Vor 85 Jahren: Faschistischer Vernichtungswahn überrollt die Sowjetunion

Am 22. Juni 1941 hat das faschistische «Großdeutsche Reich» die Sowjetunion überfallen – vertragsbrüchig, aber dennoch angekündigt. Es folgte ein Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen ein Land, den es vorher so nicht gab. Dahinter standen allerdings auch westliche Interessen, über die heute kaum geredet wird.

Von THILO GRÄSER

Persönliche Anmerkung: In diesem Artikel wird auf das Buch von Peter Scherer „Freie Hand im Osten“ verwiesen. Peter kam über den SDS zur IG Metall und wurde dort Leiter der Zentralbibliothek. Er war studierter Geograf und wusste seine Kenntnisse für das Verständnis imperialistischer Politik anzuwenden. Ich konnte ihn noch persönlich kennenlernen, da ich ihn zur Wendezeit eingeladen hatte, sein Buch auf einer Veranstaltung der IG Metall Augsburg vorzustellen. Scherer ist ein gutes Beispiel dafür, welche intellektuellen Ressourcen die IG Metall-Vorstandsverwaltung einmal hatte. Es kommt Wehmut auf. (JG)

Titelbild: Nicht alle Einwohner der von der deutschen Wehrmacht eroberten Gebiete haben sich einfach ergeben, es kam an vielen Orten zu Partisanengruppierungen. Mit diesen gingen die Deutschen aber besonders hart um, wie dieses Bild zeigt …

Mit insgesamt 3,6 Millionen Soldaten, 3.500 Panzern und 2‘700 Flugzeugen überfiel die faschistische deutsche Wehrmacht gemeinsam mit verbündeten Truppen aus Rumänien, Finnland, Ungarn und der Slowakei am 22. Juni 1941 die Sowjetunion. Der vor 85 Jahren als „Unternehmen Barbarossa“ begonnene deutsche Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg sollte nach Vorstellungen der Wehrmachtsgeneräle nur wenige Wochen dauern. Daraus wurde nichts: Er forderte bis zu seinem offiziellen Ende am 8. Mai 1945 allein auf sowjetischer Seite etwa 27 Millionen Tote. „Der deutsche Angriff erfolgt, ohne dass zuvor politische und/oder ökonomische Forderungen an die Sowjetunion gestellt worden wären“, schrieb der Historiker Erich Später 2015 in seinem Buch „Der dritte Weltkrieg – Die Ostfront 1941 – 1945“. 

Der Autor wies darauf hin, dass die faschistischen Pläne, die Sowjetunion zu unterwerfen und zu zerschlagen, „auf einem breiten Konsens innerhalb der herrschenden deutschen Eliten“ beruhten. Die deutschen Machteliten in Wirtschaft, Verwaltung und Militär hätten nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik nicht aufgehört, „über eine erneute Offensive nachzudenken“. Das Gebiet der Sowjetunion sei wegen seiner Rohstoffe und Absatzmärkte sowie billigen Arbeitskräften zum Ziel der deutschen Expansion geworden. Dabei sei es um eine „autarke Großraumwirtschaft“ statt einer stärkeren internationalen Verflechtung gegangen. Das wurde auch mit dem „Generalplan Ost“ vorbereitet und zumindest teilweise umgesetzt. Später dazu:

„Mit dem Vormarsch der Deutschen Wehrmacht und SS in der Sowjetunion realisiert sich im gesamten deutschen Machtbereich das radikalste Programm zur vollständigen Vernichtung eines Teils der Menschheit, das jemals erdacht und geplant wurde.“

Allgemein gilt, dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 begann, als das Großdeutsche Reich Polen überfiel und das Land gemeinsam mit der Sowjetunion aufteilte. Meist wird die Vorgeschichte des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages weggelassen: Zuvor hatte Moskau lange Zeit versucht, gemeinsam mit den westlichen Staaten eine kollektive Sicherheitspolitik gegenüber dem faschistischen Deutschland zu gestalten. Das sei spätestens mit dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 gescheitert, wie unter anderem Historikerin Bianka Pietrow-Ennker in dem 2000 veröffentlichten Sammelband „Präventivkrieg. Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion“ feststellte.

Nützliche Faschisten

„Wir waren das letzte europäische Land, das einen Nichtangriffspakt mit Deutschland geschlossen hat“, erklärte der russische Historiker und Politiker Wjatscheslaw Nikonow dazu in einem Interview im Mai 2020. Er ist der Enkel des früheren sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow, der 1939 den sowjetisch-deutschen Nichtangriffsvertrag unterschrieb.

„Das Problem war, dass England und Frankreich wollten, dass die Sowjetunion und Hitler-Deutschland gegeneinander kämpfen. Zu diesem Zweck haben sie alles getan. Es gab eine regelrechte Beschwichtigungspolitik gegenüber dem aggressiven Deutschland. Gleichzeitig erweckten sie den Anschein von Verhandlungen mit der Sowjetunion. Aber niemand wollte ein Abkommen mit uns schließen.“

Doch nicht nur England und Frankreich hatten ein großes Interesse an einem sowjetisch-deutschen Krieg. Werner Rügemer schrieb dazu in seinem Buch „Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten“ unter anderem, die US-Führung habe mit dem Münchener Abkommen die Hoffnung geteilt, „es werde zwischen Deutschland und Russland zu einem Krieg der gegenseitigen Vernichtung kommen“. Das habe damals der führende US-Stratege des 20. Jahrhunderts, Walter Lippmann, erklärt. Dass der Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen das Land im Osten von Beginn an zu den Plänen der deutschen Faschisten gehörte, war lange vorher bekannt. 

„In seinem Buch ‹Mein Kampf› (1. Band 1925) hatte Hitler, für jedermann zu lesen, die programmatische Erklärung abgegeben: ‚Der Kampf gegen die jüdische Weltbolschewisierung erfordert eine klare Einstellung zur Sowjetunion (…) Wir weisen den Blick nach dem Land im Osten (…) Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Russland denken.‘“ 

Das schrieb der Historiker Fritz Fischer 1992 in seinem Buch „Hitler war kein Betriebsunfall“. Der Überfall traf die Sowjetunion „umso härter, als die Moskauer Führung trotz zuverlässiger Warnungen von innen und außen bis zum letzten Tag auf dem fatalen Fehler beharrte, ihre Truppen im Westen davon abzuhalten, eine wirksame Verteidigung aufzubauen“, stellte der Historiker Dietrich Eichholtz 2011 fest.

Bittere Erkenntnisse

„Dass es zwischen uns und dem faschistischen Deutschland zum Krieg kommen würde, unterlag für mich nicht dem geringsten Zweifel“, erinnerte sich der sowjetische Schriftsteller und Kriegsberichterstatter Konstatin Simonow. Er ist bekannt unter anderem durch die Trilogie „Die Lebenden und die Toten“ über den Krieg. „Seit dem Jahr 33, seit Reichstagsbrand und Dimitroff-Prozess schien meiner Generation die Auseinandersetzung mit dem Faschismus unvermeidlich“, schrieb der 1915 Geborene in seinem letzten, 1979 verfassten Buch „Aus der Sicht meiner Generation – Gedanken über Stalin“, das 1988 erstmals erscheinen konnte und 1990 auf Deutsch veröffentlicht wurde. Auch der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag habe diese Gewissheit nicht beseitigen können, wenn er auch beruhigte: „Allerdings bestand die Meinung, bis dahin wär’s noch ziemlich weit, der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich und England würde lange dauern, erst danach, irgendwann, würden wir mit dem Faschismus zusammenprallen.“ 

Das Buch enthält auch einen Text aus dem Jahr 1965, in dem sich Simonow über die Rolle Stalins im Krieg äußerte. Darin widerspricht er der Vorstellung, Stalin hätte nur auf die frühen Warnungen vor einem deutschen Angriff, unter anderem von Richard Sorge, hören müssen. Dann hätte der Überfall die Sowjetunion nicht so schwer getroffen und nicht zu den großen Anfangsverlusten geführt, meinen manche. Der Schriftsteller erinnerte an den Terror, der 1937/38 auch die Rote Armee erfasste und dem zahlreiche erfahrene Kommandeure zum Opfer fielen. „Ohne das Jahr 37 wären wir im Sommer 41 unstrittig in jeder Hinsicht stärker gewesen“, so Simonow. Selbst 1940 und 1941 habe der „Wahn der Verdächtigungen und Anschuldigungen“ angehalten.

Das habe dazu geführt, dass hochrangige Militärs verhaftet und ermordet wurden. Der offizielle Grund: Sie hätten den Gerüchten von angeblichen feindseligen Absichten Deutschlands Glauben geschenkt. Selbst der vorherige Generalstabschef und der Volkskommissar für Rüstung waren zu Kriegsbeginn in Haft, beschrieb Simonow das Klima in der Sowjetunion kurz vor dem faschistischen Überfall.

Der wurde in Moskau in den ersten Stunden als Provokation und nicht als Beginn des Krieges gesehen. Das schrieb Alexander Nekritsch in dem Buch „Genickschuss – Die Rote Armee am 22. Juni 1941“. In diesem setzte er sich 1965 mit den Gründen für die militärischen Misserfolge der sowjetischen Armee in der Anfangsphase des Krieges auseinander. Erst am Abend des Juni-Tages 1941 seien den eigenen Truppen Gegenschläge gegen die einfallende faschistische Wehrmacht befohlen worden. „Innerhalb von wenigen Stunden hatte das gesamte Leben der UdSSR abrupt eine neue Richtung erhalten“, schrieb Nekritsch über die Folgen des Kriegsbeginns. „Der Krieg war da, ein grausamer und schonungsloser Krieg.“ Viele hätten sich freiwillig zur Roten Armee gemeldet:„Der Wunsch aller fand in der lakonischen Schlagzeile der Prawda vom 23. Juni 1941 seinen Ausdruck: ‚Der Faschismus wird vernichtet werden.‘“

Westliche Interessen

Zur Wahrheit des 22. Juni 1941 gehört das Interesse der führenden Kräfte im Westen an dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Bevor sie später mit dem überfallenen Land die Anti-Hitler-Koalition bildeten, hofften sie, dass das auch mit ihrer Hilfe wieder aufgerüstete Deutschland als „Bollwerk gegen den Bolschewismus“ dient. Auf diese Rolle hatte bereits 1920 der US-amerikanische Ökonom und Soziologe Thorstein Veblen hingewiesen. In seiner 1920 veröffentlichten Rezension des Buches von John Maynard Keynes «Die ökonomischen Folgen des Friedens» über den Versailler Vertrag beschrieb Veblen klar, worum es bei dem Vertrag eigentlich ging: Nämlich „das reaktionäre Regime in Deutschland wiederherzustellen und es zu einem Bollwerk gegen den Bolschewismus zu machen“.

Die «zentrale und verbindlichste Bestimmung» des Vertrages und des Völkerbundes sei «eine uneingestandene Klausel» gewesen, „durch welche sich die Regierungen der Großmächte zur Unterdrückung Sowjetrusslands zusammentun“. Die Siegermächte des Ersten Weltkrieges hätten das seit 1917 kommunistische Russland als Bedrohung ihres eigenen grundlegenden Systems gesehen. Dieses funktionierte längst auf Grundlage der „Eigentümerschaft in Abwesenheit“, wie Veblen es nannte, was wir heute als Herrschaft des Finanzkapitals durch Aktien- und Fondsbesitz und andre Formen kennen.

Veblen machte darauf aufmerksam, dass die nach außen gegen Deutschland streng wirkende Vertragskonstruktion in Wirklichkeit von einer „bemerkenswerten Nachsicht“ bestimmt sei, „die auf eine Art von betrügerischer Nachlässigkeit hinausläuft“. Das hätten sich vor allem die britischen Vertreter in Versailles ausgedacht, mit dem Ziel, Deutschland nicht so sehr zu lähmen, „dass das kaiserliche Establischment in seinem Kampf gegen den Bolschewismus im Ausland oder den Radikalismus im Inland wesentlich geschwächt wird“. Die deutsche Oberschicht sollte verschont bleiben und das Elend der Kriegsfolgen nur die einfachen Deutschen treffen, erkannte Veblen. Der Zorn der Unterschicht sollte dann der Nährboden sein, auf dem die herrschenden Kreise in Deutschland im Sinne ihrer westlichen Gesinnungsgenossen ein reaktionäres, antibolschewistisches Regime errichten konnten. 

„In ihrem Bestreben, die bestehende politische und wirtschaftliche Ordnung zu sichern – die Welt für eine Demokratie der Investoren sicher zu machen – haben sich die Staatsmänner der Siegermächte auf die Seite der kriegsschuldigen deutschen abwesenden Eigentümer und gegen deren untergebene Bevölkerung gestellt.“

Zu diesem Urteil kam Veblen Jahre, bevor der Faschismus sich in Deutschland breit machte und 1933 an die Macht gehievt wurde. Danach zeigte sich der Westen gegenüber dem deutschen Faschismus weiterhin sehr nachsichtig und ließ ihm fast alles durchgehen: von der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes 1936 über die Annexion der Tschechoslowakei 1938 bis hin zum Überfall auf Polen 1939. Das wird allgemein als Appeasement-Politik aufgrund wirtschaftlicher Interessen oder gar des Friedenswillens gedeutet, hatte aber handfeste ideologische Motive. 

Gemeinsamer Feind

Der Historiker und Gewerkschafter Peter Scherer schrieb dazu 1989 in seinem Buch „Freie Hand im Osten – Ursprünge und Perspektiven des Zweiten Weltkrieges“: „Nicht der Vertreter des deutschen Imperialismus wurde zwischen 1935 und 1938, ja bis 1940 hinein, von Großbritannien und Frankreich hofiert, sondern der Kommunistenfresser und Antibolschewik. Ihm hätten sie ganz Ost- und Südosteuropa ausgeliefert, wenn er sich nur auf diese Rolle des ‹Exterminators›, des politischen Kammerjägers und Massenmörders hätte beschränken lassen.“

Hitler sei der garantierte Krieg gegen Sowjetrussland, an dem auch die westlichen Mächte interessiert gewesen seien. Die russische Revolution 1917 habe anders als von ihren deutschen Finanziers gedacht, „innerhalb weniger Wochen ein Loch in die Landkarte des Imperialismus, das sich so schnell nicht mehr schließen sollte“, gebrannt. Das konnten sie Russland und später der Sowjetunion nie verzeihen. „Die imperialistische Welt sieht sich aus der Basis des europäischen Kontinents heraus in Frage gestellt“, so Scherer über die Folgen. 

„Es lag nahe, dieser Bedrohung im Maßstab ihrer geographischen Dimension entgegenzuarbeiten: im Osten mit Japan gegen die Revolution in China, im Westen mit Deutschland gegen die Sowjetunion.“

Scherer zitierte aus der US-Zeitung New York Herald Tribune vom 12. Oktober 1939, die kurz nach dem polnischen Zusammenbruch schrieb:  „Die Frage besteht nicht darin, wo die Grenzen Deutschlands, Polens oder der Tschechoslowakei verlaufen. Die Frage besteht darin, wo in Europa die Grenze gegen die Verbreitung des Bolschewismus verläuft.“

Der Autor erinnerte auch daran, dass die Westmächte selbst dann nicht Deutschland angriffen, als die faschistische Wehrmacht am 10. Mai 1940 ihren „Westfeldzug“ begann. Es habe nicht schon 1939 einen Zusammenbruch der Wehrmacht gegeben, weil „die rund 110 französischen und englischen Divisionen im Westen sich während des Polenfeldzuges gegenüber den 23 deutschen Divisionen völlig untätig verhielten“. Das bestätigte der ehemalige Chef des Wehrmachtsführungsamtes, Alfred Jodl, vor dem Internationalen Militärgerichtshof 1946 in Nürnberg.

Dafür hatten die Westmächte begonnen, Expeditionskorps gegen die Sowjetunion aufzustellen, die im sowjetisch-finnischen Winterkrieg 1939/40 in Narvik, Petsamo und Murmansk landen sollten. Ebenso wurde in London und Paris geplant, die sowjetischen Erdölgebiete von Baku und Batumi zu bombardieren. Es blieb bei den Plänen. Scherer machte auf die zunehmende Rolle des US-Kapitals hinter der britischen Politik aufmerksam und zitierte den US-Senator und späteren US-Präsidenten Harry Truman. Der hatte am 24. Juni 1941, zwei Tage nach dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion, gegenüber der Zeitung New York Times erklärt [1]:  „Sehen wir, dass Deutschland gewinnt, so müssen wir Russland helfen, wird aber Russland gewinnen, so müssen wir Deutschland helfen, und auf diese Weise sollen sich nur möglichst viele totschlagen.“

Antikommunistische Russophobie

Der Überfall am 22. Juni vor 85 Jahren war „keine spezifisch deutsche Aktion“, stellte Scherer klar. Briten, Franzosen, Tschechen, Japaner, Amerikaner und 1920 auch Polen hätten sich schon daran versucht, „das bedrohliche Loch zu stopfen“, welches das kommunistische Russland und dann die UdSSR „in die Landkarte des Imperialismus gerissen hatte“. Hitler habe als „ideeller Gesamtimperialist“ gehandelt, es aber nicht vermocht, „der imperialistischen Führungsmacht Großbritannien ihren Segen zu seinem Kreuzzug abzuringen“ – die auch das Interesse gehabt habe, dass der Konkurrent Deutschland geschwächt wird oder gar untergeht. Mit Blick auf das Verhalten der Westmächte schrieb Scherer:

„Die Zeit nach Barbarossa kam nicht und die Westmächte zogen es endgültig vor, den deutschen Konkurrenten mehr zu fürchten als den Bolschewismus, der ihnen auf Jahre hinaus ein nützlicher Verbündeter sein sollte.“

Zugleich gaben sie ihre antikommunistische Russophobie nicht auf: „Deutschland wurde nach Meinung der US-Regierung und ihres Emissärs Allan Dulles 1943 für ‚Ordnung und Wiederaufbau‘ hinter einem neuen antibolschewistischen ‹sanitären Riegel› vorgesehen.“

Einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung an den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion hat unlängst der Historiker Jochen Hellbeck mit seinem Buch „Ein Krieg wie kein anderer“ geleistet (von Klaus von Raussendorf für die NachDenkSeiten rezensiert). Darin macht er ebenfalls darauf aufmerksam, dass es auch ein ideologischer Krieg gegen den „Weltfeind Nr. 1“ war, wie nicht nur die deutschen Faschisten die Sowjetunion sahen. Hellbeck will „der UdSSR den ihr gebührenden Platz in der Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs und des Kampfes gegen den Nationalsozialismus zurückgeben“. Die Sowjetunion habe „nicht nur als Versuchslabor für die deutsche Politik des Massenmordes“ fungiert. Sie sei „auch die entscheidende Staatsmacht, die das Dritte Reich besiegte,“ gewesen.

Hellbeck schreibt gegen den seit langem im Westen und insbesondere in der Bundesrepublik verbreiteten Geschichtsrevisionismus an. Diesen will er einer eigenen „Revision“ unterziehen, „und zwar nicht nur der Geographie der nationalsozialistischen Gewalt, sondern auch ihrer Chronologie“. Der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion werde nach wie vor nicht als der entscheidende Schauplatz des Krieges betrachtet. Der Autor macht auf die Ursache dafür aufmerksam: „Der Antikommunismus des Westens ist der Grund dafür, dass die Sowjetunion in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs eher als Täter denn als Opfer beschrieben wird.“ 

An diesem Punkt treffen sich wieder die Interessen der einstigen deutschen Faschisten und jener im Westen, die bis heute Russland im Visier haben. Wie einst Deutschland dient nun die Ukraine samt Faschisten als Bollwerk gegen das heutige, nicht mehr kommunistische Russland – bis zum letzten Ukrainer. Wenn auch der „Bolschewismus“ Geschichte ist, ist Russland immer noch der Feind: Weil es bis heute nicht bereit ist, sich einfach dem Westen unterzuordnen. Wie damals wird auch dieser Versuch scheitern, den aber viele Menschen auf beiden Seiten mit dem Leben bezahlen. Die Interessen dahinter sind die gleichen wie vor mehr als 100 Jahren beim Ersten Weltkrieg und vor mehr als 80 Jahren beim Zweiten Weltkrieg. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

(Red. GlobalBridge) Um sich eine Vorstellung zu machen, mit welcher unmenschlichen Brutalität die deutschen Truppen in der Sowjetunion vorgegangen sind, empfehlen wir – nicht zum ersten Mal – den Film «Komm und sieh!», der hier mit deutschen Untertiteln angesehen werden kann. (cm)

[1] Turner Catledge, «Our Policy Stated», New York Times, June 24, 1941, pp. 1, 7

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 24.6. 2026
Faschistischer Vernichtungswahn …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Programm Aktionstage „Wedding ohne Waffen“

Waffenproduktion in unserem Kiez?! Aus „Pierburg“ wird „Rheinmetall Waffen Munition“

Ab Mitte 2026 soll im Wedding Munition hergestellt werden. Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt die Produktion seines Autozulieferers „Pierburg“ am Humboldthain (Scheringstraße 2) in Berlin auf Rüstung um. Bald sollen dort Komponenten für 155-mm-Artillerie-Munition vom Band laufen – 45 kg schwere, tödliche Geschosse. In unserem Kiez, in unserer direkten Nachbarschaft wird dann, zum ersten Mal seit 1945, wieder Munition produziert, die überall auf der Welt Krieg und Zerstörung bringt.

Hier Protestaufruf und mehr Infos

Das „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ plant vom 10. bis 12 Juli Aktions- und Protesttage mit einer bundesweiten Groẞdemonstration gegen Militarisierung, Rüstungsproduktion und gegen die damit zwangsweise verbundenen breiten Angriffen auf das soziale Leben der arbeitenden Menschen und breiten Bevölkerung.

Im folgenden das umfangreiche Programm

das insbesondere auch die Folgen der Militarisierung für die arbeitende Bevölkerung durchleuchtet.

Merkt Euch die Termine vor und nehmt teil. Sprecht Eure Kolleg:innen, Freunde und Verwandten an, mitzukommen.

Freitag 10.Juli

09:00–09:30 Zirkuszelt

Pressekonferenz

10:00–11:30 Zirkuszelt

Podium: Wir sterben nicht für eure Kriege – Gemeinsam gegen Wehrpflicht!

Deutschland will kriegstüchtig werden, um in Europa im großen Stil wieder Krieg führen zu können und braucht sowohl mehr Waffen als auch Kanonenfutter. Dafür wurde jetzt wieder die Wehrpflicht eingeführt. Was da los ist und was wir gegen diese tödliche Entwicklung tun können, besprechen wir unter anderem mit Simon David Dreßler, Vertreter*innen des Schulstreikkomitees, von Verdi sowie der GEW.

12:00–14:00 Aktion

Kundgebung vor dem Jobcenter: Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr!

Treffpunkt: U-Bahnhof Leopoldplatz.

Sozialkürzungen, Lohnraub und eine Militarisierung der Arbeitsverhältnisse sind zentraler Bestandteil der neuen Kriegswirtschaft. Der Staat des Kapitals reagiert auf seine Wirtschaftskrise mit einem Frontalangriff auf die abhängig Beschäftigten, Arbeitslosen- und Bürgergeldempfänger*innen. Im November 2024 wurde eine Grundsatzvereinbarung zwischen Kriegsminister Pistorius und der „Bundesagentur für Arbeit“-Chefin Nahles getroffen: „Gemeinsam für eine starke Bundeswehr. Die Zeitenwende personell gestalten“. Der verlogenen „nationalen Gemeinschaft“ der Kriegsprofiteure, die nur Profit für sich und Diskriminierung, Lohnraub und rassistische Hetze für uns übrig haben, setzen wir die internationale Solidarität und den gemeinsamen Kampf der Lohnabhängigen entgegen.

12:00–14:00 Aktion

Die-In-Flashmob: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain.

Gegen die Militarisierung der Gesellschaft. Für gute und kostenlose Gesundheit, Bildung und Wohnungen für alle!

12:00–14:00 Aktion

Workshop: Graffiti gegen Krieg

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

14:00–16:00 Aktion

Kundgebung vor Rheinmetall: Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken

Treffpunkt: Rheinmetall, Scheringstraße 2, 13355 Berlin.

Vor dem Werktor von Rheinmetall. Wir verteilen Flyer an die Kolleg*innen und das Theater Rote Panke tritt vor Ort auf!

14:00–16:00 Aktion

Flashmob: Kiezkultur statt Kriegskultur

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

Wir ziehen gemeinsam durch die Straßen Weddings, machen an belebten Orten mit einer kleinen Performance auf die Militarisierung unseres Kiezes aufmerksam und laden dabei Nachbar*innen zu unserem Camp ein.

16:30–17:00 Zirkuszelt

Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion stellt sich vor

Wer sind wir, was haben wir schon gemacht die letzten 2 Jahre und was haben wir noch vor.

17:00–18:30 Zirkuszelt

Podium: Von Ulm bis nach Piräus. Von Genua bis Bristol bis Hamburg bis nach Rotterdam – internationaler Widerstand gegen den Genozid

Krieg beginnt hier. Zahlreiche Rüstungsunternehmen haben ihren Sitz in Deutschland. Die Mittäterschaft Deutschlands am Genozid in Gaza und an den Verbrechen überall in der Welt beginnt vor unserer Haustür, vor unseren Augen. Jede noch so kleine Lieferung, die gestoppt oder verzögert wird, welche die globale Rüstungs-Lieferkette durchbricht, jede Waffenfabrik, die aufhört zu produzieren, weil wir uns widersetzen, rettet konkret Leben. Wir diskutieren auf dem Panel mit Aktivist*innen aus Rotterdam und Hamburg über Erfahrungen von Aktionen direkter Waffenlieferungsblockaden.

19:00–20:30 Zirkuszelt

Podium: Kriegsrelevant: Arbeiten im Zeichen der Militarisierung

Der Krieg wird vorbereitet, doch wo in unserem Arbeitsalltag zeigt sich das? Wir wollen über Veränderungen in den kriegswichtigen Sektoren sprechen – und den Widerstand dagegen. Dafür sind Arbeiter*innen aus Gesundheit, Logistik, Produktion und Technologie/IT eingeladen.

21:00–21:30 Zirkuszelt

Theater X: Hoppla wir sterben! Rheinmetall – eine deutsche Geschichte

Obwohl es so viele Möglichkeiten gab in der Geschichte, das Blatt ein für alle Mal zu wenden – weg von Krieg, weg von der Aufrüstung, weg von Militarisierung – der Funke ist nie übergesprungen – der Tod ist halt doch ein Meister aus Deutschland. Wir tauchen ein in das Rüstungs-Auf-und-Ab der letzten 150 Jahre und erzählen diesmal die Geschichte eines der unangenehmsten Unternehmen: Rheinmetall, einer der größten Waffenexporteure der Welt.

Samstag — 11. Juli

10:00–12:30 Workshopzelt

Demo-Vorbereitung

Wir basteln gemeinsam kreative Schilder für die Demo!

11:00–12:30 Zirkuszelt

Vortrag: Aufrüsten für unsere Sicherheit? mit Fabian Lehr

Mit der sogenannten Zeitenwende wurde ab 2022 eine gigantische Hochrüstung und Militarisierung Deutschlands in Gang gesetzt. „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein“, meint Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ein Grund sei die Bedrohung durch Russland. Doch gegen wen und was müssen wir uns wirklich verteidigen? Wir wollen mit Fabian Lehr die Ideologie der Herrschenden hinterfragen, die tatsächlichen Gründe für die Kriegsvorbereitung analysieren und besprechen, was wir gegen die Kriegsvorbereitungen tun können.

12:30–13:30 Zirkuszelt

Musik: Berliner Politchor Morgenrot

Der Berliner Politchor Morgenrot ist eine Stimme für emanzipatorische Lieder aus aller Welt – einige sind über 100 Jahre alt, andere erst in den letzten Jahren entstanden. Der Chor singt gegen Ungerechtigkeiten und lässt seine Stimmen für eine friedliche, solidarische Welt erklingen.

14:00–17:00 Aktion

Großdemonstration: Gemeinsam Kriege stoppen

Auftakt 14 Uhr am S+U Gesundbrunnen

Abschluss 17 Uhr am Leopoldplatz mit Konzert

30–21:00 Zirkuszelt

Podium: Perspektiven des antipatriarchalen Widerstands gegen die globale Kriegslogik

Um wirksamen Widerstand gegen Militarisierung und Kriegspolitik aufzubauen und Perspektiven für einen gerechten Frieden zu entwickeln, müssen wir die politischen Zusammenhänge verstehen. Wie hängen die aktuellen Kriege miteinander zusammen? Warum sprechen manche von einem „dritten Weltkrieg“? Welche Rolle spielt Deutschland in den Konflikten der Region? Wie sind Krieg, Imperialismus und Patriarchat miteinander verwoben? Und welche Bedeutung haben Frauen und feministische Bewegungen für Frieden, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Transformation?

21:00 Zirkuszelt

Konzert

Sonntag — 12. Juli

1:00–13:00 Zirkuszelt

Abschlussplenum und Vernetzungstreffen: Wie kämpfen wir weiter? Auf jeden Fall gemeinsam!

14:00 Zirkuszelt

Abbau

Militarisierung & Gesellschaft – Vortrag von Ingar Solty

MILITARISIERUNG & GESELLSCHAFT
Vortrag von Ingar Solty
1.Juli, 19 Uhr, Baiz, Schönhauser Allee 26a

Revolutionäre Perspektive Berlin

Vom 10. bis 12. Juli finden in Berlin Aktionstage gegen die Waffenfabrik von Rheinmetall im Wedding statt. Demnächst sollen dort Bauteile für Artilleriemunition produziert werden.

Im Vorfeld wollen wir uns mit den Gründen und Ursachen des Umbaus auf eine Art Kriegswirtschaft auseinandersetzen. Nicht nur im Wedding wird zivile Produktion in militärische umgewandelt. Zahlreiche Betriebe sind davon betroffen. Zeitgleich werden weitere gesellschaftliche Bereiche militarisiert: Krankenhäuser werden kriegstauglich gemacht, das Straẞen-und Schienennetz für Militärtransporte ausgebaut und die Bundeswehr erweitert ihren Einfluss in Schulen. In seiner Flugschrift „Innere Zeitenwende – Die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur“ beleuchtet Ingar Solty das ganze Ausmaẞ der Aufrüstung.

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