Abschlusserklärung Strategiekonferenz „Arbeiter- und Umweltbewegung”

Mitte Mai umfangreiche Proteste gegen Tesla in Grünheide. Im Februar und April Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Internationalismus zur “sozial-ökologischen Transformation” im IG Metall Haus Berlin. Gleichzeitig Ver.di Streiks im öffentlichen Nahverkehr und Proteste für eine nachhaltige Verkehrswende. Immer wieder spektakuläre Aktionen der Letzten Generation. Gegen die umweltschädliche Ausbreitung von Tesla in Grünheide ist weiterer Widerstand angekündigt.

Das sind nur einige der vielen Aktivitäten gegen die Klimakrise dieses Jahr in und um Berlin. Am 31. Mai findet der nächste Klimastreik statt. Aber für was und für wen? Der “grünkapitalistische” Weg der Ampel im Windschatten der Zeitenwende jedenfalls ist nicht die Lösung, sondern die Verschlimmbesserung der Klima- und Umweltkrise. Der neue Berliner Senat hat einen weiteren Gang rückwärts einglegt.

Wir würden uns wünschen, dass sich alle kapitalismuskritischen lokalen Akteure und Bewegungen mehr vernetzen.

Wir publzieren dazu hier die Abschlusserklärung zu einer Strategiekonferenz “Arbeiter- und Umweltbewegung”, die Mitte April mit ca. 500 Teilnehmer:innen in Potsdam stattgefunden hat.

Abschlusserklärung der Strategiekonferenz am 20. bis 21. April in Potsdam „Arbeiter- und Umweltbewegung gemeinsam – weltweit! Retten wir die Lebensgrundlagen der Menschheit“ [1]https://umweltstrategiekonferenz.org/wp-content/uploads/2024/04/Strategiekonferenz-Abschlusserklaerung-zur-Bekanntmachung-per-E-Mail.pdf

„Die Zeit für Bewusstseinsbildung, Mut und Handeln ist jetzt!“ Wir Brauchen einen gesellschaftsverändernden Kampf!

Die umweltpolitische Strategiekonferenz mit ca. 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern1 war in vieler Hinsicht etwas Neues und ein hoffnungsvoller Anfang! Sie war ein Kontrastprogramm zu den alljährlichen Weltklimakonferenzen, die trügerische Hoffnungen aussenden und sogar zum Marktplatz umweltschädlicher Projekte wurden. Die 450 namentlich Unterstützenden im Vorfeld kamen aus über 40 Organisationen und fünf Parteien. Anwesend waren einzelne Aktivistinnen und Aktivisten von FFF, parents for future, Omas for Future, wissenschaftlicher Beirat der offenen Akademie, Mitstreiterinnen und Mitstreiter von Letzte Generation, Extinction Rebellion, von RAZ (Rückendeckung für eine aktive Zivilgesellschaft), dem IPPNW, der DFG-VK oder Climate Justice. Sie kamen aus der ganzen Bandbreite von Religion bis Revolution, aus der Partei Die Linke, ÖDP bis MLPD. Eine tragende Rolle spielte die Umweltgewerkschaft, aktiv dabei der Frauenverband Courage, Solidarität International, kommunalpolitische Personenwahlbündnisse, der Jugendverband Rebell oder lokale Umweltgruppen. Auch Young Struggle und die Zeitschrift „Rotfuchs“ waren vertreten. Delegationen der internationalen Bergarbeiterbewegung oder aus Auto-, Metall- und Elektrobetrieben, darunter viele Gewerkschafter von IG Metall, IGBCE oder Verdi prägten die Diskussion mit. Kritische und fortschrittliche Wissenschaftler beteiligten sich genauso aktiv, wie Vertreter der Flüchtlingsbewegung. Internationale Delegationen
kamen aus 13 Ländern: Zypern, Spanien, Israel, Russland, Indien, Westsahara, Marokko, Peru, Kongo, Österreich, Togo, Ukraine, Frankreich. So spannten wir einen großen Bogen. Entschieden protestieren wir gegen die Verweigerung der Einreise von einer Delegierten aus dem Jemen durch die Bundesregierung und der Behinderungder Einreise aus Malawi. Es war eine Konferenz des gegenseitiges Kennenlernens, der Vertrauensbildung und gegenseitiger Wertschätzung!


Es gab zwölf kompetente Impulsbeiträge und insgesamt über 100 weitere Redebeiträge. Einstimmig wurden zu Beginn demokratische Konferenzregeln beschlossen und die Kultur kam nicht zu kurz. Alles tip top selbst organisiert! Die Teilnehmenden waren vielfältig – aber einig, dass sich die kämpferische Umweltbewegung stärken und besser koordinieren muss. Es war ein Treffen auf Augenhöhe, streitbar und solidarisch. Gemeinsamer Nenner war: Der Umweltkampf muss gesellschaftsverändernd sein! Dass die kämpferische Umweltbewegung kapitalismus- und gesellschaftskritisch wird, war Konsens! Die unterschiedlichen Schlussfolgerungen daraus wurden kontrovers und in solidarischer Atmosphäre diskutiert.

Eine zentrale Frage war die Dimension, der Ernst und die Dringlichkeit der Lage. Wir haben Einheit erreicht, dass die globale Umweltkatastrophe begonnen hat und die ganze Menschheit in den Abgrund reißen wird, wenn nicht grundsätzlich umgesteuert wird.

Schon Karl Marx hat die systemimmanente Untergrabung der Einheit von Mensch und Natur im Kapitalismus enthüllt. Das hat heute zu neuen Tatsachen geführt! Ob die globale Um-weltkatastrophe zu einer Gesetzmäßigkeit geworden ist, die nach und nach die menschlichen Lebensgrundlagen untergräbt und zerstört, wollen wir weiter diskutieren. Einig sind wir uns, dass ein Wettlauf mit der Zeit begonnen hat.

Die Konferenz beriet vielfältige Faktoren dieser Entwicklung, weit über die dramatisch zugespitzte begonnene Klimakatastrophe hinaus: das Massenartensterben, das drohende Umkippen der Meere, die Degradation der Böden oder auch das Ozonloch. Neue Faktoren kommen hinzu, wie die Vermüllung des Weltraums oder die Gesundheitskrise. Schon heute sind die organischen und psychischen Auswirkungen auf die Menschen dramatisch. Besonders betroffen sind die Armen der Welt. Kriege, die Hochrüstung und die wachsende Atomkriegsgefahr bedrohen Natur und Menschheit. Vergessen wir nie, dass der Mensch Teil der Natur ist und dass es um die Lebensgrundlagen der Kinder und Jugend und der künftigen Generationen geht. Es sind irreversible Prozesse eingetreten, die sich selbst und wechselseitig verstärken, wie das Auftauen der Permafrostböden oder die Gletscherschmelze. Die Debatte war ein Anfang. Es
gibt viele Punkte, die wir noch genauer diskutieren wollen. Hier geht es auch darum, gemeinsam Begriffe zu definieren, eine gemeinsame Sprache zu finden, um uns einig zu werden.

Die Diskussion bestach durch ihre Kompetenz und große Informationsfülle. Eingebracht wurden viele gründliche Analysen. Bestechend waren auch viele Beiträge von Industriearbeitenden, die das Greenwashing ihrer eigenen Konzerne bloßstellten und den Zusammenhang zum Arbeitsplatzabbau zogen. Wir hörten bewegende und schockierende Berichte anwesender Betroffener der Flutkatastrophe an der Ahr oder Indigene vom Amazonas. Die Konferenz rang selbst darum, sich die Dimension der Umweltzerstörung in Denken, Fühlen und Handeln immer bewusster zu machen, gegen das Herunterspielen durch Regierende, Konzerne und Medien. Die ganze Umweltbewegung, die Arbeiterbewegung und alle Menschen, die am Überleben der Menschheit interessiert sind, müssen die Tragweite der Veränderung begreifen.

Geheimnisse des Erfolgs waren die Prinzipien der Konferenz. „Demokratische und solidarische Streitkultur um die gemeinsame Sache, weltanschauliche Offenheit – Antikommunisten, Antisemiten, Rassisten, Faschisten und Klimaleugner (präzisiert in Leugner des menschengemachten Klimawandels) haben auf der Konferenz nichts verloren. Wir sind überparteilich, finanziell unabhängig, wir organisieren die Konferenz selbstständig gestützt auf alle beteiligten Kräfte.“ (aus dem Aufruf zur Konferenz) Zu den No-Gos zählen auch Sexismus und jedwede Diskriminierung. Ergänzen wird das noch um die internationalistische Arbeit oder die Rechenschaftspflicht aller gewählter Gremien. Jeder kann frei entscheiden, welche Selbstverpflichtungen er finanziell oder praktisch eingeht, aber das muss dann auch verlässlich sein. Nur die Einhaltung dieser Prinzipien gegen antikommunistische Attacken, Spalterei oder Denkverbote kann
künftig garantieren, dass die Umweltbewegung nicht an der Leine liegt von Ordnungsfaktoren des kapitalistischen Systems. Die übergroße Mehrheit der Konferenzteilnehmenden bezieht das hinsichtlich der Umweltbewegung besonders auf die staatstragende Monopolpartei „Die Grünen“. Über ihren Charakter wollen wir weiter diskutieren und sind sich noch nicht alle einig. In jedem Fall freuen wir uns über die Mitarbeit ehrlicher Umweltschützer aus den Reihen der Grünen. Die mit dieser Abschlusserklärung weiterentwickelten Prinzipien sind ein Garant der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, sich die Freiheit zu nehmen, wirklich gesellschaftsverändernd tätig zu sein. Viele berichten von Erfahrungen, dass es auf Grundlage des Antikommunismus niemals eine gesellschaftsverändernde Umweltbewegung gäbe. Diese Prinzipien weisen in die Zukunft!

Wer sind unsere Freunde? Nur gemeinsam werden die Arbeiterbewegung und die Umweltbewegung unschlagbar – sie bereichern sich gegenseitig. Für soziale Rechte, Arbeitsplätze und Umweltschutz – auf Kosten der Profite! Für das Recht auf Streik! Wir brauchen ein großes Bündnis all jener, die die Menschheit retten wollen, einschließlich der Frauen-, Friedens-, Flüchtlings-
und Jugendbewegung.

Wer sind unsere Gegner? Den Focus werden wir auf die internationalen Großkonzerne und ihre Regierungen richten. Sie fahren uns und die Welt sehenden Auges vor die Wand. Null Toleranz für jede Art des Greenwashings. Wir protestieren gegen die global zunehmende Repression gegen Umweltaktivistinnen und -Aktivisten. Für konsequenten und radikalen Umweltschutz, für drastische Sofort- und Schutzmaßnahmen.


Klare Kante gegen Faschisten, reaktionäre Gegner jeden Umweltschutzes und zweckmotivierte Leugner der dramatischen Entwicklung. Diskutieren wir eindringlich und überzeugend mit Menschen, die davon beeinflusst sind. Antifaschistische Bewegung und Umweltbewegung gehören eng zusammen.

Was sind unsere Perspektiven, welche Gesellschaftsformen brauchen wir? Die Umweltbewegung braucht Optimismus und positive Zukunftsvisionen einer lebenswerten Zukunft in Einheit mit der Natur, frei von Ausbeutung und Unterdrückung! Eine Reihe Beiträge brachte dazu ein, dass das nur der wissenschaftliche oder echte Sozialismus sein kann. Haben wir angesichts der
begonnenen Umweltkatastrophe keine Zeit für revoluti näre Änderungen, oder wird es nicht gerade dafür höchste Zeit? Über die revolutionäre und sozialistische Perspektive soll weiter gleichberechtigt mit anderen Konzepten, wie lokaler und regionaler Autonomie, Bürgerräten oder transformativen Ansätzen diskutiert werden. Hier sind wir uns einig, dass wir uns noch nicht
einig sind.

Füllen wir das alles jetzt mit Leben!

“Wir müssen uns große Ziele setzen!“ resümierte ein Teilnehmender.


Informieren wir breit über die Ergebnisse, natürlich auch die Kontroversen der Konferenz. Gehen wir gemeinsam an die Öffentlichkeit. Arbeiten wir an der Bewusstseinsbildung unter den Menschen und stärken wir die beteiligten Organisationen und ihre Zusammenarbeit. Hier ist viel Kleinarbeit im Alltag notwendig, für die wir genügend Raum und Zeit brauchen. Erst wenn unsere Ideen die Massen ergreifen, werden wir stark genug für gesellschaftliche Umwälzungen.

Arbeiten wir örtlich und regional enger zusammen, z.B. mit gemeinsamen Aktionen von Arbeiter- und Umweltbewegung. Erweitern wir die organisierte Bewegung. Ein Höhepunkt könnte der internationale Umweltkampftag am 16.11.2024 anlässlich der nächsten Weltklimakonferenz sein. Wir sind für widerständige Aktionen, auch politische Streiks und Massenblockaden, worüber Vertreter der weltweiten Arbeiterbewegung auf der Konferenz berichteten. Auch Hilfe zur Selbsthilfe und gemeinsame Aktivitäten der internationalen Solidarität in akuten Notsituationen sind notwendig.

Die Homepage der Strategiekonferenz soll zur gemeinsamen Informations- und Diskussionsplattform ausgebaut werden, Aktivitäten zu koordinieren, zu bestimmten Ereignissen im Sinne eines „Tag X“ eine Kooperation zu organisieren und uns gegenseitig über unsere Arbeit zu informieren, sodass andere daran teilnehmen können.

Ein wichtiges Ergebnis ist eine starke und breit auf- gestellte Koordinierungsgruppe. Als Fortsetzung und Weiterentwicklung der Strategiedebatte rufen wir zu regelmäßigen umweltpolitischen Ratschlägen mit internationaler Beteiligung auf, damit die Kämpfe besser national und international koordiniert werden. Einigen wir uns auf die wichtigsten gemein-
samen Anliegen und Forderungen. Unterschiedliche Ansichten gab es darüber, ob sie öfter – als wie vorgeschlagen alle zwei Jahre – stattfinden sollen. Darüber soll die Koordinierungsgruppe mit den beteiligten Organisationen und Menschen einen Entscheidungsprozess organisieren. Nutzen wir auch andere Foren und Kongresse für unser Zusammenkommen.

Wir sind davon überzeugt, dass die Menschheit nicht in einer zerstörten Umwelt untergehen will. Wir rufen dazu auf: Lasst uns gemeinsam streiten für ein würdevolles (Über-)Leben in Einheit mit der Natur.

Alle weiteren Infos: https://umweltstrategiekonferenz.org/


Grafik: Freepik

Auf Kosten anderer

Bild: Inkotha

Aus. Vorbei. Der Kaiser ist nackt. Alle Beteuerungen, Deutschland wolle und werde sich an die Pariser Klimaübereinkunft halten, sind Makulatur. Das wurde der Bundesregierung am Dienstag von dem für sie arbeitenden Sachverständigenrat für Umweltfragen ins Stammbuch geschrieben.

Dieser hatte Deutschlands CO2-Budget berechnet, das heißt die verbleibende Menge Kohlendioxid (CO2), die noch ausgestoßen werden darf, wenn man das Pariser Ziel ernst nimmt, die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Immerhin haben diesen Vertrag fast alle Staaten ratifiziert und unterschrieben – auch Deutschland, das sich seit neuestem berufen fühlt, alle möglichen Nicht-NATO-Staaten der Einhaltung einer nicht näher definierten »regelbasierten Ordnung« zu gemahnen. Doch mit den eigenen völkerrechtlich verbindlichen Verpflichtungen wird es offenbar nicht so ernst genommen.

Wolfgang Pomrehn zieht Bilanz in der jW:
https://www.jungewelt.de/artikel/472164.auf-kosten-anderer.html

Küstenstädte zur Mittagszeit

Titelfoto : Die Antarktis schmilzt unter den heißesten Tagen seit Beginn der Aufzeichnungen. Autor: NASA Goddard Foto und Video. Wikimedia Commons.

Sogar die Wissenschaft hinkt inzwischen der davon gallopierenden Klimakrise hinterher. Die Realität stellt die Prognosen weit in den Schatten. Immer neue Bedrohungspotenziale für die Menschheit türmen sich auf, angefeuert durch die ungebremste neoliberale kapitalistische Wachstumsstory und angereichert durch einen “grünen Kapitalismus”, der noch mehr national wie international zu sozialen Verwerfungen führt. Globale Konfrontation, Aufrüstung und Kriege konterkarieren gleichzeitig alle Gegenmaßnahmen Wer nicht Neoliberalismus, “grünen Kapitalismus” und insbesondere den zunehmenden Kriegskurs bekämpft, bleibt beim Kampf gegen den Klimakollaps zahnlos. (Peter Vlatten). [1]Even science is now lagging behind the galloping climate crisis. Reality far dwarfs the forecasts. New potential threats to humanity are constantly piling up, fueled by the unbridled neoliberal … Continue reading

Küstenstädte zur Mittagszeit

09.03.24- Los Angeles, USA – Robert Hunziker, Pressenza

Die Antarktis, der riesige Eiskontinent von der Größe der kontinentalen USA und Mexikos zusammen, bricht immer mehr auseinander, da eine kürzlich durchgeführte wissenschaftliche Expedition eindeutige Signale entdeckte, die auf deutlich größere Gefahren hinweisen, als bisher angenommen.

„Die Veränderungen des Meereises deuten darauf hin, dass Küstenstädte in den kommenden Jahrzehnten aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels neu gestaltet werden müssen“, so Craig Stevens, Auckland-Professor für physikalische Ozeanographie. (Quelle: Anzeichen einer besorgniserregend schnellen Eisschmelze in der Antarktis gefunden – New Zealand Expedition, RNZ, 3. März 2024)

Der Anstieg des Meeresspiegels in Küstenstädten, der schlimmste Albtraum der Welt, wird in unbestimmten Jahrzehnten eintreten, aber wahrscheinlich früher als erwartet, denn so funktioniert die Wissenschaft heutzutage. Man kommt immer zu spät zur Party und ist dem Anlass nicht angemessen gekleidet. Aber geben Sie den Wissenschaftlern nicht die Schuld, sobald sie ihre Forschung abgeschlossen haben, hat das sich schnell verändernde Klimasystem sie überholt. Das ist die neue Normalität. Die Wissenschaft ist zu langsam für den Klimawandel.

Darüber hinaus erkennen Leserkommentare/Feedbacks zu Artikeln wie diesem einen deutlichen Trend im weltweiten Klimasystem, das viel früher als erwartet aus den Fugen zu geraten beginnt. Diese Beobachtung ist wahr. Aber was getan werden kann und warum die Staats- und Regierungschefs der Welt keine Notfallsitzungen abhalten, um die größte Herausforderung der Zivilisation anzugehen, ist gelinde gesagt rätselhaft. Das ist nur allzu offensichtlich, denn mangels wirksamer Maßnahmen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen werden die globale Erwärmung und der daraus resultierende Anstieg des Meeresspiegels nicht ernst genug genommen.

In diesem Zusammenhang muss angemerkt werden, dass die reiche/wohlhabende Elite der Welt, die Politiker und Richter des Obersten Gerichtshofs kauft/besitzt, die globale Erwärmung bereits vor Jahrzehnten hätte stoppen können, als Dr. James Hansen (Earth Institute/Columbia University) warnte Als er 1988 Leiter des Goddard Institute of Space Studies der NASA war, kritisierte er den US-Senat wegen der globalen Erwärmung, entschied sich aber stattdessen für eine mit fossilen Brennstoffen vergiftete Welt, in der das Geld steckt.

Seitdem ist die Welt zu einer Funktion des neoliberalen Kapitalismus geworden, wie ihn Reagan/Thatcher vor fast 50 Jahren diktierte. Daher muss die Frage gestellt werden: War dieses sozioökonomische System, das auf dem Rücken von 99,75 % der Weltbevölkerung nur wenige schmutzige Reichtümer gemacht hat, ein guter Hüter des Planeten? Antwort: Nein, das ist nicht der Fall. Warum sollte man dann zulassen, dass dieses verzerrte sozioökonomische System weiterhin als abwesender, sorgloser Verwalter des Planeten fungiert? Der neoliberale Kapitalismus hat nichts Positives für den Planeten getan, nicht eines, sondern hat Ressourcen erschöpft und eine winzige Minderheit von Menschen bereichert. Bravo! Doch was ist das ökologische Erbe?

Unterdessen sind ein Team neuseeländischer Wissenschaftler der Antarctic Science Platform und ein Forschungsteam des italienischen Programma Nazionale di Ricerche in Antartide an Bord des 262 Fuß langen Eisbrecher-Forschungsschiffs Laura Bassi gerade von zwei Monaten im Rossmeer der Antarktis zurückgekehrt. Sie konnten den Rückgang des Meereises aus erster Hand miterleben und waren zutiefst besorgt. Die Dinge geschehen viel schneller, als irgendjemand es für möglich gehalten hätte. Die Mittagszeit ist für die Küstenstädte der Welt näher als erwartet.

Craig Stevens, Professor für physikalische Ozeanographie in Auckland, leitete die Expedition. Die drei niedrigsten Meereisausdehnungen seit modernen Aufzeichnungen (2022, 2023 und 2024) sind die niedrigsten in der 46-jährigen Aufzeichnung des antarktischen Meereises. Es ist immer schneller gegangen. Darüber hinaus verändert sich die Konfiguration tieferer Teile des Ozeans durch den Gehalt an salzhaltigem und sauerstoffhaltigem Wasser. Laut Dr. Stevens: „Angesichts des bevorstehenden Klimanotstands war die Arbeit, die sie leisteten, dringend.“

Es ist erst ein paar Monate her, als die folgende Schlagzeile meine Aufmerksamkeit erregte: Antarktisches Meereis bei „Mind-Blowing Low Alarms Experts, RNZ, 17. September 2023“. „Es ist so weit außerhalb von allem, was wir gesehen haben, es ist fast so.“ „überwältigend“, so Walter Meier, der mit dem National Snow and Ice Data Center das Meereis überwacht.

„Es liegt so weit außerhalb von allem, was wir bisher gesehen haben, es ist fast überwältigend“, ist eine Aussage, die so eindringlich ist, wie sie Klimaforscher jemals verwenden. Dieser eine Satz über die Antarktis sollte im ganzen Land einen Fanalruf zum sofortigen Handeln ertönen lassen, aber bisher hat er nichts bewegt.

Ähnlich wie das arktische Meereis, das im Norden der Antarktis verwandt ist, reguliert eine riesige Eisfläche im Süden die Temperatur des Planeten, und zwar stetig während einer 10.000-jährigen Episode der Menschheitsgeschichte, die als Holozän-Ära bekannt ist, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Seine weiße Oberfläche reflektiert spektakulär 80–90 % der Sonnenstrahlung in den Weltraum und kühlt das Wasser darunter und in seiner Nähe. Ohne den Einfluss des kühlenden Eises: „Die Antarktis könnte
sich vom Kühlschrank der Erde in einen Heizkörper verwandeln“, ebenda.

Offenbar beginnt es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, sich in einen Heizkörper zu verwandeln. Die wahre Tiefe des Problems ist darüber hinaus sogar noch größer, da beide Pole fast unabhängig von der Jahreszeit auf die gleiche Weise reagieren: schnelles Schmelzen des Eises, große Verluste des alles entscheidenden Albedo-Effekts, der 80-90 % der Sonnenstrahlung zurückreflektiert in den Weltraum, während ein sich schnell ausdehnender dunkler Ozeanhintergrund erheblich mehr Wärme absorbiert, als das umgebende Eis aushalten kann. Es handelt sich um einen bösartigen Schmelzkreislauf, der das Klimasystem
in absolut unsinnige Muster versetzt und normale Jetstreams (20.000 bis 40.000 Fuß) ungewöhnlich verrückt macht und die Hemisphäre mit massiven Dosen sengender Hitze, die an Ort und Stelle bleiben, atmosphärischen Flüssen, massiven Überschwemmungen und Waldbränden erschüttert in Hülle und Fülle. Es ist alles ein gewaltiges Ausmaß. Mehr Normalität gibt es nicht.

Letztlich zielt das angeschlagene Klimasystem auf eine überraschende Küstenüberschwemmung von Großstädten ab, auf die man leichtfertig nicht vorbereitet ist, weil das Risiko nach vielen, vielen Klimakonferenzen und unzähligen Warnungen Tausender Klimaforscher über viele Jahre hinweg immer noch nicht besteht Es ist in der Politik großer Nationen/Staaten verankert, dass der bevorzugte Verlauf der globalen Erwärmung zerstörerische Überschwemmungen an den Küsten und eine Verschlechterung des Ökosystems sind. Wenn sie wirklich daran glauben würden, würden sie alles tun, um die Subventionen für fossile Brennstoffe umzuwandeln, die laut IWF auf die Rekordsumme von 7 Billionen US-Dollar angestiegen sind, und Deiche zu bauen, sehr hohe Deiche. Dies würde dann den Kreis der Wassergräben rund um die Länder in einem andauernden soziopolitischen Kampf zwischen links und rechts darüber schließen, ob es zu einer Wiederbelebung des Mittelalters (500 – 1400 n. Chr.) kommen würde. Die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen könnte unmittelbar bevorstehen.

Vor nicht allzu vielen Jahren hätten Wissenschaftler nie gedacht, dass die Antarktis aus ihrer gefrorenen Vergangenheit erwachen und der globalen Erwärmung erliegen würde. Nun, es ist endlich erwacht und unterliegt. „Es ist möglicherweise ein wirklich alarmierendes Zeichen des antarktischen Klimawandels, den es in den letzten 40 Jahren nicht mehr gegeben hat. Und es entsteht gerade erst“, ebenda.

Es ist erst drei Jahrzehnte her, als Martin Siegert, Glaziologe an der Universität Exeter, begann, die Antarktis zu studieren. Heute sagt er: „Das Erwachen dieses Monsters des Südens droht eine absolute Katastrophe für die Welt“, ebenda.

Erfrischenderweise halten sich Wissenschaftler, die die Antarktis untersuchen, mit Tatsachenbehauptungen nicht zurück. Laut Anna Hogg, Geowissenschaftlerin an der University of Leeds: Es gibt Anzeichen dafür, dass das, was mit den Eisschilden der Antarktis bereits passiert, „im Worst-Case-Szenario-Bereich dessen liegt, was vorhergesagt wurde“, ebenda.

Das Worst-Case-Szenario ist zu beunruhigend, um es noch einmal zu wiederholen.

Wie sieht es mit Lösungen aus? Für den Anfang hier ein Zitat von Dr. James Hansen bei einer Sonderveranstaltung in Utah, die von The Nature Conservancy veranstaltet wurde: „Wir haben auf beiden Seiten politische Parteien, die Geld von Sonderinteressen nehmen. Und wenn wir dieses Problem nicht mit unserer Demokratie lösen, können wir das Problem des Klimawandels wirklich nicht ändern. Und die Öffentlichkeit weiß das.“

Antwort: Töte Citizens United so schnell wie möglich.

Citizens United – Im Jahr 2010 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass die Amerikaner Unternehmen nicht daran hindern können, unbegrenzt Geld auszugeben, um Wahlen, Politiker und die Politik auf der Grundlage der Auslegung des Ersten Verfassungszusatzes zu kontrollieren.

Die Supremes boten den Meistbietenden die Vereinigten Staaten von Amerika zum Verkauf an.

Der Beitrag wurde von unserer Partnerseite Pressenza, erschienen am 9.3.2024, übernommen. Wir danken für die Publikationsrechte.

References

References
1 Even science is now lagging behind the galloping climate crisis. Reality far dwarfs the forecasts. New potential threats to humanity are constantly piling up, fueled by the unbridled neoliberal capitalist growth story and enriched by a “green capitalism” that is leading to even more social upheaval both nationally and internationally. Global confrontation, rearmament and wars simultaneously counteract all countermeasures. Anyone who does not fight neoliberalism, “green capitalism” and especially the increasing war drive will remain toothless in the fight against climate collapse. (Peter Vlatten

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