Programm Aktionstage „Wedding ohne Waffen“

Waffenproduktion in unserem Kiez?! Aus „Pierburg“ wird „Rheinmetall Waffen Munition“

Ab Mitte 2026 soll im Wedding Munition hergestellt werden. Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt die Produktion seines Autozulieferers „Pierburg“ am Humboldthain (Scheringstraße 2) in Berlin auf Rüstung um. Bald sollen dort Komponenten für 155-mm-Artillerie-Munition vom Band laufen – 45 kg schwere, tödliche Geschosse. In unserem Kiez, in unserer direkten Nachbarschaft wird dann, zum ersten Mal seit 1945, wieder Munition produziert, die überall auf der Welt Krieg und Zerstörung bringt.

Hier Protestaufruf und mehr Infos

Das „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ plant vom 10. bis 12 Juli Aktions- und Protesttage mit einer bundesweiten Groẞdemonstration gegen Militarisierung, Rüstungsproduktion und gegen die damit zwangsweise verbundenen breiten Angriffen auf das soziale Leben der arbeitenden Menschen und breiten Bevölkerung.

Im folgenden das umfangreiche Programm

das insbesondere auch die Folgen der Militarisierung für die arbeitende Bevölkerung durchleuchtet.

Merkt Euch die Termine vor und nehmt teil. Sprecht Eure Kolleg:innen, Freunde und Verwandten an, mitzukommen.

Freitag 10.Juli

09:00–09:30 Zirkuszelt

Pressekonferenz

10:00–11:30 Zirkuszelt

Podium: Wir sterben nicht für eure Kriege – Gemeinsam gegen Wehrpflicht!

Deutschland will kriegstüchtig werden, um in Europa im großen Stil wieder Krieg führen zu können und braucht sowohl mehr Waffen als auch Kanonenfutter. Dafür wurde jetzt wieder die Wehrpflicht eingeführt. Was da los ist und was wir gegen diese tödliche Entwicklung tun können, besprechen wir unter anderem mit Simon David Dreßler, Vertreter*innen des Schulstreikkomitees, von Verdi sowie der GEW.

12:00–14:00 Aktion

Kundgebung vor dem Jobcenter: Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr!

Treffpunkt: U-Bahnhof Leopoldplatz.

Sozialkürzungen, Lohnraub und eine Militarisierung der Arbeitsverhältnisse sind zentraler Bestandteil der neuen Kriegswirtschaft. Der Staat des Kapitals reagiert auf seine Wirtschaftskrise mit einem Frontalangriff auf die abhängig Beschäftigten, Arbeitslosen- und Bürgergeldempfänger*innen. Im November 2024 wurde eine Grundsatzvereinbarung zwischen Kriegsminister Pistorius und der „Bundesagentur für Arbeit“-Chefin Nahles getroffen: „Gemeinsam für eine starke Bundeswehr. Die Zeitenwende personell gestalten“. Der verlogenen „nationalen Gemeinschaft“ der Kriegsprofiteure, die nur Profit für sich und Diskriminierung, Lohnraub und rassistische Hetze für uns übrig haben, setzen wir die internationale Solidarität und den gemeinsamen Kampf der Lohnabhängigen entgegen.

12:00–14:00 Aktion

Die-In-Flashmob: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain.

Gegen die Militarisierung der Gesellschaft. Für gute und kostenlose Gesundheit, Bildung und Wohnungen für alle!

12:00–14:00 Aktion

Workshop: Graffiti gegen Krieg

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

14:00–16:00 Aktion

Kundgebung vor Rheinmetall: Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken

Treffpunkt: Rheinmetall, Scheringstraße 2, 13355 Berlin.

Vor dem Werktor von Rheinmetall. Wir verteilen Flyer an die Kolleg*innen und das Theater Rote Panke tritt vor Ort auf!

14:00–16:00 Aktion

Flashmob: Kiezkultur statt Kriegskultur

Treffpunkt: Zirkuszelt im Humboldthain

Wir ziehen gemeinsam durch die Straßen Weddings, machen an belebten Orten mit einer kleinen Performance auf die Militarisierung unseres Kiezes aufmerksam und laden dabei Nachbar*innen zu unserem Camp ein.

16:30–17:00 Zirkuszelt

Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion stellt sich vor

Wer sind wir, was haben wir schon gemacht die letzten 2 Jahre und was haben wir noch vor.

17:00–18:30 Zirkuszelt

Podium: Von Ulm bis nach Piräus. Von Genua bis Bristol bis Hamburg bis nach Rotterdam – internationaler Widerstand gegen den Genozid

Krieg beginnt hier. Zahlreiche Rüstungsunternehmen haben ihren Sitz in Deutschland. Die Mittäterschaft Deutschlands am Genozid in Gaza und an den Verbrechen überall in der Welt beginnt vor unserer Haustür, vor unseren Augen. Jede noch so kleine Lieferung, die gestoppt oder verzögert wird, welche die globale Rüstungs-Lieferkette durchbricht, jede Waffenfabrik, die aufhört zu produzieren, weil wir uns widersetzen, rettet konkret Leben. Wir diskutieren auf dem Panel mit Aktivist*innen aus Rotterdam und Hamburg über Erfahrungen von Aktionen direkter Waffenlieferungsblockaden.

19:00–20:30 Zirkuszelt

Podium: Kriegsrelevant: Arbeiten im Zeichen der Militarisierung

Der Krieg wird vorbereitet, doch wo in unserem Arbeitsalltag zeigt sich das? Wir wollen über Veränderungen in den kriegswichtigen Sektoren sprechen – und den Widerstand dagegen. Dafür sind Arbeiter*innen aus Gesundheit, Logistik, Produktion und Technologie/IT eingeladen.

21:00–21:30 Zirkuszelt

Theater X: Hoppla wir sterben! Rheinmetall – eine deutsche Geschichte

Obwohl es so viele Möglichkeiten gab in der Geschichte, das Blatt ein für alle Mal zu wenden – weg von Krieg, weg von der Aufrüstung, weg von Militarisierung – der Funke ist nie übergesprungen – der Tod ist halt doch ein Meister aus Deutschland. Wir tauchen ein in das Rüstungs-Auf-und-Ab der letzten 150 Jahre und erzählen diesmal die Geschichte eines der unangenehmsten Unternehmen: Rheinmetall, einer der größten Waffenexporteure der Welt.

Samstag — 11. Juli

10:00–12:30 Workshopzelt

Demo-Vorbereitung

Wir basteln gemeinsam kreative Schilder für die Demo!

11:00–12:30 Zirkuszelt

Vortrag: Aufrüsten für unsere Sicherheit? mit Fabian Lehr

Mit der sogenannten Zeitenwende wurde ab 2022 eine gigantische Hochrüstung und Militarisierung Deutschlands in Gang gesetzt. „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein“, meint Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ein Grund sei die Bedrohung durch Russland. Doch gegen wen und was müssen wir uns wirklich verteidigen? Wir wollen mit Fabian Lehr die Ideologie der Herrschenden hinterfragen, die tatsächlichen Gründe für die Kriegsvorbereitung analysieren und besprechen, was wir gegen die Kriegsvorbereitungen tun können.

12:30–13:30 Zirkuszelt

Musik: Berliner Politchor Morgenrot

Der Berliner Politchor Morgenrot ist eine Stimme für emanzipatorische Lieder aus aller Welt – einige sind über 100 Jahre alt, andere erst in den letzten Jahren entstanden. Der Chor singt gegen Ungerechtigkeiten und lässt seine Stimmen für eine friedliche, solidarische Welt erklingen.

14:00–17:00 Aktion

Großdemonstration: Gemeinsam Kriege stoppen

Auftakt 14 Uhr am S+U Gesundbrunnen

Abschluss 17 Uhr am Leopoldplatz mit Konzert

30–21:00 Zirkuszelt

Podium: Perspektiven des antipatriarchalen Widerstands gegen die globale Kriegslogik

Um wirksamen Widerstand gegen Militarisierung und Kriegspolitik aufzubauen und Perspektiven für einen gerechten Frieden zu entwickeln, müssen wir die politischen Zusammenhänge verstehen. Wie hängen die aktuellen Kriege miteinander zusammen? Warum sprechen manche von einem „dritten Weltkrieg“? Welche Rolle spielt Deutschland in den Konflikten der Region? Wie sind Krieg, Imperialismus und Patriarchat miteinander verwoben? Und welche Bedeutung haben Frauen und feministische Bewegungen für Frieden, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Transformation?

21:00 Zirkuszelt

Konzert

Sonntag — 12. Juli

1:00–13:00 Zirkuszelt

Abschlussplenum und Vernetzungstreffen: Wie kämpfen wir weiter? Auf jeden Fall gemeinsam!

14:00 Zirkuszelt

Abbau

Nationalistische Dummheit

Kommentar

Mit dem Ausschluss von Russisch aus den Minderheitensprachen beweist Kiew einmal mehr, dass es von europäischen Werten nicht viel hält, meint Daniel Säwert

Collage: Jochen Gester

Wolodymyr Selenskyj hat einen Lauf. Pünktlich zur Entscheidung der Europäischen Union, offiziell Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau einzuleiten, beweist der ukrainische Präsident, dass sein Land noch weit entfernt ist von europäischen Werten.

Nachdem Selenskyj Ende Mai einen Ultranationalisten und Nazi-Kollaborateur mit allen Ehren bestatten ließ und einer Armeeeinheit den Ehrentitel einer Judenschlächtertruppe aus dem Zweiten Weltkrieg verlieh, legte der ukrainische Präsident gleich die nächste nationalistische Dummheit nach.

Am Freitag unterzeichnete Selenskyj einen Erlass, der Russisch in der Ukraine aus der Charta der Regional- und Minderheitensprachen ausschließt. Angeblich diene der Schritt dem »Schutz des ukrainischen Sprachraums« und den »europäischen Verpflichtungen« der Ukraine, schrieb der Parlamentsvorsitzende Ruslan Stefantschuk auf Facebook. Die Sprache eines Aggressorstaates dürfe nicht geschützt werden, so Stefantschuk weiter.

Selenskyj und seine Regierung liefern damit nicht nur eine erneute Steilvorlage für Moskaus Propaganda, sie greifen auch direkt die eigene Bevölkerung an. Gut die Hälfte der Bevölkerung ist russischsprachig. Und glaubt man den Berichten verschiedener Ombudspersonen, erlebt das Russische eine kleine Renaissance in der Ukraine. Eine Reaktion auf den nationalistischen Kurs der Regierung oder eine Notwendigkeit, um Nachrichten lesen zu können, die nicht aus dem Kiewer Propagandaapparat stammen? Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung gibt es weiterhin nicht. Klar ist: Die von oben ausgegebene Losung, Ukrainer sei nur, wer Ukrainisch spricht, gilt für die Menschen nicht.

Dennoch will die Regierung mit allen Mitteln das multikulturelle und multi­ethnische Land zu einem Nationalstaat in seinem schlimmsten Sinne umformen. Viele, vor allem diejenigen, die sich als Geflüchtete im Ausland aufhalten, dürften diesem Weg nicht folgen wollen. Wer will schon in so ein Land zurück­kehren?

Kiews Idiotie in ihrem Lauf aber halten weder Ochs noch Esel auf. Und schon gar nicht Brüssel. Bisher hat sich die EU nicht zur Verletzung der Minderheitencharta geäußert. Und sie wird es öffentlich auch nicht tun. Dabei hat Budapest gerade gezeigt, dass Druck auf Kiew doch wirken kann. Ungarns neuer »Heilsbringer« Péter Magyar hatte nach seinem Wahlsieg betont, sich weiter für die Rechte der ungarischen Minderheit einzusetzen. Am Sonnabend unterzeichnete Kiew die entsprechenden Garantien.

Dass man mit dem Minderheitenschutz souverän umgehen kann, beweist zudem der andere Beitrittskandidat Moldau. Obwohl man sich von Moskau bedroht fühlt, gibt es in der Hauptstadt Chișinău an vielen Orten Aushänge und Wegweiser auf Russisch (und nicht nur), mit dem Hinweis, dass Moldau die Charta der Regional- und Minderheitensprachen achtet.

Erstveröffentlicht im nd v. 13.6.2026
Nationalistische Dummheit

Wir danken für das Publikationsrecht.

„Von der Ukraine lernen“ – Kooperation bei der Weiterentwicklung des High-Tech-Kriegs.

Die von German Foreign Policy beschriebene Rüstungskonferenz zeigt ein weiteres Mal: Aufrüstung ist keine rein technische Angelegenheit. Sie gehört zur Kriegsvorbereitung. Und Kriegsvorbeitung geht unweigerlich schwanger mit Faschismus und dessen Fahnenträgern. „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ Das gehört zuammen. Das ist die bittere Lehre des zweiten Weltkriegs.

Eine zweite Anmerkung zum Artikel. Die Blutwalze in der Ukraine, in der hunderttausende junger ukrainischer und russischer Menschen Gesundheit und Leben verlieren, wird zum gepriesenen Erfahrungs- und Geschäftsmodell deutscher Rüstungslobbyisten.

Drittens will man die gallopierenden Kosten der Militarisierung durch einfachere weniger komplexe, flexiblere und effizientere Militärtechnik in den Griff bekommen. Man darf sich aber bei der Preisgestaltung und Raffgier der Rüstungsindustrie keinerlei Illusionen hingeben. An der Plünderung der Sozialhaushalte zur Finanzierung des militärisch-industriellen Komplexes wird sich nichts ändern. Die am meisten öffentlich belegten Preissteigerungen gibt es für die Munition. Die Preise für 155-mm-Munition beispielsweise sind je nach Vertrag seit Beginn des Ukrainekriegs um 150 bis 500 Prozent gestiegen – in aktuellen Einzelfällen sogar noch stärker. Munition gehört zu den unkomplexsten Rüstungsgütern überhaupt. (Peter Vlatten)

German Foreign Policy, 11. Juni 2026

Rüstungskonferenz in Berlin versammelt Vertreter deutscher Drohnen-Startups und ukrainische Militärs aus Einheiten, die NS-Kollaborateure ehren. Ziel: intensive Kooperation bei der Weiterentwicklung des High-Tech-Kriegs.

Auf einer Rüstungskonferenz in Berlin haben am Montag Vertreter deutscher Drohnen-Startups und Militärs aus ukrainischen Einheiten, die NS-Kollaborateure ehren, die Weiterentwicklung des High-Tech-Kriegs und der Fertigung der dazu nötigen Waffensysteme debattiert. Auf der Konferenz New Age Defence, an der gut 800 Personen teilnahmen, waren unter anderem Vertreter von Brigaden der Ukrainischen Nationalgarde zugegen, die Symbole der Waffen-SS nutzen oder Mitglieder der OUN feiern, einer faschistischen Organisation ukrainischer NS-Kollaborateure. In Zusammenarbeit mit Militärs wie ihnen und unter Nutzung der ukrainischen Erfahrungen an der Front entwickeln deutsche Firmen ihre UxS weiter – Unbemannte Systeme, wobei x für die Vielfalt dieser Systeme in der Luft (Drohnen), zu Lande (Roboter) und zu Wasser (Seedrohnen) steht. Zu New Age Defence hieß es bei den Organisatoren, man wolle Hersteller, Soldaten und Politik enger miteinander verknüpfen und ukrainische Fronterfahrung mit industriellem Know-how in Deutschland verbinden. Wichtig sei dabei weniger die Herstellung zahlloser Waffen als vielmehr die Bereitstellung von Produktionskapazitäten, die im Kriegsfall jeweils das modernste Kriegsgerät blitzschnell ausstoßen könnten.

Kräfte koordinieren

Die Konferenz New Age Defence wurde am Montag in Berlin zum ersten Mal abgehalten. Organisiert wurde sie von einigen UxS-Herstellern; um welche es sich genau handelte, wurde vorab ebensowenig öffentlich mitgeteilt wie der Veranstaltungsort. Unterstützt wurde das Event von den deutschen Startups Helsing und Quantum Systems sowie von der ukrainischen Firma Uforce; Industriepartner waren etwa Arx Robotics und Stark. Die Teilnahme war nur auf Einladung möglich. Der Zeitpunkt wurde bewusst im Vorfeld der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin gewählt, die am gestrigen Mittwoch ihre Tore öffnete. Über die Zielsetzung des Events hieß es, es sei „kein Problem der Technologie“, Europa „in der modernen Kriegsführung zu verteidigen“.[1] Die notwendige Technologie sei vorhanden; das Militär wisse ohnehin, „was es braucht“. Auch „der politische Wille“ zur Aufrüstung nehme zu. Allerdings gebe es „eine Lücke bei der Koordinierung“: „Was fehlt, ist der Moment, in dem alle drei Kräfte zusammentreffen, sich abstimmen und gemeinsam voranschreiten“. Das solle nun – wie auch in Zukunft – New Age Defence leisten. Entsprechend waren bei dem Event neben Soldaten und Repräsentanten mehrerer UxS-Firmen auch Politiker präsent. Von rund 800 Teilnehmern vor allem aus Deutschland, der Ukraine und den baltischen Staaten wurde berichtet.

Kapazitäten statt Lager

Zu den Themen, die auf der Konferenz behandelt wurden, gehörten sich abzeichnende tiefe Umbrüche in der Rüstungsproduktion. Europas klassische Waffenindustrie zeichne sich schon seit je durch „teure Technologie, lange Produktionszyklen und Systeme aus, die für eine Kriegsführung konzipiert waren, die nicht mehr existiert“, urteilen die Veranstalter.[2] Auf der Konferenz hieß es, besonders die UxS-Branche sei komplett anders strukturiert. Nur „wer dem Gegner in allen Bereichen einen Schritt voraus“ sei – in „Innovation, Produktion, Implementierung, Weiterentwicklung, Einsatztaktik, Vernetzung“ –, werde sich im modernen Krieg durchsetzen können.[3] Das habe Folgen. „Angesichts rasanter Entwicklungszyklen und des globalen Wettlaufs um die effizientesten Technologien“ sei beispielsweise die traditionelle Einlagerung von Waffensystemen „im Bereich unbemannter Systeme nur bedingt sinnvoll“; allzu groß sei die Gefahr, dass das Gerät, wenn es in einem Krieg benötigt werde, technologisch oder kriegstaktisch veraltet sei. Diskutiert worden sei daher bei New Age Defence besonders, „wie geeignete Produktionskapazitäten geschaffen und vorgehalten werden“ könnten, „um zu jedem Zeitpunkt reaktionsbereit“ und in der Lage zu sein, Gerät entsprechend den jüngsten Entwicklungen in der Kriegsführung auszustoßen.

Know-how und Industrie

Dabei kommt, wie es auf der Konferenz hieß, der Ukraine, ihren Militärs wie auch ihren Rüstungsfirmen besondere Bedeutung zu. Ukrainische Soldaten testen die neuesten Waffen im Krieg und stehen dabei in engem Austausch vor allem mit ukrainischen, aber auch mit deutschen Rüstungsfirmen, die das Kriegsgerät kontinuierlich an den Bedarf der Truppe anzupassen suchen. Man „lerne“ viel von der ukrainischen Seite – von den „Erfahrungen“, die sie stetig mache und „leider bitterlich bezahle“, wird der CDU-Bundestagsabgeordnete und Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Bastian Ernst, zitiert.[4] Als Geschäftsführerin von New Age Defence amtiert mit Kateryna Mykhalko eine Ukrainerin, die zuvor drei Jahre lang bei Tech Force in UA tätig war, einem Verband, in dem rund 100 ukrainische UxS-Produzenten versammelt sind; entsprechend glänzend ist sie in Kiew vernetzt. Auf der Konferenz in Berlin hieß es, „gerade die Kombination aus ukrainischem Knowhow beim Einsatz von Drohnen und der daraus resultierenden kontinuierlichen Optimierung vorhandener Technologien auf der einen“ Seite sowie „den europäischen Erfahrungen und Kapazitäten im Bereich industrieller Produktion“ „auf der anderen“ Seite biete „jede Menge Chancen“ für den Aufbau einer künftig erfolgreichen UxS-Branche.[5]

Spezialisten mit Fronterfahrung

Entsprechend stark war am Montag die ukrainische Präsenz bei New Age Defence. Neben dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksij Makejew, waren Vertreter ukrainischer Rüstungsunternehmen wie Uforce sowie Mitarbeiter ukrainischer Ableger deutscher Militär-Startups zugegen. Zu Mitarbeitern ukrainischer Denkfabriken kamen vor allem eine Reihe ukrainischer Militärs hinzu. Beim Combat Hub, einem Segment der Konferenz, für das insbesondere „praktische Demonstrationen moderner Kampftaktiken und des Gebrauchs unbemannter Systeme“ angekündigt wurden, hatten Teilnehmer laut der Ankündigung der Veranstalter „die Gelegenheit, unmittelbar mit Mitgliedern der ukrainischen Streitkräfte zu sprechen, die Erfahrungen mit verschiedenen unbemannten Systemen auf dem Schlachtfeld“ hatten.[6] Konkret angekündigt wurden zudem Militärs aus der 12. Spezialbrigade „Asow“ des 1. Korps der Nationalgarde und aus der 17. Brigade des 2. Korps „Chartija“ der Nationalgarde, darunter Spezialisten für Unbemannte Systeme sowie für Aufklärung; für die Aufklärung des Schlachtfeldes werden heutzutage – abgesehen von Satelliten –vor allem Drohnen eingesetzt. Die gemeinsame Präsenz ukrainischer Soldaten und deutscher Startup-Repräsentanten ließ in Berlin die seit Jahren praktizierte alltägliche Kooperation beider Seiten erahnen.

Anhänger von NS-Kollaborateuren

Dies ist auch deshalb von Interesse, weil die politische Ausrichtung der auf der Konferenz New Age Defence vertretenen ukrainischen Einheiten eine deutliche Sprache spricht. So nutzt die 12. Spezialbrigade „Asow“ des 1. Korps der Nationalgarde das Wolfsangel-Symbol, das früher von der Waffen-SS verwendet wurde.[7] Wie berichtet wird, verehrt die Spezialbrigade auf ihren Social Media-Kanälen zudem NS-Kollaborateure der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Deren sterbliche Überreste lässt die ukrainische Regierung gegenwärtig nach Kiew überführen, wo sie in einem „Pantheon herausragender Ukrainer“ geehrt werden sollen (german-foreign-policy.com berichtete [8]). Die 17. Brigade des 2. Korps „Chartija“ wiederum feierte Berichten zufolge zuletzt am 1. Januar 2026 den Geburtstag des OUN-Führers Stepan Bandera; zuvor hatte sie den „Marsch der Helden“ am 14. Oktober 2025 zur Erinnerung an die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) beworben, deren Milizionäre im Zweiten Weltkrieg mehr als 90.000 Polen sowie tausende Juden massakrierten, um – aus ihrer Rassistenperspektive – die Voraussetzungen für eine „ethnisch reine“ Ukraine zu schaffen. Die historischen wie die politischen Auffassungen der ukrainischen Soldaten prägen dabei die Kooperation mit den deutschen UxS-Startups, die sich als Kern der Rüstungsbranche der Zukunft begreifen.

[1], [2] New Age Defence. new-age-defence.berlin.

[3] Jan Schönberg: In Sachen Drohnen bringt höheres Tempo ein Mehr an Sicherheit. drones-magazin.de 09.06.2026.

[4] Johanna Urbancik, Franziska Müller: Drohnen-Gipfel in Berlin: Ukraine-Krieg, Defence-

Hightech und Innovationen. de.euronews.com 10.06.2026.

[5] Jan Schönberg: In Sachen Drohnen bringt höheres Tempo ein Mehr an Sicherheit. drones-magazin.de 09.06.2026.

[6] Innovators showcase drones and AI at New Age Defence in Berlin. mezha.net 08.06.2026.

[7] Susann Witt-Stahl: Neues Zeitalter der Kriegführung. junge Welt 08.06.2026.

[8] S. dazu Im Pantheon der Kollaborateure.

Der Beitrag ist ersterschienen bei German Foreign Policy, 11. Juni 2026. Wir danken für das Publikationsrecht.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

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