AfD-Bundesparteitag 2026: Ein Sieg für den faschistischen Flügel

Am vergangenen Wochenende führte die AfD ihren 17. Parteitag unter dem Protest Zehntausender durch. Doch auch in den Messehallen Erfurts selbst war die Stimmung nicht immer harmonisch. Die Parteivorsitzende Weidel nahm zugunsten des faschistischen Flügels Einfluss auf interne Machtkämpfe. – Ein Kommentar von Anna Müller.

„Wir wollen regieren“ und „Wir werden rigoros abschieben“ sind Parolen, unter denen der 17. Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) dieses Jahr am 4. und 5. Juli in der Messehalle Erfurt stattgefunden hat.

Wie bei vorherigen Parteitagen der AfD versammelten sich zehntausende Antifaschist:innen zum Protest. Mit 50.000 Demonstrant:innen wurde im Vorfeld von Behörden gerechnet. Am Ende waren schätzungsweise zwischen 30.000 und 50.000 auf der Straße. 17.000 Aktivist:innen, die meisten in gelben Westen, kamen zusammen um an fast einem Dutzend Punkten Blockaden durchzuführen. Unter anderem gab es mehrere Blockaden auf der Autobahn 71, dem wichtigsten Zubringer zur Messe.

Immer wieder ging die Polizei mit massiver Gewalt gegen Aktionen vor und fuhr eine Drohkulisse mit mehreren tausend Beamt:innen in Vollmontur, einem Dutzend Wasserwerfern und Räumpanzern auf. Die hohe Mobilisierung und Aktionen vor, sowie am Tag des Parteitages selbst können klar als Erfolg ausgewertet werden.

Jedoch hatte die Polizei in Zusammenarbeit mit der AfD bereits im Voraus dafür gesorgt, dass ausreichend Delegierte beim Kongress ankamen. So waren schon gegen 5 Uhr morgens fast alle AfDler:innen an der Messehalle. Zu diesem Zeitpunkt trafen die Busse der Aktivist:innen gerade erst ein. Nur durch diese nächtliche Aktion mit Polizeieskorte konnten die angereisten Faschist:innen in die abgeschottete Messehalle anreisen.

Dies gelang ihnen zwar, jedoch nur unter massivem Polizeischutz und mit großer Übernächtigung. Die neue Polizeistrategie ist eine Reaktion auf Aktionen des Bündnisses Widersetzen bei vergangenen AfD-Parteitagen in den Jahren 2024 und 2025. Hätte die Polizei nicht diese neue Strategie gefahren, hätte sich der Beginn des Parteitags höchstwahrscheinlich erneut verzögert, da nicht ausreichend Delegierte rechtzeitig angekommen wären.

Antifaschistischer Protest gegen AFD-Parteitag

Die Vorsitzenden und ihre Schützlinge

Der Parteitag wählte erneut Alice Weidel und Tino Chrupalla in den Vorsitz der Partei. Dabei konnte Weidel ihr Ergebnis etwa um zwei Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Wahl 2024 erhöhen und wurde mit knapp 81 Prozent gewählt. Ihr Co-Vorsitzender Chrupalla rutschte von etwa 80 Prozent auf 70 Prozent ab. Er begründet den Stimmverlust damit, auch mal „unangenehme Themen anzusprechen, die anderen nicht passen.“ Dabei hatten beide jeweils keine Konkurrenz und schlugen sich gegenseitig vor. Sie standen dabei jeweils für einen Flügel der AfD. Weidel für den wirtschaftsliberal-westdeutschen und Chrupalla für die völkische Gesinnung vieler ostdeutscher Verbände unter Führung des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. Der Erfurter Parteitag zeigte jedoch: Mittlerweile lässt sich diese Trennlinie zwischen beiden nicht mehr eindeutig ziehen.

Zwar steht der Programmparteitag erst nächstes Jahr an, dennoch geben die Wahlergebnisse der neuen Vorstandsmitglieder einiges über die aktuelle und kommende ideologische Ausrichtung der Partei preis. So wurden mit den Co-Vorsitzenden Sven Tritschtler aus NRW und Stefan Möller aus Thüringen zwei Mitglieder des faschistischen Flügels neu in den Vorstand gewählt.

„Thüringer Weg“ im Bundesvorstand

Stefan Möller gilt als engster Vertrauter Björn Höckes. Möller ist dafür bekannt, gemeinsam mit Höcke den sogenannten „Thüringer Weg“ oder auch die „Thüringer Linie“ in der AfD mitgeprägt zu haben. Der Thüringer Weg steht für völkische und faschistische Positionen, die vom dortigen Landesvorsitzenden Höcke immer wieder propagiert werden. Mit den Wahlen hat eben jener besonders radikaler Teil der AfD mehr bundesweiten Einfluss.

Einige Medienberichte spekulierten im Vorfeld des Parteitages, dass Höcke sich für einen Platz im Vorstand auf Bundesebene nicht aufstellen lassen wird, weil er in Thüringen eine bequeme Situation genießt. Er gilt als unangefochtener Landeschef und wird als „ungekrönter König der AfD“ bezeichnet. Durch seine Rolle schafft er es, die AfD weiter nach rechts treiben, ohne dafür potenziell in größere Reibereien zu geraten. Denn das wäre bei einer Bewerbung auf einen Posten im Vorstand wahrscheinlich.

Helferichs Verbleib als Erfolg des faschistischen Flügels

Auch rund um die Personalie Matthias Helferich aus Nordrhein-Westfalen ist die weitere Faschisierung der AfD sichtbar. Er selbst bezeichnete sich in geleakten Chats als das „freundliche Gesicht des NS“. Helferich hatte außerdem bereits einen Gerichtsprozess wegen Volksverhetzung und gute Kontakte zu Martin Sellner, Kopf der faschistischen Identitären Bewegung. Innerhalb der Partei lief ein Ausschlussverfahren gegen ihn.

Doch in der vergangenen Woche folgte der endgültige Beschluss: Helferich darf bleiben. Ein Erfolg für den völkischen Flügel. Die Debatte hat im größten Landesverband der AfD, in NRW, zur Spaltung und einem offen ausgetragenen Machtkampf geführt. Zum einen in das Lager der „Gemäßigten“ und denjenigen, die eben auch die „Radikalen“, also völkischen und faschistischen Positionen für richtig erachten.

Am Parteitag griff die AfD-Vorsitzende Alice Weidel dann direkt in diesen Machtkampf ein. Für einen Posten im Vorstand schlug sie Sven Tritschler aus NRW vor. Tritschler gehört dem faschistischen Flügel an. Der bisherige Vorstand Kay Gottschalk, ebenfalls aus NRW, gehört dem gemäßigten Flügel an. Denkbar knapp setzt sich Tritschler mit 50,7 Prozent durch.

Mit Tritschler ist im Bundesvorstand nun ein erklärter Gegner des NRW-Landesvorsitzenden Martin Vincentz. Gegen Vincentz heißt es aus dem Lager Helferichs und Tritschlers wiederum, er stünde unter Einfluss des österreichischen Unternehmers Tom Rohrböck. Rohrböck wolle sich laut Medienberichten der völkischen Teile der AfD entledigen um Koalitionen mit der CDU zu ermöglichen. In der Vergangenheit wurde er immer wieder als „Strippenzieher“ betitelt, der breite Kontakte zu Delegierten der AfD habe.

Doch dem Bundesvorstand passt die Herangehensweise des Österreichers nicht. So soll ihm zuletzt untersagt worden sein, Parteiveranstaltungen zu besuchen und mit AfD-Parteimitgliedern zusammenzuarbeiten. So soll sein Einfluss eingedämmt werden.

Geleakte Chats von AFD-Politiker Helferich

„Imperial March“: Wie Weidel in NRW durchgreift

Bei der Verkündung des Wahlergebnisses war in der Messehalle der „Imperial March“ zu hören. Es war wohl der erste Parteitag der BRD, bei dem ein Song aus dem bekannten Star Wars Film zu hören war. Stellvertretend steht er für die dunkle Macht in der Filmsaga. In der AfD steht er bei einigen wohl für Alice Weidels Führungsstil. Die Musik wurde über eine Bluetooth-Box hinter dem Vorhang abgespielt.

Es ließen sich keine Hinweise finden, wer sie dort platzierte. Mit der Aufstellung und Wahl Tritschlers ist auch von Seiten des Bundesvorsitzes ein erneutes klares Zeichen zum Richtungsstreit in NRW gesetzt, nachdem sie den Verband zum „geeinten Auftreten“ nach außen ermahnten.

In wenigen Wochen wird in NRW die Landesliste der AfD zur Landtagswahl aufgestellt. Bisher sollte Vincentz als Spitzenkandidat antreten. Dafür hatte er noch eine knappe Mehrheit. Dass sich das Abstimmungsverhalten nach dem Parteitag ändert, ist durchaus möglich.

Unvereinbarkeitsliste: Ein machtpolitischer Schritt?

„Durchregiert“ hat Weidel auch in der Diskussion um die mögliche Aufweichung der „Unvereinbarkeitsliste“. Die Debatte darüber versuchte Weidel von Beginn an zu unterbinden. Dabei handelt es sich um eine Liste von ungefähr 300 von Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Organisationen aus den Spektren „Linksextremismus“, „Rechtsextremismus“ und „auslandsbezogener Extremismus“. Die aktive oder ehemalige Mitgliedschaft in diesent disqualifiziert Personen für eine AfD-Mitgliedschaft.

Björn Höcke und weitere Anhänger des faschistischen Flügels wollten die Liste nun aufweichen. In einem Antrag wurde vorgeschlagen, eine Kommission zur Überarbeitung der Liste einzusetzen. Thüringens AfD-Chef Höcke wünschte sich zudem, die Grünen auf einer derartigen Liste zu ergänzen. Ansonsten wurden von seiner Seite aus keine Hinweise gegeben, wer von der Liste gestrichen werden soll.

Weitere Befürworter des Antrags erklärten, man solle sich in der Einschätzung nicht auf den Verfassungsschutz verlassen. Eine interne Liste solle demnach aus der Reihe der Partei kommen. Auch sollte es bei bestehender Liste eine Verjährungsfrist von zehn Jahren geben.

Damit könnte es (Ex-)Mitgliedern sämtlicher faschistischer Organisationen möglich werden, der AfD beizutreten und diese noch weiter nach rechts zu ziehen. Gleichzeitig ist die AfD auch heute alles andere als gemäßigt-demokratisch. Nicht nur stuft der Verfassungsschutz Landesverbände teils als rechtsextrem ein, auch seien über 100 Angestellte der AfD als gesichert  rechtsextrem eingestuft.

Der Schritt würde zeigen: Die Partei versucht auch nicht, ihre Zusammenarbeit mit weiteren faschistischen Kräften zu verstecken, auch weil sie es sich leisten kann. Weidel hat die Diskussion unterbunden, indem sie erklärte es sie nicht der richtige Rahmen für solch einen Antrag.

Vermutlich tat sie dies zugunsten der anstehenden Landtagswahlen. So wurde diese kontroverse Debatte vom Parteitag abgelehnt. Damit will sich die AfD dem eigenen Anspruch, Volkspartei zu werden, mehr annähern. Für ein maximales Wahlergebnis bei den Landtagswahlen im September sollen potenzielle neue Wählergruppen aus dem rechtsextremen Lager eher verhindert werden.

AFD beschließt kapitalfreundliches Wirtschaftsprogramm

Keine Partei des „kleinen Mannes“

Auf den ersten Blick war AfD-Parteitag im Vergleich zu vorherigen Parteitagen unspektakulär. Es gab keine offenen inhaltlichen Debatten oder Kampfkandidaturen für den Vorsitz. Beim Blick auf die Neubesetzung des Vorstands als „zweite Reihe“ der Partei wird jedoch klar: der Parteitag war ein Sieg für den faschistischen Flügel und wird Auswirkungen auf die künftige Ausrichtung der Partei haben.

Die als „gemäßigt“ geltende Alice Weidel hat erheblich zu diesem Sieg beigetragen. Durch die Wahlsiege in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September wird sich die Partei im Rechtskurs als neue „Volkspartei“ bestätigt fühlen.

Doch das Standing der AfD als Massenpartei des „kleinen Mannes“ ist derweil schon lange nur noch eine Illusion. Aussagen der Vorsitzenden Weidel bringen das beim Parteitag besonders prägnant zum Ausdruck. So verhöhnte Parteichefin Weidel die bisher vorgenommenen und geplanten Reformen der Bundesregierung ­– die den Lebensstandard und Errungenschaften der Arbeiter:innenklasse brutal angreifen – als „kleine Stellschräubchen“, die den Anforderungen nicht gerecht würden.

Damit zeigt sich klar: Egal welcher Flügel, die AfD bedeutet schonungslose harte Angriffe auf Arbeiter:innen im Dienste des Kapitals. Somit ist der Protest sowohl gegen die stattfindende Kürzungs-Großoffensive gerechtfertigt, als auch Proteste gegen die faschistische AfD, die sogar noch härter gegen die Arbeiter:innenklasse durchgreifen will.

Anna Müller

Autorin bei Perspektive seit 2024. Schülerin aus Oberfranken, interessiert sich für Klassenkämpfe weltweit und die Frauenrevolution. Denn wie Alexandra Kollontai damals schon erkannte: Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!

Erstveröffentlicht auf perspektive online v. 6.7. 2026
AFD-Bundesparteitag 2026

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Mit oder ohne Parlamentsparteien – Antifaschistischer Widerstand bleibt notwendig!

Auf die Parlamentsparteien ist im Kampf gegen den Faschismus kein Verlass. Und trotzdem ist es wichtig, in Erfurt gegen den AfD-Parteitag zu protestieren, auch wenn sich einige dieser Parteien dabei beteiligen. – Ein Kommentar von Leon Wandel.

Die AfD fährt Jahr für Jahr immer höhere Wahlerfolge ein. Damit setzt die AfD vor allem die sogenannten „Volksparteien“ wie Union und SPD unter Druck, weil sie ihnen die Wähler:innen streitig macht. Zwar setzt beispielsweise Jens Spahn schon heute alles darauf, mit der AfD zusammenzuarbeiten. So forderte er, mit der AfD bei organisatorischen Fragen im Bundestag gleich umzugehen wie mit anderen Oppositionsparteien. Und trotzdem verzichten die meisten Parteien noch auf einen offenen Schulterschluss mit der AfD.

Spätestens wenn die AfD jedoch die Mehrheit der Stimmen einfährt, was zumindest in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bereits im Herbst passieren könnte, wird die „Brandmauer“ noch mehr ignoriert, als es heute der Fall ist.

Zwei parlamentarische Taktiken – kein konsequenter Antifaschismus

Die AfD wird heute also noch von einem Großteil der Politiker:innen (zumindest nach außen) als politischer Feind markiert. Die Bekämpfung der AfD spaltet die Parteien in zwei Lager, die beide vorgeben, mit ihrer Taktik der AfD den Rang abzulaufen. Ziel sei es angeblich, die Wähler:innen wieder zurück in die „politische Mitte“ zu integrieren, die fest auf dem Boden der demokratischen Grundordnung stehen würde.

An einem Ende des Spektrums sind sozialdemokratische Parteien, wie die SPD, die Grünen oder die Linkspartei. In ihrem „Kampf gegen Rechts“ greifen sie auf Floskeln wie „Wählen ist wie Zähneputzen, wenn man es nicht macht, wird es braun“ zurück, oder inszenieren sich mit antifaschistischen Worthülsen, die auf Instagram gut klicken. Mit einem ehrlichen Antifaschismus oder einer Haltung, die die Interessen unserer Klasse vertritt, haben diese Lippenbekenntnisse jedoch nichts zu tun, nicht zuletzt, weil sie nie auf den Kern des Problems – also die kapitalistische Herrschaftsordnung, die den Faschismus ermöglicht und fördert – eingehen.

Teil der Taktik ist ebenfalls, die AfD so sehr zu verteufeln, dass man selbst daneben gut ausschaut. Das passiert, indem die AfD mit der NSDAP gleichgesetzt wird und behauptet wird, wir würden kurz vor 1933 stehen. Die Forderung läuft darauf hinaus, dass man deshalb mit den Parteien der „bürgerlichen Mitte“ eine Querfront eingehen müsse.

Der andere Pol am Spektrum stellt sich als Alternative zur AfD hin, indem sie immer weiter nach rechts rücken, um so die AfD-Wähler:innen abzuholen. Tatsächlich rückt die Union schon in einigen Punkten inhaltlich so nah an die AfD heran, dass es der Partei schwerzufallen scheint, inhaltlich noch einen draufzusetzen. Denn wie will man die Aussage von Bundeskanzler Merz (CDU) toppen, wenn er beispielsweise fordert, 80 Prozent der Syrer:innen nach Syrien abzuschieben. Diese Taktik führt allerdings nicht zu einem Erfolg; die meisten Wähler:innen bleiben bei der AfD und wählen das faschistische Original.

Rechtsruck übers ganze Spektrum

Genauso wenig wie Höcke oder Weidel mit Hitler gleichzusetzen sind und die AfD, sobald sie an der Macht ist, den Staat mit einem Schlag zu einem faschistischen Regime umbauen wird, ist die CDU ebenfalls (noch) keine faschistische Partei. Trotzdem findet in allen Parlamentsparteien seit einigen Jahren ein enormer Rechtsruck statt, der die CDU/CSU als vorherige Rechtsaußenpartei im Bundestag immer mehr in diese Richtung drängt. Dieser Rechtsruck setzt sich jedoch über das gesamte Spektrum im Bundestag durch und dafür gibt es klare Gründe.

Das kapitalistische System ist in einer Dauerkrise, und die Kosten dafür sollen wir Arbeiter:innen schultern. Angesichts von Umverteilung, Krieg und sozialen Kahlschlag gelangt die liberale Seite der staatlichen Herrschaft an ihre Grenzen. Zumal die BRD im großen Stil aufrüsten will und die Bevölkerung zu großen Teilen kein Interesse hat, für die Herrschenden an die Front zu ziehen. Denn gerade die Jugend, auf die die Bundeswehr am meisten angewiesen ist, möchte nicht zum Bund. Aus den annähernd 300.000 verschickten Wehrdienst-Fragebögen konnte die Bundeswehr nur 530 Jugendliche für das Jahr 2026 rekrutieren.

Deshalb legt der Staat Stück für Stück die Samthandschuhe ab. Das sehen wir an dem Angriff auf den Acht-Stunden-Tag, den Sozialstaat und das Gesundheitssystem der Merz-Regierung. Und die Angriffe auf unsere Klasse werden mit der AfD an der Macht noch deutlich anziehen.

AfD – der faschistische Arm im Bundestag

Die AfD ist deshalb jedoch nicht nur die CDU mit etwas verschärften Forderungen und rassistischerem Vokabular. Die AfD ist faktisch der parlamentarische Arm von faschistischen Kaderorganisationen, faschistischen Medien und bewaffneten Strukturen.

Der brandenburgische Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm, der Chef der AfD-Jugendorganisation und aktueller Kandidat für den Bundesvorstand, fasste sein Verständnis der faschistischen Bewegung wie folgt zusammen: „Wir sind Teil einer Bewegung: Pegida auf der Straße, die Identitären auf dem Brandenburger Tor und die AfD im Parlament.“

Und genau das sollten wir als Warnung verstehen. Die AfD ist natürlich noch nicht in der Lage, den deutschen Staat von heute auf morgen in ein faschistisches NS-Regime 2.0 zu verwandeln, doch die faschistische Machtübernahme wird an allen Stellen systematisch vorbereitet – auf den Straßen, in den Vierteln und eben auch im Parlament. Auch zeigen diese Verbindungen, warum ein Verbot der AfD viel zu kurz gedacht ist. Statt die faschistische Bewegung damit zu enthaupten, würde man nur einen Kopf der Hydra abschlagen.

Zusammen mit den Parteien des Kapitals gegen die AfD?

Die AfD ist also weder die eine Partei, die man einfach verbieten kann, um das Problem zu lösen, noch haben CDU, SPD usw. ein ehrliches Interesse ,tatsächlich gegen den Rechtsruck vorzugehen. Dementsprechend liegt es an uns, selbstorganisiert antifaschistischen Widerstand auf die Beine zu stellen.

Den Parteitag der AfD gemeinsam mit Widersetzen ins Visier zu nehmen und sich dafür einzusetzen, dass dieser nicht reibungslos abläuft, ist dabei ein wichtiger Teil der antifaschistischen Arbeit. Und das ist richtig, obwohl man sich an einer Aktion beteiligt, zu der auch die Parteien des Kapitals aufrufen, zum Beispiel die Linke, die Grünen usw. Auch ideologische Unterschiede bezüglich der Einschätzung der AfD und der antifaschistischen Strategie innerhalb der Widerstandsbewegung, dürfen uns nicht daran hindern, der AfD gemeinsam als Klasse entgegenzutreten.

Denn die Proteste gegen die AfD sind die größte antifaschistische Mobilisierung der aktuellen Zeit in Deutschland. Hier werden tausende junge Menschen politisiert und sind bereit, trotz der zu erwartenden Polizeigewalt ein komplettes Wochenende dem antifaschistischen Kampf zu widmen – und das, obwohl die Polizei bereits ein Versammlungsverbot der wichtigsten Anfahrtswege zum Gelände des AfD-Parteitags verhängt hat.

Wenn wir uns tatsächlich dem Rechtsruck und dem erstarkenden Faschismus etwas Handfestes entgegensetzen wollen, müssen wir Seite an Seite mit unseren Klassengeschwistern in Erfurt kämpfen und voranschreiten. Davor schrecken wir auch nicht zurück, wenn Parlamentsparteien sich an diesem Protest beteiligen wollen. Auch dürfen wir uns nicht von ihren Grenzen der Legalität und des immer rechter werdenden „Rechtsstaats“ einengen lassen.

Erstveröffentlich auf perspektive online v. 2.7. 2026
Mit und ohne Parlamentsparteien …

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„Linke ausrotten“

Kolumbiens mutmaßlich nächster Präsident de la Espriella, ein Ultrarechter, unterhält gute Kontakte in die extreme Rechte in Europa. Er wurde im Wahlkampf von Trump unterstützt und will das Land erneut den USA unterwerfen.

Newsletter German Foreign Policy

Vorbemerkung Red.: Die Ausrichtung der Politik auf dem lateinamerikanischen Kontinent folgt in einer radikalisiereten Form wieder den alten Spuren. Die US-Administration hat sich zum Ziel gesetzt den gesamten amerikanischen Kontinent unter ihre Kontrolle, also auch frei von Einflussnahme durch die imperialistische Konkurrenz zu bringen. Das soll ihre Basis sein, um es mit dem eurasischen Gegner aufzunehmen zu können. An die Regierung gespült wird ein Personal, in dem die Übergänge zwischen radikalem Rechtspopulismus und offen faschistischen Kräften fließend sind. (JG)

BOGOTÁ/WASHINGTON/MADRID (Eigener Bericht) – Kolumbiens vermutlich nächster Präsident Abelardo de la Espriella unterhält gute Verbindungen zu Parteien der extremen Rechten in Europa. De la Espriella, der die kolumbianische Präsidentenwahl am Sonntag laut dem vorläufigen Wahlergebnis knapp vor dem Menschenrechtler Iván Cepeda gewonnen hat, ist im Januar in Madrid anlässlich eines Treffens mit Santiago Abascal, dem Präsidenten der ultrarechten Partei Vox, dem von deren Parteistiftung gegründeten Foro Madrid beigetreten – einem Zusammenschluss, der die äußerste Rechte Spaniens und Lateinamerikas vernetzt. In dessen Netzwerke sind andere Ultrarechte wie Chiles Präsident José Antonio Kast und die venezolanische Oppositionelle María Corina Machado eingebunden. Vox vermittelt Kontakte zwischen der äußersten Rechten in Lateinamerika und der extremen Rechten in Europa – so etwa Kontakte zu den Patriots for Europe (PfE). De la Espriella, selbst der äußersten Rechten zugehörig, will Kolumbien auf Rechtsaußenkurs trimmen und das Land wieder den USA unterwerfen. US-Präsident Donald Trump hat zu seinen Gunsten völlig offen in Kolumbiens Wahlkampf interveniert. De la Espriella will „Linke ausrotten“.

„Anwalt der Mafia“

Abelardo de la Espriella gilt als enger Freund von Álvaro Uribe, einem sehr weit rechts stehenden Politiker, der von 2002 bis 2010 als Präsident Kolumbiens amtierte und dem bis heute erheblicher Einfluss im Land zugeschrieben wird.[1] De la Espriella selbst, längst Millionär, hat eine Karriere als Rechtsanwalt absolviert. Vertreten hat er nicht zuletzt berüchtigte ultrarechte Paramilitärs, Politiker, die diesen nahestanden, sowie Drogenbosse. Einer seiner Klienten war der Paramilitär und Drogenboss Salvatore Mancuso, der im Jahr 2008 in die Vereinigten Staaten ausgeliefert und dort zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Die spanische Tageszeitung El País nannte de la Espriella „Anwalt der Mafia“.[2] Im Juli vergangenen Jahres erklärte Kolumbiens mutmaßlich nächster Präsident, er werde „alles in seiner Macht Stehende tun“, um linke Politiker und Aktivisten „auszuweiden“: „Diese Plage muss ausgerottet werden.“[3] Eines seiner Wahlplakate zeigt ihn, wie er auf dem Rücken seines zu Boden geworfenen Wahlrivalen Iván Cepeda kniet und ihn brutal niederdrückt.[4] Zuletzt musste er sich verteidigen, weil er einer Journalistin ein Foto seines Unterkörpers gezeigt hatte; darauf ist seine enganliegende Hose am Geschlechtsorgan massiv ausgebeult. Er habe die Journalistin aufgefordert: „Komm näher und erzähl mir, was du siehst“.[5]

Krieg statt Verhandlungen

De la Espriellas politische Ziele, für die er sich im Wahlkampf offiziell stark gemacht hat, laufen auf einen Umbau des kolumbianischen Staates entsprechend den Plänen von US-Präsident Donald Trump hinaus. So hat er angekündigt, Kolumbiens harte innere Konflikte einerseits mit Resten der Guerilla, andererseits mit Drogenkartellen nicht mehr auf dem Verhandlungsweg beilegen zu wollen wie der scheidende Präsident Gustavo Petro, sondern stattdessen auf militärische Gewalt zu setzen. Die Rede ist etwa von Luftangriffen auf Stellungen der Guerilla oder vom Versprühen des berüchtigten Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf Kokaplantagen.[6] Die Folgen einer solchen Gewaltpolitik wären wohl, so heißt es in einer Analyse, vor allem „für den ländlichen Raum … fatal“. Darüber hinaus hat de la Espriella angekündigt, zehn „Megagefängnisse“ in abgelegenen Regionen bauen zu wollen, womöglich unter privater Kontrolle. Als Vorbild gelten Haftanstalten in El Salvador unter dem dortigen Präsidenten Nayib Bukele, in denen Menschenrechtsorganisationen zufolge verheerende Zustände herrschen.[7] Ökonomisch setzt de la Espriella auf drastische Kürzungen bei den Staatsausgaben; von einer Streichung von 40 Prozent ist die Rede. Als sein Vorbild in der Wirtschaftspolitik wird Argentiniens Präsident Javier Milei genannt.

Plan Colombia 2.0

Außenpolitisch strebt de la Espriella erneut die klare Unterwerfung Kolumbiens unter die Vereinigten Staaten an, die der scheidende Präsident Gustavo Petro vorsichtig aufzubrechen versucht hatte. So hat er einen Plan Colombia 2.0 angekündigt. Der ursprüngliche Plan Colombia umfasste in den 2000er Jahren milliardenschwere Waffenkäufe in den USA sowie militärische Inlandsoperationen gemeinsam mit den US-Streitkräften. Die Folge war eine dramatische Eskalation der Gewalt.[8] De la Espriella hat darüber hinaus angekündigt, dem US-Projekt Shield of the Americas beitreten zu wollen, einem Zusammenschluss ultrarechts regierter Staaten Lateinamerikas und der Karibik mit den USA, der erst im März von der Trump-Administration gegründet wurde.[9] Trump wiederum hat de la Espriella in den höchsten Tönen gelobt und ihn im Wahlkampf offen unterstützt. Sogleich nach seinem Sieg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hatte er in den sozialen Medien erklärt, das Ergebnis der Wahl sei „sehr wichtig“ für Kolumbiens „Beziehung zu den Vereinigten Staaten“; er erteile de la Espriella „meine vollständige und umfassende Unterstützung“.[10] Präsident Petro rief daraufhin „alle Kolumbianer“ offiziell auf, „frei zu wählen und nicht zuzulassen, zu Sklaven oder zur Kolonie zu werden“.

„US-Interessen untergraben“

Trumps Einmischung in Wahlkämpfe in Lateinamerika ist nicht neu. Ende 2025 etwa setzte er sich im honduranischen Wahlkampf für Nasry Asfura ein, einen Ultrarechten vom Partido Nacional de Honduras. Asfura ging letztlich als knapper Sieger aus einer von gravierenden Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl hervor. Schon zuvor hatte Trump bei einer Zwischenwahl in Argentinien für den Rechtsaußenpräsidenten Javier Milei Partei ergriffen und ihm mit einem Währungsswap über 20 Milliarden US-Dollar aus einer für Argentiniens Finanzen bedrohlichen Lage geholfen. Bereits seit geraumer Zeit unterstützt Trump nun mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in Brasilien im Oktober Flávio Bolsonaro, einen der Söhne des Ex-Rechtsaußenpräsidenten Jair Bolsonaro.[11] Im kolumbianischen Wahlkampf ging die Trump-Administration über verbale Unterstützung hinaus. Kurz vor der Wahl ließ US-Außenminister Marco Rubio den kolumbianischen Onlineaktivisten Beto Coral, der in den USA Asyl beantragt hat, festnehmen; er will ihn abschieben lassen. Grund war, dass Coral sich öffentlich gegen de la Estriella ausgesprochen hat. Halte Coral sich weiter in den Vereinigten Staaten auf, dann „untergräbt das außenpolitische US-Interessen“, begründete Rubio den Schritt.[12] Das dürfe nicht geschehen.

Beziehungen nach Europa

De la Espriella verfügt über gute Beziehungen in die äußerste Rechte nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. An einer Großveranstaltung in Bogotá am 3. November 2025, die de la Espriellas Präsidentschaftskandidatur unterstützte, nahm unter anderem der Spanier Alvise Pérez teil, Europaabgeordneter und Gründer der ultrarechten Partei Se Acabó La Fiesta (SALF) [13]; zwei von deren Abgeordneten im Europaparlament gehören dort – formell als Unabhängige – der EKR-Fraktion (Europäische Konservative und Reformer) an. Am 13. Januar kam de la Espriella in Madrid mit Santiago Abascal zusammen, dem Präsidenten der ultrarechten Partei Vox [14], die gute Beziehungen nach Lateinamerika unterhält. De la Espriella trat an diesem Tag auch dem Foro Madrid bei, das im Jahr 2020 von der Fundación Disenso gegründet worden war, einer Vox angegliederten Stiftung, die offiziell ebenfalls von Abascal geleitet wird. Das Foro Madrid bündelt die äußerste Rechte Lateinamerikas und verbindet sie mit der äußersten Rechten Spaniens bzw. insbesondere mit Vox. Vox wiederum gehört den Patriots for Europe (PfE) an, einem europaweiten Zusammenschluss, der unter anderem den französischen Rassemblement National (RN), die italienische Lega und Ungarns ultrarechte Partei Fidesz umfasst.[15] Damit ist der vermutlich nächste kolumbianische Präsident mit Europas extremer Rechter eng verknüpft.

[1], [2] Camila Osorio, María Martín: Abelardo de la Espriella, el abogado del diablo que quiere ser presidente de Colombia. elpais.com 01.06.2026.

[3] Hans Weber: Wahlen in Kolumbien: Die Gefahren hinter dem ultrarechten Kandidaten. amerika21.de 20.06.2026.

[4] Angie Julieth Cicua Caballero: Esta es la polémica valla de Abelardo de la Espriella a la que acusan de incitar a la violencia política: „Es una declaración de odio“. infobae.com 03.06.2026.

[5] María Martín: Abelardo de la Espriella: el candidato que presume de genitales incendia la campaña electoral colombiana. elpais.com 14.05.2026.

[6] Frederic Schnatterer: Stichwahl in Kolumbien: Wer ist der rechte Hardliner de la Espriella? rega-net.org 05.06.2026.

[7] The human cost of the repressive cooperation between the US and El Salvador. amnesty.org 15.04.2025.

[8] Frederic Schnatterer: Stichwahl in Kolumbien: Wer ist der rechte Hardliner de la Espriella? rega-net.org 05.06.2026.

[9] S. dazu Die Unterwerfung Lateinamerikas (II).

[10] Annie Correal: Trump Endorses Right-Wing Presidential Candidate in Colombia. nytimes.com 02.06.2026.

[11] S. dazu „Nicht der Kaiser der Welt“.

[12] Hamed Aleaziz, Annie Correal: Memo by Rubio Approved Detention of Immigrant Who Criticized Trump Ally. nytimes.com 19.06.2026.

[13] Diego Stacey: El candidato ultra Abelardo de la Espriella se da un baño de masas en un congreso en Bogotá: „El ‘Tigre’ ha despertado“. elpais.com 04.11.2025.

[14] Diego Stacey: El candidato Abelardo de la Espriella se aproxima a la ultraderecha global para arrebatarle espacio al uribismo. elpais.com 15.01.2026.

[15] S. dazu Die transatlantische extreme Rechte (II) und Das Zeitalter der Patrioten.

Erstveröffentlicht bei German Foreign Policy v. 25.6. 2026
Linke ausrotten

Wir danken für das Publikationsrecht.

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