Mieterinteressen Fehlanzeige

PRESSEMITTEILUNG DES BÜNDISSES GEGEN VERDRÄNGUNG UND #MIETENWAHNSINN

Neues Frühjahrsgutachten des ZIA: Großkonzerne statt Mieterinteressen

Bild: Collage Jochen Gester

14. Februar 2025 – Der ZIA, der größte Lobbyverband der deutschen Immobilienwirtschaft, hat am 12. Februar sein „Frühjahrsgutachten“ veröffentlicht – ein Dokument, das keine objektive Analyse darstellt, sondern die Interessen von Großkonzernen wie Vonovia, Covivio, CBRE, Allianz und Siemens vertritt. Anstatt das Wohl der Mieterinnen und
Mieter in den Mittelpunkt zu stellen, rückt das „Gutachten“ vor allem Profitmaximierung in den Fokus.

So wird u.A. empfohlen, die Mietpreisbremse nicht zu verlängern – trotz der immer weiteren Erhöhung der Mieten – und lieber auf private Bautätigkeit zu setzen. Lösungsansätze anderer europäischer Städte und Kommunen, in denen Wohnungsnot durch massive Mietregulierung und öffentlichen Wohnungsbau nachhaltig bekämpft werden konnte, werden ignoriert.

Kim Meyer vom Bündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn bringt es auf den Punkt: „Das neue Frühjahrsgutachten der Immobilienlobby ist wieder liberale Ideologie pur. Niemals werden die Unternehmen, die von Wohnungsnot profitieren, so viel bauen, dass die Mieten sinken. Stattdessen schützen sie ihr Geschäftsmodell – zulasten von Millionen
Menschen in Deutschland.“

Als Bündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn fordern wir:

• einen Bundesweiten Mietendeckel
• Verbot von Eigenbedarfskündigungen
• Förderung kommunaler Wohnungsunternehmen und kommunalen Wohnungsneubau
• Umbau leerstehender Büroflächen
• Streichung der Grundsteuer aus der Betriebskostenverordnung
• Effektives Schließen von Steuerschlupflöchern wie Share Deals


„Wohnen ist ein Grundbedürfnis – wie es Artikel 28 der Berliner
Verfassung eindeutig festlegt. Wohnungen genauso wie Schulen,
Bibliotheken oder Krankenhäuser müssen im Sinne der NutzerInnen
bewirtschaftet werden und nicht im Interesse von Aktionären, Gutsherren
und Vermietern“, so Meyer abschließend.

Kontakt:
Kim Meyer, Bündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn
Telefon:  0163 4925096⁩
E-Mail:    presse@mietenwahnsinn.info
Web:       https://www.mietenwahnsinn.info
Bluesky: @mietenwahnsinnb.bsky.social

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Mobi-AG des Bündnisses gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn

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Amazon-Tower in Friedrichshain: Schrecklichster Neubau Berlins

Der Amazon-Tower steht für den Sieg des Kapitalismus über die Stadt, meint Gastautor Amadeus Marzai

Von Amadeus Marzai

Bild: Jochen Gester

Nicht nur wer über die Elsenbrücke – vor ein paar Jahren fast eingestürzt – oder die benachbarte S-Bahnbrücke nach Friedrichshain fährt und links aus dem Fenster schaut, dürfte Notiz davon nehmen, dass die Berliner Skyline mittlerweile einen unübersehbaren Neuzugang präsentieren kann: Direkt an der Warschauer Brücke, über dem trubeligen Gewühl aus Touristen, Partyvolk, Zugezogenen mit Main-Character-Syndrom, den letzten Drogendealern und gestressten Pendlern ragt der Amazon-Tower empor – benannt nach dem US-Internetgiganten und Onlinehändler, der hier als Hauptmieter residiert.

Der Amazon-Tower (offizielle Bezeichnung: Edge East Side Tower) wird seit 2019 gebaut, in diesem Jahr soll der Innenausbau fertiggestellt werden. Bauherr ist der Projektentwickler Edge, Besitzer des Hochhauses ist die Immobilienfirma Pimco Prime Real Estate. Die Kosten für den von einem dänischen Architektenbüro entworfenen Bau belaufen sich auf etwa 400 Millionen Euro.

142 Metern reckt sich der Klotz gen Himmel, ohne aber die vertikale Vormachtstellung des eleganten und tatsächlich avantgardistischen Fernsehturms am Horizont ernsthaft zu gefährden. Einem gläserneren Pflock gleichend, bohrt sich der Neubau ins Herz des einst so unangepassten Friedrichshain, als wolle man verkünden: »Wir haben gewonnen, ihr habt verloren.« Hofiert von einer vor geistiger Provinzialität miefenden Stadtregierung feiert sich der globale Turbokapitalismus ausgerechnet in einer Gegend, die einmal als Vorreiterin progressiver und antikapitalistischer Experimente menschlichen Zusammenlebens galt.

Autor

Privat

Amadeus Marzai arbeitet als freier Journalist und beschäftigt sich mit stadtpolitischen Fragen seiner Heimat Berlin. Der Historiker und Politikwissenschaftler hat Internationale Beziehungen an der Universität Leiden studiert.

Selbstbeweihräuchernd bewerben die Projektentwickler ihren Bau als »Mittler« zwischen »zwei der lebendigsten und künstlerischsten Vororte Berlins: Friedrichshain und Kreuzberg«. Die Vielfalt und Andersartigkeit der Besiegten zelebriert man und heftet sie sich stolz ans Revers. Das erinnert an US-amerikanische Städte, die nach den Ortsnamen der Ureinwohner benannt wurden, die zuvor vertrieben oder ausgerottet wurden.

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Aber auch das Umfeld des Beinahe-Wolkenkratzers erinnert an Chicago, Manhattan oder Milwaukee. So ist das einstmals heiß umkämpfte Spreeufer-Filetstück nördlich des Amazon-Towers inzwischen zu einer seelenlosen Betonwüste aus Konsum, Unterhaltungskommerz und luxuriösen Eigentumswohnungen verkommen, die man in dieser Kombination eher in einer beliebigen US-Großstadt mittlerer Größe vermuten würde. Die verzweifelte Berliner Großmannssucht verkommt an der East Side Gallery ungewollt zu einer billigen Persiflage längst aus der Zeit gefallener Stadtbauideen.

Aber zurück zum Amazon-Tower. Natürlich haben die Architekten der Macht ihre neueste Kathedrale des Kapitals hübsch verpackt: grüne Energie, Recycling, urbaner Gartenbau! Von einem der »gesündesten Hochhäuser Deutschlands« ist verdächtig vielsagend die Rede. Doch hinter der Fassade aus Glas und Stahl gedeiht weder Hoffnung noch bunte Berliner Vielfalt, sondern die konformistische Monokultur des Großkapitals. Die vielen Menschen, die der Gegend ihren rauen Charme verliehen haben, dürfen derweil aus sicherer Entfernung bestaunen, wie es sich die neuen digitalen Feudalherren in ihrem Prachtbau gemütlich machen.

Denn im Schatten des Turmbaus werden gewachsene Sozialstrukturen unter dem Druck des immer weiter entfesselten Marktes regelrecht zermalmt: Mieten explodieren, tausende Friedrichshainer Wohnungen fallen aus der Sozialbindung, wertvolle Orte des Miteinanders wie Buchhandlungen oder Clubs sind von Schließung bedroht und die Partyszene wird immer mehr verdrängt nach Schöneweide – früher als »Schweineöde« verfemt. Auch die gutbürgerliche Prenzlbergisierung des nahegelegenen Samariterviertels stellt den Charakter des Ortsteils infrage. Friedrichshain ist die neueste und härteste Front im Kampf um die Seele Berlins.

Während Bauarbeiter aktuell mit den letzten Etappen des Innenausbaus beschäftigt sind, erinnern Farbbeutelkleckse an der Fassade des Hochhauses an hilflosen Widerstand. Cineasten könnten sich ungut erinnert fühlen an die Eröffnungssequenz von »Avatar« und die Jagdpfeile der Na’vi-Ureinwohner, die sich zweck- wie hilflos in die riesigen Räder der menschlichen, der Rohstoffausbeutung dienenden Sattelkipper bohren.

Während die städtische Lebensqualität einem weitreichenden Spardiktat des Senats anheimfällt, wächst mit dem Estrel-Tower nur wenige Kilometer entfernt der nächste private Hochhausprotzbau. Estrel und Amazon – die zwei Türme – werfen ähnlich wie in »Der Herr der Ringe« dunkle Schatten voraus und verkünden den Stadtteilen zu ihren Füßen gnadenlose Gentrifizierung im glänzenden Fortschrittsgewand.

Aber während Berlins nutzlose Türme wachsen, schrumpft die zunehmend marode Stadt als Zuhause der vielen Menschen. So ist auch der Amazon-Tower weniger ein »architektonisches Wahrzeichen« als ein Symbol für den Ausverkauf Berlins. Er ist aber auch ein unmissverständlicher Denkzettel für jene, die hofften, das wiedervereinte Berlin würde ihnen jemals selbst gehören.

Erstveröffentlich im nd v. 9.1. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1188022.edge-east-side-tower-amazon-tower-in-friedrichshain-schrecklichster-neubau-berlins.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Görlitzer Park: »Wir wollen nicht, dass jemand stirbt«

Görlitzer Park
Die Gruppe »Görli 24/7« spricht von neuer Polizeigewalt nachts im Görlitzer Park

Am Samstag demonstrierten rund dreißig Menschen vor der Polizeiwache am Kottbusser Tor. Sie hatten einen symbolischen Zaun mitgebracht, um Berliner*innen vor der Polizei zu schützen.

Von Jule Meier

Bild: BZIM-KIEZ

»Schützen wir die Polizei vor Verdruss und Schererei. Wenn ein Räuber überrascht wird und das Weglaufen vergisst: Ja, wer schützt den Polizist?«, fragt und singt der Komponist Georg Kreisler. Seine Worte hallen am Samstagnachmittag aus den Lautsprechern einer Demonstration am Kottbusser Tor im Berliner Ortsteil Kreuzberg. »Statt der Funkstreifwagen Panzer! Wer drin sitzt, kann zwar nichts seh’n, doch es kann ihm nichts gescheh’n. Außerdem an jeder Ecke zwei Kanonen für die Leut‘, sie wer’n seh’n wie sich Ihr Schutzmann drüber freut«, tönt Kreislers Gesang aus den Boxen, unweit von der Polizeiwache am Kotti entfernt.

Zur Demonstration aufgerufen hat die Gruppe »Görli 24/7«, die sich gegen repressive Maßnahmen wie verstärkte Polizeiarbeit oder den geplanten Zaunbau im Görlitzer Park ausspricht. Am Samstag demonstrieren sie gegen »Polizeiterror« im Görlitzer Park, der »einen neuen lebensbedrohlichen Tiefpunkt« erreicht habe, wie der Aktivist Flo Grünbaum auf der Demonstration sagt. Die Aktivist*innen haben einen symbolischen Zaun vor der Polizeiwache am Kotti aufgestellt, um Berliner*innen vor der Polizei zu schützen.

Es sind schwere Vorwürfe, die die Gruppe gegen die Polizei erhebt: Zwischen dem 17. Dezember und dem 26. Dezember 2024 soll ein »Streifenwagen ohne Licht und mit hohem Tempo« Menschen durch den Park und durch angrenzende Straßen »gehetzt« haben, heißt es in einer Mitteillung. Flo Grünbaum sagt »nd«, dass er mindestens von zehn Menschen wisse, die solche Hetzjagden erlebt hätten. Die Informationen darüber sei der Gruppe »akkumuliert« zugegangen, nachdem immer mehr Leute von den Hetzjagden betroffen gewesen sein sollen. Die Gruppe geht laut den Schilderungen der Betroffenen und von Zeug*innen davon aus, dass es sich um dieselben zwei männliche Polizisten handelt, die Gewalt ausüben sollen.

Mit bis zu 70 km/h sollen sie in ihrem Streifenwagen gefahren sein. Die Beamten hätten teilweise Pfefferspray aus dem Auto auf Menschen gesprayt. Betroffene berichten der Gruppe von der Angst, angefahren zu werden, weil sie nichts sehen konnten. Außerdem würden »nur schwarze Menschen von den Polizisten kontrolliert« werden, heißt es in der Mitteilung von Görli 24/7, die die Informationen, die erhalten haben so zusammenfasst: »Kontrollierte Personen würden ohne Anlaß geschlagen oder mit Pfefferspray besprüht, sie würden rassistisch beleidigt. Anzeigen, Tatvorwürfe oder andere Begründungen für die Kontrollen seien den Betroffenen nie genannt worden, es habe auch sonst nie schriftliche Belege gegeben.«

Die Betroffenen sind am Samstag nicht vor Ort. Grünbaum erklärt, dass es sich um die Vulnerabelsten der Gesellschaft handele: Wohnungslose, Geflüchtete und Drogenabhängige. Fehlende Aufenthaltstitel erhöhten die Angst, über erlittene Polizeigewalt in der Öffentlichkeit zu sprechen. Die Nachfrage an Grünbaum, ob die Gruppe in Kontakt mit der Polizei sei, verneint dieser. »Die sollen ihren Laden selbst unter Kontrolle halten«, sagt er. Einen öffentlichen Brief an die Polizei mit Forderungen habe die Gruppe dennoch verfasst. »Die Polizei muss diese lebensbedrohende und menschenverachtende Praxis im Görlitzer Park einstellen, öffentlich aufarbeiten und die beiden Polizisten sofort aus der Polizei entlassen«, teilt Görli 24/7 mit.

»Wir fordern einen Sicherheitszaun um jedes Polizeirevier.«Gruppe »Görli 24/7«

Die Pressstelle der Polizei konnte bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben, eine Sprecherin kündigte diese jedoch zeitnah an. Niklas Schrader, der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, sagt »nd«, dass ihn »immer wieder Berichte von diskriminierendem und übergriffigem Verhalten der Polizei« erreichten. Er fordert die Innensenatorin auf, den Vorwürfen nachzugehen und Konsequenzen zu ziehen, sollten sie diese erhärten. Wenn die Polizei so auftrete, »ist sie Teil des Problems und nicht der Lösung«, sagt Schrader.

Im September 2023 beschloss der schwarz-rote Senat die Umzäunung und nächtliche Schließung des Parks, die seither für Kontroversen sorgt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg reichte gegen die Umzäunung des Görli Klage ein – inzwischen liegt diese dem Oberverwaltungsgericht vor.

Die Folgen einer Politik, die nichts gegen steigende Mieten unternehme und an der Wohnungslosenhilfe spare, zeige sich laut den Aktivist*innen besonders im Görlitzer Park an den vielen Wohnungslosen, die von der Polizei als »Sicherheitsrisiko« abgestempelt würden, wie die Aktivistin Marie sagt. »Die Politik schafft soziale Probleme selbst, die sie dann mit sogenannter Sicherheitspolitik lösen will«, sagt sie. Statt repressiver Sicherheitspolitik brauche es soziale Sicherheit, zum Beispiel durch mehr Investitionen in die soziale Arbeit und bezahlbaren Wohnraum.

Seit der Sicherheitsdebatte um den Görlitzer Park habe sich die Anzahl der Laternen im Park laut Flo Grünbaum »verzwei- oder dreifacht.« Hinzu kommen zwei Flutlichtanlagen, die dauerhaft scheinen, solange es dunkel ist. Am Montag findet um 19 Uhr eine offene Veranstaltung des Naturschutzbunds BUND in der Görlitzer Straße 1–3 im Görlitzer Park statt. Thema ist die »Lichtverschmutzung«. Pressesprecherin Carmen Schultze erklärt »nd«, dass »extrem viel Licht« in der Tierwelt zu Verwirrung führe. »Gerade Insekten kommen dann nicht zur Ruhe«, sagt Schultze.

Auch die Gruppe Görli 24/7 kommt nicht zu Ruhe und will weiter Druck aufbauen, damit der »Polizeiterror« ende. »Wir fordern bis dahin einen Sicherheitszaun um jedes Polizeirevier«, wie die Initiative mitteilt. Sie gehen davon aus, »dass auch in Zukunft Lebensgefahr für alle nächtlichen Parkbesucher durch wiederholte Polizei-Hetzjagden im Görli und an den angrenzenden Gehwegen besteht«.

Erstveröffentlicht im nd v. 6.1. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1188019.polizeigewalt-goerlitzer-park-wir-wollen-nicht-dass-jemand-stirbt.html?sstr=G%C3%B6rlitzer|Park

Wir danken für das Publikationsrecht.

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