DIE ZEIT DER MENSCHENOPFER IST NOCH NICHT VORBEI


antikapitalistische linke akl Nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin ist das politische Deutschland mächtig in Erregung gekommen. Die Berliner Linke hat eine relative Mehrheit bei der Wahl bekommen und beansprucht mit Elif Eralp das Amt der regierenden Bürgermeisterin in der
Bundeshauptstadt. Jetzt stellen die Hauptstadtmedien und die politisch gegnerischen Parteien mit Schrecken fest: Die Linke Berlin ist nicht der seine eigene Partei so stolz verleugnende Bodo Ramelow in Thüringen und auch nicht die unbegrenzt belastbaren Juniorpartnerinnen beim Regieren in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen; nein, Die Linke Berlin ist links. Donnerwetter!
Nun werden alle Register gezogen, um dieses linke Gespenst aus der Politik zu vertreiben. Es werden infame Behauptungen über ein angebliches „Antisemitismus-Problem“ in der Linken verbreitet. Es werden Verbindungen zur „Clan-Kriminalität“ in Berlin←
unterstellt. Die Medien vergessen jede journalistische Moral und
Sorgfaltspflicht und stellen sich jeden Tag dem Ruf „Die Linke darf nicht regieren“ als Echo zur Seite.

CDU, AfD, GRÜNE und die SPD mobilisieren ihre aktuellen Vorsitzenden und Parteilautsprecher:innen ebenso wie ihre alten Parteigranden zu wüsten Aufrufen, eine Regierung mit der Linken zu verhindern.

Wir als Antikapitalistische Linke in der Linken haben auch eine gesunde Skepsis gegenüber einer Regierungsübernahme in Berlin. Aber nicht weil wir der Meinung sind, Die Linke könne oder dürfe nicht regieren, sondern weil wir – heute noch mehr als vor der Wahl – überzeugt sind, dass mit SPD und GRÜNEN ein linkes Programm nicht durchgesetzt werden kann. Sie sehen weder die groẞen Probleme in Berlin – Mieten, Bezahlbarkeit des städtischen Lebens, Bildung, Abfallwirtschaft, Verkehr, oder auch die kritische Positionierung zum Kriegskurs der Bundesregierung – noch die eindeutigen Aufträge durch mehrheitliche Bürgerentscheidungen, allen voran die Vergesellschaftung der Wohnungskonzerne.


Thies Gleiss

DIE ZEIT DER MENSCHENOPFER IST NOCH NICHT VORBEI


Wieder eine neue Seite in der Berliner Politposse. SPD und GRÜNE stornieren die
Verhandlungen mit der LINKEN. Der Unterwerfungsgesten ist es noch nicht genug.
In den Augen der
kapitalismusverwaltenden und -gestaltenden Parteien muss die LINKE in Berlin grundlegend domestiziert werden, um solche Teufelsprojekte wie die Vergesellschaftung mühsam privatisierter Groẞunternehmen am Wohnungsmarkt zu verhindern. Dazu sind Erziehungsrituale mit möglichst unpolitischen, rein ideologisch-religiösen Inhalten (in früheren Fällen waren es die
Als Peter Vlatten kommentieren

Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie: Zwischen Krise und Widerstand

Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie: Zwischen Krise und Widerstand.

Dienstag, 20. Oktober 2026 18:30 Uhr
Karl-Liebknecht-Haus (Kleine Alexanderstraẞe 28, 10178 Berlin)

Die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie geht in die heiẞe Phase: Mit dem 31. Oktober laufen die Entgelttarifverträge aus. Damit haben die Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, ihre Forderungen mit (Warn-)Streiks durchzusetzen.

Doch die Metall- und Elektroindustrie befindet sich in einer existentiellen Krise- und mit ihr die IG Metall. Das deutsche Exportmodel kommt an seine Grenzen und damit auch die Routinen der
gewerkschaftlichen Tarifrunden. Zudem greifen Arbeitergeber:innen und politische Entscheider:innen zentrale Errungenschaften guter Arbeit an.

Exemplarisches Beispiel ist die Kündigung fast aller Tarifverträge bei VW seitens des Managements.

Der Diskussionsabend wird einen Blick auf die politökonomischen Rahmenbedingungen der anstehenden Tarifrunde werfen und Einblicke aus aktuellen Arbeitskämpfen der Region geben.


Kommt zahlreich und diskutiert mit:

Anna Rosenberg – Projektmitarbeiterin Gewerkschaftliche Transformationsberatung
Jordi Ziour – Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Westbrandenburg

Bücher oder Bomben? Frankreichs Schülerprotest gegen den Ausgabendruck der NATO

Titelbild: „Finanziert unsere weiterführenden Schulen statt Völkermord“ (Bild: Stephane Jouteux)

Inzwischen sind die Schülerproteste aus Frankreich nach Belgien, Österreich, Zypern, und jetzt auch nach Deutschland übergeschwappt. Es wächst eine internationale Jugendprotestbewegung heran gegen das Kaputtsparen der Bildungssysteme zugunsten massiv wachsender Militärausgaben. Gestern wurde erstmals in Berlin nach französischem Vorbild eine Schule boykottiert. Dort wie hier die Antwort des Obrigkeitsstaates: Polizeigewalt. Der PolizeiApparat, da sind sich Grüne und SPD mit AfD und CDU vollkommen einig: der muss aufgerüstet werden. (Peter Vlatten)

Medea Benjamin, 13.10.26 – USA – Codepink

Bereits die dritte Woche in Folge gehen Schülerinnen und Schüler in ganz Frankreich auf die Straße und fordern mehr Investitionen in ihre Bildung. Sie wollen mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen, angemessene Schulgebäude und ein öffentliches Bildungssystem, das auch für Schüler:innen aus armen und aus der Arbeiterklasse stammenden Familien funktioniert.

Doch ihr Kampf fällt in eine Zeit, in der Frankreich zunehmend unter Druck gerät, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen und gleichzeitig seinen Militärhaushalt drastisch zu erhöhen. Die zentrale Frage dieses Aufstands geht weit über das Thema Bildung hinaus: Wird Frankreich in seine jungen Menschen investieren – oder in Raketen, Waffen und Krieg? Bücher oder Bomben?

Was in den Pariser Vororten begann, hat sich auf mehr als tausend Schulen ausgeweitet. Am 6. Oktober gingen Berichten zufolge mehr als 250.000 Menschen bei Demonstrationen zur Unterstützung der Schülerinnen und Schüler auf die Straße.

Die Reaktion der Regierung hat die Wut nur noch verstärkt. Statt auf die Forderungen der Schüler:innen einzugehen, haben die Behörden Bereitschaftspolizei, Tränengas, Granaten und Massenverhaftungen eingesetzt. Seit Beginn der Proteste wurden Berichten zufolge mehr als 6.500 Menschen festgenommen, die meisten von ihnen Minderjährige. Einige junge Demonstrierende erlitten schwere Verletzungen, darunter ein 15-Jähriger, der seine Hand verlor, nachdem eine Polizeigranate explodiert war. Amnesty International hat den, wie es heißt, „unverhältnismäßigen“ Einsatz von Gewalt gegen junge Menschen verurteilt, die friedlich ihr Recht auf Bildung einfordern.

Der Kontrast ist frappierend: Die Schülerinnen und Schüler fordern Lehrkräfte und angemessene Schulen, während die Regierung Bereitschaftspolizei gegen sie einsetzt – und gleichzeitig weitere Milliarden für ihr Militär ausfindig gemacht hat.

Die Schüler:innenbewegung entwickelt sich genau zu dem Zeitpunkt, an dem die NATO Druck auf die europäischen Regierungen ausübt, ihre Militärausgaben massiv zu erhöhen. Unter starkem Druck aus Washington einigten sich die NATO-Staats- und Regierungschefs 2025 auf eine schwindelerregende neue Zielvorgabe: Bis 2035 sollen 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts jedes Mitgliedslandes dafür aufgewendet werden. Mindestens 3,5 Prozent sollen direkt in Militärausgaben fließen, weitere 1,5 Prozent in militärbezogene Infrastruktur, Cybersicherheit und „Resilienz“.

Dies stellt eine enorme Abkehr vom bisherigen 2-Prozent-Ziel der NATO dar, das viele Mitgliedstaaten bereits nur schwer erfüllen konnten. Für Länder, die mit wachsenden Defiziten, hoher Verschuldung und dem Verfall öffentlicher Dienstleistungen konfrontiert sind, hat eine solche Erhöhung einen hohen Preis.

Frankreich ist dafür ein eklatantes Beispiel. Das Land hat fast 4 Billionen US-Dollar öffentliche Schulden – rund 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit einen der höchsten Werte in Europa. Um sein Defizit zu bekämpfen, hat die Regierung Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von etwa 48 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, wodurch die ohnehin schon stark belasteten öffentlichen Dienste unter noch größeren Druck geraten.

Doch während die Regierung Sparmaßnahmen fordert, sieht ihr Haushaltsentwurf für 2027 eine Erhöhung der Militärausgaben um etwa 7,2 Milliarden US-Dollar innerhalb eines einzigen Jahres vor, gegenüber lediglich 1,2 Milliarden US-Dollar mehr für die Bildung. Im Bildungshaushalt sollen zudem 1.588 unbefristete Lehrerstellen gestrichen werden.

Stellen Sie sich vor, Sie sind 16 Jahre alt und sitzen in einem überfüllten Klassenzimmer mit einer undichten Decke und ohne feste Lehrkraft und hören, dass sich Ihre Regierung bessere Schulen nicht leisten – aber irgendwie Milliarden mehr für Waffen auftreiben kann.

Frankreichs eigene Haushaltsaufsichtsbehörde hat darauf hingewiesen, dass die steigenden Ausgaben der Zentralregierung vor allem durch höhere Zinszahlungen, Beiträge an die Europäische Union und steigende Militärausgaben verursacht werden.

NATO-Vertreter:innen bestehen darauf, dass dieser massive militärische Ausbau notwendig sei, um Europa vor Russland und anderen Bedrohungen zu schützen. Doch die Vorstellung, Russland stehe kurz davor, in Frankreich einzumarschieren, ist absurd, und der Drang zu immer höheren Militärausgaben wirft eine grundlegende Frage auf: Welche Art von Sicherheit bietet die französische Regierung tatsächlich, wenn ihre Schulen, Krankenhäuser und anderen öffentlichen Dienstleistungen dem Verfall preisgegeben werden?

Frankreich ist kein Einzelfall. Auch Schüler:innen und Lehrkräfte in Belgien, Spanien und Portugal sind wegen der Finanzierung des Bildungswesens und der Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen – ein Zeichen für die wachsende Frustration in ganz Europa gegenüber Regierungen, die behaupten, es gebe nicht genug Geld für grundlegende öffentliche Dienstleistungen.

Von einer ganzen Generation wird verlangt, Sparmaßnahmen hinzunehmen, während Europa einen der größten militärischen Aufrüstungsprozesse seit dem Kalten Krieg in Angriff nimmt. Politische Entscheidungsträger:innen mögen zwar darauf bestehen, dass Bildungs- und Militärausgaben getrennte Fragen seien. Doch sie konkurrieren um dieselben begrenzten öffentlichen Mittel.

Und einige französische Schülerinnen und Schüler stellen diesen Zusammenhang bereits selbst her: Auf Protestschildern heißt es „Geld für Schulen, nicht für Krieg“ und „Finanziert Gymnasien, nicht Völkermord“. Damit verbinden sie ihre unmittelbaren Forderungen mit der umfassenderen Frage, was – und wen – die Regierung zu finanzieren bereit ist.

Diese jungen Menschen stellen die eigentliche Definition von Sicherheit infrage. Die NATO misst Sicherheit in Panzern, Raketen, Drohnen und Munition. Die Schülerinnen und Schüler fordern eine andere Art von Sicherheit: angemessene Schulen, Chancengleichheit und eine Gesellschaft, die in ihre Zukunft investiert, statt sie einem endlosen Wettrüsten zu opfern.

Ihre Forderungen sollten im gesamten NATO-Bündnis auf Widerhall stoßen, auch in den Vereinigten Staaten, wo öffentliche Dienstleistungen angegriffen werden, während Trump eine atemberaubende Erhöhung des Militärhaushalts um 54 Prozent anstrebt.

Deshalb organisieren CODEPINK und verbündete Gruppen vom 10. bis 12. November in Washington, D.C., einen „Steuerzahler:innen-Aufstand“ (Taxpayer Uprising). Dabei sollen Menschen veranlasst werden, in die Hallen des Kongresses zu gehen, um eine grundlegende Neuausrichtung unserer nationalen Prioritäten zu fordern. Statt immer mehr Steuergelder in Krieg und Waffenhersteller zu lenken, sollte unsere Regierung in Gesundheitsversorgung, Bildung, bezahlbaren Wohnraum, grüne Energie und eine nachhaltige Zukunft investieren.

Von den Klassenzimmern Frankreichs bis in die Hallen des Kongresses lautet die Frage dieselbe: Werden unsere Regierungen in das Leben investieren – oder in den Krieg? Bücher oder Bomben?

Der Beitrag ist ursprünglich bei Codepink erschienen und anschliessend auf unserer Partnerseite Pressenza publiziert. Wir danken für fas Publikationsrecht.

Codepink
CODEPINK ist eine von
Frauen geführte Basisorganisation, die sich für die Beendigung von Kriegen und Militarismus in den USA einsetzt, Friedens- und Menschenrechtsinitiativen unterstützt und unsere Steuergelder in die Gesundheitsversorgung, Bildung, grüne Arbeitsplätze und andere lebensbejahende Programme umleitet. Gegründet im Herbst 2002, um den US-Krieg gegen den Irak zu verhindern, setzen wir uns auch weiterhin für Gerechtigkeit für die Iraker:innen ein und ziehen Kriegsverbrecher:innen zur Rechenschaft. Wir wenden uns aktiv gegen den anhaltenden US-Krieg in Afghanistan, Folter, das Gefangenenlager in Guantanamo, bewaffnete und Spionagedrohnen, die Verfolgung von Whistleblowern, die US-Unterstützung für die israelische Besetzung Palästinas und für repressive Regime wie Saudi-Arabien.

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