Kommentar | Die Drohne war nur der Zünder

Von: Sabiene Jahn

Forum-Red.: Man wünschte sich, es gäbe noch zahlreiche Journalist:innen in den Medien mit Reichweite, die den Mut und das Know hätten, sich ein Bild von politischen Ereignissen zu machen, das sich nicht in den mainstream beugt sondern das Ergebnis eigener und offener Recherchen ist, wie es die Autorin hier vorexerziert. (JG)

Titelbild: Screenshot tagesschau

Ein missglückter Anschlag erklärt nicht, warum Berlin Konsulate und Kulturkanäle kappt. Wer den Blick hebt, sieht eine Ukraine unter militärischem, personellem und finanziellem Druck, eine veränderte russische Kriegführung und ein Deutschland, das immer tiefer in die ukrainische Rüstungs- und Nachschubstruktur hineinrückt. Die Drohne zwischen Leipzig und Halle an der Saale detonierte nicht. Politisch war ihre Sprengkraft jedoch bemerkenswert.

Noch bevor der Flughafen Leipzig/ Halle zur großen deutschen „Russland-Attribution“ wurde (1), hatte die Bundesregierung eine bemerkenswerte Verantwortungsformel entwickelt. Ende August fragte die AfD-Fraktion nach mehreren ukrainischen Angriffsdrohnen, die auf dem Weg zu Zielen in Russland in Finnland und den baltischen Staaten gelandet oder abgestürzt waren. Die Frage war naheliegend. Wer trägt die Verantwortung, wenn die Ukraine eine Waffe startet und diese anschließend im Luftraum eines NATO-Staates auftaucht? Die Antwort der Bundesregierung ist lesenswert. (20)

Russland trage für Luftraumverletzungen an der NATO-Ostflanke „die volle Verantwortung“. Ukrainische Flugkörper seien dagegen „nachweislich“ keine vorsätzlichen Angriffe auf die betroffenen Staaten gewesen. Ihre technischen Fehlfunktionen seien „mutmaßlich auf bewusste russische Störmaßnahmen“ des GPS zurückzuführen. Am Ende folgt daraus ein erstaunlich eindeutiger Satz. Auch für Schäden, die ukrainische Flugkörper in Drittstaaten verursachen, trage Russland die politische Verantwortung, sofern russische elektronische Kriegführung ursächlich sei. Man muss diese Logik einen Augenblick auf sich wirken lassen. (20)

Die Ukraine schickt eine Angriffsdrohne nach Russland. Russland versucht, die angreifende Waffe elektronisch abzuwehren. Die Drohne verliert möglicherweise ihre Navigation und fliegt in einen Nachbarstaat. Politisch verantwortlich ist nach Berliner Lesart wiederum Russland. Mit anderen Worten, funktioniert die russische Abwehr schlecht, ist Russland militärisch verwundbar. Funktioniert sie gut und die ukrainische Waffe kommt vom Kurs ab, wächst Russlands politische Verantwortung. Das ist eine bemerkenswert komfortable Konstruktion.

Noch eigentümlicher wird sie, wenn man liest, auf welcher eigenen Erkenntnisbasis Berlin diese Eindeutigkeit herstellt. Die Bundesregierung erklärt in derselben Drucksache, sie erhalte Informationen über Vorfälle bei Verbündeten über das NATO-Meldewesen. Ein Teil davon sei geheim. Zugleich sei es nicht Aufgabe der Bundesregierung, detaillierte nationale Ermittlungen der NATO- und EU-Staaten zu einzelnen Fällen einzuholen oder selbst zu bewerten. Man habe schlicht keinen Anlass, an den veröffentlichten Informationen der jeweiligen Behörden zu zweifeln. (20)

Berlin kündigt Abkommen

Finnland kam bei praktisch derselben technischen Ausgangslage zu einer erheblich nüchterneren Schlussfolgerung. Helsinki bestreitet russisches GPS-Jamming überhaupt nicht. Verteidigungsminister Antti Häkkänen erklärte jedoch, die Ukraine müsse ihre Angriffe so planen, dass bekannte russische Störmaßnahmen nicht dazu führten, dass ukrainische Waffen in finnischen Luftraum gerieten. Auch unbeabsichtigte Verletzungen seien nicht akzeptabel. Wer eine Waffe losschickt, muss also einkalkulieren, dass der Gegner versucht, sie abzuwehren. (21)

Es zeigt zwei vollkommen unterschiedliche Arten, Verantwortung zu denken. Finnland fragt, wer hat die Waffe gestartet, und was musste der Betreiber bei der Einsatzplanung vorhersehen? Berlin fragt offenbar zuerst, welche russische Handlung lässt sich noch in die Kausalkette einfügen?

Und dann liegt wenige Wochen später eine Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/ Halle, in unmittelbarer Nähe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine. Am 1. September erklärt die Bundesregierung Russland zum Verantwortlichen. Es folgten Maßnahmen, die weit über die Sicherung eines Flughafens hinausreichen. Das letzte russische Generalkonsulat in Bonn soll schließen, neue Sanktionen werden vorbereitet, Einreiseregeln verschärft, und Berlin kündigt das Abkommen über das Russische Haus. (2)

Moskau weist die Anschuldigungen vehement zurück. Inzwischen berichten deutsche Medien über zwei identifizierte Tatverdächtige mit „Russland-Bezügen“. Schon dieser Begriff klingt präziser, als er ist. Ein derartiger Bezug sagt zunächst wenig über Nationalität, Auftraggeber oder staatliche Steuerung aus. Hinzu kommen Berichte über mögliche nachrichtendienstliche Verbindungen. Öffentlich belegt wurde diese Verbindung bislang nicht. Was für die entscheidende Behauptung fehlt, ist das, worauf es politisch ankommt – die nachvollziehbare Brücke von Tatverdächtigen, Bauteilen und Tatmustern zu einem Auftrag russischer staatlicher Stellen. (2)

Besonders eigentümlich ist, wie die Bundesregierung diese Lücke kommuniziert. Noch am 31. August hatte Regierungssprecher Stefan Kornelius angekündigt, eine Attribution werde erst vorgenommen, wenn sie „umfassend schlüssig“ sei, „in sich ruht und für sich spricht“. Auf die naheliegende Nachfrage, ob das bedeute, dass die Öffentlichkeit anschließend auch Beweise zu sehen bekomme, antwortete er, „das überlasse ich nach der Attribuierung dann Ihrem Urteil.“ Auf die erneute Frage nach Beweisen verwies er darauf, dass staatsanwaltliche Ermittlungen schließlich dazu dienten, Beweise „zu sichern und zu sammeln“. (18)

Einen Tag später war die Attribution da. Die angekündigte Schlüssigkeit wurde allerdings nicht konkreter. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte, es gebe „drei Dimensionen“, die eindeutig nach Russland wiesen. Erstens Tatmuster und verwendete Materialien – Drohne, Sprengstoff und Technik –, zweitens polizeiliche Ermittlungen und drittens Erkenntnisse deutscher Nachrichtendienste und ihrer internationalen Partner. Das Beachtenswerte folgte danach. Jede dieser drei Dimensionen hätte nach Angaben der Bundesregierung für sich allein bereits für eine „klare Attribuierung in Richtung Russland“ ausgereicht. (22)

Wer nun erwartete, dass drei voneinander unabhängige Beweisstränge auch drei besonders anschauliche Belege hervorbringen würden, wurde enttäuscht. Auf wiederholte Nachfrage nannte Meyer keine konkreten Details. Die polizeilichen Ermittlungen liefen noch, bei Nachrichtendiensterkenntnissen gelte Geheimschutz, und bei Tatmustern blieb es bei der Feststellung, dass sie zu bereits bekannten russischen Operationen passten. Das RND fasste die Lage beinahe unfreiwillig komisch zusammen – die Regierung sei sich „dreifach sicher“ – weitere konkrete Beweise nannte sie jedoch nicht. (22)

Hier liegt das Problem. Zwischen dem Schutz solcher Informationen und der vollständigen Unsichtbarkeit jener Verbindung, auf deren Grundlage ein anderer Staat öffentlich zum Auftraggeber erklärt wird, liegt ein erheblicher Raum. Und trotzdem folgen daraus die Schließung eines Generalkonsulats, weitere Sanktionen, verschärfte Einreisemaßnahmen und die Kündigung einer kulturellen Vereinbarung, deren Folgen für das Goethe-Institut die Bundesregierung wenige Wochen zuvor selbst beschrieben hatte. (1) (2)

Der Elefant steht längst im Raum. Die Leipziger Drohne ist möglicherweise nur das Ereignis, an dem plötzlich alle über seinen Schatten sprechen. 

Der russische Militärexperte Rustem Klupow legt für Leipzig eine logische Gegenhypothese vor. Klupow ist Held der Russischen Föderation und Afghanistanveteran und erklärte gegenüber Pravda.ru, der Anschlagsversuch könne Kiew genutzt haben, um Deutschland stärker in den Krieg hineinzuziehen und erneut Druck in der Taurus-Frage aufzubauen. Die technische Unzulänglichkeit des Vorgangs mache ihn skeptisch. Ein russischer Dienst, der eine der wertvollen ukrainischen Antonow-Transportmaschinen tatsächlich vernichten wolle, hätte aus seiner Sicht wirkungsvollere Möglichkeiten und wenig Interesse daran, mit einem dilettantisch wirkenden Anschlagsversuch auf deutschem Boden die deutsche Öffentlichkeit gegen Russland zu einen. Seine Kernfrage lautet daher, wem nützte diese Form des Scheiterns? (3)

Im Juni 2026 verweigerte die Bundesregierung im Bundestag weiterhin Angaben zu einer möglichen Lieferung und begründete dies mit der notwendigen Vertraulichkeit über ukrainische militärische Fähigkeiten. Bereits im März hatte Friedrich Merz erklärt, die Ukraine verfüge inzwischen über eigene weitreichende Waffen, teilweise mit deutscher Hilfe. Zusätzliche Taurus-Systeme seien deshalb nicht mehr das einzige Maß strategischer Reichweite. Parallel baut Deutschland seine eigene weitreichende Schlagfähigkeit aus. Im Juli kündigte Merz den Kauf amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper an. Anfang September wurde außerdem ein israelisches LORA-System mit rund 500 Kilometern Reichweite erfolgreich getestet. Taurus NEO soll folgen. Deutschland bewegt sich militärisch also gerade selbst in eine neue Reichweitenklasse. (4) (5)

Gleichzeitig steht ein umfassendes deutsch-ukrainisches Abkommen über die gemeinsame Entwicklung von Drohnen, Raketen und Software kurz vor dem Abschluss. Deutschland finanziert bereits 50.000 ukrainische Shrike-Angriffsdrohnen und 15.000 Strila-Abfangdrohnen. Deutsche und ukrainische Unternehmen bauen gemeinsame Produktionsstrukturen auf. Damit verändert sich die Rolle der Bundesrepublik. Deutschland liefert nicht mehr allein aus vorhandenen Depots. Es finanziert Produktion, entwickelt gemeinsam, baut industrielle Kapazitäten auf und wird Bestandteil einer langfristigen ukrainischen Rüstungsarchitektur. (6)

Leipzig/ Halle ist in diesem Zusammenhang kein beliebiger deutscher Flughafen. Der Standort ist für ukrainische Schwertransporte und militärische Logistik relevant. Ein Anschlag dort trifft jene Grauzone, in der sich zivile Infrastruktur und militärischer Nachschub überlagern. Und in dieser Grauzone verändert Russland derzeit seine Kriegführung in der Ukraine – nicht in den Städten der EU. Russland hat aber die Rechnung verändert. (2)

Russland hat die Rechnung verändert

Alexander Mercouris und Alex Christoforou haben in ihrer Sendung von „The Duran“ vom 1. September einen Vorgang beschrieben, der interessanterweise wenig vorkommt. Russland greift Kiew nicht mehr in großen Wellen mit langen Pausen dazwischen an. Mercouris spricht von Angriffen „Nacht für Nacht, Tag für Tag“. Die Kontinuität sei das eigentlich Neue.  Am nächsten Tag war daraus bereits der siebte Angriffstag in Folge geworden. Russland setzte Raketen und eine wachsende Zahl strahlgetriebener Drohnen ein. In Odessa wurden Energieanlagen getroffen, rund 350.000 Haushalte verloren zeitweise die Stromversorgung. An der Donau wurden Hafen- und Grenzanlagen beschädigt. Die technische Entwicklung dahinter ist bemerkenswert. (7) (23)

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR bezifferte die russische Produktionsplanung für August auf 11.000 Angriffsdrohnen verschiedener Typen. Die Produktion werde zunehmend auf die strahlgetriebenen Geran-4 und Geran-5 umgestellt. Bei einer jüngeren Angriffswelle habe deren Anteil bereits etwa 50 Prozent betragen. Die ukrainische Aufklärung erklärt selbst, dass dafür schnellere Abfangdrohnen oder Flugabwehr kurzer Reichweite benötigt werden. (8)

Mercouris beschreibt den praktischen Unterschied sehr anschaulich. Die älteren Geran-Systeme flogen vergleichsweise langsam und niedrig. Die neuen Modelle besitzen Düsenantriebe, erreichen größere Höhen und höhere Geschwindigkeiten und können nach seiner Darstellung steiler auf Ziele stoßen. Dadurch wird nicht nur das Abfangen schwieriger. Die Ukraine muss für relativ preiswerte Angriffsmittel zunehmend kostspieligere oder technisch anspruchsvollere Abwehr einsetzen. Das ist industrielle Mathematik. Und weitere Systeme kommen hinzu. (7)

Die S 8000 Banderol verbindet Eigenschaften einer Drohne mit denen eines einfachen Marschflugkörpers. Hinzu kommt Dan-T, ein neues russisches System mit ungefähr 500 Kilometern Reichweite. Der Wissenschaftler Wladimir Brovkin widmet ihm in seinem jüngsten Podcast besondere Aufmerksamkeit. Der russische Name „Дань“ bedeutet etwa „Tribut“ oder „Abgabe“. Brovkin liest darin einen durchaus russischen Sarkasmus gegenüber europäischen Debatten über spätere Reparationszahlungen. Falls Europa Tribut wünsche, könne Moskau ihn offenbar auch in flugfähiger Form liefern. Hinter der Pointe steht ein ernster militärischer Gedanke. Ein weiteres relativ preiswertes aber hochwirksames System, das in großer Zahl produziert und gegen eine begrenzte ukrainische Luftverteidigung eingesetzt werden kann. (9) (25)

Brovkin beschreibt diese Veränderung als Verbindung defensiver und offensiver Anpassung. Russland baut dichter gestaffelte Drohnenabwehr, experimentiert mit Maschinenwaffen, Abfangdrohnen, elektronischen Gegenmaßnahmen und anderen Interzeptoren. Gleichzeitig steigt die Masse russischer Angriffssysteme. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger der Name einer einzelnen neuen Rakete. Russland versucht offenbar, den ukrainischen Vorteil billiger Langstreckendrohnen auf zwei Wegen zu neutralisieren. Durch bessere Abwehr zu Hause und durch einen erheblich erhöhten Druck auf die Infrastruktur, aus der ukrainische Angriffe gespeist werden. (9)

Das russische Verteidigungsministerium nennt dabei Rüstungsbetriebe, Lager, Treibstoffdepots, Reparaturwerke, Eisenbahninfrastruktur und Häfen als Ziele. Mercouris beschreibt in seinen Sendungen denselben Zusammenhang.  Firepoint-Produktionsstätten in Kiew, Lokomotivwerke, Hafenstromversorgung in Odessa, Lager in Tschornomorsk, Bahnstrecken, Fährverbindungen und Übergänge Richtung Rumänien. Das operative Muster lässt sich aus unterschiedlichen ukrainischen Berichten erkennen. Am 1. September wurden Hafenanlagen und der Grenzübergang Orliwka zu Rumänien getroffen. Die Ukraine musste den Übergang zeitweilig schließen. (7) (10)

Aus Odessa kommt noch ein weiterer Hinweis. Die „Kyiv Post“ berichtete Anfang September über den mutmaßlich ersten Einsatz einer KAB-Gleitbombe gegen die Stadt selbst. Sollte sich der Einsatz bestätigen, würde Russland eine weitere schwere und vergleichsweise preisgünstige Waffenklasse gegen den südlichen Logistikraum ausweiten. Und dort beginnt für Kiew ein Problem. (28)

Kyrylo Budanow formulierte Ende August eine Zahl: „Wir können nicht weniger als 30.000 Menschen pro Monat mobilisieren.“Dies sei das Minimum, erklärte der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, um „das zu halten, was wir haben“. Mercouris und Christoforou lesen sie als Hinweis auf die Größenordnung der ukrainischen personellen Abnutzung. 30.000 neu Mobilisierte bedeuten nicht automatisch 30.000 Gefallene. Die Zahl umfasst Ersatz für Tote, Verwundete, Dienstunfähige, Desertionen, Rotation und den Aufbau weiterer Einheiten. Die Größenordnung ist enorm. Und dazu kommt das Geld. (7) (11)

Der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara beziffert das Loch im Militärhaushalt auf 27 Milliarden Dollar. Kiew möchte deshalb einen Teil der für 2027 vorgesehenen EU-Gelder früher erhalten. Die Europäische Union hat der Ukraine für 2026 und 2027 insgesamt 90 Milliarden Euro zugesagt. Die Ukraine braucht also gleichzeitig Menschen, Luftverteidigung, Geld und sichtbare militärische Wirkung. Dieser letzte Punkt ist politisch entscheidend. (12)

Langstreckenangriffe auf russische Raffinerien, Öllager, Häfen und Infrastruktur besitzen nicht nur militärischen Wert. Sie demonstrieren gegenüber europäischen Geldgebern, dass Kiew weiterhin in der Lage ist, Russland Kosten aufzuerlegen. Brovkin stellt diese Verbindung her, die ukrainische Drohnenstrategie müsse auch als Demonstration gegenüber den westlichen Finanziers verstanden werden. (9)

Kiew benötigt zusätzliche Mittel, um russische Abwehr zu überwinden und tiefer in Russland zu wirken. Deutschland wiederum hat sich lange gegen die Lieferung eines eigenen weitreichenden Systems gesträubt. Klupows These, Leipzig könne als Hebel dienen, Berlin in dieser Frage weiterzuschieben, ist verständlich. 

Der Taurus-Leak von 2024 hatte erhebliche Wellen geschlagen. In dem abgehörten und anschließend veröffentlichten Gespräch diskutierten hochrangige Bundeswehroffiziere vergleichsweise offen, wie Ziel- und Missionsdaten für einen möglichen ukrainischen Taurus-Einsatz erstellt und übertragen werden könnten. Dabei wurde sogar erwogen, ein Datenfile nach Polen zu schicken und die Übergabe dort zu organisieren. Als mögliches Ziel war auch die Krim-Brücke Gegenstand der Planung. Jetzt gewinnt diese damalige Reichweiten- und Beteiligungsdebatte erneut an Aktualität. (3) (4)

Naheliegend ist die Feststellung, dass ein russischer Anschlag auf einen ukrainischen Militärtransport in Deutschland jene Argumentation stärkt, die seit Jahren größere deutsche Reichweite fordert,  Russland habe den Konflikt längst auf deutsches Territorium getragen, also müsse Deutschland seine Zurückhaltung aufgeben. Das ist der politische Nutzen eines solchen Vorgangs. Wer ihn verursacht hat, bleibt eine andere Frage. (3) (4)

Nicht jeder Kurzschluss führt nach Moskau

Noch aufschlussreicher wird die gegenwärtige Nervosität bei zwei anderen Anschlägen. Am 1. September versuchten Unbekannte bei Turnow-Preilack in Brandenburg, mit selbstgebauten, silvesterraketenähnlichen Vorrichtungen leitfähiges Material in Höchstspannungsleitungen zu schießen. Zwei Kurzschlüsse gelangen. Ein Block des Kraftwerks Jänschwalde fiel zeitweise aus. Wenige Stunden später geschah bei Bergheim in Nordrhein-Westfalen etwas sehr Ähnliches. Dort gingen nach einem gezielt herbeigeführten Kurzschluss mehrere Braunkohleblöcke vom Netz. Wer in diesen Tagen nur einen Hammer besitzt, sieht überall russische Nägel. (13)

Die Ermittler tun das bisher ausdrücklich nicht. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann verweist auf zwei naheliegende Richtungen. Fremdstaatlich gesteuerte Sabotage und das linksextreme Spektrum. Herbert Reul nennt für Nordrhein-Westfalen dieselben Möglichkeiten. Nichts davon sei bisher ausgeschlossen. Das ist interessant, weil die betroffenen Anlagen eine zweite, völlig andere politische Geschichte besitzen. (13)

Jänschwalde ist ein Braunkohlekraftwerk. Anschläge auf Stromnetze und Energieanlagen gehören seit Jahren zum Aktionsspektrum radikaler Klima- und linksextremer Gruppen. Im Januar 2026 legte ein Anschlag auf die Berliner Stromversorgung Teile des Südwestens der Hauptstadt lahm. 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.200 Unternehmen waren betroffen. Der Generalbundesanwalt führt ein Verfahren gegen Unbekannt. Nach seiner Antwort an den Bundestag besteht der Anfangsverdacht, Mitglieder einer „Vulkangruppe“ könnten verantwortlich sein. Bis heute ist dieser Fall öffentlich nicht aufgeklärt. (14)

Die improvisierten Abschussvorrichtungen bei Jänschwalde und Bergheim müssen deshalb keineswegs zum ukrainischen Krieg gehören. Vielleicht tun sie es. Vielleicht gehören sie zu einem bekannten inländischen Sabotagemilieu. Vielleicht soll diese Unsicherheit erzeugt werden. Eine Erkenntnis ist wichtiger. Wenn innerhalb weniger Stunden ein russisches Narrativ über Leipzig, ein Anschlag auf ein Kohlekraftwerk und ein weiterer Angriff auf ein Umspannwerk in denselben Nachrichtenstrom geraten, entsteht sehr schnell ein einziges Bedrohungsbild, obwohl die Täter keineswegs dieselben sein müssen. Hier müsste Politik besonders präzise sein, anstattdessen wird der politische Raum gerade sehr eng.

Leipzig lieferte den Anlass

Die schärfste deutsche Reaktion auf Leipzig ist die kulturelle. „Das Russische Haus“ ist Kino, Konzertsaal, Sprachschule, Bibliothek und Ausstellungsort. Vor allem ist seine rechtliche Stellung mit dem Goethe-Institut in Moskau verknüpft. Das wusste die Bundesregierung ganz genau. (1)

Bereits am 10. August, lange vor der offiziellen Zuweisung des Leipziger Anschlags, erklärte das Auswärtige Amt, man überprüfe „umfassend und kontinuierlich“ die völkervertragliche Grundlage des Russischen Hauses. Zwei bilaterale Abkommen seien zu beachten. Russisches Haus und Goethe-Institut seien „unmittelbar miteinander verbunden“. Ein Vorgehen gegen das eine habe unmittelbare Folgen für das andere. Berlin musste die Idee einer Schließung nach Leipzig nicht erst entwickeln. Die Option wurde bereits geprüft. Leipzig lieferte den Anlass. Damit wurde aus der Drohne tatsächlich ein Zünder. (1)

Am 3. September zog Moskau die erwartete Konsequenz. Aussenminister Sergej Lawrow kündigte die Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg an. Seine Begründung war ebenso knapp wie unerfreulich. Berlin habe den Schritt bewusst getan und damit faktisch das Ende seiner eigenen kulturellen Präsenz in Russland herbeigeführt. (19)

Präsident Wladimir Putin erhob seinerseits einen schweren Vorwurf bei einer Pressekonferenz in Bischkek zwei Tage zuvor.  Auf die Frage des russischen Journalisten Alexander Junaschew, wie er die deutschen Vorwürfe und Maßnahmen bewerte, verwies Putin zunächst auf die innenpolitische Lage Friedrich Merz’. Dann fragte er selbst rhetorisch, „Und wo sind die Beweise? Nun, da hat man eben „Beweise untergeschoben.“ Und führte weiter aus, „Die Lage des Kanzlers ist innenpolitisch schwierig. Er genießt nicht das Vertrauen der Bürger … Unternehmen schließen, Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, der Lebensstandard sinkt.“ Dann erklärte er sinngemäß, dies lasse sich politisch durch die Notwendigkeit erklären, eines „aggressiven Russlands“ entgegenzutreten. (19)

Die Entscheidung fällt tatsächlich in eine mehrmonatige Phase außerordentlicher innenpolitischer Schwäche. Die Bundesregierung erreicht im ARD-DeutschlandTrend nur noch 13 Prozent positive Bewertungen. 85 Prozent äußern sich kritisch. Friedrich Merz selbst kommt auf 14 Prozent Zustimmung. Reuters beschreibt gleichzeitig einen besonders starken ostdeutschen Gegensatz in der Russlandpolitik. Viele Menschen in den neuen Ländern verbinden mit Russland eine andere biografische Erfahrung als große Teile der westdeutschen Bevölkerung. Das macht das Russische Haus politisch sensibel. (17) (24)

Die Verbindung zwischen Deutschen und Russen wird damit nicht nur auf Regierungsebene reduziert. Sie wird in jene Räume hinein gekappt, die für schlechte Zeiten eigentlich geschaffen wurden. Für Sprache, Kultur, Bildung und persönliche Kontakte. Das Auswärtige Amt erklärte noch am 10. August über das Goethe-Institut in Moskau, man müsse versuchen, „die wenigen Leute, die wir dort noch erreichen können“, mit dem verbliebenen Angebot durch diese Zeit zu bringen – „in der Hoffnung, dass irgendwann einmal eine andere Zeit kommt“. Drei Wochen später nimmt Berlin in Kauf, diesen verbliebenen Kanal zusätzlich zu gefährden. Das ist keine automatische Folge einer Drohne. Es ist eine verlogene Politik. (1)

Und hier fällt ein anderer Vorgang auf. CIA-Direktor John Ratcliffe reiste Ende August nach Moskau und traf Vertreter der russischen Nachrichtendienste. Noch deutlicher wurde das beim G20-Finanzministertreffen. Anton Siluanow saß erstmals seit 2022 wieder persönlich am Tisch. US-Finanzminister Scott Bessent führte ein bilaterales Gespräch mit ihm. Die Amerikaner machten zugleich deutlich, dass wirtschaftliche Normalisierung an Fortschritte im Ukrainekrieg gebunden sei. Reden und Druck schließen sich also offenbar nicht aus. Die Europäer reagierten anders. (26) (27)

Lars Klingbeil wollte nicht gemeinsam mit Siluanow für das traditionelle Gruppenfoto posieren. Währenddessen trifft Putin Narendra Modi, Xi Jinping, Recep Tayyip Erdoğan und weitere Staatschefs. Modi fordert öffentlich ein Ende des Krieges und hält gleichzeitig die Beziehungen zu Russland aufrecht. Russland ist wirtschaftlich und militärisch keineswegs isoliert. Wenn Russland militärisch stärker agiert, die Ukraine mehr Geld und Personal benötigt und Washington zugleich wieder direkte Kanäle zu Moskau öffnet, wächst der Druck auf jene europäischen Regierungen, die ihren bisherigen Kurs fast vollständig auf eine langfristige russische Schwächung ausgerichtet haben. Wladimir Brovkin nennt diese Entwicklung, „Von der Verdrängung zur Panik: Selenskyj und die EU“. (27) (9)

Manchmal schreibt Symbolpolitik sich selbst

Und dann noch ein Detail, das mir auffiel. Im April 2026 unterzeichneten Deutschland und die Ukraine eine umfassende strategische Partnerschaft. Unter der unscheinbaren Rubrik „zwischenmenschliche Kontakte“ findet sich darin die Einweihung eines ukrainischen Generalkonsulats in Dresden. Viele wissen, Wladimir Putin versah dort von 1985 bis 1990 seinen Dienst als KGB-Offizier. Niemand muss unterstellen, Kiew habe seinen neuen konsularischen Standort nach dieser Biografie ausgewählt. Die Geschichte an sich erledigt den schwarzen Humor auch ohne Regieanweisung. Manchmal schreibt Symbolpolitik sich selbst. (15) (16)

Das ist der Elefant, der im Raum steht, weniger die eine einzelne Drohne. Die Bundesrepublik befindet sich in einem Übergang. Vom Waffenlieferanten zum industriellen und logistischen Bestandteil einer langfristigen ukrainischen Kriegsfähigkeit. Gleichzeitig wird die militärische Lage schwieriger, die Finanzierung teurer, der gesellschaftliche Rückhalt der Bundesregierung noch schwächer. In einer solchen Lage besitzt ein Anschlag wie Leipzig außerordentlichen politischen Wert.

Er kann Zurückhaltung delegitimieren und neue Sanktionen rechtfertigen. Das ist der Grund, weshalb man weniger auf den Zünder schauen sollte als auf das, was längst darum herum aufgebaut wurde und nun zusehends verloren geht. 

Quellen und Anmerkungen: (abgerufen am 3. Sep 2026)

1.) Auswärtiges Amt, Regierungspressekonferenz vom 10. August 2026. Die Bundesregierung erklärte bereits vor der späteren Attribution von Leipzig, die völkervertragliche Grundlage werde „umfassend und kontinuierlich“ überprüft. Russisches Haus und Goethe-Institut seien unmittelbar miteinander verbunden. https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/regierungspressekonferenz-2782764
2.) Reuters, 2. September 2026. Aktueller Stand zu Leipzig, den deutschen Maßnahmen und den identifizierten Tatverdächtigen mit „Russland-Bezügen“: https://www.reuters.com/world/eu-some-eu-states-summon-russian-embassy-officials-over-leipzig-drone-attack-2026-09-02/
3.) Rustem Klupow/ Pravda.ru, 31. August 2026. Klupows Gegenhypothese. Leipzig als möglicher Hebel für zusätzlichen Druck auf Berlin, insbesondere in der Taurus-Frage: https://military.pravda.ru/news/2398491-leipzig-airport-drone-provocation-analysis/
4.) Deutscher Bundestag, Juni 2026. Die Bundesregierung verweigerte Angaben zu einer möglichen Taurus-Lieferung wegen der Vertraulichkeit ukrainischer militärischer Fähigkeiten. Merz hatte zuvor erklärt, die Ukraine verfüge bereits über selbst entwickelte weitreichende Waffen, teilweise mit deutscher Unterstützung https://dserver.bundestag.de/btd/21/065/2106571.pdfhttps://www.nachdenkseiten.de/?p=112023
5.) Reuters, Juli/September 2026. Deutschland beschafft Tomahawk-Systeme, testet LORA und baut seine eigene Fähigkeit zum weitreichenden Präzisionsschlag aus: https://www.reuters.com/world/merz-says-germany-agreed-acquire-us-tomahawk-missiles-2026-07-09/https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/germany-successfully-tests-israeli-ballistic-missile-officials-say-2026-09-02/
6.) Reuters, 2. September 2026. Deutsch-ukrainische Zusammenarbeit bei Drohnen, Raketen und Software; Finanzierung von Shrike- und Strila-Drohnen sowie gemeinsamer Produktionsstrukturen: https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/ukraine-is-finalising-drone-deal-with-germany-zelenskiy-says-2026-09-02/
7.) The Duran, Alexander Mercouris und Alex Christoforou, 1. September 2026. Analyse der kontinuierlichen russischen Angriffe auf Kiew, neuer Geran-Systeme, der Luftverteidigung und der ukrainischen Mobilisierung: www.youtube.com/watch?v=8YCKYUFc-Bw&t=2s
8.) Ukrainischer Militärgeheimdienst HUR/ Ukrainska Pravda, 10. August 2026. Russische Produktionsplanung von 11.000 Angriffsdrohnen im August, zunehmende Umstellung auf strahlgetriebene Geran-4 und Geran-5: https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/08/10/8048080https://www.rbc.ua/rus/news/rf-vikonue-plan-raketah-pauza-obstrilah-navryad-1786309469.html
9.) Wladimir Brovkin, „Putins Plan für die Ukraine enthüllt“. Beschreibung von Dan-T und der russischen technologischen Anpassung: https://www.youtube.com/playlist?list=PLYwxLRyAc_LWkpfiGgb6vt89dGQY85Rv_
10.) Reuters/Kyiv Post, 1.–2. September 2026. Russische Angriffe auf Odessa, Hafen- und Grenzinfrastruktur sowie mögliche erstmalige KAB-Einsatz gegen die Stadt: https://www.reuters.com/world/russia-hits-port-export-facilities-ukraines-odesa-region-kyiv-says-2026-09-01
11.) Ukrainska Pravda, 28. August 2026. Budanows Aussage, die Ukraine müsse mindestens 30.000 Menschen monatlich mobilisieren, um den vorhandenen Personalstand zu halten: https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/08/28/8050796/
12.) Reuters, 30. August 2026. Finanzierungslücke von rund 27 Milliarden Dollar im ukrainischen Militärhaushalt und Forderung nach vorgezogenen EU-Geldern: https://www.reuters.com/world/europe/ukraine-defence-chief-pledges-clear-war-plan-win-early-loan-release-2026-08-30
13.) Tagesschau, 1.–2. September 2026. Sabotage an Stromnetzen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die Ermittler prüfen ausdrücklich sowohl fremdstaatliche Sabotage als auch Linksextremismus: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/sabotage-umspannwerk-brandenburg-100.html
14.) Deutscher Bundestag, 3. März 2026. Ermittlungsstand zum Berliner Stromanschlag vom Januar: Verfahren gegen Unbekannt, Anfangsverdacht gegen Mitglieder einer „Vulkangruppe“: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1151310
15.) Bundesregierung, 14. April 2026. Deutsch-ukrainische strategische Partnerschaft einschließlich der Einweihung des ukrainischen Generalkonsulats in Dresden, Seite 13: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/2420616/2810b1a2113c7d4687e75b47251397bc/2026-04-14-erklaerung-deutsch-ukranische-regierungskonsultationen-deutsch-data.pdf?download=1
16.) Bundesarchiv. Dokumentiert Putins KGB-Tätigkeit in Dresden 1985 bis 1990 und seinen MfS-Hausausweis:  https://www.bundesarchiv.de/nachricht/hausausweis-war-uebliche-praxis
17.) Reuters, Ende August/Anfang September 2026. Zur innenpolitischen Schwäche der Bundesregierung und zur unterschiedlichen Wahrnehmung Russlands in Ost- und Westdeutschland: https://www.reuters.com/commentary/breakingviews/german-political-funk-threatens-timid-recovery-2026-08-28
18.) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-31-august-2026-2451006www.youtube.com/watch?v=b134arrXFOE
19.) https://mxstat.me/channel/@kremlininfo; https://www.interfax.ru/russia/1112567http://kremlin.ru/events/president/news/80665https://currently.att.yahoo.com/att/russia-close-goethe-institut-branches-021943045.html
20.) Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7725 vom 25. August 2026, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zu Luftraumverletzungen, ukrainischen Drohnen und russischer elektronischer Kampfführung: https://dserver.bundestag.de/btd/21/077/2107725.pdf
21.) Yle, 5. Mai 2026. Verteidigungsminister Antti Häkkänen zu ukrainischen Drohnen im finnischen Luftraum und zur Pflicht Kiews, russische Störmaßnahmen bei der Operationsplanung einzukalkulieren: https://yle.fi/a/74-20224248
22.) RND, 2. September 2026. Zur Argumentation der Bundesregierung mit den „drei Dimensionen“ und zur weiterhin nicht öffentlichen konkreten Beweislage: https://www.rnd.de/politik/nach-anschlag-in-leipzig-so-wollen-deutschland-und-die-eu-den-druck-auf-moskau-erhoehen-4RMORCLFCBCKTLLAWMXAENLO64.html
23.) Reuters, 2. September 2026. Siebter Tag nahezu ununterbrochener Angriffe auf Kiew, Stromausfall für mehr als 350.000 Haushalte in der Region Odessa: https://www.reuters.com/world/europe/russian-attacks-damage-infrastructure-ukraines-odesa-official-says-2026-09-02/
24.) Infratest dimap, ARD-DeutschlandTrend August 2026. 13 Prozent positive Regierungsbewertung, 85 Prozent Kritik und 14 Prozent Zustimmung für Friedrich Merz: https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2026/august/
25.) Ukrainska Pravda, 17. August 2026. Technische Angaben zur S 8000 Banderol:https://www.pravda.com.ua/eng/articles/2026/08/17/8049064/
26.) Reuters, 27. August 2026. Bestätigung des Treffens von CIA-Direktor John Ratcliffe mit russischen Nachrichtendienstvertretern in Moskau: https://www.reuters.com/world/europe/russias-foreign-spy-chief-confirms-he-held-talks-with-cia-director-moscow-2026-08-27/
27.) Reuters, 31. August 2026. G20-Finanzministertreffen in Asheville, Teilnahme Anton Siluanows, Gespräch mit Scott Bessent und europäische Reaktionen: https://www.reuters.com/business/finance/europeans-bristle-russias-return-g20-2026-08-31/
28.) Kyiv Post, 1. September 2026. Bericht über den mutmaßlich erstmaligen KAB-Einsatz gegen Odessa selbst (noch nicht bestätigt): https://www.kyivpost.com/post/83487

Erstpubliziert auf GlobalBridge v. 3.8. 2026
https://globalbridge.ch/die-drohne-war-nur-der-zuender/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Ukrainischer Regimentskommandeur: „Schießt auf die eigenen Leute, schießt auf alle, die unbefugt fliehen“

Von FLORIAN RÖTZER

Titelbild: Eine der Gruben, die ukrainische Regimenter zur Bestrafung von Soldaten benutzen. Foto zur Verfügung gestellt von der Schwester eines vermissten Soldaten des Shkval-Bataillons. Bild: texty

Schon seit einiger Zeit wurde von Misshandlungen, Todesfällen und Folter in ukrainischen Regimenten berichtet. An erster Stelle stand das 425. Sturmregiment  „Skala“, das direkt dem Oberkommandierenden Syrsky unterstand und das größte Angriffsregiment der ukrainischen Streitkräfte ist, der von Selenskij zögerlich entlassen wurde, nachdem Kritik an der vorhergehenden Entlassung von Fedorov als Verteidigungsminister laut wurde. Bislang wurde von brutalen Bestrafungen meist nur in der russischen Armee gesprochen.

Im Juni machte Babel.ua auf die Zustände in „Skala“ aufmerksam, das auch Syrsky-Regiment genannt wird. 25-26 Rekruten, also Zwangsmobilisierte, seien dort seit Ende 2025 in den Ausbildungslagern, nicht im Kampfeinsatz, gestorben. Berichtet wurde von Schlägen, Misshandlungen, Einsperren und verspäteter medizinischer Hilfe. Rekruten würden zu Tode geprügelt. So gelang Alexander Semjonow die Flucht aus dem Stützpunkt seines Regiments in ein Krankenhaus in Kropywnyzkyj. Dort wurden schwere Verletzungen am Kopf, gebrochene Fingern, eine Schnittwunde am Rücken und zerkratzte Händen dokumentiert. Es gibt Fotos.

Die meist eingefangenen Rekruten, darunter offenbar viele Drogensüchtige und Alkoholiker, aber auch psychisch Kranke, kamen zuerst in das Verteilungslager, eine große Baracke ohne Fenster, wo sie wie Gefangene eingesperrt wurden. Ihnen wurde das Handy weggenommen, sie mussten sich ausziehen, wurden durchsucht und durch bewaffnete Wärter eingeschüchtert: „Die erste Erfahrung mit dem Toilettengang war ‚unbezahlbar‘ – in Gruppen, unter den Mündungen von Maschinengewehren, mit ‚raffinierten‘ Beleidigungen und harten Tritten, wenn die Formation oder das Erscheinungsbild nicht ausreichend einheitlich waren. Endlose Kniebeugen, Übungen, Planks“ … Damit sie „erkennen, in welcher Situation sie sich befinden“, keine Zeit verschwenden, sondern sich auf die bevorstehende „Mission“ vorbereiten. Auf der Toilette, im Speisesaal – überall mit bewaffneter Eskorte.“

Von dort wurden sie in Ausbildungslager verteilt, wo sie wieder wie Gefangene gehalten wurden und nicht einmal allein auf die Toilette gehen durften. Wenn jemand zu flüchten versuchte, wurde auf ihn geschossen. Einer, der wieder eingefangen wurde, erzählte: „Kurz gesagt: Sie haben uns gefunden. Sie haben uns die Zähne ausgeschlagen und die Rippen gebrochen. Und dieser Wachmann, vor dem ich weggelaufen bin, sagt: ‚Willst du, dass ich an deiner Stelle an die Front gehe, du Schlampe?‘“ Die derart Gequälten und Unterworfenen galten als „disposable“, als Wegwerfware, für die Front. Natürlich haben sich Männer der Tortur und Demütigung auch durch Suizid entzogen.

Babel hat einen weiteren Bericht über die Erfahrungen von vier Soldaten in dem Regiment veröffentlicht.

Wie mit Rekruten schon ab der Busifizierung umgegangen wird, spricht sich natürlich herum und führt dazu, dass die Gewaltbereitschaft gegen die Rekrutierungssoldaten bei denjenigen zunimmt, die nicht in den Krieg ziehen wollen, um nicht in die Hölle zu geraten. Die Brutalisierung der Gesellschaft wächst. In den Unterstützerstaaten pflegt man, wie in der Bundesregierung, das Wegschauen, Hauptsache, Europa wird  von den angeblichen tapferen und freiheitsbeseelten Ukrainern verteidigt. Immerhin kann über die Missstände in der Ukraine berichtet werden.

„Gruben“ und „Bäume der Wahrheit“

Dass „Skala“ keineswegs ein Einzelfall ist, macht nun ein Bericht von texty,org.ua über die Zustände im 225. Separaten Sturmregiment, das auch zu den „Syrsky-Regimentern“ zählt. Die Autorin Anna Kalyuzhna sagt, sie habe sechs Monate lang recherchiert und Dutzende aktive oder untergetauchte Mitglieder des Regiments und von anderen Einheiten sowie von Angehörigen befragt (Video). Sie habe nur über Fälle berichtet, die sie belegen kann.

Der Bericht wird aufgemacht durch die Wiedergabe eines mit einem Handy aufgenommenen Befehls des Regimentskommandeur Oleg Shiryaev, der damit anordnet, auch auf ukrainische Soldaten zu schießen, die ihre Stellung verlassen:

„Über Funk kommt eine klare Anweisung: ‚Bewegungserlaubnis‘. Alles andere ist Feind. Jeder, der seine Stellung verlässt, Deserteure – auch sie sind der Feind. Merkt euch diese Regel: Schießt auf die eigenen Leute, schießt auf alle, die unbefugt fliehen … Und ihr Schlampen, haltet eure Linien, denn nur so könnt ihr euch nach Kiew zurückziehen. Rückzug heißt also: Verschwinden, ihr Schlampen!“

Shiryaev versucht, sich daraufhin befragt herauszuwinden, dass er „die Regeln für die Truppenbewegungen verschiedener Einheiten und Methoden der Koordinierung zur Identifizierung der eigenen Truppen erörterte, da der Feind im Krieg häufig dazu greift, sich in ukrainische Uniformen zu kleiden und sich als Vertreter der Verteidigungskräfte auszugeben“.

Informanten von texty sagen, dass im 225. OSH nicht nur gedroht werde, auf eigene Leute zu schießen, das würde auch geschehen. Soldaten berichteten, dass ihnen mit der Hinrichtung gedroht wurde, als sie ihre Stellungen bezogen, und dass sie unter brutalen Schlägen zum Vorrücken gezwungen wurden, oft unter Beschuss der Russen und angesichts großer Verluste. Wer sich weigert, wird zwischen den Kämpfen in „Gruben“ (abgeschlossene Räume) geworfen. Dort werden sie geschlagen oder mit Säcken über dem Kopf in den Wald geführt und mit Kampfstiefeln traktiert, bis sie nicht mehr laufen konnten. In einem Fall wurde ein Soldat mit einem Holzbalken so heftig geschlagen, dass dieser  auf seinem Kopf zerbrach.

Andere wurden an den „Baum der Wahrheit“ gekettet, manchmal nackt ausgezogen und mit Plastikrohren oder Stöcken geschlagen, bis ihre Haut aufplatzt. Angehörige von Vermissten vermuten, dass diese dabei totgeschlagen worden sein könnten. Solche Bestrafungsrituale gab es auch vor dem Krieg. Vermeintliche Kollaborateure oder Diebe wurden an Bäume als Pranger gefesselt. Das Anketten an Bäume und die Schläge wurden von der Einheit eingeräumt. Man habe die Verantwortlichen suspendiert und Ermittlungen eingeleitet.

Wie weit verbreitet solche Praktiken sind, bleibt unklar. Die Unterstützer der ukrainischen Regierung und ihrer Streitkräfte tragen, wenn sie die Fortsetzung des Kriegs, den die Ukrainer als Stellvertreter führen, mit Milliarden von Steuergeldern und Waffenlieferungen vorantreiben, eine Verantwortung dafür, was in den Streitkräften geschieht. Diese sind längst Proxy-Streitkräfte, die es ohne die Hilfe aus Europa schon lange nicht mehr geben würde. Man fragt sich auch, warum die großen deutschen Medien über die Art der Mobilisierung (Busifizierung) und Kriegsführung kaum berichten. Jeder kann wissen, was in der Ukraine geschieht, allerdings nicht, wenn man als Gast der Regierung nur vorgeführt bekommt, was man sehen oder hören soll. Die deutschen Bürger müssen wissen, was mit ihrem Geld gemacht wird, von der Korruption ganz zu schweigen, also wofür sie zahlen und Schulden machen.

Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 31.7. 2026
Schießt auf die eigenen Leute …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Lage am AKW Saporischja spitzt sich zu

Im Ukrainekrieg tickt eine Zeitbombe. Die Angriffe der mit viel deutcher Ausrüstung und Geld unterstützten ukrainischen Armee auf das Atomkraftwerk Saporischja sind längst ein immenses Sicherheitrisiko für große Teile Europas geworden. Die Sicherheit von Saporischja hängt am „seidenen Faden“, wie der folgende Bericht von Infosperber detailliert nachweist. Viele Orte liegen näher am Ort des Geschehens als die Schweiz. Man kann auch sagen, es braucht nicht einen Angriff durch Russland, unsere Kriegsertüchtiger schaffen es möglicherweise auch selbst, vielen von uns – nicht nur den Ukrainer:innen- ein Grab zu schaufeln.

Werfen wir einen Blick nach Westasien, auch „Naher Osten“ genannt. Hier das gleiche Spiel mit dem Feuer. Trump erklärte am Dienstag, dem 21. Juli 2026 , die USA würden den „Pickaxe Mountain“ ins Visier nehmen, eine im Bau befindliche, tief unter der Erde gelegene iranische Atomanlage. „Wir werden dieses Gebiet schon sehr bald und mit voller Wucht angreifen“. Die Folgen solcher Angriffe sind laut internationaler Atom Experten unkalkulierbar, nicht nur für den Iran, sondern auch dessen Nachbarländer! (Peter Vlatten)

Martina Frei / 18.07.2026 , Infosperber

Ein Nuklearszenario in der «Kornkammer Europas» wäre dort verheerend. Trotz des Risikos wird weiter geschossen und getötet.

Es war ein gezielter Drohnenangriff auf das Dienstfahrzeug, in dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks von Saporischja sass. Sowohl er als auch sein Fahrer starben am vergangenen Mittwoch. Der Direktor der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafael Grossi, verurteilte den Vorfall auf X. Er vermied es jedoch, die Täter zu benennen. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich.

Es handle sich um einen inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und seine Führung und gefährde die nukleare Sicherheit ernsthaft, so Grossi. «Die IAEA fordert ein sofortiges Ende aller Angriffe auf oder in der Nähe von Nuklearanlagen und ihr Personal», forderte er. Das verlangt der Direktor der IAEA schon seit Jahren.

«Ich appelliere dringend an die militärischen Entscheidungsträger, sämtliche Aktionen zu unterlassen, die gegen Prinzipien zum Schutz nuklearer Anlagen verstossen», hatte er beispielsweise im April 2024 gefordert. Als im Mai 2026 eine Drohne das Turbinengebäude traf, warnte Grossi: «Angriffe auf nukleare Anlagen sind wie das Spiel mit dem Feuer.» Doch Grossis Mahnungen scheinen in den Wind gesprochen.

Zehn komplette Stromausfälle in den letzten drei Monaten

Am Mittwoch wies die IAEA erneut auf die prekäre, sich weiter zuspitzende Lage rund um das grösste Atomkraftwerk Europas hin. Dies, nachdem tags zuvor zum 22. Mal seit Kriegsbeginn der Strom am AKW Saporischja vollständig ausgefallen war. «Allein in den letzten drei Monaten traten zehn solcher Ausfälle auf, was die sich verschlechternde Zuverlässigkeit des Stromnetzes unterstreicht», schreibt die IAEA in ihrer Medienmitteilung.

Die Lage am AKW Saporischja sei weiter eskaliert. Verfügte das AKW vor dem Krieg über zehn externe Stromleitungen, die Strom zuliefern konnten, sei es jetzt nur noch eine einzige. Von ihr hängt alles ab. Denn das Kraftwerk benötige – auch im derzeitigen Stilllegungszustand – «einen zuverlässigen und stabilen Netzanschluss, um seine wesentlichen Sicherheits- und Schutzfunktionen aufrechtzuerhalten».

Fällt diese Leitung aus – am vergangenen Dienstag angeblich infolge eines Gewitters – springen automatisch 19 Notstromdieselgeneratoren an, um die notwendigen Funktionen, inklusive der Reaktorkühlung, bereitzustellen. Laut der IAEA gibt es in der Nähe des Atomkraftwerks ein Diesellager, das über Kraftstoffvorräte «für mehr als zehn Tage» verfüge. «Aus Sicherheitsgründen» sei dem IAEA-Team jedoch der Zugang dort verweigert worden.

Mitarbeiter und ihre Familien akut bedroht

Auch die Mitarbeitenden des Atomkraftwerks und ihre Familien werden beschossen: «In den letzten Tagen meldete das Kernkraftwerk Saporischschja mehrere Drohnenangriffe in Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben. Am 12. Juli sollen Drohnenangriffe mehrere Opfer gefordert haben, darunter auch Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja und Subunternehmer», so die IAEA. «Am 13. Juli richteten sich weitere Angriffe Berichten zufolge gegen Wohngebäude, die städtische Feuerwehrwache, Lebensmittelgeschäfte und das Krankenhaus von Enerhodar, das trotz Schäden an einem Dienstfahrzeug und einem Dieselgenerator weiterhin in Betrieb blieb.» Am 14. Juli sei ein Transportfahrzeug für Mitarbeiter unter Drohnenbeschuss geraten, ohne, dass es Verletzte gegeben habe. Tags darauf wurde dann der Chefingenieur des AKW getötet.

Laut dem Generaldirektor von Rosatom, der russischen Firma, die das AKW seit der Annektierung führt, wurden seit Anfang Mai 13 Menschen getötet und 48 verletzt. Es bestehe «die reale Gefahr eines massiven nuklearen Zwischenfalls in weiten Teilen Russlands, der Ukraine und Europas».

«Die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja arbeiten weiterhin unter extrem schwierigen Umständen. Militärische Aktivitäten in Enerhodar können den Druck auf sie und ihre Familien zusätzlich erhöhen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit und den sieben unverzichtbaren Säulen der IAEA, wonach das Betriebspersonal in der Lage sein muss, seine Aufgaben zu erfüllen und Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen. Ich fordere erneut grösstmögliche militärische Zurückhaltung in der Umgebung von Kernkraftwerken, um jegliches Risiko eines nuklearen Unfalls zu vermeiden», sagte IAEA-Generaldirektor Grossi.

Russland ging Grossis Stellungnahme zum Tod des Chefingenieurs nicht weit genug. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, forderte von der IAEA eine «klare und deutliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird».

Strahlenüberwachung zu zwei Dritteln ausgefallen

Infolge von Stromausfällen oder Beschädigungen scheinen laut der IAEA auch «mehr als zwei Drittel der externen Strahlungsüberwachungsstationen des Kraftwerks keine Daten zu übermitteln». Noch könne die Strahlungsüberwachung zwar aufrecht erhalten werden, es bestehe jedoch eine «verminderte Ausfallsicherheit und Redundanz». Die IAEA-Mitarbeiter würden nun untersuchen, ob die Strahlungsüberwachung im Notfall noch funktioniere.

Das Gelände des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl wird offenbar ebenfalls mit Drohnen ins Visier genommen: Zwischen dem 9. und 14. Juli seien dort insgesamt acht Drohnenflüge innerhalb der Überwachungszone des Geländes registriert worden. «Die anhaltende Präsenz von Drohnen in der Nähe von Kernkraftwerken ist ein weiterer Hinweis auf die Risiken, die dieser Krieg für die nukleare Sicherheit und Sicherung mit sich bringt», sagte Generaldirektor Grossi.

«Es wäre furchtbar»

«Es wäre furchtbar», wenn in Saporischja etwas passieren würde, «insbesondere auch für die Bevölkerung vor Ort», sagte der frühere Chef der Nationalen Alarmzentrale Gerald Scharding schon 2023 gegenüber «SRF». Da das AKW heruntergefahren sei, wäre die Menge an radioaktiven Stoffen, die freigesetzt werden könnte, jedoch «deutlich geringer als bei einem Kernkraftwerk in Vollbetrieb»

Meist würden die Hauptwinde von der Ukraine nicht in Richtung Schweiz wehen. «Nur in etwa 20 Prozent der Fälle bewegen sich die Luftmassen aus der Ukraine auf mehr oder weniger direktem Weg in die Schweiz.» Scharding rechnete deshalb nicht damit, dass im Fall eines Nuklearszenarios in Saporischja in der Schweiz die Einnahme von Jodtabletten oder der Aufenthalt im Haus oder in Schutzräumen nötig würden. Das gilt laut dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) weiterhin. Scharding hatte 2023 jedoch von möglichen Ernte- und Weideverboten in jenen Schweizer Gebieten gesprochen, die am meisten betroffen wären.

Inzwischen sei die Menge an vorhandenem und potentiell freisetzbarem radioaktiven Material in Saporischja viel geringer als vor drei Jahren, antwortet ein Mediensprecher des VBS nun auf Anfrage von Infosperber. Würde in Saporischja Radioaktivität austreten und der Wind stünde ungünstig, habe die Schweiz eine Vorlaufzeit von mindestens 24 bis 48 Stunden. Falls eine radioaktive Wolke die Schweiz erreichen würde, wäre «nur die Lebensmittelsicherheit oder der Importbereich» betroffen, so der VBS-Mediensprecher.

Wir danken für das Publikationsrecht. Der Beitrag ist im Original bei Infosperber am 17.Juli 2026 erschienen.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

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