Der Geist ist aus der Flasche: Mercedes Arbeiter:innen im Werk Bremen legen eine „Pause“ ein!

Irgendwann ist das Maß voll. Bei Mercedes Benz.

Ein Einsparprogramm jagt das nächste. Verlagerungen in Richtung Osteuropa. An den Stammbelegschaften wird gesägt, auf Leiharbeiter:innen wird verstärkt zurückgegriffen. Werksschliessung in Südafrika. In Ankündigung: Keine sofortige Lohnfortzahlung bei Krankheit und 5 Stunden mehr arbeiten ohne zusätzlichen Lohn.

Gleichzeitig verschlingt das schuldenfinanzierte Aufrüstungsprogramm die Hälfte des Staatshaushalts. In der Konsequenz bedeutet das: Sozialer Kahlschlag auf allen Gebieten. Steigende Beiträge und Gebühren, längere Lebensarbeitszeit, sinkende Renten und eine angeheizte Inflation, die die Realeinkommen auffrisst.

Und jetzt als Sofortmaßnahme: die tarifliche Sonderzahlung für 90.000 der rund 108.000 Beschäftigten soll für dieses Jahr gestrichen werden.

Dass es unter den Automobilarbeiter:innen brodelt, hat sich schon lange abgezeichnet.

Die Warnzeichen aus den Mercedes Belegschaften häufen sich. In Berlin Marienfelde forderten über 400 Kolleg:innen von der IG Metallführung eine konsequentere Mobiliserung zum Kampf gegen die Angriffe. Letzte Woche verabschiedeten die Vertrauensleute Mercedes Benz Stuttgart Untertürkheim eine Resolution mit dem Titel „„Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik“ .

Am Ende der letzten Woche sind Kolleg:innen im Werk Bremen jetzt zur Tat geschritten. Am Freitag hiess es in einem Flugblatt:

Moin Kollegen der Spätschicht!
Die Frühschicht empfängt euch heute nicht in voller Stärke: Über 500 Kollegen der Halle 9 haben in der Mittagspause beschlossen, dass unsere Kinder Hitzefrei haben und wir uns kümmern müssen.
Die Überhitzung liegt an den Forderungen des Vorstands an uns:

Wir sollen länger arbeiten

und die Löhne sollen gekürzt werden.

Zeitgleich wird in der Regierung über Rente mit 70 und weiteren massiven Kürzungen im Bereich Gesundheit, Rente, Bildung,… diskutiert.

Nicht mit uns!!!

Schickt eure Vertrauensleute zur Versammlung um 13:30 Uhr!

Damit auch ihr diskutieren könnt, ob sich Hitzefrei nicht auch für euch lohnt:

Bei 36°C auf einem Freitag Nachmittag

Aktuell hat uns die Meldung erreicht. Auf den Widerstand der Kolleg:innen folgte auf der Stelle die Repression des Konzerns. Es sollen Abmahnungen ausgesprochen worden sein. Das geht alle Kolleg:innen im ganzen Konzern an. Das verlangt eine geschlossene Antwort.

Alle Abmahnungen sind sofort zurückzunehmen!

Das Management jammert, daß die Kapitalrendite auf 4,1 Prozent gesunken sei. Wenn die Arbeiter:innen zur Bank gehen erhalten sie unter 2 und bestenfalls zwischen 2 und 3 Prozent. In der Realität erleben sie, wie ihre Realeinkommen sinken. Deshalb erst recht:

Auszahlung der tariflich vereinbarten Sonderzahlung sofort.

Was meinten die Vertrauensleute von Mercedes Benz Stuttgart Untertürkheim noch? „Die Bosse wollen Klassenkampf? Könnnen sie haben!“ Wurde jetzt dazu angepfiffen? Wird nicht mehr nur auf ein Tor geschossen, sondern auf beiden Seiten „gespielt“? Und schon wissen sich die Bosse nicht anders zu helfen als mit Abmahnungen zu foulen. Rote Karte dafür.

Der Geist ist aus der Flasche. Sorgen wir dafür, daß er nicht wieder eingefangen wird. Dafür muss aber dringend eine geordnete und geschlossene Mannschaftsaufstellung her. Mit Vernetzung in die Tiefe der Belegschaften hinein und über die Standorte hinweg.

Mehr aktuell zu Mercedes: „Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik“ – eine Resolution der IG Metall Vertrauensleute Mercedes Benz Stuttgart Untertürkheim"

Titelbild: screenshot, Quelle VK MB UT

Sollte man die Reichen essen? Über einen todernsten Debattenbeitrag von Fabian Lehr.

Gerade in heftigen Hitzephasen wie aktuell wird von ExpertInnen immer wieder darauf hingewiesen, dass es in unser aller Hand liegt, durch unser tägliches Konsumverhalten einen Beitrag zur Abwehr der Klimakrise zu leisten. Ob es dabei eine sinnvolle Maẞnahme sei, die
Reichen zu essen, ist in Politik und Umweltschutzorganisationen umstritten.

Fabian Lehr

Studien über das Aufessen der Reichen führen zu einem ernüchternden Ergebnis. Die Reichen mit ihrem verheerenden ökologischen Fußabdruck sterben durch das reine Aufessen einfach nicht aus. Es entstehen nämlich immer wieder neue Reiche, solange die Wachstumsbedingungen für ihre Wiederauferstehung gedeihen und nicht zerschlagen werden.

Video von Fabian Lehr „Ein Debattenbeitrag“ zu „Eat the Rich“
Es gibt jetzt einen „todernstern“ Debattenbeitrag von Fabian Lehr in einem Video dazu!

„Eat the Rich“ erinnert stark an die auch bei vielen Linken verbreitete Sehnsucht, durch verstärkte oder „richtige“ Besteuerung der Reichen „soziale Gerechtigkeit“ herstellen und das Auseinanderdriften von Arm und Reich beenden zu können. Wir berichteten anlässlich aktueller Kampagnen über die „kurzen Beine“ dieser Art von „vulgärem Sozialismus“ (Karl Marx). Aber solange an den Mechanismen festgehalten und gefeilt wird, die den Reichtum weniger Kapitaleigner durch die Aneignung des Mehrwerts aus der Arbeit der großen Mehrheit der Bevölkerung gewährleisten, lässt sich diese permanente immer unverschämtere Anhäufung von Reichtum bei ganz Wenigen bei gleichzeitiger Verarmung des großen Rests der Gesellschaft nicht grundlegend stoppen.

Vergessen wir also nicht dafür zu kämpfen, daß die Verfügungsgewalt der Kapitalisten über unsere Arbeitskraft nicht ausgedehnt wird. Jede Stunde mehr Arbeit schafft Profit und damit mehr Reichtum.

Für den Erhalt des 8 Stundentags, keine Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch ein späteres Renteneintrittsalter! Für den Erhalt der 35 Stundenwoche und weitere Arbeitszeitverkürzung.

Und auch den Erhalt der Realeinkommen. Denn auch jeder Cent weniger in unseren Taschen führt zu mehr Reichtum, der sich in Kapital verwandelt und auf unserem Rücken noch mehr Verwertung sucht.

Wir danken Fabian Lehr für seine kreativen Einfälle, uns den Marxismus immer mal wieder auf originelle Weise näher zu bringen.

Berlin: Kundgebung am 27.6. gegen den Sozialkahlschlag – ein Auftakt

Auf Grund der extremen Hitze hatte der Berliner DGB auf die heute geplante Demonstration verzichtet – zugunsten einer Kundgebung mit gestrafftem Programm. Einige Hundert Gewerkschaftsmitglieder hatten sich nicht abschrecken lassen und waren mit Transparenten und eigenen Infoständen vor Ort erschienen, um so gegen die Angriffe auf den Sozialstaat zu demonstrieren, die auf ganzer Bandbreite die Lebensinteressen der abhängig Beschäftigten treffen. Zwei Losungen standen im Mittelpunkt: „Jetzt reichts!“ – Diese Nachricht geht an die Adresse der Regierenden. Sie sollen wissen, dass wir als Gewerkschafter:innen nicht bereit sind, die von der politisch Verantwortlichen geplanten Maßnahmen kampflos hinzunehmen. Und: „Es reicht für alle“. Damit wurde klargestellt, dass der Sozialstaat kein Finanzierungsproblem hat, wenn man den Mut aufbringt endlich die notwendige Finanzierung bei denen zu holen, die immer obszöneren Reichtum anhäufen. Die Losung richtete sich aber auch gegen die Demagogie des rechten Lagers, das die Migration für die Verschlechterung der Lebensumstände vieler Menschen verantwortlich machen will. Darüber, dass die AFD und ihr Umfeld keine Interessensvertretung der abhängig Beschäftigten sondern Treiber reaktionärer Politik im Sinne der Vermögenden sind, herrschte in den Redebeiträgen kein Zweifel. So lag es auch nahe, dass zu den Protestaktionen anlässlich des AFD-Bundesparteitags in Erfurt aufgerufen wurde. Der Zusammenhang zwischen dem Sozialkahlschlag und der Politik der Kriegsertüchtigung spielte leider kaum eine Rolle. Dafür sorgen aber viele Transparente der aktiven linken Basis, der es wichtig war auf dieser Kundgebung gerade dies zum Ausdruck zu bringen.

Bilder: Jochen Gester, Konstantin Kieser, Peter Vlatten

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