgender Regierungen leidet, großen Widerhall gefunden.

Während die Preise für Benzin, Lebensmittel und Wohnen ständig steigen, verschlechtert sich die Lage für zu viele Menschen; es fällt ihnen immer schwerer, von ihrem Einkommen in Würde zu leben, und sie müssen sich entscheiden, ob sie heizen, essen, mobil sein oder sich medizinisch versorgen lassen wollen.

Die Ungleichheiten vertiefen sich, was weitgehend durch die steuerlichen, haushaltspolitischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der letzten zehn Jahre zugunsten der Superreichen und Großunternehmen begünstigt wurde. Während die Gewinne der CAC-40-Unternehmen und die Dividendenausschüttungen Rekordhöhen erreichen, ist die Armutsquote auf einem historischen Höchststand.

„Die Gründe für die Wut der Jugend sind berechtigt“

Gerade jetzt drehen sich die Haushaltsdebatten um einen unfairen Haushaltsentwurf, der die unteren Bevölkerungsschichten noch weiter in die Armut treiben und die öffentlichen Dienste ersticken wird, die bereits unter chronischer Unterfinanzierung leiden, während der Bedarf in unseren Schulen, Gymnasien, Krankenhäusern,… enorm ist. Darüber hinaus haben die verheerenden Waldbrände dieses Sommers auf dramatische Weise die Untätigkeit angesichts des Klimawandels und die Folgen der Austeritätspolitik für die Ausrüstung der Feuerwehr verdeutlicht.

Und die Regierung steht nicht allein beim Vorschlag dieser ungerechten Politik als einzigen Ausweg. Der Rassemblement National (RN) überbietet sie noch bei der Zerstörung der öffentlichen Dienste. Marine Le Pen kündigte eine „radikale Anstrengung“ mit Einsparungen in Höhe von 140 Milliarden Euro bis 2032 an, sollte die rechtsextreme Partei an die Macht kommen.

Vor diesem Hintergrund hat die Mobilisierung der Jugend das Erbe der massiven Mobilisierungen der letzten Jahre für soziale und ökologische Gerechtigkeit sowie für die Grundrechte angetreten. Sie bringt dieselbe Botschaft zum Ausdruck: Empörung über die Verschlechterung der Lebensbedingungen, Angst vor der Zukunft und Hoffnung auf Alternativen: steuerliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit.

„Hartnäckige Weigerung der Regierung, ihre Politik zu ändern“

Die Gründe für die Wut sind legitim, ebenso wie die Forderungen dieser Bewegung. Dennoch hat sich die Regierung für eine umfassende Repression entschieden, um die von der Jugend angeführte Bewegung zu unterdrücken. Diese repressive Reaktion stützt sich auf eine Medienberichterstattung, die Demonstrantinnen und Demonstranten stigmatisiert und es sorgfältig unterlässt, an die wahren Ursachen und Bestrebungen dieser Bewegung zu erinnern.

Wir erleben ein autoritäres Abdriften, das mit der hartnäckigen Weigerung der Regierung einhergeht, Verantwortung für ihre Bilanz zu übernehmen und ihre ungerechte Politik zugunsten der Reichsten zu ändern. Schlimmer noch: Sie verbreitet immer mehr Lügen und Manipulationen, um die Verantwortung für ihr Versagen einer erfundenen „Ultralinken“ – wenn nicht gar dem gesamten Lager des sozialen und ökologischen Fortschritts – zuzuschieben.

Sie führt einen Ausnahmezustand ein, der nicht als solcher bezeichnet wird, und sieht den Einsatz der Armee auf der Straße vor. Diese Entscheidung ist unverantwortlich und gefährlich für die Demokratie sowie für die körperliche Unversehrtheit derjenigen, die sie im Rahmen dieser Mobilisierungen verteidigen. Sie ebnet den Weg für einen Machtantritt der extremen Rechten.

„Wir rufen dazu auf, die Bewegung in den kommenden Tagen zu verstärken“

Diese Situation ist weder ein unabwendbares Schicksal noch eine schweigend hinzunehmende Ungerechtigkeit. Die Jugendbewegung bringt die Ablehnung wachsender Ungleichheiten, steuerlicher Ungerechtigkeit und der Untätigkeit im Klimabereich zum Ausdruck, aber auch die Hoffnung auf Veränderung.
Die von dieser Bewegung vorgebrachten Vorschläge müssen Gehör finden:

  • Die öffentlichen Dienste müssen gestärkt werden, um insbesondere einen gerechten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und öffentlichen Verkehrsmitteln zu gewährleisten. Vor allem müssen die Forderungen der Feuerwehrleute und des öffentlichen Dienstes Gehör finden, eine ehrgeizige Klimapolitik muss umgesetzt werden und der von der Studentenbewegung geforderte Notfallplan in Höhe von 10 Milliarden Euro muss im Haushalt 2027 umgesetzt werden.
  • Es müssen Maßnahmen zur Steuergerechtigkeit umgesetzt werden, um die Finanzierung dieser dringenden Aufgaben, des öffentlichen Handelns und der notwendigen Investitionen zur Bewältigung der klimatischen, energetischen, ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Herausforderungen sicherzustellen.
  • Die Kaufkraft muss – insbesondere durch Lohnerhöhungen – angesichts stark steigender Lebenshaltungskosten verbessert werden, wie es der Gewerkschaftsverbund im Vorfeld des Aktionstages am 5. November fordert.
  • Waffen, die zu Verstümmelungen führen, und lebensgefährliche Festnahmetechniken müssen verboten werden: Die Unterdrückung sozialer Proteste durch Repression ist ein autoritärer Missbrauch, der bereits zu Tragödien geführt hat und dringend beendet werden muss.

Die seit über zehn Jahren betriebene Politik hat in die Sackgasse geführt. Darum bekräftigen wir, dass die aktuelle Bewegung legitim ist, und lehnen das Abdriften in ein repressives, ungerechtes, intolerantes und autoritäres Regime ab.
Deshalb rufen wir dazu auf, die Aktionen in den kommenden Tagen, insbesondere am Samstag, dem 24. Oktober, zu verstärken und den Streik am 5. November flächendeckend durchzuführen.
Wir fordern, dass die Forderungen nach steuerlicher, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit Gehör finden.


Unterschriften:

SprecherInnen von Attac Frankreich: Raphaël Pradeau et Youlie Yamamoto

Verantwortliche von studentischen Organisationen: Eloïse Lefebvre Milon, secrétaire générale de l’Union étudiante, Ryad Rani, président de l’Union syndicale lycéenne, Lucie Clamens, co-secrétaire fédérale de Solidaires Etudiant-e-s, Yassine Benyettou, Red jeunes.

Verantwortliche von Gewerkschaften: Julie Ferrua et Murielle Guibert, co-déléguées générales Union Syndicale Solidaires, Caroline Chevé, secrétaire générale de la Fédération Syndicale Unitaire, Thomas Gibert et Fanny Metrat, porte-paroles de la Confédération paysanne, Angélique Grosmaire, secrétaire générale de la fédération SUD-PTT, Julien Troccaz, secrétaire fédéral SUD-Rail, Sandra Demarcq, secrétaire générale de Solidaires Finances publiques, Aurélie Gagnier, Sandrine Monier, Nicolas Wallet, co-secrétaires Généraux de la FSU-SNUipp, Info’Com-CGT.

Verantwortliche und Mitglieder von ökologischen Organisationen: Julien Le Guet, co-porte parole des Collectifs Bassines Non Merci – Inter-BNM, François Chartier, Greenpeace, Lounes Dupeux, co-président des Amis de la terre France, Camille Dupond, co-porte parole Soulèvements de la terre, Thomas Wagner, fondateur de Bon Pote, Marie Chureau, activiste et juriste pour l’écologie et les droits humains, Fanny Petitbon, responsable France 350, Zoé Pélegry, porte-parole d’Alternatiba, Franzeska Bindé, porte-parole d’Action non-violente COP 21 (ANV-COP 21), Action Justice Climat Paris.

Künstlerinnen und Künstler: Kaddour Hadadi (HK), artiste, Pierre Luquet, chanteur et accordéoniste de La Rue Ketanou, Corinne Masiero, actrice, Robert Guediguian, réalisateur, Nina Faure, réalisatrice, Gilles Perret, réalisateur, Juliette Arnaud, chroniqueuse, Guillaume Meurice, humoriste, Aymeric Lompret, humoriste, Florence Mendez, humoriste, Pierre-Emmanuel Barré, humoriste, TataDrapi, créatrice de contenus.

Lehrkräfte an Universitäten und prominente Persönlichkeiten: Amal Bentounsi, militante antiraciste, Omar Slaouti, militant antiraciste, Mona Chollet, essayiste, Sebastian Roché, sociologue, Ludivine Bantigny, historienne, Laurence De Cock, historienne, Mathilde Larrère, historienne, Claire Dujardin, avocate et ancienne présidente du SAF, Eric Lagadec, astrophysicien, Geneviève Legay, gilet jaune, altermondialiste, Bernard Langlois, journaliste retraité, cofondateur de Politis, Raphaël Kempf, avocat, élu au Conseil de l’Ordre du Barreau de Paris, Dominique Plihon, économiste, Jean-Marie Harribey, économiste, Juliette Rousseau, écrivaine, Maxime Combes, économiste, Alexis Cukier, philosophe, Christiane Vollaire, philosophe, Amine Messal, ingénieur et doctorant économiste.

Verantwortliche und aktive Mitglieder von Vereinen: Céline Méresse, présidente du CRID, Jean-Baptiste Eyraud, porte-parole de Droit Au Logement, Isabelle Mathurin, co-présidente de Convergence nationale des Services Publiques, Marie-Pierre Vieu, Benoît Teste et Ingrid Darroman, Fondation Copernic, Sarah Durocher, présidente du Planning familial, Margot Mahoudeau, présidente de l’Espace Santé Trans, Suzy Rojtman, porte parole du Collectif national pour les Droits des Femmes, Ana Azaria, Comité National Femmes Egalité, Monique Dental, Réseau Féministe « Ruptures », Christian Delarue, président du CADTM France, Floraine Jullian, porte-parole de Victoires populaires, #NousToutes, Karim Donati, membre de Carré Citoyen, Nasteho Aden, militante antiraciste et membre de Carré Citoyen, Josée Pépin, membre du collectif unitaire pour le maintien du centre d’IVG de Tenon, Yessa Belkhodja, cofondatrice du collectif de défense des jeunes du Mantois, Fabien Marcot, militant associatif, Daniel Rome, militant associatif, Françoise Clément, militante associative, Marielle Topelet, ancienne élue de Malakoff, Killian Caudal, Alternatiba Rennes.

Originaltext:

https://france.attac.org/actus-et-medias/salle-de-presse/article/plus-de-cinquante-responsables-associatifs-syndicaux-et-personnalites-appellent

Übersetzung: Redaktion von ‚Sand im Getriebe‘ https://www.sand-im-getriebe.org

Gewerkschaftsaufrufe:
https://syndicollectif.fr/apres-le-17-octobre-2026-positions-syndicales/

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