Lage am AKW Saporischja spitzt sich zu

Im Ukrainekrieg tickt eine Zeitbombe. Die Angriffe der mit viel deutcher Ausrüstung und Geld unterstützten ukrainischen Armee auf das Atomkraftwerk Saporischja sind längst ein immenses Sicherheitrisiko für große Teile Europas geworden. Die Sicherheit von Saporischja hängt am „seidenen Faden“, wie der folgende Bericht von Infosperber detailliert nachweist. Viele Orte liegen näher am Ort des Geschehens als die Schweiz. Man kann auch sagen, es braucht nicht einen Angriff durch Russland, unsere Kriegsertüchtiger schaffen es möglicherweise auch selbst, vielen von uns – nicht nur den Ukrainer:innen- ein Grab zu schaufeln.

Werfen wir einen Blick nach Westasien, auch „Naher Osten“ genannt. Hier das gleiche Spiel mit dem Feuer. Trump erklärte am Dienstag, dem 21. Juli 2026 , die USA würden den „Pickaxe Mountain“ ins Visier nehmen, eine im Bau befindliche, tief unter der Erde gelegene iranische Atomanlage. „Wir werden dieses Gebiet schon sehr bald und mit voller Wucht angreifen“. Die Folgen solcher Angriffe sind laut internationaler Atom Experten unkalkulierbar, nicht nur für den Iran, sondern auch dessen Nachbarländer! (Peter Vlatten)

Martina Frei / 18.07.2026 , Infosperber

Ein Nuklearszenario in der «Kornkammer Europas» wäre dort verheerend. Trotz des Risikos wird weiter geschossen und getötet.

Es war ein gezielter Drohnenangriff auf das Dienstfahrzeug, in dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks von Saporischja sass. Sowohl er als auch sein Fahrer starben am vergangenen Mittwoch. Der Direktor der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafael Grossi, verurteilte den Vorfall auf X. Er vermied es jedoch, die Täter zu benennen. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich.

Es handle sich um einen inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und seine Führung und gefährde die nukleare Sicherheit ernsthaft, so Grossi. «Die IAEA fordert ein sofortiges Ende aller Angriffe auf oder in der Nähe von Nuklearanlagen und ihr Personal», forderte er. Das verlangt der Direktor der IAEA schon seit Jahren.

«Ich appelliere dringend an die militärischen Entscheidungsträger, sämtliche Aktionen zu unterlassen, die gegen Prinzipien zum Schutz nuklearer Anlagen verstossen», hatte er beispielsweise im April 2024 gefordert. Als im Mai 2026 eine Drohne das Turbinengebäude traf, warnte Grossi: «Angriffe auf nukleare Anlagen sind wie das Spiel mit dem Feuer.» Doch Grossis Mahnungen scheinen in den Wind gesprochen.

Zehn komplette Stromausfälle in den letzten drei Monaten

Am Mittwoch wies die IAEA erneut auf die prekäre, sich weiter zuspitzende Lage rund um das grösste Atomkraftwerk Europas hin. Dies, nachdem tags zuvor zum 22. Mal seit Kriegsbeginn der Strom am AKW Saporischja vollständig ausgefallen war. «Allein in den letzten drei Monaten traten zehn solcher Ausfälle auf, was die sich verschlechternde Zuverlässigkeit des Stromnetzes unterstreicht», schreibt die IAEA in ihrer Medienmitteilung.

Die Lage am AKW Saporischja sei weiter eskaliert. Verfügte das AKW vor dem Krieg über zehn externe Stromleitungen, die Strom zuliefern konnten, sei es jetzt nur noch eine einzige. Von ihr hängt alles ab. Denn das Kraftwerk benötige – auch im derzeitigen Stilllegungszustand – «einen zuverlässigen und stabilen Netzanschluss, um seine wesentlichen Sicherheits- und Schutzfunktionen aufrechtzuerhalten».

Fällt diese Leitung aus – am vergangenen Dienstag angeblich infolge eines Gewitters – springen automatisch 19 Notstromdieselgeneratoren an, um die notwendigen Funktionen, inklusive der Reaktorkühlung, bereitzustellen. Laut der IAEA gibt es in der Nähe des Atomkraftwerks ein Diesellager, das über Kraftstoffvorräte «für mehr als zehn Tage» verfüge. «Aus Sicherheitsgründen» sei dem IAEA-Team jedoch der Zugang dort verweigert worden.

Mitarbeiter und ihre Familien akut bedroht

Auch die Mitarbeitenden des Atomkraftwerks und ihre Familien werden beschossen: «In den letzten Tagen meldete das Kernkraftwerk Saporischschja mehrere Drohnenangriffe in Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben. Am 12. Juli sollen Drohnenangriffe mehrere Opfer gefordert haben, darunter auch Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja und Subunternehmer», so die IAEA. «Am 13. Juli richteten sich weitere Angriffe Berichten zufolge gegen Wohngebäude, die städtische Feuerwehrwache, Lebensmittelgeschäfte und das Krankenhaus von Enerhodar, das trotz Schäden an einem Dienstfahrzeug und einem Dieselgenerator weiterhin in Betrieb blieb.» Am 14. Juli sei ein Transportfahrzeug für Mitarbeiter unter Drohnenbeschuss geraten, ohne, dass es Verletzte gegeben habe. Tags darauf wurde dann der Chefingenieur des AKW getötet.

Laut dem Generaldirektor von Rosatom, der russischen Firma, die das AKW seit der Annektierung führt, wurden seit Anfang Mai 13 Menschen getötet und 48 verletzt. Es bestehe «die reale Gefahr eines massiven nuklearen Zwischenfalls in weiten Teilen Russlands, der Ukraine und Europas».

«Die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja arbeiten weiterhin unter extrem schwierigen Umständen. Militärische Aktivitäten in Enerhodar können den Druck auf sie und ihre Familien zusätzlich erhöhen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit und den sieben unverzichtbaren Säulen der IAEA, wonach das Betriebspersonal in der Lage sein muss, seine Aufgaben zu erfüllen und Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen. Ich fordere erneut grösstmögliche militärische Zurückhaltung in der Umgebung von Kernkraftwerken, um jegliches Risiko eines nuklearen Unfalls zu vermeiden», sagte IAEA-Generaldirektor Grossi.

Russland ging Grossis Stellungnahme zum Tod des Chefingenieurs nicht weit genug. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, forderte von der IAEA eine «klare und deutliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird».

Strahlenüberwachung zu zwei Dritteln ausgefallen

Infolge von Stromausfällen oder Beschädigungen scheinen laut der IAEA auch «mehr als zwei Drittel der externen Strahlungsüberwachungsstationen des Kraftwerks keine Daten zu übermitteln». Noch könne die Strahlungsüberwachung zwar aufrecht erhalten werden, es bestehe jedoch eine «verminderte Ausfallsicherheit und Redundanz». Die IAEA-Mitarbeiter würden nun untersuchen, ob die Strahlungsüberwachung im Notfall noch funktioniere.

Das Gelände des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl wird offenbar ebenfalls mit Drohnen ins Visier genommen: Zwischen dem 9. und 14. Juli seien dort insgesamt acht Drohnenflüge innerhalb der Überwachungszone des Geländes registriert worden. «Die anhaltende Präsenz von Drohnen in der Nähe von Kernkraftwerken ist ein weiterer Hinweis auf die Risiken, die dieser Krieg für die nukleare Sicherheit und Sicherung mit sich bringt», sagte Generaldirektor Grossi.

«Es wäre furchtbar»

«Es wäre furchtbar», wenn in Saporischja etwas passieren würde, «insbesondere auch für die Bevölkerung vor Ort», sagte der frühere Chef der Nationalen Alarmzentrale Gerald Scharding schon 2023 gegenüber «SRF». Da das AKW heruntergefahren sei, wäre die Menge an radioaktiven Stoffen, die freigesetzt werden könnte, jedoch «deutlich geringer als bei einem Kernkraftwerk in Vollbetrieb»

Meist würden die Hauptwinde von der Ukraine nicht in Richtung Schweiz wehen. «Nur in etwa 20 Prozent der Fälle bewegen sich die Luftmassen aus der Ukraine auf mehr oder weniger direktem Weg in die Schweiz.» Scharding rechnete deshalb nicht damit, dass im Fall eines Nuklearszenarios in Saporischja in der Schweiz die Einnahme von Jodtabletten oder der Aufenthalt im Haus oder in Schutzräumen nötig würden. Das gilt laut dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) weiterhin. Scharding hatte 2023 jedoch von möglichen Ernte- und Weideverboten in jenen Schweizer Gebieten gesprochen, die am meisten betroffen wären.

Inzwischen sei die Menge an vorhandenem und potentiell freisetzbarem radioaktiven Material in Saporischja viel geringer als vor drei Jahren, antwortet ein Mediensprecher des VBS nun auf Anfrage von Infosperber. Würde in Saporischja Radioaktivität austreten und der Wind stünde ungünstig, habe die Schweiz eine Vorlaufzeit von mindestens 24 bis 48 Stunden. Falls eine radioaktive Wolke die Schweiz erreichen würde, wäre «nur die Lebensmittelsicherheit oder der Importbereich» betroffen, so der VBS-Mediensprecher.

Wir danken für das Publikationsrecht. Der Beitrag ist im Original bei Infosperber am 17.Juli 2026 erschienen.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Tel Aviv: Wir lassen uns nicht einberufen!

In Deutschland lag die Zahl der Anträge auf Wehrdienstverweigerung bereits zur Jahresmitte deutlich über den Gesamtwerten des Jahre 2024.

In der Ukraine muss der Staat fast durchgängig auf Zwangsrekrutierung zurückgreifen, um die Armee mit Kanonenfutter auffüllen zu können. Die Ausreise für Männer zwischen 18 und 60 Jahren wurde verboten. Trotzdem haben seit Kriegsbeginn Millionen das Land illegal verlassen – allein 650 tausend Männer im wehrfähigen Alter im ersten Kriegsjahr Richtung Europa. Innerhalb der Ukraine wird inzwischen nach 2 Millionen Männern gefahndet. Ihnen droht Verschleppung. Ab in den Bus und an die Front – Fleischwolf genannt.

Und jetzt auch in Israel. Pressenza meldet vom 14.07.26 – Tel Aviv, Israel – Mesarvot

Am Sonntag, dem 12. Juli, entrollten Schüler:innen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv von einem Gebäude aus ein riesiges Banner mit der Aufschrift: „Hiermit verweigern wir die Einberufung.“

Mit ihrer Protestaktion rufen sie weitere Jugendliche dazu auf, einen offenen Brief zu unterzeichnen, in dem sie aus Protest gegen den Krieg, die Besatzung und den Völkermord ihre Einberufung zum Militär verweigern. Die Initiative wurde bereits von mehr als 130 Jugendlichen unterzeichnet, die in Kürze zum Militärdienst eingezogen werden sollen.

Irgendwann kann keine Propaganda Realität und internationale Erfahrungen mehr vollständig unterdrücken. Weder Kriegsverklärung in der Ukraine noch Bundeswehr an deutschen Schulen.

Titelbild:von Mesarvot Network

Gott mit Friedrich Merz? Der fatale Rüstungsrausch der deutschen Kirchen

Die „innere Zeitenwende“ versucht sich in alle bedeutsamen Institutionen des Landes hineinzufressen. Nicht wenige Apparatschicks verinnerlichen dabei die Staatsräson und lassen sich von ihr instrumentalisieren. Da kann der Papst noch so viel von „Frieden“ sprechen. Es finden sich genügend Bischöfe, die die Waffen segnen. Im folgenden Artikel heißt es dazu: “ +Doppelzüngigkeit“! (Peter Vlatten)

13.07.26 – Manfred Böhm – Pressenza Berlin

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck betreibt eine gefährliche moralische Doppelzüngigkeit. Während er öffentlich Lippenbekenntnisse zu Diplomatie und Dialog ablegt, deckt er gleichzeitig die radikale Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und liefert die ethische Rechtfertigung für eine neue Rüstungsspirale. Mit diesem Kurs stellt er sich in einen fundamentalen Widerspruch zur strikten Antikriegslinie des Vatikans. Ein moralischer Bankrott: Statt als unabhängiges, friedensforderndes Korrektiv gegen die Berliner Bellizismus-Logik aufzubegehren, degradieren sich die Spitzen der Kirchen zu staatlich besoldeten Handlangern der Staatsraison. Gefragt ist endlich eine kompromisslose Option für den Frieden – auch und gerade gegen den Willen der Regierung.

Im Gleichschritt mit dem Kanzleramt

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat jegliche friedenspolitische Zurückhaltung abgelegt. Das offizielle Ziel ist die Schaffung der „konventionell stärksten Armee Europas“. Flankiert wird dieser Kurs durch einen gigantischen Rüstungshaushalt, der die Militärausgaben sprunghaft auf astronomische 109,7 Milliarden Euro hochpeitscht.

Inmitten dieser Dynamik agieren die Institutionen der Militärseelsorge faktisch als verlängerter Arm des Verteidigungsministeriums, dem sie strukturell als Bundesoberbehörde unterstellt sind. Die dort tätigen, vom Staat bezahlten Pfarrer fungieren zunehmend als psychologische Stützen einer beschleunigten Wehrhaftigkeit – sie sind die „Messdiener von Merz“, die den neuen, harten Kurs ethisch absichern.

Dieser Befund ist indessen kein rein katholisches Spezifikum: Auch die evangelische Militärbürokratie unterwirft sich über ihr Berliner Kirchenamt völlig reibungslos dem staatlichen Diktum. Anstatt ein überkonfessionelles Vetorecht gegen den militärischen Rausch geltend zu machen, beugen sich beide Großkirchen den geopolitischen Vorgaben aus dem Kanzleramt.

Das Januskopf-Dilemma: Overbecks gefährlicher Rüstungs-Spagat

Wie tief dieser moralische Kompass bereits verstellt ist, zeigt das Agieren des katholischen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck. In einer folgenschweren Positionierung im Magazin „Kirche und Leben“ vom 8. Juli 2026 rechtfertigte er die gigantischen Finanzströme in das Militär explizit:

„Niemand kann sich darüber freuen, dass wir heute wieder über Aufrüstung sprechen müssen. Doch angesichts der aktuellen Bedrohungslage kann es ethisch geboten sein, in die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes und Europas zu investieren, wenn dies dem Schutz von Menschen und der Bewahrung des Friedens dient.“

Hinter dieser vermeintlich besonnenen Rhetorik verbirgt sich eine eklatante, hässliche Widersprüchlichkeit. Auf der einen Seite fordert Overbeck gebetsmühlenartig internationale Verständigung, auf der anderen Seite segnet er das Prinzip der maximalen Abschreckung ab. Dieser Versuch, die Quadratur des Kreises zu predigen, entlarvt sich selbst: Man kann nicht gleichzeitig für den Frieden beten und die Logik des Wettrüstens legitimieren. Overbeck übernimmt damit unkritisch das von politischen und militärischen Strategen seit 2022 lancierte Narrativ einer existenziellen Bedrohung durch Russland, welches militärische Abschreckung und massive Budgeterhöhungen als alternativlos darstellt.

Diese Haltung hat System: Schon zuvor hatte sich Overbeck wiederholt offensiv für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Die verheerende Bilanz dieser Politik wird dabei geflissentlich ignoriert. Diese Waffen haben den Konflikt keineswegs gelöst, sondern ihn lediglich immer weiter angefeuert und verlängert. Die logische Konsequenz ist eine entsetzliche Überzahl von Toten – auf ukrainischer wie auf russischer Seite.

Dabei blendet diese Argumentation völlig aus, dass auch die aktuelle Rüstungspolitik der Bundesregierung kein defensiver Schutzschild ist, sondern das reale Gefahrenrisiko einer kriegerischen Konfrontation drastisch erhöht. Die von Friedrich Merz forcierte Stationierung neuer US-Marschflugkörper in Deutschland schafft keine Sicherheit, sondern provoziert eine brandgefährliche Rüstungsspirale. Dass sich Russland durch atomar fähige Präzisionswaffen existenziell bedroht fühlen muss und folgerichtig mit militärischen Gegenmaßnahmen reagiert, ist eine logische und nachvollziehbare Konsequenz der Geopolitik. Indem Overbeck diese brandstifterische Dynamik moralisch deckt, betreibt er das Gegenteil von Deeskalation. Er gießt ethisches Öl in ein geopolitisches Feuer.

Zwischen Staatsräson und Friedenspflicht: Ein moralischer Offenbarungseid

Die fundamentale Kritik an Overbeck rührt aus seiner totalen institutionellen Abhängigkeit. Er befindet sich in einem unauflösbaren Zwiespalt zwischen dem Berliner Regierungsapparat und seiner weltweiten „Dachorganisation“ in Rom. Weil seine Behörde tief in staatliche Budgets und militärische Logiken eingebunden ist, kann und will er innerhalb des deutschen Systems nicht unabhängig agieren. Er hat sich inhaltlich der weltlichen Macht angedient und damit seine eigentliche moralische Autorität verspielt.

Dabei gäbe es eine klare, unmissverständliche Richtlinie. Der amtierende Papst Leo XIV. versteht sich auf globaler Bühne als kompromissloser Anwalt des Friedens und erteilt der deutschen Rüstungslogik eine scharfe Absage. In einer historischen Ansprache am 14. Mai an der Universität Sapienza entlarvte der Papst die semantische Umdeutung von Rüstungsprojekten:

„Nennen wir eine Aufrüstung nicht ‚Verteidigung‘, die Spannungen und Unsicherheit erhöht, Investitionen in Bildung und Gesundheit schmälert, das Vertrauen in die Diplomatie verrät und Eliten bereichert, denen das Gemeinwohl völlig gleichgültig ist.“

Wo Militärbischof Overbeck Rüstungsmilliarden angesichts geopolitischer Zwänge für „ethisch geboten“ erklärt, brandmarkt der Papst ebendiese Argumente am 8. Juni vor dem spanischen Parlament als moralische Bankrotterklärung. Er warnt eindringlich vor einer Politik, die sich einer vermeintlichen Alternativlosigkeit beugt und damit „die Interessen derer bedient, die am Krieg verdienen“. In seiner aktuellen Enzyklika Magnifica humanitas fordert Rom ultimativ die globale Abrüstung und verlangt von den Staatsregierungen, das Wettrüsten endgültig zu beenden.

Wie tief verankert und unverrückbar diese päpstliche Haltung ist, unterstrich das Kirchenoberhaupt erst kürzlich am 12. Juli beim Angelus-Gebet in Castel Gandolfo. Dort richtete er eine unmissverständliche Mahnung an die Weltgemeinschaft, die den militärischen Kurs der deutschen Kirche vollends als Irrweg entlarvt:

„Ich bekräftige erneut meinen Wunsch, dass man beharrlich den Weg des Dialogs, der Begegnung und der Diplomatie beschreitet – den einzigen Weg, der zu einem gerechten und dauerhaften Frieden führen kann, in dem die Völker versöhnt, in gegenseitiger Sicherheit und unter Achtung der Würde jedes Einzelnen leben können.“

Das Versagen der prophetischen Stimme

Wenn die Spitzen der Kirchen in Deutschland die eskalierende Aufrüstungspolitik der Bundesregierung unkritisch abnicken, geben sie ihre wichtigste gesellschaftliche Aufgabe auf: das unbestechliche, unbequeme Gegengewicht zur weltlichen Macht zu sein. Ein Bischof, der die Stationierung von Marschflugkörpern, Waffenexporte und das Wettrüsten moralisch bemäntelt, blendet die reale Gefahr aus, dass ein solcher Konflikt eskaliert und die europäischen Staaten – allen voran Deutschland als zentrales Drehkreuz – in das Epizentrum einer verheerenden regionalen Katastrophe verwandelt.

Von einer moralischen Instanz muss heute eine eindeutige, radikale Option für Diplomatie, Deeskalation und Frieden gefordert werden – und zwar völlig unabhängig davon, ob dies den strategischen Plänen der Bundesregierung ins Konzept passt oder nicht. Wer sich stattdessen der Logik des Krieges andient, verliert jede Daseinsberechtigung als ethische Stimme in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Wir danken für das Publikationsrecht. Link zum Original.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung