„Frieden ist kein Parfüm, das man über Gewalt sprüht, damit die Macht sich kultiviert fühlt.“ – Filmemacherin lehnt Berliner Preis für „The Voice of Hind Rajab“ ab.

Der für den Oscar und den BAFTA nominierte Dokumentarfilm „The Voice of Hind Rajab“ wurde am Montagabend bei der Cinema for Peace Gala im Adlon Hotel in Berlin als „wertvollster Film“ ausgezeichnet.

Die tunesische Filmmacherin Kaouther Ben Hania verweigete aber angesichts der Umstände und des Umfelds der Verleihung die Annahme des Preises. Sie protestierte vor allem gegen die Ehrung eines israelischen Generals bei derselben Veranstaltung und erklärte, dass sie nicht auf derselben Bühne stehen wolle, während ein Vertreter des Militärs geehrt werde, das für den Tod des Kindes in ihrem Film verantwortlich sei. Hier der Wortlaut ihres eindrucksvollen Statements:

„Ich muss vorlesen, denn der Preis für den besten Film dieses Jahres ist größer, als ich es ertragen kann. …Guten Abend. Heute Abend fühle ich mehr Verantwortung als Dankbarkeit. Die Stimme von Hind Rajab betrifft nicht nur ein einziges Kind. Sie betrifft das System, das ihre Tötung möglich gemacht hat. Was Hind widerfahren ist, ist keine Ausnahme. Es ist Teil eines Völkermords. Und heute Abend, in Berlin, gibt es Menschen, die diesem Völkermord politische Deckung gegeben haben. Indem sie die massenhafte Tötung von Zivilisten als ‚Selbstverteidigung‘ und als ‚komplizierte Umstände‘ umdeuten. Und indem sie diejenigen herabwürdigen, die protestieren.

Aber wie Sie vielleicht wissen: Frieden ist kein Parfüm, das man über Gewalt sprüht, damit die Macht sich kultiviert fühlt und sich wohlfühlt. Und Kino ist keine ästhetische Weißwaschung. Wenn wir über Frieden sprechen, müssen wir über Gerechtigkeit sprechen. Und Gerechtigkeit bedeutet Rechenschaftspflicht. (Großer Applaus) Ohne Rechenschaft gibt es keinen Frieden.

Die israelische Armee tötete Hind Rajab; sie tötete ihre Familie; und sie tötete die beiden Sanitäter, die kamen, um sie zu retten – mit der Komplizenschaft der mächtigsten Regierungen der Welt und ihrer Institutionen, die sich weigern zuzulassen, dass ihr Tod zur Kulisse für eine höfliche Rede über Frieden wird. Nicht solange die Strukturen, die dies ermöglicht haben, unangetastet bleiben.

Deshalb werde ich diesen Preis heute Abend nicht mit nach Hause nehmen. Ich lasse ihn hier als Erinnerung. Und wenn Frieden als rechtliche und moralische Verpflichtung angestrebt wird, verwurzelt in der Rechenschaft für den Völkermord, dann werde ich zurückkehren und ihn mit Freude annehmen. Vielen Dank. Vielen Dank.

Mehr erfahrt ihr über den Film in unserer ausführlichen Empfehlung «Die Stimme von Hind Rajab»: Notruf eines Kindes bis in den Tod„

Titelbild : Collage Peter Vlatten

Weg mit der Verbotsdrohung!

Solidarität mit der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost!

Als Gewerkschafter sind wir entsetzt und empört, dass auf der Webseite der hessischen Staatskanzlei das Verbot der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost gefordert wird. Wir fordern, dass diese skandalöse Bedrohung einer jüdischen Organisation, die ihr verfassungsmäßiges Recht in Anspruch nimmt, sofort zurückgenommen wird!

Wir sind als Gewerkschafter alarmiert, dass die Staatsräson zur Zerstörung demokratischer Grundrechte benutzt wird, um Proteste gegen den völkermörderischen Krieg in Gaza zum Schweigen zu bringen. Eine von der israelischen Botschaft unabhängige Jüdische Stimme scheint da besonders zu stören.

Deutschland unterstützt Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen der rechtsextremen israelischen Regierung mit Waffenlieferungen. Wir lehnen das ab. Wir kennen die Lehren aus der Geschichte und sehen auch die gewerkschaftliche Organisationsfreiheit durch diese Kriegspolitik bedroht.

Wir fordern die sofortige Rücknahme der Bedrohung der demokratischen Rechte der Jüdischen Stimme durch die hessische Staatskanzlei!

Wir veröffentlichen die Presseerklärung der Jüdischen Stimme vom 5. Februar 2026:

Hessischer Antisemitismusbeauftragter fordert Verbot der Jüdischen Stimme

Der hessische Antisemitismusbeauftragte und CDU-Politiker Uwe Becker hat am 30.01.2026 auf der Webseite der Staatskanzlei Hessen eine Presseerklärung veröffentlicht, in der er fordert, die Jüdische Stimme “so schnell wie möglich” zu verbieten. Dass jemand, dessen Aufgabe es sein soll, “jüdisches Leben zu schützen” und Antisemitismus zu bekämpfen, einen jüdischen Verein verbieten will, entbehrt nicht der Ironie. Becker wift uns “antisemitische Hetze” vor, während er als deutscher Christ eine jüdische Gruppe bekämpft. Wir betrachten dies nicht nur als groteske und autoritäre Forderung, sondern auch als antisemitische.

Dieses Verhalten ist beim fanatischen Israel-Unterstützer Becker, einem ehemaligen Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (der größten Organisation der Israel-Lobby in Deutschland), nicht sonderlich überraschend. Seit Jahren fordert er bei jeder größeren Palästina-Veranstaltung in Frankfurt ein Verbot. Im August 2025 hat er die Stadt zwei Mal blamiert, indem er sie durch eine völlig unsachliche Gefahreneinschätzung dazu bewegte, die United4Gaza-Großdemonstration zu verbieten. Gleich zwei Gerichtsinstanzen kippten das Verbot und rügten die Stadt Frankfurt dafür, demokratische Prinzipien zu verachten.

Becker verteidigte den Völkermord in Palästina bereits in unzähligen Aktionen. Wir schrieben an anderer Stelle darüber, wie er im September 2024 Soldaten, die gerade in Gaza gedient hatten, zu ihrer Rückkehr mit einem Groß-Israel-Pokal ehrte. Auch forderte er die Auflösung der UNRWA und unterstützte die weitere Aushungerung der ohnehin schon verhungernden Bevölkerung Gazas.

Im Mai 2023 hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt geurteilt, dass Becker 2019 als Bürgermeister durch die unzulässige Forderung, die Veranstaltung “Meinungsfreiheit statt Zensur” im Titania Theater abzusagen, das Gebot der Sachlichkeit verletzt hatte. Er habe nicht nur die Meinungsfreiheit der Teilnehmenden, sondern auch das Recht der Öffentlichkeit auf freie Meinungsbildung verletzt (auch hier findet sich in Anbetracht ders Veranstaltungstitels eine gewisse Ironie). Bei dieser Veranstaltung zu Palästina war eine der Redner:innen die im November 2025 verstorbene Judith Bernstein, Mitglied der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe in München und eine ehemalige Vorsitzende unseres Vereins, deren Eltern 1935 von den Nazis aus Deutschland vetrieben worden waren. Sie unterstützte die BDS-Bewegung, weshalb Becker in der für rechtswidrig befundenen Presseerklärung geschrieben hatte: “Wer diesen Personen eine Bühne bietet, fördert die Judenfeindlichkeit in unserem Land.” Es ist also nicht neu, dass Becker als deutscher Nichtjude Jüdinnen und Juden als Antisemiten beschimpft, darunter auch zahlreiche, deren Familiengeschichten vom Holocaust geprägt wurden.

Wenn man bedenkt, dass Becker bei vielen öffentlichen Auftritten unpassend eine Kippa trägt, entsteht der Eindruck, dass er nicht nur bestimmen will, wer als Jude sprechen darf; er inszeniert sich auch selber als Jude. Dabei eignet er sich eine Opferrolle bei seiner gefährlichen Hetze gegen die Verräter der Staatsräson an und positioniert sich als “jüdischer” als die Jüd:innen, die er verfolgt. Gerade jüdische Gruppen können die ideologische Grundlage, auf der diese Staatsräson fußt, ins Wanken bringen und sind für Antisemitismusbeauftragte wie Becker somit ein besonderer Dorn im Auge. Er verkörpert den antisemitischen christlichen Zionismus zusammen mit einem eifernden deutschen Philosemitismus, der durch vermeintliche Wiedergutmachung und Läuterung moralische Überlegenheit verleiht. Solche Personen wollen uns marginalisieren und letztlich durch eine staatstreue Identitätshülle ersetzen; aber, um das berühmte jiddische Widerstandslied zu zitieren: “Mir veln zey iberlebn!” (Wir werden sie überleben).

Staatskanzlei Hessen:info@stk.hessen.de
Uwe Becker: antisemitismusbeauftragter-hessen@stk.hessen.de
Bürgertelefon: 0611 – 32111000

Foto: Kurt Weiss

Nachbarschaftscafé gegen Krieg im Wedding

Waffen made in Wedding ?! Ab Sommer 2026 wird im Wedding das erste Mal seit 1945 wieder schwere Munition für Kriegszwecke hergestellt. Der größte Rüstungskonzern Deutschlands- Rheinmetall – stellt dann die Produktion seines Autozulieferers „Pierburg“ am Humboldthain (Scheringstraße 2) auf Rüstung um. Bislang gingen dort noch Autoteile vom Werkband, nun sollen es Munitionsteile für Panzergeschosse sein. Das is Teil einer aktuellen negativen Entwicklung. Für uns bedeutet das, dass unsere Nachbarschaft im Kriegsfall zur Zielscheibe wird.

Kommt ins Nachbarschafts Café gegen Krieg


Aus Tod, Zerstörung und Krieg machen Rüstungskonzerne riesen Profite

Die hier produzierten Munitionsteile werden dann weltweit exportiert und zum Töten eingesetzt. Rheinmetall bereichert sich an diesen Kriegen! Der Konzernumsatz lag im letzten Jahr bei 9,75 Milliarden Euro. Der Aktienkurs hat sich in den letzten Jahren verzehnfacht. Durch den Beschluss der Bundesregierung, die Schuldenbremse für Rüstungsausgaben aufzuheben, steigert Rheinmetall seine Profite immer weiter. Profite für wenige – Notstand für alle.

In den weltweiten Kriegen sterben aber nicht die Konzerneigentümer, Investoren und Politiker, sondern in erster Linie unsere Kinder, Familie, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen, die zum Krieg eingezogen werden und weitere viele zivile Opfer. Es wird dennoch so getan, als wären die Kriegsvorbereitungen für „unsere“ Sicherheit, dabei geht es oft darum, Rohstoffe (z.B. Öl) oder Macht zu gewinnen. Außerdem: was bedeutet hier „unsere“ Sicherheit? Viel zu hohe Mieten, steigende Preise, schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt usw. sind unsere Unsicherheiten mit denen wir bereits seit Jahren zu kämpfen haben. Warum hilft uns die Regierung nicht bei diesen Problemen?

Frieden durch Kriegstüchtigkeit

Statt Kriege auf diplomatischem Weg zu lösen und soziale Friedensprojekte zu unterstützen, setzt die Bundesrepublik alles auf Aufrüstung und Krieg. Bald soll die Hälfte des deutschen Staatshaushalts in das Militär fließen.

Wir sterben nicht für ihre Kriege

Während die deutsche Regierung aufrüstet, sind viele in der Bevölkerung dagegen. Vor allem junge Menschen, die aktiv von einer Wiedereinführung der Wehrpflicht betroffen sind, wollen weder töten lernen, noch getötet werden. Wir sterben nicht für ihre Kriege!

Wir fordern: Umverteilung von Rüstung und Militär zum guten Leben für Alle!

Unser Kiez braucht bezahlbare Mieten und Lebensmittel, gute Sozial – und Gesundheitsvorsorge und echte Möglichkeiten zur Beteiligung. Lass uns gemeinsam für ein gutes Leben mit Würde und ohen Krieg kämpfen! Komm vorbei in unserem Nachbarschaftscafe und lass uns darüber reden! Unsere Termine hier im Wedding sind:


Text: Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion / Stadtteilkomitee Wedding

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