¡Franco ha muerto! – Franco ist tot!

Ein politischer Filmabend mit Gästen, Diskussionen, Wein und Tapas

Von Ulrike Kumpe

Vor 50 Jahren starb Europas letzter faschistischer Diktator: Francisco Franco. Im Berliner Lichtblick-Kino gibt es aus diesem Anlass am 20. November einen thematischen Filmabend.

Angesichts des Wiedererstarkens des Faschismus in Europa veranstalten das Berliner Lichtblick-Kino und der Filmverleih Sabcat Media am 20. November, Francos 50. Todestag, einen Filmabend zum spanischen Faschismus. Aus unterschiedlichen Perspektiven, kuratiert von Hansi Oostinga und Elisa Rosi, beleuchten vier Filme den historischen Kontext.

Alle Attentate scheiterten

Mit der Dokumentation »Attentate auf Franco – Widerstand gegen einen Diktator« (2016) unter der Regie von Daniel Guthmann und Joachim Palutzki beginnt der spannende Filmabend. Der 45-minütige Dokumentarfilm beschäftigt sich mit den über 20 Versuchen, Franco zu ermorden. Alle Attentate scheiterten. Mit über 80 Jahren starb Franco im hohen Alter, nachdem er die Regierungsgeschäfte bereits zwei Jahre zuvor abgegeben hatte. Zeit seiner autoritären Herrschaft hatte der Diktator Angst um sein Leben. Die Einblicke des Films in den Repressionsapparat spiegeln diese Angst vor seinem Volk wider. Die einstigen Franco-Attentäter Octavio Alberola und Stuart Christie geben Auskunft.

Mit dem Übergang vom Faschismus zur Demokratie verabschiedete das neue spanische Parlament, dass im Juni 1977 gewählt wurde, ein folgenschweres Amnestiegesetz. Es amnestierte nicht nur die unzähligen politischen Gefangenen des Franco-Regimes, sondern gleichermaßen alle Täter des Völkermordes vom Putsch 1936 bis zum tatsächlichen Ende der Diktatur im Juni 1977. In Spanien führte dies in den 2000er Jahren zu der absurden Situation, dass der ermittelnde Richter auf Grundlage dieses Amnestiegesetzes selbst ins Kreuzfeuer der Justiz geriet. Der Dokumentarfilm »Franco vor Gericht: Das spanische Nürnberg?« (2018) unter der Regie von Dietmar Post und Lucía Palacios, die am Abend im Lichtblick-Kino anwesend sein werden, handelt von dem Bemühen, doch noch Verurteilungen zu erreichen. Im Zentrum des Geschehens steht die argentinische Justiz. Diese kann aufgrund eines besonderen Gesetzes Opfer des Franco-Regimes unterstützen. Ab 2010 beginnen diese Klage einzureichen. Seither gibt es Bemühungen Täter des Regimes zu ermitteln und ihnen den Prozess zu machen.

Befreit vom autoritären System

Während sich die ersten beiden Dokumentarfilme unmittelbar mit Franco und den Tätern des spanischen Faschismus beschäftigen, geht es in den darauffolgenden Filmen um die Zeit nach dem faschistischen Regime. Befreit vom autoritären System Francos schien für einen kurzen historischen Moment alles möglich. »El Entusiasmo« (2018) unter der Regie von Luis E. Herrero handelt von diesem Augenblick der Befreiung. Der Weg war frei für neue gesellschaftliche Entwicklungen. Er war frei für eine Jugend, die vieles nachzuholen hatte: Gegenkultur, Arbeitskämpfe, Feminismus, sexuelle Befreiung und vieles mehr. Die historische anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT schien hierfür ein passender Rahmen zu sein und erlebte eine Renaissance. Sie organisierte Treffen mit Hunderttausenden Teilnehmern, Libertäre Tage, Streiks und Widerstand. Zeitzeuge Felipe Orobón wird vor Ort sein.

Unbewältigte Wahrheiten

Abgerundet wird der Abend mit dem Spielfilm »Madres Paralelas – Parallele Mütter« (2020) unter der Regie von Pedro Almodóvar. Zwei Frauen, Janis (Penélope Cruz) und Ana (Milena Smit), erwarten beide ihr erstes Kind. Sie lernen sich zufällig im Krankenhaus kurz vor der Geburt kennen. Die wenigen Worte, die sie in diesen Stunden austauschen, schaffen eine sehr enge Verbindung zwischen den beiden. Sie entwickelt sich eher zufällig und verkompliziert ihre Lebensläufe auf entscheidende Weise. Pedro Almodóvars modernes Melodram erzählt auf raffinierte und unerwartete Weise von den Nachwehen der Franco-Zeit. Es verbindet die Geschichte zweier ungleicher Mütter mit dem kollektiven Bürgerkriegstrauma Spaniens zu einem ernsthaften Familiendrama über schockierende Entdeckungen und unbewältigte Wahrheiten.

Francos Tod symbolisiert nicht nur das Ende einer historischen Phase, sondern erinnert zugleich an den Beginn des dunkelsten Kapitels der europäischen Geschichte. Gerade heute, wo die Monster der Vergangenheit zurückzukehren scheinen, ist es wichtig, an dieses Datum zu erinnern. Daher gibt es eine Reihe von Unterstützer*innen: neben der Botschaft von Spanien, die unabhängige Basisgewerkschaft FAU Berlin, der Verein Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939, KFSR e.V., die Berliner VVN-BdA, das Café Libertad Kollektiv sowie der auf mediterrane Produkte spezialisiert Supermarkt »Mitte Meer«. Bei Wein, Tapas und Gesprächen kann gemeinsam ein Blick auf Kontinuitäten, die versäumte Aufarbeitung und vertane Chancen geworfen werden. Mit Kino LichtblickFilmabend

17.30 Uhr Dokumentarfilm »Attentate auf Franco – Widerstand gegen einen Diktator« 18.15 Uhr Dokumentarfilm »Franco vor Gericht: Das spanische Nürnberg?« (OmU); in Anwesenheit des Regie-Teams Dietmar Post und Lucía Palacios 20.30 Uhr Dokumentarfilm »El Entusiasmo« (OmU) mit Zeitzeuge Felipe Orobón 22 Uhr Spielfilm »Madres Paralelas – Parallele Mütter« (OmU)

Am 20. November im Lichtblick-Kino, Kastanienallee 77, 10435 Berlin; Vorstellung 17.30 Uhr: 7 Euro; alle weiteren Vorstellungen jeweils 9 Euro.

Erstveröffentlicht am 13.11. 2025 im nd (Abo)
https://www.nd-aktuell.de/abo/

Wir danken für das Publikationsrecht

Gedenken an der Opfer des Faschismus in der Pfalz, Frankreich und Luxemburg

Während meines Urlaub ( in der Zeit vom 06.07.-14.07.2025) in Hütschenhausen, habe ich die Orte: Heidelberg, von Saarbrücken mit der Straßenbahn nach Saargemünd (Frankreich) Koblenz, von Trier nach Luxemburg, Ramstein-Miesenbach und Mannheim.
Hier gibt es unterschiedliche Gedenkorte für die Opfer des Faschismus.

Hier eine kleine Bildergalerie mit unbestimmter Reihenfolge. Fotos: Ingo Müller

Dieser Artikel wurde zu erst auf ingosmediawelt.de veröffentlicht.
Weitere Bilder hier klicken:

Houffalize (Belgien): Gedenken an die Opfer

Die Schlacht in Stalingrad war geschlagen. Die Rote Armee hatte die Wende im II.Weltkrieg mit großen Opfern erkämpft. Nazi-Deutshland hatte den Krieg verloren. Doch im Winter 1944/45 versuchte die deutsche Wehrmacht in Westeuropa noch einen Ausbruchsversuch, der unter dem Namen „Ardennenschlacht“ in die Geschichtsbücher einging. Fast 70 000 Soldaten auf deutsche Seite und fast 90 000 auf Seiten der Allierten ließen ihr Leben, bis auch an dieser Front klar war: Der Nazispuk ist vorbei. Die Truppen des Deutschen Reiches machten sich in den Kämpfen vieler Kriegsverbrechen schuldig. Bereits im I. Weltkrieg hatten deutsche Soldaten in Belgien eine Spur der Gewalt – auch gegen die Zivilbevölkerung – gezogen. Der opferreiche Sieg gegen das NS-Regime und der Dank für die Befreiung ist auch heute noch in den Orten präsent.

„In der Endphase des Zweiten Weltkrieges, als die Alliierten die deutsche Ardennenoffensive zurückwarfen, wurde der Kernort Houffalize durch massives Bombardement völlig zerstört. In den Tagen vom 25. Dezember 1944 bis zum 6. Januar 1945, vor allem in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember (ein Angriff mit 166 Bombern) sowie in der Nacht vom 5. zum 6. Januar (ein Angriff mit 140 Bombern) warf die Royal Air Force (RAF), unterstützt von der Royal Australian Air Force (RAAF), zur Vorbereitung des alliierten Gegenangriffes 1000 Tonnen Bomben auf Houffalize. Die Stadt wurde in ein Bombentrichterfeld verwandelt. Am 16. Januar besetzten vorrückende amerikanische Truppen die Ruinen von Houffalize.“ (Wikipedia)

Es gibt überall Gedenkstätten, die an den Krieg erinnern. So auch im kleinen Ort Houffalize, aus dem die folgenden Bilder stammen. Zeit der Aufnahmen war der Juni 2025. Weitgehend unbekannt in Deutschland ist auch, dass der antifaschistische Widerstand bedeutsam war und sich auch in einer großen Breitschaft ausdrückte den verfolgten Jüd:innen Hilfe zukommen zu lassen.

Bilder und Text: Jochen Gester, Bearbeitung des Beitrages: Ingo Müller

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