Gaza. Für 2026 kein Ende des Völkermords in Sicht!

Wovor wir seit längerer Zeit gewarnt haben, ist nun eingetreten. Wer noch einen Funken Humanität von Israel und seinen direkten Unterstützern erwaret hat, dem müssten nun endgültig die Augen aufgehen. Gaza. Für 2026 kein Ende des Völkermords in Sicht! Einen Tag vor dem Jahreswechsel meldete die ARD Tageschau:

Nach mehr als zwei Jahren Krieg ist die humanitäre Lage im Gazastreifen weiter katastrophal. Trotzdem untersagt Israel künftig zahlreichen Hilfsorganisationen Einsätze in dem Gebiet. Betroffen ist auch Ärzte ohne Grenzen.

Israel hat am Mittwoch östlich der Stadt Khan Younis im Süden des Gazastreifens schweren Artilleriebeschuss durchgeführt, begleitet von intensivem Feuer aus Militärfahrzeugen. Gleichzeitig flog die israelische Luftwaffe einen Angriff auf die Stadt Rafah, während Bodentruppen ihre Waffen auf die südöstlichen Gebiete der Flüchtlingslager Al-Bureij und Al-Maghasi im Zentrum des Gazastreifens richteten. Auch Kampfhubschrauber intensivierten ihre Angriffe auf Rafah im Süden des Küstengebiets.

Die israelische Politik erfordert trotz „Waffenruhe“ in Palästina mehr zivile Opfer als der heisse Krieg in der Ukraine!

Ebenfalls am Mittwoch wurden dutzende internationale Hilfsorganisationen, die in den palästinensischen Gebieten tätig sind, von den israelischen Behörden darüber informiert, dass sie ihre Büros schließen und ihre Arbeit einstellen müssen. Diese Maßnahmen werden die ohnehin prekäre humanitäre Lage in Gaza und im besetzten Westjordanland weiter verschärfen und den Zugang der Zivilbevölkerung zu lebensnotwendiger Hilfe in unverantwortlicher Weise einschränken. Betroffen sind alle besetzten Palästinensergebiete.

Diese neue Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender israelischer Verstöße von Beginn an gegen die vereinbarte Waffenruhe und fortgesetzter Blockade des Gazastreifens sowie einer sich ins Unergträgliche verschärfenden humanitären Krise.

10 Aussenminister schlagen Alarm. Der deutsche Aussenminsister ist nicht dabei!

Kurz zuvor hatten zehn Außenminister ihre „tiefe Besorgnis“ über die erneute Verschlechterung der humanitären Lage im Gazastreifen zum Ausdruck gebracht und die Situation als „katastrophal“ bezeichnet

In einer gemeinsamen Erklärung der Außenminister von Großbritannien, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, Japan, Norwegen, Schweden und der Schweiz heißt es, dass die Zivilbevölkerung in Gaza mit Beginn des Winters unter entsetzlichen Bedingungen leide. Starke Regenfälle und sinkende Temperaturen verschärften die ohnehin dramatische Lage.

Unter anderem würden rund 1,3 Millionen Menschen dringend Unterstützung bei der Unterbringung benötigen. Mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen arbeiteten nur noch eingeschränk. Der vollständige Zusammenbruch der Abwasserinfrastruktur habe zudem dazu geführt, dass etwa 740.000 Menschen der Gefahr giftiger Überschwemmungen ausgesetzt seien.

Die Außenminister forderten Israel auf, internationalen Organisationen eine nachhaltige und regelmäßige Arbeit zu ermöglichen und den fortgesetzten Einsatz der Vereinten Nationen im Gazastreifen sicherzustellen. Darüber hinaus verlangten sie die Aufhebung „unangemessener Beschränkungen“ für bestimmte Importe, darunter medizinische Ausrüstung und Materialien für Notunterkünfte, sowie die Öffnung der Grenzübergänge, um den Zufluss humanitärer Hilfe nach Gaza deutlich zu erhöhen.

Statt die Lage der Menschen zu erleichtern, reagiert jetzt Israel mit dem Gegenteil. Die Aussenminsister Deutschlands und der USA haben sich der Erklärung nicht angeschlossen.

Bittere Kommentare

Hieran gibt es nichts, aber auch gar nichts zu verteidigen. Et non, ceci n’est pas un cessez-le-feu. Israel ist ein Schurkenstaat.

„Meine Freundin in Gaza hat zwar ihr Zelt noch nicht verloren, aber sie leiden unter der Kälte, Insektenbissen, ihr Mehl ist nass geworden und sie fürchten das für den 1./2. Januar angekündigte Unwetter…“

„Mal schauen, ob Volker Beck und seine Leute die Sache nur beschweigen oder uns auch dieses Vorgehen wieder als legitimen Akt israelischer Selbstverteidigung zu verkaufen versuchen. Dabei ist die Sachlage offensichtlich: Der Vernichtungskrieg in Gaza geht auch nach dem sogenannten Waffenstillstand auf verschiedenen Ebenen weiter und die Bundesregierung sowie weite Teile der deutschen Medien schweigen dazu.“

Erklärungen verpuffen, solange Israel noch von Ländern wie Deutschland und den USA Rückendeckung erhält. Erklärungen versanden, solange sie nicht von Sanktionen und Boykottmassnahmen begleitet werden. Von vielen Menschen und Organisationen wird endlich konsequentes Handeln gefordert!

So hat der Weltkirchenrat diese Woche die Europäische Union aufgerufen, Sanktionen und ein Waffenembargo gegen Israel zu verhängen, angesichts des im Gazastreifen als Völkermord bezeichneten Krieges und der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in den palästinensischen Gebieten, insbesondere im besetzten Westjordanland.

Schweigen zu Gaza und Übergang zu „business as usual“ wie es die offizielle deutsche Politik gern hätte, ist angesichts der aktuellen Entwicklungen unverantwortlich. Die Palästinenser:innen brauchen den Blick der Weltöfflichkeit auf das, was in Palästina wirklich geschieht. Internationale Solidarität und aktive Hilfe ist notwendiger denn je.

Transportsarbeiter:innen durchbrechen weltweit die Lieferketten für Israels Militär.

Die Flotilla bereitet sich auf neue Aktionen zur Durchbrechung der israelischen Blockade vor. Unterstütze und hör nicht auf zu protestieren!

Auch die Freedom Flotilla Coalition ( FFC) plant gemeinsam mit weiteren globalen Initiativen, ihre Missionen und Aktionen zur Durchbrechung und Beendigung der illegalen Blockade des Gazastreifens durch Israel 2026 fortzusetzen und auszuweiten! Wir berichteten!

Aber auch Regierungen müssen wieder mehr durch Proteste und öffentlichen Druck zu konkreten Maßnahmen gezwungen werden.

Hier kannst Du FFC direkt  unterstützen und spenden
Es gibt Grund zur Hoffnung, aktuell zum Neuen Jahr "Schiesst sie auf den Mond - Eindrücke zum Jahreswechsel" 

Fotos: Peter Vlatten

Nehmen wir uns ein Beispiel an den italienischen Gewerkschaften

Wir publizieren einen offenen Brief, den die Dresdener Gruppe des Netzwerkes Gewerkschafter:innen für Gaza am Freitag, 28.11., im Rahmen einer Kundgebung anlässlich des Tages der Solidarität mit dem palästinensischen Volk (29.11.) an die in Dresden niedergelassenen DGB-Gewerkschaften zugestellt und veröffentlicht hat.

Liebe Kolleg*innen,

Warum zeigen unsere Gewerkschaften während des Völkermords keine Solidarität mit unseren palästinensischen Kolleg*innen?

Als Gewerkschaftsmitglieder sind wir entsetzt, dass der DGB die israelische Histadrut besucht, aber nicht einmal ein Wort über Solidarität mit der Palästinensischen Gewerkschaftsföderation verliert. Wir sind verärgert, dass die deutschen Gewerkschaften den Völkermord decken. Anstatt mit der Histadrut zu brechen, die seit jeher die rassistische Apartheidspolitik des Staates Israel unterstützt, feierte der DGB im September 50 Jahre Kooperation mit der Besatzung.

Diese israelische Besatzung ist es, die ein grausames Apartheidssystem umsetzt. Die israelische Besatzung sorgte bereits vor dem 7. Oktober 2023 mit der illegalen Blockade des Gazastreifens dafür, dass in Gaza Massenarbeitslosigkeit herrschte. Im Jahr 2022 waren 45,3% der Bewohner*innen Gazas ohne Arbeit. Unter jungen Erwachsenen lag die Arbeitslosigkeit sogar noch höher. Im Westjordanland lag die Arbeitslosigkeit 2022 bei 13 %. Seit dem 7. Oktober 2023 haben es Palästinenser*innen aus dem Westjordanland allerdings noch schwerer Arbeit zu finden, da viele nicht mehr über die Checkpoints, an denen sie tagtäglich schikaniert wurden, nach Israel einreisen können. Die Arbeitslosigkeit im Westjordanland ist daher laut UN-Angaben bis September 2024 auf 32% gestiegen. Aktuell geht das Palästinensische Statistikbüro von 80% Arbeitslosigkeit in Gaza aus (Stand 20.10.25). Insgesamt haben also 50% aller Palästinenser*innen im arbeitsfähigen Alter aktuell keine Arbeit. Wie kann das dem DGB egal sein?

Wie kann die GEW zuschauen, wenn alle Universitäten und Schulen in Gaza dem Erdboden gleichgemacht werden? Wie kann die ver.di sich hinter die gezielte Tötung von Journalist*innen und medizinischem Personal stellen? Warum schweigt die IG-BAU, während im Westjordanland die letzte Saatgutbank zerstört wird? Wieso äußert sich die NGG nicht über die Hungerblockade gegen Gaza?

Wenn sie sich nicht einmal nach zwei Jahren Genozid klar positionieren können, was werden unsere Gewerkschaften wohl tun, wenn wir Mitglieder existenziell bedroht sind?

Als Gewerkschaftsmitglieder fordern wir, dass die deutschen Gewerkschaften es unseren mutigen italienischen Kolleg*innen gleich tun und zu Massenstreiks aufrufen.

Bei uns gibt es die gleichen Probleme wie in Italien, denn wir sehen uns massivem Sozialabbau gegenüber und unser Staat unterstützt den israelischen Staat aktiv. Zuletzt wurden sogar die kurzzeitig ausgesetzten Waffenlieferungen wieder aufgenommen, obwohl in 44 Tagen 500 Verstöße gegen die Waffenruhe durch Israel registriert wurden, die etwa 350 palästinensische Zivilist*innen getötet und hunderte weitere verletzt haben (Stand 23.11.25).

Als Gewerkschaftsmitglieder fordern wir, dass sich alle deutschen Gewerkschaften der internationalen Boykottbewegung anschließen und ihre Verbindungen mit israelischen Gewerkschaften lösen.

Für ver.di und IG Metall liegen bereits Beschlüsse in den internationalen Verbänden vor, die die deutschen Gewerkschaften seit Jahren missachten. Es sind Jahre, in denen Israel Hunderttausende Palästinenser*innen getötet hat. Daran machen unsere Gewerkschaften sich und uns als Mitglieder mitschuldig. Als Gewerkschafter*innen für Gaza wollen wir diese Mitschuld nicht länger tragen!

Als Gewerkschaftsmitglieder fordern wir, dass alle deutschen Gewerkschaften politisch eingreifen.

Einige Kolleg*innen sind bereits wegen ihres Engagements gegen den Genozid entlassen worden. Es gilt sie zu verteidigen und zu zeigen, dass wir als Gewerkschafter*innen wissen, dass nur internationale Solidarität unsere Lebensgrundlage sichern kann.

Nur der internationale Druck der Arbeiter*innen wird den Völkermord stoppen. Nur wenn die Waffen still stehen, nicht produziert und nicht transportiert werden, kann Krieg verhindert werden. Nur gelebte Solidarität wird dazu beitragen, auch bei uns den Sozialabbau und die Militarisierung aufzuhalten.

Arbeiter*innen schießen nicht auf Arbeiter*innen!
Kein Transport für Völkermord!

Gewerkschafter*innen für Gaza Dresden

Es geht auch anders als hierzulande, siehe Report zu Italien "Erneut Proteste und Streiks in ganz Italien gegen Melonis Sozialen Kahlschlag, Kriegshaushalt und Israelunterstützung"
Dokument zur Rede

Titelbild: Gewerkschafter:innen 4 Gaza Dresden

Genozid in Gaza: Leiser und grausamer seit der ,,Waffenruhe“ – Bericht von Amnesty International

Der nachfolgende alarmierende Bericht von Amnesty International vom 27.11. zur Lage in Gaza wird u. a. untermauert durch eine aktuelle Studie des Max Planck Instituts, wonach die Zahl von direkten Kriegstoten in den ersten beiden Kriegsjahren die bisherigen offiziellen Angaben in Höhe von 67.173 mit höchster Wahrscheinlichkeit um 41 Prozent übersteigt.

„Die mittlere Schätzung der Forscher beträgt 112.069 Menschen. Dazu kommen 1.983 getötete Israelis, heißt es vom israelischen Verteidigungsministerium. Dabei wurden nur diejenigen Menschen gezählt, die direkt durch die Kämpfe gestorben sind – also in den meisten Fällen durch Bombardement der israelischen Luftwaffe“, berichtete Zeit Online am 24. November. [1] https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-11/kriegstote-gazastreifen-opferzahlen-schaetzung [2]https://datawrapper.dwcdn.net/D3kbE

Über die verheerenden indirekten Auswirkungen von Israels fortlaufenden Kriegshandlungen und Blockaden auf Leben und Gesundheit der Zivilbevölkerung zeichnet die Studie folgendes Szenario: „Die Wissenschaftler des Rostocker Max-Planck-Instituts haben auch berechnet, wie sich der Krieg auf die Lebenserwartung im Gazastreifen ausgewirkt hat. Sie lag vor dem Krieg bei 77 Jahren für Frauen und 74 Jahren für Männer. Für das Jahr 2024 errechnen die Demografen einen Wert von 46 Jahren für Frauen und 36 für Männer.“ Für 2025 dürften diese Zahlen sich weiter drastisch verschlechtert haben.

Kaum war der sogenannte Waffenstillstand in Kraft getreten, verkündete Merz, dass es nun keinen Grund mehr gebe, sich auf deutschen Straßen mit Palästina zu solidarisieren. Kurz darauf gab Merz grünes Licht für erneut uneingeschränkte Waffenlieferungen an Israel. Zuletzt kündigte Merz an, den international gesuchten Kriegsverbrecher Nethanyahu im Dezember besuchen zu wollen. Lassen wir uns nicht einlullern!

Amnesty International, 27. November 2025

Israels Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen geht trotz Waffenstillstand unvermindert weiter.


Mehr als einen Monat nach der Verkündung des Waffenstillstands und der Freilassung aller lebenden israelischen Geiseln begehen die israelischen Behörden weiterhin Völkermord an den Palästinensern im besetzten Gazastreifen. Sie fügen ihnen weiterhin bewusst Lebensbedingungen zu, die auf ihre physische Vernichtung abzielen, ohne dass dies eine Änderung ihrer Absicht erkennen lässt, erklärte Amnesty International heute.

In einem heute veröffentlichten Bericht liefert die Organisation eine juristische Analyse des andauernden Völkermords sowie Zeugenaussagen von Anwohnern, medizinischem Personal und humanitären Helfern, die die weiterhin katastrophalen Bedingungen für die Palästinenser im Gazastreifen verdeutlichen.

Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International erklärte:

Die Waffenruhe birgt die Gefahr, eine gefährliche Illusion zu erzeugen, dass das Leben in Gaza zur Normalität zurückkehrt. Zwar haben die israelischen Behörden und Streitkräfte das Ausmaß ihrer Angriffe reduziert und begrenzte humanitäre Hilfe nach Gaza zugelassen, doch die Welt darf sich nicht täuschen lassen. „Israels Völkermord ist noch nicht vorbei“!

Israel hat den Palästinensern im Gazastreifen durch seinen Völkermord, darunter zwei Jahre unerbittlicher Bombardierungen und systematischer Aushungerung, verheerendes Leid zugefügt. Bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Israel ernsthafte Maßnahmen ergreift, um die tödlichen Folgen seiner Verbrechen rückgängig zu machen, und keine Beweise dafür, dass sich seine Absicht geändert hat. Im Gegenteil, die israelischen Behörden setzen ihre rücksichtslose Politik fort, indem sie den Zugang zu lebenswichtiger humanitärer Hilfe und grundlegenden Dienstleistungen einschränken und bewusst Bedingungen schaffen, die darauf abzielen, die Palästinenser im Gazastreifen physisch zu vernichten“

Mindestens 327 Menschen, darunter 136 Kinder, wurden seit der am 9. Oktober verkündeten Waffenruhe bei israelischen Angriffen getötet. Israel beschränkt weiterhin den Zugang zu lebenswichtigen Hilfsgütern, darunter medizinische Güter und Ausrüstung zur Instandsetzung der Infrastruktur, und verstößt damit gegen mehrere Anordnungen des Internationalen Gerichtshofs (IGH), die Israel verpflichten, den Palästinensern den Zugang zu humanitärer Hilfe zu gewährleisten. Diese Anordnungen wurden von Südafrika in dem von Israel angestrengten Verfahren zur Verhinderung des Völkermords erlassen. Im Januar 2024 stellte der IGH fest, dass die Rechte der Palästinenser gemäß der Völkermordkonvention, insbesondere ihr Überleben, plausibel gefährdet seien.

Die objektive Wahrscheinlichkeit, dass die gegenwärtigen Bedingungen zur Vernichtung der Palästinenser im Gazastreifen führen, bleibt bestehen, insbesondere angesichts der erhöhten Anfälligkeit der Bevölkerung für Krankheiten und die Ausbreitung von Seuchen nach monatelanger Hungersnot infolge der jahrelangen völkerrechtswidrigen Blockade und der monatelangen vollständigen Belagerung Anfang dieses Jahres. Dies hat Umstände geschaffen, die zu einem langsamen Tod der Palästinenser aufgrund des Mangels an angemessener Nahrung, Wasser, Unterkunft, Kleidung und sanitären Einrichtungen führen würden.

Obwohl sich die Lage in geringem Maße verbessert hat, schränkt Israel die Einfuhr von Hilfsgütern und die Wiederherstellung lebensnotwendiger Dienstleistungen für die Zivilbevölkerung weiterhin massiv ein. Dies geschieht unter anderem durch die Blockierung der Einfuhr von Ausrüstung und Material, die für die Reparatur lebenswichtiger Infrastruktur sowie für die Beseitigung von Blindgängern, kontaminierten Trümmern und Abwässern benötigt werden. All dies birgt ernsthafte und potenziell irreversible Risiken für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt. Israel beschränkt zudem die Verteilung von Hilfsgütern, beispielsweise durch die Einschränkung der Organisationen, die im Gazastreifen Hilfsgüter verteilen dürfen. Eine bloße Erhöhung der Anzahl der Lkw, die in den Gazastreifen fahren, reicht nicht aus. Laut OCHA nehmen die Haushalte zwar mittlerweile zwei Mahlzeiten pro Tag zu sich (im Juli war es nur eine), doch die Ernährungsvielfalt bleibt gering. Viele Familien haben weiterhin keinen Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst und Eiweiß, und Lebensmittel wie Eier und Fleisch sind knapp oder unerschwinglich.

Israels systematische Vertreibung der Palästinenser aus fruchtbarem Land geht unvermindert weiter. Derzeit ist das israelische Militär in etwa 54–58 % des Gazastreifens stationiert. Israel schränkt den Zugang der Palästinenser zum Meer weiterhin massiv ein. Es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen, um die Folgen der massiven Zerstörung von Ackerland und Viehbeständen in den letzten zwei Jahren abzumildern. Insgesamt bedeutet dies, dass die Palästinenser praktisch vollständig von jeglicher eigenständigen Existenzsicherung abgeschnitten sind.

Agnès Callamard sagte:

„Die Palästinenser sind weiterhin in weniger als der Hälfte des Gazastreifens gefangen, in Gebieten, die am wenigsten lebensfreundlich sind, und die humanitäre Hilfe ist nach wie vor stark eingeschränkt. Auch heute noch, trotz wiederholter Warnungen internationaler Gremien, dreier rechtsverbindlicher Anordnungen des Internationalen Gerichtshofs und zweier Gutachten des IGH, und trotz Israels Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht und den internationalen Menschenrechtsnormen, sowohl als Besatzungsmacht als auch als Konfliktpartei, verweigert Israel der Zivilbevölkerung im Gazastreifen weiterhin vorsätzlich die notwendigen Hilfsgüter. „

Darüber hinaus haben die israelischen Behörden es versäumt, die mutmaßlichen Verantwortlichen für Völkermordhandlungen zu ermitteln oder strafrechtlich zu verfolgen und Beamte, die völkermörderische Äußerungen getätigt haben, zur Rechenschaft zu ziehen. Selbst der Waffenstillstand kam nur durch internationalen Druck, unter anderem vonseiten der Vereinigten Staaten, zustande und nicht durch eine ausdrückliche Kursänderung Israels.

„Israel muss seine unmenschliche Blockade aufheben und den ungehinderten Zugang zu Nahrungsmitteln, Medikamenten, Treibstoff sowie Wiederaufbau- und Reparaturmaterialien gewährleisten. Israel muss zudem konzertierte Anstrengungen unternehmen, um die kritische Infrastruktur wiederherzustellen, die Grundversorgung zu sichern, den Vertriebenen angemessene Unterkünfte zu bieten und ihre Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen“, sagte Agnès Callamard.

In den letzten Wochen mehren sich die Anzeichen, dass die internationale Gemeinschaft den Druck auf Israel zur Beendigung der Menschenrechtsverletzungen verringert.

Die neu verabschiedete UN-Resolution zur Zukunft des Gazastreifens enthält keine klaren Verpflichtungen zur Wahrung der Menschenrechte oder zur Gewährleistung der Rechenschaftspflicht für Gräueltaten. Zuletzt berief sich die Bundesregierung auf den Waffenstillstand, als sie die Aufhebung der Aussetzung bestimmter Rüstungsexportlizenzen an Israel ab dem 24. November ankündigte. Auch eine geplante Abstimmung über die Aussetzung des EU-Israel-Handelsabkommens wurde ausgesetzt.

Israelische Verantwortliche, die für die Planung, Überwachung und Durchführung des Völkermords zuständig sind, bleiben an der Macht. Dass sie nicht nachweisen können, dass sie oder ihre Regierung zur Rechenschaft gezogen werden, gibt ihnen faktisch freie Hand, den Völkermord fortzusetzen und weitere Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen und im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalems, zu begehen.

„Die Waffenruhe darf nicht als Deckmantel für Israels andauernden Völkermord dienen. Israels Vorgehen im Gazastreifen, einschließlich der vorsätzlichen und rechtswidrigen Verweigerung lebensrettender Hilfe für Palästinenser, von denen viele verletzt, unterernährt und von schweren Krankheiten bedroht sind, gefährdet weiterhin ihr Überleben. Die internationale Gemeinschaft darf nicht tatenlos zusehen: Staaten müssen den Druck auf Israel aufrechterhalten, damit es ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe gewährt, die rechtswidrige Blockade aufhebt und den andauernden Völkermord beendet. Unternehmen müssen unverzüglich alle Aktivitäten einstellen, die zum israelischen Völkermord beitragen oder in direktem Zusammenhang damit stehen“, sagte Agnès Callamard.

Titelbild : Collage Peter Vlatten

Wichtig: zur aktuellen Auseinandersetzung um die Palästinasolidarität in der Linken: 
"Der Rausschmiss von Ramsis aus der Linken trennt die Spreu vom Weizen – kommt eine Empörungswelle von links?"

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung