Ein-Staat-Realität, Zweistaatenlösung und die Sache mit dem Existenzrecht

Staaten haben Rechte – das Recht zu existieren gehört nicht dazu. Dieser Satz löst in Deutschland Schnappatmung aus, obwohl er eine juristische Selbstverständlichkeit ist. Denn das Völkerrecht kennt kein eigenständiges Existenzrecht von Staaten, sondern nur das Selbstbestimmungsrecht von Völkern.

Das zeigt, worum es auch im internationalen Recht geht: um Menschen, die in ihrer Existenz geschützt und selbstbestimmt sein sollen. Gründen Menschen einen Staat, der von den Vereinten Nationen anerkannt wird, hat dieser bestimmte Rechte.

Er darf nicht gewaltsam angegriffen werden, er darf sich verteidigen, und seine völkerrechtlich definierten Grenzen sind zu respektieren. Das gilt selbstverständlich auch für Israel. Beschließen die Bürger dieses Staates, ihn umzubenennen, aufzuteilen, aufzulösen oder sich mit einem anderen Staat zusammenzuschließen, ist das Teil ihrer Selbstbestimmung.

Die Geschichte ist voller Beispiele dafür: England und Schottland verschmolzen 1707 zum Königreich Großbritannien, die Tschechoslowakei wurde nach 74 Jahren per Parlamentsbeschluss in Tschechien und die Slowakei aufgeteilt, die Menschen in der DDR haben sich der Bundesrepublik Deutschland angeschlossen und damit ihren Staat aufgelöst.

Die Ukraine gäbe es nicht, hätte die Welt 1991 auf das Existenzrecht der UdSSR bestanden. Und für ihren Kampf gegen Russland braucht auch sie kein „Existenzrecht“, sondern „nur“ das Völkerrecht, denn der russische Angriffskrieg verstößt gegen das Gewaltverbot und ihre territoriale Integrität.

Entscheidend ist also, was die Bewohner eines bestimmten Gebietes wollen, und dass Staatsgründungs- oder Umbauprozesse die Menschenrechte aller achten und sich an völkerrechtliche Bestimmungen halten.

Was bedeutet das für Israel und Palästina? Dass sowohl Juden als auch Palästinenser ein Recht auf Selbstbestimmung haben, aber weder Israel noch Palästina ein Existenzrecht. Wie sie zusammenleben wollen, ist ihre Sache, die Welt muss nur darauf bestehen, dass alle sicher, frei und gleichberechtigt sind.

Davon sind wir weiter entfernt denn je. Zwischen Jordan und Mittelmeer leben heute 15 Millionen Menschen, je zur Hälfte Juden und Nicht-Juden, also palästinensische Muslime und Christen. Die viel beschworene Zweitstaatenlösung ist längst einer Ein-Staat-Realität gewichen.

Faktisch kontrolliert Israel das gesamte Gebiet: sämtliche, auch einseitig gezogene Grenzen, den Luftraum und die Ressourcen. Je nach Staatsangehörigkeit, religiös-ethnischer Zugehörigkeit und Wohnort – lebt die Person in Israel, in West- oder Ostjerusalem, in einem A-, B- oder C-Gebiet des Westjordanlandes oder im Gazastreifen – haben die Bewohner unterschiedliche Rechte. Juristen beschreiben dieses System deshalb mit dem völkerrechtlichen Begriff der Apartheid.

Sich für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aller dieser Menschen einzusetzen, sollte für deutsche Politiker selbstverständlich sein. Die Frage ist in welcher Form? Gebetsmühlenartig ein „Existenzrecht Israels“ zu beschwören ohne Palästina anzuerkennen und Israels institutionelle Verantwortung für die Verbrechen in Gaza und dem Westjordanland zu benennen, ignoriert die Hälfte der Bewohner.

Neben der Zweistaatenlösung andere territoriale Konzepte zu diskutieren, ist nicht antisemitisch, sondern legitim. Manche wünschen sich eine Konföderation zweier Staaten, andere fordern einen Staat mit gleichen Rechten für alle – Juden, Christen, Muslime und Konfessionslose. Über die politische Ordnung des Gebietes entscheiden seine Bewohner, nicht deutsche Politiker oder Aktivisten.

Fazit: Nicht Staaten, sondern alle 15 Millionen Menschen zwischen Jordan und Mittelmeer haben das Recht zu existieren – gleichberechtigt und selbstbestimmt. Darauf hinzuweisen ist völkerrechtliches Basiswissen, keine „anti-israelische Vernichtungsfantasie“.

20 Arbeiter:innen von Mercedes Stuttgart Untertürkheim fahren nach Berlin um Merz den „Marsch zu blasen“

Kurzclip vom Besuch gewerkschaftlicher Aktivist:innen aus dem Mercedeswerk Stuttgart Untertürkheim im Bundestag. Video: Vertrauensleute IG Metall MB UT

Die Idee der Kolleg:innen

Warum nicht nach Berlin fahren, wo die Angriffe des Kapitals auf die Beschäftigten von der Politiik gebündelt werden? „Da Druck machen, wo es angebracht ist.“ Speerspitze für die verheerende aktuelle Angriffswelle ist doch Bundeskanzler Friedrich Merz. Warum ihn nicht persönlich zur Rede stellen, ihm ordentlich den „Marsch blasen“, was seine Polititk so anrichtet, und ihm die Resolution der Mercedesvertrauenskörper persönlich übereichen? Die Idee war geboren.

Die Aktion

Am 9.Oktober war es soweit. Etwa 20 gewerkschaftliche Aktivist:innen hatten sich einen Tag Urlaub genommen und aus eigener Tasche eine Bahnfahrt nach Berlin gebucht. Um kurz nach Mitternacht: Auf zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Um 1 Uhr Nachts bestiegen sie den Zug. Nach dem Frühstück besuchten sie auf Einladung von Luigi Pantisano, dem Co. Parteivorsitzenden der Partei Die Linke, die heiligen Hallen des Bundestags. Friedirch Merz hatte aber keine Zeit für diese „einfachen“ Arbeiter:innen, die ihm sagen wollten, dass nicht er, sondern sie es sind, die den „Laden am Laufen halten“. Nicht einmal die Resolution konnten sie ihm persönlich übereichen. So übergaben sie notgedrungen ihre Resolution an Luigi mit der Bitte, sie an den Bundeskanzler weiterzuleiten.

Am Nachmittag fand dann ein öffentlicher Protest vor dem Haupteingang des Bundestags statt. Gemeinsam mit Gewerkschafter:innen von IG Metall, Verdi und GEW aus Berlin, darunter auch eine Vertrauensfrau und ein Betriebsrat von Mercedes Berlin Marienfelde. die wir über Nacht vom Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin noch ganz kurzfristig mobilisieren konnten. [1] Leider hatte die gewünschte Mobilisierung von Berliner Metallbeschäftigten über den Gewerkschaftsapparat nicht wie gewünscht geklappt

Gemeinsam hieß es hinter einem riesigen Transparent mit der Aufschrift „ohne Streik wird sich nichts verändern„: „Wir sind da, bereit zu kämpfen!“ „35 Stundenwoche“, „Merz muss weg“ und mit ihm seine Politik. „Solidarität gewinnt! Legt die Arbeit nieder! Geht auf die Straßen und zeigen wir Merz und den Bossen, wer hier im Land wirklich die Macht hat!“ Und sie skandierten ganz deutlich angesichts der anstehenden Tarifrunden: „Streik für unsere Löhne. Streik für unsere Zukunft bis dieses System wackelt. Ohne Streik wird sich nichts verändern.“

Um 17 Uhr ging es zum Bahnhof zurück mit dem Zug in den Südwesten der Republik.

Nachbemerkung

Die Parolen zeigen das wachsende Bewußtsein über die eigene Kraft: Die Bosse brauchen uns, wir aber brauchen die Bosse nicht! Man muss nur ernst machen und streiken. Aber wieiviele im Betrieb erkennen ihre eigene Kraft wirklich, damit es zu Streikaktionen kommt, auch wenn dazu von der Gewerkschaftsführung nicht mobilisiert wird? Die 5 Prozent Forderung mit 12 Monaten Laufzeit in der jetzt gestarteten Tarifrunde muss schon zu 100 Prozent durchgesetzt werden, wenn es nicht ein weiteres Mal angesichts der Inflationsentwicklung einschließlich kalter Steuerprogression zu gesicherten Einkommenseinbußen kommen soll. Und es sind weitere gewaltige Preisschübe vor dem Hintergrund einer gewaltigen Neuverschuldung und den damit verbundenen Zinsbelastungen zur Bezahlung von Militariserungsprojekten zu erwarten. Mit reinem Theater kann dem nicht begegnet werden. Von Theater haben viele Kolleg:innen die Nase gestrichen voll.

Titelbild: Peter Vlatten, Video IGM VK MB UT (wir danken für die Publikationsrechte)

References

References
↑1 Leider hatte die gewünschte Mobilisierung von Berliner Metallbeschäftigten über den Gewerkschaftsapparat nicht wie gewünscht geklappt

Wohnen ist ein Menschenrecht – auch in Palästina!


Wohnen ist ein Menschenrecht – auch in Palästina!

16. Oktober 2026 1 19:30 Uhr
Hind-Rajab-Platz, Neukölln (Ex-Hermannplatz)

Die Linke Neukölln


Menschenrechte sind universell. Sie enden nicht an Staatsgrenzen und Staatsgrenzen dürfen niemals über die Rechte von Menschen entscheiden. Menschenwürde ist universell. Sie ist nicht teilbar, nicht vergleichbar und immer von gleichem Wert.

Der Genozid in Gaza dauert an, die Besatzung des Westjordanlands ist illegal und in den israelischen Foltergefängnissen leiden und sterben täglich Frauen, Männer und Kinder aus Palästina. Das muss endlich aufhören!

Wir fordern: Gleiche Rechte für Alle -Überall! Freiheit für alle Unterdrückten!

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