Trumps Deal für einen „friedlichen und blühenden“ Nahen Osten?

Helga Merkelbach analysiert in ihrem Beitrag die Details von Trumps 20-Punkte-Plan und dessen Umfeld. Wenn wir die kenntnisreichen und sehr sachlich gehaltenen Ausführungen genau lesen, lässt sich aus unserer Sicht eigentlich nur folgendes Fazit ziehen: Stopp des Mordens und „Zugang zu Hilfsgütern“ würde unmittelbar den Menschen in Gaza helfen. Aber geschieht das wirklich?

Kommt zu UNITED FOR GAZA – Berlin 11.Oktober

Letzte Meldung Freitag 10.Oktober 12 Uhr: noch Stunden nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens gab es von Israel massiv Bombenangriffe und Artillerie Feuer in Gaza Stadt und Khan Younis (MEE)

Der Trumpplan bedeutet mittel- und langfristig keinen tragfähigen Frieden, sondern die Verstetigung des Unrechts gleich einem Friedhof mit Totenstille. Von überall im Westen und Nahost stehen Investoren in den Startlöchern. Über den vergessenen Gräbern Kapitalsmus in voller Blütenpracht. Es ist zu befürchten, dass alle Palästinenser:innen, die nicht getötet oder vertrieben wurden, zu rechtlosen Arbeitssklav:innen degradiert werden. Von Selbstbetimmung der Palästinenser:innen keine Spur. Ebenso bleibt oder kommt die Westbank endgültig unter den Hammer! Auch Friedrich Merz liebt die Stille: „ich hoffe, daß auf unseren Strassen jetzt endlich wieder Ruhe einkehrt“. Wir werden ihm diesen Gefallen nicht tun wollen. (Peter Vlatten)

05.10.25 – Helga Merkelbach, Pressenza

Trumps 20-Punkte-Plan (am 27.9.25 veröffentlicht) wird von Politiker:innen in aller Welt als Lösung für den Gazakrieg gelobt, als Basis für einen künftig friedlichen und blühenden Nahen Osten. Manch andere halten ihn lediglich für eine weitere Selbstinszenierung und Profilierung von Trump für den Friedensnobelpreis. Palästinensische Menschen und die friedensbewegte internationale Zivilgesellschaft haben Bedenken hinsichtlich des Inhalts des Plans.

Es ist in meinen Augen wichtig, sich einmal die einzelnen Punkte dieses Plans genauer anzuschauen:

Ursprünglich enthielt er 21 Punkte, doch Netanjahu hat bereits Trumps Wunsch entsprochen, sich bei Katar für den Angriff auf die Hamas in Doha, die Tötung eines katarischen Soldaten entschuldigt und gelobt, so etwas nicht wieder zu tun – und damit diesen Punkt obsolet gemacht. Hintergrund hierfür ist, dass die USA großen Wert auf gute Beziehungen zu Katar legen, denn US-Firmen sind an der Ausbeutung des größten Gasfeldes der Welt im Persischen Golf beteiligt, das sich der Iran und Katar teilen. Auch den 12-Tage-Krieg Israels gegen den Iran beendete Trump mit einem Machtwort, nachdem der Iran (mit Ankündigung) Raketen über den Persischen Golf hinweg auf den größten US-Stützpunkt im Nahen Osten in Katar abschoss.

Unterschiedliche und ungleiche Erwartungen an die Hamas und an die israelische Regierung

Der 20-Punkte-Plan liest sich eher wie ein Ultimatum an die Hamas. Von ihr wird erwartet:

Punkt 1. Die Entradikalisierung Gazas

Punkt 4. Die völlige Freilassung der Geiseln

Punkt 6. Hamasmitgliedern, die ihre Waffen abgeben und sich zu friedlicher Koexistenz bekennen wird Amnestie gewährt; Hamasmitgliedern, die Gaza zu verlassen wünschen, wird sicheres Geleit zugestanden.

Punkt 17. Sollte die Hamas diesen 20-Punkte-Plan nicht annehmen oder auch nur später als innerhalb der gesetzten Frist von wenigen Tagen, wird der Plan nur in den sogenannten terrorfreien Gebieten umgesetzt, also in den Enklaven, in welche die Palästinenser:innen zusammengedrängt wurden.

Mit US-Unterstützung würde weiter versucht, die Hamas völlig zu vernichten. Für die Bevölkerung von Gaza würde das fortgesetzte Zerstörung, Vertreibung, Traumatisierung und Tod bedeuten. Sie würde dabei in Al Mawasi auf immer enger werdendem Raum zusammengedrängt.

Erst wenn die Hamas die genannten Bedingungen erfüllt hat, soll Israel in Gesamtgaza in folgender Weise reagieren:

Punkt 3. Rückzug der Armee in Etappen, ohne zeitliche Vorgaben.

Punkt 5. Freilassung von 1700 seit dem 7.10.23 gefangen genommenen Palästinenser:innen (inklusive Frauen und Kinder) sowie von 250 zu lebenslanger Haft Verurteilten und der Überstellung von Getöteten.

Punkt 15. Für langfristige Sicherheit in dem Gebiet soll eine International Stabilization Force (ISF) geschaffen werden, angeführt von den USA und in Kooperation mit arabischen und internationalen Partnern.

Punkt 16. Hier wird einfach behauptet, dass Israel darauf verzichten wird, Gaza zu besetzen oder zu annektieren.

Punkt 7. Zulassen von Hilfsleistungen, mindestens in der Form, wie es am 19.1.25 im Zuge des Waffenstillstandsabkommens vereinbart worden war.

Punkt 8. Verteilung der Hilfsgüter durch die UN, den Roten Halbmond und anderen internationalen Institutionen, wobei der Zugang nur über Rafah, wie in der Waffenstillstandsvereinbarung vom 19.1.25 vereinbart, zu geschehen hat.

Festzuhalten ist, dass zurzeit Israel ca. 40 % der bereitstehenden Hilfsgüter nicht nach Gaza hineinlässt. Die von Israel als sicher erklärte humanitäre Zone Al Mawasi ist überfüllt; und sicher vor israelischen Angriffen sind die Palästinenser:innen auch dort nicht. Hilfsgüter werden schon beim Transport von Bedürftigen geplündert.

Die Verweigerung von Versorgung der Bevölkerung wird in Trumps 20 Punkten weder angeprangert noch von Israel gemäß internationalem Recht eingefordert.

Israel werden (anders als der Hamas) keine Konsequenzen angedroht, sollte es den Bedingungen nicht Folge leisten. Die UN wird in keiner Weise mit einbezogen – tatsächlich ein „Schlag ins Gesicht“ dieser Organisation mit ihren seit der Generalversammlung von 2024 verstärkten Bemühungen um eine Friedenslösung.

Eine Internationale Friedensregelung – oder eine US-dominierte?

Die UN hatte mit der New York Declaration on the Peaceful Settlement of the Israeli-Palestinian Conflict eine international ausgehandelte Roadmap vereinbart, die von der UN Generalversammlung am 22.9.25 mit 142 Stimmen angenommen wurde, bei 10 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen. Israel und die USA hatten dagegen gestimmt. In den 20 Punkten von Trump wird sich auf die New York Erklärung lediglich als „französisch-saudische Initiative“ bezogen und in einem Atemzug mit seinem Friedensplan von 2020 genannt und diesem gleichgestellt.

In Punkt 9. wird von Trump festgelegt, dass Gaza von einer vorübergehenden Übergangsregierung eines technokratischen und unpolitischen Komitees, bestehend aus palästinensischen Fachkräften und internationalen Experten, verwaltet werden, welches die alltäglichen öffentlichen Dienste am Laufen erhält, und das unter der Aufsicht und Kontrolle einer neuen internationalen Übergangsbehörde steht, dem sogenannten Board of Peace, deren Vorsitz Präsident Trump übernehmen wird. Dieser Friedensrat setzt dann den Rahmen und gibt die Finanzierung für ein Wiedererschließungsprogramm vor.

Die Zukunft Gazas

In Punkt 10. wird verlautbart, dass ein Wirtschaftsentwicklungsplan zum Wiederaufbau und zur Belebung des Gazastreifens durch eine von Trump einberufene Expert:innengruppe erstellt werden soll, welche bereits zur Entstehung einiger florierender moderner Wunderstädte im Nahen Osten beigetragen habe.

Das erinnert fatal an Netanyahus Plan „Gaza 2035“ (vom Mai 2024), den Trump Plan „Vom Frieden zum Wohlstand“ (vom 28.1.2020) sowie an Trumps Ausführungen zu den sogenannten „Riviera“-Vorstellungen (ab Februar 2025), die auf Prof. Joseph Pelzmans „An Economic Plan for Rebuilding Gaza: A BOT Approach“ vom 21.7.2024 beruhen.

Netanyahus Vorstellung für die nächsten 5 bis 10 Jahre sah ein multilaterales Gremium vor, das eine Art Marshallplan umsetzt, unter Führung durch die USA und mit Beteiligung arabischer Staaten und Ägyptens. Direktinvestitionen in deren Volkswirtschaften und finanzielle Anreize sollten diese Länder von der Idee begeistern. – Vor Bekanntmachen der Trumpschen 20 Punkte hatte der US-Präsident sich u.a. mit Führern von acht mehrheitlich muslimischen Ländern getroffen, darunter auch die Türkei, Pakistan und Ägypten. Trump versicherte, er werde eine Annexion der Westbank nicht zulassen; die besetzten palästinensischen Gebiete (Ostjerusalem und Westbank) werden im 20-Punkte-Plan jedoch mit keiner Silbe erwähnt. Auf dem Treffen am 22. September 2025 getroffene diesbezügliche Abmachungen wurden nicht öffentlich bekannt gegeben.

Der renommierte US-amerikanische Thinktank Carnegie Endowment for International Peace hat vier verschiedene Zukunftspläne für Gaza analysiert und mit wenigen Schlagworten charakterisiert: „Destruction, Disempowerment, and Dispossession: Disaster Capitalism and the Postwar Plans for Gaza“ (Zerstörung, Entmachtung der Palästinenser:innen und Landnahme: Katastrophenkapitalismus und die Nachkriegsplanung für Gaza). Palästinensische Selbstbestimmung und Souveränität, sowie lokale Handlungsfähigkeit würden weitaus eher für einen nachhaltigen Frieden sorgen.

Vor allem Saudi-Arabien hat unter dem erweiterten Gazakrieg wirtschaftlich gelitten. Das Rote Meer war wegen des Krieges zwischen den jemenitischen Huthis und Israel nicht sicher; die Luxusorte im Rahmen des geplanten saudischen Megaprojekts NEOM wurden von Tourist:innen gemieden. Saudi-Arabien reduzierte sein NEOM-Vorhaben (Wohnstadt, Hafen, Industriezone, Luxusferienorte) und legte seine Pläne von einem Land mit zukunftsweisenden Energieprojekten erst einmal auf Eis. Wenn die Trumpschen Punkte umgesetzt werden, kann Saudi-Arabien seine Vorstellungen für die Zukunft wieder aufgreifen und obendrein in eine Gaza-„Wunderstadt“ mitinvestieren.

Netanyahus Gaza 2035 nennt als Vorteil für die palästinensische Bevölkerung massive Beschäftigungsmöglichkeiten. – Dem entspricht Trumps gegenwärtiger Plan voll und ganz. Er sieht nicht mehr, wie Anfang 2025 für eine neue „Riviera“, die völlige Vertreibung der Bevölkerung Gazas vor, sondern in Punkt 12. lediglich freiwillige Emigration mit zugestandener Rückkehrmöglichkeit.

Explizit sieht Trump für Gaza in Punkt 11. eine Sonderwirtschaftszone mit Vorzugszöllen und Zugangsgebühren vor, welche mit den teilnehmenden Ländern auszuhandeln sind.

Der Netanyahu-Plan nannte Gaza einen Dreh- und Angelpunkt für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Ein regionales Industrieproduktionszentrum für die Herstellung von Elektrofahrzeugen solle entstehen und China Konkurrenz machen. Energie käme aus dem Gaza Marine Gasfeld und von Solarfeldern, Rohstoffe (Metalle) aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Märkte ständen in Richtung Europa ebenso offen wie in Richtung der Golfstaaten und nach Asien.

In diesem Zusammenhang ist zu sehen, dass am 9. September 2023 (also vor dem 7. Oktober 2023) während des G20-Gipfels 2023 auf Initiative der USA in Neu-Delhi bereits eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zu einem geplanten India-Middle East-Europe Economic Corridor (Wirtschaftskorridor zwischen Indien, über den Nahen Osten nach Europa, IMEC) von den Regierungen Indiens, der Vereinigten Staaten, der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und der Europäischen Union unterzeichnet worden war. Schon kurz nach seinem Amtsantritt besuchte der indische Premierminister Modi Trump in Washington und zum Abschluss ihrer Gespräche erklären sie, dass sie diesen voranbringen wollen. Die Umsetzung von IMEC ist wegen des Gazakrieges bis jetzt noch nicht erfolgt; bzw. bietet sich durch die Zerstörung von Gaza über einen dortigen Wiederaufbau eine Alternative zum Hafen von Haifa oder Ashdod an. Die Route über den Persischen Golf (eine noch zu bauende Bahnlinie, neu zu legende Gasleitungen und Kommunikationsstränge) soll dann der Belt and Road Initiative („neue Seidenstraße“) von China über das Rote Meer und dem Suezkanal Paroli bieten.

Schaut man sich also an, von wem dieses MoU zu IMEC unterzeichnet wurde, wird verständlich, dass westeuropäische Länder ebenso wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Trumps Plan begrüßen. Selbst Frankreich und Saudi-Arabien, die sich ein Jahr lang im Rahmen der UN um einen Weg zum Frieden angestrengt haben, insistieren nicht auf die New York Erklärung als weitergehenden Weg zu einem gerecht(er)en und nachhaltig(er)en Frieden. Die Verwirklichung von IMEC ist profitabler.

Selbstbestimmung und Frieden?

Während die New York Erklärung die Palästinensische Autonomiebehörde im Friedensprozess einbezog, zeigte Trump schon mit der Einreiseverweigerung von Präsident Abbas zur UN-Generalversammlung, dass er nicht nur die Hamas von der Gestaltung eines unabhängigen palästinensischen Staates ausschließt, sondern Palästinenser:innen überhaupt nicht auf dem Weg zum Frieden eingeplant sind (außer als ausführende Technokrat:innen oder Arbeiter:innen).

So verspricht Trump in Punkt 19, dass, wenn die Wiedererschließung Gazas gelaufen ist (Netanjahus Projekt Gaza 2035 sah dafür, wie oben schon erwähnt, 5 bis 10 Jahre vor) und wenn die Palästinensische Autonomiebehörde in gewünschter Weise reformiert sei, dann die Bedingungen erfüllt sein könnten für einen glaubwürdigen Weg zur Schaffung eines palästinensischen Staates und für Selbstbestimmung.

In Punkt 18 wird ein interreligiöser Dialogprozess angesprochen, der Denkweise und Narrative von Palästinenser:innen und Israelis verändern könne. Als ob es bei dem Konflikt in erster Linie um einen religiösen Konflikt ginge!

Die USA verbriefen sich in Punkt 20, einen Dialog zwischen Israel und den Palästinenser:innen zu etablieren, der einen politischen Horizont für friedliche und prosperierende Koexistenz anvisiert. Nicht einmal hier ist von einem palästinensischen Staat die Rede, nur von einem Israel, dem palästinensische Menschen gegenüberstehen.

Anders als in der New York Erklärung fehlt jedwede Beteiligung von Zivilgesellschaft am Friedensprozess. Die USA und ganz besonders Präsident Trump werden es schon richten – und die Welt wird sich anschauen können, was sie, unter dem Beifall Israels und westlicher sowie arabischer Staaten anrichten.

Der Beitrag von Helga Merkelbach wurde 5.1025 in Pressenza veröffentlicht. Wir danken für die Publikationsrechte.

Titelbild: Trump stellt seinen „Friedensplan“ gemeinsam mit Netanjahu vor (eldiariodesanluis.com)

Helga Merkelbach ist pensionierte Lehrerin, Aktivistin für Frieden, Gender-Gerechtigkeit, Klima/Umwelt/Natur und Menschenrechte. Sie hat viele Länder bereist, in Großbritannien, Äthiopien und Brasilien auch gelebt, Menschen vor Ort in ihrer Lebenslage kennengelernt, so dass ihr Engagement zur persönlich untermauerten Herzenssache geworden ist.

„Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden“ – Gewerkschafter:innen zeigen Gesicht !

In der Presseerklärung des Vorbereitungskreises „Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden“ zu den Demonstrationen in Berlin und Stuttgart am 3.Oktober 2025 heisst es:

Friedensbewegung setzt deutliches Zeichen gegen die zunehmende Kriegsgefahr und Militarisierung der Gesellschaft. Vereint gegen Völkermord, soziale Verrohung und Sozialabbau und für das Ende von Kriegen und Hass.

20.000 Menschen in Berlin und 15.000 in Stuttgart haben heute ihr Bekenntnis für Frieden und Diplomatie, gegen Krieg und Hochrüstung auf die Straße getragen. Der Vorbereitungskreis „Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden“ vereinte erfolgreich eine gewachsene soziale und politische Opposition gegen die Hochrüstungspläne und die Verschuldungspolitik der Bundesregierung. Eine Widerstandsbewegung, die sich gegen den sozialen Kahlschlag wehrt, der mit der hochgefährlichen Aufrüstung der Bundesregierung einhergeht, weil das Geld für marode Schulen, den Öffentlichen Nahverkehr, das Gesundheitswesen, die Kultur sowie Klimaschutz und globale Entwicklung gebraucht wird.

Die Rednerinnen und Redner stellten sich entschieden gegen die Aufrüstungspläne der Bundesregierung, verurteilten die Mitschuld Deutschlands am israelischen Völkermord in Gaza, sprachen sich gegen die Wehrpflicht aus, lehnten die erwartete Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland ab und forderten Diplomatie statt Waffenlieferungen. (…) „

Unser Eindruck als Gewerkschaftliche Linke war: viele der Teilnehmenden sind durch den Völkermord in Gaza ziemlich desillusioniert. Der Westen baut seine militärische Überlegenheit und Kriegsmacht gewaltig aus, mit der Behauptung, sich „verteidigen“ zu müssen. Der Völkermord in Palästina zeigt, dass diese Kriegsmacht nicht dem Schutz von Menschen- und Völkerrecht dient, im Gegenteil sie wird zur Unterstützung einer kriegsverbrecherischen imperialen Politik eingesetzt. Es geht um die Durchsetzung geopolitischer Interessen des Kapitals, auch mit den barbarichsten Mitteln. Krieg und Rüstung wachsen zu einer gigantischen Profitmaschinerie heran. Es entsteht ein militärisch-industrieller Komplex, der sich wie eine unersättliche Krake in alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft frisst. Zulasten sozialer Belange, auf Kosten von Bildung und Kultur, zulasten von Umwelt und Gesundheit. Es geht nicht um unsere Freiheit. Es geht nicht um unsere Sicherheit und schon gar nicht um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

Schon am 27.9. auf der Demonstration „Alle zusammen für Gaza“ machten Mitglieder aus Berlin mit einem eigenen gewerkschaftlichen Block deutlich sichtbar, dass sich deutsche Gewerkschafter:innen mit den Menschen in Gaza solidarisieren und endlich Konsequenzen fordern! Und viele haben verstanden, dass dieser Protest sich verstetigen und ständig wachsen muss.

Impressionen, Block der Gewerkschafter:innen Berlin & Hamburg „Nie wieder kriegstüchtig“, Berlin 3.Oktober 2025

Am 3. Oktober auf der zentralen Friedensdemonstration in Berlin haben sich erneut hunderte von Gewerkschafter:innen – GEW, IG BAU , ver.di, IG Metall – von Berlin und Hamburg gegen den aktuellen deutschen Kriegs- und Großmachtkurs zusammengeschlossen. Neben den Forderungen gegen die Militarisierung der ganzen deutschen Gesellschaft brachten sie auch wieder ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza zum Ausdruck.

Ohne Frieden ist alles nichts. Der Kriegskurs untergräbt Stück für Stück unsere gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften. Und Solidarität, auch internationale Solidarität ist die DNA, mit der wir alle unsere Errungenschaften erkämpft haben. Solidarität, das ist gelebtes Menschenrecht. Nur damit lässt sich etwas verändern.

Die Botschaften insbesondere unserer jungen Kolleg:innen waren deutlich: „Wir wollen Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze.“ „Wir sind hier und sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“. Und alle zusammen: „Hoch mit den Löhnen, runter mit der Rüstung“, „100 Milliarden mehr für Bildung und Gesundheit“ und ohne Illusionen: „Siemens, Rheinstahl, Deutsche Bank – der Hauptfeind steht im eigenen Land“. Immer wieder „Hoch die internationale Solidarität.“

Auf der parallel stattfindenden Friedenskundgebung in Stuttgart sprach ver.di Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger. Man wolle „ein unübersehbares deutliches Zeichen setzen für Frieden und gegen Hochrüstung und Kriege“.

Die Zeiten sind nicht zum Ausruhen. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn wir zusammenkommen und wachsen!

Vor allem aber auch: schließen wir uns zusammen mit den Kolleg:innen in den Betrieben, Schulen, Büros……

Kommt am 11. Oktober zu United for Gaza!

Kommt am 12. Oktober zum Berliner Antimilitarismusprotest GELD FÜR DEN KIEZ – STATT WAFFEN FÜR DEN KRIEG

Generalstreik in Italien – „Schützt die Flottila“ – „Stoppt den Völkermordstaat Israel“ – „Freiheit für alle Verschleppten“!

Vor der Gazaküste ging Israel in die volle illegale gewaltsame Konfrontation gegen die „Global Sumud Flotilla“ über. Inzwischen wurden mindestens 41 Schiffe von der israelischen Armee geentert, ca. 400 der Menschenrechtsaktivist:innen aus 44 Nationen wurden verschleppt.

Inzwischen sollen alle Schiffe gestürmt und die Besatzungen eingekerkert worden sein.

IDF entert das Schiff und bedroht die Besatzung ( aus dem Livestream)

Unklar ist, was mit den Besatzungen passiert: In der Vergangenheit wurden Aktivist*innen nach Israel verschleppt und abgeschoben, zuletzt drohten israelische Regierungsvertreter sogar mit Haft und Behandlung als „Terroristen“. Minister Ben Gvir drohte ihnen indirekt Folter an. Die Erfahrungen mit dem rechtsextremen zionistisch-israelischen Regime keine leeren Drohung sein müssen. „Live-Streams und Kommunikation wurden unterbrochen. Der Status der Teilnehmer und der Besatzung ist weiterhin unbestätigt.“

Die mehr als 500 Aktivistinnen und Aktivisten aus 44 Ländern befanden sich auf etwa 50 Booten kurz vor dem Gazastreifen. Ihr erklärtes Ziel: „Israels illegale Belagerung des Gazastreifens zu durchbrechen“ und Lebensmittel, Trinkwasser sowie Medikamente zu den Menschen zu bringen. Eine Aktion gegen Krieg, Hunger und Zerstörung. Eine Aktion, die ein Zeichen setzen soll gegen Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen. Eine Aktion, die man von jeder westlichen Regierung, wenn man ihre Lippenbekenntnisse ernst nehmen könnte, erwarten können müßte. Denn Israels Seeblockade ist illegal und verbrecherisch. Die westlichen Regierungen hätten alles Recht der Welt, aber auch die Macht, diese illegale Blockade zu durchbrechen und aufzuheben. Faktisch erhält Israel – USA und Deutschland voran – von ihnen immer noch Unterstützung und Rückendeckung.

Es gilt das Statement der ITF (der internationalen Transportarbeitergewerkschaft) , um das sich Deutschlnd keinen Deut schert: „Das Seerecht ist eindeutig: Angriffe oder die Beschlagnahmung gewaltfreier humanitärer Schiffe in internationalen Gewässern sind illegal und inakzeptabel. Es geht nicht nur um Seeleute, sondern um die Sicherheit aller Menschen auf See, ob auf Handelsschiffen, humanitären Schiffen oder Fischerbooten. Staaten können sich nicht aussuchen, wann sie das Völkerrecht respektieren. Die Meere dürfen nicht zum Kriegsschauplatz werden.“

spontaner Protest in Paris

Rund um dern Erdball kam es zu spontanen Protestkundgebungen und Demonstrationen. In Berlin gleich nach Bekanntwerden des ersten israelischen Angriffs am Mitwoch Abend vor dem Hauptbahnhof, am Folgetag vor dem Auswärtigen Amt mit bis zu 1500 Teilnhemern. Auch nach zwei Jahren öffentlich verfolgbarer Massaker bleiben jedoch viele NGO’s ebenso wie die Gewerkschaften in Deutschland inaktiv bis „sprachlos“. Ganz anders in Italien, wo der größte Gewerkschaftsbund CGIL mit 6 Millionen gemeinsam mit den Basisgewerkschaften für den 3. Oktober zum Generalstreik aufgerufen hat. Oder Frankreich, wo die CGT und andere Gewerkschaften für den 3. und 4. Oktober ihre Landsleute zu 100 tausenden auf die Straße mobilisieren.

300.000 in Rom, 100.000 in Mailand, 150.000 in Bologna, 80.000 in Neapel, 20.000 in Brescia, Catania, Palermo, 50.000 in Genua,
20.000 in Livorno … Häfen, Autobahnen, Umgehungsstraßen und Bahnhöfe blockiert.
EINeinhalb Millionen Menschen in ganz Italien!!!

Der Streikaufruf der italienischen Basisgewerkschaft USB (Unione Sindacale Di Base) [1]https://www.facebook.com/photo/?fbid=1226920212800632&set=a.482103080615686 endet mit den Sätzen:

Von nun an rufen wir alle Arbeiter, alle Bürger, alle demokratischen und unterstützenden Organisationen dazu auf, alles stillzulegen: Produktion, Logistik, Transport, Schulen, Dienstleistungen, aus Protest gegen das von Israel begangene Kriegsverbrechen und gegen die Komplizenschaft westlicher Regierungen, einschließlich Italiens, die das zionistische Regime weiterhin mit Waffen und politischer Unterstützung versorgen.

Die Verteidigung der globalen Sumud-Flottille bedeutet, Freiheit, Frieden und die Würde der Arbeit und der Völker zu verteidigen.
Es bedeutet, Schluss mit dem Völkermord in Palästina zu machen und ein sofortiges Ende der Belagerung, der Besatzung, der militärischen Lieferungen und des Handels mit Israel zu fordern.

Der große Teil der Italiener ist empört

Italien muss jegliche militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Staat Israel einstellen, seine Häfen für Schiffe, die mit ihm Handel treiben, schließen, Industrieabkommen aussetzen und die Kriegswirtschaft stoppen.

Es ist Zeit, den Kopf zu erheben und sich für eine Seite zu entscheiden:
für diejenigen, die Zivilisten bombardieren, oder für diejenigen, die für ihre Befreiung kämpfen?
Wir stehen an der Seite der Flottille, an der Seite von Gaza, an der Seite des palästinensischen Volkes und an der Seite derjenigen, die Frieden schaffen.

Wir blockieren alles. Am 3. Oktober wird es einen Generalstreik geben.

Aber es tut sich was an der Basis der deutschen Gewerkschaften. Schon am 27.9. auf der Demonstration „Alle zusammen für Gaza“ machten Mitglieder aus Berlin mit einem eigenen gewerkschaftlichen Block deutlich sichtbar, dass sich deutsche Gewerkschafter:innen mit den Menschen in Gaza solidarisieren und endlich Konsequenzen fordern! Und viele haben verstanden, dass dieser Protest sich verstetigen und ständig wachsen muss. Nur so lässt sich etwas verändern. Am 3. Oktober auf der zentralen Friedensdemonstration in Berlin haben sich erneut hunderte von Gewerkschafter:innen von Berlin und Hamburg gegen den aktuellen deutschen Kriegs- und Großmachtkurs zusammengeschlossen. Neben den Forderungen gegen die Militarisierung der ganzen deutschen Gesellschaft brachten sie auch wieder ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza zum Ausdruck.

Hier unser ausführlicher Report aus Berlin
Alle Regierungen und internationale Institutionen werden aufgefordert, für die sofortige Sicherheit der Besatzungen Global Sumud Flotilla , die Freilassung der Verschleppten und für ein Ende der Gaza Blockade einzutreten!

Für alle Gewerkschafter:innen sollte das Statement des ITF-Generalsekretär Stephen Cotton Leitlinie sein: „Die ITF (internationale Transportarbeitergewerkschaft) steht in unerschütterlicher Solidarität an der Seite der Global Sumud Flotilla. Wir fordern Israel auf, das Völkerrecht zu respektieren, indem es der Global Sumud Flotilla sichere Durchfahrt gewährt und die Kriminalisierung von Besatzungsmitgliedern, Freiwilligen und humanitären Aktivisten beendet.“

So wie Netanyahu und seine Unterstützer nicht nachlassen, Verbechen gegen Völker- und Menschenrecht zu begehen, werden wir nicht nachlassen, dagegen zu protestieren! Der Westen baut seine Kriegsmacht gewaltig aus. Palästina zeigt, dass diese Kriegsmacht nicht dem Schutz von Menschen- und Völkerrecht dient, im Gegenteil sie wird zur Unterstützung einer kriegsverbrecherischen imperialen Politik eingesetzt. Nicht einmal ihrer Pflicht, die eigenen Staatsangehörigen vor Übergriffen und dem Bruch internaionalen Rechts zu schützen , kommt die Deutsche Regierung nach.

Kommt am 11. Oktober in Berlin zu United for Gaza!

Kommt am 12. Oktober zum Berliner Antimilitarismusprotest GELD FÜR DEN KIEZ – STATT WAFFEN FÜR DEN KRIEG.

Fotos: USB, Flottilla , Peter Vlatten

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