Es bewegt sich was! GEW Landesvorstand Berlin ruft zur Teilnahme an Palästinasolidarität und Protesten gegen den Kriegskurs auf!

Der Landesvorstand der GEW Berlin hat auf seiner letzten Sitzung diese Woche beschlossen, die Mitglieder:innen der GEW Berlin für die Teilnahme an der Palästinasolidarität und Protesten gegen den Kriegskurs Ende September/Anfang Oktober in Berlin zu mobilisieren. Konkret wird aufgerufen

zur Großkundgebung mit Konzert „All Eyes on Gaza – Stoppt den Genozid„ und die Demonstration „Zusammen für Gaza“ am 27.September 2025 ,Berlin, Start Neptunbrunnen 14:30 Uhr
sowie zur bundesweiten Demonstration *„Nie wieder kriegstüchtig – stehen wir auf für Frieden“ am 3. Oktober 2025 Berlin, Start Bebelplatz, 13 Uhr

GEW Aktivist:innen kündigten an, neben dem Mobilisierungsmail vom Vorstand mit allen Kräften für die Teilnahme in einem GEW-Block zu werben und organisiert mit Westen, GEW Flaggen und Transparenten aufzutreten.

Mitglieder:innen von Verdi [1]Der Vorsitzende des Bundesmigrationsausschusses von ver.di gehört zu den Initiatoren der Demo und IG Bau, Gewerkschafter:innen4Gaza, German Healthcare Workers For Palestine, Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin, Arbeitskreis Internationalismus Metaller:innen Berlin und viele weitere Gewerkschafter:innen – u.a. aus Logistik und Servicebereichen wie CFM – rufen dazu auf: Machen wir mit einem eigenen gewerkschaftlichen Block auf Demo und Kundgebung am 27.September deutlich sichtbar, dass Gewerkschafter:innen sich mit den Menschen in Gaza solidarisieren und endlich Konsequenzen fordern!

Gewerkschaftlicher Treffpunkt: Marx-Engels-Statue gegenüber dem Neptunbrunnen, 27.September 13:30 Uhr, bis14:30 Uhr klinken wir uns ein in den großen Demo-Block internationale Solidarität bei der Marienkirche! 

Die Demonstration am 27.9.2025 trägt das Motto „Alle zusammen für Gaza!“ Da gilt auch „Alle Gewerkschafter:innen zusammen für Gaza!“ Wir würden es begrüßen, wenn wir alle -gemeinsam – einschließlich GEW Block- auftreten könnten! Ein Signal, dass wir am 3. Oktober auf der Demo „Nie wieder kriegstüchtig – stehen wir auf für Frieden„ aber auch am 12.Oktober auf der „Demo gegen Rüstungsproduktion und Kriegskurs in Berlin“ fortsetzen können. Der Kriegskurs und der damit verbundene soziale und politische Kahlschlag lassen sich nicht an einem Tag aufhalten!

Titelbild: Peter Vlatten

References

References
↑1 Der Vorsitzende des Bundesmigrationsausschusses von ver.di gehört zu den Initiatoren der Demo

Spanien: Integration im Gemüsebeet

Eine Finca schließt eine Lücke im spanischen Migrationssystem

Von Anika Reker

Der Artikel zeigt naheliegende Antworten auf die sog. Flüchtlingskrise. Menschliche Perspektiven in einer Zeit der Barbarei. Kooperation, Selbstermächtigung und Entwicklung von Menschen und ihrer Fähigkeiten. (Jochen Gester)

Bild: pixabay

Ein sonniger Samstagvormittag auf der Finca »La Petite« in der andalusischen Provinz Cádiz: Das vietnamesische Hängebauchschwein Roberta wälzt sich zufrieden im Schlamm, während Hühner zwischen Ponys und Ziegen nach Insekten picken. Nach und nach treffen die Mitglieder der Stiftung »Esperanza en Acción« (»Hoffnung in Aktion«) ein. Familien mit Kindern zieht es zuerst zu den Tiergehegen und dem selbstgebauten Spielplatz. An der Freiluftbar schenken Freiwillige Getränke aus. Schräg gegenüber werden Gemüsekisten verteilt – 55 sind es heute.

Der Inhalt dieser Kisten stammt aus dem Bildungsgarten, der sich im Zentrum des Geländes befindet. »Hier wachsen Möhren, dort drüben Bohnen, dort Salate«, erklärt Pape, der vor anderthalb Jahren aus dem Senegal nach Spanien gekommen ist. »Das hier ist Mangold – den kannte ich von zu Hause gar nicht. Auch Spinat nicht. Das habe ich alles erst hier kennengelernt.« Er zeigt auf die verschiedenen Gemüsesorten, die er und die anderen Finca-Bewohnenden in diesem Jahr ausgesät haben.

Im November 2023 erreichte Pape nach siebentägiger Bootsfahrt von seiner Heimatstadt Dakar aus die kanarische Insel El Hierro. Auf seinem Tiktok-Kanal zeigt er ein Video: Über 300 Menschen in orangefarbenen Schwimmwesten, dicht an dicht gedrängt auf engstem Raum. Die Reise sei sehr hart gewesen. Nicht alle an Bord hätten überlebt. »Ab dem vierten Tag hatten wir kein Essen und kein Wasser mehr. Keine Medizin. Sechs Menschen seien gestorben. Wir mussten sie ins Meer werfen«, erinnert er sich mit zitternder Stimme.

Endlich wieder ein Zuhause

Von den Kanaren aus gelangte Pape mithilfe des Roten Kreuzes aufs spanische Festland. Er beantragte Asyl und verbrachte die nächsten drei Monate in einer Unterkunft. Dort bestimmte der für solche Unterkünfte typische triste Alltag sein Leben: wenig Beschäftigung, viel Zeit für dunkle Gedanken. Hier, auf der Finca »La Petite« ist nun alles anders: »Ich stehe gegen 5 Uhr auf, gehe duschen und danach bete ich, ich bin schließlich Muslim. Gegen 7 Uhr trinken wir Kaffee und dann arbeiten wir.«

Ähnliche Artikel

Während Pape in den Beeten steht und von seinen Erfahrungen spricht, stoßen Paki Ortega und ihr Ehemann Ermindo dazu. Die beiden leben nur wenige Kilometer entfernt. Seit über drei Jahren sind sie Mitglieder der Stiftung, über die sich das Programm überwiegend finanziert, und zahlen monatlich einen Beitrag von 20 Euro pro Person. Als Dankeschön können sie einmal pro Monat eine Kiste mit Gemüse aus dem Garten abholen. Im Biosupermarkt würden sie für insgesamt 40 Euro deutlich mehr bekommen – das wissen sie. »Wir unterstützen das Projekt vor allem wegen des sozialen Aspekts. Darum geht es uns«, sagt Paki.

»Wenn die staatlichen Hilfen für Menschen, die auf illegalem Wege nach Spanien kommen, auslaufen, dann führt der Weg häufig in die Obdachlosigkeit. Viele kommen da dann nicht mehr raus.« José Gonzáles Díaz 
Gründer von »Esperanza en Acción«

Für den Stiftungsgründer José Gonzáles Díaz ist es wichtig, dass Unterstützer*innen wie Paki und Ermindo regelmäßig die Finca besuchen. »Deshalb liefern wir die Kisten nicht aus. Unsere Mitglieder sollen herkommen und die Menschen kennenlernen, die hier leben. So können sie sich nach und nach ein soziales Netz vor Ort aufbauen«, erläutert er. Gerade hat er eine Tour über das Gelände mit potenziellen neuen Stiftungsmitgliedern beendet und lässt sich auf einer aus alten Paletten zusammengezimmerten Bank unter einem Obstbaum nieder.

Rund 220 Menschen unterstützen die Initiative derzeit finanziell. Auch die Stadt Chiclana beteiligt sich mit einem Zuschuss. Für dieses Jahr sind auch Fördergelder beantragt. Dank dieser Mittel kann die Finca Pape und aktuell vier weiteren jungen Männern ein Zuhause bieten, während sie auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge oder eine Arbeitserlaubnis warten. Essen, Kleidung, Arztbesuche und ein monatliches Taschengeld in Höhe von 100 Euro – all das wird über die Stiftung finanziert.

Der 2,5 Hektar große Bauernhof befindet sich im Besitz der Familie von Josés Ehefrau Rocio Martínez, die an diesem Vormittag hinter der Bar steht. »Dass uns das Gelände seit fünf Jahren kostenlos zur Verfügung steht, ist eine der größten Unterstützungen, die wir bekommen«, erzählt José. Unter der Woche geht er seinem Job als Anwalt nach.

Sprachkurse und Handwerk

Auf der Finca lernen die Teilnehmenden an dem Programm nicht nur, wie man Gemüse anbaut. Am Nachmittag gibt es Kurse, die von etwa 30 Freiwilligen ehrenamtlich gestaltet werden. Spanisch, Bewerbungstrainings und andere praktische Kurse wie Schweißen, Tischlern oder Maurern stehen auf dem Programm.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind überall auf dem Gelände sichtbar – der Kinderspielplatz und die Bank, auf der José sitzt, sind nur zwei davon. »Die Menschen sind dankbar dafür, dass sie etwas zurückgeben können. Sie fühlen sich gebraucht, und wir wertschätzen ihren Beitrag sehr«, sagt er.

Ein festes Programmziel besteht außerdem darin, den Bewohnenden ihre erste Arbeitsstelle in Spanien zu vermitteln. Dafür arbeitet »Esperanza en Acción« eng mit Firmen in der Umgebung zusammen – darunter Bauunternehmen, Restaurants und Hotels, eine Gärtnerei, eine Elektrofirma und ein Metallbauer.

Seit dem Projektstart vor fünf Jahren haben 16 Personen das Programm durchlaufen. Einer davon ist der 25-jährige Abdou aus Gambia, dem die Stiftung erfolgreich eine Art Ausbildungsvertrag in einer kleinen Tischlerei vermitteln konnte.

Seit seinem Auszug vor einigen Monaten besucht er fast jeden Samstag den Hof und hilft freiwillig im Garten. Auch heute ist er gekommen, sortiert in der alten Scheune mit seinen ehemaligen Mitbewohnern frische Eier in Kartons und erklärt dabei, warum er an seinem freien Tag freiwillig früh aufsteht: »Ich liebe Gartenarbeit und war einfach sehr zufrieden. Rocio und José haben mir so sehr geholfen hier. Es war einfach ein großes Glück, dass sie mich hier aufgenommen haben.«

Nach seiner Ankunft in Spanien hatte Abdou, genau wie Pape, einige Monate in einer Asylunterkunft verbracht. Er habe jedoch kein Asyl beantragt, weil er aus anderen Gründen nach Spanien gekommen sei. Migrant*innen, die keinen Asylantrag stellen, sondern vor allem eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis erlangen wollen, werden vom spanischen Staat nur in den ersten Monaten nach Ankunft unterstützt. Abdou wäre deshalb beinahe auf der Straße gelandet und hätte sich irgendwie mit illegalen Jobs durchschlagen müssen. Dann wurde auf der Finca »La Petite« ein Platz frei.

Die Stiftung half ihm dabei, einen legalen Aufenthaltstitel nach dem spanischen Prinzip des »Arraigo« (Verwurzelung) zu erhalten. Spanien ist das einzige Land in der Europäischen Union, das eine Aufenthaltserlaubnis erteilt, wenn jemand im Land Fuß gefasst hat – das kann zum Beispiel familiärer oder beruflicher Natur sein.

Um eine berufliche »Verwurzelung« zu erlangen, brauchen Migrant*innen ein Stellenangebot oder – wie in Abdous Fall – einen Ausbildungsvertrag. Um den Antrag zu stellen, muss man außerdem einen festen Wohnsitz vorweisen und eine bestimmte Zeit im Land verbracht haben. Genau an dieser Stelle setzt die Stiftung an, erläutert Gründer José: »Wir füllen hier eine Lücke, die von der öffentlichen Verwaltung nicht ausreichend abgedeckt wird. Wenn die staatlichen Hilfen für Menschen, die auf illegalem Wege nach Spanien kommen, auslaufen, dann führt der Weg häufig in die Obdachlosigkeit. Viele kommen da dann nicht mehr raus.«

Bisher betrug die Zeit für eine solche »Verwurzelung« ab der Wohnsitzanmeldung drei Jahre. Mit einer Reform des Einwanderungsrechts, die seit Mai 2025 in Kraft ist, wurde diese Zeit auf zwei Jahre reduziert. Diese Verkürzung begrüßt José sehr, denn so müssten Zugewanderten zumindest weniger Zeit in der Illegalität verbringen. Die wenigen Plätze, die auf der Finca zur Verfügung stünden, würden schneller wieder frei.

Einen anderen Punkt der Reform findet er allerdings mehr als ungerecht. Bisher war es so: Wer in Spanien ankam und zuerst einen Antrag auf Asyl stellte, der dann nach einigen Monaten oder Jahren abgelehnt wurde, konnte diese Wartezeit auf die »Verwurzelung« anrechnen lassen. Das ist seit der Reform nicht mehr möglich, wird ein Asylantrag abgelehnt, beginnt man sozusagen wieder bei null. »Die Gruppe der Asylbewerbenden wird dadurch benachteiligt. Sie haben sich für den Weg des Asyls entschieden, weil sie das in dem Moment für die beste Option gehalten haben, nun werden sie dafür in gewisser Weise bestraft.«

Der Asylantrag, den Pape bei seiner Ankunft in Spanien vor etwa anderthalb Jahren stellte, wurde bisher weder bewilligt noch abgelehnt. Der 35-Jährige nimmt es jedoch gelassen und macht sich wenige Gedanken über das, was passieren könnte. »Ich muss jetzt halt warten, und wenn es länger dauert, dann ist das eben so. Angst habe ich keine«, sagt er schulterzuckend, während er am Herd steht und in einem großen Kochtopf rührt. Er hat sich nach dem Trubel am Vormittag ins Wohnhaus zurückgezogen und bereitet ein Gericht aus seiner Heimat für sich und seine Freunde zu: »Poulet Yassa«, Hühnchen mit Reis.

Für ihn steht fest: Zurück nach Afrika will er nicht, auch wenn er seine Eltern und Geschwister sehr vermisst. »Das Leben im Senegal ist sehr schwierig. Man arbeitet den ganzen Tag und verdient trotzdem nur fünf Euro. Davon kannst du dir kaum was leisten, keinen Arzt bezahlen.« Sobald Pape seine Arbeitserlaubnis hat, möchte er am liebsten in einer Autowerkstatt arbeiten und seiner Mutter mindestens 250 Euro monatlich schicken. »Ich habe viel Hoffnung, dass das klappt.«

Auch José und Rocio sind guter Dinge. Sie wollen die Initiative weiter ausbauen, um mehr Plätze anbieten zu können. Außerdem wünschen sie sich, dass mehr Migrant*innen von der Idee, ökologische Landwirtschaft und Integration zu kombinieren, profitieren können – in Spanien und anderswo in Europa. Beide können sich vorstellen, in Zukunft als Mentor*innen anderen Projekten auf ihrem Weg zu helfen.

Erstveröffentlicht im nd v. 16.9. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1194101.migration-spanien-integration-im-gemuesebeet.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

A Song for Esther

Das Verharren vor Denkmälern kann uns nicht vor Faschismus schützen und wäscht auch Schweigende, Wegschauende von ihrer Tatenlosigkeit gegenüber den aktuellen Verbrechen gegen das Menschenrecht nicht rein! Ein aussergewöhnliches, notwendiges Kunstereignis gerade heute, welches „Erinnerungskultur“ vom Kopf auf die Füße stellt! (Peter Vlatten)

Candice Breitz

A Song for Esther

Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

4. Oktober 2025, 19:30 Uhr

Eintritt 24/12 Euo, Tickets

Am 4. Oktober 2025 würdigt auf Einladung der Berliner Künstlerin Candice Breitz ein außergewöhnliches Line-up von Musiker*innen die unermüdliche antifaschistische Aktivistin und Musikerin Esther Bejarano.

Bejarano wurde 1924 als Esther Loewy in eine jüdische Familie im Saarland geboren und wäre dieses Jahr 100 Jahre alt gewesen. Nach dem Holocaust fand sie in Hamburg eine neue Heimat. A SONG FOR ESTHER ist ein Akt des Gedenkens, der ganz im Zeichen ihrer Abwesenheit steht – ein vergängliches Mahnmal in Form eines Konzerts.

Mit dabei sind Peaches, Ebow, Lie Ning, Rasha Nahas, Daniel Kahn, Malonda, Chicks on Speed / Jeremiah Day, Dornika, Polly Ott, Aeham Ahmad, Lili Sommerfeld, Dejan Jovanović und Oana Cătălina Chiţu, Die Anstalt, Ensemble Lebedik, das Sialan String Quartet sowie – als besondere Gäste des Abends – Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven von Microphone Mafia, der Hip-Hop-Band, die über tausend Konzerte mit Esther gespielt hat (das letzte davon nur wenige Wochen vor ihrem Tod im Alter von 96 Jahren).

Mit 18 Jahren wurde Esther nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie begriff sofort, dass die brutale Schwerstarbeit, zu der sie gezwungen wurde, ganz auf ihre Auslöschung abzielte. Als sie für die Mitwirkung im »Mädchenorchester” des Vernichtungslagers vorgeschlagen wurde, sah sie eine Möglichkeit, dem sonst sicheren Tod zu entkommen. Wie Esther später erklärte, verdankte sie ihr Überleben letztendlich dem Umstand, dass sie der Dirigentin des Orchesters ein bestimmtes Lied vorspielen konnte. Während der unvorstellbar düsteren Aufnahmeprüfung sollte sie beweisen, dass sie den zuckersüßen Kriegsschlager BEL AMI auf dem Akkordeon beherrschte, einem Instrument, das sie noch nie zuvor gespielt hatte. Aus purer Verzweiflung quetschte Esther mithilfe ihrer Klavierkenntnisse das eingängige Lied aus dem Akkordeon.

Nach dem Holocaust wollte Esther siebzig Jahre lang nichts von BEL AMI wissen. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie jedoch – zur Überraschung vieler – zu dem Lied zurück und nahm es in ihr Repertoire für Hunderte von Konzerten auf. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu diesem zutiefst traumatischen Moment zurückkehrte, der ihr Schicksal bestimmt hatte, beschrieb Esther ihre Darbietung von BEL AMI als einen »Akt der Rache.« Für sie war das Lied ein Symbol dafür geworden, dass sie die albtraumhafte Erfahrung, von Nazi-Deutschland buchstäblich instrumentalisiert worden zu sein, überwunden hatte.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Künstler*innen und Musiker*innen in Zeiten von Massensterben und Repression? Ein Jahrhundert nach der Geburt von Esther Bejarano reflektiert A SONG FOR ESTHER die anhaltende Wirkung ihres widerständigen Vermächtnisses – sowohl als Aktivistin als auch als Musikerin – für die Gegenwart. Als Künstler*in kann man sich das Instrument oder das zu spielende Lied nicht immer aussuchen. Und doch birgt der Moment der Aufführung ein politisches sowie ein kreatives Potenzial. Angesichts des weltweit erstarkenden Faschismus bietet A SONG FOR ESTHER einen flüchtigen Ort für verkörperten Widerstand. Am Abend des Konzerts werden alle beteiligten Musiker*innen und Bands einen einzigen Song spielen, der nichts mit ihrem üblichen Repertoire zu tun hat.

A SONG FOR ESTHER wurde im Dialog mit der Familie Bejarano geplant.

A SONG FOR ESTHER – ein von Candice Breitz konzipiertes Konzert – ist Teil einer fortlaufenden Reihe performativer »Gegen-Denkmäler«, die von der Hamburger Stadtkuratorin Joanna Warsza initiiert wurde. Das Konzert orientiert sich an einem bestehenden Gegen-Denkmal, das einen überzeugenden Präzedenzfall darstellt. 1986 errichteten Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz in Hamburg-Harburg ein »Mahnmal gegen Faschismus«. Über die Jahre wurde der zwölf Meter hohe Obelisk langsam in den Boden versenkt und verschwand schließlich im Jahr 1993 komplett. Heute erinnert die bewusste Abwesenheit des Denkmals an seinem ursprünglichen Standort daran, dass Denkmäler uns nicht vor Faschismus schützen können. Nur durch Wachsamkeit, fortlaufende Solidarität und vor allem Standhaftigkeit kann dem Wiederaufleben des Faschismus Einhalt geboten werden.

Weitere Informationen der Veranstalter

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung