Akademiker in Solidarität mit VIOME – eine von den Arbeiter*innen selbstverwaltete Fabrik

Von Arbeiter:innen selbstverwaltete Fabriken und eine ökologisch ausgerichtete Produktion und Produktpalette ohne Profite sind ein Unding und ein Dorn im Auge all derer, die jede Art von Tätigkeit für die kapitalistische Gewinnmaximierung ausschlachten wollen. Also sollen die Arbeiter:nnen Initiativen und auch Kollektive in der Landwirtschaft, wie sie sich vor Jahren in Griechenland ausgebreitet haben, wieder Stück für Stück in eine kapitalistische Verwertung überführt oder auch ganz platt gemacht werden. Die Gegenwehr ist heftig! (Peter Vlatten).

Hier die Erklärung solidarischer Intellektueller, 09.10.23 – Pressenza Athens

Geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die meisten von euch haben sicherlich bereits die wiederaufgenommene Arbeit von VIOME durch die Arbeitnehmenden gehört. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von VIOME in Thessaloniki, Griechenland, haben sich gegen Arbeitslosigkeit und Armut gewehrt, indem sie einen langen und harten Kampf geführt haben, um die besetzte Fabrik unter sehr schwierigen Bedingungen selbst zu verwalten. Seit 10 Jahren produzieren und verkaufen sie in den besetzten Räumen ökologische Reinigungsmittel. Sie arbeiten unter gleichen Bedingungen und treffen ihre Entscheidungen kollektiv in einer Betriebsversammlung. Gleichzeitig haben sie eine große Welle der Solidarität von Bewegungen nicht nur in Griechenland, sondern in der ganzen Welt erhalten, die ihren Kampf als ein Symbol für die Menschenwürde betrachten. Es ist zu einem großen Beispiel des Widerstands und der vorbildlichen Praxis geworden.

Wiederholt hat der griechische Staat die Fabrik bedrängt und mit einer Schließung gedroht. Am 20. September 2023 versuchten Vertreter von Investmentfonds, die Fabrik zu betreten und die Arbeiter zu vertreiben. VIOME wurde verschont: Trotz der überraschenden Aktion des Geldgebers und des Bauunternehmers, das Projekt zu zerschlagen, versammelten sich die Arbeiter und Solidaritätsgruppen am Tor und verhinderten die Räumung. Doch noch ist nichts gewonnen, sie werden es wieder versuchen.

Um diesen Angriff zu widerstehen, ist es wichtig, unsere Solidarität mit all jenen zu beweisen, die ihren Körper zu einem Schutzschild gegen Gier, Profit und Zerstörung gemacht haben. Für uns als Mitglieder der akademischen Gemeinschaft, die nach einer alternativen Zukunft streben, ist es entscheidend, uns an diesem Widerstand zu beteiligen, angefangen mit der Unterzeichnung dieser Erklärung.

Ich unterzeichne diese Erklärung in Solidarität mit dem Kampf von VIOME gegen den jüngsten Angriff auf die Räumung der Fabrik, die sie in den letzten 10 Jahren am Laufen gehalten haben. Wir schließen uns dem Widerstand an und bekräftigen unsere Unterstützung für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Unterstützerinnen und Unterstützer, um #Viome am Leben zu erhalten!

Viome steht nicht zum Verkauf!

Viome wird in den Händen der Arbeiter bleiben!

Professor Maria Daskalaki / Oxford Brookes University / mdaskalaki@brookes.ac.uk
Dr Dimitra Vladimirou / Coventry University / dimitravlad@yahoo.co.uk
Dr Dimitris Pettas / Technical University of Berlin / pettasdimit@gmail.com
Prof Denise Kasparian / University of Buenos Aires / dkasparian@conicet.gov.ar
Prof Monika Kostera / University of Warsaw, Poland and University of Södertörn, Sweden / kostera@onet.eu
Prof Iain Munro / Newcastle University, UK
Prof Ignasi Martí / ESADE Business School / ignasi.marti@esade.edu
Dr Emmanouela Mandalaki / NEOMA Business School / emmanouela.mandalaki@neomabs.fr
Dr. Anastasios Hadjisolomou / University of Strathclyde / a.hadjisolomou@strath.ac.uk
Prof Daniel Arenas / ESADE-Universitat Ramon Llull / daniel.arenas@esade.edu
Andrew Kilmister / Oxford Brookes University Business School / ackilmister@brookes.ac.uk
Dr Guilherme Azevedo Audencia Business School gazevedo@audencia.com
Dr Katia Novikova / SWPS University in Warsaw, Poland
Prof Chris Land / Anglia Ruskin University, School of Management
Professor Yuliya Shymko/ Audencia Business School / yshymko@audencia.com
Prof. Bhabani Shankar Nayak / Уniversity for the Creative Arts, UK / bhabani79@gmail.com
Dr Ruth Elizabeth / Slater University of Central Lancashire, UK
Dr. Dimitris Soudias / University of Groningen / d.soudias@rug.nl
Dr Beverly Geesin / Northumbria University, Newcastle Business School
Julien Lafaille / Grenoble Ecole de Management / julien.lafaille@grenoble-em.com
Prof Jason Glynos / University of Essex, Department of Government
Professor Carole Elliott / Sheffield University Management School / carole.elliott@sheffield.ac.uk
Professor Marianne Maeckelbergh / University of Ghent, Belgium / marianne.maeckelbergh@ugent.be
Jes Fernie / University of the Arts London / j.fernie@csm.arts.ac.uk
Professor Marianna Fotaki / Warwick Business School / Marianna.Fotaki@wbs.ac.uk
Professor Andreas Chatzidakis / Royal Holloway University of London / Andreas.Chatzidakis@rhul.ac.uk
Dr. Marco Gottero / Università degli Studi di Torino / marco.gottero@unito.it
Dr Anna Paraskevopoulou / Anglia Ruskin University / anna.paraskevopoulou@aru.ac.uk
Professor Lynne Segal / Birkbeck, University of London / l.segal@bbk.ac.uk
Professor Carine Bouzir / Neoma business school / carine.chemin-bouzir@neoma-bs.fr
Dr. Christina Sakali / Aristotle University of Thessaloniki / christina.sakali@gmail.com
Dr. Cagatay Sahin / Ordu University, Türkiye / cedgucansahin@gmail.com
Dr Dermot O’Reilly / Lancaster University / d.oreilly@lancaster.ac.uk
Dr Stephen Allen / University of Sheffield / stephen.allen@sheffield.ac.uk
Aleksandra Hall / University of Ghent / aleksandra.hall@ugent.be
Dr Alia Weston / OCAD University / aweston@ocadu.ca
Dr Anke Strauß / Eberswalde University for Sustainable Development / anke.strauss@hnee.de
Prof Alison Pullen / Macquarie University

Wir danken Pressenza für die Publikationsrechte, der Beitrag erschien am 9.10.2023 hier

Titelbild aus Pressenza 9.10.2023

Keine Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands!

Erstellt am7. Oktober 2023 von georgbrzoska

Ein Kollektiv von deutschen Gewerkschaftern erklärt:

„Wir – Gewerkschafter*innen aus der Bundesrepublik Deutschland – der Griechenland Solidaritätsgruppe „Gegen Spardiktate und Nationalismus“, sind entsetzt über die geplante Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands in Athen.
Das Gebäude ist ein lebendiger Treffpunkt für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Wie wir erfahren beruhen die Anschuldigungen des Kultusministeriums auf falschen Aussagen und dienen nur als Vorwand, um ein unliebsames politisches Projekt aus dem Weg zu räumen.
Besonders empört uns, dass die Veranstaltung vom 9. Juli „Gerechtigkeit für das Verbrechen von Pylos“ als eine der Begründungen für die bevorstehende Räumung genannt wird.“Wir – Gewerkschafter*innen aus der Bundesrepublik Deutschland – der Griechenland Solidaritätsgruppe „Gegen Spardiktate und Nationalismus“, sind entsetzt über die geplante Räumung des Hauses des Vereins der Archäologen Griechenlands in Athen.
Das Gebäude ist ein lebendiger Treffpunkt für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Wie wir erfahren beruhen die Anschuldigungen des Kultusministeriums auf falschen Aussagen und dienen nur als Vorwand, um ein unliebsames politisches Projekt aus dem Weg zu räumen.
Besonders empört uns, dass die Veranstaltung vom 9. Juli „Gerechtigkeit für das Verbrechen von Pylos“ als eine der Begründungen für die bevorstehende Räumung genannt wird.

Wir fordern das griechische Kultusministerium auf, den Räumungsbeschluss zurückzunehmen.
Solidarität mit dem Kampf der griechischen Kolleginnen und Kollegen des Vereins der Archäologen Griechenlands.“

Björn Brunner (ver.di Hamburg), Manfred Klingele (GEW Hamburg), Hans Köbrich (IG Metall Berlin), Henrik Torbecke (IG Metall Jugend) und Christos Paralis (IG Metall Salzgitter-Peine)

Titelbild aus „griechenlandsolidarität

Ein Ukrainer auf dem Podium beim ver.di Bundeskongress – Wahrheit oder Dichtung?

Auf dem Bundeskongress der ver.di wird/wurde um den zukünftigen Weg der Gewerkschaften gestritten. Wir publizieren verschiedene krtische Beiträge zum Kurs der ver.di Führung und zum Verlauf des Kongresses. Siehe auch unseren Aufruf “Ver.di Bundeskongress -Sagt Nein gegen Krieg, Militarisierung und Burgfrieden” ,die Beiträge “Interview mit einem Delegierten – nicht nach Schema F” ,“Programm gegen die Krise ist nötig und nun zuletzt  "ver.di sagt JEIN".

Auf der Podiumsdiskussion des Kongresses zur „Internationalen Solidarität“ trat auch ein ukrainischer „Gewerkschaftskollege“ auf ! Das Bündnis „Sagt Nein – Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden“ berichtet dazu in seinem Zwischenbericht „Die Stimmung könnte kippen (20.9.2023) :

„Auch der Versuch, die Stimmung durch die Beteiligung eines regimetreuen ukrainischen `Gewerkschaftsführers` am internationalen Dialog zu drehen, verfing bei den Delegierten offensichtlich nicht wie gewünscht. In der ansonsten hochrangig besetzten Talkrunde mit Christy Hoffman (Generalsekretärin von UNI Global), Livia Spera (Generalsekretärin der ETF, der Europäischen Transportarbeiter-Förderation), Willem Goudriaan (Generalsekretär des EGÖD, des Europäischen Gewerkschaftsverbands für die öffentlichen Dienste) über europäische und internationale Gewerkschaftsarbeit im Allgemeinen und über die Situation in der Ukraine im Besonderen, internationale Solidarität und die Rechte der Frauen weltweit, wurde sehr schnell deutlich, dass der ukrainische Gesprächsteilnehmer, Valeriy Matov (Präsident von Atomprofspilka, Ukraine, der Gewerkschaft der Atomkraftwerksbeschäftigten) nicht mehr aber auch nicht weniger als ein Sprachrohr der Regierung Selensky war;  eines Regimes, das nach einhelliger Einschätzung internationaler Gewerkschaften und auch des DGB sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass es im Schatten des Kriegsrechts massiv Menschen- und Gewerkschaftsrechte einschränkt. Um so trauriger, dass in der ansonsten sehr informativen und praxisorientierten Talkrunde moderationsseits zwar die zu Recht höchst kritisierbaren Einschränkungen der Gewerkschaftsrechte in Russland und Belarus sowie die dort stattfindenden Verfolgungen regimeoppositioneller gewerkschaftlicher Aktivität thematisiert wurde, die faktische Beseitigung wesentlicher Menschen- und Gewerkschaftsrechte durch das Selenskyregime jedoch nicht…

Endgültig desavouierte sich der ukrainische Gesprächsteilnehmer bei vielen  Delegierten durch seine Antwort auf die Frage nach der Bedeutung von Frauenrechten angesichts der Kriegssituation, als er sinngemäß antwortete, dass die Rolle der Frau halt die der `Versorgerin und Kümmererin von Heim und Herd und  der Kinder an der Heimatfront` sei – es sei ja schließlich `halt Krieg`… Nachdem auf dem Kongress zwei Tage lang zu recht und ausgiebig gefeiert wurde, dass ver.di mit über 900.000 organisierten Frauen die  `größte deutsche Frauenorganisation` sei, fielen solcherlei rückwärtsgewandten und zutiefst patriarchal reaktionären Äußerungen erkennbar auf berechtigte Zurückhaltung der Delegierten – bei Kolleginnen UND auch Kollegen.“

Das offizielle Kommunikationsteam des ver.di Bundeskongresses blendete diese kritischen Passagen des ukrainischen „Gewerkschaftskollegen“ komplett aus und stelllte dessen Vorstellung auf ver.di Telegram folgendermaßen dar:

Erschütternd bleibt auch die Situation in der Ukraine. Sehr bewegend hat heute unser ukrainischer Gast Valeriy Matov die Situation von Gewerkschaften und Beschäftigten in seinem Heimatland geschildert und verdeutlicht, wie wichtig die Unterstützung der internationalen Schwestergewerkschaften ist.

Gewerkschaften weltweit müssen ihre Kräfte bündeln: – Hoch die internationale Solidarität!

Spätestens beim Thema Krieg stirbt die Wahrheit zuerst und wird durch Propaganda ersetzt. Da wird dann jegliche ausfällige Frauen- und Fremdenfeindlichkeit übergangen oder sogar mit Freundlichkeit quittiert.

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