Pride Month

Heute ist vieles wieder anders geworden!

Weltweit macht die rechte Szene mobil gegen die QueerSzene und Transmenschen. Der rechte Kulturkampf macht sie zum Hassobjekt und zum Spielball gesellschaftlicher Spaltung. Die kapitalistische Krise braucht Blitzableiter, um nicht selbst ins Fadenkreuz der Kritik zu geraten.

„In Deutschland und weltweit erstarkt der Faschismus. Neben Migrant:innen sind wir LGBTI+ eines der zentralen Feindbilder…“, heißt es in einem antifaschistischen Aufruf zur „International Queer Pride“ in Berlin.

Rückschritte und Doppelmoral überall!

Die Bekenntnisse zu gesellschaftlicher Akzeptanz von Minderheiten und Queerpersonen durch die großen Konzerne entpuppen sich inzwischen immer mehr als kapitalistisches Marketing. Die hehren Beteuerungen werden fallen gelassen, wenn es für das Business und die Aufrechterhaltung der Machtverhältnisse nicht mehr opportun ist und die rechte Szene nur ausreichend Druck macht.

Pünktlich zum Pride-Month lässt der Berliner Senat verlauten, dass er über eine Bundesratsinitiative den Schutz sexueller Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes unterbringen will. So überfällig das wäre, so heuchlerisch ist es angesichts dessen, was die Berliner Variante von Schwarz-Rot unter Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sonst so hinsichtlich queerer und Menschenrechtspoliti überhaupt zu bieten hat.

Am Berliner Rathaus lässt der Regierende Bürgermeister demonstrativ die Vielfaltsflagge hissen. Sie hängt nun einträchtig neben der – ebenfalls demonstrativ gezeigten – Israel Flagge, dem Symbol des Staates, der aktuell in Gaza einen Völkermord begeht und Apartheidstrukturen aufgebaut hat.

Berlin ist inzwischen berüchtigt dafür, Kritik gegen die zionistische Besatzungs- und Völkermordpolitik und Solidarität mit den Palästinenser:innen zu unterdrücken. Wer die trostlosen Bilder der gequälten Menschen und zertrümmerten Landschaften und Städte in Gaza sieht, muss es als puren Zynismus empfinden, wenn suggeriert wird, die Verantwortlichen dieser Barbarei oder deren Unterstützer:innen ständen für „Menschlichkeit, Vielfalt und Toleranz“!

Die CSD Demonstration Berlin beginnt um 12:00 Uhr an der Leipziger Straẞe/
Charlottenstraẞe.

Ein anderes Beispiel. Seit 2 Jahren wird auf Betreiben des Regierenden Bürgermeisters mit allen Mitteln versucht, eine Friedenstatue in Berlin Mitte zu entfernen. Diese Statue ist zum Erinnerungssymbol gegen sexuelle Gewalt speziell gegen Frauen in Kriegen geworden. Gerade Frauen und LGBTI+ erleiden in Kriegen ganz besondere Gewalt. Krieg und Faschismus treiben sexuelle Gewalt und Erniedrigung auf die Spitze. Darüber soll wohl geschwiegen werden, wenn die Kriegsverbrechen konkret Deutschland oder befreundete Nationen betreffen. Die Täter werden geschützt, nicht deren Opfer.

Der Berliner Senat überschüttet die sozialen Bereiche der Stadt mit einer beispiellosen Kürzungsorgie. Auch hier trifft es Queer und Trans Menschen besonders hart. Mühsam über Jahrzehnte erkämpfte Fortschritte oder Zusagen stehen wieder zur Disposition. So drohen gerade erst aufgebaute speziell benötigte Strukturen zur Gesundheitsversorgung von Queer- und Transmenschen dem Rotstift zum Opfer zu fallen.

Allein der CSD Berlin sah sich Ende April mit 70 Prozent weniger Einnahmen durch Sponsorenfirmen konfrontiert. Sogar die Bundestagsverwaltung zog ihre Teilnahme an der Parade zurück. Die tätlichen Angriffe auf CSDs und Queerpersonen sind in die Höhe geschnellt. So sehen die Fakten aus.

Die Pride Bewegung wehrt sich!

Nach den Absagen aus Politik und von Unternehmen will sich der CSD Berlin kämpferischer zeigen: „Die Stimmung dieses Jahr wird anders sein: kämpferischer, mutiger, entschlossener“, heisst es seitens der Berliner CSD Verantwortlichen. Das Motto der Parade: „Nie wieder still“. „Es bedeutet, dass wir uns von unserem Platz, den wir über Jahrzehnte erkämpft haben, nicht verdrängen lassen.“

Man will sich nicht unterkriegen lassen. „Alle Künstlerinnen und Künstler treten kostenfrei auf.“ Aber wie weit gelingt der Befreiungsschlag von falschen Freunden und falscher Einflussnahme wirklich?

CSD Bad Belzig
Es hat noch nie so viele Pride Demonstrationen gegeben wie dieses Jahr.

Allein in Brandenburg finden dieses Jahr 17 Umzüge statt. Nicht nur in den Großstädten treten sie auf, sondern zunehmend auf dem Lande. In Bad Belzig, Luckenwalde, Bernau. Gesicht zeigen, aufklären, wer sie wirklich sind, das hilft, sich unter den Menschen zu verankern und der gesellschaftlichen Spaltung entgegen zu wirken,

Weg von den falschen Freunden, die nur Symbol Politik betreiben

Unterstützt, rechte Strukturen zurückzudrängen. Kommt nach Bautzen!

Amnesty International ruft auf: „Erheb die Stimme für Gleichberechtigung, Vielfalt & queere Sichtbarkeit und hilf mit, ein Zeichen gegen Hass & Ausgrenzung zu setzen!“

Unter dem bekannten Motto „Gleiche Rechte für Ungleiche – weltweit!“ fand vom 19. bis zum 20. Juli zum 31. Mal erfolgreich das Lesbisch-schwule Stadtfest im Berliner Nollendorfkiez statt.

Die internationalist Queer Pride verbreitet die weitestgehende Botschaft:

Wir sagen heute mehr denn je: Es gibt keine queere Befreiung ohne antiimperialistischen, antikolonialen und antizionistischen Kampf.
Keiner von uns ist frei, bis wir alle frei sind!

Kommt am 26.Juli 13 Uhr zum Südkreuz


Befreiung gibt es nur, wenn mit kapitalistisch hegemonialen und patriarchalischen Strukturen konsequent gebrochen wird. Erhebe Deine Stimme gegen alles Unrecht weltweit, aktuell vor allem auch zu den Geschehnissen in Gaza!

Fotos Peter Vlatten, Veranstalter:innen

Pistorius will Präzisionsraketen gegen Moskau kaufen.

Von Klaus Dallmer

Bild: US Army

Nicht genug damit, dass Olaf Scholz 2024 der Stationierung weitreichender US-Marschflugkörper und Hyperschallraketen zugestimmt hat, jetzt bestellt Pistorius auch noch amerikanische Typhon-Raketenwerfer mit einer Reichweite von 2000 km. Damit kann Deutschland Moskau wieder direkt ins Visier nehmen. Natürlich nur zur Verteidigung, sagen diese Helden. In Wirklichkeit soll Russland unter Druck gesetzt werden, denn auf dem Speiseplan der Ausdehnung des EU-Wirtschaftsraums stehen nach der Ukraine ja noch Moldau und Georgien – und dann die zentralasiatischen Länder, in denen unser friedliebender Bundespräsident schon vorgefühlt hat, stets reisefreudig und auf der Suche nach Betätigungsmöglichkeiten für unser demokratisches deutsches Kapital. Die Herrschaften, in deren Taschen die Gewinne von Rüstung und Kriegen fließen, können mit ihrem politischen Personal mehr als zufrieden sein.
Diese Raketen ziehen russische Präventivschläge an wie das Licht die Motten. Falls es nach dem Krieg noch Historiker geben sollte, die irgendwann die Ursachen seines „Ausbruchs“ untersuchen, werden sie hier Verantwortliche finden.

„Lasst euch nicht von den Eigenen täuschen!“ – Über den Vor-Krieg

Von Leo Ensel

Bild: NATO-Generalsekretär Marc Rutte, wie er sich auf der Online-Plattform der NATO selbst präsentiert, stolz lächelnd – und sein Ziel nach seinen Aussagen: Die NATO muss tödlicher werden („more lethal“).

Angesichts wachsender Spannungen und atemberaubender militärischer Aufrüstung drängt sich unweigerlich die Frage auf: Leben wir bereits in einer Vor-Kriegszeit? Christa Wolf warnt davor, sich von den ‚Eigenen‘ täuschen zu lassen – doch vielleicht plaudern die ihre Pläne ja ganz offen aus… 

Wann der Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vor‑Krieg? Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? 
Da stünde, unter anderen Sätzen: Lasst euch nicht von den Eigenen täuschen!
(Christa Wolf: „Kassandra“)

Vergessen wir einmal allen bildungsbürgerlichen Dünkel, dazu sind die Zeiten viel zu ernst, und nehmen wir diese Sätze wörtlich wie ein Kind! Wenn es also 203020292027 oder – vielleicht erleben wir ja gerade den letzten Friedenssommer – sogar noch diesen Herbst oder Winter knallt, dann werden wir wissen, dass der Krieg begonnen hat. Aber jetzt? In welcher Zeit leben wir heute? Allein der Verdacht, dass wir bereits in einer Vor-Kriegszeit leben könnten, ist angesichts der turmhoch aufgehäuften Massenvernichtungsgeräte alarmierend! Sollte es jedenfalls sein…

Grund genug, sich die „Eigenen“, vor denen uns Kassandra, will sagen: Christa Wolf warnt, einmal genauer anzuschauen. Solange das noch geht.

„Frieden gibt‘s auf jedem Friedhof.“
(Friedrich Merz)

„Russland wird immer ein Feind für uns bleiben.“
(Johann Wadephul)

„Sind wir bereit, empfindliche Nachteile in Kauf zu nehmen?“
(Frank-Walter Steinmeier)

„Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein.“
(Boris Pistorius)

„Europa erlebt derzeit, historisch gesehen, etwas, das einem Glück gleicht. Wir haben wieder Feinde. Echte Feinde.“
(Peter Sloterdijk)

„We are fighting a war against Russia.“
(Annalena Baerbock)

„Die EU muss weiterhin Waffen an Kiew liefern und zulassen, dass es auf russischem Territorium angreift.“
(Carola Rackete)

„Der Krieg muss nach Russland getragen werden. Nicht nur Ölraffinerien, sondern Ministerien, Kommandoposten, Gefechtsstände.“
(Roderich Kiesewetter)

„Wir dürfen nicht vergessen – auch wenn Russen europäisch aussehen – dass es keine Europäer sind, jetzt im kulturellen Sinne.“
(Florence Gaub)

„Wir sehen einen Vernichtungskrieg mitten in Europa.“
(Anton Hofreiter)

„Wladimir Putin ist ein Mörder, ein Killer, der Hunderte von Millionen Menschen unter die Erde gebracht hat.“
(Marie-Agnes Strack-Zimmermann)

„Wir schalten bei der Verteidigung einen Gang hoch.“
(Ursula von der Leyen)

„Das wird Russland ruinieren!“
(Annalena Baerbock)

„Ich will eine Bundeswehr, die woke im besten Sinne des Wortes ist, wehrhaft und bis an die Zähne bewaffnet.“
(Carlo Masala)

„Die Unwilligkeit von Eltern, ihre Kinder als Soldaten zu sehen, die eventuell geopfert werden für das Gemeinwesen.“
(Egon Flaig)

„Wie können wir diesen Code schneller überschreiben?“
(Caren Miosga zur ‚deutschen Pazifismus-DNA‘)

„Wollen wir wirklich dauerhaft mit einem brutalen Mafiaboss in unserer Nachbarschaft leben und uns alle zwei Tage nuklear erpressen lassen?“
(Stefanie Babst)

„Nicht die Bombe ist die Waffe, sondern die Angst davor!“
(Florence Gaub)

„Die EU braucht eine eigene atomare Abschreckung.“
(Joschka Fischer)

„Das erhöht die Sicherheit.“
(Olaf Scholz zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland)

„Der Krieg ist schon da. Er ist in einem Graubereich, aber hybrid ist er da.“
(Claudia Major)

„Wir müssen endlich in eine Art Kriegswirtschaft.“
(André Wüstner)

„Wer keine Kampfdrohnen anschaffen will, kann auch den Rest vergessen!“
(Herfried Münkler)

„Transatlantisch? Traut euch!“
(Gemeinsames Dossier aller transatlantischen Think Tanks in Deutschland)

„Europe is going to pay in a BIG way, as they should.“
(Marc Rutte)

„Wir haben uns das anders gewünscht, aber es muss wohl sein, dass wir uns verteidigungsbereit machen müssen.“
(Udo Lindenberg)

„Bereit sein ist alles!“
(Reservistenverband)

„I am ready to defend this Union with weapons if need be.“
(Hannah Neumann, MEP Grüne)

„Together, we will make our Alliance, stronger, fairer and more lethal.“
(Nochmal Marc Rutte)

„Das könnte unser letzter Sommer im Frieden sein.“
(Sönke Neitzel)

„Wenn das nicht aufhört mit den Bombardements, dann ist der erste Schritt der: Reichweiten-Begrenzung aufheben. Und der zweite Schritt der, dass wir die Taurus liefern. Und dann hat Putin es in der Hand, wie weit er diesen Krieg noch weiter eskalieren will.“
(Friedrich Merz)

„Die Niederlage Russlands wäre kein Nachteil. Das Land besteht aus vielen verschiedenen Nationen und nach dem Krieg könnten daraus separate Staaten entstehen. Es wäre vorteilhaft, wenn eine Großmacht deutlich an Größe verliert.“
(Kaja Kallas)

„Lumpen-Pazifisten sind zuvorderst selbstgerecht.“
(Sascha Lobo)

„Als ich zuletzt wieder die Ostermarschierer sah, taten sie mir richtig leid.“
(Wolfgang Niedecken von BAP)

Soweit unsere „Eigenen“.Aber könnte es sein, dass es vielleicht ganz anders ist als Kassandra und Christa Wolf uns warnen? Vielleicht täuschen uns die Eigenen ja gar nicht. Vielleicht plaudern sie ihre Pläne ja ganz frech offen aus. In der – gar nicht so unbegründeten – Annahme, dass wir ihnen das sowieso nicht abnehmen. Vielleicht ist das Problem ja gar nicht, dass wir den Eigenen glauben, sondern dass wir ihnen nicht glauben wollen

Vielleicht sollten wir uns nicht von den Eigenen, sondern von uns selbst nicht täuschen lassen!

PS:
Biedermann: Herr Eisenring, ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, offen gesprochen: – ist wirklich Benzin in diesen Fässern?
Eisenring: Sie trauen uns nicht?
Biedermann: Ich frag ja nur.
Eisenring: Wofür halten Sie uns, Herr Biedermann, offen gesprochen: – wofür eigentlich?
Biedermann: Sie müssen nicht denken, mein Freund, dass ich keinen Humor habe, aber Ihr habt eine Art zu scherzen, ich muss schon sagen.
Eisenring: Wir lernen das.
Biedermann: Was?
Eisenring: Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung (finde ich) ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.
(Max Frisch: „Biedermann und die Brandstifter“)

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 22.7. 2025
https://globalbridge.ch/lasst-euch-nicht-von-den-eigenen-taeuschen-ueber-den-vor-krieg/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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