Gegen Gaskraftwerke und Rüstungsindustrie

Aktuell stehen wir vor der heftigsten Angriffswelle auf alle sozialen, ökologischen und demokratischen Errungenschaften, die Deutschland nach dem 2. Weltkrieg erfahren hat. Deutschlands imperialer Kriegs- und Großmachtkurs treibt die Militarisierung der gesamten Gesellschaft voran. Eine unersättliche Krake breitet sich aus, die die Resourcen für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche wegfrisst. Wer unter diesen Bedingungen konsequent und unbeirrt um soziale, ökologische und demokratische Ziele kämpft, gerät unweigerlich auch mit dem Kriegskurs in Konflikt. Raul Zelik beschreibt diesen Zusammenhang am Beispiel des kämpferischen Teils der deutschen Umweltbewegung. (Peter Vlatten)

Gegen Gaskraftwerke und Rüstungsindustrie

Das Bündnis Ende Gelände mobilisiert zu einem Aktionscamp in Hamm – und sucht den Schulterschluss mit antimilitaristischen Protesten!

Raul Zelik, nd 28.5.2026

»Die ökologische Krise ist der zentrale Klassenkonflikt des 21. Jahrhunderts«, schrieb der Wirtschaftshistoriker Matthias Schmelzer vor einigen Wochen in dieser Zeitung. Sprich: Im Kapitalismus sind die Kosten von Unwetterkatastrophen, Missernten und Wasserknappheit extrem ungleich verteilt. Die Wohlhabenden können sich aus dem Gröbsten herauskaufen, für die Armen geht es ums Überleben – nicht nur im Globalen Süden.

Man könnte hinzufügen: Bevor dieser Zusammenhang sichtbar wird, sind Kriege längst das neue »Normal«. Die beteiligten Nationalstaaten werden natürlich von sich behaupten, für »Werte«, »Demokratie« und »Freiheit« zu kämpfen. Doch letztlich wird es um knapper werdende Ressourcen gehen. In der Geschichte der Klassengesellschaften wurde bisher noch immer mit Gewalt geholt, was auf andere Weise nicht organisiert werden konnte.

Die Klimaaktivist*innen von Ende Gelände, die an diesem Wochenende ausgehend von einem Aktions-Camp in Hamm den Ausbau der Gas-Infrastrukturen blockieren wollen, haben das erkannt. Sie suchen den Schulterschluss mit Anti-Kriegs-Protesten. Der von der Bundesregierung geplante Bau neuer Gaskraftwerke mit zwölf Gigawatt Leistung sei nicht nur deshalb eine Katastrophe, weil damit fossile Abhängigkeiten festgeschrieben würden, heißt es bei Ende Gelände. Man müsse auch sehen, für wen die Energie bereitgestellt wird. Nämlich für »die energieintensive Industrie, aka Rüstungskonzerne«. Konkret gehe es um ThyssenKrupp und Rheinmetall, erklärt das Bündnis und ruft zu Aktionen auf.

Während sich die Medien-Stars von Fridays for Future mit Konzernspitzen trafen, stürmte Ende Gelände Braunkohleminen.

Der Klimabewegung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, Politik für die Mittelschichten zu machen. Bei der Energiewende sei zu wenig gefragt worden, wie die Ärmeren die steigenden Energiekosten bezahlen sollen. Und dass ein Teil der Bewegung gemeinsam mit den Grünen Waffenlieferungen an die Ukraine und die Aufrüstung Deutschlands befürwortet hat, hat es der Rechten bei ihrer Propaganda unnötig leicht gemacht. Klimabewusst in Richtung Krieg – das ist tatsächlich eine bizarre Verbindung.

Für Ende Gelände haben solche Vorwürfe allerdings nie gestimmt. Das Bündnis war stets Teil einer »Klimagerechtigkeitsbewegung«, der es auch um soziale und materielle Rechte geht. Außerdem war das Bündnis nie auf Kuschelkurs mit den Mächtigen. Während sich die Medien-Stars von Fridays for Future mit deutschen Konzernspitzen trafen, stürmte Ende Gelände Braunkohleminen und produzierte mächtige, symbolträchtige Bilder: Der Ungehorsam der Vielen kann die Riesenmaschinen des fossilen Kapitals stoppen. Dass 2020 in Deutschland der Kohleausstieg beschlossen wurde, geht auch auf das Konto dieser Kämpfe.

Mit den Protesten gegen den Gasausbau geht Ende Gelände nun einen Schritt weiter. In einer Selbstkritik hat das Bündnis erklärt, man habe zu internationalistischen Fragen zu lange geschwiegen. Gemeint ist damit natürlich der Nahost-Konflikt. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wurde wegen ihrer Palästina-Solidarität hierzulande scharf attackiert. Ende Gelände schließt sich Thunbergs Position nun weitgehend an: »Wir denken, dass eine breite gemeinsame Praxis der Klimagerechtigkeitsbewegung und Palästina-solidarischen Bewegung wie in anderen Ländern möglich ist«, schreibt das Bündnis und postuliert: »Es gibt keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Land.«

Es ist ein Vorzug sozialer Bewegungen, dass sie nicht alle Fragen gleichzeitig verhandeln müssen. Eine ökologische Bewegung sollte sich auf ökologische Fragen konzentrieren können. Gleichzeitig stimmt aber auch: Wir leben in Zeiten, in denen Umweltkrise, soziale Konflikte und imperialistische Kriege untrennbar miteinander verknüpft sind. Dass Teile der Klimabewegung sich nun auch als antimilitaristisch begreifen, ist eine Folge der Verhältnisse.

Wir danken für das Publikatiosnrecht.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Wie weiter mit dem Kampf gegen den Klimawandel?

In den letzten Monaten wurde viel über die Krise der Klimabewegung geredet. Wir wollen auf der Veranstaltung mit  Menschen und Initiativen diskutieren, für die ein Erfolg der Klimagerechtigkeitsbewegung nur in Allianz mit den Lohnabhängigen möglich ist.

Wir wollen unter anderem diskutieren:

Wie nachhaltig sind Initiativen wie „VW steht für VerkehrsWende“ und „Wir fahren zusammen“?

Konnte eine dauerhafte Kooperation aufgebaut werden?

Wo liegen Erfolge und wo die Probleme und Hindernisse?

Welche utopischen Potentiale finden sich darin, den Mut zu haben, ein eigenes Projekt voranzutreiben und wieder von der Revolution statt der Verteidigung des Status Quo zu reden?

Auf dem Podium diskutieren:

Johanna Schellhagen ist Mitbegründerin des Kollektivs Labournet.tv, das Kämpfe von Arbeiter*innen in aller Welt dokumentiert. Im Film „Der laute Frühling“ entwickelte Schellhagen die Utopie eines Kampfes von Lohnabhängigen und Klimaaktivist*innen in der Autostadt Wolfsburg. In ihrem kürzlich im Büchner-Verlag erschienenen Buch „Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen“ formuliert Schellhagen diese Utopie weiter aus.

Tobi  Rosswog gehörte zu einem Kreis von Aktivist*innen, die zwischen 2022 und 2024 auch inspiriert von Schellhagens Film in Wolfsburg die Verkehrswende voranbringen wollten. Zur Arbeit der Initiative „VW steht für VerkehrsWende“ gibt es mehrere Bücher und einen Dokumentarfilm.  Im letzten Jahr erschien im  Verlag Buchmacherei der Band  „Nehmen wir das Leben wieder selbst in die Hand“,  in dem neben Rosswog der VW-Arbeiter und Gewerkschafter  Thorsten Donnermeier und die Verkehrswendeaktivistin Katja Diehl ihre Erfahrungen aus zwei Jahren Verkehrswendinitiative in Wolfsburg  auswerten und diskutieren. 

Eingeladen sind außerdem Aktivist*innen von  Initiativen,  die Arbeitskämpfe der Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr unterstützen und so eine Kooperation von Klimaaktivist*innen und Beschäftigten vorantreiben wollen.

Moderation: 

Peter Nowak  

Wie weiter im Kampf gegen den Klimawandel?

  • Datum: 28. Mai 2026
  • Uhrzeit: 19h
  • Ort: Museum des Kapitalismus, Köpenicker Str. 172 10997 Berlin
  • Eintritt: frei

Quelle: labournet.tv
https://www.labournet.tv/de

9 Euro Tickets jetzt – Klima retten heisst System ändern!

9€-Ticket jetzt – Klima retten heißt System ändern!

Bundesweit haben am Samstag Zehntausende Menschen für eine „schnellere Energiewende“ im Kampf gegen den drohenden Klimakollaps und gegen „fossile Abhängigkeit“demonstriert. Im Zentrum der Kritik: Wirtschaftsministerin Reiche. Und eine Bundesregierung, die erreichte Fortschritte statt auszubauen wieder zunichte macht.

Berlin, vereinzelt konnte man einen IG Metaller mit IG Metallfahne erspähen, Foto von einer Freundin der Redaktion

Laut Angaben der Organisatoren sind bundesweit mehr als 80.000 Menschen auf die Straẞe gegangen. Allein in Berlin kamen demnach rund 24.000 Demonstrierende (laut Polizei 9000) zusammen, in Köln 30.000 Menschen In Hamburg 15.000 und in München 12.000.

Zeki Gökhan von der Partei Die Linke und bekannter Klimaaktivist von Lützerath berichtet aus Köln und fasst aus der sehr vielschichtig zusammengesetzten Bewegung wichtige Forderungen aus linker Perspektive zusammen:


Mitten auf dem Platz, zwischen tausenden Menschen, wird eines klar: Die ökologische Krise ist keine Naturkatastrophe – sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen.

Während Milliarden in Aufrüstung, Autobahnbau und klimaschädliche Subventionen fließen, kämpfen Millionen Menschen mit steigenden Lebenshaltungskosten. Das ist kein Zufall – das ist System.

Unsere Forderungen sind klar:

Sofortiger Stopp aller klimaschädlichen Subventionen

  • für Flugtreibstoffe
  • für die Autoindustrie
  • für neue Autobahnprojekte

Stattdessen: Massive Investitionen in den öffentlichen Verkehr

  • Ausbau von Bahn, Tram und Trolleybus
  • Priorität für schnelle, bezahlbare und flächendeckende Verbindungen
  • Mobilität als soziales Grundrecht, nicht als Profitgeschäft

9€-Ticket JETZT – dauerhaft!
Mobilität darf kein Luxus sein. Ein günstiger, zugänglicher Nahverkehr ist ein zentraler Baustein sozialer Gerechtigkeit und aktiver Klimapolitik.

Energiekonzerne zur Verantwortung ziehen
Während sie Profite maximieren, zahlen wir die ökologischen und sozialen Kosten. Energie gehört in öffentliche, demokratische Hand
.

Abrüstung statt Aufrüstung!
Milliarden für Waffen fehlen beim Klimaschutz, bei Bildung, Gesundheit und sozialer Infrastruktur.
Frieden und Klimagerechtigkeit gehören zusammen.

Unsere Botschaft ist unüberhörbar: Ein gerechtes, nachhaltiges System entsteht nicht von selbst.
Es braucht Druck von unten – von uns allen
.

Drei Bemerkungen:

Erstens für meine Kolleg:innen in der Autoindustrie:

Kampf um Arbeitsplatz und Zukunft gehören zusammen!

Wir kämpfen um den Erhalt eines jeden Arbeitsplatzes. Mit aller Kraft. Ob wir Verbrennermotoren, Elektroantriebe, Bahnwaggons, Autos, Flugzeuge, Fahrräder oder Panzer produzieren. Alle Regeln und Gesetze im Kapitalismus sind darauf ausgerichtet, dass die Kapitaleigner entscheiden, was gebaut wird und in welche Produkte sie investieren. Wir Arbeitenden haben nur bedingt Einfluss darauf. Das heisst aber nicht, dass es uns egal ist, was produziert wird. Ob wir Panzer bauen, die zerstören und töten und einen Kriegskurs unterstützen, oder Fahrzeuge zur zivilen Nutzung herstellen, ob an Verbrennermotoren und Invidualverkehr festgehalten wird, die den Klimakollaps beschleunigen, oder Elektroantriebe und öffentliche Verkehrsmittel produziert werden. Selbstverständlich müssen die Arbeiter:innen versuchen, politisch Einfluß zu nehmen für das, was gesellschaftlich nützlich ist und eine Zukunft hat. Selbstverständlich müssen wir neben dem Kampf um jeden Arbeitsplatz Position beziehen gegen die Herstellung klimaschädlicher Verbrennermotoren, gegen die Produktion von Waffen oder vergifteter Nahrungsmittel.

Zweitens an die Klimakivist:innen:

Wer nicht gegen Aufrüstung und Krieg kämpft versündigt sich am Klima

Wer neben seinem Eintreten für eine Energiewende nicht gleichzeitig gegen die massive weltweite Aufrüstung und Konfrontationspolitik mit zunehmenden militärischen Auseinandersetzungen protestiert, ist inkonsequent. Wer für Aufrüstung, Waffenlieferungen und Kriegseskalation eintritt, versündigt sich direkt am Klima. Der nicht zuletzt von Deutschland eingeschlagene Kriegskurs verschlingt hunderte Milliarden Euro, die für dringend benötigte soziale und ökologische Projekte fehlen. Darüberhinaus aber sind Rüstungsindustrie und Kriege zum weltweit größten Klimakiller geworden. Dieser Klimakiller Militarismus kann alle übrigen Anstrengungen zunichte machen. Allein über dem Iran wurde zuletzt Sprengstoff in der Größenordnung von 3 mittleren Atombomben abgeworfen. Trump hat beantragt, den bereits größten Rüstungshaushalt der USA in Höhe von 900 Milliarden Dollar im nächsten Jahr um 50 Prozent auf ca. 1,5 Billionen Dollar aufzustocken. Das ist ein Signal für eine weitere militärische Eskalationsrunde, an deren Schrauben die Bundesregierung kräftig mitdreht. Die Pérspektive dieser Entwicklung ist ein Klimakill ohne Limit!

Drittens an Alle:

Aufgepasst „Grüner Kapitalismus“ ist kein verlässlicher Partner gegen den Klimakollaps!

Die Umstellung auf alternative Energien wird die Abhängigkeiten von fossilen Energien reduzieren. Das heisst aber nicht: „eine Welt ohne Abhängigkeiten von Rohstoffen überhaupt“, ohne kapitalistische Konkurrenz und ohne Kriege. Die Abhängigkeiten erhalten nur neue Namen wie „Lithium“ oder „Seltene Erden“ und unterliegen geographischen Veränderungen.

Zur besonderen Doppelbödigkeit des deutschen grünen Kapitalismus gehörten drei Dinge:

Zum einen die Verheißung einer alternativen Energiewende verbunden mit energiepolitischer Unabhängigkeit von Diktatoren vom Schlage Putins. Durch Kappung der fossilen Energiezufuhr aus Russland. Durch Anheizen des Ukrainekriegs. Mit dieser These tingelten „Grüne“ von Luisa Neubauer [1]zum ersten Jahrestag des Ukrainekrieges forderte Neubaur auf einer Veranstaltung am Brandenburger Tor gemeinsam mit dem CDU rechts nationalen Kriegstreiber Roderich Kieswetter dazu auf, sich am … Continue reading über Habeck bis Hofreiter durchs Land. Das Ergebnis dieser Verheißung sehen wir heute.

Zum zweiten wurde gleichzeitig durch die Ampel eine komplett neue fossile LNG Infrastruktur mit CO2 schädlicheren Frakinggasen hochgezogen. Mit ebensogroßen Abhängigkeiten. Von den USA über Katar bis Saudi Arabien. Es ist noch in guter Erinnerung, wie der damalige grüne Wirtschaftsminister Habeck bei den Scheichs den Buckling machte und das als Befreiungsschlag von Diktatoren a la Putin verkaufte.

Zum dritten wird der Großteil der Bevölkerung durch die Umsteuerung über CO2 Abgaben finanziell extrem belastet, während das für Sozialen Ausgleich notwendige und ursprünglich versprochene Klimageld auf den Sanktnimnerleinstag verschoben ist.

Nicht destotrotz ist es richtig heute für den Fortschritt von mehr alternativer Energie auf die Straẞe zu gehen und der fossilen Idiotie von Trump über AFD bis Wirtschaftsministerin Reiche die Stirn zu bieten.

Und es ist bitter notwendig, dass auch die Klimaproteste wieder aufleben! Aber nicht isoliert von der Friedensbewegung!

Und bitte mit ein bischen Bewusstheit über die Inkontinenz der grünen Kapitalismusvertreter:innen. Nichts ist so unbeständig im Kapitalismus wie der gesellschaftliche Fortschritt. Nichts ist so beständig wie der Rückschritt. Kaum wurde eine Reform erkämpft, wird ihr schon wieder der Boden entzogen. Wer mehr will muss das System ändern.

9€-Ticket jetzt – Klima retten heißt System ändern!

Titelbild: Quelle Zeki Gökhan

References

References
1 zum ersten Jahrestag des Ukrainekrieges forderte Neubaur auf einer Veranstaltung am Brandenburger Tor gemeinsam mit dem CDU rechts nationalen Kriegstreiber Roderich Kieswetter dazu auf, sich am Opfergeist der Ukrainer:innen und ihren Soldat:innen ein Beispiel zu nehmen

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