Arbeitskampf bei Gillette: »So begannen wir, Kontakte zu knüpfen«

Wie gelingt Zusammenarbeit über den eigenen Betrieb hinaus? Jutta Schneider hat es bei Gillette erfahren

Christian Lelek interviewt Jutta Schneider

Bild: Gillette-KollegInnen aus England, Frankreich, Italien und Spanien au der 1.Mai-Demo in Berlin 1990. Henschel, BR Gillette Berlin

Frau Schneider, unsere Zeit ist durchzogen von internationalen Krisen und Auseinandersetzungen. Soziale Errungenschaften werden abgewickelt. In Deutschland steht der Achtstundentag zur Debatte. In den Nachrichten reihen sich Meldungen von Standortverlagerungen und Stellenabbau aneinander. Sie haben vor fast 30 Jahren für den globalen Konzern Gillette gearbeitet und versucht, einen Angriff der Unternehmensführung durch den Zusammenschluss mit den Belegschaften anderer europäischen Standorte abzuwehren. Was war da los?

Das war 1986. Die Geschäftsleitung wollte die Betriebsnutzungszeit auf 144 Stunden pro Woche ausdehnen. Das Werk sollte nicht mehr nur fünfmal 24 Stunden, sondern sechsmal 24 Stunden laufen – unter Einbeziehung des Samstags in die regelmäßige Arbeitszeit. Da gab es von vornherein im Produktionsbereich eine riesige Ablehnung. Die Leute dachten an ihr eigenes Leben und daran, wie schlecht es wäre, an Samstagen auch in die Fabrik zu müssen. Im Betriebsrat war die Meinung sehr gespalten. Die Spitze wollte die Änderung möglich machen. Wir aber wollten uns dagegen wehren. Die Geschäftsleitung behauptete, die anderen Fabriken in England, Frankreich und Spanien hätten der Samstagsarbeit zugestimmt. Das wollten wir nicht glauben. Und so begannen wir, aus einem reinen Informationsbedürfnis Kontakte zu knüpfen.

Wie können wir uns die Szenerie am Standort in Westberlin vorstellen?

In unserem Werk in Tempelhof wurden in erster Linie Rasierklingen hergestellt. Ungefähr 1500 Leute haben da gearbeitet, davon vielleicht 1000 in der Produktion. Die Hälfte waren Frauen. Und speziell im Produktionsbereich gab es viele Arbeitsmigranten, zunächst hauptsächlich aus Jugoslawien, dann auch aus der Türkei und Vietnam. Menschen aus 30 Nationen waren bei uns beschäftigt. Als ich 1973 ins Werk kam, gab es einige aktive IG-Metaller. Da habe ich ganz schnell Anschluss gefunden und mitgemacht, wurde Vertrauensfrau und später Betriebsratsmitglied. Wir haben immer an Tarifbewegungen teilgenommen. Besonders für die unteren Lohngruppen haben wir uns eingesetzt. Dabei war die Arbeitszeit eigentlich immer eines der Hauptthemen.

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Als Sie dann versucht haben, Verbindungen ins Ausland aufzubauen, wie sind Sie dabei vorgegangen?

Das war gar nicht so einfach. In der IG Metall gab es große Vorbehalte zum Beispiel gegenüber spanischen sozialistischen Gewerkschaften. Damals war die Gewerkschaftswelt ja noch gespalten in zwei Gewerkschaftsbünde, in den sogenannten westlichen und in den sozialistischen Block. Wir mussten selbst die Verbindung herstellen. Wir hatten glücklicherweise Kontakte zur evangelischen Industriejugend, die hat entscheidend mitgeholfen.

Was brachte der erste Austausch dann zutage?

Wir erfuhren die realen Arbeitszeiten aus Spanien. Wir erfuhren, dass die englischen Kollegen schon einen Überstundenboykott durchgeführt hatten im Kampf gegen Wochenendarbeit. Und wir erfuhren von den französischen Kollegen, dass man dort schon munkelte und drohte, die Fabrik zu schließen. So kam es 1988 recht schnell zu einem ersten Treffen, einem Besuch von französischen Kollegen in Berlin. Die Geschäftsleitung schoss aus allen Rohren gegen diese Zusammenarbeit. Den Franzosen wurde der Zutritt zum Werk verboten und unsere Stunden, die wir für die Verbindungsarbeit aufwanden, wurden nicht als Betriebsratsarbeit anerkannt.

Sie konnten also die Angaben der Geschäftsleitung widerlegen.

Es waren überall Auseinandersetzungen und überall waren die Belegschaften in Aktion. Allerdings kam es bereits 1987 in Berlin zu einer Vereinbarung, die die Samstagsarbeit ermöglichte. Parallel wurde die individuelle wöchentliche Arbeitszeit verkürzt auf 32 Stunden. Für die Einzelnen war das kein schlechter Abschluss. Dennoch setzte der Konzern letztlich die längere Betriebsnutzungszeit in Berlin und in England durch. Und in Frankreich passierte genau das, was die Kollegen befürchtet hatten, das Werk in Annecy wurde 1991 geschlossen. Unsere Kontakte haben das nicht verhindert.

Warum haben Sie dieser Betriebsvereinbarung zugestimmt?

Das war aufgrund einer Belegschaftsabstimmung unumgänglich. Wobei wir kritisiert haben, dass die Leute aus dem gesamten Werk teilgenommen haben und nicht nur die Betroffenen. Es ist ein Unterschied, ob du ein Schichtarbeiter bist und das in Zukunft machen musst, oder ob du in der Vertriebsorganisation arbeitest und meinst, es wäre ganz gut, wenn die Leute in der Produktion das machen würden. Die Stimmung war eigentlich immer noch gegen die Wochenendarbeit. Besonders die Frauen wollten nicht am Wochenende arbeiten, viele haben auch aufgehört, weil sie die Arbeit nicht mehr mit ihrem Familienleben vereinbaren konnten. Aber man garnierte die Vereinbarung mit einer Art Freiwilligkeit. Wer Erfahrung hat, der weiß: Was am Anfang freiwillig ist, das kommt nachher für alle. Darüber hinaus waren wir Oppositionellen zu der Zeit eine Minderheit im Betriebsrat.

Dennoch war es mit der Verbindungsarbeit nicht vorbei. Wie ging es dann weiter?

Die erste sogenannte Konferenz fand im Februar 1989 in Frankreich statt. Da haben wir unserem Bündnis auch den Namen Gisel (Gillette Inter Syndicale Européenne de Liaison) gegeben. Aus Berlin waren wir sechs Leute, aus dem Betriebsrat und der damals Erste Bevollmächtigte der IG Metall. Unsere Arbeit überzeugte mit der Zeit Teile der Gewerkschaft und den Rest des Betriebsrats. Die Arbeitgeber mussten das schlucken, dass die internationale Zusammenarbeit von nun an Bestandteil der Betriebsratsarbeit war.

Woher stammten Zeit und Geld für die Vernetzung?

Am Anfang war das alles Freizeit und wir mussten schauen, dass wir eigenen Urlaub nehmen und die Fahrtkosten aufbringen. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem die IG Metall aufgesprungen war, übernahm sie die Kosten. Im Laufe der Zeit konnten wir dann auch die Freistellung beim Arbeitgeber durchsetzen.

Wie haben Sie Ihre Kolleg*innen davon überzeugt, dass internationale Solidarität eine Ressource sein kann?

Das Wort Solidarität kam gar nicht groß vor. Wir sprachen von Zusammenarbeit, von Unterstützung von Verhandlungen auf der Basis authentischer Informationen. Das hat die Belegschaft kapiert, dass ein Betriebsrat wissen muss, was in anderen Standorten mit der gleichen Produktionspalette geschieht. Wir haben die Belegschaft immer befragt und einbezogen, auf der Betriebsversammlung berichtet, etwa davon, dass das zusammenhängt: Wenn die Betriebsnutzungszeit in zwei Werken um 20 Prozent steigt, gibt es Gründe, ein anderes Werk zu schließen.Also, Zusammenhänge erklären, das war nicht so schwer, das verstehen die Kollegen schon.

Das Ziel, alle Werke und die Arbeitsplätze zu erhalten, haben Sie am Ende aber nicht erreicht. Wann wurde Ihnen das klar?

Das hat überhaupt nicht funktioniert. Ausschlaggebend war die politische Wende in Europa. Wie viele andere Konzerne hatte Gillette da längst seine Vorbereitungen getroffen, um in Osteuropa zu expandieren. Neue Werke entstanden in der Tschechoslowakei und in Polen und die westeuropäischen Werke wurden nacheinander geschlossen: Frankreich zuerst, 1994 Spanien und zehn Jahre später auch England. Der Konzern hat sich vollkommen umorientiert. Das konnten wir nicht verhindern. Dadurch hat sich unser Netzwerk natürlich auch vollkommen verändern müssen. Wir Berliner waren übrig geblieben. Mit den Kollegen aus Tschechien und aus Polen haben wir Beziehungen geknüpft, die nach Polen bis heute bestehen.

Die Belegschaften aller Standorte sind miteinander vernetzt, man hat Informationsstrukturen aufgebaut. Ist es da ein unrealistisches Ziel, dass die Beschäftigten im Zweifelsfall an allen Standorten die Bänder anhalten und erst wieder hochfahren, wenn Werksschließungen vom Tisch sind?

Ich glaube schon. Eine ganze Fabrik anhalten wäre schön. Aber die Idee, in einem Produktionsbereich für ein bestimmtes Produkt alle Standorte auf ewig zu erhalten, die halte ich auch für unrealistisch. Wenn zum Beispiel durch den Fortschritt der maschinellen Fertigung viel mehr produziert wird pro Arbeitstag, dann kann jeder ausrechnen, dass man weniger Arbeitsstunden braucht, um eine Milliarde Klingen herzustellen. In einer gemeinsamen Resolution haben wir den Erhalt aller Standorte gefordert. Aber so weit ging unsere Macht nicht.

In einer so enorm polarisierten Welt, welche Rolle spielen da die vergleichsweise kleinen betrieblichen Auseinandersetzungen?

Wir sollten die Welt der Arbeit ins Zentrum unserer sozialen Auseinandersetzungen stellen, sie dominiert ja unsere Leben. Von ihrer Gestalt, etwa dem Achtstundentag, hängt ab, ob und wie sehr wir uns politisch engagieren können. Zum guten Leben gehört, dass man überhaupt den Kopf frei hat für die anderen Probleme, die jetzt alle wichtiger finden. In der Zusammenarbeit sollten wir immer weiter daran arbeiten, eigene Standards und eigene rote Linien aus den Belegschaften heraus zu erarbeiten. Ob man die dann alle einhalten kann, weiß ich nicht. Aber wir müssen einfach so zusammenarbeiten, dass wir sagen können, zum Beispiel eine regelmäßige Arbeitszeit über acht Stunden machen wir nicht. Machen wir nirgends in Europa. Das wäre so eine Parole, die ich gut finden würde.

Mit Blick auf die Geschichte ihrer internationalen Auseinandersetzungen diskutiert die IG Metall Berlin, wie internationale Solidarität heute gelingen kann. Mittwoch, 15. Oktober, 17 bis 19 Uhr, IG Metall Haus, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin

Foto: privat

Foto: privat

Jutta Schneider arbeitete von 1973 bis 2018 bei Gillette in der Qualitätskontrolle. Einen Beruf hat sie nicht gelernt. Sie wurde bald Vertrauensfrau der IG Metall und später in den Betriebsrat gewählt. Ab 1994 war sie Vorsitzende des Betriebsrats. Mittlerweile ist Schneider im Ruhestand.

Erstveröffentlicht im nd v. 10.10. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1194694.internationale-solidaritaet-arbeitskampf-bei-gillette-so-begannen-wir-kontakte-zu-knuepfen.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Helios-Therapeut:innen durchbrechen Lohnmauer

Verdi gibt in einer Presseerklärung vom 6.8. bekannt: die Helios-Therapeut:innen haben nach „hartem Kampf“ einen Durchbruch geschafft. Sie werden bis Anfang 2027 die volle Lohnangleichung zur Helios Kernbelegschaft erreichen.

Wieder einmal – nach CFM – zeigt sich: je intensiver der Streik, desto größer die Erfolge. Die Spaltung in zwei Klassen Belegschaften kann überwunden werden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit kann durchgesetzt werden. Merken wir uns das für die zukünftigen Tarifrunden! Nicht langanhaltende Verhandlungsnächte bringen den entscheidenden Erfolg. Die Kapitalseite muss die Verluste zu spüren bekommen, wenn wir ihr unsere Arbeitskraft vorenthalten und sie muss davon überzeugt werden, dass wir dabei einen längeren Atem haben, bis zählbare Zugeständnisse für uns auf dem Tisch liegen.

Die Einigung konnte nach 76 Tagen Streik, davon 43 am Stück – erzielt werden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Dazu heißt es in der Presseerklärung von Verdi:

Rückwirkend zum 1. Juli soll ein Tarifvertrag gelten, in dem für das laufende Jahr eine Entgelterhöhung von 15 % vereinbart wird. (….)

Darüber hinaus wird im September eine Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro für Vollzeitbeschäftigte (Teilzeitbeschäftigte anteilig) ausgezahlt.

Ab dem 1. Januar 2026 erhalten die ca. 50 Therapeut:innen 95 % des Tabellenentgelts des Helios-Konzerntarifvertrags, ab dem 1. Januar 2027 dann 100 % der Helios-Entgelte zum dann gültigen Zeitpunkt. In der Spitze ergeben sich damit Entgeltsteigerungen für die Beschäftigten von bis zu 1.660 Euro über 1,5 Jahre.

Verbesserungen gibt es auch bei der Jahressonderzahlung (über mehrere Jahre ansteigend auf 90 % eines Monatsgehalts), der Arbeitszeit (diese wird zum 1. Januar 2026 von 40 auf 38,5 Stunden gesenkt) sowie durch die Einführung von Zuschlägen für Mehrarbeit und Wochenendarbeit.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Beschäftigte bei Tiktok legen am Montag erneut die Arbeit nieder

Tiktok ist ein internationaler Medienkonzern mit chinesischer Herkunft und Kapitalmehrheit. Das Unternehmen ist Bestandteil der Plattformökonomie. Diese verkörpert einen neuen ökonomischen Sektor, der top down über das Internet aufgezogen wurde. Potente Investoren haben diesen Weg gewählt, um das ökonomische Geschehen aus der Retorte neu zu entwickeln. So gedenken sie auch den Aufbau von gewerkschaftliche Strukturen und die Einbindung in gewachsene Tariflandschaften zu umgehen. Natürlich übt dieser Sektor dadurch auch einen starken Druck auf Betriebe aus, in denen gewerkschaftliche Standards erkämpft wurden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass diese auch hier wachsen, um dem Prekarierungssog etwas entgegenzusetzen. Diese Erkenntnis ist nun auch bei den Gewerkschaften angekommen und sie trägt erste Früchte. Der Arbeitskampf bei Tiktok ist das aktuellste Beispiel. Es zeigt ferner, dass chinesische Unternehmen nach der gleichen kapitalistischen Logik funktionieren wie alle anderen. Unsere sollte das auch: Auch in der Plattformökonomie sitzen wir mit unsereins im gleichen Boot. Ob in Schanghai, London, Los Angeles oder in Berlin. Über Solidaritätsbotschaften werden sich die Kolleg:innen freuen. (Jochen Gester)

Bild: »Wir trainierten eure Maschinen. Zahlt uns, was wir verdienen«, steht auf dem Banner der Tiktok-Beschäftigten. Foto: nd/Christian Lelek

Streik bei Tiktok

Zweite Runde gegen Management und KI
s. dazu auch https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192689.arbeitskampf-massenentlassung-bei-tiktok-in-konkurrenz-zu-einer-ki.html

Von Christain Lelek

Die Social-Media-Plattform Tiktok will Stellen abbauen. Statt mit der Gewerkschaft Verdi über einen Tarifvertrag zu verhandeln, zieht Tiktok den Betriebsrat vor Gericht. Verdi kritisiert zudem »Einschüchterungsversuche« von Streikenden.

Im Streit um 165 Arbeitsplätze bei der Social-Media-Plattform Tiktok hat die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. Am kommenden Montag sollen die Beschäftigten die Arbeit niederlegen. Verdi kritisiert die geringe Verhandlungsbereitschaft des chinesischen Unternehmens und berichtet von »Einschüchterungsversuchen gegenüber Beschäftigten« in Zusammenhang mit ihrer Streikteilnahme.

Tiktok hat angekündigt in Berlin 150 Mitarbeiter*innen aus der Content-Management-Abteilung entlassen zu wollen. Sie kontrollieren die hochgeladenen Inhalte. Die Arbeit soll laut Verdi künftig von einer Künstlichen Intelligenz (KI) und externen Dienstleistern verrichtet werden. Weitere 15 Stellen sollen bei der Streaming-Plattform Tiktok-Live abgebaut werden. Die Gewerkschaft will im Rahmen eines Sozialtarifvertrags mit Tiktok eine verlängerte Kündigungsfrist von einem Jahr sowie Abfindungszahlungen in Höhe von drei Jahresgehältern vereinbaren.

Sowohl Tiktok Germany als auch der Mutterkonzern Bytedance reagierten bisher nicht auf Anfragen von »nd«. Verdi gibt an, eine Tarifkommission gebildet zu haben und mehrere Gesprächsangebote unterbreitet zu haben. Tiktok verhandelt bis jetzt allerdings nur im Rahmen seiner gesetzlichen Verpflichtung über einen Sozialplan mit dem Betriebsrat. Dieser hat die bisher vorgelegten Angebote wiederum als unzureichend abgelehnt. Angaben der Gewerkschaft zufolge wird der Streit zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung ebenfalls am Montag vor dem Berliner Arbeitsgericht verhandelt.

»Statt Falschinformationen zu streuen, sollte Tiktok endlich an den Verhandlungstisch kommen.«Kathlen Eggerling Verdi-Gewerkschaftssekretärin

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Verdi die Berliner Niederlassung von Tiktok Germany bestreikt. Die Entscheidung für einen weiteren Warnstreiktag sei noch am Mittwoch auf einer Bootstour gefallen, an der 100 der 400 Beschäftigten teilnahmen. Das berichtet das Verdi-eigene Medienmagazin »M – Menschen Machen Medien«.

Im laufenden Arbeitskampf wirft Verdi der Unternehmensführung »Falschinformationen« und »Einschüchterungsversuche« vor. In einer auf Englisch verfassten internen Mitteilung vom Mittwoch soll Tiktok erklärt haben, dass Mitarbeiter*innen, die ihre Streikteilnahme nicht vorab angekündigt haben, gegen geltendes Recht verstoßen hätten. Mit entsprechenden Mitarbeiter*innen hätte Tiktok Einzelgespräche angekündigt. Die Mitteilung liegt »nd« vor. »Niemand muss seine Streikbeteiligung im Vorfeld anmelden. Statt Falschinformationen zu streuen, sollte Tiktok endlich an den Verhandlungstisch kommen«, erklärte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Kathlen Eggerling.

Im vergangenen Herbst hatte Bytedance die weltweiten Pläne zum Stellenabbau in der Moderation von Inhalten bei Tiktok angekündigt und bald darauf in Südostasien umgesetzt. Dem Unternehmen nach wurden bereits damals 80 Prozent »verletzender Inhalte« von »automatisierten Technologien« entfernt.

Erstveröffentlicht im nd v. 25.7. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192870.arbeitskampf-in-berlin-streik-bei-tiktok-zweite-runde-gegen-management-und-ki.html?sstr=Lelek

Wir danken für das Publikationsrecht

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