Landesparteitag Die Linke Berlin – auf dem Weg zur „roten Metropole“???

Illusionen können gefährlich werden. Ohne beständigen Kampf von unten wird sich nichts ändern. Es rettet uns kein Kaiser noch Tribun … und auch kein Senator in Berlin! Deshalb ist die folgende Auseinandersetzung bitter notwendig. Für Einheit und den Erfolg einer wirklich rebellischen Linken. (Peter Vlatten)

Martin Suchanek. Infomail 1298, 19. November

Die Linke will in Berlin regieren und mit Elif Eralp die nächste Bürgermeisterin stellen. Nichts weniger als eine rote Bastion gegen das neoliberale, militaristische und rassistische Grau der Bundesregierung verspricht die Partei unter dem Titel „Berlin zurückerobern – für eine Rote Metropole“. Detailliert werden manche der Vorschläge u. a. im Beschluss „Soziale Sicherheit und demokratisierte Daseinsvorsorge – für einen radikalen Politikwechsel in Berlin“ beschrieben.

Mit mehr Dynamik und vollmundiger als im letzten Jahrzehnt verspricht Die Linke, sollte sie eine Koalition mit SPD und Grünen nach den Landtagswahlen anführen, einen „echten“ Politikwechsel, ein „rebellisches Regieren“ vom Feinsten. Mit der „roten Metropole“ soll sich alles grundlegend ändern, stellt sie doch nicht weniger vor als eine „Stadt, in der die Menschen bestimmen, wo es langgeht, nicht der Markt. Eine Stadt, in der nicht mehr die Größe des Portemonnaies entscheidet, wie gut man lebt, sondern ein gutes Leben für alle Menschen möglich ist.“

Und wie soll das gehen? Dazu schlägt Die Linke in mehreren Beschlüssen einen Fokus auf folgende Maßnahmen vor.

1. Die Lösung der Wohnungsnot in Berlin

Das soll durch mehrere Maßnahmen erfolgen, u. a. durch ein soziales Wohnbauprogramm, einen Mietendeckel für 380.000 landeseigene Wohnungen und die Verpflichtung für private Vermieter:innen, in mindestens 50 % ihrer Immobilien für dauerhaft bezahlbare Mieten zu sorgen. Gewissermaßen als Krönung des Ganzen verspricht die Partei, dass sie die Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung von DWE und Co. zur Bedingung einer Koalition machen würde. Das klingt zunächst tatsächlich nach einem längst fälligen Durchbruch. Wie dies allerdings mit dem sehr dehnbaren Begriff einer Vergesellschaftung zu verstehen ist, bleibt unklar. Allerdings – und das sollten alle auch gleich im Hinterkopf haben –: Das E-Wort kommt in keinem der Beschlüsse vor. Statt von Enteignung ist sehr viel vager von Vergesellschaftung und sozialen Verpflichtungen die Rede.

Das ist kein Zufall. Alle wissen, dass die SPD, aber auch die Grünen einer sofortigen Enteignung der Konzerne nicht zustimmen würden – und somit die Koalitionsverhandlungen nur von kurzer Dauer sein könnten. Das Wort „Vergesellschaftung“ wird daher zu einer gängigen Formel, die zwei Funktionen erfüllt. Erstens klingt sie viel radikaler, auch wenn es sich bei Lichte betrachtet um wenig mehr als Mitbestimmung von Mieter:innen und den durchaus unterstützenswerten Ausbau der Rechte von Beiräten usw. handelt. Zweitens ist es in der Substanz viel vager als die Enteignung und erlaubt es so, unter einer scheinradikalen Fassade die Enteignungsfrage zu umschiffen. Die radikale Phrase reduziert das sog. rebellische Regieren mit SPD und Grünen in der Wohnungsfrage auf seinen realen Gehalt, auf einige sozialdemokratische Reformen, die das Privateigentum und die Profitmacherei der Immobilienlobby allenfalls etwas einhegen, in ihrer Substanz aber unberührt lassen. Damit könnten notfalls auch die SPD-Rechte und die Senatsverwaltung gut leben. Und die Spitze der Linkspartei könnte so tun, als hätte sie sich an „rote Linien“ gehalten.

2. Der Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge statt Sozialkürzungen

Neben der Lösung der Wohnungsfrage verspricht Die Linke die Errichtung einer „sozialen Infrastruktur“ der Stadt, was die „Vergesellschaftung“ der landeseigenen Unternehmen beinhalten solle. Diese sollten „demokratisch kontrolliert“ werden, wobei, was positiv zu erwähnen ist, die Kontrolle durch Mitarbeitende und Nutzer:innen extra hervorgehoben wird. Unklar bleibt allerdings, wie diese „Kontrolle“ im Verhältnis zum bürgerlichen Staat, also zum Land Berlin, steht, ob es sich um eine relativ weitgehende Form der Mitbestimmung oder um wirkliche Kontrolle durch die Beschäftigten handeln solle.

Auch hier dient die vage Formulierung dazu, sich radikaler zu geben und zugleich ausreichend Spielraum für etwaige Koalitionsverhandlungen zu haben.

Darüber hinaus verspricht auch Die Linke, was auch schon der letzte rot-grün-rote Senat versprochen hatte – die Wiedereingliederung outgesourcter Bereiche in die landeseigenen Betriebe und die verbindliche Einhaltung von tariflichen Bedingungen für Betriebe, die Aufträge vom Senat oder den Bezirken erhalten sollen.

Das ist alles richtig – allein fehlt es an über alte Versprechen hinausgehenden Forderungen, wie z. B. die entschädigungslose Enteignung von Betrieben, die diese Bedingungen verletzen, und Kampfmaßnahmen zu deren Umsetzung und Kontrolle.

3. Soziale Absicherung statt Repression und Überwachung

In diesen Abschnitten und Anträgen spricht sich Die Linke u. a. gegen die Überwachung sog. „Kriminalitätsschwerpunkte“, gegen rassistische Kontrollen durch die Bullen und gegen KI-gesteuerte Überwachungssysteme im öffentlichen Raum aus.

Stattdessen müssten Versammlungs- und Meinungsfreiheit verteidigt werden, Berlin müsste eine antirassistische Stadt werden, diskriminierende und rassistische Praktiken gehören abgeschafft. Alles gut. Aber alles auch unkonkret, wenn es um politische Knackpunkte wie die Kriminalisierung der Palästinasolidarität, Verbote palästinensischer Organisationen und Einschränkungen des Demonstrationsrechts geht. Hier bleiben die Anträge wortkarg und sprachlos. Eine Entkriminalisierung aller palästinensischen Organisationen und Vereine – im Grunde eine demokratische Minimalforderung – findet sich bei der Linkspartei aus zwei Gründen nicht. Erstens geht das den eigenen rassistischen, zionistischen und proimperialistischen Rechten wie z. B. der sog. progressiven Linken gegen den Strich. Für den innerparteilichen Frieden akzeptiert man letztlich lieber die Polizeirepression. Zweitens weiß auch das Zentrum der Berliner Linkspartei, dass eine Koalition mit SPD und Grünen ausgeschlossen ist, wenn eine Entkriminalisierung von palästinensischen (und anderen auf den sog. Terrorlisten zu findenden Widerstandsorganisationen) als Voraussetzung für eine Regierungsvereinbarung benannt würde.

Es ist daher kein Zufall, dass die Beschlüsse zur „roten Metropole“ und zum „rebellischen Regieren“ kein Wort über die Umsetzung von Bundesgesetzen durch das Land Berlin verlieren. Soll die „rote Metropole“ weiter Flüchtlinge und Migrant:innen abschieben? Soll sie die Sanktionen gegen „verweigernde“ Bürgergeldbezieher:innen umsetzen? Wer bei den Bedingungen für eine etwaige Koalition dazu nichts sagt, sagt in Wirklichkeit alles. Das gern beschworene Miteinander gilt für die Betroffenen rassistischer Abschiebungen oder für die Menschen, die kein Bürgergeld mehr kriegen sollen, offenkundig nicht. Daran ändern auch zehntausende Haustürgespräche nichts.

Widersprüche des „rebellischen Regierens“

Wir wollen hier keineswegs absprechen, dass viele Mitglieder der Linkspartei und auch viele Delegierte zum Parteitag ehrlich Abschiebungen verhindern und das Sanktionsregime gegen die Arbeitslosen stoppen wollen. Aber es liegt in der Logik des „rebellischen Regierens“, das bei Lichte betrachtet eben auch nur eine weitere „linke“ bürgerliche Regierung ist und auch nur sein kann, dass allenfalls verwässerte Reformen rüberkommen, während man gleichzeitig die volle Verantwortung für die Umsetzung der Geschäfte der herrschenden Klasse übernehmen muss. Pointiert bezeichnete Marx die Regierung als geschäftsführenden Ausschuss der herrschenden Klasse – und genau das ist auch der Senat in Berlin. Eine Koalition mit anderen bürgerlichen oder reformistischen Parteien gibt dem vielleicht einen etwas progressiveren Anstrich – mehr aber auch nicht.

Die „rote Metropole“ entpuppt sich als blauäugige Fiktion. Eine Stadt, „in der die Menschen bestimmen, wo es langgeht, nicht der Markt. Eine Stadt, in der nicht mehr die Größe des Portemonnaies entscheidet, wie gut man lebt, sondern ein gutes Leben für alle Menschen möglich ist“, kann es auf Basis des Kapitalismus nicht geben.

Es ist eine alte sozialdemokratische Schimäre, dass die Lebensverhältnisse der lohnabhängigen Massen durch Veränderung der Verteilungsverhältnisse (Wohnung, soziale Sicherung usw.) geändert werden können, wenn gleichzeitig die Eigentumsverhältnisse – das Monopol an den Produktionsmitteln – unangetastet bleiben. Genau das verspricht aber Die Linke und daraus erwachsen alle ihre inneren Widersprüche.

Die Beschlüsse des Parteitags bringen das zum Ausdruck. Einerseits werden einigermaßen radikale Reformen versprochen – ein Ausdruck des Drucks aus der Arbeiter:innenklasse, von den Wähler:innen und aus der Mitgliedschaft. Andererseits wird alles so formuliert, dass es einigermaßen koalitionstauglich, also kompatibel mit SPD und Grünen, ist, denn schließlich kann Eralp nur mit deren Stimmen, wenn überhaupt, Bürgermeisterin werden.

Die reformistische Strategie des rebellischen Regierens drückt sich jedoch nicht nur im Opportunismus gegenüber SPD und Grünen aus. Es offenbart sich auch eine vollkommene Verkennung des bürgerlichen Staatsapparates als Instrument der herrschenden Klasse.

Auf tragikomische Art und Weise verdeutlicht das der Beschluss „Berliner Polizeiausbildungsmodell erhalten statt abschaffen“. Zu Recht lehnt Die Linke die Ausbildung des Führungspersonals der Polizei in einer neu zu schaffenden Polizeiakademie ab. Aber ihre Begründung lässt tief blicken: „Dies würde zu einem Wechsel der Aufsicht von Wissenschaft zu Inneres führen und damit zu einer veränderten Ausbildungslogik. Nicht mehr die Ausbildung zu mündigen und reflektierten Beamt*innen stünde im Zentrum, sondern die Durchsetzung von Law and Order.“

Dass die bisherige Ausbildungslogik „mündige und reflektierte Beamt:innen“ hervorgebracht hätte, gehört zur politischen Märchenstunde des Parteitags. Bei Demonstrationen, Hausdurchsuchungen und im sonstigen rassistischen Überwachungsalltag kann davon keine Rede sein. Ebenso wenig wie „rote Metropole“ als sozialistische Insel in einer Stadt im imperialistischen Deutschland geschaffen werden kann, ebenso wenig kann die bürgerliche Polizei, dieses Herrschaftsinstrument des Kapitals, demokratisiert und reformiert werden. Revolutionär:innen in der Partei müssen diese inneren Widersprüche und damit verbunden den illusionären und utopischen Charakter der reformistischen Strategie der Partei offen angreifen und kritisieren – und zugleich die Diskussion um eine revolutionäre Alternative und Strömung in der Partei beginnen. Ansonsten droht auch die „neue“ Berliner Linkspartei, in einem „neuen“ Regierungsdesaster zu enden.

Nachsatz: im obigen Text haben wir uns mit dem Beschluss des Landespartei zum Genozid in Gaza nicht beschäftigt, dem werden wir einen gesonderten Artikel widmen.

Titelbild:blu-news.org, CCBY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Wichtig: zur aktuellen Auseinandersetzung um die Palästinasolidarität in der Linken: 
"Der Rausschmiss von Ramsis aus der Linken trennt die Spreu vom Weizen – kommt eine Empörungswelle von links?"

Der Beitrag ist am 19.11.2025 erschienen. Wir danken für das Publikationsrecht.

Der Rausschmiss von Ramsis aus der Linken trennt die Spreu vom Weizen – kommt eine Empörungswelle von links?

Die Linken in der Partei Die Linke und die große Mehrheit insbesondere der jungen Mitgliedschaft hatten noch im Mai jubiliert oder zumindest erleichtert aufgeatmet nach dem Parteitagsbeschluss in Halle, der sich gegen die Instrumentalisierung des Antisemitismusbegriffs zur Diffamierung und Verfolgung grundsätzlicher Kritik an Israel und seiner Politik der Unterdrückung, der Vertreibung und des Völkermords wendet. Es war nicht zuletzt eine Klatsche für die Mitglieder der Schiedskommission, die vor einem Jahr Ramsis Kilani mit falschen Antisemitismusvorwürfen aus der Partei geworfen hatten. Wir berichteten ausführlich über den Fall.

Am 22. November tagte das Bundesschiedsgericht, die höchste parteiinterne Instanz der Linkspartei, erneut, um eine Entscheidung im Fall Ramsis Kilani zu treffen. Kilani hatte Berufung eingelegt.

„Ohne Kilani vorher angehört zu haben, beschloss das Schiedsgericht in einem schmutzigen Verfahren, die Berufung abzulehnen. Sein Parteiausschluss bleibt bestehen.“ Vor dem Karl-Liebknecht Haus hatten sich über 100 Sympathisanten zum Protest versammelt. Als sie die Nachricht hörten, besetzten sie kurzzeitig das Haus der Parteizentrale der Linken.

„Viva, viva Palästina!“, „Bodo raus, Ramsis rein – alles kann so einfach sein!“

Der Ausschluss von Ramsis zeigt, daß eine Parteibürokratie nicht nur linke Grundsätze verrät, sondern sich ungeniert über diesbezügliche Parteitagsbeschlüsse und demokratische Regeln hinwegsetzt. Eine kämperisch antikapitalistische, antiimperialistische und internationalistische Basis soll – wenn es nach dem Willen eines mächtigen Teils des Partei-Establishments geht – rausgedrängt oder neutralisiert werden, um ungestört mit etwas „Sozialklimbim mitregieren und das kapitalistische System mitgestalten“ zu können. Andere riskieren den Bruch mit dieser Bürokratie nicht.

Die Linksparteiführung beugt sich der Staatsräson.

Als Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin schließen wir uns der Aussage des Generalsekretärs des Internationalen Gewerkschaftsbunds an: „Politische Untätigkeit in Bezug auf Gaza und Palästina ist kriminelle Fahrlässigkeit! “ Wir fragen: „Wie soll man da formulieren und eine Parteibürokratie bewerten, die Solidarität in Bezug auf Gaza und Palästina sowie die Verurteilung von Völkermord mit Ausgrenzung, Verleumdung und Parteiausschluss bestraft?“ Wir hatten es schon in einem anderen Beitrag erwähnt. Der von derselben Parteibürokratie hochgejubelte neue“ linke“ New Yorker Bürgermeister hätte in dieser deutschen „Linkspartei“ kaum eine Chance auf Mitgliedschaft. Und auch der hier erwähnte Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes müsste befürchten, von diesen der deutschen Staatsräson hörigen Parteiapparatschiks hochkantig rausgeschmissen zu werden. Das Fazit eines GEW Kollegen:

Die Linke sollte konsequenterweise ihre Stiftung und ihre Parteizentrale umbenennen. Diese Entscheidung ist ein Armutszeugnis für eine Partei, die sich @dielinke nennt.
Wer mit der Springerpresse und anderen reaktionären Kräften kooperiert, um Positionen zu kriminalisieren, die in der weltweiten Linken quasi selbstverständlicher Konsens sind, verspielt jede Glaubwürdigkeit hinsichtlich einer konsequent antirassistischen, antikolonialen und internationalistischen Positionierung!

Was sind Ramsis Positionen wirklich? Hier in einem umfassenden Interview mit der ARD ungekürzt und unverfälscht.

Bei dem kürzlich erfolgten Berliner Landesparteitag hatte die LAG Palästinasolidarität ihren eigenen Antrag zurückgezogen zugunsten eines Kompromissvorschlags, den die LAG wie folgt kommentierte: „politische Geduld zahlt sich aus, und unsere Perspektiven finden zunehmend Resonanz in der Berliner Partei.“ Diese Hoffnung hat sich wohl, was die führenden Parteigremien betrifft, als trügerisch erwiesen.

Parteigliederungen und Mitglieder erklären sich! Die Empörung schwellt an. Weder das Urteil noch die politische Praxis könne man so stehen lassen, soll die Partei nicht erodieren.

Die Linke Neukölin fasste die wesentlichen Kritikpunkte in dem folgenden Statement zusammen:

Die Linke Neukölln kritisiert die Entscheidung der Bundesschiedskommission, den Ausschluss von Ramsis Kilani zu bestätigen, scharf.

Ramsis hat sich stets klar und deutlich gegen Antisemitismus sowie gegen jede Form von Rassismus positioniert. Wir halten die Art und Weise, wie das Ausschlussverfahren abgelaufen ist, für politisch falsch, undemokratisch und für die Zukunft unserer Partei gefährlich.

Die Kritik am Zionismus und an der anhaltenden Annexionspolitik Israels ist ein legitimer Bestandteil linker Politik und kein Antisemitismus. Das bestätigt auch die auf dem Bundesparteitag 2025 mehrheitlich beschlossene Jerusalemer Deklaration zum Antisemitismus (JDA). Eine linke Partei darf nicht hinter das Völkerrecht zurückfallen.

Mit dem Ausschluss sendet die Partei ein fatal falsches Signal: Von der Staatsräson abweichende linke Positionen, Kritik an Staaten und palästinensische Perspektiven können zum Parteiausschluss führen. Das ist eine administrative Entscheidung gegen Sozialistische Solidarität und widerspricht einer pluralen linken Parteikultur.

Es gab keine belegbare Grundlage für einen Ordnungsverstoẞ, kein Gesprächsangebot, keine nachvollziehbare Begründung, wie seine Äuẞerungen der Partei ,,schweren Schaden“ zugefügt haben sollen. Die Schiedskommission beugt sich den Hetzkampagnen rechter Medien und Vertretern der ,Staatsräson“, die versuchen, Palästinasolidarität als Antisemitismus zu diffamieren. Für diesen Ausschluss bestand keinerlei rechtliche oder politische Notwendigkeit.

Das Verfahren hat der Linken mehr geschadet, als Ramsis es jemals hätte tun können. Besonders unerträglich ist der Umgang mit einem Genossen, der Groẞteile seiner Familie durch israelische Bombardements verloren hat und damit selbst vom Genozid in Gaza betroffen ist. Statt Schutz vor Diffamierungen erhielt er zusätzliche Angriffe aus der eigenen Partei. Dieses Versagen muss aufgearbeitet werden.

Palästinensische Perspektiven werden in Deutschland zunehmend delegitimiert und kriminalisiert. Die Linke muss sich dieser autoritären Entwicklung entgegenstellen. Menschenrechte gelten universal; Kritik an Besatzung, Apartheid und Genozid und die Solidarisierung mit dem Widerstand dagegen dürfen nicht zu Ausschlüssen führen.

Wir bekräftigen unsere Grundsätze:

  • Schutz innerparteilicher Demokratie: Eine linke Partei darf politische Konflikte nicht durch Ausschlüsse lösen.
  • Anerkennung palästinensischer Perspektiven: Palästinensische und palästinasolidarische Stimmen dürfen nicht durch Ausschlüsse zum Schweigen gebracht werden.

Wir rufen alle Mitglieder auf, ihre Kritik sichtbar zu machen und Die Linke als offene, pluralistische und solidarische Partei zu verteidigen.

Das vollständige Statement findet ihr auf unserer Homepage: www.die-linke-neukoelln.de

Die LAG Palästinasolidarität Berlin fordert vom Parteivorstand Schutz, Aufarbeitung des Falles Kilani, eine offene inhaltliche Debatte über Zionismus, aber auch Aufklärung über die Verweigerung von Räumlichkeiten für eine Nahost Veranstaltung der Schwesterpartei LFI, Schutz der innerparteilichen Demokratie und Anerkennung der palästinensischen Perspektive.

Es geht um die Frage, ob Die Linke eine Partei werden soll, die konsequent internationale Solidarität vertritt und auf Basis dessen nicht nur organisierende Klassenpartei in Worten, sondern Taten wird – oder ob sie sich weiter anpasst, um politischen Spielraum innerhalb staatlicher Institutionen zu sichern und für Regierungsverantwortung zumindest auf Länderebene parat zu stehen. (GAM)



LAG Palästinasolidarität Leipzig erklärt:

Die Linke steckt mitten in einem Sog: den Strudel der sogenannten bürgerlichen Mitte. Doch inzwischen wird deutlicher denn je, dass sich Parteifunktionärinnen und das momentane Führungspersonal bereitwillig hineinziehen lassen. Anpassung, Opportunismus und Angst vor schlechter Presse ersetzen klare Haltung. Ausgerechnet dort, wo linke Politik unmissverständlich sein müsste, bei internationaler Solidarität, bei der Seite der Unterdrückten, knicken sie ein. Während die internationale Linke entschlossen an der Seite Palästinas steht, macht sich die Partei Die Linke international unglaubwürdig und lächerlich. Während an der Basis tausende Menschen politisiert werden und junge Aktivistinnen in die Partei kommen, weil sie eine konsequente linke Kraft erwarten, scheint die Parteispitze in einer völlig anderen Realität zu leben. Eine Realität, in der Karrierewege, parlamentarische Anschlussfähigkeit und mediale Anerkennung mehr zählen als Glaubwürdigkeit. Die Linke wirkt, als habe sie Angst davor, wirklich links zu sein.

(…) Schluss mit der Anbiederung an die Mitte. Es bringt nichts, in einer politischen Landschaft akzeptiert werden zu wollen, die jede Form echter linker Positionen ablehnt. Die Linke muss wieder Gegenmacht organisieren, nicht Zustimmung heischen.

Was jetzt passieren muss: und zwar nicht irgendwann, sondern sofort: (…) Die Basis muss jetzt handeln, Ortsgruppen müssen offen Position beziehen, (…) Parteitage dürfen nicht mehr durch Beschwichtigungsformeln beruhigt werden (…) Und: Der Ausschluss von Ramsis darf nicht einfach hingenommen werden. Widerstand dagegen ist notwendig

Die Parteimitglieder sollten sich zuschade sein, sich auf die Rolle als Anschaffer:innen von Wählerstimmen für warme Parlaments- ind Senatorensitze eines Spitzenpersonals reduzieren zu lassen. Was die große Mehrheit der Berliner Bevölkerung braucht ist eine Partei, mit der sie erfolgreich Ihre Interessen durchsetzen kann. Das kann nur geschehen, wenn diese Partei die Solidarität der Menschen lokal wie international organisiert und sie zum Kampf gegen das Kapital mobilisiert. Ein Geschwätz macht niemanden satt. Das gilt in Zeiten der Zeitenwende mehr denn je.

Kommt jetzt eine Empörungswelle verbunden mit Widerstand von links, aus allen Landesverbänden und Parteiformationen, nachhaltig und entschieden genug, etwas zu verändern?

Es geht um nichts weniger als um die Härtung eines linken Kerns oder um dessen Schmelze. Weggucken ist keine Option mehr.

Die Entscheidung zum Rauswurf von Kilani muss revidiert werden!

Abberufung von Schubert und Schirdewahn aus der Parteischiedskommission wäre die richtige Konsequenz.

Jetzt erst recht: Palästinasolidarität!

Titelbild:Collage Peter Vlatten, Fotos Konstantin Kieser

Ramelow jetzt auch mit CDU und Klöckner gegen queere Menschen!

Tom Krüger, 23. November Klasse gegen Klasse

Nach Tiraden gegen die Palästinasolidarität verteidigt Bodo Ramelow nun Julia Klöckners Queerfeindlichkeit. Nebenbei vergleicht er Palästina T-Shirts mit Reichsflaggen.

Zum diesjährigen CSD wurde am Bundestag im Gegensatz zu den vorherigen Jahren keine Pride-Flagge gehisst. Angeordnet wurde dies von der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Ihre Begründung: „Wir sind der Deutsche Bundestag und bei uns weht eine Fahne: Schwarz-Rot-Gold“.

Klöckners Aktion ist symbolträchtig für die autoritäre Wende: Mit der massiven Aufrüstung ist jetzt Schluss mit Vielfalt und was zählt ist der deutsche Nationalismus. Erschreckenderweise bekommt Klöckner jetzt Schützenhilfe aus der Linkspartei in Gestalt von Bodo Ramelow.

Dieser bekräftigt Klöckners Entscheidung mit der Begründung, dass im Bundestag nicht ,,immer extremere Symbole“ im Vordergrund stehen sollten. Man könnte meinen, die Aussagen stammen von Donald Trump, statt von einem ranghohen Vertreter der Linkspartei. Dass Ramelow queere Lebensweisen nun offenbar für Extremismus hält, kommt dabei nicht von ungefähr.

Nachdem er im September emordete Kinder in Gaza als „,Hamas-Scheiẞe“ bezeichnete, folgt nun also die nächste Entgleisung. Anschlieẞend schiebt er im selben Interview noch eine ordentlich Portion Rassismus nach: Wenn man Abgeordneten verbieten würde, die Farben der Reichsflagge zu tragen, müsse man auch Palästina-T-Shirts verbieten.

Nächstes Jahr finden die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt statt, wo alles darauf hinausläuft, dass die CDU eine von der Linkspartei zumindest tolerierte Regierung bilden muss, um nicht mit der AfD koalieren zu müssen. Diese konkrete ,,Front aller Demokraten bereitet Ramelow gerade vor, indem er inhaltlich auf Klöckner zugeht.

Die AfD wird nicht durch Kumpelei mit der CDU und ihren queerfeindlichen ldeen verhindert sondern auf der Straẞe. Nächste Woche findet der Gründungskongress der „Generation Deutschland“ in Gieẞen statt. Lasst uns diesen unter Regenbogen- und Palästinaflaggen blockieren und damit nicht nur der AfD sondern auch Klöckner und Ramelow den Mittelfinger zeigen.

Bei Ramelow fragt man sich, gegen wen er eigentlich noch hetzen will, um nach Rechts anschlussfähig zu sein. Deshalb wäre es für Linksparteimitglieder nur folgerichtig, ihn rauszuwerfen!

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Der letzten Schlussfolgerung von KGK können wir uns nur anschließen. Wir erleben aber aktuell, dass mit dem Rauswurf von Ramsis Kilani durch die Schiedskommission der Partei das glatte Gegenteil passiert.

Es hat sich in der Linken eine Parteibürokratie herausgebildet, die sich dreist über linke und demokratische Grundsätze und Parteitagsbeschlüsse hinwegsetzt. Von ihr werden wesentliche Schlüsselpositionen innerhalb der Partei, und wie im Falle von Ramelow auch direkt im Parlaments- und Staatsbetrieb des Kapitals, besetzt. Es muß klar sein, wer einen Ramelow rauswerfen will, muss alle Kräfte sammeln, um ein System von Karrierismus, Lobbyismus, gegenseitiger Pöstchenschieberei und Machtmißbrauch zu durchbrechen.

Wichtig: zur aktuellen Auseinandersetzung um die Palästinasolidarität in der Linken: 
"Der Rausschmiss von Ramsis aus der Linken trennt die Spreu vom Weizen – kommt eine Empörungswelle von links?"

Es sollte keine Illusion geben, dass diese Machtstrukturen einer Minderheit nicht davor zurückscheuen, die Partei aus Selbstschutz vor die Hunde gehen zu lassen. Es muss klar werden bis in die Reihen des Parteivorstandes, die Augen vor dieser Realität zu verschließen, rettet weder die Partei noch anstehende Erfolge. Es geht um nichts weniger als um die Härtung eines linken Kerns oder um dessen Schmelze. Weggucken ist keine Option mehr. Die Mehrheit der Mitgliedschaft muss bereit sein, den Fehdehandschuh, den eine korrupte Parteibürokratie jetzt in den Ring geworfen hat, aufzugreifen, ihre Positionen und Rechte entschieden zu verteidigen und Differenzen offen, aber in einem respektvollem Diskurs auszutragen.

Gerade bei der Solidarität mit Palästinser:innen und der unterschiedslosen Verteidigung von Menschen- und Völkerrecht kann sie sich der Sympathie und Unterstützung vieler Menschen und Wähler:innen gewiss sein. Bei aller auch notwendigen taktischen Flexibilität gilt: Nur wer wagt, kann gewinnen!

Die Entscheidungen der Schiedskommission zu Ramsis Kilani müssen revidiert werden!

Man sollte anmerken, dass Bodo Ramelow die Vielfaltsflagge als Thüringer Ministerpräsident noch nach Kräften gefördert hat. Die hier kritisierten Äußerungen machen nur den langen winkelzügigen Weg der Anpassung deutlich, die nicht einfach mit einem Hinweis auf die Vergangenheit revidiert werden können. 

REGENBOGEN-VERBOT MIT RÜCKENDECKUNG

LINKEN-VIZE RAMELOW
STELLT SICH HINTER
KLÖCKNERS CSD-ENTSCHEIDUNG

Und die nächsten Unterdrückten werden von der Parteispitze der Linken geopfert Selbstredend wird die Parteiführung ihr Spitzenpersonal Ramelow wie den Rest der Parteirechten weiter unterstützen. Denn es geht ihnen nicht um eine sozialistische Gesellschaft für Menschen statt Profite, sondern darum, das kapitalistische System zu managen, wie es Ramelow in der Thüringer Landesregierung mit Abschiebe-Rekorden bereits vormachte.

Ramsis Kilani

Titelbild: Bodo Ramelow gratuliert seinem Nachfolger Mario Voigt (CDU) zur Wahl des Ministerpräsidenten, Foto:
Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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