78 Jahre Nakba: Demobericht Berlin

Zum 78. Jahrestag der Vertreibung von 750.000 Menschen aus ihrer Heimat Palästina wurde am Wochenende weltweit an die Nakba („Katastrophe“) erinnert. Die systematische Vertreibung der Palästinenser:innen hat nie aufgehört, sondern hält bis heute an. Das UN-Hilfswerk UNRWA schätzt die Zahl der Vertriebenen mittlerweile auf 5,9 Millionen. Der deutsche Staat unterstützt die Vertreibungspolitik aktiv, weshalb sich der Protest auch gegen diese Komplizenschaft richten muss.

Während in Hamburg eine Demonstration das Stop-Nakba-Camp abrundete, kamen in Berlin ebenfalls ca. 2.500 Demonstrierende zusammen. Vom Oranienplatz ging der Protestzug über das Kottbuser Tor in Richtung Neukölln und endete planmäßig am Südstern. Das ist bei der Demonstration zum Nakba-Gedenken in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Letztes Jahr fanden sich die Demonstrierenden schon zu Beginn in einem Polizeikessel wieder und die Demo wurde von der Polizei kurzerhand zur Kundgebung herabgestuft. Dieses eskalierende Verhalten zu so einem solch emotionalen Anlass auf dem Höhepunkt des Genozids in Gaza führte zu Spannungen, was niemanden verwundern dürfte. In der darauf folgenden Pressekampagne gegen die Demonstrierenden (mit prominenter Unterstützung aus der Politik), wurde tagelang reißerisch über einen schwerverletzten Polizisten berichtet. Angeblich von einem Mob zu Boden gebracht und durch Schläge und Tritte schwer verletzt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Polizist sich seine Hand beim Einschlagen auf Demonstrierende gebrochen hatte:

Videobeitrag von 3ezwa.de zur damaligen Kampagne

Palästinasolidarität weiter unter Repressionsdruck

Das hält Tagesspiegel und Tagesschau jedoch nicht davon ab, die falsche Darstellung auch dieses Jahr weiter zu verbreiten und die Polizeigewalt damals und heute totzuschweigen. Nach wie vor wird alles dafür getan, die palästinensische Freiheitsbewegung zu delegitimieren, um von der deutschen Unterstützung für das israelische Apartheidsregime abzulenken. Die Repression soll Exempel statuieren (Vgl. hierzu auch: Bericht im Jacobin: Entzug der Staatsbürgerschaft wegen Social Media Posts).

Der Repressionsdruck soll den mehrheitlich weiterhin solidarischen Teil der Bevölkerung davon abhalten, ihre Empathie mit den Palästinenser:innen offen auf der Straße zu zeigen. Auch dieses Jahr kam es folgerichtig zu massiver Polizeigewalt gegen die Demonstrierenden:

Videodokumentation der Polizeigewalt: 

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Doch die Kriminalisierung der Demonstrierenden in der bürgerlichen Presse verfängt immer weniger. In zahlreichen Redebeiträgen wurden die absurden und geschichtsrevisionistischen Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch die deutsche Staatsräson scharf zurück gewiesen. Nahezu alle Redner:innen solidarischer Gruppen vom Internationalistischen Bündnis, Gruppe Arbeiter:innenmacht, BDS Berlin, DKP, Mera25 bis zur Linken Neukölln betonten, dass ein Existenzrecht immer nur für Menschen gilt, niemals jedoch für Staaten. Dabei hoben die Redner:innen die Absurdität hervor, dass die BRD – während sie vorgibt aus der eigenen Geschichte gelernt zu haben – Kritik an systematischer Vertreibung, Apartheid und Völkermord kriminalisiert und dabei auch jüdische Stimmen belehrt und mundtot machen will.

Aufklärung und Widerstand nötig

Die Rednerin von Mera25 ging in ihrer Rede auch auf die Unwissenheit in der deutschen Bevölkerung ein und brachte diese mit den mangelhaften Bildungsplänen in Zusammenhang. Sie selbst habe das erste Mal von der Nakba erfahren, als sie beruflich in Palästina war und dort – nach dem Passieren von Checkpoints – an den Ruinen der verlassenen palästinensischen Dörfer vorbei fuhr. Sie forderte, dass die deutsche Gesellschaft sich ihrer Verantwortung auch in Bezug auf die Palästinenser:innen endlich stellen muss.

Die Rednerin von Arbeiter:innenmacht fragte zurecht in Richtung Deutscher Gewerkschaftsbund, wie lange er sich noch für die Großmachtfantasien und Kapitalinteressen der herrschenden Klasse vor den Karren spannen lassen will: „So lange bis eure eigenen Kinder im Schützengraben liegen?“

Dieser Frage können wir uns nur anschließen und rufen die Basis in den Gewerkschaften dazu auf, sich stärker bemerkbar zu machen. Wir werden es sein, die ansonsten in der Zukunft für die Expansionsgier der Reichen einen sehr hohen Preis zahlen müssen. Doch wir haben die Macht, wenn wir uns organisieren.

In Deutschland haben wir diesbezüglich einiges aufzuholen. Die sehr bescheidene Beteiligung linker Organisationen an der Demonstration zum Jahrestag der Nakba entspricht nicht der internationalen Solidarität mit einer vom deutschen Staat verfolgten ethnischen Minderheit. In Frankreich beteiligte sich beispielsweise der Gewerkschaftsverbund Solidaires an der Nakba Demonstration, während die deutschen Gewerkschaften zur Vertreibung in Palästina weiter beharrlich schweigen. Der DGB fiel am 1. Mai dagegen erneut mit dem Versuch auf, Palästinasolidarität von den Demonstrationen zu verdrängen (Bericht). Ein Vorgehen, das in anderen europäischen Ländern für Kopfschütteln sorgt.

Die nächste Gelegenheit sich gegen Imperialismus, Krieg und Sozialabbau zu organisieren ist bei der Vorbereitungskonferenz zum internationalen Antikriegsmeeting in London am 30. Mai [Infos zur Veranstaltung hier] sowie bei den Aktionstagen gegen die Rheinmetall-Fabrik im Wedding am 10./11. Juli [alle Infos hier].

Bilder: Kurt Weiß, Konstantin Kieser

U.S. Hafenarbeiter verurteilen Iran-Krieg

Die International Longshore and Warehouse Union (ILWU) ist eine Gewerkschaft, die hauptsächlich Hafenarbeiter an der Westküste der Vereinigten Staaten, auf Hawaii und in British Columbia, Kanada, vertritt. Die ILWU wurde 1937 nach dem West Coast Waterfront Strike von 1934 gegründet, einem dreimonatigen Streik, der in einem viertägigen Generalstreik in San Francisco, Kalifornien und der Bay Area gipfelte.

Das klare Statement der ILWU unterscheidet sich positiv vom dröhnenden Schweigen der regierungstreuen deutschen Gewerkschaftsbürokratie. Man kann keine Rechte der Arbeiter verteidigen, wenn man die Kriegspolitik der eigenen Regierung unterstützt. Stoppt alle Waffenlieferungen nach Israel. Bundeswehr raus aus dem Mittleren Osten.

Erklärung der ILWU: Kein Krieg mit dem Iran

Der Internationale Vorstand der International Longshore and Warehouse Union verurteilt aufs Schärfste den jüngsten Beginn eines zerstörerischen und rücksichtslosen Krieges der US-Regierung im Iran. Dieser Krieg, der erst am 28. Februar dieses Jahres begann, hat bereits Tausende von Menschenleben gefordert und globale Lieferketten und Energiemärkte massiv beeinträchtigt, wodurch die Welt unsicherer geworden ist. In unserer langen und stolzen Geschichte haben wir uns stets entschieden für den Frieden eingesetzt und uns gegen die Verwicklung in sinnlose Kriege am anderen Ende der Welt ausgesprochen. Auch dieser Krieg bildet da keine Ausnahme.

Während gewählte Politiker Kriege beginnen, zahlt am Ende immer die Arbeiterklasse den Preis. Von Tausenden unschuldigen Zivilisten, darunter Hunderten von Kindern, die bei Luftangriffen im Nahen Osten getötet wurden, bis hin zur wachsenden Zahl gefallener US-Soldaten – dieser Krieg hat bereits viel zu viele Leben zerstört. Wem nützt das? Dem amerikanischen Volk wurde nie ein stichhaltiger Grund genannt, warum dieser Krieg unsere Sicherheit erhöhen sollte. Jeder einzelne der Milliarden Dollar, die für diesen Krieg ausgegeben wurden, fehlt für Schulen, bezahlbaren Wohnraum oder Gesundheitsversorgung.

Die Einleitung eines Krieges ohne Zustimmung des Kongresses ist ein Affront gegen die demokratischen Prinzipien unseres Landes. Diese Angriffe sind ohne Kriegserklärung des Kongresses illegal – und ein Kennzeichen des Imperialismus. Wir fordern den Kongress auf, seiner Pflicht nachzukommen – der Pflicht, für die ihn das amerikanische Volk gewählt hat: eine Resolution zur Wiederherstellung der Kriegsbefugnisse zu verabschieden, um das Machtgleichgewicht zugunsten des Kongresses wiederherzustellen und den sofortigen Abzug der US-Truppen aus diesem illegalen Krieg zu fordern. Ob Kuba, Iran oder Grönland – wir können einen destabilisierenden Krieg, der nichts zur Sicherheit unseres Landes beiträgt, nicht länger finanzieren. Beenden Sie den Krieg gegen den Iran.

Quelle: https://www.ilwu.org/ilwu-statement-of-policy-no-war-with-iran/

UPDATE: Erfolg! Solidaritätskundgebung mit der Jüdischen Stimme gegen den Verfassungsschutz

UPDATE: Das Bundesministerium des Inneren darf Jüdische Stimme nicht mehr im Verfassungsschutzbericht 2024 als „gesichert extremistisch“ bezeichnen. Hier ist das Urteil vom 27.4.2026:

https://www.berlin.de/gerichte/verwaltungsgericht/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1665248.php

Am 27. April wurde beim Verwaltungsgericht Berlin eine kleine, entschlossene Kundgebung in Solidarität mit der Klage der Jüdischen Stimme gegen den, irreführend Verfassungsschutz genannten, deutschen Inlandsgeheimdienst durchgeführt. Zu Recht klagt die Jüdische Stimme dagegen als verfassungsfeindlich bezeichnet zu werden. Es löst allgemein Wut und Empörung aus, dass eine Behörde, die mit Nazis und Gestapooffizieren aufgebaut wurde, wieder eine jüdische Organisation verfolgt und bespitzelt. Die Jüdische Stimme schreibt dazu: „Zum ersten Mal seit seiner Errichtung durch die Mörder unserer Vorfahren geht der Verfassungsschutz auf diese Weise gegen eine jüdische Organisation vor.“

Ein Kollege des Forums gewerkschaftliche Linke Berlin überbrachte die folgende Solidaritätserklärung:

„Danke, aber ich bin nicht die IG Metall, sonst würden hier viele Kollegen stehen. Das wird aber von der Gewerkschaftsführung verhindert, die loyal zur Staatsräson ist. Aber es gibt sehr viele Kollegen, die auch solidarisch mit Palästina sind.

Ich bringe euch solidarische Grüße vom Forum gewerkschaftliche Linke und von Kollegen des Metaller Arbeitskreis Internationalismus. 

Jüdische Stimmen und Palästina-Solidarität werden vom deutschen Staat unterdrückt, weil die deutsche Regierung die Kriege, die Schmutzarbeit Israels unterstützt. Dabei geht es natürlich nicht um den Schutz jüdischen Lebens, sondern um den Suezkanal und die Straße von Hormuz! Israel wird mit Waffen versorgt, um die imperialistische Kontrolle des Mittleren Ostens zu sichern. Die Gewerkschaften müssen die Waffenlieferungen nach Israel stoppen!

Als Gewerkschafter verteidigen wir demokratische Rechte und der Angriff auf die Jüdische Stimme ist auch ein Angriff auf die Arbeiterbewegung, wo linke und antizionistische Jüdinnen und Juden immer eine wichtige Rolle spielten. Hände weg von unseren Rechten! Hände weg von der jüdischen Stimme! Ein Angriff auf Einen ist ein Angriff auf Alle!“

Jüdische Stimme Statement: 

https://www.juedische-stimme.de/news-und-stellungnahmen/wer-schutzt-uns-vor-dem-verfassungsschutz

Donorbox: Spendet für die Klage gegen den Verfassungsschutz:

https://donorbox.org/defend-solidarity-germany?language=de

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