Aktionstage gegen Waffenproduktion und Krieg im Wedding – Höhepunkt eine Großdemonstration unter Beteiligung etlicher Gewerkschaftlicher Aktivistinnen

Aktionstage gegen den Krieg mit einem Camp am schönsten Platz – mitten im grünen Humboldthain – im Berliner Kietz Wedding. Protest gegen den Krieg hat an diesem Ort Tradition. Hier an gleicher Stelle protestierten schon tausende Arbeiter:innen gegen den 1. Weltkrieg.

Das Motto der Protesttage dieses Jahr: „Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg!“ Der Anlass: „Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt den ehemaligen Automobilzulieferer Pierburg in Berlin derzeit komplett um. Ab Sommer 2026 sollen dort Artilleriegeschosse vom Band laufen – 45 Kilogramm schwere Munition.“

Mobilisiert und durchgeführt wurden die Aktionstage von einem breiten Bündnis aus weit über 30 Organisationen.

Es ist heute vieles wie damals

Wir kämpfen gemeinsam mit allen Kolleg:innen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die Sicherung der Existenz und Rechte aller Beschäftigten ist uns wichtig. Auch wenn in diesem System die Eigentümer bestimmen, was produziert werden soll, es kann uns politisch nicht egal sein, ob diese Produkte gesellschaftlichen Nutzen bringen oder nur Tod und Zerstörung. Es kann uns nicht egal sein, ob ein militärisch industrielller Komplex sich wie eine Krake ausbreitet und alle gesellschaftlichen Resourcen verschlingt. Es kann uns nicht egal sein, ob wir in Frieden leben oder zur Zielscheibe werden oder als Kanonenfutter herhalten müssen.

Die Bundesregierung plant eine Welle von Angriffen auf fast alle sozialen, ökologischen und politischen Standards der arbeitenden Bevölkerung. Selbst hart erkämpfte gewerkschaftliche Errungenschaften wie den 8 Stundentag oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden zur Dispoisition gestellt.

In unserem gewerkschaftlichen Aufruf zur Teilnahme an den Aktionstagen schrieben wir:

Diese Angriffe sind nicht die logische Konsequenz von Demografie und Mathematik, wie der Bundeskanzler auf dem DGB Bundeskongress Anfang Mai unter Buhrufen weiszumachen versuchte. Sie sind vielmehr logische Konsequenz von Militarisierung und „Kriegsertüchtigung“ der gesamten deutschen Wirtschaft und Gesellschaft, begleitet von einem geopolitischen Konfrontationskurs mit beispielloser Verschuldung, maximaler Profitsicherung auch in Krisenzeiten auf dem Rücken aller arbeitenden Menschen.

Von den Gewerkschaften muss dazu ein klares politisches Nein kommen! Nichts bedroht die elementaren Lebensinteressen mehr als der gegenwärtige Großmachtkurs von Kapital und Regierenden. Die Erwartungen vieler junger Menschen, aber auch der Kolleg;innen in den Betrieben wächst:

Die DGB-Gewerkschaften müssen den „Elefanten im Raum“ endlich offensiv ansprechen und die Mentalität des Burgfriedens hinter sich lassen. Die Angriffe auf den Sozialstaat und auf gewerkschaftliche Errungenschaften sind alarmierend und müssen durch entschlossene Mobilisierungen und Kampfmaßnahmen beantwortet werden. Wer so tut als hätte der Rüstungswahn nichts mit den Kürzungen zu tun, lebt an der Realität vorbei.

An den Aktionstagen gab es 2 Tage lang ein volles und buntes Programm mit Aktion, Kultur, aber auch viel Aufklärung.

  • gegen Waffenproduktion, Wehrpflicht, Militarisierung und Faschisierung der gesamten Gesellschaft,
  • gegen den unvermeidlich damit verbundene Raubzug auf alle sozialen, kulturellen und ökologischen Interessen der breiten Bevölkerung.
  • gegen einen Kriegskurs, der die Gefahr von Krieg und Zerstörung geradezu herauf beschwört.

Breite Debatten wurden geführt:

  • Ursache der bedrohlichen Entwicklung ist ein kapitalistisches System mit seinem imperialistischen Großmachtkurs, das in einer konfliktgeladenen multipolaren Welt seine Profitansprüche bewahren will.
  • Der Weg in den Abgrund kann nur durch eine widerständige Massenbewegung, mit nachhaltigen Streiks in den Betrieben und von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen, verhindert werden.

Die Jugendverbände der Gewerkschaften haben den Unmut ihrer Mitglieder:innen aufgegriffen und sich gegen die Wehrpflicht positioniert. Auf der Podiumsdiskussion gegen die Wehrpflicht waren besondere Anliegen der Gewerkschaftsvertreter:innen von GEW und verdi, dass die Arbeiter:innenjugendichen endlich politische und organisatorische Unterstützung und Rückendeckung ihrer Gewerkschaften erhalten

  • bei der Einbeziehung in die momentan hauptsächlich noch von Schüler:innen getragenenen Proteste,
  • sowie bei der Eingrenzung und Abwehr der systematischen Indoktrinationskampagnen der Bundeswehr an Ausbildungsstätten

Bei einer weiteren Podiumdiskussion waren die Auswirkungen der Militarisierung in der Arbeitswelt Thema. Es wurde deutlich, dass kaum ein Berufszweig ungeschoren davon kommt. Unter den Bedingungen zunehmender Kriegswirtschaft werden bisher kaum denkbare Formen von ökonomischen Zwangsverpflichtungen möglich.

Gewerkschaftsblock auf der Demo „Keine Waffen im Wedding“ am 11.Juli 2026, Video Doku

Höhepunkt war am Samstag die Großdemonstration.

Deutlich über 5000 Teilnehmer:innen [1]erste Hochschätzungen beliefen sich auf 8000 Teilnehmer:innen, diese Zahl wurde aber nach intensiver Überprüfung auf mindestens 5000 korrigiert wurden von den Veranstalter:innen gezählt. Die von der Berliner Polizei genannte Zahl 1800 kann keiner ernst nehmen angesichts der gewaltigen Menschenmenge, die eng gedrängt den Hanne-Sobek-Platz überfüllte und sich über die Zufahrtbereiche bis in den S-Bahnhof Gesundbrunnen hineinzwängte. Pedantisch auch die polizieilichen Auflagen, die der in der gleissenden Sonne wartenden Menge mehrmach vorgelesen werden mußten. Unter anderem hiess es , dass untersagt sei „jemanden zu töten“. Kommentar einer Oma neben mir: „ich bringe ja sonst jeden Tag jemanden um“. Anschliessend verzögerte sich der Start der Demo wegen polizeilicher Maßnahmen noch um ca. eine halbe Stunde. Wie wäre es, wenn hier mit dem Bürokratieabbau in diesem Staat begonnen würde?

Der Gewerkschaftsblock hatte sich im hinteren Bereich beim Bahnhofseingang gut sichtbar aufgebaut.

Verdi FU Betriebsgruppe

Die Demo hat gezeigt, es gibt nicht nur die Notwendigkeit für einen AG Frieden in allen Berliner Gewerkschaften, sondern auch das Potenzial dazu

Es waren so gut wie alle großen DGB Gewerkschaften vertreten. Aktivist;innen u.a. der IG Metall von Mercedes, Tesla, Siemens Energy, Stadler, Arbeitskreis internationalisischer IG Metaller:innen Berlin, verdi Betriebsgruppe FU, verdi Deutsche Welle u.a., EVG , IG BAU, Gesundheits- und Soziarbeiter:innen und last not least eine große Gruppe der GEW, deren Berliner Vorstand mit zu den Aktionstagen aufgerufen hat. Und Workers 4 Gaza und Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin!

Positives Beispiel für den Rest der Berliner Gewerkschaften ist die AG Frieden der GEW. Die Demo hat gezeigt, es gibt nicht nur die Notwendigkeit für einen AG Frieden in allen Berliner Gewerkschaften, sondern auch das Potenzial dazu. Auch wenn die Zahl der Aktivist:innen noch überschaubar blieb, aber sie sind nicht unsichtbar wie unsere Video Dokumentation zeigt.

Fast durchgängig wurde im Gewerkschaftsblock auf den Transparenten der Zusammenhang von den aktuell staffindenden sozialen Angriffen und dem Kriegskurs thematisiert: „Nein zu Kürzungs- und Kriegshaushalten“ und „Gemeinsam gegen Sozialabbau und Kriegskurs“. Statt Gelder für Bildung , gibt es immer mehr Geld für Waffen. Wer gegen den sozialen Kahlschlag konsequent kämpft gerät automatisch in Konflikt mit dem Kriegskurs.

Die Wahrheiten der Polizei

Alle Zugänge zur neuen Waffenfabrik waren hermetisch verriegelt. Neben der Pedanterie am Anfang soll es zu einzelnen willkürlichen Übergriffen der Polizei gekommen sein.

Zu den massiven Pflichtverletzungen im Oktober 2025 hatten ca. 50 Gewerkschafter:innen bezeugt, dass es zu einer Serie von unberechtigten Gewaltmaßnahmen der Beamten gekommen war. Am Fall des misshandelten und festgenommenen IG METALL Vertrauensmann und Linken MdB Cem Ince konnte gerichtlich nachgewiesen werden, dass die Behauptungen und Begründungen der Polizei komplett gelogen waren. Die Falschbehauptungen der Polizei wurden letztes Jahr bereitwillig nvon der Mainstreampresse übernommen. So wie aktuell die falschen Zahlenangaben über Teilnehmer:innen der Demo. Man könnte ja die Demoleitung fragen oder kritisch die Angaben der Polizei recherchieren Passiert aber nicht.

Anmerkung eines Aktivisten: Warum soll die Polizei so viel anders als ihr oberster Dienstherr agieren, der wegen chronischer Schwindelei nicht mehr zur nächsten Wahl antreten darf? Hat sie doch immer wieder ihre volle Ergebenheit gezeigt, insbesondere wenn sie mit Übereifer und vorgetäuschten Anlässen gegen Propalästina-Demonstrationen vorging. Und: „Man könnte meinen, sie haben am Anfang uns bewusst in der Sonne schmoren gelassen, um uns die Lust am Demonstrieren zu nehmen.“

Nehmen wir die AG Frieden der GEW Berlin als Blaupause für andere Gewerkschaften. Nehmen wir den Widerstand im Wedding als Blaupause für andere Kieze im Land.

Fotos: Peter Vlatten

Siehe auch

Bericht des Bündnisses

References

References
1 erste Hochschätzungen beliefen sich auf 8000 Teilnehmer:innen, diese Zahl wurde aber nach intensiver Überprüfung auf mindestens 5000 korrigiert

Märchen über den „Sieg“ der Ukraine

Propaganda und Wirklichkeit.

Von MICHAEL SILNIZKI

Titelbild: Der ukrainische Generalstab berichtet von einem Angriff auf die Ölraffinerie „Slawjanski“ in Krasnodar in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni. Bild: facebook.com/GeneralStaff.ua/

„Одна и центральных главных национальных идей Украины — как можно больше врать себе и людям. Потому что если не врать — то рухнет всё.“ (Eine der zentralen nationalen Ideen der Ukraine ist es, sich selbst und die Menschen so viel wie möglich zu belügen. Denn wenn wir nicht lügen, wird alles zusammenbrechen.) – Oleksij Arestowytsch, Ex-Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskij, 20.04.2022

1. Allgemeine Situation

   Seit Tagen und Wochen verbreiten die ukrainischen und transatlantischen Mainstream-Medien die Siegesmeldungen der ukrainischen Armee am Boden und in der Luft. Neulich schrieb der bekannte US-amerikanische Militärexperte, Michael Kofman, am 23. Juni in seinem in Foreign Affairs erschienenen Beitrag „The Next Russia Threat. Moscow’s Military Power After Ukraine“: „Der Krieg in der Ukraine hat einen weiteren Wendepunkt erreicht. Die russischen Streitkräfte haben sichtlich Schwierigkeiten auf dem Schlachtfeld, da Kiews Strategie, den Krieg für Russland sinnlos zu machen, aufgeht. Selbst im Falle einer Niederlage wird Russland auf Jahre hinaus die größte Bedrohung für Europa bleiben. Trotz seiner stagnierenden Wirtschaft, der ungünstigen demografischen Entwicklung und des verkrusteten autoritären Regimes ist Russland nach wie vor eine Großmacht, die in der Lage ist und ein Interesse daran hat, die Sicherheitsarchitektur des Kontinents zu untergraben.“

In diesen zitierten wenigen Sätzen werden konzentriert in einem Atemzug der Eindruck von militärstrategischen Erfolgen der Ukraine und einer wahrscheinlichen Niederlage Russlands ebenso erweckt, wie alle gängigen Klischees von Russland als „verkrustetem autoritärem Regime“ und Schwarzmalerei über die daniederliegende russische Ökonomie, der bald das Geld für den Krieg ausgeht, wiederholt.

Dieses ständig wiederholte propagandistische Getöse über einen baldigen ökonomischen Niedergang, politischen Untergang und eine baldige militärische Niederlage Russlands spiegelt eher das Wunschdenken der Propagandisten als die realpolitischen Entwicklungen wider.

All jenen Propheten des russischen Niedergangs hat Putin Anfang Juni 2026 alles Nötige gesagt. Bei einem Treffen mit den Leitern internationaler Nachrichtenagenturen im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums St. Petersburg (SPIEF) antwortete Putin am 4. Juni 2026 auf die Frage eines französischen Journalisten, der auf Schwierigkeiten in der russischen Wirtschaft hingewiesen hat, mit einem Zitat von Mark Twain: „Was die Wirtschaft betrifft, so sind, wie Mark Twain sagte, die Gerüchte über meinen Tod übertrieben. Und so ist es auch jetzt. Was also haben sie vorhergesagt? Eine Niederlage auf dem Schlachtfeld. Der ehemalige US-Präsident sagte, die russische Wirtschaft liege in Trümmern.“

„Man darf Wunschdenken mit der Realität nicht verwechseln“, fügte Putin gleich hinzu. Russland besitzt nach Angaben des russischen Finanzministeriums Geldreserven im Wert von einer halben Billion Dollar und die russische Staatsverschuldung beträgt keine 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Davon können die EU-Länder nur träumen.

Aber auch an der Front ist die Lage alles andere, als die transatlantische Kriegspropaganda uns weismachen will. Ausgerechnet die ehem. Pressesprecherin von Wolodymyr Selenskij, Julia Mendel, warf dem Staathalter von Kiew am 17. Juni auf der Social-Media-Plattform X vor, dem „Westen“ „Märchen“ über den Sieg der Ukraine aufzutischen.

„Während Selenskyj dem Westen Märchen vom ‚Sieg‘ der Ukraine erzählt, fällt Kostjantyniwka gerade. Russische Truppen haben die Außenbezirke der Stadt aus mehreren Richtungen erreicht und dringen ins Innere vor. Sobald die Stadt fällt, ist der Weg in den gesamten Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk frei. Nach Kostjantyniwka folgt Druschkowka (ein wichtiger Logistikknotenpunkt), dann Kramatorsk. Die ukrainische Logistik könnte zusammenbrechen“, schreibt sie.

Zur Bestätigung dieses Berichts ist auf einen gerade am 30. Juni 2026 erschienenen Handelsblatt-Artikel verwiesen, dessen Verfasser direkt aus Kramatorsk berichtet und entrüstet feststellt: „Russland erobert Stück für Stück weitere Teile von Kostjantyniwka. In der Ostukraine sind die Folgen der intensivierten ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland bislang nicht zu spüren.“1

   Mendels Lagebeurteilung bestätigt aber auch Putin. In einer Pressekonferenz äußerte er sich am 29. Mai zuversichtlich über einen baldigen und siegreichen Abschluss der „Speziellen Militäroperation“ (SVO). „Die Lage auf dem Schlachtfeld entwickelt sich so, dass Russland von einem raschen Ende des Konflikts sprechen kann“,betonte Putin.

Die Entwicklungen an der Front belegen, „dass die russische Armee die strategische Initiative behält; unsere Truppen rücken vor und befreien immer mehr Siedlungen und Gebiete. Die Schwächung des Gegners ist ein Trend, der weder durch europäische Kredite … noch durch die Lieferungen der westlichen Drohnen aufgehalten werden kann“.

Die Tatsache, dass westliche Länder das Kiewer Regime weiterhin mit Drohnen für Angriffe gegen Russland beliefern, bedeutet nur eines: Wir müssen unser Luftverteidigungssystem stärken. „Und das tun wir und werden es auch weiterhin tun“, sagte Putin im Gespräch mit Journalisten.

Berichte entlang der Kontaktlinie bestätigen Putins Vortrag. Sie deuten darauf hin, dass die russischen Streitkräfte neue Stellungen im Donbas und in Noworossija besetzen und die sog. „Sicherheitszonen“ in den Regionen Sumy, Charkow und Dnipropetrowsk ausweiten. Das von der Ukraine kontrollierte Gebiet schrumpft täglich.

Am 24. Juni berichteten die russischen Medien zudem über einen russischen Hackerangriff auf die Datenbanken des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, ukrainischer Leichenhallen, medizinischer Einrichtungen und des Transports- und Kommunikationszentrums. Die Ukraine verlor laut den Berichten 2,4 Millionen Soldaten.

Ob die Zahlen stimmen oder nicht, können wir von unserer Warte natürlich nicht verifizieren, obschon selbst manche US-amerikanischen Militärexperten seit Langen von ähnlichen Opferzahlen ausgehen. Die EU-europäischen Massenmedien sprechen hingegen lieber von Millionen Verlusten der Russen, wohingegen die ukrainischen Verluste weitgehend totgeschwiegen werden, und erwecken dadurch den Eindruck, als würde die ukrainische Armee kaum Verluste erleiden.

Wie dem auch sei, den vorliegenden Informationen zufolge verloren die ukrainischen Streitkräfte allein im Jahr 2026 über 400.000 Soldaten. Ähnliche Zahlen wurden bereits 2023 verzeichnet. Bis August 2025 hatte die ukrainische Armee 1,7 Millionen Soldaten verloren, im Dezember desselben Jahres waren es bereits 2 Millionen.

Die meisten Opfer wurden in den Sektoren Saporischschja, Kupjansk, Pokrowsk, Liman und Konstantinowka verzeichnet. Berichten zufolge verlieren die ukrainischen Streitkräfte in jedem dieser Sektoren täglich bis zu 500 Soldaten.

„Gefallene ausländische Söldner werden nicht mehr als Opfer gezählt – sie werden alle als Unfälle verbucht. Unseren Informationen zufolge liegt die Zahl der im Einsatz für die ukrainischen Streitkräfte gefallenen Ausländer bei etwa 5000.“

Unterdessen kündigten die Behörden in der ukrainischen Oblast Tschernihiw die Zwangsevakuierung von zwölf Siedlungen an. Diese beginnt am 1. Juli. Bewohner der Oblast Dnipropetrowsk hatten zuvor ähnliche Warnungen erhalten. Der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleksandr Ganzha, stellte klar, dass dies für die Bewohner von 23 Siedlungen im Bezirk Synelnykiwskyj gilt.
All das deutet auf den Vormarsch der russischen Truppen auf der ganzen Frontlinie hin. Die BBC hat demgegenüber gemeinsam mit Mediazona die Namen von 226.055 russischen Soldaten identifiziert, die während des Ukrainekrieges getötet wurden. Mehr als 200 dieser Männer sind 18 Jahre alt (Stand 12. Juni 2026).

„Die tatsächliche Zahl der Gefallenen an der Front während des mehr als vier Jahre andauernden Krieges übersteigt die Daten, die wir aus öffentlich zugänglichen Quellen erhalten haben. Militärexperten schätzen, dass unsere Analyse russischer Friedhöfe, Kriegsdenkmäler und Nachrufe zwischen 45 % und 65 % der wahren Opferzahlen ausmacht“, spekulieren die BBC und Mediazona und resümieren am Schluss ihres Berichts: „Auf Grundlage dieser Schätzungen könnte die tatsächliche Zahl der Todesopfer unter Russen bis Mitte Juni (2026) zwischen 347.776 und 502.344 Menschen liegen.“

Wie man sieht: Viel Spekulation, wenig Gewissheit. Nichts Genaues weiß man nicht! Nur eines ist gewiss: Der Krieg geht weiter und verändert erneut sein Gesicht. Er verlagert sich zunehmend in die Luft und die Ukraine verspricht sich mit Hilfe ihrer transatlantischen Kriegskameraden einen baldigen Sieg über Russland. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

2. Drohnenkrieg

   „Es wäre nicht überraschend, wenn Russland innerhalb des nächsten Jahres zu dem Schluss käme, dass seine Position auf der Krim unhaltbar sei, und mit dem Truppenabzug beginnen würde, wie es dies bereits mit der Schwarzmeerflotte getan hat. Dies wäre eine gewaltige politische Niederlage für Putin“, frohlockte der bekannte US-Politikwissenschaftler, Francis Fukuyama, am 31. Mai 2026.

Seiner Überzeugung zufolge wenden die ukrainischen Angriffe auf Öl- und Gasanlagen tief im Hinterland, Tausende von Kilometern von der ukrainischen Grenze entfernt, das Blatt im Krieg. Bereits zu Beginn des Krieges behauptete er in einem NZZ-Beitrag vom 16. März 2022: „Putin wird die Niederlage seiner Armee nicht überleben.“

Alle seine Prophezeiungen seit dem Ende des „Kalten Krieges“ erwiesen sich bisher als Flop.

Russland sieht sich freilich in der letzten Zeit mit den Herausforderungen eines „Drohnenkriegs“ konfrontiert. Kiew lobt seinerseits die „ukrainische Drohne, die amerikanische Hornet“, ausgestattet mit KI und setzt auf diese „Wunderwaffe“ im Krieg gegen Russland. All das hat es schon einmal im Einsatz von HIMARS oder Storm Shadow gegeben.

Auch diese „Wunderwaffen“ erzeugten einst eine Zeitlang den „Nebel des Krieges“, bis sie dann irgendwann neutralisiert wurden.  Ein realistisches Bild des „Drohnenkriegs“ wird neuerdings vom polnischen „Instytut Wschodniej Flanki“ in einem von Oberstleutnant Maciej Korowai verfassten Bericht „Wer sagt, dass Russland den Drohnenkrieg verliert?“ vom 2. Juni 2026 gezeichnet.2

„Innerhalb von vier Jahren hat die russische Drohnentechnologie einen qualitativen Sprung gemacht“, schreibt Korowai. Anders als einige polnische Experten glaubt er nicht, dass die Ukraine Russland im Drohnenkrieg bezwingt.

Der Hauptpunkt seines Berichts ist nicht, dass Russland gelernt hat, Millionen von Drohnen zu produzieren. Der Autor dokumentiert einen weitaus wichtigeren Prozess: Drohnen hören auf, eine eigenständige Waffe zu sein, und entwickeln sich zu einem System für die kontinuierliche Überwachung des Luftraumes. Früher bildete die Front eine Kontaktlinie, hinter der sich ein relativ sicheres Hinterland befand; nun entsteht eine Zone kontinuierlicher Überwachung und Kampfhandlungen, die sich bis zu 30–35 Kilometer erstreckt.

   Korowai bezeichnete die Bemühungen der russischen Streitkräfte als „Russische Drohnenlinie“. Dabei geht es nicht um eine neue Teilstreitkraft, sondern um die Verteilung unbemannter Systeme entlang der gesamten Frontlinie. Beispielsweise wurde im vom Experten untersuchten 32 Kilometer langen Abschnitt der 2. Armee ein dreistufiges System geschaffen.

Bis zu 5 Kilometer von der Frontlinie entfernt befindet sich eine Zone vollständiger Kontrolle mit einem Limit von bis zu 560 Drohnen pro Tag. In einer Tiefe von 5 bis 10 Kilometern operieren Aufklärungssysteme und Lancet-Kampfdrohnen, die nach Nachschub und Artillerie suchen. Jenseits von 10 Kilometern gibt es eine Isolationszone, in der spezialisierte Einheiten bis zu 4.000 FPV-Drohnen pro Tag einsetzen können. Im Wesentlichen, so Korowai, handelt es sich um einen kontinuierlichen Kreislauf zur Erkennung und Zerstörung von Zielen in der gesamten taktischen Tiefe.

Der Autor ist der Ansicht, dass Russlands wichtigster Erfolg nicht in neuen Drohnenmodellen, sondern in der organisatorischen Anpassung liegt. Die Russen haben keine separaten unbemannten Streitkräfte nach ukrainischem Vorbild geschaffen, sondern Drohnen in bestehende Aufklärungs-, Artillerie-, Spezialkräfte- und elektronische Kampfführungsstrukturen integriert. Genau dies ermöglicht die rasche Ausweitung des Systems auf große Teile der Front. Polnischen Schätzungen zufolge waren im Herbst 2025 allein in der Zentralen Streitkräftegruppe rund 1.700 UAV-Besatzungen im Einsatz.

Der Bericht dokumentiert auch den Übergang der unbemannten Kriegsführung in eine industrielle Phase. Der Autor nennt Pläne, in Russland 2026 bis zu sieben Millionen FPV-Drohnen zu produzieren, darunter etwa 62.000 Geranium- und rund 6.000 Lancet-Drohnen, und bezeichnet dieses Ausmaß als „beispiellos“.

Laut Korowai spielen die wirtschaftlichen Aspekte der Kriegsführung Russland zumindest vorerst in die Hände.

Der Bericht konzentriert sich jedoch nicht primär auf die Beschreibung einer „Drohnenrevolution“, sondern vielmehr auf die Erkenntnis einer Revolution im Gefechtsmanagement. FPV-, Lancet- und Geranium-Systeme sind allein nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist die Fähigkeit, Aufklärung, Kommunikation, Datenverarbeitung, Entscheidungsfindung und Angriff in einen einzigen, kontinuierlichen Zyklus zu integrieren.

Im Wesentlichen entsteht ein automatisiertes System zur Zielbekämpfung, in dem die Drohne lediglich eine Verbrauchskomponente darstellt.

Nicht die beste Drohne entscheidet auf dem Schlachtfeld, sondern das beste System zur gleichzeitigen Steuerung tausender Drohnen. Und Russland ist, entgegen mancher Annahmen, in diesem Bereich alles andere als im Nachteil.

Die ukrainischen Streitkräfte verfolgen ihrerseits, wie bereits im März deutlich wurde, die Strategie, Probleme im Energie- und Treibstoff-Sektor in Südrussland und im ganzen Land zu schaffen.

Daher wurden Angriffe auf Ölraffinerien und Öllager in der Region Krasnodar durchgeführt, um eine Treibstoffblockade auf der Krim zu errichten. Diese wurde anschließend auf Ölraffinerien und Öllager in anderen Regionen ausgeweitet. Der letzte Schritt waren gezielte Terroranschläge auf zivile Ziele (eine Hochschule in Starobelsk, Busse in der DVR und LVR sowie auf der Landroute zur Krim bei der Autobahn Mariupol-Dzhankoy).

Der Plan Kiews und seiner westlichen Kriegskameraden besteht darin, die Treibstoffversorgung im Süden zu stören und dadurch sozioökonomische Spannungen in den Regionen sowie Treibstoffknappheit während der Ferientage, insbesondere auf der Krim, zu erzeugen. Nach dem Plan des Kiewer Regimes sollen dadurch materielle und organisatorische Ressourcen für die Lösung der Probleme im Süden des Landes freigesetzt und folglich die Angriffe der russischen Armee teilweise abgeschwächt werden.

Am 30. Mai führten die ukrainischen Streitkräfte beispielsweise einen Drohnenangriff auf das Kernkraftwerk Saporischschja durch. Die Drohne traf die Wand der Turbinenhalle von Block 6. Laut Rosatom-Chef Alexej Lichatschow handelte es sich bei dem Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf das KKW Saporischschja um einen gezielten Angriff.

Die Drohne wurde über Glasfaser gesteuert, was einen versehentlichen Treffer ausschließt: „Wir können sozusagen der gesamten internationalen Gemeinschaft gratulieren: Dies ist der erste gezielte Angriff auf die Hauptausrüstung eines Kernkraftwerks, der zur Explosion und Beschädigung des Turbinenhallengebäudes führte.“

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, äußerte sich besorgt über den ukrainischen Drohnenangriff auf die Turbinenhalle von Block 6 des KKW Saporischschja. Ein solcher Angriff gefährdet die Prinzipien der nuklearen Sicherheit.

Seltsamerweise tappt die IAEA jedoch, wie so oft, weiterhin im Dunkeln, was den Ursprung der Bedrohung des Kernkraftwerks Saporischschja betrifft. Sie registriert Angriffe und erklärt diese ab 2022 für inakzeptabel, ohne die Quelle der Bedrohung zu benennen. Das zur Frage nach der Glaubwürdigkeit und Unparteilichkeit der vom „Westen“ gesteuerten IAEA.

Dies ermöglicht es westlichen Medien, u. a. Theorien über „russische Provokationen in einem von Russland kontrollierten ukrainischen Kernkraftwerk“ zu verbreiten.

Hinter dem massiven Medienrummel um den angeblichen „Sieg“ der Ukraine verbirgt sich eine altbekannte ukrainische Strategie des nicht enden wollenden Informationskrieges: Die Angriffe sind ein Versuch, die eigene Verhandlungsposition zu stärken und die schweren Rückschläge der Ukraine an der Front, einen Mangel an Humanressourcen und Luftverteidigungssystemen sowie Probleme mit Energie, Infrastruktur und Wirtschaft durch spektakuläre Fernangriffe zu vertuschen und dadurch den Eindruck der erfolgreich kämpfenden ukrainischen Streitkräfte zu erwecken.

Kiew scheint zudem zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass es vor den US-Kongresswahlen im November ein Zeitfenster gibt, in dem Druck auf die Trump-Administration ausgeübt werden kann und muss. Ziel ist, den Druck zu erhöhen, damit die US-Republikaner den Kongress verlieren und die US-Hilfe zur Weiterführung des Krieges dank der dann gewonnenen Mehrheit der US-Demokraten im Kongress wiederaufgenommen bzw. erhöht wird.

Kurzum: Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und man darf sich von einer massiven proukrainischen Kriegspropaganda der Mainstream-Medien nicht blenden lassen.

3. Angriffe auf Moskau

   Zum ersten Mal seit Beginn der SVO gelang es Kiew, Moskau einen bedeutenden und wirksamen Schlag zu versetzen, indem es einen Treibstofftank in der Ölraffinerie Kopotnja sprengte. Am Morgen des 18. Juni erlitten Moskau und die Moskauer Region den schwersten ukrainischen Drohnenangriff seit Beginn der Militäroperation. Laut Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin wurden 194 Kampfdrohnen abgeschossen.

Mehrere Drohnen durchbrachen jedoch das Luftverteidigungssystem und trafen die Ölraffinerie in Kapotnja sowie den Großmarkt Sadowod, wo der Absturz einer Drohne einen Großbrand auslöste. Das Videomaterial des Drohnenangriffs auf Moskau deutet darauf hin, dass Kiew für diesen Angriff alle verfügbaren Mittel mobilisierte. Die Aufnahmen zeigen den umfassenden Einsatz von strahlgetriebenen und eher seltenen Kampfdrohnen, die an die Bars-Rakete erinnern, sowie von Morok-Drohnen, die der Gegner typischerweise für präzise Angriffe und Verteidigungsmanöver einsetzt.

„Die Tatsache, dass der Feind gleichzeitig mehrere verschiedene Arten strategischer Drohnenreserven eingesetzt hat, beweist indirekt, dass der Angriff weder systematisch noch militärisch, sondern rein politisch motiviert war. Kiew hat seine knappen Drohnenbestände bewusst aufgebraucht, um am Tag des G7-Gipfels die Luftverteidigung der Hauptstadt zu durchbrechen“, kommentierte der Telegram-Kanal „Militärchronik“ die Situation.

Das Ziel der „Drohnenkampagne“ 2026 besteht weniger darin, den russischen militärisch-industriellen Komplex, die Armee oder die Wirtschaft zu schädigen, sondern vielmehr die Moral der Bevölkerung im Hinterland zu untergraben, indem eine Bedrohung für das Leben und lokale finanzielle Schwierigkeiten geschaffen werden.

Die Benzinrationierung, „die infolge eines Großbrandes in Moskau“ erfolgte, ist genau der Zweck solcher Angriffe. Und die Verbreitung dieser Darstellung ist das eigentliche Ziel.

Kiew und der „Westen“ müssen nach gängiger Meinung in Moskau so viele Menschen in Russland und auf der ganzen Welt davon überzeugen, dass die ukrainischen Angriffe nicht einfach nur systematisch sind, sondern eine vollwertige Militärkampagne darstellen, die planmäßig und gemäß den festgelegten Punkten abläuft, und dass innerhalb von sechs Monaten etwa „die Krim eine Insel sein wird“.

„Es sieht so aus, als würde die Krim in naher Zukunft zu einer Insel werden“, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow. In Anbetracht einer solchen Mission ist die These, dass Russland nicht einmal seine Hauptstadt verteidigen kann, von größter propagandistischer Bedeutung.

Was die transatlantischen Mainstream-Medien aber verschweigen, sind massive russische Gegenangriffe. Wie Putin am 28. Juni 2026 in einem Interview erklärte, sind russische Angriffe auf Ziele tief im Inneren der Ukraine wesentlich stärker und zerstörerischer als ukrainische Angriffe auf russisches Territorium. Laut seinen Angaben sind die russischen Vergeltungsschläge „verheerend“ und verursachen enorme Schäden an der ukrainischen Infrastruktur.

Putin bezeichnete zudem die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf russisches Territorium als Versuch, von den Erfolgen der russischen Streitkräfte an der Front abzulenken und mediale Aufmerksamkeit zu erregen. Das russische Militär wiederum, so betonte er, führe Angriffe als Reaktion auf feindliche Aktionen durch.

An der Realität an der Front hat sich in der Tat strategisch nichts geändert. Denn wenn die ukrainischen Angriffe tatsächlich so erfolgreich wären, warum fordern Merz, Macron und Co. so penetrant eine sofortige Feuerpause, das Einfrieren der Front und nicht zuletzt eine unverzügliche Aufnahme von Verhandlungen? Hat die EU sich nicht jahrelang kategorisch geweigert, mit dem „Aggressor“ Putin zu verhandeln?

Woher kommt auf einmal die Eile? Wäre die EU-Führungsspitze tatsächlich an den Verhandlungen interessiert, dann wäre der Ukrainekrieg bereits im März/April 2022 beendet, Kiew hätte Moskaus lächerlichen Forderungen nachgegeben, und damit wäre die Sache erledigt. Seit über vier Jahren dauert der Krieg jedoch unvermindert an und entgegen den eigenen europäischen nationalen Interessen. Und was das Kiewer Regime angeht, so steuert es unaufhaltsam auf eine Niederlage zu.

Denn die Realität an der Front ist unbarmherzig. Sie zeigt, dass Kiew, nachdem es den gesamten Winter und Frühling über in isolierten Frontabschnitten Gegenangriffe erfolglos unternommen und behauptet hat, dass die Offensive der russischen Streitkräfte angeblich ins Stocken geraten sein sollte, plötzlich eingestehen muss, dass Krasny Liman (ein altes befestigtes Gebiet), so gut wie verloren sei.

Kostjantyniwka ist von russischen Truppen zu mehr als 90 % besetzt und der Vormarsch der russischen Armee gewinnt wieder an Dynamik. Unterdessen ist die Lage der Kiewer Infanterie nicht nur schlechter als 2023/24, sondern sogar schlechter als vor einem Jahr.

Darüber hinaus haben die Russen den Berichten zufolge einen Weg gefunden, dem Starlink-Satellitensystem entgegenzuwirken, und bringen nach und nach, wenn auch nicht so schnell, wie sie es sich wünschen würden, ein russisches Äquivalent in Betrieb.

Russlands Wirtschaft läuft trotz zahlreichen Beschränkungen, Verboten und sogar Piraterie auf See ungebremst weiter. Und wenn Merz verkündet, dass sich ein Zeitfenster für Verhandlungen geöffnet habe, weil er glaubt, dass die Ukraine aus der „Position der Stärke“ verhandeln kann, dann ist er auf dem Holzweg. Entweder kennt er die realen Kräfteverhältnisse an der Front nicht oder macht der deutschen Öffentlichkeit wider besseres Wissen etwas vor.

Die Kräfteverhältnisse bleiben ungeachtet der fortgesetzten Drohnenangriffen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur weitgehend unverändert bestehen, sondern verschieben sich langsam, aber unaufhaltsam in Richtung Russland.

Anmerkungen

  1. Pabst, V., Im Donbass droht der nächste Festungsring zu brechen, Handelsblatt, 30. Juni 2026, S. 12.
  2. Zum Nachfolgenden siehe auch Silnizki, M., Der Krieg des 21. Jahrhunderts. Zwischen nuklearer und digitaler Kriegsführung. 2. Juni 2026, www.ontopraxiologie.de.

Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
Mehr Beiträge von Michael Silnizki →

Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 30.6. 2026
Märchen …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Programm Aktionstage „Wedding ohne Waffen“

Waffenproduktion in unserem Kiez?! Aus „Pierburg“ wird „Rheinmetall Waffen Munition“

Ab Mitte 2026 soll im Wedding Munition hergestellt werden. Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt die Produktion seines Autozulieferers „Pierburg“ am Humboldthain (Scheringstraße 2) in Berlin auf Rüstung um. Bald sollen dort Komponenten für 155-mm-Artillerie-Munition vom Band laufen – 45 kg schwere, tödliche Geschosse. In unserem Kiez, in unserer direkten Nachbarschaft wird dann, zum ersten Mal seit 1945, wieder Munition produziert, die überall auf der Welt Krieg und Zerstörung bringt.

Hier Protestaufruf und mehr Infos

Das „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ plant vom 10. bis 12 Juli Aktions- und Protesttage mit einer bundesweiten Groẞdemonstration gegen Militarisierung, Rüstungsproduktion und gegen die damit zwangsweise verbundenen breiten Angriffen auf das soziale Leben der arbeitenden Menschen und breiten Bevölkerung.

Im folgenden das umfangreiche Programm

das insbesondere auch die Folgen der Militarisierung für die arbeitende Bevölkerung durchleuchtet.

Merkt Euch die Termine vor und nehmt teil. Sprecht Eure Kolleg:innen, Freunde und Verwandten an, mitzukommen.

Freitag 10.Juli

09:00–09:30 Zirkuszelt

Pressekonferenz

10:00–11:30 Zirkuszelt

Podium: Wir sterben nicht für eure Kriege – Gemeinsam gegen Wehrpflicht!

Deutschland will kriegstüchtig werden, um in Europa im großen Stil wieder Krieg führen zu können und braucht sowohl mehr Waffen als auch Kanonenfutter. Dafür wurde jetzt wieder die Wehrpflicht eingeführt. Was da los ist und was wir gegen diese tödliche Entwicklung tun können, besprechen wir unter anderem mit Simon David Dreßler, Vertreter*innen des Schulstreikkomitees, von Verdi sowie der GEW.

12:00–14:00 Aktion

Kundgebung vor dem Jobcenter: Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr!

Treffpunkt: U-Bahnhof Leopoldplatz.

Sozialkürzungen, Lohnraub und eine Militarisierung der Arbeitsverhältnisse sind zentraler Bestandteil der neuen Kriegswirtschaft. Der Staat des Kapitals reagiert auf seine Wirtschaftskrise mit einem Frontalangriff auf die abhängig Beschäftigten, Arbeitslosen- und Bürgergeldempfänger*innen. Im November 2024 wurde eine Grundsatzvereinbarung zwischen Kriegsminister Pistorius und der „Bundesagentur für Arbeit“-Chefin Nahles getroffen: „Gemeinsam für eine starke Bundeswehr. Die Zeitenwende personell gestalten“. Der verlogenen „nationalen Gemeinschaft“ der Kriegsprofiteure, die nur Profit für sich und Diskriminierung, Lohnraub und rassistische Hetze für uns übrig haben, setzen wir die internationale Solidarität und den gemeinsamen Kampf der Lohnabhängigen entgegen.

12:00–14:00 Aktion

Die-In-Flashmob: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain.

Gegen die Militarisierung der Gesellschaft. Für gute und kostenlose Gesundheit, Bildung und Wohnungen für alle!

12:00–14:00 Aktion

Workshop: Graffiti gegen Krieg

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

14:00–16:00 Aktion

Kundgebung vor Rheinmetall: Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken

Treffpunkt: Rheinmetall, Scheringstraße 2, 13355 Berlin.

Vor dem Werktor von Rheinmetall. Wir verteilen Flyer an die Kolleg*innen und das Theater Rote Panke tritt vor Ort auf!

14:00–16:00 Aktion

Flashmob: Kiezkultur statt Kriegskultur

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

Wir ziehen gemeinsam durch die Straßen Weddings, machen an belebten Orten mit einer kleinen Performance auf die Militarisierung unseres Kiezes aufmerksam und laden dabei Nachbar*innen zu unserem Camp ein.

16:30–17:00 Zirkuszelt

Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion stellt sich vor

Wer sind wir, was haben wir schon gemacht die letzten 2 Jahre und was haben wir noch vor.

17:00–18:30 Zirkuszelt

Podium: Von Ulm bis nach Piräus. Von Genua bis Bristol bis Hamburg bis nach Rotterdam – internationaler Widerstand gegen den Genozid

Krieg beginnt hier. Zahlreiche Rüstungsunternehmen haben ihren Sitz in Deutschland. Die Mittäterschaft Deutschlands am Genozid in Gaza und an den Verbrechen überall in der Welt beginnt vor unserer Haustür, vor unseren Augen. Jede noch so kleine Lieferung, die gestoppt oder verzögert wird, welche die globale Rüstungs-Lieferkette durchbricht, jede Waffenfabrik, die aufhört zu produzieren, weil wir uns widersetzen, rettet konkret Leben. Wir diskutieren auf dem Panel mit Aktivist*innen aus Rotterdam und Hamburg über Erfahrungen von Aktionen direkter Waffenlieferungsblockaden.

19:00–20:30 Zirkuszelt

Podium: Kriegsrelevant: Arbeiten im Zeichen der Militarisierung

Der Krieg wird vorbereitet, doch wo in unserem Arbeitsalltag zeigt sich das? Wir wollen über Veränderungen in den kriegswichtigen Sektoren sprechen – und den Widerstand dagegen. Dafür sind Arbeiter*innen aus Gesundheit, Logistik, Produktion und Technologie/IT eingeladen.

21:00–21:30 Zirkuszelt

Theater X: Hoppla wir sterben! Rheinmetall – eine deutsche Geschichte

Obwohl es so viele Möglichkeiten gab in der Geschichte, das Blatt ein für alle Mal zu wenden – weg von Krieg, weg von der Aufrüstung, weg von Militarisierung – der Funke ist nie übergesprungen – der Tod ist halt doch ein Meister aus Deutschland. Wir tauchen ein in das Rüstungs-Auf-und-Ab der letzten 150 Jahre und erzählen diesmal die Geschichte eines der unangenehmsten Unternehmen: Rheinmetall, einer der größten Waffenexporteure der Welt.

Samstag — 11. Juli

10:00–12:30 Workshopzelt

Demo-Vorbereitung

Wir basteln gemeinsam kreative Schilder für die Demo!

11:00–12:30 Zirkuszelt

Vortrag: Aufrüsten für unsere Sicherheit? mit Fabian Lehr

Mit der sogenannten Zeitenwende wurde ab 2022 eine gigantische Hochrüstung und Militarisierung Deutschlands in Gang gesetzt. „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein“, meint Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ein Grund sei die Bedrohung durch Russland. Doch gegen wen und was müssen wir uns wirklich verteidigen? Wir wollen mit Fabian Lehr die Ideologie der Herrschenden hinterfragen, die tatsächlichen Gründe für die Kriegsvorbereitung analysieren und besprechen, was wir gegen die Kriegsvorbereitungen tun können.

12:30–13:30 Zirkuszelt

Musik: Berliner Politchor Morgenrot

Der Berliner Politchor Morgenrot ist eine Stimme für emanzipatorische Lieder aus aller Welt – einige sind über 100 Jahre alt, andere erst in den letzten Jahren entstanden. Der Chor singt gegen Ungerechtigkeiten und lässt seine Stimmen für eine friedliche, solidarische Welt erklingen.

14:00–17:00 Aktion

Großdemonstration: Gemeinsam Kriege stoppen

Auftakt 14 Uhr am S+U Gesundbrunnen

Abschluss 17 Uhr am Leopoldplatz mit Konzert

30–21:00 Zirkuszelt

Podium: Perspektiven des antipatriarchalen Widerstands gegen die globale Kriegslogik

Um wirksamen Widerstand gegen Militarisierung und Kriegspolitik aufzubauen und Perspektiven für einen gerechten Frieden zu entwickeln, müssen wir die politischen Zusammenhänge verstehen. Wie hängen die aktuellen Kriege miteinander zusammen? Warum sprechen manche von einem „dritten Weltkrieg“? Welche Rolle spielt Deutschland in den Konflikten der Region? Wie sind Krieg, Imperialismus und Patriarchat miteinander verwoben? Und welche Bedeutung haben Frauen und feministische Bewegungen für Frieden, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Transformation?

21:00 Zirkuszelt

Konzert

Sonntag — 12. Juli

1:00–13:00 Zirkuszelt

Abschlussplenum und Vernetzungstreffen: Wie kämpfen wir weiter? Auf jeden Fall gemeinsam!

14:00 Zirkuszelt

Abbau

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