Gaza: Der Berliner Schweigemarsch setzt ein mutiges Zeichen

Bilder: Peter Vlatten, Jochen Gester

Parallel zur Solidaritätskundgebung mit den Opfern des islamistischen Anschlags im Tiergarten versammelten sich gut 500 Teilnehmer:innen vor dem Haus der Berliner Ärztekammer in der Friedrichstraße und zogen nach einer Auftaktkundgebung über die Linden zum Reichtstag und beendeten die Aktion mit einer Kundgebung auf den Reichtstagswiesen.

Trotz einsetzendem Starkregen blieben die meisten bis zum Schluss der Kundgebung, die ein starkes Zeichen der Solidarität mit der Bevölkerung Palästinas gegen den genozidalen Krieg Iraels setzte und sich insbesondere für das Leben und die Freilassung des Kinderarztes Hussam Abu Safiya und weiterer über 80 rechtswidrig gefangener medizischer Fachkräfte in Gaza stark machte. Kern des Schweigemarsches waren Angehörige des Gesundheitswesens, die die Organisatoren medico international, IPPNW und medsolidar mobilisieren konnten und hier zum Teil in ihrer Berufskleidung Gesicht zeigten. Auf der von der IPPNW moderierten Abschlusskundgebung sprach eine deutsche Ärztin, die in ihrem Beitrag heraushob, dass es wichtig sei, dass auch aus Deutschland Gesundheitsarbeiter:innen hier mit dieser Aktion öffentlich ihre Stimme erheben. Sie wollte auch keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass die Angriffe der israelischen Armee das Ziel haben, das Gesundheitswesen zu zerstören, damit die Menschen keine Bleibeperspektive mehr haben. Eine Rechtsanwältin, die seit 2024 auf juristischen Umwegen gegen die Waffenlieferungen der Bundesregierung nach Gaza klagt, verdeutlichte, sie sähe ihre Aufgabe darin, ständig auf den Widerspruch hinzuweisen, der zwischen wohlfeilen Erklärungen und der realen Politik Deutschlands im Nahen Osten bestünde. Auch sei kaum bekannt, dass es bei uns keine Klagemöglichkeiten gegen Waffenlieferungen gibt, was in andern Ländern Europas jedoch durchaus der Fall sei. Das zu ändern sei eine gemeinsame Anstrengung wert. Den eindringlichsten Beitrag, den wir im Folgenden hier auch mit seiner Zustimmung veröffentlichen, hielt der palästinensische Arzt Quassem Massri. In der nächsten Woche soll es ein Gespräch von IPPNW und Amnesty International mit dem Außenminister geben. Wir hoffen, dass der Druck auf die politische Verantwortlichen steigt und bleiben am Ball.


Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Anwesende,

ich grüße Sie und möchte gern in palästinensischer Tradition meine Rede mit einem Gedicht anfangen:

Wir lieben das Leben, wenn wir einen Weg dazu finden…

Tanzen zwischen einem Märtyrertod und Märtyrertod

Wir stehlen der Seidenraupe einen Faden um uns einen Himmel zu bauen

Wir öffnen das Gartentor damit der Jasmin ausziehe auf die Straßen als schöner Tag….

Wir lieben das Leben, wenn wir einen Weg dazu finden“

Niemand verkörperte und lebte dieses Gedicht mehr als das medizinische Personal in Gaza, belagert im Krankenhaus und dennoch nicht eingeschüchtert, entführt und inkarzeriert dennoch standhaft geblieben, gefoltert und ermordet und trotzdem bis zum letzten Atemzug an der Seite der Patienten geblieben, mit nichts weiter bewaffnet außer dem Heilauftrag und ihrem Glauben.

Ich freue mich, dass wir Kollektiv deutscher Ärzte und Ärztinnen endlich längst fällige sichtbare Aktionen in Solidarität mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Gaza organisieren. In den letzten 2,5 Jahren wurden 1600 medizinische Mitarbeiter in Gaza gezielt getötet, alle 36 Krankhäuser und medizinische Einrichtungen in Gaza wurden durch die israelische Armee angegriffen und zerstört. In Deutschland herrschte Schweigen.

Doch heute geht’s ganz besonders um die medizinischen Fachkräfte, die weiterhin in israelischer Geiselnahme unter schlimmsten Bedingungen sein müssen, die direkten Augenzeugen eines genozidalen grausamen Verbrechens, das täglich live übertragen wurde und immer noch anhaltend ist.

Es geht um Dr. Hussam Abusaffiyya und seine 82 Kollegen, die vor Monaten entführt wurden, nur für die Erfüllung ihrer medizinischen Pflicht.

Ich habe die besondere Ehre gehabt Teil des ersten medizinischen Teams gewesen zu sein,das in den Norden des Gazastreifens nach Monatelanger militärischer Isolation gehen konnte und an der Seite von Dr. Hussam Abusaffiyya arbeiten durfte, im mittlerweile zerbombten und nicht mehr existierenden Kamal Edwan Krankenhaus.

An der Seite von Dr. Hussam und seinem ärztlichen Team zu Arbeiten war eine Erfahrung, die einen mit Demut und Inspiration erfüllt. Dr. Hussam ist wie ich ein Kinderintensivmediziner, der ärztliche Direktor einer sehr kleinen Kinderklinik, die zum Maximalversorger werden musste, nach Zerstörung der anderen Krankhäuser.

Dort wurde uns vorgelebt, wie Ärzte und medizinisches Personal die Werte der Medizinethik sogar angesichts des Todes einhalten. Selbstlos, standhaft und immer hilfsbereit.

Dr. Hussam und sein Team lebten im Krankenhaus und waren 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche verfügbar zur Behandlung von Hunderten von schwer verletzten Kindern und Erwachsenen auf engstem Raum unter extremer Materialknappheit. Nie einen Dank erwartet, nicht mal ein Gehalt bekommen.

Lebhaft erinnere ich mich daran wie die Kolleginnen und Kollegen von den Angriffen auf das Krankhaus und dem Stromausfall erzählten, wie Frühgeborene Stundenlang mit der Hand beatmet wurden nach Ausfall aller Beatmungsgeräte.

Dr. Hussam Abusaffiyya, der bis zur letzten Sekunde an der Seite seiner Patienten und seiner Mitarbeiter blieb, auch als sein eigener Sohn ermordet wurde, der im Hof des Krankhauses begraben werden musste.

Es ist jetzt 2 Jahre her, dass ich in Gaza mit der medizinischen Mission war, weil seit ganzen 2 Jahren kein einziger Arzt oder Ärztin mit palästinensischen Wurzeln sogar bis zur dritten Generation an medizinische Missionen für Gaza teilnehmen darf. Eine rassistische menschenverachtende Regel der israelischen Armee, die leider von internationalen medizinischen Organisationen übernommen wurde.

Ich stehe hier als einer von vielen palästinensischen Ärzten, die in Deutschland leben und viele Patienten versorgen. Doch unserem persönlichen und familiären Leid und dem Leid palästinischer Fachkräfte, standen sowohl Die Bundesregierung als alle deutschen Ärztekammern gleichgültig gegenüber.

Ich hoffe das heute unsere Stimme laut genug ist, sodass die deutsche Bundesregierung endlich seine Beteiligung am Genozid in Gaza beendet und sich für die Freilassung von Dr. Hussam Abusaffiya und seine 82 Kollegen einsetzt.

Ich hoffe, die wir das Kollektiv deutscher Ärzte und Ärztinnen, immer und unter allen Umständen Solidarität mit unseren KollegInnen äußern und praktizieren werden, in Gaza und überall auf der Welt.

Vielen Dank

System der Willkür

Wie hilft man, wenn es an allem mangelt? Fragen an die Kinderärztin Tanya Haj-Hassan

Free Dr. Abu Safiya and all healthcare workers!

Sonntag, den 26. Juli um 14 Uhr Schweigemarsch in Berlin

https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/free-dr-abu-safiya-all-healthcare-workers/

medico: Sie sind seit 2013 mehrfach in Gaza gewesen, aber auch nach dem Beginn des Krieges im Oktober 2023. Wie würden sie den Unterschied beschreiben? 

Tanya Haj-Hassan: Es war schon früher nicht einfach. Aber Gaza war ein Ort, wo Menschen ihr Leben gelebt haben. Meine Medizinstudenten dort gehörten zu den engagiertesten, die ich je unterrichtet habe. Man konnte die Begeisterung fürs Fach förmlich spüren. Ich wusste, wie Gaza aus sieht: Khan Younis, Gaza-Stadt, Rafah. Bei meinen Besuchen in den vergangenen Monaten war es apokalyptisch. Ich habe nie zuvor einen Ort gesehen, der dem Erdboden gleich gemacht wurde. Ich habe in Irak gearbeitet, auch im Sudan. Was dort geschieht, ist furcht bar. Aber die komplette Einebnung Gazas – eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt –, das lässt sich mental kaum greifen. Es ist nur noch flaches Land. Sobald man dort ist, hört man das permanente Summen der Drohnen, aber auch die Geräusche von Kampfjets und Explosionen. Gaza hatte früher einen der blauesten Himmel, die ich gesehen habe. Jetzt liegt ständig ein grauer Schleier darüber. Asthmatiker sind in Gaza dauerhaft im Krankenhaus. Ich bin oft gegen 4 Uhr morgens aufgewacht, weil die Wände sprichwörtlich gewackelt haben. In der Notaufnahme wurden Betten entfernt und Patient:innen auf dem Boden behandelt. Man sieht verletzte Frauen, Jugendliche, sehr kleine Kinder – all das ist Alltag. Ich war in Phasen dort, wo wir mehrere Kleinkinder gleichzeitig auf einem einzigen Krankenbett reanimiert haben. Das sind Bilder, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. 

Hatten Sie persönlich keine Angst, unter solchen Bedingungen zu arbeiten? 

Irgendwann hört man auf, über das eigene Risiko nachzudenken. Es erschüttert das Verständnis, warum man überhaupt auf der Welt ist. Bei meinem letzten Aufenthalt 2024 war ich in der Notaufnahme im ersten Stock, als eine israelische Drohne den zweiten Stock bombardierte. Feuer brach aus – zwei Patienten wurden getötet, mehrere verletzt. Ich bin auf die andere Straßenseite gerannt, um Equipment zu holen. Wenn man so etwas er lebt hat, kann man nicht mehr wegsehen. Man versucht, fast obsessiv, alles zu tun, um es zu stoppen. 

Israel hat in Gaza immer wieder gezielt medizinische Einrichtungen bombardiert. Wie ist die medizinische Lage heute? 

Der Großteil der Krankenhäuser ist teilweise oder ganz zerstört. Es gibt nur noch wenige Kliniken und ein paar Feldkrankenhäuser. Vor Oktober 2023 gab es zum Beispiel sechs pädiatrische Intensivstationen. Fünf davon wurden zerstört: das Kamal-Adwan-Kranken haus, das Nasr-Kinderkrankenhaus, das TC Pediatric Sub-Specialty Hospital, das Al-Durra-Kinderkrankenhaus und das Europäische Krankenhaus in Gaza. Übrig ist nur die Station im Nasr-Krankenhaus, die Ende 2022 eröffnet wurde. Es gibt praktisch keine Orte mehr, an denen schwerkranke Kinder versorgt werden könnten. Dabei ist der Bedarf massiv gestiegen. Palästinensische Gesundheitskräfte haben versucht zu improvisieren. In den letzten Monaten wurden kleine Ersatz-Intensivstationen eingerichtet. Sie arbeiten unter extremen Bedingungen, auch weil essenzielles medizinisches Equipment nicht hineingelassen wird. 

Woran fehlt es konkret? 

Am Grundlegendsten. Medizinische Ausrüstung darf nicht eingeführt werden. Bei meinem jüngsten Besuch haben wir beantragt, einfache medizinische Gegenstände mitzuführen – sie hatten keinerlei Dual-Use-Nutzen. Sie dienten ausschließlich der Patientenversorgung. Wir haben nie eine Antwort erhalten. In unserem Konvoi wurden von 29 Personen drei die Einreise verweigert, weil sie Gegenstände dabei hatten, die als verboten eingestuft wurden – darunter Medikamente oder ein zweites Handy. Selbst Stethoskope wurden zeitweise eingeschränkt.

Was bedeutet das für Menschen vor Ort?

Reguläre Versorgung ist unmöglich geworden. Die meisten meiner Kolleg:innen leben in Zelten. Sie können nicht mal die Trümmer ihrer Häuser räumen, um Leichen ihrer Angehörigen zu bergen. Sie leben ohne sanitäre Versorgung und sind weiterhin Luftangriffen ausgesetzt. Die Folgen sind deutlich: Krankheiten und steigende Fehlbildungen bei Neugeborenen. Patient:innen, die im Ausland behandelt werden müssten, wird die Ausreise verweigert. Ich habe mehrere Säuglinge mit angeborenen Herzfehlern behandelt – Erkrankungen, die leicht behandelbar wären. Sie standen monatelang auf Evakuierungslisten. Keines von ihnen durfte ausreisen. Alle sind gestorben. Auch Krebspatient:innen werden in Gaza nicht mehr behandelt, das einzige Krebszentrum wurde zerstört. Ich habe eine 38-jährige Mutter mit metastasierendem Brustkrebs getroffen, die seit November 2025 darauf wartet, ausreisen zu dürfen. Viele befinden sich in ähnlichen Situationen. Die Verhinderung medizinischer Versorgung führt nicht nur zu mehr Toten. Sie führt zu langsamen, oft sehr schmerzhaften Todesverläufen, die leicht vermeidbar wären. 

Wie verarbeiten Sie das alles persönlich? 

Ich bin kein wütender Mensch, aber in den letzten Jahren habe ich sehr viel Wut verspürt. Es ist, als würde man zusehen, wie eine Bombe in Zeitlupe vor einem explodiert. Man weiß genau, was diese Kinder zum Überleben bräuchten. Dass ihnen die Versorgung bewusst vor enthalten wird. Aus – ich sage das ganz deutlich – genozidalen Gründen. Welche andere Rechtfertigung könnte es dafür geben, einem Säugling die Ausreise zur Behandlung zu verwehren? Oder dafür, pädiatrische Ausrüstung zu verbieten? Oder dafür, die gesamte Infrastruktur für Krebsbehandlungen zu zerstören? 

Deutschland gehört zu Israels engsten Unterstützern. Was versuchen Sie deutschen Entscheidungsträger:innen hier zu vermitteln?

Niemand soll sagen können, sie hätten von nichts gewusst. Die von uns, die in Gaza waren, kommen mit Fotos und Berichten zurück: Wir legen Zeugnis ab. Was ihr damit anstellt, ist eine andere Frage. 

Sie haben sich immer wieder öffentlich zur Situation in Gaza geäußert, im November 2024 auch vor den Vereinten Nationen in New York. Gab es Versuche, Sie zum Schweigen zu bringen? 

Ja, mehrfach. Es wurde auch immer wieder behauptet, ich sei Palästinenserin – als würde das meine Berichte entwerten. Diese Argumentation spricht Bände über das Ausmaß der Entmenschlichung. Zeitweise wurde ich sogar von meinem Arbeitgeber suspendiert, nach dem ein Arzt, den ich selbst nie getroffen hatte, auf Grundlage eines Interviews eine Beschwerde gegen mich eingelegt hatte. Palästinensische Stimmen sind natürlich viel gefährdeter. Ein palästinensischer Kollege von mir wurde vom israelischen Militär festgenommen und gefoltert. 

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Ihren palästinensischen Kolleg:innen in Gaza? 

Es gibt eine gewisse Abstumpfung. Man kann es sich nicht leisten, in der Ecke zu stehen und zu weinen. Was mich beeindruckt, ist die Entschlossenheit. Sie erscheinen zur Arbeit, versuchen weiter, Leben zu retten. Ich habe mit einem Arzt gearbeitet, der lange versucht hat, eine pädiatrische Intensivstation neu zu eröffnen. Schließlich ist es ihm gelungen. Vier Wochen später wurde sie wieder bombardiert. Und er hat wieder von vorn angefangen. Die Menschen können es sich nicht leisten, irgendetwas an sich zu binden – Häuser, Gegenstände, Menschen –, weil alles zu jedem Zeitpunkt verloren gehen könnte. Ein Kollege sagte: „Wir haben nicht den Luxus, zu trauern.“

Was bedeutet das für die psychische Verfas sung einer Gesellschaft? 

Es hat einen regelrechten Zusammenbruch gegeben: Systeme, die für Ordnung sorgen, sind kollabiert. Das passiert, wenn das Grundgefüge einer Gesellschaft zerstört wird. Das Trauma ist allgegenwärtig. Kinder, die längst über das Bettnässen hinaus sein sollten, fallen zurück. Das sind kleine, aufschlussreiche Zeichen chronischer Traumatisierung. Es ist auch nicht „posttraumatisch“ – es gibt ja kein „danach“ in Gaza. Ich glaube nicht, dass unsere medizinischen Kategorien ausreichen, um dieses Trauma richtig zu erfassen. 

Gibt es Geschichten, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind? 

So viele. Ich könnte Ihnen von Sham erzählen, die den Großteil ihrer Familie verloren hat und immer wieder weinend aufwachte und nach ihrer Mutter schrie. Ihre Mutter wurde getötet und sie selbst hatte mehrere Darmdurchbrüche. Oder von Mohammed, dem die Ausreise zur Behandlung verweigert wurde. Er ist 13 Jahre alt und konnte erst mehrere Monate später nach Jordanien ausreisen, obwohl der Antrag Monate zuvor gestellt worden war. In dieser Zeit ist er von 35 auf 18 Kilogramm ab gemagert. Monate später liegt er immer noch auf der Intensivstation. Oder von Musab Saman, einem jungen Arzt – einer der besten seines Jahrgangs –, der in israelischer Haft sitzt und wie so viele andere derselben Folter ausgesetzt ist, ohne je irgendeine Straftat begangen zu haben. Jede einzelne dieser Geschichten müsste eine Person ein Leben lang begleiten. Aber man verdrängt sie, weil auf die eine sofort die nächste folgt. Das Ausmaß der Verbrechen ist schwer zu erfassen. 

Das Interview führte Hanno Hauenstein.

Dr. Tanya Haj-Hassan ist pädiatrische Intensivmedizinerin und eine der wichtigsten Stimmen zur humanitären Lage in Gaza. Zwischen Notfalleinsätzen vor Ort und Berichten vor internationalen Gremien reist die US-Amerikanerin um die Welt, um auf das Schicksal ihrer Patient:innen aufmerksam zu machen. (Foto: privat)

In Gaza sind die Lebensgrundlagen von mehr als zwei Millionen Menschen verwüstet. Wohn- und Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Moscheen, landwirtschaftliche Flächen: Nichts und niemand ist verschont geblieben. So wurden auch 1.700 Gesundheitsarbeiter:innen getötet, viele während des Versuchs, anderen das Leben zu retten. 

Anfang Mai richtete ein von der Initiative medsolidar mit medico organisiertes Symposium zu „Humanitärer Medizin“ in Berlin den Fokus auf Gaza. 200 Gäste, überwiegend aus dem medizinischen Bereich, diskutierten darüber, welche Auswirkungen die systematische Zerstörung der Gesundheitsinfrastruktur auf die Versorgung der Zivilbevölkerung und die medizinische Arbeit vor Ort hat. Was ist zu tun, lokal und global? Und welche ethische Verantwortung hat die deutsche Ärzt:innenschaft, wenn Kolleg:innen in Gaza getötet und entführt werden? 

Unterdessen setzen die medico-Partneror ganisationen in Gaza, weiterhin unter widrigsten Bedingungen, ihre Arbeit fort. Sie leisten medizinische und psychosoziale Nothilfe, reparieren Brunnen, organisieren Unterkünfte, kümmern sich um provisorischen Schulunterricht und betreiben eine Suppenküche. 

Dieser Beitrag erschien zuerst im medico rundschreiben 02/2026. Das Rundschreiben schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Jetzt abonnieren!

#gaza

Wir danken für das Publikationsrecht.

Tel Aviv: Wir lassen uns nicht einberufen!

In Deutschland lag die Zahl der Anträge auf Wehrdienstverweigerung bereits zur Jahresmitte deutlich über den Gesamtwerten des Jahre 2024.

In der Ukraine muss der Staat fast durchgängig auf Zwangsrekrutierung zurückgreifen, um die Armee mit Kanonenfutter auffüllen zu können. Die Ausreise für Männer zwischen 18 und 60 Jahren wurde verboten. Trotzdem haben seit Kriegsbeginn Millionen das Land illegal verlassen – allein 650 tausend Männer im wehrfähigen Alter im ersten Kriegsjahr Richtung Europa. Innerhalb der Ukraine wird inzwischen nach 2 Millionen Männern gefahndet. Ihnen droht Verschleppung. Ab in den Bus und an die Front – Fleischwolf genannt.

Und jetzt auch in Israel. Pressenza meldet vom 14.07.26 – Tel Aviv, Israel – Mesarvot

Am Sonntag, dem 12. Juli, entrollten Schüler:innen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv von einem Gebäude aus ein riesiges Banner mit der Aufschrift: „Hiermit verweigern wir die Einberufung.“

Mit ihrer Protestaktion rufen sie weitere Jugendliche dazu auf, einen offenen Brief zu unterzeichnen, in dem sie aus Protest gegen den Krieg, die Besatzung und den Völkermord ihre Einberufung zum Militär verweigern. Die Initiative wurde bereits von mehr als 130 Jugendlichen unterzeichnet, die in Kürze zum Militärdienst eingezogen werden sollen.

Irgendwann kann keine Propaganda Realität und internationale Erfahrungen mehr vollständig unterdrücken. Weder Kriegsverklärung in der Ukraine noch Bundeswehr an deutschen Schulen.

Titelbild:von Mesarvot Network

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