DGB-Kongress: Mit Antimilitarismus gegen den Mainstream

Gewerkschaftslinke wollen Positionierung pro Sozialstaat und gegen Kriegswirtschaft. DGB-Spitze gegen Wehrpflicht, aber mit Verständnis für Aufrüstung

Von CLAUDIA WANGERIN

Titelbild: Friedenspolitisch aktive Gewerkschafter vermittelten dem Bundeskanzler am Dienstag bei seinem Eintreffen am Tagungshotel des DGB in Berlin, was sie von Wehrdienst und Co. halten. Claudia Wangerin

Das Thema Aufrüstung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) noch in seinem Aufruf zum 1. Mai vollständig ausgeblendet – obwohl es als vermeintlicher Sachzwang zu den Hauptargumenten der Bundesregierung für den laufenden Sozialabbau zählt. Nicht nur deshalb bleibt das Thema innerhalb der Gewerkschaften konfliktträchtig. Es hängen viele Arbeitsplätze daran, wie manche IG-Metall-Funktionäre betonen. Doch nicht alle an der Basis sorgen sich nur um ihre Jobs.

Dass der DGB eine klare Position gegen Aufrüstung und Militarisierung vertreten müsste, finden friedenspolitisch Aktive, die sich während des noch bis Mittwoch andauernden 23. DGB-Bundeskongresses vor dem Tagungshotel Estrel in Berlin postiert haben. Am Dienstagmorgen empfingen einige von ihnen auch den Bundeskanzler beim Eintreffen zu seiner Rede vor den Delegierten mit Protest – und zwar mit einem großen Banner, auf dem die Parole »Merz, stirb doch selber an der Ostfront« stand.

Die Polizei schritt nicht ein, während sie in München am vergangenen Freitag Teilnehmende des Schulstreiks gegen Wehrpflicht hart gegen junge Menschen vorgegangen war, die Plakate mit diesem Spruch hochgehalten hatten. Gegen eine 20-Jährige wird deshalb wegen des Vorwurfs der Beleidigung ermittelt.

Vor dem Berliner DGB-Tagungsort werden derweil immer wieder Reden gehalten. »Wer uns im Licht der Vernichtung Hunderttausender Arbeitsplätze Jobs in der Rüstungsindustrie verspricht, versucht auf zynische und niederträchtige Weise, die Ängste der Kolleginnen und Kollegen auszunutzen«, sagt Carsten vom Friedenskomitee der Snop Automotive Artern GmbH am Infostand der Initiative »Sagt Nein« vor dem Hotel.

Immer seien es die einfachen Leute gewesen, die Krieg durch Rüstungsproduktion vorbereiteten, um dann in den Schützengräben zu verbluten. »Wir sind Arbeiter, wir produzieren Gebrauchswerte und keine Mordwerkzeuge.« Wie viele in der Belegschaft so denken? »Wir sind sechs von 95«, sagt Carsten, der beim Vornamen bleiben will, auf Nachfrage. Anfeindungen seien aber selten: »Viele sagen eher: Da kann man sowieso nichts machen.« Es gehöre eben Mut dazu.

Am Infostand vor dem Kongresshotel haben sich am Sonntag rund 50 Gewerkschaftslinke versammelt, unter ihnen der Braunschweiger VW-Betriebsrat Lars Hirsekorn, der sich die Umstellung der Industrie auf eine klimafreundliche Verkehrswende statt auf Kriegswirtschaft wünscht. Mit dabei ist auch Nadine, Physiotherapeutin und ver.di-Mitglied aus München. Sie betont in ihrer Rede, dass Pflegekräfte, Ärztinnen und Therapeuten sich nicht für Gesundheitsberufe entschieden hätten, um »Menschen für die Front zusammenzuflicken und sie als Invaliden halbwegs lebenstauglich zu halten und in Dauerschleife Totenscheine auszustellen«.

»Streikbereit statt kriegstüchtig« steht auf einem Transparent und »Sagt Nein – Gewerkschafter*innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden« vor dem Hotel. Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht sind für viele hier ein Lichtblick. Verteilt wird auch eine Kongresszeitung, in der vor der Vertagung wichtiger Diskussionen gewarnt wird. Der DGB stehe vor einer Richtungsentscheidung: Sozialstaat oder Kriegsökonomie. Die Delegierten werden aufgerufen, gegen Anträge zu stimmen, »die die entscheidenden Zusammenhänge nicht benennen«.

Gemeint ist etwa der Initiativantrag des DGB-Bundesvorstands, in dem es heißt: »Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften erkennen grundsätzlich an, dass Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Wegfall der USA als verlässliche Schutzmacht eine neue Bedrohungslage insbesondere für die Europäische Union bzw. die europäischen Nato-Staaten geschaffen haben und auch eine Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeit gegen militärische Bedrohungen und Erpressungsversuche erforderlich machen.« Die EU werde hier trotz eigener Interessen und profitorientierter Rüstungsindustrie als Friedensmacht dargestellt, kritisiert die frühere Münchner ver.di-Sekretärin Hedwig Krimmer.

»Wer uns im Licht der Vernichtung Hunderttausender Arbeitsplätze Jobs in der Rüstungsindustrie verspricht, versucht auf niederträchtige Weise, die Ängste der Kollegen auszunutzen.«Carsten Friedenskomitee der Firma Snop Automotive in Artern (Thüringen)

Tatsächlich ist in dem Antrag mit der Überschrift »Friedensfähig statt kriegstüchtig – unser gewerkschaftlicher Auftrag in unsicheren Zeiten« nur die Rede von »Großmachtansprüchen der USA, Chinas und Russlands«. Dass die EU aufrüsten müsse, wird nicht bestritten. Immerhin: Die Nato-Vorgabe an die Mitgliedsstaaten, insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben, wird als »beliebig« und als »fiskalische Herausforderung« kritisiert. Sie führe »perspektivisch zu verschärften Verteilungskonflikten zulasten sozialstaatlicher Aufgaben« und sei daher abzulehnen. Die Bundesregierung müsse aber »verstärkt in die Abwehr hybrider Bedrohungen«, etwa durch Cyber- und Drohnenangriffe, Sabotage und Desinformation investieren, heißt es im Vorstandspapier weiter. Zumindest eine neue Wehrpflicht wird darin als »zu weitreichender Eingriff in die persönliche Freiheit« abgelehnt.

Zu den Unterstützern des Initiativantrags gehört Benjamin-Immanuel Hoff, der nicht nur Ressortleiter für Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik im IG-Metall-Vorstand, sondern auch Mitglied der Partei Die Linke ist und in Thüringen von 2014 bis 2020 die Staatskanzlei unter Bodo Ramelow leitete.

In der IG Metall tritt der Konflikt teils noch deutlicher zu Tage: Deren Vize Jürgen Kerner machte sich Anfang 2024 nur Sorgen, ob das Sondervermögen Bundeswehr auch die heimische Industrie stärken werde, wenn das Kriegsgerät vermehrt »in Übersee gekauft« werde. »Wir brauchen endlich eine wehrtechnische Industriepolitik«, betonte er seinerzeit in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) und dem Wirtschaftsforum der SPD.

Ein klares »Nein zur Kriegswirtschaft« beschlossen knapp zwei Jahre später über 200 ehrenamtliche IG-Metall-Vertrauensleute bei Ford auf ihrer Vollversammlung in Köln. In ihrer Erklärung vom 24. Januar verwiesen sie auch auf die Satzung ihrer Gewerkschaft, die zum Einsatz für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung verpflichte. Im Kriegsfall drohe eine Zwangsverpflichtung von »Spezialisten«. »Diese Entwicklung machen wir nicht mit«, heißt es auf einer Unterschriftenliste, die am Infostand vor dem Hotel ausliegt.

Die Initiative »Sagt Nein« kritisiert zudem den hohen Anteil Hauptamtlicher unter den Delegierten auf dem DGB-Kongress – sie stünden stärker unter Druck, die Linie des Bundesvorstands zu vertreten; Diskussionen über Reizthemen würden oft in rauem Ton »gedeckelt«. Die antimilitaristisch orientierte DGB-Jugend sei vor dem Kongress vom Vorstand »geimpft« worden, bei der Gastrede von Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf Buh-Rufe zu verzichten. An diese Empfehlung haben sich offenbar viele nicht gehalten.

Erstveröffentlicht im nd v. 12.5. 2026
Mit Antimilitarismus …

Wirt danken für das Publikationsrecht.

NAKBA Camp in Hamburg

Kommt zum bundesweiten Nakba-Camp in Hamburg!

Deutschland hält an Waffenlieferungen und politischer Unterstützung für Israel fest -auch über den Hamburger Hafen werden Rüstungsgüter verschifft. Während der Staat ,,kriegstüchtig“ werden will, sagen wir klar: Nicht mit uns!


CAMP | 09.-16. Mai Hamburg, Moorweide


Vom 09.-16. Mai findet in Hamburg auf der Moorweide das Bridges of Resistance-Camp statt – eine Woche voller Workshops, Austausch und gemeinsamer Aktionsvorbereitung. Menschen aus verschiedenen Bewegungen kommen zusammen, um sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und Strategien gegen Kriegspolitik und Militarisierung zu entwickeln.

Wir verbinden Kämpfe gegen Militarisierung gegen Sozialabbau
gegen globale Ausbeutung
und bringen internationale Perspektiven zusammen, von Westasien bis zu panafrikanischen Bewegungen.

Hamburg ist bewusst gewählt: Der Hafen steht exemplarisch für die Rolle Deutschlands im globalen Waffenhandel – genau hier wollen wir ansetzen und Widerstand sichtbar machen.

Die Aktionswoche beenden wir am16. Mai mit einer bundesweiten Groẞdemonstration und einem Konzert.

Kommt nach Hamburg, vernetzt euch und werdet aktiv! Und organisiert auch in euren Städten Aktionen unter dem Motto ,,Stop Nakba Now“

Jede Spende zählt!

Die komplette Organisation von Camp, Demo & Konzert wird von ehrenamtlichen
Aktivist*innen aus der Bewegung organisiert.
Jeder Euro flieẞt direkt in unseren Widerstand. Link:
internal.diem25.org/de/donations/to/stopnakbanowcamp

8. Mai – Politik der Schlussstriche

NS-Erinnerungspolitik und Nationalgeschichte wandeln sich mit den Erfordernissen von Ökonomie und Weltlage

Von Tanja Röckemann

Titelbild: Die aktuelle „DIE ZEIT“ bringt unter dieser Frage ein Streitgespräch zwischen Jörg Baberowski (HUB) und der ukrainischen Kunsthistorikerin Yevhenia Moliar. Für Moliar sind die sowjetischen Ehrenmale zu russisch und laden zu Instrumentalisierung für Propagandazwecke des Kreml ein. Sie möchte sie deshalb gerne so umgestalten, dass die ukrainische Sicht stärker präsent ist. Sie spricht von „vermeintlichen Nazis“ in der Ukraine. Doch so recht klar wird nicht, warum die Denkmale nicht sowjetisch sondern russisch sein sollen. Baberowski widerspricht, doch auch er würde den Vertrag über die Denkmale kündigen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass dies nur der Auftakt in einer geschichtsrevisionistischen Wende ist, die der schwarz-blau-braune Zeitgeist befördert. In der aktuellen Russsophobie sehen es auch viele Liberale nicht mehr so gern durch diese Ehrenmale ständig daran erinnert zu werden, dass es die Rote Armee war, die Deutschland vom Faschismus befreit hat. Es hätte ja auch in diesem Streitgespräch nur ein wenig Courage bedeutet, die Ukrainerin einmal daraufhin anzusprechen, dass die mittlerweile im Land aufgestellten Denkmale für bekennende Antisemiten und Nazifreunde zur neuen nationalen Identität gehören. Ist dies die fehlende ukrainische Sichtweise? (JG)

»Tag der Befreiung« erschien mir zur allgemeinen Beschreibung dessen, was am 8. Mai 1945 in Deutschland stattfand, schon immer irreführend. Der faschistische deutsche Staat und seine Mitläufermehrheitsbevölkerung wurden nicht befreit, sondern sie wurden besiegt. Nazi-Deutschland kapitulierte, musste nach erbittertem Kampf zur Kapitulation gezwungen werden. Das alles ist bekannt und ein Grund zum Feiern – gerade auch in dieser Dimension einer Feier nicht der Befreiung, sondern der Bezwingung, der Niederringung, des Siegs über den Faschismus. Worum es uns als Linken aber auch immer ging und bis heute geht: die Perspektive der zahllosen Opfer des Nationalsozialismus, die den 8. Mai naturgemäß nicht als Niederlage, sondern tatsächlich als Befreiung erlebten.

Gesellschaftlich macht sich in Zeiten beispielloser Militarisierung eher der Wille zum Vergessen breit: 38 Prozent der deutschen Bevölkerung stimmen der Aussage zu, es sei »Zeit für einen Schlussstrich unter die Zeit des Nationalsozialismus«. Dies ergab vor ziemlich genau einem Jahr die Studie »Multidimensionaler Erinnerungsmonitor« (MEMO), durchgeführt vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ). Wichtig auch zu erwähnen: Eine ähnlich große Gruppe lehnte einen Schlussstrich ab, war damit aber »zahlenmäßig zum ersten Mal seit Beginn der MEMO Studienreihe in der Minderheit«.

Die EVZ steht eigentlich keineswegs in Verdacht, sich »mit dem Stand kritischen Geschichtsbewusstseins in Deutschland« ernsthaft zu befassen, wie die Verfasser*innen der Studie ihr Anliegen beschreiben. Eher bestand die Mission der Vertriebenenlobby jahrzehntelang darin, die historischen Gründe für die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Tschechien und Polen nach 1945 in revanchistischer Täter-Opfer-Umkehr unkenntlich zu machen. Auf die aktuelle politische Ausrichtung der EVZ kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden; staatstragend ist sie sicher allemal, so wie letztlich die MEMO-Studie selbst. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass wir Zeug*innen geschichtspolitischer Veränderungen sind, die durchaus in Zusammenhang mit der globalen Rechtsentwicklung stehen.

Die interessierte Loslösung von historischen Fakten, die grundlegender Bestandteil dieser Entwicklung ist, bedeutet keinesfalls, dass Rechte der Geschichtspolitik keine Bedeutung beimessen würden. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Erstens legt die starke Ästhetisierung der Politik, auf die der Faschismus angewiesen ist, die affektive Aufladung der vermeintlich kollektiven Nationalgeschichte nahe. Und so eine widerspruchsfrei positive Nationalerzählung lässt sich wunderbar auf der Basis jenes Nationalismus errichten, den jede Bürger*in eines demokratischen Nationalstaats vermittelt bekommt. Zweitens müssen autoritäre Herrschende natürlich darauf achten, dass ihre ideologische Reinwaschung der Geschichte auch wirklich bei den Leuten ankommt. Möglichst keine staatliche Gewalttat, keine Armuts- oder Diskriminierungserfahrung soll sich in die historische Darstellung einschleichen. Die faschistische Geschichtserzählung tendiert zum Monolithischen.

In den USA erklärte Donald Trump den 8. Mai 1945 im vergangenen Jahr offiziell zum »Victory Day for World War II«. Bislang sei dieser Tag in den Vereinigten Staaten nicht ausreichend gefeiert worden und die Amerikaner*innen sollen von jetzt an gefälligst »vergangene Siege ehren«. Das Einschwören der Bevölkerung auf den Militarismus ist im Trumpismus explizit, und der Sieg über den Nationalsozialismus vor 80 Jahren eignet sich dafür ganz hervorragend: moralisch scheinbar einwandfrei, unbestreitbar gewonnen und mittlerweile sehr lange her. Aber stattdessen ist der US-Präsident derzeit mit der Tatsache konfrontiert, dass weite Teile seiner Bevölkerung bis hin zu den MAGA-Faschisten weit davon entfernt sind, nach 80 Jahren Weltmachtimperialismus auf das unablässige Kriegführen »ihrer« Regierung ein für allemal eingeschworen zu sein. Vielmehr zeigen sich deutliche Anzeichen von Kriegsmüdigkeit.

Das Problem, dass die Bevölkerung zu pazifistisch ist, hat auch die deutsche Regierung. Den rechten Pazifismus vertritt, solange sie noch nicht regiert, die AfD und positioniert sich damit günstig gegen die bürgerlichen Parteien, während sie auf erinnerungspolitischer Ebene bei den Leuten mit der Forderung punktet, die »Verengung« auf den Nationalsozialismus zugunsten identitätsstiftender Geschichtspolitik »aufzubrechen«. Die selbstkritische Erinnerungspolitik der liberalen Demokratie macht gemeinsam mit selbiger langsam den Abgang zugunsten der Schlussstrich-Denkweise als Pendant zum Faschismus. Vereinbar mit imperialistischer Kriegsführung ist die Rolle des Gedenkweltmeisters, die sich das vereinte Deutschland in den Jahrzehnten nach dem Sieg über den Sozialismus angeeignet hatte, spätestens seit 1999.

Apropos Sozialismus: Mit der Befreiung von ihm durch die sogenannte Wende und deren geschichtspolitische Implikationen rechnete die kommunistische Satirikerin Gisela Elsner schon am 6. April 1990 öffentlich ab, in einer Zeitung namens »Neues Deutschland«. Dort schrieb sie, und soll hier das letzte Wort haben: »Vor allen bundesdeutschen Inkarnationen der Menschheitsbeglückung, denen derzeit von seiten des DDR-Volks ein Beifall zuteil wird, der die demokratiegeprüfte BRD-Bevölkerung oftmals an dem Verstand des von einer blinden Demokratiewut gepackten DDR-Volks zweifeln läßt, ist schon insofern mit Nachdruck zu warnen, als diese Inkarnationen der Menschheitsbeglückung das Dritte Reich zu einem Fauxpas bagatellisieren, über den man in Gottes Namen bloß kein Aufhebens machen soll. (…) Im SPIEGEL, dessen Vorgehen hier nur als ein Beispiel für das Vorgehen aller bundesdeutschen Medien angeführt wird, bezeichnete man jene Neofaschisten, die unter anderem in der DDR das Ehrenmal zum Gedenken und die im Kampf gegen deutsche Faschisten gestorbenen Rotarmisten schändeten, nicht nur augenzwinkernd als STILLE FASCHOS. Vielmehr verstand man es, den Leser dieses Wochenmagazins obendrein zu suggerieren, daß die besagte Ehrenmalschändung eine durchsichtige, propagandistische Machenschaft der damaligen SED-PDS gewesen wäre, wodurch nicht allein die PDS, sondern alle deutschen Antifaschisten ganz nebenher mit einem Ruch behaftet worden sind, sie schmierten erst bei Nacht und Nebel überall Hakenkreuze und Judensterne hin, um dann am helllichten Tag einen Anlaß für ihre durchsichtigen, propagandistischen Zwecke dienenden Protestkundgebungen gegen den deutschen Neofaschismus zu haben, für dessen Gedeihen dies natürlich überaus förderlich sein muß.«

Erstveröffentlicht im nd v. 7.5. 2026
Politik der Schlussstriche

Wir danken für das Publikationsrecht.

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