Aus Frankreich wurden neue Zahlen gemeldet. Es war der 10. Oktober 2026.
Die Schüler:innenproteste, die vor zwei Wochen klein begannen, haben inzwischen zu knapp 6.800 Verhaftungen geführt. 86 Prozent der Verhafteten sind minderjährig. Damit übersteigt die Zahl der festgenommenen Menschen in einem halben Monat noch jene aus der Hochphase der Gelbwesten, wo ebenfalls an die 7.000 Verhaftungen durchgeführt wurden. Damals allerdings innerhalb eines ganzen Jahres.
Die Jugendlichen und Kinder werden von der französischen Polizei angegriffen und mit Tränengas, Pfefferpray, Schlagstöcken und Granaten schwer verletzt
Die Kriegserklärung des „Macronismus“ an die französische Jugend ist der endgültige Offenbarungseid eines zehnjärigen Regimes der Milliardäre samt seiner brutalen Umverteilung nach oben, des zunehmenden repressiven mit Ungerechtigkeiten durchtränkten Drucks an Schulen und Universitäten, seiner massiven Aushöhlung des Sozialstaats.
Treffender als Dom Helder Camara, brasilianischer katholischer Bischof, hat kaum jemand das Thema „Gewalt“, das anlässlich der Jugenproteste durch die Medien eilt, auf den Punkt gebracht [1]Ein Kommentar von Fabienne de Lelys (als Zitat eines katholischen Bischofs aus Brasilien
„Es gibt drei Arten von Gewalt. Die erste, die Mutter aller anderen, ist die institutionelle Gewalt – jene, die Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung legalisiert und verewigt; jene, die Millionen von Menschen in ihrem lautlosen, gut geölten Räderwerk zerquetscht und zermalmt.
Die zweite ist die revolutionäre Gewalt, die aus dem Willen entsteht, die erste abzuschaffen.
Die dritte ist die repressive Gewalt; ihr Ziel ist es, die zweite zu ersticken, indem sie sich zur Gehilfin und Komplizin der ersten Gewalt macht – jener Gewalt, aus der alle anderen hervorgehen.
Es gibt keine schlimmere Heuchelei, als nur die zweite Form als ‚Gewalt‘ zu bezeichnen und dabei so zu tun, als hätte man die erste – die sie hervorbringt – sowie die dritte – die sie vernichtet – vergessen.“
Wohl wahr !
Es ist heute der 22.Oktober 2026.
Wie viele junge Leute sind inzwischen durch staatliche Gewalt allein in Frankreich so schwer verletzt worden, dass sie ihr ganzes Leben darunter leiden?
Im nordfranzösischen Lens verlor vor einigen Tagen ein 15-jähriger Schüler durch eine Polizeigranate seine Hand. Ein 14-jähriger Teenager erlitt schwerste Verletzungen, als ihm ein Polizeibeamter eine Tränengasgranate aus nächster Nähe direkt ins Gesicht schoss. Ein weiterer 16-jähriger Jugendlicher verlor bei den Demonstrationen ein Auge, mutmaßlich getroffen von einem Hartgummigeschoss der staatlichen Prügelbanden. Auch heute gab es einen schweren Vorfall in Saint-Étienne: In der zentralfranzösischen Stadt wurde einem 17-jährigen Demonstranten durch eine Granate die Hand abgerissen.
Meine Botschaft ist klar: Diejenigen, die unseren Kampf teilen, haben nichts im Plündern und Verwüsten verloren.
Jean-Luc Mélenchon, Präsidentschaftskandidat von La France Insoumise am 18.10. 2026
Und was sagt der Deutsche Innenminister Dobrindt dazu?
Wer nicht klar benennt, dass sich hier Linksextremisten und ein migrantisches Milieu zum gemeinsamen Kampf gegen das demokratische System auf der Straẞe treffen, hat die Situation nicht verstanden.
Mehr lässt sich die Wahrheit kaum verdrehen. Der deutsche Innenminister rüstet verbal auf, um mit staatlicher Gewalt gegen die Menschen, die gegen unzumutbare soziale und politische Verhältnisse protestieren, vorzugehen. Dabei scheut er auch nicht vor offener rassistischer Hetze zurück.
Frankreich. Aktuell und Hintergründe.
Titelbild: Collage mit KI erzeugt, Peter Vlatten
References
| ↑1 | Ein Kommentar von Fabienne de Lelys (als Zitat eines katholischen Bischofs aus Brasilien |
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