Zentrale Demonstration zum internationalen Frauenkampftag – feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich

Ein breites Bündnis Berlin ruft alle am Frauenkampftag zur Demonstration auf

8. März, 11:30 Uhr, Berlin Oranienplatz

Im Aufruf der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen heisst es

Der Kampf um Gleichstellung ist auch 2026 noch nicht zu Ende. Deshalb ruft auch dieses Jahr ein breites feministisches, stadtpolitisches und gewerkschaftliches Bündnis am 8. März zur großen Demonstration in Berlin auf. Start ist um 11:30 Uhr am Oranienplatz in Kreuzberg.

Der 8. März ist ein politischer Kampftag – und gleichzeitig ein Tag der Solidarität. Wir setzen ein gemeinsames Zeichen für eine Gesellschaft, in der niemand aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status benachteiligt wird. Der Kampf um Gleichstellung ist auch 2026 noch nicht zu Ende. Deshalb ruft auch dieses Jahr ein breites feministisches, stadtpolitisches und gewerkschaftliches Bündnis unter dem Motto:  Gemeinsam auf die Straße – feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich zur großen Demonstration in Berlin auf. Start ist um 11:30 Uhr am Oranienplatz in Kreuzberg.

Strukturelle Ungleichheit: Alltag für viele Frauen

Noch immer übernehmen vor allem Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit und sind seltener in Führungspositionen vertreten. Diese strukturellen Ungerechtigkeiten prägen das gesamte Erwerbsleben – im Betrieb, im Familienalltag und bis in die Rente hinein.

Gleichzeitig geraten mühsam erkämpfte Fortschritte der letzten Jahrzehnte unter Druck: Populistische, antidemokratische und antifeministische Kräfte gewinnen an Einfluss. Frauenrechte und Gleichstellung stehen zunehmend unter Beschuss….

Die aktuellen Debatten um die Abschaffung des 8‑Stunden‑Tages oder die sogenannte „Lifestyle‑Teilzeit“ zeigen deutlich, wie wenig diese Vorschläge mit den Lebensrealitäten vieler Frauen zu tun haben.“

Die Demonstration vereinigt ein breites Spektrum von Organisationen der Zivilgesellschaft, den Gewerkschaften bis hin zum Block 4 „für eine feministische Revolution, für Bewegunsfreiheit und internationale Solidarität„.

Siehe auch "Frauenkampftag – Aufruf der Allianz internationalistischer Feministinnen" 

Rausschmiss der Berlinale Leiterin: ein Akt im Sinne der Staatsräson? – Deutschlands Playbook zur Autokratie

Die Berlinale Leiterin soll rausgeschmissen werden. Ein Akt im Sinne der deutschen Staatsräson? Eine Empörungswelle geht durch das Land. Selbst wenn sie vorerst weitermachen kann, ist es eine Warnung und Einschüchterung für alle! Hier ein Kurzkommentar, der den konkreten Kern der Entwicklung und Methoden auf den Punkt bringt. Warum das alles, kann an anderer Stelle erörtert werden. (Peter Vlatten)

Kristin Helberg, 26 Februar 2026

Auf dem Weg in die Autokratie folgt jedes Land seinem eigenen Playbook. In Deutschland ist es das Playbook der Staatsräson: Außenpolitische Doppelmoral führt zum Abbau von Grundrechten im Innern, die Staatsräson dient als ideologisches Framing, der Antisemitismus-Vorwurf ist das Instrument. Dafür wird Kritik an Israel als „Israel-Hass“ mit Antisemitismus gleichgesetzt. Wie gut das funktioniert, zeigt die #Berlinale.

BILD, Poschardt, Weimer und Co. skandalisieren Selbstverständlichkeiten. Festivalleiterin Tricia #Tuttle lässt sich mit allen nominierten Filmen, also auch mit der Filmcrew von „Chronicles from the Siege“ ablichten und ist dabei neben Palästina-Fahne und Keffiyehs zu sehen? Ein normaler Vorgang, schließlich hängt die Flagge vor dem UN-Gebäude in New York und das Tuch ist ein Symbol palästinensischer Existenz (und nein, es ist auch in Deutschland nicht verboten, palästinensisch zu sein). Abdallah Al-Khatib, der syrisch-palästinensische Regisseur von „Diary of a Siege“ wirft Deutschland eine Beteiligung am #Genozid in #Gaza vor? Juristisch nachvollziehbar und genau das, was Völkerrechtler der Bundesregierung seit Monaten versuchen zu erklären: Wer Panzerteile nach Israel liefert, die in Gaza zum Einsatz kommen, beteiligt sich an einem Krieg, in dem Israel Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und nach Auffassung von UN, MR-Organisationen, Genozid- und Holocaustforschern womöglich Völkermord begeht. Bedenklich ist nicht die Politisierung der Berlinale, sondern wie internationaler common sense in Deutschland kriminalisiert wird.

Wie also läuft das Playbook? Über die Außenpolitik: Bei der Durchsetzung von Völkerrecht legt Deutschland unterschiedliche Maßstäbe an und begründet sie mit einer besonderen Verantwortung für den Staat Israel. Diese Staatsräson wird als bedingungslose Solidarität mit Israel ausgelegt und dadurch zur Komplizenschaft. Wer dagegenhält und sich dabei auf das Grundgesetz, die Menschenrechte, die völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands und auf die universelle Lehre aus dem Holocaust im Sinne einer Margot Friedländer (Nie wieder für alle!) beruft, wird mit dem Vorwurf des Antisemitismus zum Schweigen gebracht – Kunstschaffende, Wissenschaftlerinnen, Journalisten, Juristinnen und alle, die mit Palästinenser:innen solidarisch sind. Deutschland stellt also Israel über das Völkerrecht und schränkt die Grundrechte jener ein, die dagegen protestieren.

Meinungs- und Pressefreiheit, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (garantiert in Art. 5 GG) stehen somit faktisch unter dem Vorbehalt der Israel-Loyalität – spätestens seit den pauschal und ungenau formulierten Antisemitismus-Resolutionen des Bundestags. Sie sind der entscheidende Hebel, den völkisch-nationalistische Kräfte nutzen, um Deutschland in eine Autokratie umzubauen (deshalb der Jubel der AfD bei ihrer Verabschiedung). Denn mit dem Instrument des Antisemitismus-Vorwurfs lassen sich nicht nur migrantisch gelesene Menschen und Linke pauschal diffamieren; auch vorsitzende Richter, Hochschulpräsidentinnen, Chefredakteure und Festivalleiterinnen lassen sich damit unter Druck setzen, bis der gesamte öffentliche Raum „auf Linie“ gebracht ist.

Viele kritische Bürger:innen durchschauen diesen Mechanismus inzwischen. Aber solange Liberale, Rechte und Konservative die Gefahr nicht sehen und Ulf Poschardt für einen mutigen Israel-Freund und Konservativen halten (über dessen Gleichsetzung der Linken mit der AfD man sich heimlich freut), wird das Playbook weiterlaufen, bis es zu spät ist. Soll nur keiner sagen, er habe es nicht kommen sehen.

Foto: Collage Peter Vlatten

Kristin Helberg ist journalistin und Nahostexpertin. Wir danken für das Publikationsrecht

Mit historischer Fantasie

Deutsche Neonazis kämpfen in der Ukraine und ziehen Parallelen zum Zweiten Weltkrieg

Von Marta Havryshko

Bild: Rechtsradikale Kampfverbände sind Teil der ukrainischen Verteidigung. Die Politik hat wenig Berührungsängste gegenüber den Waffen-Nazis. president.gov.ua

Im März 2022 fuhr ein deutscher Rechtsextremist namens Stephan in die Ukra­ine, als russische Truppen auf Kiew vorrückten. In Kiew traf er Denis Nikitin, alias White Rex, einen alten Bekannten aus der deutschen rechtsextremen Szene. Zu dieser Zeit verhandelte Nikitin mit dem ukra­ini­schen Militärnachrichtendienst HUR über die Gründung des späteren Russischen Freiwilligenkorps. In diesem sammelte Stephan seine ersten Kampferfahrungen.

Bald darauf schloss er sich dem 49. Infanteriebataillon »Karpaten-Sitsch« an, einer Einheit, die bekannt ist für ihre verbreitet rechte Gesinnung, und begann, ideologische Verbündete aus Deutschland zu rekrutieren. Diese Bemühungen mündeten schließlich in der Gründung des Deutschen Freiwilligenkorps (DFK). Ende 2025 wurde die Einheit in die 60. Mechanisierte Brigade eingegliedert, die Teil des Dritten Armeekorps unter dem Kommando von Andrij Bilezkyj ist, eine zen­trale Figur des rechts­extre­men Asow-Regiments in der Ukraine.

Was als Kriegseinsatz eines einzelnen Mannes begann, entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem organisierten Kanal für Rechts­extreme aus Deutschland an die Frontlinien der Ukraine. »Wir verteidigen nicht nur die Ukra­ine. Wir verteidigen Europa«, behauptet Stephan. Für ihn und seine Kameraden ist dieser Krieg eine verzerrte historische Fantasie. Besessen vom Nationalsozialismus und von ukra­ini­schen Nationalisten, die mit Nazi-Deutschland kollaborierten, stellen sie den russisch-ukra­ini­schen Krieg als Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs dar. In dieser Erzählung kämpft Deutschland erneut gegen das »Böse« im Osten, das nun als »neobolschewistisches« Russland unter Putin bezeichnet wird. Die Ukra­iner treten dabei als willige Verbündete auf – ganz so wie sich Hitler einst vorstellte, Kollaborateure aus der Sowjetunion gegen Moskau einzusetzen.4 Jahre Ukraine Krieg

Schüler lernen, wie man Drohnen steuert und repariert: Wir schildern, wie Russland und die Ukraine den militärisch-patriotischen Schulunterricht ausgebaut haben. In unserem Schwerpunkt finden Sie außerdem Beiträge über Kriegsgegner, Soldaten in der Politik und deutsche Neonazis in der Ukraine.  

Der Telegram-Kanal des DFK schwelgt offen in Nostalgie für Nazideutschland, verherrlicht dessen militärische Siege und feiert dessen politische und militärische Führer. Die Soldaten des DFK tragen Aufnäher mit den Insignien verschiedener Waffen-SS-Divisionen. Und die Symbolik auf dem Schlachtfeld ist ebenso eindeutig. DFK-Fahrzeuge tragen die Zahl 88 – den Code für »Heil Hitler« – neben der Zahl 14, eine Anspielung auf »Fourteen Words« (14 Wörter), eine Art rassistisches Glaubensbekenntnis von Anhängern der »White Supremacy«. Die Ideologie der Gruppe wird verstärkt durch ihre engen Verbindungen zur neo­nazis­ti­schen Partei Der Dritte Weg, von der sie unterstützt wird. Einige Parteimitglieder sollen sogar eine paramilitärische Ausbildung innerhalb des DFK erhalten.

Der Kommandeur des DFK nennt sich einfach Stepan. Sein Benutzername auf der Plattform X, Sepp Dietrich, spielt offensichtlich auf Josef Dietrich an, den Kommandeur des 1. SS-Panzerkorps – eine Figur, die auf dem offiziellen Tele­gram-Kanal des DFK offen verherrlicht wird. Sein Körper ist mit tätowierten Hakenkreuzen und SS-Runen bedeckt; seine Brust liest sich wie ein Feldführer zu den Insignien der Waffen-SS. Darunter findet sich das Em­blem der 5. SS-Panzer-Division »Wiking«, einer Truppe, die für zahlreiche Verbrechen an der Ostfront, auch in der Ukra­ine, verantwortlich ist. Ein weiteres Tattoo – der sogenannte galizische Löwe – steht in Verbindung mit der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (1. Galizische), deren Mitglieder Kriegsverbrechen in der Ukra­ine, der Slowakei, in Polen und dem ehemaligen Jugo­sla­wien verübten.

Stepan ist außerdem offen antisemitisch. In den sozialen Medien belästigt er mich, eine Holocaust-Forscherin, mit Drohungen, Beleidigungen und vulgären Witzen über gestreifte Pyjamas – eine offensichtliche Anspielung auf die Vernichtungslager der Nazis und den Holocaust. Auf die Frage, warum er auf mich fixiert ist, antwortet er unverblümt: »Ich mag es, Hakennasen zu ärgern.« Im Neonazi-Slang ist die Bedeutung unmissverständlich.

Stepans tätowierte Brust liest sich wie ein Feldführer zu den Insignien der Waffen-SS.

Trotz der offen extremistischer Ansichten seiner Mitglieder darf das DFK in der Ukra­ine nicht nur kämpfen, sondern auch politische Netzwerke knüpfen. Am 24. August 2024, dem Unabhängigkeitstag der Ukra­ine, nahmen Vertreter des DFK in Lwiw an einer Konferenz teil, die vom neonazistischen Netzwerk Nation Europa organisiert wurde. Zu ihnen gesellten sich andere rechts­extreme militärische Formationen, die unter der Aufsicht des HUR operieren, darunter das Russische Freiwilligenkorps und das Belarussische Freiwilligenkorps.

Die ukrainische Seite war ebenso aufschlussreich. Zu den Teilnehmern gehörten Personen, die mit der 3. Sturmbrigade – mit Wurzeln in der Asow-Bewegung – in Verbindung stehen, sowie Mitglieder der neonazistischen Gruppe C14. Zu den deutschen Teilnehmern gehörten Vertreter der neonazistischen Partei Der III. Weg und der Gruppe Avantura. Auf der Gästeliste standen auch die italienische neofaschistische CasaPound und andere.

Es ist schwer zu glauben, dass dieses Treffen ohne das Wissen der ukra­ini­schen Sicherheitsdienste stattfand. Es waren aktive Soldaten anwesend, viele davon in Führungspositionen. Einige kamen aus Einheiten, die direkt dem Militärgeheimdienst unterstellt sind. Ausländische Extre­mis­ten passierten die ukra­ini­sche Grenze während des Krieges, um daran teilzunehmen. Und jede beteiligte Gruppe floss direkt in die Kreml-Propaganda über »grassierenden Nazismus« in der Ukra­ine mit ein. Eine solche Veranstaltung konnte nur mit hochrangiger Zustimmung stattfinden, nachdem die politischen Kosten gegen die militärischen Vorteile abgewogen worden waren.

Die plausiblere Erklärung ist, dass es sich um eine Rekrutierungsmesse han­delte. Angesichts einer sich verschärfenden Mobilisierungskrise und steigender Desertionsraten scheint die Regierung Selenskyjs zunehmend bereit zu sein, gefährliche Kompromisse einzugehen – indem sie rechts­extreme Militante aus Westeuropa umwirbt, die nach Legitimität, Gewalt und Zugang zu Waffen streben.

Was sich hier abzeichnet, ist kein Zufall oder Versehen, sondern ein kalkuliertes Risiko: der Tausch langfristiger demokratischer Glaubwürdigkeit gegen kurz­fris­tige Arbeitskräfte auf dem Schlachtfeld. Der Preis dieser gefährlichen Allianz wird sich erst mit der Zeit zeigen. Gut ausgebildete Extre­mis­ten mit Kriegstraumata ziehen sich selten still und leise zurück. Sie könnten kampf­erprobt, vernetzt und radikalisiert nach Deutschland zurückkehren.

Erstveröffentlicht im nd v. 20.2. 2026
Mit historischer Phantasie

Wir danken für das Publikationsrecht.

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