Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz im Pflegeheim – Folge der Finanzialisierung im Gesundheits- und Pflegebereich

8. Mai 2024, Gewerkschaftschaftsforum

Finanzialisierung im Gesundheits- und Pflegebereich

Im April 2024 machte ein Notfall in Friedrichsfelde in Berlin auf den Pflegenotstand aufmerksam. Eine Pflegerin rief am Ende ihrer Schicht die Polizei, da keine Fachkraft zur Arbeit erschienen war, an der sie die Betreuung der rund 140 Bewohner übergeben konnte. Neben der Pflegerin waren lediglich zwei Assistenten in dem Heim anwesend, die jedoch nicht zur Medikamentenausgabe berechtigt waren.

Polizei, Feuerwehr und der Katastrophenschutzbeauftragte des Bezirks Lichtenberg rückten an und konnten erst nach Mitternacht ihren Einsatz beenden. Die private Altenpflege-Unternehmensgruppe erklärte, für die Nacht seien neben einer Fachkraft drei Hilfskräfte vorgesehen gewesen, doch wegen eines EDV-Problems sei die Buchung einer Zeitarbeitskraft mit der entsprechenden Qualifikation jedoch nicht wie sonst per Mail verschickt worden.

In der alltäglichen Praxis werden so wenige Arbeitskräfte wie möglich für die Pflege  eingeplant. Das Problem ist, dass es keine verbindliche Personalbemessung gibt, die sagt, wie viele Personen pro Schicht arbeiten müssen. Es gibt lediglich allgemeine Vorgaben zur Zahl der insgesamt zu beschäftigenden Pflegekräfte.

Schon seit Jahren werden milliardenschwere Geschäftsmodelle im Gesundheitsbereich aufgelegt. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten drängen immer mehr Kapitalgeber aus dem Finanzsektor auf den Pflege- und Gesundheitsmarkt und geben die Profitrahmen vor. Kosten sparen sie vor allen im Personalbereich, mit den oben geschilderten Folgen, auf dem Rücken der alten, pflegebedürftigen Menschen und der Beschäftigten.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein milliardenschweres Monopoly-Spiel im Gesundheitsbereich gestartet worden. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten drängen immer mehr Kapitalgeber aus dem Finanzsektor auf den Pflege- und Gesundheitsmarkt.

Finanzinvestoren kaufen Gesundheits-, Alten- und Pflegeeinrichtungen auf Kreditbasis auf und erhöhen den Druck, Rendite zu erzielen. Die Immobilien werden dann ausgegliedert und die Einrichtungen müssen fortan hohe Mieten zahlen. Meist mit der Folge, dass komplette Krankenhäuser und Heime geschlossen werden und in die Insolvenz rutschen, weil sie nicht den erwarteten Gewinn erwirtschaften. Zur gleichen Zeit entstehen im Rahmen weiterer Konzentration auf dem Gesundheitsmarkt gigantische Fusionen bei denen die großen Einrichtungen die kleinen schlucken.

Verlierer bei dem Millionenpoker sind immer die Patienten, Heimbewohner und die Beschäftigten.

Bundesregierung öffnet Tür und Tor für Pleiten, Mega-Fusionen und Spielzüge der Finanzakrobaten im Gesundheitsbereich

Nach Angaben der Bundesregierung werden mit der neuen Krankenhausreform „drei zentrale Ziele verfolgt: Gewährleistung von Versorgungssicherheit (Daseinsvorsorge), Sicherung und Steigerung der Behandlungsqualität sowie Entbürokratisierung.“

Bekundet wird mit diesen Zielen, dass es weiterhin eine flächendeckende Gesundheits- und Pflegeversorgung geben soll, denn gesunde Menschen werden mit ihren verschiedenen Aufgaben, vor allem für das Funktionieren des Staates und für das Schaffen des wirtschaftlichen Reichtums gebraucht.

Unter den derzeitigen Produktionsbedingungen werden Beschäftigte beim Einsatz für das Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen Belastungen von Umwelt und Natur einer kontinuierlichen Gesundheitsschädigung ausgesetzt. Als Gegenpol benötigt man ein entsprechendes Reparatursystem, in dem auch Gesundheits-, Alten- und Pflegeeinrichtungen einen wesentlichen Bestandteil darstellen.

Wenn wie jetzt, wieder einmal eine Steigerung der Behandlungsqualität angestrebt wird, zeigt sich darin eine parteiübergreifende Unzufriedenheit in doppelter Hinsicht: Es bedarf immer besserer Behandlungsmethoden, weil viele neue Krankheiten nicht heilbar sind, die es ermöglichen, die stattfindenden Schädigungen aushaltbar zu machen und, wenn gegeben, einzugrenzen. Dagegen sprechen aber die ständig steigenden Kosten, als Folge der derzeitigen Krankenhausorganisation, bei der aus wirtschaftlichen Gründen Behandlungen auch dann durchgeführt werden, wenn sie aus medizinischer Sicht gar nicht zwingend sind.

Das Paradoxe ist politisch aber gewollt, denn die Gesundheits- und Pflegeversorgung sollen als Wirtschaftsunternehmen kalkulieren und deshalb müssen sie aus den Behandlungen auch einen Gewinn erzielen.

Die Kostenfrage wird sowieso sofort gestellt, weil sich die Gesundheitsunternehmen aus den Beiträgen der Kranken- und Pflegeversicherungen finanzieren, die zu den „Lohnnebenkosten“ bzw. zu den Kosten „des Faktors Arbeit“ gehören. Weil höhere Beiträge auch die Gewinne der Unternehmen schmälern, muss immer dafür gesorgt werden, dass sie möglichst niedrig ausfallen.

Das war auch der Grund dafür, dass die Fallpauschalen eingeführt wurden, damit die Liegezeiten in den Krankenhäusern verringert werden, um damit die Krankenhauskosten zu verringern. Den Krankenhäusern wurde und wird dann die Pistole an den Kopf gehalten, um sich zu entscheiden, entweder zu fusionieren oder in die Pleite zu gehen.

Damit ist das Ziel früherer Gesundheitsreformen zur Kostensenkung erreicht worden, mit den Nebenfolgen, dass zunehmend Krankenhäuser verschwunden sind, die Liegezeiten verkürzt sind und die Menschen „blutig entlassen“ werden, mit entsprechenden Folgekosten für die Krankenkassen. Die Personalkosten sind so drastisch gesenkt, dass ein Personalnotstand eingetreten ist, den man nun als Fachkräftemangel beklagt.

Die aktuellen Reformvorhaben von Bund und Ländern haben noch nicht zur Zufriedenheit bei den Gesundheitspolitikern geführt, sie bemängeln immer noch ein Zuviel an Einrichtungen und an Kosten für die Gesundheit der Bürger.

Gesundheits-, Alten- und Pflegeunternehmen beklagen Kostendruck

Immer wieder wird von den Einrichtungsbetreibern heruntergebetet, dass Gründe für die wirtschaftlichen Nöte die gestiegenen Kosten durch Tarifsteigerungen und die starke Inflation seien. Auch ließen sich Pflege-, Krankenkassen und Kommunen ungewöhnlich viel Zeit mit der Refinanzierung, die dann nicht auskömmlich wäre und mit Fehlbeträgen in sechsstelliger Höhe monatelang aus Rücklagen überbrückt werden müsste. Hinzu komme der Personalmangel. Um das verbliebene Personal vor Überlastung zu schützen, nehmen immer mehr Einrichtungen eher weniger schwere Fälle auf und lehnen andere ab. Es soll in der Pflege bereits eine Triage stattfinden.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit und die ganzen mafiösen Strukturen im Gesundheits- und Pflegemarkt bleiben außen vor.

Private Equity-Firmen

Private-Equity-Firmen bündeln das Geld von den Anlegern in einem Fonds. Dieses Geld legen sie an. Im Gegenzug versprechen sie ihren Geldgebern, meistens sind das Pensionsfonds oder reiche Privatpersonen, sehr hohe Renditen von bis zu zwanzig Prozent. Um diese Renditen erreichen zu können, kaufen sie Unternehmen und richten diese darauf ab, möglichst schnell möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Davon profitieren aber nicht die gekauften Unternehmen, sondern die Private-Equity-Firmen, die einen Großteil der Gelder für ihre eigenen Geldgeber abschöpfen.

Das Geschäftsprinzip von Private Equity-Firmen ist nicht nur, Unternehmen zu kaufen, sie umzubauen und die Gewinne abzuschöpfen, sondern sie nach Abschluss dieses einschneidenden Prozesses mit erheblichem Gewinn wieder zu verkaufen. Meist nach vier bis acht Jahren und in vielen Fällen an die nächste Private-Equity-Firma, alle gehen wieder auf Start und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne. Die kurzfristigen Profite aus der Immobilienumschichtung und Kostenreduzierung landen so alle bei den Private-Equity-Firmen, die langfristigen Folgekosten tragen dagegen die Einrichtungen und deren Patienten, Bewohner und die Beschäftigten.

Was die aufgekauften Unternehmen machen, ist für eine Private-Equity-Firma zunächst einmal egal. Entscheidend ist, dass es ein Potenzial für Rendite gibt. Dabei interessiert es nicht, was die neue Gewinnorientierung für ein Unternehmen genau bedeutet und wer darunter zu leiden hat.

Was die aufgekauften Unternehmen machen, ist für eine Private-Equity-Firma zunächst einmal egal. Entscheidend ist, dass es ein Potenzial für Rendite gibt. Dabei interessiert es nicht, was die neue Gewinnorientierung für ein Unternehmen genau bedeutet und wer darunter zu leiden hat.

Die erfolgreichen Private-Equity-Firmen arbeiten mit verschiedenen Tricks, um sich an öffentlichen Geldern zu kommen, sich zu bereichern und ihre teils zweistelligen Renditen zu erreichen. Die Einnahmen von Einrichtungen, die von Private Equity abgeschöpft werden, stammen zu großen Teilen aus der Sozialversicherung. Steuern dagegen zahlen Private-Equity-Unternehmen in der Regel kaum: Die hohen Gewinne werden in aller Regel in Schattenfinanzzentren wie den Kanalinseln oder Luxemburg transferiert.

Für die betroffenen Einrichtungen heißt das Ganze in der Regel, wenn die Kosten steigen, steigt auch die Gefahr, dass darunter die Qualität den Bach hinunter geht. Jeder Kostenpunkt und jede noch so kleine Stellschraube im Tagesgeschäft wird auf den Prüfstand gestellt und gewirtschaftet wird nach dem Motto: Getan wird nur noch, was absolut notwendig ist und das mit so wenig Aufwand und Personaleinsatz wie möglich. An diesem Punkt angelangt, laufen die Einrichtungen schnell in die Insolvenz, weil die Last der Schulden und der Druck der Rendite einfach zu hoch geworden ist.

Beispiel: Geschäft mit kranken und alten Menschen wirft Renditen von 18 Prozent ab

Das Geschäft mit kranken und alten Menschen lohnt sich, wie IAT-Forscher herausfanden. Es wurden 39 Fonds untersucht, die in der Gesundheitsbranche zuletzt tätig waren. Hier lagen die Renditen bei 18 Prozent. Renditen, die mit öffentlichen Geldern und Leistungen der Sozialversicherungen erwirtschaftet werden. Denn die Kliniken selbst sind für die Finanzakrobaten meist nur Mittel zum Zweck, wobei das Krankenhaus aus regulatorischen Gründen der Träger ist, um am Gesundheitsmarkt zu investieren und medizinische Versorgungszentren betreiben zu können. Ähnlich läuft es bei den Pflegeeinrichtungen ab.

Es gibt drei gängige Methoden, mit denen internationale Investoren lokale und nationale Einrichtungen des Pflege- und Gesundheitswesens ausbeuten können:
  1. Methode: Gentrifizierung

Das lukrativste Geschäftsmodell für die Finanzinvestoren ist derzeit die sogenannte Gentrifizierung.

Hier wird eine Einrichtung bspw. für 7,5 Millionen Euro vom Finanzinvestor gekauft. Dieser fordert umgehend eine Verdreifachung der Pacht und droht mit der Kündigung. Hier besteht die in diesen Fällen typische Ausgangslage: Auf der einen Seite steht das auf Rendite und Steueroptimierung getrimmte Firmenkonglomerat, deren Vertreter völlig unbekannt sind und auf der anderen die Beschäftigten, die sich für ihre Mitmenschen verantwortlich fühlen.

Damit die Bewohner der Einrichtung nicht auf der Straße landen, einigt man sich gezwungenermaßen auf eine Verdoppelung der Pacht und die Bewohner zahlen mehr Geld für weniger Platz. Dann nutzt der Finanzinvestor die höhere Ertragskraft, um die Immobilie für 15 Millionen Euro an einen weiteren Investor zu verkaufen, der noch einmal eine deutlich höhere Pacht fordert. Für den bisherigen Betreiber der Einrichtung ist spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass er aus dem Vertrag raus und eine neue Immobilie suchen muss. In der neuen, kleineren Einrichtung zahlen die Bewohner für die kleineren Zimmer fast das Doppelte mehr.

Das Ganze kann sich öfter wiederholen und ein Gesundheitskomplex wird an weitere Investoren gewinnbringend verkauft.

Es taucht die Frage auf, warum die Einrichtung, die schon bei einem Preis von bspw. 7,5 Millionen Euro nicht rentabel betrieben werden konnte, weit mehr als das doppelte bietet? Die Antwort lautet: Weil es eine globale Oberschicht gibt, die bereit und in der Lage ist, für eine teure Alterswohnung in guter Lage viel Geld zu zahlen. Die Zeche zahlen die Normal- und Geringverdiener, die sich solche Behandlung nicht leisten können und um die sich die öffentliche Hand kümmern muss.

Das Geschäftsmodell ist somit recht einfach: Geld bei den Superreichen aufnehmen, Einrichtungen in guten Lagen aufkaufen, umbauen, einen willigen Betreiber finden und scheibchenweise mit Gewinn weiterverkaufen.

Es muss aber nicht immer der Weiterverkauf sein, um satte Gewinne einzufahren. Die Finanzinvestoren erhalten hohe Rendite, wenn sie die gekauften Objekte weiterhin als Einrichtungen betreiben.

  1. Methode: Weiterführung

Anders als bei der Gentrifizierung, bei der die Finanzinvestoren die reiche Oberschicht im Blick haben, zielt die Weiterführung der Einrichtungen vor allem auf das Geld des Staates ab. Hier spricht man z.B. im Pflegebereich von gigantischen Summen. Europaweit beteiligen sich die EU-Staaten und Großbritannien, Norwegen und die Schweiz mit jährlich 220 Milliarden Euro an den Pflegekosten, während die Pflegedürftigen selbst noch 60 Milliarden beisteuern. Mit glänzenden Perspektiven, wie die Schätzungen der EU-Kommission ergeben, werden sich die Kosten allein bei der Langzeitpflege bis 2070 von 1,7 auf 3,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts mehr als verdoppeln.

Die Methode Weiterführung der Einrichtung garantiert immer dann Gewinne, wenn der Kauf einer Einrichtungskette mit hohen Schulden finanziert wird, die dann von den einzelnen Einrichtungen übernommen und verzinst werden müssen. Beispielsweise im Pflegebereich werden für die 500 Millionen Euro Schulden, mit denen der Investor den Kauf der Einrichtungen finanziert hat, jährlich 45 Millionen Euro Zinsen fällig, was einem Zinssatz von 9 Prozent entspricht, die dann als Kosten in den Pflegesätzen eingerechnet werden.

In der Regel werden bei Übernahmen der Einrichtungsketten die bestehenden Häuser verkauft und zurück gemietet. Es kommt zu einem enormen Anstieg der Schuldenlast, denn der Cash-Flow fließt in eine Muttergesellschaft, die von einem Offshore-Finanzzentrum aus operiert.

Für die erfolgreiche Weiterführung der Einrichtungen ist auch ihre gute Lage verantwortlich, die den Preis in die Höhe treibt und gleichzeitig erhöht sich die Rentabilität, weil noch massiv bei den Personalkosten gespart wird. Das wiederum erhöht die Gewinnaussicht, falls die Einrichtung doch weiterverkauft werden soll.

Der wichtigste Preistreiber sind auch hier letztlich die gute Lage, an denen die Einrichtungen stehen. Auch bei den Personalkosten wird regelmäßig gespart. Das erhöht die Chance auf einen satten Gewinn beim Weiterverkauf.

  1. Methode: Krankenkassen schröpfen

Die aktuelle Rechtslage erlaubt es, dass finanzkräftige Investoren auch von den Krankenkassen viel Geld holen können. Für das erfolgreiche Geschäft wird erst einmal ein Krankenhaus gekauft, das ist die gesetzlich geregelte Voraussetzung für den Kauf oder die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Dann erfolgt der Aufkauf von Arztpraxen. Diese erworbenen Praxen und die dazugehörigen Arztsitze werden nun dem MVZ als Filiale zugeordnet. So entsteht ein großer Arztpraxen-Konzern, der sich unbeschränkt ausweiten kann. Von der Rechtslage her wäre es sogar theoretisch möglich, dass alle Praxen in Deutschland von ein und demselben Private-Equity-Unternehmen aufgekauft werden könnten.

Besonders viel wirft dieses Modell vor allem dann ab, wenn der Finanzinvestor gleichzeitig noch an Pharma-Unternehmen beteiligt ist, denen er mit seinem Verbundsystem zu einem großen Absatz verhilft. Dabei wird mit harten Bandagen gekämpft und man scheut sich nicht, Inhaber von Arztpraxen und Apotheken zu bestechen, um höhere Absätze der eigenen Medikamente zu garantieren.

Aktuelle Gutachten im Auftrag von kassenärztlichen Vereinigungen belegen bei der Analyse von Abrechnungsdaten, dass es einen Unterschied von 6,4 Prozentpunkten zwischen Private-Equity-MVZ und dem Durchschnitt aller MVZ gibt. Auch beim Vergleich der Honorarvolumen ergibt sich ein ähnlicher Trend.

Privatisierungen und Profitorientierung in allen Versorgungsbereichen des Gesundheitswesens sind systematisch als Kostenfaktor zu begreifen

Es ist durchaus möglich, das Gesundheitswesen vor der kurzfristigen Logik der Finanzmärkte zu retten, ohne den notwendigen, langfristigen Investitionen den Weg zu versperren. Dafür ist aber an erster Stelle der politische Wille erforderlich, dann braucht es die grundlegende Erkenntnis, dass der Finanzsektor immer darauf abzielt, Wohlstand und Kapital aus der Realwirtschaft abzuziehen. Wenn die Politik das ändern will, müssen die Finanzmärkte selber reguliert werden.

Auch ist es längst an der Zeit, die zunehmende Privatisierungen und Profitorientierung in allen Versorgungsbereichen des Gesundheitswesens systematisch als Kostenfaktor zu begreifen. Das trifft auf die Mengenausweitungen und Mehrfachbehandlungen ebenso wie bei überzogenen Preisen für Gesundheitsanwendungen, in der stationären ebenso wie in der ambulanten Versorgung zu.

Der zunehmende Gesundheitskapitalismus ist ein wachsendes Kostenmonster, das konsequent eingehegt und letztlich verboten werden muss. Das gilt auch mit Hinblick auf die Diskussion um Ausgabensenkungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Vor allem würden die Versicherten selbst davon doppelt profitieren. Zum einen als Beitragszahler der Krankenkassen zum anderen auch als Patienten: Sie könnten sich dann nämlich darauf verlassen, dass nur medizinische und keine privatwirtschaftlichen Überlegungen die Grundlage ihrer gesundheitlichen Behandlungen bilden.

Quellen: WAZ, ver.di, Berliner Zeitung, Ulrike Nimptsch/Reinhard Busse Studie der Technischen Universität (TU) Berlin, Ärzteblatt, Bündnis Klinikrettung, Forschungsprojekt IAT, Gutachten IGES Institut, Gesundheitsministerium NRW, Pflegemarkt.de 

Bildbearbeitung: L.N.

Wir danken gewerkschaftschaftsforum.de, Laurenz Nurk für die Publikationsrechte

2 Jahre Interbüro – Ausstellungs- und Veranstaltungswochen im Wedding

Das Interbüro Wedding ist dieses Jahr am 24. März 2 Jahre alt geworden. Es lädt zur „mehrwöchigen Geburtstagsfeier“ vom 31. Mai bis 14.Juni ein.

„Wir präsentieren aus diesem Anlass mit Hände weg vom Wedding, Interbrigadas e.V., und dem Künstler Tintenwolf eine Ausstellung in
Gedenken an die Revolutionärin Tamara Bunke, sowie eine internationalistische Veranstaltungsreihe unter dem Motto:
Internationalismus bedeutet Solidarität und Hoffnung! Internacionalismo significa solidaridad y esperanza!

Die Veranstaltungswochen beginnen mit einer Eröffnungsveranstaltung am Freitag, dem 31. Mai im Kiezhaus um 18:30 Uhr und enden am 14. Juni ebenda mit einer Podiumsdiskussion zur Aktualität internationalistischer Arbeit. Mehr Informationen zur Person Tamara Bunke & das vollständige Programm findet ihr unter folgendem Link:

»Es geht nicht um Auschwitz, sondern um die NATO«

Vorbemerkung Kurt Weiss: Die deutsche Regierung machte den angeblichen „Kampf gegen Antisemitismus“ zum Instrument der Außenpolitik – nicht zum Schutz von Juden in Europa – sondern für Kriegshetze!
Adenauer drückte die deutschen Interessen beim Treffen mit Ben Gurion 1960 unmissverständlich so aus: Israel sei eine „Festung des Westens“ und „ich kann Ihnen schon jetzt sagen, wir werden Ihnen helfen, wir werden Sie nicht allein lassen“. Deutschland schickt Waffen und Israel erteilt die Absolution für eine Entnazifizierung, die es nie gab – eine Hand wäscht die andere! Bis heute.
Noch deutlicher erklärt U.S. Präsident Biden, dass es nicht um Juden, sondern um imperialistische geostrategische Interessen geht:
„Gäbe es kein Israel, müssten die Vereinigten Staaten von Amerika ein Israel erfinden, um ihre Interessen in der Region zu schützen. … Israel ist die größte Stärke, die Amerika im Nahen Osten hat. Ich sage immer zu meinen Freunden, wenn sie diese Dinge sagen, dass sie sich unsere Lage in der Welt vorstellen sollen, wenn es kein Israel gäbe. Wie viele Schlachtschiffe wären dann dort? Wie viele Truppen wären stationiert? … Ich bin ein Zionist. Man muss kein Jude sein, um Zionist zu sein.“

Es gibt etliche Zitate, die die Rolle Israels für den Westen unverhohlen zum Ausdruck bringen


Der Mittlere Osten ist strategisch enorm bedeutend: es ist die ölreichste Region der Welt und der Suezkanal ist eine strategische Handelsroute zwischen Europa und Asien, besonders China. Zionisten wie Biden benutzen Antisemitismus, um Juden zum Schweigen zu bringen, die den zionistischen Nationalismus nicht teilen. Wir sehen jeden Tag das obszöne Spektakel wie glühende Antisemiten wie Orban und Front National Israel unterstützen. Die deutsche Ampelregierung eint mit der faschistoiden AfD die Israel-Unterstützung und die Abschiebepolitik gegen Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Gleichzeitig werden Juden, Palästinenser und Menschenrechtler als Antisemiten verleumdet und es wird mit Polizeigewalt gegen sie vorgegangen, weil sie gegen den israelischen Krieg in Gaza protestieren. [1]Quelle Biden Zitate: https://youtu.be/86Nrv5izaTs?feature=share

Palästina Solidarität aktuell in Berlin - Termine 


Im folgenden veröffentlichen wir den Vortrag von Dror Dayan, den er auf dem Palästina-Kongress halten wollte, der aber durch die Berliner Polizei verhindert wurde. Der Beitrag wurde erstmalig in der Jungen Welt vom 8.5.2024 veröffentlicht.

Dror Dayan ist ein israelischer Filmemacher und Dozent für Medienherstellung. Geboren in Westjerusalem studierte er an der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Babelsberg. Er lebt in Berlin und Liverpool und ist aktiv in der Palästina-Solidaritätsbewegung.

Es geht nicht um Auschwitz, sondern um die NATO!

Materielle Interessen hinter der Staatsräson bedingungsloser Israel-Solidarität

Von Dror Dayan

Es freut mich sehr, mit euch heute reden zu können, auch wenn das leider nur per Video möglich ist und nicht persönlich, wie geplant. Mein Name ist Dror Dayan, ich bin Filmemacher und Akademiker. Und ich bin auch in der Palästina-Solidaritätsbewegung aktiv, sowohl in Berlin als auch in Großbritannien. Ich wurde darum gebeten, heute darüber zu sprechen, warum Deutschland so eine bedingungslose Unterstützung für den Zionismus betreibt. Dieses Thema ist immer wichtig, aber nach dem, was bei dem Kongress passiert ist, haben wir jetzt eine konkrete und klare ­Demonstration dafür, wie und in welchem Maß Deutschland den Genozid in Gaza und den Zionismus unterstützt, auch hier im Lande. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, warum es so ist.
Eine wichtige Sache möchte ich schon vorwegnehmen: Wir hören oft die Parole »Free Palestine from German Guilt.« Sie ist gut gemeint, aber meiner Meinung nach fehlgeleitet. Ich versuche zu zeigen, warum das eine ideologische Falle ist, und versuche, sie zu durchdringen.
Wir wissen: Zionismus ist Staatsräson. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel schon 2008 vor der Knesset gesagt. Diese Rede gilt manchmal als die Geburtsstunde der jetzigen Diskussion. In dieser Rede ist nichts Neues, aber sie verkörpert viel. Zum 15. Jahrestag dieser Rede sollen wir sie wieder genauer anschauen.
Wir überspringen das peinliche Vorwort auf Hebräisch. Denn in guter deutscher Tradition lernt jeder Deutsche, der nicht Nazi sein will, ein paar Worte auf Hebräisch, oft Schalom und Schoah, und möchte damit prahlen. Das hat auch Merkel vor der Knesset gemacht.
Bevor wir zur Frage der Staatsräson kommen, heißt es in der Rede: »Für mich steht außer Frage: Israel und Deutschland, Israel und Europa sind solche Partner – verbunden durch gemeinsame Werte, verbunden durch gemeinsame Herausforderungen und verbunden durch gemeinsame Interessen. Denn Stabilität, wirtschaftliche Prosperität, Sicherheit und Frieden in Europa wie in dieser Region sind in unserem beiderseitigen Interesse.« Wenn westliche Politiker von Sicherheit und Frieden reden, dann entsichere ich meine Browning, wie die Deutschen sagen. Aber hören wir weiter zu – was sah Merkel als die gemeinsamen Werte und Interessen des deutschen Imperialismus und des zionistischen Kolonialprojekts an? Denn das ist angesichts der jetzigen Situation um so relevanter:
»Wenn der Iran in den Besitz der Atombombe käme, dann hätte das verheerende Folgen – zuerst und vor allem für die Sicherheit und Existenz Israels, dann für die gesamte Region und schließlich, weit darüber hinaus, für alle in Europa und der Welt, für alle, denen die Werte Freiheit, Demokratie und Menschenwürde etwas bedeuten. Das muss verhindert werden.« Nicht Schoah, eigentlich auch nicht Palästina – es geht um Iran und die Sicherheit in der Region. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Merkel deutlich machte, ist, dass diese gemeinsamen Werte und Interessen völlig unabhängig von den Werten und Interessen der Bevölkerung und Gesellschaft sind:

»Wie gehen wir damit um, wenn in Umfragen eine deutliche Mehrheit der Befragten in Europa sagt, die größere Bedrohung für die Welt gehe von Israel aus und nicht etwa vom Iran? Schrecken wir Politiker in Europa dann aus Furcht vor dieser öffentlichen Meinung davor zurück, den Iran mit weiteren und schärferen Sanktionen zum Stopp seines Nuklearprogramms zu bewegen? Nein, wie unbequem es auch sein mag, genau das dürfen wir nicht.«
Und deswegen heißt es ja auch Staatsräson – weil eine Staatsräson fest und unabhängig vom Willen der Bevölkerung ist. Es ist egal, was wir als Staatsbürger Deutschlands wollen, die Staatsräson hat immer Priorität. Und jetzt zum Highlight:
»Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.« Das kennen wir meistens wahrscheinlich schon, aber es ist vielleicht auch wichtig zu merken, wie der Absatz endet: »Die Bundesregierung wird sich dabei, wenn der Iran nicht einlenkt, weiter entschieden für Sanktionen einsetzen.« Es geht also bei dieser Staatsräson oder mindestens bei dieser Rede nicht um irgendeine abstrakte »Sicherheit«, sondern um konkrete imperialistische Maßnahmen.
Was lernen wir aus dieser Fallstudie? Wir müssen immer diese »Werte« und vor allem »Interessen« untersuchen. Merkel sagt deutlich, die Gefahren für das zionistische Projekt sind auch Gefahren für Europa und »die Welt« – damit meint sie die NATO-Staaten und nicht etwa Kuba oder Venezuela. Es ist kein Geheimnis und keine Verschwörungstheorie, dass Israel, auch wenn es manchmal aus der Reihe tanzt und eigene Ziele verfolgt, immer noch ein Bollwerk des Imperialismus im Nahen Osten ist. Das sollte die Basis für jegliche Analyse des Zionismus sein. Das bedeutet, dass wir solche Fragen, die wir uns an diesem Wochenende stellen – oder stellen wollten, bevor Deutschland es uns mit Gewalt verboten hat –, ständig im Zusammenhang mit der geopolitischen Situation in der Region sehen müssen. Und die vergangenen sechs Monate haben uns auch deutlich gezeigt, dass es eigentlich nur Akteure aus der Region sind, die sowohl den Willen als auch die Möglichkeit haben, den Preis des Genozids für den Zionismus teuer zu machen. Das sehen wir im Jemen, im Iran oder am Widerstand im Südlibanon.
Also müssen wir uns fragen, welche Rolle die Beziehungen zwischen der BRD und dem zionistischen Projekt in der Region spielen. Und weil Imperialismus eben Imperialismus ist, geben uns die wirtschaftlich-militärischen Aspekte dieser Beziehungen, und vor allem die Rüstungsexporte, einen Hinweis dafür.
Ich möchte nicht zu detailliert über Rüstungsexporte sprechen, da wir einige sehr gute Genossen haben, die sich damit viel besser auskennen und die darüber berichten können. Die meisten hier wissen wahrscheinlich, dass Deutschland der zweitgrößte Lieferant von Waffen an das zionistische Projekt ist, und dass die Rüstungsexporte sich seit Beginn des Genozids in Gaza fast verzehnfacht haben – also auch sehr relevant für den jetzigen Genozid und Deutschlands Komplizenschaft dabei sind. Aber wie bei allem, worüber wir hier sprechen, fing auch hier die Weltgeschichte nicht am 7. Oktober an, sondern vor Jahrzehnten. Und da will ich über zwei wichtige Aspekte der militärischen Zusammenarbeit und der Exporte sprechen, die stark miteinander verbunden sind. Ich möchte diese kurz unter die Lupe nehmen, da sie ein sehr gutes Beispiel sind für das, was Merkel »gemeinsame Interessen« nennt: Das sind der Verkauf von U-Booten und, noch wichtiger, das israelische Nuklearprogramm.

Im Januar 2022 hat Israel drei »Dakar«-U-Boote von Thyssen-Krupp im Wert von drei Milliarden Euro bestellt, zusätzlich zu drei »Dolphin«-U-Booten, die die BRD in den 90ern an Israel geliefert und zum großen Teil selbst finanziert hat. 2006 kamen noch zwei U-Boote dazu, im Wert von 1,3 Milliarden Euro. Schon allein das ist ein ziemlich großes Geschäft, das uns zeigt, dass es hier mindestens genauso viel um Geld geht wie um die Uniform, die noch im Schrank von Opa hängt. Aber dann müssen wir uns auch die Frage stellen, wozu eine Armee, deren Hauptaktivitäten in der Bombardierung von Kindern aus der Luft oder dem Schikanieren von Arbeitern an Checkpoints besteht, mehrere atomwaffenfähige U-Boote benötigt.
Nuklear-U-Boote sind der dritte und vielleicht wichtigste Teil einer sogenannten »Nuclear Triad« – die Möglichkeit, Atomwaffen vom Boden, aus der Luft und aus dem Meer abzufeuern. Sie bieten die Möglichkeit, sich im Meer zu verstecken, beispielsweise im Persischen Golf, und von dort aus Raketen abzufeuern. Deswegen sind sie auch so wichtig für den sogenannten »Second Strike«, einen nuklearen Schlag nach einem erfolgreichen nuklearen oder anderen großen Angriff auf das eigene Territorium. Die deutschen U-Boote erlauben dem zionistischen Projekt also, fast überall in der Region mit Atomwaffen anzugreifen, was es natürlich schwieriger für ein Land wie Iran macht, beispielsweise auf zionistische Terrorangriffe wie neulich auf das Konsulat in Damaskus zu reagieren.
Aber atomwaffenfähige U-Boote brauchen auch Atomwaffen, und Deutschland hat sehr viel zur Herstellung dieser Waffen beigetragen. Die Zeitung Die Welt, sicher keine Freundin der Verdammten dieser Erde, hat 2015 eine Recherche darüber veröffentlicht, wie Deutschland das Atomprogramm Israels mitfinanzierte. Laut dem Bericht finanzierte Westdeutschland schon 1961 die Anlage in Dimona in der Wüste Naqab, getarnt als Beitrag »zur Entwicklung des Negev« – das ist der zionistische Name der Naqab –, beschlossen durch Ben-Gurion und Adenauer und geführt heimlich und ohne Beteiligung von Bundestag und Kabinett unter dem Decknamen »Aktion Geschäftsfreund«. Das alles erlaubt Deutschland, einen atomschlagsfähigen Verbündeten in der Region zu haben, ohne selbst die Verantwortung für den roten Knopf tragen zu müssen. Deutsche U-Boote mit deutschen Waffen, dieses Mal aber ohne deutsche Schuld. Also viel mehr als ein historisches schlechtes Gewissen wegen Opa sehen wir hier geo­politische Interessen – die praktischerweise wieder gemeinsame Interessen sind, wie Merkel sagt.
Heute aber fließen ja die Waffen nicht nur in eine Richtung, da wir jetzt bekanntlich eine »Zeitenwende« erleben und dafür ausgerüstet sein müssen. Der NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine pusht den EU-Imperialismus auf Hochtouren. So fließen jetzt drei Milliarden Euro wieder in die andere Richtung, weil die BRD von Israel »Arrow 3« Abwehrraketen kauft, in einem weiteren Ausdruck gemeinsamer Werte und Interessen. Diese Raketen kamen auch bei den letzten Vergeltungsaktionen Irans zum Einsatz. Dazu erklärte der israelische Kriegsminister Joaw Gallant während des Deals in Berlin: »Heute sind wir mehr denn je von gemeinsamen Bedrohungen betroffen. Der iranische Fingerabdruck ist überall zu sehen.« Laut Bericht der Times of Israel bezieht er sich hier »auf iranische Stellvertreter an Israels Grenzen als auch auf den Verkauf iranischer Drohnen an Russland, mit denen das Schlachtfeld in der Ukraine beschossen wird«. Gemeinsame Feinde, gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte. Gallant fügte auch hinzu, dass diese Waffensysteme nur an Staaten verkauft werden, die Israels Interessen vertreten. Boris Pistorius sagte dazu: »Wir würden ›Arrow 3‹ gerne in den umfassenden Verteidigungsschild der NATO einbinden, damit unsere Nachbarn davon profitieren können.« Damit meint er andere NATO-Staaten. Wenn Gallant sich nach so einem Deal an »Gleis 17« fotografieren lässt, geht es um die NATO und nicht um Auschwitz.

Ich hoffe, all das macht es deutlicher, worum es bei der Unterstützung des zionistischen Projekts seitens der BRD geht. Dann wird auch die Repression gegen die Palästina-Solidarität klarer. Es ist wichtiger, über diese Aspekte zu reden als über deren ideologische Tarnung wie »historische Verantwortung« oder andere Lügen. Die Ideologie ist nur eine Waffe der Herrschenden, um die materielle Realität zu verteidigen und aufrechtzuerhalten oder zu verschleiern. Aber es ist natürlich auch wichtig, über diese Waffe zu sprechen, da viele von uns dieser Repression ausgesetzt sind. Und es ist wichtig, anzumerken, dass auch dies nicht am 7. Oktober begonnen hat. Verbote von Nakba-Demos hatten wir schon in den Jahren davor. Heute werden Leute wegen »From the River to the Sea – Palestine will be Free« festgenommen – eine Parole, die unbedingt zu verteidigen ist, da sie nichts außer gleiche Rechte für alle Menschen im Lande fordert. Aber vor zehn Jahren war es die Parole »Kindermörder Israel«. Vielleicht haben wir heute mehr mit institutioneller Repression zu tun, mit der Kündigung von Journalisten, mit Ausladungen, dem Streichen von Geldern. Aber es war nie besonders einfach, hier palästinasolidarisch zu sein. Und natürlich sind Institutionen der Kultur und Medien die Hauptträger der Staatsideologie, vor allem wenn sie vom Staat finanziert werden.

Wir danken dem AutorDror Dayan für die Publikationsrechte.

References

References
↑1 Quelle Biden Zitate: https://youtu.be/86Nrv5izaTs?feature=share

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