Von Ari wie Frieden über Halloween wie „Horror Is real“ bis Warnstreik wie Zukunft!

Die Ereignisse überschlagen sich.

Heute soll die Friedenstatue Ari in Berlin Moabit endgültig entfernt werden.

Die konkrete Erinnerung an die Hässlichkeiten des Krieges, wenn sie in eigener Verantwortung oder durch Verbündete geschehen, ist in Zeiten der „Kriegsertüchtigung“ unerwünscht. Gerade wenn es um die Gewalt gegen Frauen in Kriegen geht. Es könnte doch zu sehr daran erinnern, was aktuell in Gaza geschieht. Da kennen Politiker vom Schlage des Regierenden Berliner CDU Bürgermeister Wegner kein Pardon. Er wie auch die willfährige Grüne Bezirksbürgermeisterin möchten das leidige Thema jetzt wohl endgültig hinter sich bringen. Machen wir Ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung.

Der Koreaverband ruft erneut breit zur Solidarität auf:

24-Stunden-Mahnwache: Wir stehen hinter Ari! 01.November von 0 bis 24 Uhr, an der Friedensstatue, Bremer Str. 41, 10551 Berlin

Am 31.10., dem Stichtag für die geforderte Entfernung der Friedensstatue, werden wir ab Mitternacht 24 Stunden lang bei Ari wachen. Dafür suchen wir Unterstützer*innen, die bereit sind, in 2-Stunden-Schichten vor Ort zu sein und damit ein deutliches Zeichen zu setzen: Ari lässt sich nicht ohne weiteres entfernen. Für warme Getränke, Speisen, Schlafsäcke und Sitzmöglichkeiten ist gesorgt, und auch die Nachbarschaft ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen und die Mahnwache mit Besuchen oder kleinen Beiträgen zu unterstützen. Interessierte können sich hier anmelden und uns eine E-Mail an: mail@koreaverband.de senden. 

Berlin, steh mutig hinter Ari!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie über diese 24-Stunden-Wache berichten und gemeinsam mit uns ein Zeichen für Frieden, Menschenrechte und gegen sexualisierte Gewalt setzen.

Warnstreiks in der Metallindustrie

Die IG Metall hat diese Woche breit zu Warnstreiks aufgerufen. Heute große Protestkundgebung vor der Böblinger Kongresshalle vor den Verhandlungen in Südwest.

Über 2.000 junge IG Metaller:innen haben in Böblingen  mit starker Stimme und viel Energie für ihre Forderungen demonstriert. Unter dem Motto "170 € sonst gibt's Saures!" haben sie klar gemacht, dass ihnen leere Versprechungen nicht reichen. Sonst gibt es Streik!

Die Kapitalseite hat sich bei der dritten Verhandlungsrunde bisher nicht bewegt und ist bei ihren absolut mickrigen Angeboten vom letzten Mal stehen geblieben. Angesichts der Schere, die sich in den letzten Jahren zwischen sinkenden Arbeitseinkommen und in schwindelnde Höhen kletternden Gewinnen aufgetan hat, eine Unverschämtheit. Die Konzernkassen sind prall gefüllt. Nach Jahren üppiger Dividendenzahlungen. Eilmeldung heute: „die Inflation zieht wieder deutlich an.“

Mehr noch. Es soll wohl der Poker bei VW abgewartet werden, wo statt auf die Tarifforderungen einzugehen der Spieß umgedreht wird und – unter der Drohkulisse von massivem Arbeitsplatzabau – 20 Prozent Lohn- und Gehaltseinbußen von der Belegschaft abverlangt werden!

Es geht schlicht darum: Wer zahlt? Zahlen wir Beschäftigen und ggfs. die Allgemeinheit über den Staat die Kosten einer Überproduktionskrise, für die Folgen geopolitischer Verwerfungen und für die gewaltigen Investitionen für die notwendige Transformation? Da der Staat aufgrund der Zeitenwende kein Geld mehr übrig hat, wird uns die Last besonders treffen. Oder muss das Kapital dafür mal tiefer in die üppig gefüllten Profittaschen der Konzerne greifen und auf höhere Ausschüttungen verzichten? Und wird die Transformation über E-Mobilität hinaus zu einer echten Verkehrswende gestaltet, mit für die Gesellschaft nützlicher Produktion und dadurch zukunftsfähigeren Arbeitsplätzen?

Die aktuelle Warnstreikwelle erreicht heute wohl ihren Höhepunkt. Das Handelsblatt meldet „Alles im Normalbereich. Business as usual“. Die Gegenseite hofft, dass sich die Beschäftigten durch die Hiobsbotschaften am Ende doch noch den Schneid abkaufen lassen.

Jedem Kollegen und jeder Kollegin sollte aber klar sein: es ist eine riesen Illusion, dass mit Lohnverzicht Arbeitsplätze gerettet werden könnten. Jeder Euro auf Seiten des Kapitals geht unkontrolliert dorthin, wo er weiter weltweit den größten Profit abwirft. Da spielen unsere Arbeitsplätze oder nachhaltige gesellschaftliche Entwicklungsziele nur eine untergeordnete Rolle bzw das Bauernopfer.

E-Mobilität ist weder ausreichend für zukunftsfestere Arbeitsplätze noch um Flutkatastrophen wie heute in Valencia verhindern zu helfen. 
Waffenlieferungen über alles

Wir helfen inzwischen die „halbe“ Welt „kriegstüchtig“ machen. Nach Israel jetzt auch intensiver wieder die Türkei!

Es fallen alle Hemmungen seitens Deutschlands, die Türkei mit Waffen aller Art zu beliefern, mit denen jetzt flächendeckend die Kurdengebiete völkerrechtswidrig bombardiert werden. Darunter auch viele zivile Infrastrukturen. Darunter auch Rojawa und Kobani, wo einst der entscheidende Kampf gegen den Islamistischen Staat ausgefochten wurde. Für Deutschland wird wohl immer wahrer: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich weiter ungeniert.“

Die Opfer auf allen Seiten, ob Kurden oder Palästinenser, Koreaner sollten sich zusammenschliessen.

Von den vielen Protestveranstaltungen greifen wir nur eine auf. Der Protest der Beschäftigten im Gesundheitsbereich vor der Charité am Sonntag gegen die systematische Zerstörung von Einrichtungen und Personal in Gaza.

Gesundheitseinrichtungen und und medizinisches Personal dürfen weder in Gaza noch igendwo sonst zu Kriegszielen werden! Mehr zur Kundgebung hier!

Dieses Poster steht an vielen Orten öffentlich in Vietnam

Heute ist Halloween! Vielen ist für Gruselfez nicht zumute. „Horror Is real“ genug in Nahost! Geht lieber zur Ari Nachtwache und verscheucht die Schergen von Wegner. Oder zur nächsten propalästinensichen Demonstration.

Fotos: Titelbild, Bild 1,3,4 Peter Vlatten, Bild 4 Warnstreiklogo IG METALL SW, Bild 7 Catrin Karras Vietnam

Krieg ist Frieden – eine totlustige Vorschau

Mittlerweile fällt es nicht mehr auf. Da sitzen – völlig ausgewogen – drei Kriegsbefürworter in der xy-Talkshowrunde – und eine Teilnehmerin, die bekannte Nörglerin Z, die noch dabei sein darf.

Von Wolf Wetzel

Bild: Bundeswehr

Das Thema ist – in allen Abwandlungen – dasselbe. Wie kann sich Deutschland verteidigen? Was muss man tun, ganz schnell, damit das Schlimmste nicht passiert.

Die Frage, wer uns überhaupt bedroht, ist mehr als überflüssig, also ein eindeutiger Beweis für Putinnähe. Denn wir sind geeicht:

Die Russen kommen … wieder und wieder. Gefühlt und gedacht, zum dritten Mal:

1914

1941

202X

Das wissen alle. Das wird gar nicht mehr diskutiert.

Er geht nur noch darum, wie man die Russen daran hindern kann, dass das passiert.

Zuerst wird die Runde abgeklappert, die 150-Prozentigen, die 125-Prozentigen, die 100-Prozentigen sind dran. Sie alle erklären, dass wir jetzt wehrlos sind, verteidigungsunfähig, blank – ein Opfer, das sich nach seinem Mörder sehnt.

Dann kommt die Zweiflerin Z dran. Sie erklärt, dass alle europäischen Staaten zusammen 20 Mal mehr in den Kriegshaushalt stecken als die Russen.

Nicht mit uns!

Alle Eingeladenen und die Moderatorin sind sich wortlos einig. Zahlen können lügen und ganz arg täuschen. Zudem ist jetzt der Demokratiebonus ausgereizt.

Nun diskutieren wieder die 150- bis 100-Prozentigen: Wie müssen wir uns verteidigen? Alles wird wie in der Vorschulkasse wiederholt: Mehr Geld, mehr Waffen, mehr Kriegsertüchtigung, mehr Wachsamkeit.

Welche Gefahren müssen wir abwehren, welche Gefahren lauern im Verborgenen?

Die 150- bis 100-Prozentigen können sich kaum bremsen: Die Gefahren lauern überall, vor allem dort, wo man sie gar nicht sieht. Der Russe ist ein Multitalent: Er kann Wahlen manipulieren, Fake News verbreiten, Hass schüren, Menschen verunsichern, kritische Infrastruktur sabotieren und Menschen in Putinversteher verhexen. Einer der 150-Prozentigen ist sich auch ganz sicher, dass die Sprengung der Nord Stream I und II das Werk der Russen war. Ja, so gemein und hinterhältig sind sie. Sie sprengen ihre eigene Pipeline in die Luft, weil darauf niemand kommen würde. Aber nicht mit uns.

Eine 125-Prozentige will auch noch etwas loswerden. Russland betreibe doch ganz bösartige Desinformation, wenn es behaupte, dass deutsche Politiker nach der „Wiedervereinigung“ zugesagt hätten, dass sich die NATO nicht in Richtung ehemaliger Ostblockstaaten ausdehnen werde. Es stimme zwar, dass Außenminister Genscher am 31. Januar 1990 in einem Vortrag vor der Evangelischen Akademie Tutzing gesagt hatte:

Was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, das heißt, näher an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben. […] Der Westen muss auch der Einsicht Rechnung tragen, dass der Wandel in Osteuropa und der deutsche Vereinigungsprozess nicht zu einer Beeinträchtigung der sowjetischen Sicherheitsinteressen führen dürfen.“

Aber, und darauf kommt es doch an: Diese Sätze sind erkennbar aus dem Zeit/Zusammenhang gerissen. Sätze auszugraben, die vor 30 Jahren noch einen gewissen Sinn gehabt haben, uns heute und gerade jetzt vorzuhalten, ist nichts weiter als perfide russische Desinformations- und Zersetzungskunst.

Alle nicken heftig, nur die Nörglerin Z schüttelt leicht den Kopf – noch.

Russland ruinieren!

Nachdem geklärt ist, was schon vorher klar war, lenkt die Moderatorin das Thema von der „Heimat“-Verteidigung zur Verteidigung der „Welt“. Das geht, wie immer, so:

Die Welt ist in Unordnung, die Krisen häufen sich. Es gibt überall Kriege, Brandherde und Kriegsgefahr. Was müssen wir also tun?

Deutschland muss seine Verantwortung, also die selbst-wachsende Verantwortung in und für die Welt wahrnehmen. Dafür braucht es noch mehr Waffen, noch mehr vom selben.

Die Moderatorin will es nun aber genau wissen. Klar, Russland ist eine verdammt große Gefahr, der bekannt hungrige russische Bär. Aber was ist mit China? China ist unheimlich aggressiv, besonders mit besseren und billigeren Autos, Handys, Computern und überhaupt. Das ist ein Krieg! Und keiner bemerkt es! Oder doch?

Die Moderatorin schaut die 150 bis 100-Prozentigen mit fiebrig-flackernden Augen an. Sie wissen, was jetzt von ihnen erwartet wird.

Sie sind sich einig: Russland muss besiegt, also „ruiniert“ werden, wie es die oliv-grüne Kriegsministerin Baerbock formuliert. Aber es stimmt: Der eigentlich große Brocken ist China. China bedroht die Vormachtstellung des Westens, das stört den Frieden, bringt das profitable Ungleichgewicht durcheinander. Zudem erdreistet sich China, für eine neue, andere Weltordnung zu werben, die multipolar sein soll.

Man hört jetzt ganz kurz die Nörglerin Z: Sie sind doch alle so für Diversität! Was macht Ihnen jetzt also Angst?

Die Moderatorin und die 150- bis 100-Prozentigen lassen diesen Que(e)rpass ins Leere laufen und konzentrieren sich auf die globalen Herausforderungen und wenden sich einem Bedrohungsszenario, das noch fehlt, das man für einen Krieg unbedingt braucht:

China macht doch tatsächlich Militärmanöver vor Taiwan! Und das ist – in diesem Fall – sehr aggressiv und einschüchternd. China wird also bald, hoffentlich Taiwan angreifen. Dann haben wir den Verteidigungsfall. Und dann kann es losgehen.

Weltoffene Verteidigungsstrategie

Der 125-Prozentige will dieser Rudelbildung nicht folgen. Wir müssen uns aufteilen: Europa, mit Deutschland an der Spitze, übernimmt Russland und die USA konzentrieren sich auf den Krieg mit China.

Tatsächlich meldet sich unerlaubt noch einmal die Nörglerin Z zu Wort: Das Thema heute war doch, wie sich Deutschland verteidigen kann!? Territoriale Verteidigung und keine Interventionsarmee.

Die Moderatorin und die 150- bis 100-Prozentigen schütteln sich kurz und fangen sich dann aber sehr schnell. Nun, wir haben einfach eine weltoffene Verteidigungsstrategie. Denken Sie doch an unseren Verteidigungsminister Peter Struck um die Jahrtausend-/Zeitenwende herum. Der hat auf die Frage ‚Was haben wir militärisch in Afghanistan zu suchen?‘ geantwortet:

Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Damals wussten viele nicht einmal, wo der/die/das Hindukusch liegt. Heute wissen wir, dass der Hindukusch überall sein kann.

Wir können weitere 1.000 Male dieser Endlosschleife zuschauen.

Wir können dem folgenreich folgen oder uns nicht länger folgenlos empören.

Quellen und Hinweise

Hans-Dietrich Genscher. Die Biografie. Hans-Dieter Heumann, Schöningh, Paderborn 2012, S. 280

Wir haben uns den 3. Weltkrieg verdient, Wolf Wetzel, 2024: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/wir-haben-uns-den-dritten-weltkrieg-verdient/

Die Russen kommen und kommen … bis nach Paris, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/07/28/die-russen-kommen-und-kommen-bis-nach-paris/

Erstveröffentlich im Overton Magazin v. 29.10. 2024
https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/krieg-ist-frieden-eine-totlustige-vorschau/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Gaza – Gesundheit ist keine Zielscheibe! – Kundgebung vor der Charite

Beschäftigte aus den Berliner Gesundheitsbereichen rufen zur Solidarität auf!

Was die Charite für Berlin ist, ist Al Shifa für Gaza!

Für den Schutz der Gesundheitssysteme und und des medizinischen Personals in Gaza!
Stoppt die Angriffe auf die
Gesundheitsversorgung in Gaza!
Kundgebung am 03.11.2024, 14 bis 17 Uhr

Bettenhochhaus Charité,
Luisenstraẞe 64
@gesundheit4palestine

„Das Al Shifa Krankenhaus ist für Gaza genauso essentiell wie die Charité für Berlin.
Am 3. November 2023 wurde dieser zentrale Ort der Gesundheitsversorgung von Israel bombardiert. Diese Angriffe stehen für die gezielte Zerstörung des Gesundheitssystems und sind Teil einer genozidalen Kriegsstrategie!
Fast 1.000 Gesundheitsarbeiter“innen wurden bereits getötet, während unsere Kolleg’innen ihr Leben riskieren, um Verletzte zu versorgen.
Wir, die Arbeiter’innen des deutschen Gesundheitssektors, fordern den Schutz unserer Kolleg’innen! Stoppt die Bombardierungen medizinischer Einrichtungen in Gaza, im Libanon und im Jemen.
Komm in deiner Arbeitskleidung zur Kundgebung! Setze ein starkes Zeichen für die Unversehrtheit der + Gesundheitsversorgung!
Sei dabei und setze dich für den Wiederaufbau der Gesundheitsinfrastruktur in Gaza ein!

Wir berichteten u. a. ausführlich zum Thema

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