Ob Atom oder Frauenrechte – Kapitalismus kennt keine nachhaltigen Reformen

Letzte Woche war Frauenkampftag. Überall wurde beklagt, dass eine rechte Front weltweit die erstrittenen Rechte wieder streitig machen will. So geht Kapitalismus. Kein Fortschritt für die Arbeitenden, für Minderheiten, für Frauen oder das Gemeinwohl der Menschheit ist beständig. Und es gilt: je mehr Krieg, desto mehr Einsturz aller erkämpften Errungenschaften.

15 Jahre nach Fukushima, 40 Jahre nach Tschernobyl, 2 Jahre nachdem das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet wurde und der deutsche Staat diesen Ausstieg der deutschen Industrie versilbert hatte, ruft die EU Chefin von der Leyen eine „Renaissance der Atomenergie“ aus. So geht Kapitalismus.

Die EU möchte vor allem die Entwicklung von Mini-Atomkraftwerken vorantreiben. Europa soll laut der Kommissionspräsidentin an der »weltweiten Renaissance der Kernenergie« teilhaben und innovative Projekte fördern. Der Ausstieg aus der Kernenergie sei ein strategischer Fehler gewesen. In den Regierungsparteien CDU/CSU mehren sich schon lange die Stimmen für einen Wiedereinstieg.

Wer heute – nach Tschernobyl und Fukushima – ernsthaft die Rückabwicklung des Ausstiegs aus Atomenergie betreiben will, zeigt einen erschreckenden Verlust an Verantwortungsbewusstsein.
Tschernobyl hat ganze Regionen Europas radioaktiv verseucht. Fukushima hat hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Zigtausende starben oder haben gesundheitliche Schäden erlitten. Auch bei modernen Nuklearanlagen lassen sich solche Katastrophen nicht mit letzter Sicherheit ausschließen.

Neben der Bedrohung durch Verseuchung bei Unfällen und einem Nuklearen Supergau ist Atomenergie aber auch die teuerste aller Energiearten. Sie benötigt enorme Investitionen für Neubau, Rückbau und Endlagerung. Zulasten der Allgemeinheit. Die Gewinne wandern aber zu den Konzernen. An der Atomenergie verdient vor allem das inländische Kapital. Die Eigner stopfen sich an langwierigen und teuren Großprojekten sowie dem laufendem Betrieb die Taschen voll. Die AFD jubiliert.

Die Endlagerung der radioaktiven Abfälle – eine gigantische Hypothek – bleibt nach wie vor ungelöst. Sie muss ebenfalls von uns allen bezahlt werden. So geht Kapitalismus.

Der Atomausstieg in Deutschland wurde hart erkämpft. Die Risiken eines Ausstiegs aus dem Ausstieg wären der Tribut für die Teilhabe am weltweit neu aufflammenden atomaren kapitalistischen Wettbewerb.

Die Europäische Förderung und Wiederbelebung der Nuklearindustrie hat aber noch einen anderen Aspekt.

Sie erfolgt just zu dem Zeitpunkt, an dem die USA und Israel, aber auch der Bundeskanzler dem Iran die Nutzung von Kernenergie verbieten wollen, weil dies zur Vorbereitung zum Bau einer Atombombe missbraucht werden könnte. Mit dieser Begründung unter anderem führen die USA und Israel aktuell Krieg.

Das Recht, dass man dem Iran abspricht, gesteht man sich aber selbst in vollem Umfang zu.

Die Diskussion um Teilhabe, Zugriff oder eigene A-Bombe ist schon längst im Rahmen eines deutsch geführten europäischen Großmachtkurses kein Tabu mehr. Da kommt die Option für den Aufbau einer eigenen Nuklearen Infrastruktur gerade recht.

So geht Kapitalismus. Jedem hart erkämpften Fortschritt droht der Rollback bis Supergau. Auch die Unweltfrage lässt sich bei der Kernenergie von der Kriegsfrage nicht mehr trennen.

Trumps imperiales Agieren verstärkt sicher weltweit bei vielen Regimes das Verlangen nach der Bombe. Es ist für viele die einzige verbliebene Lebensversicherung. Auf die Renaissance der Nuklearindustrie folgt mit Sicherheit eine globale Renaissance der A-Bombe. Der Run ist in vollem Gange.

Wir brauchen eine Renaissance des Widerstands!

Cables of Resistance – Bewegungskonferenz gegen die großen Technologiekonzerne

Bewegungskonferenz gegen die großen Technologiekonzerne

10. bis 12. April Berlin, FMP1 Franz-Mehring-Platz 1, 10969 Berlin

9. bis 17. April begleitende Kunstaustellung in der Lauseria, Lausitzer Str. 10, 10999 Berlin

Bitte Termin vormerken oder besser gleich Tickets bestellen. Das Programm wird noch weiter vervollständigt. Und weiterverbreiten!

Wir sind Bewegungen und antikapitalistische Aktivist*innen, die verschiedene Formen des Widerstands gegen die großen Technologiekonzerne praktizieren. Wir möchten Interessierte, Aktivist*innen und Bewegungen zusammenbringen, vernetzen und lokale Kämpfe miteinander verbinden. Wir wollen unser Verständnis des Problems vertiefen, Ideen über notwendige Handlungsformen austauschen, gemeinsam Strategien entwickeln und den Widerstand voranbringen

Auf der Konferenz werden wir übergreifende politische Entwicklungen, Formen des Widerstands und neue Strategien diskutieren. Es wird Präsentationen und Workshops in den folgenden neun Themenbereichen geben.

  • Stadtpolitik Wie verändern die großen Technologiekonzerne unsere Städte, unsere Mobilität, unsere Nachbarschaften? Was können wir im Rahmen stadtpolitischer Initiativen dagegen tun?
  • Wasser und RohstoffeWie wirkt sich der enorme Wasserbedarf der Chipproduktion, von Rechenzentren oder des Lithiumabbaus auf Mensch und Umwelt in verschiedenen Teilen der Welt aus? Wie können wir dem mit Umweltinitiativen entgegenwirken?
  • Arbeit Wie verändern große Technologiekonzerne die Arbeitsbedingungen durch neue Formen globaler Ausbeutung wie Klickarbeit, Automatisierung oder den Einsatz von KI? Was können wir in Kollektiven, Genossenschaften, Unternehmen, Gewerkschaften oder Bewegungen dagegen tun?
  • Klima und EnergieWie befeuern die großen Technologiekonzerne die Klimakatastrophe? Wie kann die Klimabewegung die sich daraus ergebenden neuen Fragen in ihren Kampf einbeziehen?
  • Militarisierung Wie sind große Technologiekonzerne in die globale Rüstungspolitik verwickelt und welche Rolle spielen sie bereits heute in bewaffneten Konflikten? Welche Möglichkeiten haben wir, dem entgegenzuwirken?
  • Faschismus Wie verstärken die großen Technologiekonzerne faschistische und autoritäre Tendenzen? Welchen Ideologien und Vorgehensweisen müssen wir uns entgegenstellen?FeminismusWie fördern die großen Technologiekonzerne neue antifeministische und queerfeindliche Diskurse? Wie können wir unseren Kampf gegen die großen Technologiekonzerne feministisch gestalten?
  • Futures Wie könnten gute Zukunftsperspektiven für alle jenseits von Big Tech und Kapitalismus aussehen?
  • Kunst

Aus dem Manfifest

Die großen Technologiekonzerne verstärken bestehende Krisen und Ungerechtigkeiten: Sie tragen erheblich zur Umweltzerstörung und zur Klimakrise bei, sie machen Arbeits- und Wohnungsmärkte noch prekärer, sie isolieren und entfremden Menschen, die ihre Dienste nutzen, sie verschärfen globale Ungleichheiten und sie befeuern den Faschismus weltweit und erleichtern systematisches Morden in Kriegen und Konflikten.

Die großen Technologiekonzerne hinterlassen eine Spur der Verwüstung und Ausbeutung: Sie verschwenden Energie und Wasser, betreiben neokolonialen Extraktivismus im Bereich seltener Erden und Metalle und entsorgen ihren giftigen Elektroschrott außerhalb ihrer Machtzentren. Dabei nutzen sie tief verwurzelte koloniale Infrastrukturstrukturen. Die großen Technologiekonzerne unterstützen die autoritäre Isolation und Verfolgung derjenigen, die vor technologisch verschärften Konflikten und Umweltzerstörung fliehen. Sie treiben die Automatisierung voran, die Arbeiter in den Industrieländern immer stärker ausbeutet, während gleichzeitig die Arbeit in den Entwicklungsländern entwertet und verengt wird.

Programm

Das Programm umfasst Workshops, Präsentationen, Podiumsdiskussionen, Erfahrungsaustausch und gesellige Veranstaltungen. Das vollständige Programm finden Sie unter folgendem Link.

Tickets

Wählen Sie Ihr Ticket entsprechend Ihrer Situation. Alle Tickets berechtigen zum vollen Zugang zur Konferenz. Jeder eingenommene Euro fließt in Veranstaltungsräume, Live-Streaming, Übersetzung, Verpflegung und Kinderbetreuung, um diese wichtige Konferenz zu unterstützen!

Zugänglichkeit

Wir bieten ehrenamtliche Betreuungs- und Aufklärungsteams, professionelle Kinderbetreuung, barrierefreie Räumlichkeiten, Ruheräume und vegane/halale Speisen an. Die Veranstaltungen finden auf Englisch oder Deutsch statt, bei größeren Gruppen wird simultan übersetzt.

Falls Sie zusätzliche Unterstützung benötigen, teilen Sie uns dies bitte über das untenstehende Formular mit.

Name (oder Spitzname)Ihre E-MailEssen: Es wird veganes/halal Essen geben. Bitte geben Sie weitere Allergien/Ernährungsbesonderheiten an.

Kinderbetreuung : Wir stellen einen Spielraum für Kleinkinder und Betreuungspersonen zur Verfügung. Zur besseren Planung bitten wir Sie, uns die Anzahl der mitgebrachten Kinder, deren Alter und die jeweiligen Konferenzzeiten mitzuteilen.

Sprache: Mit welcher/n Sprache(n) fühlen Sie sich wohl?EnglischDeutschSonstiges (bitte teilen Sie Ihre Meinung unten im offenen Feld mit)HostingIch benötige ein Bett/eine Couch (für Lautsprecher, je nach Verfügbarkeit).Ich kann ein Bett/eine Couch anbieten.

Sonstige Anforderungen an die Barrierefreiheit:Anfrage einreichen

Cables of Resistance ist organisiert durch:

Berliner Tech-Arbeiter-Koalition
Berlin gegen Amazon
Lause Berlin

@CABLERESIST

Weiße Wunderwelt

US-Außenminister Marco Rubio spricht auf der Münchner Siko

Von TANJA RÖCKEMANN

Die Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) passt zu den Verhältnissen wie eine Handgranate in einen Schützengraben. Seit Jahrzehnten ist sie Treffpunkt all jener, die sich um die Zukunft unserer Welt die größten Sorgen machen und genau deshalb keine andere Wahl haben, als sie mit Waffen zu überziehen. In diesen Bemühungen sehen sich die Hüter der globalen Sicherheit allerdings wechselnden Antagonisten gegenüber: Von der Gründung der Siko 1963 an bis 1991 war es naturgemäß die Sowjetunion; in den 1990er Jahren waren es Entwicklungsländer, welche die kapitalistische Globalisierung zu verhindern trachteten; in den 2000er Jahren betrat der Islamismus die Weltbühne (aus Versehen von den USA selbst bewaffnet – na, Schwamm drüber); spätestens seit den 2010er Jahren bedroht die Volksrepublik China die friedliebenden kapitalistischen Metropolen.

In der Rede, die der US-Außenminister Marco Rubio jüngst auf der Siko hielt, geistert die heutige Weltmacht China unbenannt herum wie Lord Voldemort in »Harry Potter«. Zum Kernübel unserer Gegenwart erklärt der fanatische Antikommunist allerdings folgenden Problemkomplex: »Klimakult« und »Massenmigration« zerstören die »nationale Identität« der westlichen Staaten aus ihrem eigenen Inneren heraus, gestützt von der – Achtung, hier kommt der Trump-Twist – »bösartigen Ideologie des Freihandels«, eine »törichte Vorstellung«, die »sowohl die menschliche Natur als auch die Lehren aus über 5000 Jahren aufgezeichneter Menschheitsgeschichte ignoriert«. Rubio kleckert nicht, sondern klotzt: »Tausende Jahre westlicher Zivilisation« stehen auf dem Spiel!

In Wirklichkeit besteht die Gefahr für die Sicherheit dieser planetenzerstörenden »Zivilisationen« natürlich in Dingen wie dem potenziellen Verlust von »Lieferketten-Souveränität«, der Bedrohung von »Wettbewerbsfähigkeit in den Märkten des globalen Südens« und, in geringerem Maße, der »Deindustrialisierung«. Ein Geheimnis ist das alles nicht, Rubio sagt es ja offen. Aber die bürgerliche Herrschaft – zumal in ihrer faschistoiden Form – kommt nicht aus ohne die Aufmöbelung ihres brutalen Materialismus zu vermeintlichen Höhenflügen einer »zivilisierten« Kultur. Anbiedernd trompetet der trumpistische Außenminister also den sichtlich geschmeichelten europäischen Eliten entgegen: »Dieser Kontinent brachte Mozart und Beethoven hervor, Dante und Shakespeare, Michelangelo und Da Vinci, die Beatles und die Rolling Stones. Die Gewölbe der Sixtinischen Kapelle und die Türme des Kölner Doms zeugen nicht nur von der Größe unserer Vergangenheit oder vom Glauben an Gott, der diese Wunder inspirierte – sie verweisen auch auf die Wunder, die uns in der Zukunft erwarten.«

Man merkt es: Das Herrschaftspersonal, das sich alljährlich zur Siko in der Hauptstadt der Bewegung trifft, wird weder klüger noch sympathischer. Die Fressen sind wirklich überhaupt nicht zu ertragen. Immerhin verkünden sie nun selbst das »Ende vom Ende der Geschichte« (Rubio). Vielleicht kann die Linke ja daraus mal irgendwas machen. 

Erstveröffentlicht im nd v. 20.2. 2026 (Abo)
Weiße Wunderwelt

Wir danken für das Publikationsrecht.

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