Die Streikenden der TV-L-Tarifrunde 2023 haben die Hauptstadtzulage erkämpft!

Der Personalrat Dahlem wurde vom Präsidium der Freien Universität (FU) darüber informiert (s. Information des PRD), dass die FU inzwischen selbst davon ausgeht, das Verfahren zur Hauptstadtzulage vor dem Landesarbeitsgericht zu verlieren. Ein Urteil wird für den 13.10.2026 erwartet. Das FU-Präsidium teilte dem Personalrat Dahlem mit, die Zulage im Dezember 2026 rückwirkend auszuzahlen, sofern das Landesarbeitsgericht feststellt, dass die Hauptstadtzulage auch für FU-Beschäftigte zu zahlen ist. Unserem Kenntnisstand nach weigert sich der Berliner Senat jedoch bis heute, die Finanzierung zu übernehmen.

Dass die Hauptstadtzulage nun u.a. auch für FU-Beschäftigte angewendet werden muss, ist jedoch nicht das Ergebnis großzügiger Entscheidungen von Hochschulleitungen oder politischen Verantwortungsträgern. Die Hauptstadtzulage wurde vielmehr von den Streikenden der TV-L-Tarifrunde 2023 gegen erhebliche Widerstände der Arbeitgeber*innen erkämpft, nicht zuletzt als Wermutstropfen für einen mäßigen Tarifabschluss, der einen Reallohnverlust beinhaltete.

Wir erinnern uns, welchem Druck die Streikenden während der TV-L Tarifrunde 2023 ausgesetzt waren. Streikabzüge wurden innerhalb weniger Tage umgesetzt, während Beschäftigte bei der Auszahlung anderer tariflicher Ansprüche häufig mit Verweis auf fehlende personelle Ressourcen vertröstet wurden. Auch wurden Streikende mal wieder kritisch beäugt oder als „unsolidarisch“ dargestellt, weil sie ihre Arbeit niedergelegt haben. Der Erfolg bei der Hauptstadtzulage zeigt jedoch das genaue Gegenteil: Die Streikenden der Tarifrunde 2023 haben durch ihr kollektives Handeln für alle Beschäftigten bessere Einkommen erkämpft. Ohne die Streikenden gäbe es diesen Erfolg nicht. Die höheren Einkommen können nun dazu führen, dass weniger Personal abwandert und sich die FU besser auf dem Arbeitsmarkt präsentieren kann. Gerade mit Blick auf kommende Tarifauseinandersetzungen ist es deshalb wichtig, die Geschichte dieses Erfolgs richtig zu erzählen.

Sollte das Landesarbeitsgericht entscheiden, dass die Hauptstadtzulage u.a. auch FU-Beschäftigten zusteht, bedeutet das nichts anderes, als dass den Beschäftigten diese Leistung seit dem 1. April 2025 tarifwidrig vorenthalten wurde – in einer Zeit hoher Inflation und erheblicher Reallohnverluste. In Berlin mussten zudem eine Vielzahl an Beschäftigten Klage vor dem Arbeitsgericht einreichen, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt ein Senat unter SPD-Beteiligung, der Beschäftigten und Studierenden Sparzwänge auferlegt und Kolleg*innen in die Arbeitslosigkeit geschickt hat. Erneut mussten Verbesserungen, die tariflich erkämpft wurden, vor Gericht durchgesetzt werden, was überflüssige zusätzliche Kosten verursacht hat.

Dass wir in Zeiten der Kürzungen die Hauptstadtzulage erstreikt haben, sollte uns Streikenden Mut machen, uns nun auch entschieden gegen Kürzungen, den sozialen Kahlschlag und die arbeitnehmerfeindlichen Reformen der Bundesregierung zugunsten einer astronomischen Aufrüstung zur Wehr zu setzen. 

Die ver.di-Betriebsgruppe FU hatte bereits in der Tarifrunde 2023 als zentrale Forderung „1000 Euro mehr für alle!“ vorgeschlagen. Damit wäre für alle Entgeltgruppen bundesweit ein Reallohnverlust zu vermeiden gewesen und „Sonderforderungen“ überflüssig geworden, die oft ein Potenzial für Spaltung beinhalten – so auch die Hauptstadtzulage. Schließlich haben beispielsweise die Beschäftigten der Uni Potsdam im Schnitt nicht geringere Lebenshaltungskosten als ihre Berliner Kolleg*innen. 

Wir fordern deshalb nicht nur gleiche Bezahlung für alle TV-L-Beschäftigten (inkl. der sog. „Anwender“) in Berlin, sondern auch eine entsprechende Zulage in den anderen Bundesländern. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – überall!

Wir fordern, dass die Hauptstadtzulage für alle Sektoren angewandt wird, die derzeit darum kämpfen und den Kürzungen ausgesetzt sind z.B. die sog. Anwender, Beschäftigte freier Träger und landesnaher Einrichtungen sowie den Beschäftigten, die ausgegliedert wurden.

Wir fordern, dass die Hauptstadtzulage nicht nur nachgezahlt, sondern verzinst und die Jahressonderzahlung angepasst wird. Wer 17 Monate auf Geld warten muss, das ihm zusteht, darf daraus keinen finanziellen Nachteil haben.

Außerdem fordern wir, dass die Nachzahlungen steuerlich so behandelt werden, dass den Beschäftigten keine Nachteile entstehen. Die Hauptstadtzulage muss den jeweiligen Anspruchszeiträumen zugeordnet werden.

Ebenso erwarten wir, dass ehemalige Beschäftigte ihre Ansprüche unaufgefordert ausgezahlt bekommen. Gerade vor dem Hintergrund auslaufender Befristungen und der aktuellen Sparmaßnahmen wäre es inakzeptabel, wenn ehemalige Kolleg*innen, die möglicherweise inzwischen arbeitslos geworden sind, ihren Ansprüchen hinterherlaufen müssen.

Gleiches gilt für die Angehörigen verstorbener Kolleg*innen. Auch hier müssen bestehende Ansprüche unaufgefordert an die Hinterbliebenen ausgezahlt werden.

Wir hoffen, wir sehen uns bei den nächsten Protesten und Streiks wieder.

FU-Beschäftigte für eine kämpferische Gewerkschaft

Zuerst veröffentlicht auf: https://gewerkschaftlicher-kampf-fu.de/die-streikenden-der-tv-l-tarifrunde-2023-haben-die-hauptstadtzulage-erkaempft/

„Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg!“

Kommt zum Gewerkschaftsblock auf der Anti-Kriegs-Demonstration am 11. Juli 2026 um 14 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen

Wir als FU-Beschäftige für eine kämpferische Gewerkschaft fordern alle Kolleg*innen zur Teilnahme an der Anti-Kriegs-Demo am 11.7.2026 im Rahmen der Aktionstage vom 10. bis zum 12. Juli auf und schließen uns dem untenstehenden Aufruf von gewerkschaftlichen Basisinitiativen und Gewerkschaftsaktiven an. Inzwischen unterstützt erfreulicherweise auch die GEW Berlin die Demonstration, ver.di leider nicht. Wir fordern die verantwortlichen ver.di-Gremien auf, nicht länger den Zusammenhang zwischen den aktuellen Angriffen auf sämtliche sozialen Errungenschaften und dem Kriegskurs, der Hunderte von Milliarden verschlingt, zu verschweigen. Das ausschließliche Beschwören der „Verteilungsungerechtigkeit“ dient hingegen der Ablenkung von der Hauptursache der Kürzungspolitik und der Bewahrung des „Burgfriedens“.

Lohnabhängige & Gewerkschaften in die Offensive: Keine Waffenproduktion – gemeinsam gegen Krieg

Liebe Kolleg:innen,

im Wedding stellt Rheinmetall derzeit seine Produktion um. Statt Autoteile sollen unsere Kolleg:innen dort demnächst Munition herstellen – 45 Kilogramm schwere Artilleriegeschosse.

Um Arbeitsplätze zu erhalten, so erzählt man uns, muss auf Kriegsproduktion umgestellt werden. Dabei könnten wir genauso gut unsere Fähigkeiten und unsere Arbeitszeit einsetzen, um für die zivilen Bedürfnisse unserer Mitmenschen zu produzieren.

Wir sind alle von der Krise, den Kürzungen und drohender Arbeitslosigkeit betroffen. Kriegsindustrie und Rüstungsproduktion sind aber keine Lösung.

In vielen Bereichen wird wie im Wedding vorgegangen. Erst wird Druck gemacht, mit Kürzungen & Jobverlust gedroht, und dann wird Kriegsertüchtigung als einziger Ausweg durchgesetzt.

Gleichzeitig werden aber zahlreiche Stellen gestrichen, gerade um die Kriegsvorbereitungen zu finanzieren: Familienzentren, Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Wohnungsbau – die öffentliche Daseinsfürsorge wird zerstört.

Während Rheinmetall Unmengen an Profit einfährt, von dem wir als Gesellschaft ganz und gar nichts abbekommen, sterben weltweit unzählige Menschen an diesen Kriegen.

Die Kriegswirtschaft verschlechtert unser Leben und spült Steuergelder in die Hände reicher Konzernchefs. Von den langfristigen Folgen eines Krieges, in den das zwangsläufig mündet, ganz zu schweigen. Im Kriegsfall wird unsere Nachbarschaft zur Zielscheibe.

An vielen Orten in Deutschland findet momentan eine Umstellung von ziviler Produktion auf Rüstung statt. Viele sind damit nicht einverstanden. Und manche haben den Mut, das laut zu sagen. So gibt es zum Beispiel in den Betrieben bei VW und Ford Widerstand gegen die Umstellung. „Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen“, heißt es in einer Erklärung von IGM-Kolleg:innen bei VW, für die sie zahlreiche Unterschriften gesammelt haben. „Nein zur Kriegswirtschaft – Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege!“ lautet wiederum der Titel eines Positionspapiers, dass Vertrauensleute bei den Ford-Werken in Köln auf der IG-Metall-Vollversammlung im Januar 2026 verabschiedet haben. Und auch im Bildungssektor und im gesundheitlichen und sozialen Arbeitsbereich formiert sich immer mehr Protest.

Lasst uns als Lohnabhängige jetzt zusammenhalten, über Berufe und Ländergrenzen hinweg! Unsere Brüder und Schwestern in Frankreich und Italien haben zum Beispiel auch schon viel Erfahrung gesammelt, was wir dagegen tun können. Gemeinsam können wir die Umstellung auf Rüstungsproduktion verhindern ohne in Arbeitslosigkeit und Armut zu rutschen.

Schließen wir uns den Aktionstagen vom 10. bis 12. Juli 2026 im Humboldthain an!

Lasst uns zusammen Alternativen zum Krieg und der weiteren Militarisierung unserer Gesellschaft entwickeln. Gemeinsam, als Anwohner:innen, Kolleg:innen, Gewerkschafter:innen, Auszubildende, Schüler:innen.

Kommt mit uns zur Demonstration am 11. Juli 2026 am Bahnhof Gesundbrunnen.

Erstunterzeichner:innen:

  • Kolleg:innen der AG Frieden in der GEW Berlin
  • Lukas Schmolzi, FU Berlin, ver.di-Vertrauensperson, 1. stellv. Vorsitzender des Personalrats Dahlem
  • Forum Gewerkschaftliche Linke
  • Hans Köbrich, IGM Mitglied, ehemals BMW
  • Namik Sarikaya, IGM VKL Volkswagen Baunatal
  • Suse Ludwig, IGM-Vertrauensfrau, Delegierte Siemens Energy Berlin

Siehe auch:

Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik!

Der hier wiedergegebene Aufruf der FU-Beschäftigten für eine kämpferische Gewerkschaft greift mit „Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik!“ den Titel der Resolution der IG Metall-Vertrauensleute bei Mercedes Benz in Stuttgart Untertürkheim auf.

Gegen die Angriffe auf unsere sozialen Errungenschaften!

Kommt zur Demo: Samstag, 27. Juni 2026 um 12:00 Uhr, Invalidenpark, Berlin

Unter dem Motto “Jetzt reicht’s” rufen der DGB und Bündnispartner zu einer Demonstration auf. Es reicht in der Tat. Fast im Wochenrhythmus werden neue Angriffe gegen sämtliche in den letzten hundert Jahren von der Arbeiterbewegung erkämpfte Errungenschaften verkündet, inzwischen eine fast endlose Liste von Zumutungen, Wegfall des 8-Stunden-Tags, massive Kürzungen bei der Kranken- und Pflegeversicherung (u.a. Wegfall der beitragsfreien Familien­versicherung), beim Wohngeld (1/3 der Bezieher soll keine Unterstützung mehr erhalten), bei der Rente usw. usf.

Und warum das alles? Warum ist “kein Geld da”? Weil Hunderte von Milliarden in die Kriegsvorbereitung und Aufrüstung fließen (“whatever it takes”), finanziert vom Geld der Arbeitenden. Und gleichzeitig wird die Militarisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens vorangetrieben, der Jugend wird mit der schrittweisen Einführung eines verpflichtenden Kriegsdienstes die Rolle als Kanonenfutter zugedacht, die Krankenhäuser werden nicht mehr auf die optimale Versorgung der Bevölkerung ausgerichtet, sondern auf das Behandeln von verletzten Soldaten und während auch an den Hochschulen massiv gekürzt wird, wird Rüstungsforschung massiv gefördert. Das ist die wahre “Bedrohung”, der wir uns ausgesetzt sehen.

Es ist gut und notwendig, dass unsere Gewerkschaften mobilisieren. Die Forderungen des DGB, “Finger weg von der Rente, der Krankenversicherung, der Pflege und vom 8-Stunden-Tag!” sind absolut richtig. Aber die Regierung Merz/Klingbeil hat klargemacht, dass sie ihre Politik der “Kriegstüchtigkeit” und der Angriffe auf unsere sozialen Errungenschaften uneingeschränkt durchsetzen will.

Deshalb stellt sich die Frage, wie will die DGB-Führung ihre Forderungen durchsetzen? Die einzige Antwort im Aufruf und auf der Homepage des DGB ist: “Lasst uns gemeinsam ein starkes Zeichen setzen!” Nun, dieses Zeichen wird bei Merz und Pistorius nur ein müdes Lächeln hervorrufen. Und sehr stark wird es auch nicht sein, weil der DGB nicht zu einer wirklich “gemeinsamen” nationalen Großdemonstration gegen die Regierung in Berlin mobilisiert, sondern zersplittert über mehrere Monate verteilt in verschiedenen Regionen – und auch das nur mit halber Kraft. In Rostock z.B. hat die “Jetzt reicht’s”-Demo schon am 27.05.2026 stattgefunden – nach allen Berichten lediglich mit “mehreren Hundert Teilnehmenden”. Das zeigt, unsere Gewerkschaftsoberen organisieren nur einen symbolischen Protest, d.h. “organisiertes Betteln” darum, dass die Regierung es nicht ganz so schlimm treibt. Die Demonstrationen “Jetzt reicht’s” erscheinen hier als Höhepunkt und nicht als Auftakt für einen wirklichen Kampf gegen die Regierungspolitik.

Wir FU-Beschäftigte für eine kämpferische Gewerkschaft schließen uns der Resolution der IG Metall-Vertrauensleute bei Mercedes Benz in Stuttgart Untertürkheim an. Sie fordern:

Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik! … Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben!”

Nur wirklicher Kampf wird die Regierung stoppen können, nicht hilflose “konstruktive” Bettelei. Dabei ist der Streik das wirksamste Mittel. Die Vertrauensleute stellen fest:

Das Geld was in den Sozialkassen durch die Sparmaßnahmen fehlt, fließt auch in die Aufrüstung. Unsere Jugend soll wieder für die Profite der Konzerne in den Krieg ziehen.”

und fordern eine Kampfperspektive “… Bis hin zum Streik. Und wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.”

Nehmen wir diesen Kampf auch hier auf! Unterstützt uns im Streit für eine kämpferische Gewerkschaftspolitik!

Zuerst veröffentlicht unter https://gewerkschaftlicher-kampf-fu.de/schluss-jetzt-protest-widerstand-streik/

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung