Rechte Hexenjagd auf internationale Solidarität und linken Jugendverband – kontra geben und widerlegen!

Wir wollen die Hetzkampagne von der gesamten rechten Springer Presse bis hin zum Tagesspiegel hier nicht wiederholen. Aber selbst der Parteivorstand der Linken ist seinem Jugendverband in den Rücken gefallen. Um was es im Kern eigentlich inhaltlich geht, werden wir hier belegen. Es geht um Grundsätzliches.

Zu den Unterstellungen, dass es auf dem Jugendkongress systematisches Mobbing von Minderheitsmeinungen gegeben haben soll, gibt es bis heute immer noch nicht die geringsten Belege. Ein Unding aber ist, daß sich selbst als „links“ bezeichnende Mitglieder mit ihren unbewiesenen Behauptungen an die rechte Presse wenden und damit eine massive Hetzkampagne gegen internationale Solidarität losgetreten haben. Das ist wirkliches und belegbares Mobbing. Wer genau hinguckt, erkennt den zionistischen Brückenkopf in linkem Tarngewandt namens Antideutsche, die hier Hand in Hand mit dem rechten Lager die Linke in eine Zerreißprobe zu stürzen versucht. Wir sollten alle Kräfte mobilisieren, dass sich der Parteivorstand der Linken nicht endgültig vor deren Karren spannen lässt.

Der Jugendverband solid hat nichts anderes gemacht als ein zionistisch neokoloniales Projekt, eine rechtsradikale Regierung, aggressiven Landraub, Vertreibung, ethnische Säuberungen, Apartheid, Völkerrechts- und Kriegsverbrechen sowie einen Genozid zu verurteilen.
All das ist und heißt selbstverständlich „links“.

Torsten Heuer bringt es auf den Punkt:

Dass die Linksjugend den Völkermord in Gaza als das bezeichnet, was er tatsächlich ist, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Lage ist nicht unklar. Es gibt keine „fehlenden Informationen“, keine „komplizierte Lage“, die erst noch erforscht werden müsste. Die Bilder liegen vor. Die Zahlen liegen vor. Die strategischen Absichten sind ausgesprochen. Die systematische Vernichtung der Lebensgrundlagen eines Volkes ist kein Geheimnis, sondern dokumentierte Realität.

(….)

wo die Linksjugend klar spricht, versucht die Parteispitze sich in moralischem Seiltanz….

„Nie wieder“ gilt für Alle gleich. Wer gegen das „Alle“ und Offensichtliche in Nahost opponiert, hält nicht das Vermächtnis aus der deutschen Geschichte hoch, sondern verrät es. Wer Menschen oder politische Verbände als „antisemitisch“ diffamiert, die sich imperialen Strukturen widersetzen, die Menschen- und Völkerrecht unentwegt systematisch bis zum Völkermord hin verletzen, und wer Menschen kriminalisiert, die sich mit den Opfern dieser Unrechtspolitik solidarisieren, steht selbst in den Fußstapfen reaktionärster deutscher Vergangenheit. Er unterstellt mit seiner Diffamierung, dass all dieses Unrecht, das heute vor unseren Augen in Gaza abläuft, mit Judentum gleichzusetzen sei. Er beleidigt damit die Millionen Jüd:innen weltweit, die sich selbst vom Zionismus distanzieren. Und er leistet mit dieser Gleichsetzung wirklichem Antisemitisumus Vorschub.

Es geht ein Gespenst rechter und rechtsextremer Parteien rum in Europa. Die direkten und indirekten Nachfolger des Holocaust und seines blaubraunen Ungeistes sammeln sich. Mit in dieser Runde die zionistischen Regierungsparteien Israels. Wir berichteten.

Der allseits von „links“ umjubelte neu gewählte linke New Yorker Bürgermeister müsste wohl nach Lesart deutscher Staatsräson als „Antisemit“ und „Terroristenunterstützer“ einen politischen Platzverweis erhalten. Das ist nur in Deutschland möglich, nicht einmal aktuell in einem Land, wo ein Donald Trump herrscht. Raul Zelik (Die Linke) weist treffend auf den deutschen Anachronismus im internationalen Diskurs hin:

Zohran Mamdani wäre in der deutschen Linken niemals Kandidat geworden. Er hat schon Anfang 2024 von Genozid gesprochen und ist für eine Ein-Staaten-Lösung.
Es wäre schön, wenn jene Linke, die jetzt mit Springer ihren Jugendverband ausschlieẞen wollen, das zur Kenntnis nähmen.

Franz Haslbeck, Direktkandidat Die Linke Bayern, München Gießing, schätzt die Kräfteverhältnisse in der Linken anders ein:

Dem würde ich aktuell so nicht mehr zustimmen. Es gibt einige Landesverbände (wie z.B. Bayern, NRW, Teile Berlins,…), die sich zuletzt [Anm.: vom Parteitag in Halle zum Parteitag in Chemnitz] auch mehrheitlich durchgesetzt haben und die sowohl der Linksjugend wie auch Zohran Mamdani zustimmen.
Wahrscheinlicher ist, dass Jan van Aken unter den aktuellen Mehrheitsverhältnissen nicht mehr Parteivorsitzender werden würde.

Die LAGs Palästinasolidarität Sachsen und Berlin haben eine gemeinsame Erklärung publiziert. In ihr wird am Beispiel eines Interviews mit Juliane Nagel, Linke-Abgeordnete im sächsischen Landtag, unter dem verräterischen Titel „Groẞe Teile der Linksjugend auf anti-semitischen Abwegen“ (MDR AKTUELL) die diffamierende und Tatsachen verdrehende Berichterstattung seziert und widerlegt:

„Trotz diffamierender Berichterstattung setzt sich unser Jugendverband konsequent gegen Genozid, Besatzung und rassistische Unterdrückung ein – und mobilisiert junge Menschen gegen Aufrüstung und Politik von Oben.

Medienberichte wie das MDR-Interview mit Jule Nagel versuchen, sozialistische und internationalistische Positionen innerhalb der Linken zu skandalisieren. Wer sich daran beteiligt, handelt parteischädigend und untergräbt demokratische Entscheidungsprozesse.

Meinungsunterschiede sind in pluralistischen Parteien normal – Wer jedoch die eigenen Mitglieder für Medienkampagnen gegen die Linke vor den Bus wirft, handelt nicht im Sinne der Basis. Zehntausende Neumitglieder sind in die Partei eingetreten – wir werden gemeinsam für eine solidarische und internationalistische Mitgliederpartei kämpfen!

Faktencheck zum MDR-Interview
  • Der MDR sagt: Die Verurteilung von Antisemitismus durch die Linksjugend gelte nicht mehr. Faktencheck: Doch, sie gilt. Kritik am staatlichen Agieren Israels ist per se kein Antisemitismus. Die Linke hat sich für die JDA-Definition entschieden die genau diesen Unterschied klarstellt. (1) (2)
  • Der MDR sagt: Die Linksjugend spreche unberechtigterweise vom kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts.
    Faktencheck: Zahlreiche UN-Entscheidungen, Amnesty International, Human Rights Watch und die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik bestätigen die systematische Unterdrückung und Diskriminierung der palästinensischen Bevölkerung und sprechen von Apartheid. (3) (4) (5)
  • Der MDR behauptet: 1948 sei Israel aus dem Nichts von arabischen Staaten angegriffen worden und habe einen Unabhängigkeitskrieg führen müssen. Faktencheck: Mindestens 750.000 Palästinenser:innen wurden während der Nakba gewaltsam vertrieben, Dörfer zerstört und ihre Lebensgrundlagen enteignet. Das sogenannte ,Unabhängigkeitskrieg“-Narrativ übersieht, das Palästina kein „Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ war. Das Recht der Palästinenser:innen auf Rückkehr ist völkerrechtlich anerkannt. (6)(7)
  • Der MDR behauptet: Israel sei 1956 durch Ägypten blockiert worden.
    Faktencheck: Während der Suezkrise verstaatlichte Ägypten den Kanal und verhinderte die israelische Durchfahrt, um das Rückkehrrecht der Palästinenser:innen zu erzwingen – ein Beispiel internationaler Solidarität. (8)
  • Der MDR behauptet: Israel habe sich 1967 im Sechs-Tage-Krieg verteidigt. Faktencheck: Israel griff Ägypten völkerrechtswidrig ohne Kriegserklärung an. (9)
  • Der MDR sagt: Israel leide seitdem unter Angriffen aus Gaza, Libanon etc. Faktencheck: Zionistische Gruppen verübten bereits seit den 1920er-Jahren Terrorakte gegen Araber. Palästinensische Selbstverteidigung folgte Massakern wie Sabra und Schatila. Seit 1978 überzog Israel wiederholt Libanon, Syrien und Gaza mit Kriegen – der Genozid an Palästinenser*innen ist der traurige Höhepunkt dieser
    jahrzehntelangen Politik. (10) (11) (12)
Wir lassen uns nicht einschüchtern! Die Fakten sind klar: Forderungen nach Gleichberechtigung, Ende der Besatzung und Recht auf Rückkehr sind völkerrechtlich legitim und Teil einer konsequenten, internationalistischen Linken! Hoch die Internationale Solidarität!“

Quellen
1 https://www.die-Linke.de/partei/parteidemokratie/parteitag/hallescher-parteitag-2024/hallescher-parteitag/beschluesse-und-
resolutionen/detail/news/antisemitismus-repression-und-zensur-bekaempfen-jerusalemer-erklaerung-umsetzen-tragfaehiges-fundament-schaffen/?utm_source=chatgpt.com
2 Jerusalem Declaration on Antisemitism – Punkt 13
3 Amnesty International Report (2022): z,Israel’s apartheid against Palestinians: Cruel system of domination and crime against humanity“ (S.217f.).
4 Human Rights Watch Report (2021): „A Threshold Crossed Israeli Authorities and the Crimes of Apartheid and Persecution“, S.10. 5 SWP AktuelL-NR. 13 FEBRUAR 2022, AU: Muriel Asseburg: „Amnesty International und der Apartheid-Vorwurf gegen Israel Politische und rechtliche Relevanz“
6 https://www.un.org/unispal/document/2024-nakba-commemoration/ 7 United Nations General Assembly Resolution 194
8 UN Historical Security Council (2023): „Munsa 2023 Study Guide, The Suez Crisis of 1956“, S.10ff..
9 UN (2023): „Study on the Legality of the Israeli Occupation of the Occupied Palestinian Territory, Including East Jerusalem“; S.8f..
10 Institute for Palestine Studies (Policy Paper, Dez. 2023): „The Roots of Zionist Terrorism“
11 Centre on Housing Rights and Evictions (COHRE), BADIL Resource Center for Palestinian Residency & Refugee Rights: „RULING PALESTINE A HISTORY OF THE LEGALLY SANCTIONED JEWISH-ISRAELI SEIZURE OF LAND AND HOUSING IN PALESTINE“, Kapitel 2&3
12 UN (1990): „THE,ORIGINS AND EVOWTION OF THE PALESTINE PROBLEM 19 17-19 88“.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

BOYKOTT ALS WIDERSTAND? Warum Die Linke die gröẞte Kampagne der palästinensischen Zivilgesellschaft unterstützen sollte!

Veranstaltung 11.11.2025, 18:40 Uhr, bUm Raum für solidarisches Miteinander Paul-Lincke-Ufer 21 , Berlin 10999

Das Thema wird kontrovers diskutiert. Letzten Endes geht es aus linker und internationalistischer Sicht darum, wie gegen systematische rassistische Ausgrenzung , Besatzung, Vertreibung und Völkermord wirksame Maßnahmen ergriffen werden können, die das Täterregime treffen. Es geht darum, will man wirksame Mßnahmen untersützen, damit Völker- , Menschenrecht und soziale Gerechtigkeit für alle gleich durchgesetzt werden.

Dienstag lädt die LAG Palästina-Solidarität ins bUm ein, um zusammen mit Adam Broomberg, Khaled El Mahmoud, Lucas Febraro und Georg Ismael über die gröẞte Kampagne der palästinensischen Zuvilgesellschaft zu diskutieren:

BDS


Anlass ist der von der LAG für den Landesparteitag der Linken Berlin gestellte Antrag A19, der die Entkriminalisierung von BDS und PACBI und die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Kampagnen gegen Apartheid und Besatzung fordert.
Kommt vorbei, stellt Fragen, widersprecht und und diskutiert mit uns!


Die Veranstaltung findet Bilingual statt. Übersetzung je ins Englische und Deutsche ist gegeben.
Wir freuen uns auf euch! Free Palestine

Klimakrise: Kaum noch Handlungsspielraum

Das CO2-Budget der Menschheit ist fast erschöpft und Rückkopplungen verschärfen den Klimawandel. Küstengebiete drohen dauerhaft im Meer zu versinken

Von Wolfgang Pomrehn

Bild: Screenshot Greenpeace-Artikel zu Folgen des Klimawandels

Langsam wird es wirklich eng, wenn es darum geht, ein für Menschen erträgliches Klima auf der Erde zu erhalten. Immer neue lokale Hitzerekorde, und die globale Mitteltemperatur liegt im fünfjährigen Mittel bereits zwischen 1,3 und 1,4 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Nie zuvor seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen war es so warm, und in den vergangenen zweieinhalb Jahren lag die globale Temperatur sogar meist um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, wie aus den Daten von Copernicus hervorgeht, der Erdbeobachtungsagentur der EU.

Ganz offensichtlich hat sich seit 2010 die globale Erwärmung beschleunigt, wie auch in einer gemeinsamen Erklärung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) gewarnt wird. Alle sechs der oft zitierten globalen Temperaturdatensätze unterschiedlicher wissenschaftlicher Teams zeigen, dass 2024, gefolgt von 2023 und 2016, das bisher wärmste Jahr war. Die Daten veranlassten DMG und DPG Ende September zu dem alarmierenden Hinweis, dass selbst eine Erwärmung um drei Grad bis zur Mitte des Jahrhunderts nicht mehr auszuschließen sei.

In einem Ende Oktober veröffentlichten, unter Federführung der Oregon State University entstandenen »State of the Climate Report« heißt es, dass 2024 vermutlich das wärmste Jahr seit 125 000 Jahren war. An der im Fachjournal »BioScience« erschienenen Arbeit wirkte auch das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit. Vor 125 000 Jahren befand sich unser Planet in der vorletzten Warmzeit, dem sogenannten Eem. Der Meeresspiegel war in dieser Zeit sechs bis neun Meter höher als heute.

Norddeutschland unter Wasser

Damals standen große Gebiete an den Küsten unter Wasser, die heute zu Norddeutschland und den Niederlanden gehören, und durch das Gebiet Schleswig-Holsteins zog sich ein Meeresarm, der die Nordsee mit der Ur-Ostsee verband. Der Meeresspiegel war dort noch einige Jahrhunderte oder länger weiter angestiegen, als sich das Klima bereits wieder abzukühlen begann. Letzteres haben seinerzeit an der Uni Kiel durchgeführte Untersuchungen alter Ablagerungen im tiefen Untergrund ergeben.

Ähnliche Artikel

Diese Kieler Befunde sind ein Hinweis darauf, dass der tiefe Ozean und die Eisschilde viele Jahrhunderte benötigen, bis sie sich völlig an globale Klimaveränderungen angepasst haben, und dies ist auch der Grund für den Hinweis der beiden wissenschaftlichen Gesellschaften, dass über den geordneten Rückzug aus einigen flachen Küstengebieten nachgedacht werden muss.

»Mehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich.« Johan Rockström 
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die steigenden Temperaturen führen derweil dazu, dass extreme Wetterereignisse wie Stürme, sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen, aber auch Dürren und Hitzewellen immer mehr zunehmen. Sogenannte Kipppunkte, an denen einzelne Teilsysteme der großen Klima- und Biosphärenmaschine unseres Planeten unwiederbringlich in einen anderen Zustand übergehen, kommen in greifbare Nähe. Die planetaren Belastungsgrenzen werden immer weiter überschritten.

»Mehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich. Die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum und erhöht so das Risiko, den Planeten zu destabilisieren«, sagte Ende September PIK-Direktor Johan Rockström, der an einem »planetaren Gesundheitscheck« seines Instituts mitgearbeitet hatte. Betroffen sind nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt, wichtige Nährstoffkreisläufe und die Versauerung der Ozeane, Letzteres eine Folge des steigenden CO2-Gehalts der Atmosphäre.

Korallenriffe vor dem Zusammenbruch

Die Meere sind ohnehin stark durch Verschmutzung und steigende Temperaturen gebeutelt. Die Ozeane haben in den vergangenen zwei Jahren beispiellose Hitzewellen erlebt, wodurch weltweit die Korallenriffe inzwischen am Rande des Zusammenbruchs stehen. Der im Oktober veröffentlichte und maßgeblich an der britischen Universität von Exeter erarbeitete »Global Tipping Points Report 2025« stellt fest, dass im Falle der Korallen der erste Kipppunkt, der erste Punkt ohne Wiederkehr, erreicht ist.

Lang anhaltende Wassertemperaturen von 31 Grad Celsius und mehr, wie sie ein US-Forschungsteam in der vorletzten Oktoberwoche im Fachblatt »Science« für den Süden Floridas im Sommer 2023 beschrieb, machen ihnen den Garaus. Wird das Wasser zu warm, verlassen die mit den Korallen in Symbiose lebenden Algen ihre Wirte, die dadurch ihre wichtigste Nahrungsquelle verlieren. Hält die Trennung länger an, sterben die Korallen ab. Genau das wird derzeit rund um den Globus beobachtet. Da die Riffe eine herausragende Rolle für viele Fische spielen, verlieren somit Millionen Fischerfamilien ihr Einkommen, die Weltbevölkerung eine wichtige Eiweißquelle und Inseln sowie Küstenregionen einen wichtigen Schutz vor Erosion durch Wellen.

Derweil nimmt die Konzentration des Kohlendioxids in der Atmosphäre weiter zu. Im vergangenen Jahr mit einem Anstieg um 3,5 ppm (Millionstel Volumenanteilen) auf einen Gehalt von 423,9 ppm sogar so stark wie nie zuvor seit Beginn der Messungen 1957. Da die Emissionen 2024 zwar viel zu hoch waren, aber im Vergleich zum Vorjahr kaum noch stiegen, könnte das Phänomen ein Hinweis auf unangenehme positive Rückkoppelungen sein. Der Klimawandel beginnt Prozesse anzustoßen, die ihn weiter verstärken.

Bisher wird die Erwärmung dadurch gedämpft, dass die Ozeane 26 und die Biosphäre 31 Prozent der Emissionen mehr oder weniger unmittelbar aufnehmen. Nur die verbleibenden 43 Prozent reichern sich in der Atmosphäre an und verbleiben dort einige Jahrtausende. Doch diese Puffer können sich erschöpfen – und dafür gibt es erste Anzeichen.

Mehr CO2 aus Waldbränden

Eine mögliche Ursache für den Rekord-CO2-Anstieg könnten die enormen Busch- und Waldbrände gewesen sein, die 2024 auf verschiedenen Kontinenten wüteten. Wie schon in den Jahren zuvor brannte eine Fläche etwas größer als Indien ab. In einem typischen Jahr machen Savannen, Steppen und Buschland mehr als 80 Prozent der verbrannten Fläche aus, doch in der zurückliegenden Feuersaison war der Waldanteil rund zehn Prozentpunkte größer. Das heißt, es verbrannte deutlich mehr Biomasse.

Ermittelt wurde das in einer großen internationalen Studie, die Mitte Oktober im wissenschaftlichen Journal »Earth System Science Data« erschien. Mehr als 8 Milliarden Tonnen CO2 seien freigesetzt worden, etwa 10 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Zum Vergleich: Durch direkte menschliche Aktivitäten gelangten 2024 knapp 42 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Wie es aussieht, war 2024 kein Ausrutscher: Es gibt einen Trend zu »größeren Ausmaßen und größerer Intensität der Brände in den kohlenstoffreichen Wäldern«, so Matthew Jones von der britischen Universität von East Anglia, der an der Studie mitgearbeitet hat.

nd.DieWoche – unser wöchentlicher Newsletter

Mit unserem wöchentlichen Newsletter nd.DieWoche schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die Highlights unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. Hier das kostenlose Abo holen.

Rückkopplungseffekte verengen also unseren ohnehin nur noch sehr geringen verbliebenen Spielraum. Nur noch 250 Milliarden Tonnen CO2 dürfen emittiert werden, wenn wir eine 50-prozentige Chance haben wollen, dass die globale Temperatur nicht dauerhaft auf mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau steigt. Soll die Erwärmung dauerhaft »deutlich unter zwei Grad Celsius« bleiben, wie es als definitives Ziel im Pariser Klimavertrag steht, wären es noch 1110 Milliarden Tonnen. Aber eigentlich ist eine 50-prozentige Chance, das Ziel zu verfehlen, viel zu hoch angesichts der verheerenden Folgen, die mit jedem Zehntelgrad Erwärmung katastrophaler werden.

Moore und Permafrost auf der Kippe

Wie dem auch sei: Von diesem Budget gehen auf jeden Fall noch die Rückkopplungseffekte ab. Dazu zählen nicht nur immer mehr Waldbrände, auch Dürren führen zum Beispiel dazu, dass Moore erhebliche Mengen CO2 abgeben – in welchem globalen Umfang, ist noch unklar.

Eine weitere Kohlendioxidquelle entsteht hoch im Norden, wo die Erwärmung – die dort zwei- bis dreimal schneller als im globalen Durchschnitt voranschreitet – den Permafrostboden auftauen lässt. In diesem sind gigantische Mengen Kohlenstoff in Form von Kadavern und abgestorbenen Pflanzen enthalten, die durch Verwesung als CO2 und Methan freigesetzt werden, sobald der Dauerfrost sich zurückzieht.

Am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg haben Modellierungen ergeben, dass bis zum Jahr 2300 knapp 450 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich anfallen könnten, sollte die globale Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten zwei Grad Celsius erreichen. Das verbliebene Budget ist also noch kleiner als gedacht. Nun meinen einige, man könne ja CO2 einfangen und im Untergrund speichern. Auch als Notnagel wird diese Variante von Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern gehandelt, um die CO2-Konzentration wieder zu senken, wenn die Emissionen endlich drastisch zurückgefahren sein sollten.

Allerdings wird das Potenzial solcher Maßnahmen stark überschätzt, wie Anfang September ein internationales Team im Fachblatt »Nature« demonstrierte. Die Forschenden hatten sich in aller Welt die infrage kommenden geologischen Formationen etwas genauer angeschaut. Die Schlussfolgerung: Statt 10 bis 40 Billionen Tonnen CO2, wie bisher in der Fachliteratur angenommen, kann die Erdkruste nur 1,46 (Unsicherheitsbereich: 1,29 bis 2,71) Billionen Tonnen des Treibhausgases sicher, dauerhaft und ohne Gefahren für Anwohner und Umwelt aufnehmen. Zur raschen Vermeidung weiterer Emissionen gebe es daher keine Alternative.

Erstveröffentlicht im nd v. 6.11. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1195264.klima-klimakrise-kaum-noch-handlungsspielraum.html?sstr=wolfgang|pomrehn

Wir danken für das Publikationsrecht.

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung