Hitzewellen verschärfen Europas Dürren

Die Erderwärmung lässt Wasser schneller verdunsten und macht landwirtschaftliche Trockenheit in Westeuropa etwa fünfmal wahrscheinlicher.

Von Tine Heni

Hitzewelle und Waldbrand – seit Beginn des Sommers bestimmt eine Schreckensnachricht nach der anderen die Schlagzeilen. Dabei wird eine schleichende Katastrophe fast übersehen: die zunehmende Trockenheit, die Europa heimsucht. Denn während andere Weltregionen – vor allem Teile Afrikas – in den vergangenen Jahren eher feuchter geworden sind, verliert Europa seit rund zehn Jahren immer mehr Wasser. Schon jetzt führen die extrem trockenen Bedingungen zu landwirtschaftlichen Verlusten, zu Waldbränden wie denen, die derzeit in Spanien und Frankreich wüten und zu historisch niedrigen Flusspegeln. Französische Landwirte erleben ihre schlechteste Maisernte seit 50 Jahren, während Rumänien über eine Million Hektar Anbaufläche verloren hat.

Wieder einmal ist es die Klimakrise, die solche Extremwetterereignisse verstärkt. Zum einen verändert sie die globalen Niederschlagsmuster, was Böden in Europa austrocknen lässt. Zum anderen lassen die steigenden Temperaturen die Wasserreserven verdunsten. Und dies wiederum ist einer der treibenden Faktoren hinter den Waldbränden in Südeuropa.

Während die massiven Feuer eine indirekte Folge der Erderwärmung sind, lässt sich ermitteln, wie groß der Einfluss des Klimawandels auf die europäischen Dürren ist. Die internationale Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) vergleicht in ihren Computersimulationen – vereinfacht gesagt – das heutige Klima bei einer globalen Erwärmung von rund 1,4 Grad Celsius mit den Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend wird ermittelt, wie viel häufiger eine Dürre jetzt auftritt.

Es zeigte sich, dass der Niederschlagsmangel über Westeuropa nicht eindeutig auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Allerdings hat die extreme Hitze die Verdunstung stark beschleunigt. Sogar so sehr, dass solche Bedingungen über Westeuropa heute etwa 80-mal wahrscheinlicher sind. Über Osteuropa ist die hitzebedingte Verdunstung etwa 40-mal wahrscheinlicher geworden. »Das Klima in Europa verändert sich schnell«, sagt Sarah Kew, Hauptautorin der WWA-Untersuchung und Klimawissenschaftlerin beim niederländischen Wetterdienst. »Obwohl die Niederschlagsmuster gemischt bleiben, zeigen unsere Ergebnisse, dass extreme Hitze zur Hauptursache für Dürre auf unserem Kontinent wird.«

Um die Auswirkungen auf die landwirtschaftliche und ökologische Dürre zu quantifizieren, analysierten die Wissenschaftler*innen darüber hinaus für zwölf europäische Länder die langfristigen Trends bei Niederschlägen und Bodenfeuchte. Zudem ermittelten sie für die Länder die sogenannte potenzielle Evapotranspiration – ein Maß für die Fähigkeit der Atmosphäre, Feuchtigkeit zu verdunsten. Auch hier zeigte sich: Niederschlagsdefizite wie in diesem Jahr haben in früherer Zeit weniger schwere Dürren verursacht. Erst durch die zusätzliche Sommerhitze wird dem Boden schnell Feuchtigkeit entzogen.

»Das ist menschengemacht: Mit steigenden Temperaturen nimmt der ›Durst‹ der Atmosphäre schnell zu und entzieht Flüssen, Seen, Speichern und Böden Feuchtigkeit«, erläutert Mitautor Dominik Schumacher von der ETH Zürich. »Das verändert grundlegend, wie Dürren in Europa entstehen – immer weniger durch fehlenden Regen und immer mehr durch wärmere Luft, die verhindert, dass Wasser im Boden bleibt.«

Auf diese Weise ist eine landwirtschaftliche Bodendürre in Westeuropa durch den Klimawandel etwa fünfmal wahrscheinlicher geworden. In Osteuropa, wo trockene Bedingungen seit sechs Monaten anhalten, ist diese heute rund elfmal wahrscheinlicher.

Studien-Mitautorin Mariam Zachariah vom Imperial College London hält es für »besonders alarmierend«, dass diese Bedingungen bereits jetzt bei 1,4 Grad Erwärmung auftreten. »Wenn die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad steigen lassen, könnten sich diese intensiven Verdunstungsbedingungen in ihrer Häufigkeit verdoppeln – und solche Dürren zur Regel werden.«

Die Folgen wären Ernteausfälle, niedrige Flusspegel und Belastungen im Energiesektor. Das wiederum könnte die Preise für lebenswichtige Güter erhöhen und Haushalte mit geringen Einkommen besonders belasten.

»Diese Krise trifft nicht nur Landwirte, sie wirkt sich auf die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen aus«, kommentiert die Politikwissenschaftlerin Merel Laauwen von der Universität Wageningen, die nicht an der Studie beteiligt war. »Und obwohl die Wissenschaft zeigt, dass Dürren künftig häufiger und intensiver werden, sind Dürremanagementpläne in der EU nicht verpflichtend und die Vorsorge in den europäischen Ländern ist uneinheitlich.«

Neben der Anpassung fehlen aber auch grundlegende Maßnahmen, um dem Klimawandel als Verstärker der Dürren Einhalt zu gebieten. »Wir müssen viel schneller auf erneuerbare Energien umsteigen – die inzwischen günstiger sind als fossile Brennstoffe«, mahnt Simon Stiell, Chef des UN-Klimasekretariats. Auch brauche es Investitionen in die Elektrifizierung der Wirtschaft und in einen besseren Schutz von Kommunen von Unternehmen. »Solange die Menschheit weiterhin große Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrennt, werden diese klimabedingten Dürren immer schlimmer und teurer.«

Erstveröffentlicht im nd v. 30.7. 2026
Hitzewellen

Wir danken für das Publikationsrecht.

Fatale Brandbeschleuniger

Neoliberale Sparpolitik und industrielle Landwirtschaft spielen eine verhängnisvolle Rolle bei den Waldbränden in Spanien und Frankreich.

Von Ralf Streck, Hendaye

Titelbild: nd

Auch wenn die großen Brände um Madrid und bei Bordeaux stabilisiert scheinen, ist die Gefahr in den Brandregionen Frankreichs und Spaniens nach wie vor groß. Klar ist, dass man es mit einer neuen Dimension von Feuern zu tun hat. In Frankreich sind schon jetzt größere Flächen verbrannt als im gesamten Vorjahr. In Spanien nähert man sich den Zahlen von 2025, das als schlimmstes Brandjahr seit Jahrzehnten in die Geschichte eingegangen ist. Dramatisch an der diesjährigen Waldbrandsaison ist das Ausmaß der Großbrände. Die Feuer bei Madrid und im französischen Bordeaux gehören zu den größten, die in diesen Ländern bisher registriert wurden.

Dass es in Frankreich den Südwesten trifft, ist kein Zufall. Zwar ist es an der Atlantikküste bei Bordeaux deutlicher feuchter als in der Mittelmeerregion. Doch die Departements Gironde und Landes de Gascogne sind von industriell genutzten Holzplantagen geprägt, die mit dem lebendigen Ökosystem Wald wenig zu tun haben. Aus kapitalistischem Verwertungsinteresse wurde in der Region auf einer riesigen Fläche von 1,2 Millionen Hektar, fast so groß wie Schleswig-Holstein, eine Monokultur geschaffen. Auf 80 Prozent der Fläche werden schnell wachsende Seekiefern angebaut, die in der Gegend eigentlich nicht heimisch sind.

An dem Grundstoff für die Holzindustrie hängen allein in der Region Nouvelle-Aquitaine 60 000 Arbeitsplätze und ein Jahresumsatz von 10 Milliarden Euro. Bekannt ist, dass Kiefern wegen des hohen Harzgehalts und des leicht entzündlichen Nadelstreus extrem brandgefährdet sind. Waldbrand-Experten sprechen zudem von Bränden der »sechsten Generation«, die mit ihrer Hitze starke Aufwinde und damit eine eigene Wetterlage produzieren. In der Folge kommt es zu regelrechten »Feuerstürmen«, die kaum noch zu löschen sind. Piloten von Löschflugzeugen berichten, es sei über dem Feuer so heiß gewesen, dass Wasserladungen von 10 000 Litern noch in der Luft verpufften.

Erschwert wird die Brandbekämpfung durch die neoliberale Sparpolitik. Französische Gewerkschaften fordern wegen der Brände seit Jahren mehr Einsatzkräfte und Material. »Das System ist am Ende seiner Kräfte«, äußerte Michaël Pacanowski, Vorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft Spasdis-CFTC. Kritisiert wird von den Feuerwehrverbänden auch, dass das Versprechen, die Löschflugzeugflotte von 12 auf 16 Flugzeuge aufzustocken, nicht umgesetzt wurde. Eine Bestellung von zwei Flugzeugen wurde im Rahmen der Spardebatte sogar storniert.

Die Holzindustrie hält am Modell der Monokulturen fest, mit dem allein in Südwestfrankreich 10 Milliarden Euro jährlich Umsatz gemacht werden.

Auch die Gewerkschaft CGT beklagt fehlende Mittel und Personal. Die Zahl der Beschäftigten des Nationalen Forstamtes (ONF) sei von 15 000 auf 8000 reduziert worden. Aufgrund des Klimawandels träten Brände aber immer früher, häufiger und intensiver auf. Deshalb müsse Prävention vor dem Hochsommer zur »Priorität« werden. Klar ist, dass nach dem heißesten und trockensten Juni und Hitzewellen im Juli oft ein Funken reicht, um die Feuer zu entzünden.

Doch die Holzindustrie hält am Modell der Umweltausbeutung fest, das auch die Böden versauert. »Die vorrangige Bestimmung ist die Produktion«, erklärt Anne Guivarc’h, Chefin des Holzindustrieverbands der Region. Auch Bruno Lafon, Präsident einer »Forstschutzvereinigung«, sieht keinen Grund, an den Monokulturen etwas zu ändern. Er fordert stattdessen, große Brandschutzschneisen in den Wald zu schlagen: »Lieber 2000 Hektar verlieren, als 40 000 Hektar abbrennen zu lassen.«

Dass durch das Geschäftsmodell Menschenleben gefährdet werden, scheint für sie zweitrangig. Und auch die Interessen der in Südwestfrankreich wichtigen Tourismusindustrie müssen zurücktreten. »Für den Tourismus ist das erneut eine Katastrophe«, erklärte Franck Chaumès, Chef des Hotel- und Gaststättengewerbes. Es mehren sich Stimmen, die die Schaffung resistenterer Mischwälder fordern.

In Spanien ist das Problem ähnlich, das neoliberale Muster zum Teil sogar noch deutlicher zu erkennen. In der Autonomiegemeinschaft Kastilien-Leon, wo seit Jahrzehnten die rechte Volkspartei (PP) regiert, wurden die Mittel zur Brandprävention seit 2009 um 90 Prozent gekürzt. 2025 tobten dann zwei der schwersten Brände in der spanischen Geschichte. An der Grenze zur Hauptstadtregion Madrid bei Burgohondo wütet nun der schwerste jemals registrierte Brand. 500 Quadratkilometer Wald sind dort abgebrannt.

Vor allem die rechtsextreme Vox, die den Klimawandel leugnet, benutzt die Katastrophe, um gegen die sozialdemokratische Zentralregierung zu schießen. Mit der PP fordert sie nun mehr Geld für Prävention, Waldbewirtschaftung und Löschmittel. Dabei sind es die rechten Autonomieregierungen, die diese Mittel ständig kürzen, weil sie – wie in der Autonomiegemeinschaft Madrid – Steuerdumping betreiben. Die dortige PP-Regierung wurde vom Obersten Gerichtshof unlängst sogar verurteilt, weil 40 Millionen Euro aus gesetzlichen Zweckbeiträgen von Versicherungen nicht wie vorgeschrieben in die Brandprävention flossen, sondern zweckentfremdet wurden.

Erstveröffentlicht im nd v. 30.7. 2026
Fatale Brandbeschleuniger

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Lage am AKW Saporischja spitzt sich zu

Im Ukrainekrieg tickt eine Zeitbombe. Die Angriffe der mit viel deutcher Ausrüstung und Geld unterstützten ukrainischen Armee auf das Atomkraftwerk Saporischja sind längst ein immenses Sicherheitrisiko für große Teile Europas geworden. Die Sicherheit von Saporischja hängt am „seidenen Faden“, wie der folgende Bericht von Infosperber detailliert nachweist. Viele Orte liegen näher am Ort des Geschehens als die Schweiz. Man kann auch sagen, es braucht nicht einen Angriff durch Russland, unsere Kriegsertüchtiger schaffen es möglicherweise auch selbst, vielen von uns – nicht nur den Ukrainer:innen- ein Grab zu schaufeln.

Werfen wir einen Blick nach Westasien, auch „Naher Osten“ genannt. Hier das gleiche Spiel mit dem Feuer. Trump erklärte am Dienstag, dem 21. Juli 2026 , die USA würden den „Pickaxe Mountain“ ins Visier nehmen, eine im Bau befindliche, tief unter der Erde gelegene iranische Atomanlage. „Wir werden dieses Gebiet schon sehr bald und mit voller Wucht angreifen“. Die Folgen solcher Angriffe sind laut internationaler Atom Experten unkalkulierbar, nicht nur für den Iran, sondern auch dessen Nachbarländer! (Peter Vlatten)

Martina Frei / 18.07.2026 , Infosperber

Ein Nuklearszenario in der «Kornkammer Europas» wäre dort verheerend. Trotz des Risikos wird weiter geschossen und getötet.

Es war ein gezielter Drohnenangriff auf das Dienstfahrzeug, in dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks von Saporischja sass. Sowohl er als auch sein Fahrer starben am vergangenen Mittwoch. Der Direktor der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafael Grossi, verurteilte den Vorfall auf X. Er vermied es jedoch, die Täter zu benennen. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich.

Es handle sich um einen inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und seine Führung und gefährde die nukleare Sicherheit ernsthaft, so Grossi. «Die IAEA fordert ein sofortiges Ende aller Angriffe auf oder in der Nähe von Nuklearanlagen und ihr Personal», forderte er. Das verlangt der Direktor der IAEA schon seit Jahren.

«Ich appelliere dringend an die militärischen Entscheidungsträger, sämtliche Aktionen zu unterlassen, die gegen Prinzipien zum Schutz nuklearer Anlagen verstossen», hatte er beispielsweise im April 2024 gefordert. Als im Mai 2026 eine Drohne das Turbinengebäude traf, warnte Grossi: «Angriffe auf nukleare Anlagen sind wie das Spiel mit dem Feuer.» Doch Grossis Mahnungen scheinen in den Wind gesprochen.

Zehn komplette Stromausfälle in den letzten drei Monaten

Am Mittwoch wies die IAEA erneut auf die prekäre, sich weiter zuspitzende Lage rund um das grösste Atomkraftwerk Europas hin. Dies, nachdem tags zuvor zum 22. Mal seit Kriegsbeginn der Strom am AKW Saporischja vollständig ausgefallen war. «Allein in den letzten drei Monaten traten zehn solcher Ausfälle auf, was die sich verschlechternde Zuverlässigkeit des Stromnetzes unterstreicht», schreibt die IAEA in ihrer Medienmitteilung.

Die Lage am AKW Saporischja sei weiter eskaliert. Verfügte das AKW vor dem Krieg über zehn externe Stromleitungen, die Strom zuliefern konnten, sei es jetzt nur noch eine einzige. Von ihr hängt alles ab. Denn das Kraftwerk benötige – auch im derzeitigen Stilllegungszustand – «einen zuverlässigen und stabilen Netzanschluss, um seine wesentlichen Sicherheits- und Schutzfunktionen aufrechtzuerhalten».

Fällt diese Leitung aus – am vergangenen Dienstag angeblich infolge eines Gewitters – springen automatisch 19 Notstromdieselgeneratoren an, um die notwendigen Funktionen, inklusive der Reaktorkühlung, bereitzustellen. Laut der IAEA gibt es in der Nähe des Atomkraftwerks ein Diesellager, das über Kraftstoffvorräte «für mehr als zehn Tage» verfüge. «Aus Sicherheitsgründen» sei dem IAEA-Team jedoch der Zugang dort verweigert worden.

Mitarbeiter und ihre Familien akut bedroht

Auch die Mitarbeitenden des Atomkraftwerks und ihre Familien werden beschossen: «In den letzten Tagen meldete das Kernkraftwerk Saporischschja mehrere Drohnenangriffe in Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben. Am 12. Juli sollen Drohnenangriffe mehrere Opfer gefordert haben, darunter auch Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja und Subunternehmer», so die IAEA. «Am 13. Juli richteten sich weitere Angriffe Berichten zufolge gegen Wohngebäude, die städtische Feuerwehrwache, Lebensmittelgeschäfte und das Krankenhaus von Enerhodar, das trotz Schäden an einem Dienstfahrzeug und einem Dieselgenerator weiterhin in Betrieb blieb.» Am 14. Juli sei ein Transportfahrzeug für Mitarbeiter unter Drohnenbeschuss geraten, ohne, dass es Verletzte gegeben habe. Tags darauf wurde dann der Chefingenieur des AKW getötet.

Laut dem Generaldirektor von Rosatom, der russischen Firma, die das AKW seit der Annektierung führt, wurden seit Anfang Mai 13 Menschen getötet und 48 verletzt. Es bestehe «die reale Gefahr eines massiven nuklearen Zwischenfalls in weiten Teilen Russlands, der Ukraine und Europas».

«Die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja arbeiten weiterhin unter extrem schwierigen Umständen. Militärische Aktivitäten in Enerhodar können den Druck auf sie und ihre Familien zusätzlich erhöhen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit und den sieben unverzichtbaren Säulen der IAEA, wonach das Betriebspersonal in der Lage sein muss, seine Aufgaben zu erfüllen und Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen. Ich fordere erneut grösstmögliche militärische Zurückhaltung in der Umgebung von Kernkraftwerken, um jegliches Risiko eines nuklearen Unfalls zu vermeiden», sagte IAEA-Generaldirektor Grossi.

Russland ging Grossis Stellungnahme zum Tod des Chefingenieurs nicht weit genug. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, forderte von der IAEA eine «klare und deutliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird».

Strahlenüberwachung zu zwei Dritteln ausgefallen

Infolge von Stromausfällen oder Beschädigungen scheinen laut der IAEA auch «mehr als zwei Drittel der externen Strahlungsüberwachungsstationen des Kraftwerks keine Daten zu übermitteln». Noch könne die Strahlungsüberwachung zwar aufrecht erhalten werden, es bestehe jedoch eine «verminderte Ausfallsicherheit und Redundanz». Die IAEA-Mitarbeiter würden nun untersuchen, ob die Strahlungsüberwachung im Notfall noch funktioniere.

Das Gelände des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl wird offenbar ebenfalls mit Drohnen ins Visier genommen: Zwischen dem 9. und 14. Juli seien dort insgesamt acht Drohnenflüge innerhalb der Überwachungszone des Geländes registriert worden. «Die anhaltende Präsenz von Drohnen in der Nähe von Kernkraftwerken ist ein weiterer Hinweis auf die Risiken, die dieser Krieg für die nukleare Sicherheit und Sicherung mit sich bringt», sagte Generaldirektor Grossi.

«Es wäre furchtbar»

«Es wäre furchtbar», wenn in Saporischja etwas passieren würde, «insbesondere auch für die Bevölkerung vor Ort», sagte der frühere Chef der Nationalen Alarmzentrale Gerald Scharding schon 2023 gegenüber «SRF». Da das AKW heruntergefahren sei, wäre die Menge an radioaktiven Stoffen, die freigesetzt werden könnte, jedoch «deutlich geringer als bei einem Kernkraftwerk in Vollbetrieb»

Meist würden die Hauptwinde von der Ukraine nicht in Richtung Schweiz wehen. «Nur in etwa 20 Prozent der Fälle bewegen sich die Luftmassen aus der Ukraine auf mehr oder weniger direktem Weg in die Schweiz.» Scharding rechnete deshalb nicht damit, dass im Fall eines Nuklearszenarios in Saporischja in der Schweiz die Einnahme von Jodtabletten oder der Aufenthalt im Haus oder in Schutzräumen nötig würden. Das gilt laut dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) weiterhin. Scharding hatte 2023 jedoch von möglichen Ernte- und Weideverboten in jenen Schweizer Gebieten gesprochen, die am meisten betroffen wären.

Inzwischen sei die Menge an vorhandenem und potentiell freisetzbarem radioaktiven Material in Saporischja viel geringer als vor drei Jahren, antwortet ein Mediensprecher des VBS nun auf Anfrage von Infosperber. Würde in Saporischja Radioaktivität austreten und der Wind stünde ungünstig, habe die Schweiz eine Vorlaufzeit von mindestens 24 bis 48 Stunden. Falls eine radioaktive Wolke die Schweiz erreichen würde, wäre «nur die Lebensmittelsicherheit oder der Importbereich» betroffen, so der VBS-Mediensprecher.

Wir danken für das Publikationsrecht. Der Beitrag ist im Original bei Infosperber am 17.Juli 2026 erschienen.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

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