DGB-Gewerkschaften und Sozialabbau: Dafür oder dagegen?

Mattis Molde, Neue Internationale 303, September 2026

Die Regierung führt den seit langem größten Angriff auf die arbeitende Bevölkerung durch – Krankenversicherung, Pflege, Rente, Bürgergeld, Verlängerung des Arbeitstags – und tut dies als die seit langem schwächste Regierung. CDU und SPD sind selbst als Parteien in einer Krise, werden getrieben von der herrschenden Klasse, vor allem dem Großkapital und deren Sprachrohren, den Unternehmer:innenverbänden und ihren Medien. Die Abgeordneten beider Parteien allerdings fürchten die nächsten Wahlen und um ihre Pfründe. So sie noch irgendwelchen Kontakt zum Wahlvolk haben, brummen ihnen die Ohren. Rücktrittsforderungen für Klingbeil und Bas verbreiten sich in der SPD.

Das ist die Stunde der Gewerkschaften – besser: Sie könnte es sein. Gegen den jahrzehntelangen Mitgliederschwund, den Vertrauens- und Bedeutungsverlust könnte eine echte Umkehr erfolgen. Die Gewerkschaften könnten dem ganzen Unmut über diese Regierung eine Stimme verleihen und zur Tat schreiten:

  • Proteste in den Betrieben, wie sie z. B. schon von den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten bei Daimler Untertürkheim organisiert wurden, müssten flächendeckend stattfinden. Sie können und sollten sich nicht nur gegen die Angriffe der Regierung, sondern auch gegen diejenigen der jeweiligen Unternehmen richten. Sie könnten mit Betriebs- bzw. Personalversammlungen beginnen, auf denen die ganzen Angriffe dargestellt werden, und dann sofort zur Aktion übergehen.
  • Das ist auch die beste Vorbereitung für die landesweit geplanten Proteste am 26.9., für die es natürlich noch wichtig wäre, Belegschaften ohne gewerkschaftliche Organisation oder Betriebsratsvertretung zu mobilisieren. Dazu die ganze arbeitende Bevölkerung, Erwerbslose, Jugendliche, Rentner:innen, Migrant:innen, Frauen, LGBTIAQ Personen …
  • Diesen dezentralen Aktionen muss natürlich eine zentrale Demonstration in Berlin folgen – gegen eine Regierung, die Millionen Menschen tiefer in die Armut schicken will.
  • Die zentrale Mobilisierung müsste der Auftakt zu unbefristeten Streiks sein – bis die Gesetze zurückgezogen werden.

Mit so einem Aktionsplan würden Kabinett und Kapital herausgefordert werden. Die Gewerkschaften und die arbeitenden Menschen endlich mal wieder Sieger:innen sein! Zigtausende würden ermutigt, in die Gewerkschaften einzutreten und aktiv zu werden sowie neue Betriebsräte, Vertrauensleutekörper und gewerkschaftliche Betriebsgruppen zu bilden!

Hindernis Bürokratie

Die Realität sieht leider anders aus. Zu den ersten Protesten im Juni gab es praktisch in allen Gewerkschaften und ihren lokalen Gliederungen keine wirkliche Mobilisierung. Ausnahmen waren die Betriebe und Basisstrukturen, die selbst für ihren Bereich Flugblätter produzierten oder andere Mobilisierungsformen nutzten. In Berlin hatte die IG Metall den Termin nicht auf ihrer lokalen Homepage und das war nicht nur dort so und das war kein Versehen. Es ging für die Gewerkschaftsbürokratie also nur darum, dass die kämpferischen Teile Dampf ablassen konnten. Diese Aktionen sollten keinen Druck auf die Regierung ausüben. Ja, sie wurden so miserabel organisiert, dass die Bürokrat:innen nachher noch die Aktivist:innen verhöhnen können, dass ja leider die Basis eben nicht kampfbereit wäre – ein altes Spiel, das schon in den vergangenen Tarifrunden gern praktiziert worden war.

Es gibt Berichte, dass innerhalb der Gewerkschaften ein Konflikt tobt, ob überhaupt mobilisiert werden soll. Die IG Metall hat im DGB-Hauptvorstand mit der Drohung, sich am 26. September überhaupt nicht zu beteiligen, durchgesetzt, dass das Thema Sozialangriffe nicht mit dem Thema Aufrüstung verbunden werden darf. Weiter hat die IG Metall einen „Autoaktionstag“ am 21.9., also kurz vor den bundesweiten DGB-Aktionen, angekündigt.

Nach allem, was die Spitze der IG Metall zuletzt gemacht hat, angefangen von der Bauchlandung bei der letzten Tarifrunde, dem Ausverkauf in der Hochburg VW, dem weitere organisierte Niederlagen in der gesamten Branche folgten, und einem „Aktionstag“ vor anderthalb Jahren in 5 Städten, muss man davon ausgehen, dass dieser „Autoaktionstag“ nicht nur den DGB-Aktionen das Wasser abgraben soll, sondern dass dies auch mit den ganzen Sozialpartner:innen-Gesängen abgehalten werden wird: gemeinsam mit den Kapitalist:innen für Subventionen (die dann durch Sozialabbau finanziert werden) an das Großkapital, für Angriffe auf den Arbeitsschutz oder Umweltnormen unter dem Motto „Bürokratieabbau“, für die Rückkehr des Verbrennungsmotors, für Ersatzarbeitsplätze in der Rüstung und ein Hochfahren derselben. Natürlich wird es auch ganz scharfe Worte an die Adresse des Kapitals geben: Dass sie doch endlich bitte, bitte mit der Arbeitsplatzvernichtung und -verlagerung aufhören sollen.

Ganz in diesem Sinne hatte die Vorsitzende Benner im Handelsblatt vom 29.6. einen Gastkommentar gemeinsam mit dem Vorsitzenden der IG BCE, Vassiliadis, und dem Präsidenten des BDI, Leibinger, veröffentlicht, der zur Einheit des Landes aufruft, unter einem „positiven, breit getragenen Zukunftsbild“, „zu zeichnen“ von der Bundesregierung. Anschließend werden in wolkigen Worten genau die laufenden Angriffe nicht nur gerechtfertigt, „für eine Agenda für ein zukunftsfähiges Deutschland, die Kosten senkt und Arbeitsvolumen und Produktivität erhöht“, sondern dieser Generalangriff auch noch als „unser“ Programm verkauft: „Wir müssen die Menschen überzeugen, was nötig ist und warum wir es tun.“ Denn dann würde in einer unbestimmten Zukunft die deutsche Industrie auch wieder im Lande produzieren wollen.

Konflikte im Apparat

Benner und Vassiliadis stellen offensichtlich den reaktionärsten Teil der Gewerkschaftsbürokratie dar, der sich vor den Anforderungen des Exportkapitals flach auf den Bauch legt. Da können andere, z. B. die Bürokrat:innen bei den Dienstleistungsgewerkschaften, nicht mitgehen. Zumal die Sparmaßnahmen, die Kapital, Regierung, Benner und Vassiliadis fordern, gezielt ihre Mitgliedschaft zusätzlich treffen, z. B. deren Arbeitsplätze vernichten.

Diese Konflikte innerhalb der Bürokratie sind nur beschränkt für die Basis greifbar, aber sie erlauben mehr Spielraum, um von unten Druck zu machen. Man darf sich dabei auch keine Illusionen erlauben: Kein Teil der Bürokratie will die Regierung stürzen, nirgendwo ist aus ihr bisher die Forderung aufgekommen, dass die SPD diese Koalition aufkündigen solle. Alle Teile der Bürokratie sind auch trainiert darin, die Bewegungen an der Basis zu kanalisieren und bestenfalls als „Begleitung für Verhandlungen“ zuzulassen, die für Schönheitskorrekturen an den Angriffen sorgen könnten.

Widerstand an der Basis

Es gibt aber auch Basisorganisationen, die auf eigene Faust und oftmals gegen den Widerstand des betrieblichen oder gewerkschaftlichen Apparates selbst mobilisieren und dazu Resolutionen verfassen. Beispielhaft ist die Erklärung der IG-Metall-Vertrauensleute bei Daimler Untertürkheim, die nicht nur betriebliche Proteste während der Arbeitszeit organisiert haben, sondern sich auch mit einem langen Brief an den IGM-Vorstand (https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/showveranstaltungen-reichen-nicht-um-unsere-existenziellen-interessen-zu-verteidigen/) direkt gegen die Aussagen der Vorsitzenden Benner im Handelsblatt stellen. Darin heißt es:

„Wir denken nicht, dass wir in irgendeinem ideologischen Graben sitzen oder die wirtschaftliche und die politische Lage nicht verstehen würden. Wir verteidigen lediglich das, was Generationen von Gewerkschaftern vor uns erkämpft haben. Wir vertreten konsequent unsere Interessen als Beschäftigte, anstatt so zu reden, als säßen Beschäftigte, Gewerkschaften und Unternehmer plötzlich im selben Boot. Und genau diese Haltung erwarten wir auch von der Vorsitzenden unserer Gewerkschaft.
Besonders irritiert uns dabei ein Satz aus dem Gastkommentar: ‚Notwendig ist jetzt eine Haltungsänderung im Land. Wir müssen mehr wollen und leisten.’ Millionen Beschäftigte leisten bereits jeden Tag mehr als genug. Sie arbeiten in Schichtsystemen, machen Überstunden kompensieren Personalabbau, stemmen den Fachkräftemangel und sorgen dafür, dass die Produktion überhaupt läuft.

Von einer Gewerkschaftsvorsitzenden hätten wir erwartet, dass sie diese Leistung verteidigt und nicht öffentlich Argumentationsmuster übernimmt, mit denen Arbeitgeber seit Jahren längere Arbeitszeiten, niedrigere Standards und weitere Verschlechterungen begründen. (…)

Wir wollen es deshalb noch einmal klar sagen:

Die Unternehmerverbände, die Bundesregierung und wir Beschäftigten verfolgen gegenwärtig offensichtlich sehr unterschiedliche Interessen. Sie wollen auf unseren Kosten ihre Krise überwinden und ihre Profite sichern oder ausweiten. Wir dagegen wollen gute Arbeitsstandards erhalten, soziale Sicherheit, bezahlbaren Wohnraum, gute Bildung, Gesundheit und Frieden.“

Weiter fordern die Kolleg:innen „weiteren Protest“, aber warnen zugleich:

„Auf gar keinen Fall dürfen unsere Kollegen den Eindruck bekommen, unsere Gewerkschaft protestiere nur mit angezogener Handbremse. Wenn wir den Sozialabbau nicht entschlossen bekämpfen und in der Gesellschaft nicht unmissverständlich deutlich wird, dass die Gewerkschaften eine konsequente Gegenmacht zu Regierung und Kapitalseite sind, dann werden wir zwangsläufig einen weiteren Aufstieg der AfD bekommen.“

Deshalb: „Die Aktionen Ende September müssen stärker sein als die bisherigen und fortgeführt werden, bis die Unternehmer ihre Forderungen nach der Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche vollständig zurücknehmen und die Bundesregierung ihren sozialen Kahlschlag beendet sowie bereits beschlossene Verschlechterungen zurücknimmt. Dies glaubwürdig vertreten und unsere Kollegen für diese Forderungen mobilisieren können wir aber nur, wenn sich unsere Gewerkschaftsführung nicht gleichzeitig öffentlich an die Seite der Arbeitgeber stellt und deren Argumentation übernimmt.“

mehr zum Thema: "Widerstand und kein Schritt zurück – offener Brandbrief von Mercedes Vertrauensleuten und Betriebsräten an den Vorstand der IG Metall."

Die Kolleg:innen schreiben das nicht so, aber eigentlich heißt dies, dass eine solche Gewerkschaftsführung sofort den Platz räumen muss. Allerdings stellt sich auch die Frage: Wer soll dann an ihre Stelle? Für alle, die sich jetzt in diesem Kampf engagieren, ist es wichtig zu verstehen, dass der Verrat der Frau Benner nicht in ihrem persönlichen Charakter oder in ihrem Parteibuch begründet ist, sondern dass der gesamte Apparat in den Gewerkschaften darauf hinarbeitet, die Herrschaft des Kapitals zu verteidigen und die Position des deutschen Imperialismus im Weltgefüge auszubauen.

Auch Menschen, die das individuell gar nicht wollen, werden durch die Machtstrukturen dazu gezwungen. Für eine wirklich andere Führung müssen demokratische Strukturen eingeführt werden, wie jederzeitige Abwählbarkeit und Bezahlung nach dem Durchschnittslohn der Mitglieder, aber auch eine andere Programmatik durchgesetzt werden: Die Krise des deutschen und globalen Kapitalismus muss Anlass sein, für die Entmachtung und Enteignung des Kapitals zu kämpfen – statt sich den Erfordernissen dieses Systems zu unterwerfen, das nur noch Verarmung, Unterdrückung, Umweltkatastrophen und Krieg zu bieten hat.

Auf dem Weg dahin ist es absolut richtig, die offene Debatte in der Gewerkschaft zu fordern, wie es die Daimler-Kolleg:innen auch tun. Es muss z. B. diskutiert werden, ob aus ihrem Widerspruch gegen das Ansinnen Benners, dass „nun ausgerechnet die Senkung der Massenkaufkraft ein Weg aus der Krise sein“ soll, im Umkehrschluss die Hoffnung berechtigt ist, dass höhere Löhne und höhere Kaufkraft die deutsche Wirtschaft retten. Das schreiben die Kolleg:innen zwar nicht, aber sie verweisen auf die gewohnte Tarifrunden-Rhetorik, mit der stets höhere Löhne begründet wurden.

Auf jeden Fall ist es ein starkes Signal, wenn die Kolleg:innen klarstellen, dass wir in „einer Klassengesellschaft leben. Wir erleben, dass die Interessen von uns lohnabhängig Beschäftigten und die Interessen von Unternehmensleitungen und der Regierung immer häufiger diametral gegenüberstehen.

Gleichzeitig sehen wir aber auch die Chance, aus diesen Konflikten gestärkt hervorzugehen. Als Gewerkschaft, die sich nicht alles gefallen lässt. Als Gewerkschaft, die wieder kämpft.“

Wie weiter?

Der Aktionstag am 26. September wird dann zum Erfolg, wenn er nicht das Ende des Kampfes ist. Dazu muss er in die eigenen Hände genommen werden. Alle Strukturen in den Gewerkschaften, die kämpfen wollen, müssen sich zusammenschließen, um die Forderung nach einer zentralen Demonstration in Berlin, auf die notfalls Massenstreiks folgen, zu unterstützen. In der Tat gibt es schon mehr Bestrebungen dafür. Am 16. Juli fand ein „Gewerkschaftlicher Ratschlag“ online statt, an dem über 240 Aktive aus verschiedenen Betrieben und Gewerkschaften zusammenkamen. Auf der Seite https://umverteilen-statt-sozialabbau.de können Veranstaltungen veröffentlicht werden, aber leider keine Aktivitäten, wie z. B. Resolutionen von gewerkschaftlichen Gliederungen, oder gar die Diskussion fortgeführt werden. Das ist allerdings nötig.

Ein anderer Ansatz: Die verlogenen Zickzacks auf dem DGB-Kongress, einerseits von Frieden zu reden und zugleich die Aufrüstung gutzuheißen, haben dazu geführt, dass für den 16.–17. Oktober ein Koordinationstreffen in Kassel für gewerkschaftliche Opposition angekündigt ist, das insbesondere darum kämpfen will, den Widerstand gegen Sozialabbau mit dem gegen Aufrüstung zu verbinden. Dazu rufen die Gewerkschaftslinke Hamburg, die Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften VKG und „Sagt Nein“ auf.

Ein wichtiger Hebel ist es, diese Debatte in Die Linke hineinzutragen. Auch Die Linke könnte sich in diesem Konflikt ganz praktisch als „organisierende Klassenpartei“ in der Klasse aufbauen, muss sich aber entscheiden, ob sie das als linker Flügel der Bürokratie oder als Sprachrohr der Basis tun will.

Tatsächlich sind Teile der Basis als Reaktion auf die Attacke der Regierung in Bewegung gekommen. Die Komplizenschaft der Gewerkschaftsführungen zeigt, dass es letztlich eine unabhängige antibürokratische Bewegung von der Basis her braucht, um die Gewerkschaften aus der Fessel zu befreien, mit der diese Bürokratie sie an die Regierung und die herrschende Klasse bindet.

Um einen Kampfplan in den Gewerkschaften zu erzwingen, braucht es aber auch die Zusammenführung dieser verschiedenen Initiativen: eine bundesweite, demokratische Aktionskonferenz aller oppositionellen Gruppierungen in den Gewerkschaften, einschließlich der Gewerkschaftsstrukturen der Linkspartei.

Wir danken für das Publikationsrecht.

mehr zum Thema: "Widerstand und kein Schritt zurück – offener Brandbrief von Mercedes Vertrauensleuten und Betriebsräten an den Vorstand der IG Metall."

Titelbild: Peter Vlatten

Wer auf Atomwaffen setzt, setzt auf Massenmord!

Kundgebung für das weltweite Verbot der Atomwaffen am 9. 8 in Berlin

Vor 81 Jahren zerstörten die Atombombenabwürfe auf Japan zwei Städte und veränderten unzählige Leben für immer. Das Gedenken an die Opfer erinnert uns daran, warum eine Welt ohne Atomwaffen keine Utopie, sondern eine politische Notwendigkeit ist. Dies gilt insbesondere in einer Zeit, in der der Drang zu Atomwaffen einen neuen historischen Höhepunkt erreicht und das Leben auf der Erde existenziell bedroht. Aus diesem Anlass gab es am 9. August eine gemeinsame Aktion auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor, die von ICAN Deutschland initiiert war und an der ein sich außer der ICAN (https://www.icanw.de/) die Berliner Mahnwache für das weltweite Verbot der Atomwaffen (https://mahnwache-atomwaffenverbot.de/), die buddhistische Gemeinschaft Soka Gakkai (https://www.sokagakkai.de/) und die Initiative Streetaction4Peace (https://freeassange-berlin.de/streetaction4peace/index.htm) beteiligte. Der bewegendste Moment der Kundgebung war für mich der Vortrag eines Augenzeugenberichts über den Einsatz der Atombombe in Hiroshima durch die junge Japanerin Kaoru Maeno. Die Aktion war ein hoffungsstiftender Beitrag für die weitere Zusammenarbeit der Bewegung gegen den Krieg vor Ort und die Beendigung der atomaren Bedrohung.

Alle Bilder: Klaus Ihlau

Wir dokumentieren im Folgenden die Redebeiträge:

Sebastian Niemetz (ICAN Deutschland)

Am 9. August 1945 – heute vor genau 81 Jahren – explodierte eine Atombombe über der japanischen Stadt Nagasaki. Drei Tage zuvor hatte die US-Armee eine Atombombe über Hiroshima abgeworfen und damit ein neues Zeitalter der nuklearen Massenvernichtung eingeleitet. Die Explosionen rissen Abertausende Menschen in den Tod, verstümmelten und verseuchten noch viele mehr.

Allein bis Ende des Jahres 1945 erlagen über 200.000 Menschen ihren Verletzungen oder starben an der Strahlenkrankheit. Die Auswirkungen dieser nuklearen Gewalt ziehen sich über Generationen hinweg und sind noch heute zu spüren. Frauen und Kinder sind aus biologischen Gründen besonders betroffen von radioaktiver Strahlung.

Was ist geblieben nach der atomaren Zerstörung? Nach den weltweit über zweitausend durchgeführten Atomwaffentests? Unzählige Tote und Opfer, die bis heute unter den Folgen leiden. Ganze Landstriche die zerstört, verseucht und noch immer unbewohnbar sind.

Aber geblieben ist auch: Widerstand und Hoffnung.

Aus den Ruinen von Hiroshima und Nagasaki wuchs globale Solidarität und eine Bewegung, die für eine Welt frei von Atomwaffen kämpft. Am Anfang und an der Spitze dieser Bewegung stehen die Hibakusha, die Überlebenden.

Ja, wir gedenken heute den Opfern. Aber wir erinnern auch an die Überlebenden, die mit ihren Erzählungen das Unbeschreibliche vermitteln. Die die Realität nach einem Atomschlag kennen und seitdem mahnen: Das darf sich niemals wiederholen!

Den Hibakusha und der globalen Bewegung gegen Atomwaffen ist es zu verdanken, dass 2017 nach langem Kampf der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen beschlossen wurde. Er ist der erste internationale Vertrag, der Atomwaffen umfassend verbietet und delegitimiert.

Dieses Abkommen ist ein Refugium in krisengebeutelten Zeiten, denn es spendet Sicherheit und Hoffnung. Bereits 100 Staaten sind dem Verbotsvertrag beigetreten – und es werden mehr. Für uns ist klar: Auch Deutschland wird dieses Abkommen unterzeichnen müssen. Denn Hiroshima und Nagasaki mahnen.

Ine Kayser (Berliner Mahnwache für das weltweite Verbot der Atomwaffen)

Liebe Anwesende, herzlich willkommen!

Ich spreche hier für die Mahnwache für ein weltweites Verbot der Atomwaffen. 

Wir stehen hier mit unserem großen Transparent an jedem 9. des Monats, am Tag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki, verteilen Flugblätter und versuchen, mit den Menschen ins Gespräch über das Atomwaffenverbot zu kommen.

Ich sage erstmal ertwas ganz Persönliches – das Wissen um die schrecklichen Auswirkungen von Atomwaffen und die Gewissheit, dass wir dagegen vorgehen müssen, hat mich mein Leben lang begleitet. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ich genauso alt bin wie die mörderischen Abwürfe der Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki. Meine Mutter war eine politisch wache Frau und über sie haben mich die schrecklichen Bilder von Tod, andauerndem Leid und Zerstörung erreicht und erschüttert.

Jetzt, da sich nach einer Phase der Entspannung die Drohungen der Atommächte gegeneinander wieder enorm verschärfen und die Atomareale wieder gewaltig hochgerüstet werden, bekommen diese Bilder wieder eine erschreckende Aktualität. Und wir wissen, dass die jetzigen Atomwaffen um ein Vielfaches zerstörerischer sind.

Das macht Angst, besonders bei uns Älteren, die wir in Trümmern aufgewachsen sind.

Wir fragen uns im Zusammenhang mit unserer Mahnwache natürlich immer wieder, warum diese schreckliche Gefahrensituation nicht zu größerem Widerstand gegen die Politik unserer Regierungen führt, Widerstand dagegen, dass diese Regierungen die Eskalationsspirale immer höher schrauben. 

Warum gibt es so wenig Gegenaktionen?

Aus unseren Erfahrungen bei den Gesprächen ergeben sich unter anderem zwei Gründe.

Vor allem bei jüngeren Menschen wird die Gefahr oft einfach geleugnet oder heruntergespielt. Häufig ist es der Glaube, dass uns nichts passierern kann, weil wir die Stärkeren sind, der Glaube an die Abschreckung. 

Es wir ausgeblendet, dass außer durch direkten politischen Willen auch durch technische Fehler, durch menschliche Kurzschlussreaktionen oder durch eine sich verselbstständigende Eskalation, jetzt auch durch KI, die Gefahr einer atomaren Katastrophe sehr realistisch ist.

In dieser geglaubten Logik der Abschreckung müssen wir ständig versuchen, die stärkere, schnellere Seite zu sein, und das versuchen dann natürlich auch die anderen

Die Eskalationsspirale dreht sich immer schneller und das Risiko wird immer größer. Diesem Selbstbetrug, es gebe eine Sicherheit durch immer raffiniertere Atomwaffen, müssen wir mit Fakten und durch Aufkärung über die tatsächlichen Gefahren entgegentreten.

Eine andere Reaktion, die uns bei unseren Mahnwachen begegnet, und die ich sehr gut nachvollziehen kann, ist die aus Angst resultierende Verdrängung, weil die Gefahr einfach zu erschreckend ist.

Diese tiefsitzende Angst und daher Abwehr, das Schreckensszenario an sich heranzulassen, verhindert immer wieder, gemeinsam zu überlegen, welche Wege es gibt, der atomaren Bedrohung entgegenzutreten. Der Bedrohung von allem, was uns lieb ist, unser eigenes Leben, das Leben unserer Kinder und Enkel. 

Ich glaube einfach nicht, dass das alles den meisten Menschen egal ist. Wir müssen nur die Ansatzpunkte finden.

Wir alle wollen Sicherheit und wir versuchen zu vermitteln, dass es Sicherheit nur mit einem grundlegenden RICHTUNGSWECHSEL der Politik geben kann. Indem unser Land, gerade unser Land, dass zwei schreckliche Kriege zu verantworten hat, sich für Abrüstung, endlich für Verhandlungen einsetzt, die zu neuen internationalen Abrüstungsverträgen führen müssen.

Hier könnnen wir den Menschen im Gespräch einen Hoffnungsschimmer und eine Handlungsperspektive aufzeigen – dass wir gemeinsam versuchen, den gesellschaftlichen Druck aufzubauen, dass Deutschland dem ja auf UN-Ebene schon existierenden Verbot von Atomwaffen beitritt als Schritt, einem atomaren Inferno entgegenzutreten.

Gerald Seifert (Soka Gakkai)

Guten Abend!

Vielen Dank, dass ihr und sie alle heute Abend zu dieser Mahnwache anlässlich des Gedenkens der Opfer der Atombombenabwürfe von Horishima am 6.8.1945 und Nagasaki am 9.8.1945. 

Ich möchte mich bei ICAN und den Veranstalter*innen der Mahnwache Berlin bedanken, dass wir heute mit ihnen zusammen dieses Gedenken begehen. Ich möchte auch meinen tiefen Respekt vor ihrer kontinuierlichen Arbeit und Widmung zum Ausdruck bringen, jeden Neunten des Monats eine Mahnwache kontinuierlich abzuhalten.

Mein Name ist Gerald Seifert

Wie einige andere hier auch, bin ich Mitglied der buddhistischen Glaubensgemeinschaft der Soka Gakkai in Deutschland. 

Wir sind Teil einer weltweiten, gemeinschaftsbasierte buddhistische Vereinigung und Graswurzelbewegung zur Förderung von Frieden, Kultur und Erziehung, auf der Grundlage des Lotos-Sutra, dessen Basis das Glück jedes einzelnen Menschen und die Wertschätzung allen Lebens, der Respekt vor der Würde des Lebens ist. Wir glauben daran, dass jeder einzelne Mensch ein immens wertschaffendes Potenzial in sich trägt, das die Kraft besitzt, nicht nur positive Veränderung im eigenen Leben und der direkten Umgebung zu schaffen, sondern darüber hinaus auch Teil der Verwandlung des negativen Karmas der gesamten Menschheit ist.

Das Leben und seine Würde ist der wertvollste aller Schätze und muss unter allen Umständen immer weiter und immer neu wertgeschätzt, hochgehalten und verteidigt werden.

Als internationale Gemeinschaft – SGI, sind wir auch als NGO bei den vereinten Nationen vertreten und auch Bündnispartnerin von ICAN

Nicht erst seit der Deklaration für die Abschaffung von Atomwaffen des 2. Präsidenten der Soka Gakkai, Josei Toda, im Jahr 1957, sondern auch in ihrer Charta bezieht sich die Soka Gakkai ausdrücklich auf die die Abschaffung von Atomwaffen.

So hart es klingt – ist es doch pures Glück, dass es bisher zu keinem weiteren Atomwaffeneinsatz gekommen ist. 

Nicht Weisheit oder Vernunft haben uns davor geschützt – sondern Zufall. 

„Glück gehabt zu haben“ oder Zufall – ist aber keine verlässliche Strategie und schon gar kein Garant.

Solange Atomwaffen existieren, ist es keine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“, dass sie erneut eingesetzt werden. Sei es durch einen Fehler, ein Missverständnis oder einen bewussten Angriff.

Eine Welt ohne Atomwaffen zu erschaffen ist ein komplexes Vorhaben – sicherlich. Aber es ist nicht utopisch. 

Es sind Menschen die diese Waffen erdenken und schaffen. Und deshalb können auch Menschen das verändern.

Daisaku Ikeda, der vor knapp drei Jahren verstorbene 3. Präsident unserer Glaubensgemeinschaft, brachte es mit folgenden Worten auf den Punkt:

Zitat: „Wenn wir die Ära des nuklearen Terrors hinter uns lassen wollen, müssen wir gegen den wahren ‚Feind‘ kämpfen. Dieser Feind ist weder die Atomwaffe an sich, noch sind es die Staaten, die sie besitzen oder entwickeln. Der wahre Feind, dem wir uns stellen müssen, sind die Denkweisen, die Atomwaffen rechtfertigen – die Bereitschaft, andere zu vernichten, wenn sie als Bedrohung oder Hindernis erscheinen.“ (Daisaku Ikeda, Peace Proposal 2010, Toward a world without nuclear weapons, https://www.daisakuikeda.org/assets/files/peace2010.pdf

Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch die Fähigkeit in sich trägt, unbegrenztes Mitgefühl, Weisheit und Kreativität zu entwickeln, dass jeder Mensch dieses Potenzial besitzt und jederzeit öffnen– und dadurch aktiv zu einer friedvollen Veränderung beitragen, Hoffnung schaffen und Zuversicht schenken kann. Jeder einzelne Mensch ist unersetzlich wichtig bei diesem Vorhaben und kann Ausgangspunkt von großer Veränderung, im Sinne von Wertschaffung sein.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!

Ich übergebe nun an Kaoru Maeno, die uns einen Augenzeugenbericht eines Überlebenden (Hibakusha) des Atombombenabwurfs auf HIroshima vortragen wird.

Kaoru Maeno

Mein Gedächtnisprotokoll des vorgetragenen Augenzeugenberichts von Shigeru Nonyama durch Karu Maeno

Shigeru Nonoyama – Hiroshima, 6. August 1945

Shigeru Nonoyama war 15 Jahre alt, als die Atombombe auf Hiroshima am 6.8.1945 fiel.  Er und sein Freund Hideaki waren damals beide zu Hause am Ufer des Flusses Tenma, im Delta der Stadt Hiroshima. 

Shigeru erzählte, dass er mit seinem Freund Hideaki am Fluss gewesen sei. Sie wollten schwimmen gehen. Nachdem der Fliegeralarm aufgehoben worden war, sprangen sie von einer Brücke ins Wasser. Plötzlich hörten sie Bomber. Shigeru tauchte unter – und genau in diesem Moment kam der grelle Lichtblitz.

Die Grundschule am Ufer sei auseinandergerissen worden, Menschen seien durch die Luft geschleudert worden. Das Wasser habe zu kochen begonnen. Der Druck sei so gewaltig gewesen, dass Shigeru sich unter Wasser kaum habe bewegen können. Er habe Sand und Wasser geschluckt.

Als er wieder auftauchte, sei die Sonne verschwunden gewesen. Es war stockdunkel. Er habe mitten im Fluss gestanden und überhaupt nicht verstanden, was geschehen war.

Als es wieder heller wurde, habe Shigeru beim Anblick seines Freundes Hideaki erkannt, wie schwer sie beide verletzt waren: verbrannte Haare, abgelöste Haut im Gesicht, an der Brust und an den Händen. Beide hätten schrecklich ausgesehen.

Am Ufer habe Shigeru seine Mutter gefunden. Sie war unverletzt. Seine eine Schwester hatte eine schwere offene Brustverletzung, die er notdürftig mit seiner Badehose verband. Seine andere Schwester hatte ein von Glassplittern zerfetztes Gesicht.

Überall seien Menschen aus den Trümmern gekommen und geflohen. Shigeru beschrieb Menschen mit verbrannter und abgelöster Haut, deformierten Körpern und schwersten Verletzungen. Er beschrieb, dass er die Menschen nicht mehr unterscheiden konnte. Die ganze Stadt sei ein einziges Chaos gewesen.

Besonders erschütternd sei eine Szene gewesen, als er dachte, er hätte in einer Zisterne eine Puppe gesehen, aber erkannte schnell, dass es ein totes Baby war.

Nach etwa einem Kilometer habe Shigeru nicht mehr weiterlaufen können. Seine Mutter habe ihn in einem Kartoffelfeld abgelegt. Dann habe es angefangen, große schwarze Tropfen zu regnen. Der Regen sei so stark gewesen, dass er bald fast vollständig im Wasser gelegen habe.

Sein Freund Hideaki starb an diesem Tag.

Auch danach sei das Sterben weitergegangen. Seine Schwester starb am 15. August. Andere Angehörige folgten. Bei seiner anderen Schwester seien Tage später plötzlich rote Flecken aufgetreten; sie habe über eine längere Zeit Unmengen Blut erbrochen. Trotzdem habe sie wie durch ein Wunder überlebt.

Shigeru selbst habe drei Monate zwischen Leben und Tod geschwebt. Seine Verbrennungen eiterten, Fliegen setzten sich auf die Wunden, später kamen Maden aus den Wunden. Seine Mutter habe ihn Tag und Nacht gepflegt und eine einfache Salbe aus Strohasche und Speiseöl hergestellt.

Damals habe niemand gewusst, was Radioaktivität bewirken konnte.

Menschen, die später nach Hiroshima kamen, um Angehörige zu suchen, seien krank geworden: Fieber, rote Flecken, Haarausfall, Blutungen. Viele starben, ohne zu wissen, woran. Die Toten seien auf den Reisfeldern verbrannt worden. Der Gestank verbrannter Körper habe über der ganzen Stadt gelegen.

Viele Jahre später heiratete Shigeru eine andere Hibakusha, Kimie. Auch sie hatte, wie viele Hibakusha gesellschaftliche Ächtung erleben müssen. Ihr ursprünglicher Verlobter sagte sich los von ihr aus Angst davor, eine Überlebende von Hiroshima zu heiraten. Shigeru und seine Frau Kimie bekamen trotzdem Kinder und alle waren gesund. Später wurden sie auch Großeltern.

Am Ende sprach Shigeru über seine fünf Enkel. Wenn er an sie denke, müsse er auch an seinen Freund Hideaki denken, erklärte er.

Seine Botschaft sei deshalb ganz einfach:

Niemand verdient es, von einer solchen Waffe getroffen zu werden.

Er wünsche sich eine Welt, in der Kinder und Enkelkinder immer lachen können.

Die Menschheit braucht keine Atombomben.

Erstveröffentlicht von der Berliner Mahnwache für das weltweite Verbot der Atomwaffen
Wer auf Atomwaffen setzt, setzt auf Massenmord

Wir danken für das Publikationsrecht.

Sozialstaat verteidigen heißt: Kriegskurs stoppen!

Mobilisierung von Sagt Nein zu den gewerkschaftlichen Aktionstagen, den Antikriegsprotesten und zur Vernetzung aller kämpferischen Gewerkschafter*nnen! Es kann nur ein Auftakt sein!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Unterstützer*innen von Sagt NEIN!,

der Herbst beginnt mit einer ganzen Reihe wichtiger Mobilisierungen. Machen wir daraus mehr als einzelne Aktionstage. Verbinden wir den Protest gegen Sozialkahlschlag mit dem Widerstand gegen Aufrüstung, Militarisierung und Kriegspolitik. Die neue Ausgabe unserer Zeitung ´Sagt NEIN!´ findet Ihr zur Verteilung hier.

Es ist gut und überfällig, dass die DGB-Gewerkschaften endlich gegen Arbeitsplatzvernichtung, Sozialkahlschlag und die massiven Angriffe auf unsere hart erkämpften Rechte mobilisieren.

Aber eines darf dabei nicht ausgeblendet werden:
Sozialkahlschlag und Kriegsvorbereitung sind die zwei Seiten derselben Medaille.

  • Während bei Rente, Gesundheit, Pflege, Bildung und öffentlicher Infrastruktur gekürzt und Beschäftigten längere Arbeitszeiten, Arbeitsplatzabbau und schlechtere Bedingungen zugemutet werden, fließen Milliarden in Rüstung, militärische Infrastruktur und Kriegsvorbereitung.
  • Zugleich sollen Betriebe, Gesundheitswesen, Forschung, Bildung und die gesamte Gesellschaft auf „Kriegstüchtigkeit“ ausgerichtet werden.

Der Kriegskurs nach außen hat seine soziale Front im Inneren.

1. September: Antikriegstag
Nie wieder kriegstüchtig!

87 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen gilt mehr denn je: Nie wieder Krieg!

Dass der DGB inzwischen Wehrpflicht und die Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen ausdrücklich ablehnt, ist wichtig. Aber Kriegstüchtigkeit ist längst nicht mehr nur Rhetorik. Sie ist Regierungsprogramm. Deshalb reicht es nicht, vor den Folgen der Aufrüstung zu warnen. Wir müssen uns der Aufrüstung und Militarisierung selbst entgegenstellen.

21. und 26. September:
Aus Aktionstagen ARBEITSKAMPF-Tage machen!

Am 21. September ruft die IG Metall die Beschäftigten der Automobil- und Zulieferindustrie bundesweit zum Aktionstag gegen Stellenabbau, Verlagerungen und Werksschließungen auf.

Am 26. September mobilisieren DGB und Mitgliedsgewerkschaften in 15 Städten für Sozialstaat, sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmer*innenrechte.

  • Wir sagen:
    Kommt massenhaft!
    Aber lassen wir es nicht bei Samstagskundgebungen und symbolischem Protest!

Unsere Rechte wurden nicht erbettelt.
Sie wurden erkämpft.

Deshalb gehören die Auseinandersetzungen auch dorthin, wo unsere Macht liegt: in die Betriebe und Dienststellen, in die Krankenhäuser, in die Schulen und Universitäten, in gemeinsame Aktionen und Arbeitsniederlegungen – bis hin zum Generalstreik.

  • Oder, wie Kolleg*innen bei Mercedes-Benz Untertürkheim es formuliert haben:
    „Bis hin zum Streik. Und wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.“

Und danach weiter!

Der 1., 21. und 26. September dürfen keine voneinander getrennten Aktionstage bleiben.
Wir brauchen Organisierung über Betriebe, Branchen und Einzelgewerkschaften hinweg und die Verzahnung mit der sozialen antimilitaristischen und antifaschistischen Bewegung, der Schulstreikkampagne gegen die Wiedereinführung des Wehrdienstes, der Friedens- und der Klimabewegung.

  • 3. Oktober · Berlin und Stuttgart
    Bundesweite Friedensdemonstrationen gegen Krieg, Hochrüstung und Militarisierung.
  • 16./17. Oktober · Kassel
    Vernetzungskonferenz „Gewerkschaftlicher Widerstand.

    Wir wenden uns an Euch mit dieser Einladung zur Eröffnung einer Diskussion, weil wir davon überzeugt sind, dass eine Koordinierung unserer Aktivitäten längst überfällig ist. Im Respekt vor unseren jeweiligen Traditionen und Schwerpunkten unserer Arbeit schlagen wir ein erstes Treffen für einen Austausch in Präsenz vor:

    16.–17. Oktober 2026
    Beginn: Freitag, 16.10., 13:00 Uhr
    Ende: Samstag, 17.10., 15:00 Uhr
    Ort: Kassel, Stadtteilzentrum „Vorderer Westen“

Unser Ziel muss sein: Vom Protest gegen Sozialkahlschlag zum Widerstand gegen Kriegspolitik – vom Arbeitskampf bis zum Generalstreik.

  • Rente, Pflege und Bildung statt Milliarden für Rüstung!
  • Unsere sozialen und politischen Rechte sind nicht der Preis für Deutschlands Kriegskurs!
  • Gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung!
  • Für kämpferische Gewerkschaften und eine starke Friedensbewegung!
  • Protest verbinden! Widerstand organisieren!
Aktuell zum Thema: "Widerstand und kein Schritt zurück – offener Brandbrief von Mercedes Vertrauensleuten und Betriebsräten an den Vorstand der IG Metall."

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