Rette sich, wer kann: Wohngemeinschaften in Apokalypse-Bunkern

Von FLORIAN RÖTZER

Titelbild: Arche Noah? Vivos-Bunker in South Dacota. Bild: Darlosity/CC BY-SA-3.0

Die Reichen haben Angst. Vor dem Tod natürlich, weil sie doch so wertvoll für die Menschheit sind, länger als das gemeine Volk  zu leben, weswegen Longevity, Anti-Ageing und alle Formen der Körperoptimierung en vogue und Pflicht sind. Sie haben seltsamerweise weniger Angst vor Aufständen, sondern vor einem Atomkrieg, Naturkatastrophen oder einer tödlichen Pandemie. Deswegen scheint sich der Trend zu verstärken, vorsichtshalber in gesicherte Gebäude und Bunker außerhalb von Städten zu investieren, um darin im Fall des Falles überleben zu können – zumindest ein paar Tage länger als die übrigen Menschen. Die Angst kommt wohl auch daher, dass etwa die amerikanischen IT-Oligarchen auf Militär und Aufrüstung setzen. Das geht es nicht nur um Profit, sondern der Krieg schwebt in der Luft.

Um so reicher, desto größer werden die neuen Burgen, wenn die Flucht mit Privatflugzeugen und Yachten als zu unsicher erscheint und die Auswanderung auf einen anderen Planeten, an der die Oligarchen emsig arbeiten, noch in weiter Ferne ist. Wer nicht so viel hat, muss mit seiner Klaustrophobie in engen Bunkern kämpfen. Aber auch in luxuriösen Bunkern lebt man in einem Gefängnis, wenn man, wie befürchtet wird, für längere Zeit nicht mehr aus der Höhle ins Offene gehen darf.

Vielleicht ist es dann ja auch schön und unterhaltsamer, wenn man in einer Art Reichenwohngemeinschaft lebt, größere Räumlichkeiten benutzen und sich entsprechend auch mit Dienern und Bunkermeistern umgeben kann, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten, Reparaturen durchzuführen und für das leibliche Wohl sowie für körperliche und psychische Gesundheit zu sorgen.

Da gibt es zum Beispiel in South Dacota “The Largest Survival Community on Earth” des Vivos Netzwerks mit dem Slogan: „Überstehen Sie einen Atomkrieg, die nächste Pandemie oder den Zusammenbruch der Gesellschaft in relativem Komfort.“ Versprochen wird eine sichere Lage: „Fernab von Ausschreitungen, Gewalt, Zielgebieten und Überschwemmungsgebieten.“ Also eine ländliche Festung, die Städte sind des Übels.

Vivos bietet auch in Indiana Bunker für 80 Menschen und in Europa ein großes, einst sowjetisches „Arche Noah“-Bunkersystem aus dem Kalten Krieg für 500 oder 100 Menschen  in der unterirdischen Größe von 23.000 Quadratmetern an. Die Anlage befindet sich in Rothenstein, Thüringen, in einem Bunker, der als Munitionslager genutzt wurde. Angeboten werden 5-Sterne-Wohneinheiten bis zu 500 Quadratmetern, analog einer Mage-Yacht. Kleinere Wohneinheiten in der Größe von 230 Quadratmetern sind für zwei Millionen zu haben. Halbprivate 9 Quadratmeter-Zimmer kosten pro Person 35.000 bei Belegung mit vier Personen. Da gibt es also schon Unter- und Oberklasse. Dazu kommen dann laufende Betriebs- und Nebenkosten. Wer sich hier einkauft, soll sich auch noch als Altruist fühlen, weil er einen Beitrag für das Überleben der Menschheit leistet: „Mit der Teilnahme jeder Familie an diesem großartigen Projekt geht eine enorme Verantwortung für das künftige Überleben der Menschheit einher!“

Die 575 Bunker von Vivos xPoint auf einem ehemaligen, 45 Quadratkilometer großen Militärgelände sollen “praktisch allen Bedrohungen“ standhalten, sind angeblich mit allem Notwendigen ausgestattet, um ein Jahr zu überleben, und bieten unterschiedlichen Größen von Gemeinschaften Platz. Insgesamt 5000 Menschen sollen hier Platz haben. Vorgestellt wird xPoint als große Festung, zu der nur eine Straße führt, die schon von weitem vom Sicherheitspersonal überwacht wird, um Bedrohungen abzuwehren. Die über das ganze Gelände verstreute Bunker gleichen Gräbern. Sie sind 200 Quadratmeter groß und sollen 10-25 Menschen Platz bieten.

Showroom für die Vivos xPoint-Bunker. Bild: VigilanteScout/CC BY-SA-4.0

Die Besitzer müssen nur kommen, bevor die Bunkersiedlung geschlossen und „vor dem Chaos oben gesichert wird“. Die Bunker stammen aus dem Kalten Krieg und sollen auch gegen nahe Atomschläge gesichert sein: „Sie wurden so gebaut, dass sie Hunderte von Jahren überdauern und den Kräften einer 20-Megatonnen-Atomexplosion in nur wenigen Kilometern Entfernung standhalten.“ Und das in einem angeblich luxuriösem Inneren: „Die meisten Vivos-Schutzräume verfügen über komplett eingerichtete Wohnbereiche mit halbprivaten Schlafzimmern, luxuriösen Badezimmern, Küchen- und Essbereichen, geräumigen Aufenthalts- und Besprechungsräumen, Computern, Unterhaltungselektronik, Fitnessgeräten, einer Bibliothek sowie Bildungs- und Unterhaltungsmaterialien, Sicherheitsvorrichtungen, einem Sicherheitsbereich, Tresoren für Wertsachen und Munition, einer Kommunikationszentrale, Waschmöglichkeiten, einer Werkstatt und vielem mehr.“

Man fragt sich, wo eigentlich das Personal wohnen soll. Davon ist seltsamerweise nicht die Rede. Dazu kommt, dass die Reichen und Superreichen eher dem Typus Egoisten entsprechen werden, die es gewohnt sind, Dienstleistungen zu kaufen, nicht sich wechselseitig zu helfen. Das dürften schlechte Voraussetzungen für die geplanten Wohngemeinschaften, die schon unter normalen Bedingungen, wenn man sich aus dem Weg gehen kann, reichlich Möglichkeiten für Konflikte bieten.

Noch sind nach dem Wall Street Journal nur ein Drittel der Bunker verkauft. Sie kosten 55.000 US-Dollar plus Betriebskosten, vielmehr least man die Bunker für 99 Jahre. Offenbar muss man sich strengen Regeln unterwerfen, so darf man nichts über die Anlage und ihren Besitzer Medien berichten, wenn man nicht gekündigt werden will. Es sind auch nicht immer angenehme Menschen auf dem Gelände. Schusswaffen scheinen verbreitet zu sein – und auch gegen andere verwendet werden, wenn man in Streit gerät.

Das Wall Street Journal schreibt: „Klagen, Gegenklagen und Streitigkeiten häufen sich wegen Kläranlagen, Grundsteuern, freilaufenden Hunden und einer immer länger werdenden Liste von Gemeinschaftsregeln. Die juristischen Auseinandersetzungen haben bereits zweimal den Obersten Gerichtshof des Bundesstaates erreicht. Versprochene Einrichtungen, darunter ein Restaurantbunker, ein Poolbunker und ein Pferdestallbunker, sind noch nicht entstanden. Es wurden Waffen gezogen, und es gab Angebote, die Angelegenheit mit den Fäusten zu klären. Der Bauträger bestreitet jegliches Fehlverhalten und sagt, die Beschwerden kämen von ein paar Unzufriedenen.“

Restaurant-Bunker. Screenshot aus einem YouTube-Video von Vivos

Vivos würde aus verständlichen Gründen die gerne rausschmeißen. Das scheint selbst dann schwierig zu sein, wenn ein Bunkerpächter einen Angestellten mit einer Schusswaffe schwer verletzt. Angefangen hatte der Streit wegen eines defekten Reinigungssystems. Es ging vors Gericht, es eskalierte, bis ein Angestellter mit einem Bagger vorfuhr und den Pächter, einen Army-Veteranen und früheren Gefängniswärter, zu einem Faustkampf aufforderte. Dann schoss er ihn nieder, was aber rechtliche keine Konsequenzen hatte. Das Gericht gewährte ihm Immunität, weil er sein Eigentum nach dem Gesetz von South Carolina auch mit der Waffe verteidigen darf.

Derzeit gibt es eine Sammelklage, in der Vivos vorgeworfen wird, die Ausstattung der Einheiten irreführend dargestellt zu haben. Ein Video von Vivos zeigt Entwürfe von Bunkern, die als Fitnessstudio, Restaurant, Gemischtwarenladen, Gemeindezentrum und medizinische Klinik eingerichtet sind. Eingerichtet wurde nichts. Gefordert werden für 100 Pächter Rückerstattungen.

Die Situation gleicht der in Eigenheimsiedlungen, in denen mit den Nachbarn oder mit Handwerkern in Unfrieden gelebt wird und Rechtsstreitigkeiten auch um Kleinigkeiten gang und gäbe sind. Und wenn dann auch noch schnell Waffen im Spiel sind, wird der Schutz vor der noch ausstehenden Katastrophe zu einem akuten Albtraum zwischen verfeindeten Wohngemeinschaften und den Betreibern. Ob das besser würde, wenn der Ernstfall eintritt und die Gemeinschaft zur Zwangsgemeinschaft wird? Dann wären wohl Gerichte nicht mehr als Streitschlichter vorhanden, sondern würde der Wilde Westen vollends einkehren: Wer schneller schießt, überlebt – vielleicht.

Immerhin bietet Vivo noch eine scheinbar sichere und billigere Möglichkeit des Überlebens (Backup Plan für Humanity) an, allerdings nur der eigenen DNA: „Für diejenigen, die es sich nicht leisten können, physischen Platz in einem Vivos-Schutzraum zu erwerben, gibt es nun den Vivos Global Genome Vault. Diese Tresore dienen als Aufbewahrungsort, der buchstäblich die DNA jedes Menschen auf dem Planeten aufnehmen kann, um dessen Genom zu seiner eigenen zukünftigen medizinischen Wiederherstellung zu erhalten und zu lagern, solange er noch lebt; oder um Teil dessen zu sein, was möglicherweise die nächste „Arche der Menschheit“ werden könnte. Mit dem Vivos Global Genome Vault tragen wir dazu bei, die Artenvielfalt des Planeten vor einem möglichen Aussterben der Menschheit oder vor allem zu bewahren, was unsere Fortpflanzungsfähigkeit in Zukunft beeinträchtigen könnte, einschließlich einer globalen Pandemie oder einer massiven Strahlenbelastung. Die Aufbewahrung von Millionen von DNA-Proben durch Vivos gewährleistet die größtmögliche Chance auf eine zukünftige Wiederherstellung der Menschheit, ungeachtet der Vielzahl möglicher künftiger Katastrophen.“

Man kann davon ausgehen, dass Überlebende wenig Interesse haben, mit großem Aufwand Tote als Klone wiederauferstehen zu lassen. Und wenn es Überlebende gibt, wäre zum Weiterleben der Menschheit keine DNA notwendig. Suggeriert wird, man würde wieder auferstehen, weil die DNA der „eigenen zukünftigen medizinischen Wiederherstellung“ dienen soll. Man will ja schließlich individuell überleben, der Rest der Menschheit interessiert nicht, sonst würde man sich nicht teuer auf die Apokalypse vorbereiten, sondern diese möglichst verhindern.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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Erstveröffentlicht iom Overton Magazin v. 29.6. 2026
Apokalypse-Bunker

Wir danken für das Publikationsrecht.

Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg! – Aktionstage 10.–12. Juli 2026 – Aktivist:innen aus den Gewerkschaften rufen auf!

In Berlin-Wedding werden demnächst Waffen hergestellt! Der größte Rüstungsproduzent Deutschlands, Rheinmetall, stellt den ehemaligen Automobilzulieferer Pierburg in Berlin derzeit komplett um. Ab Sommer 2026 sollen dort Artilleriegeschosse vom Band laufen – 45 Kilogramm schwere Munition.

Damit wird in Berlin zum ersten Mal seit 1945 wieder Rüstung hergestellt, die überall auf der Welt Krieg und Zerstörung bringt. Gleichzeitig kürzt die Regierung massiv in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Bildung, Kultur, Mobilität und Klima und setzt arbeitende und erwerbslose Menschen stark unter Druck.

Dieser Entwicklung wollen wir nicht tatenlos zuschauen, sondern unseren Widerstand auf die Straße tragen!

Vom 10. bis 12. Juli finden dazu Aktionstage statt mit einer Großdemonstration als Höhepunkt.

Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin und aktive Gewerkschafter:innen von IG Metall, IG Bau , Verdi sowie der Vorstand GEW Berlin rufen zu den Aktionstagen und zur Teilnahme an der Demonstration auf. Bilden wir gemeinsam einen Gewerkschaftsblock!

Kolleg:innen! Wir rufen dazu auf , die Aktionstage zu unterstützen, zu mobilisieren und persönlich teilzunehmen, insbesondere auch an der Demonstration am 11. Juli. Es geht um ein Signal gegen die Militarisierung der Gesellschaft und die damit verbundenen Angriffe auf unsere gesamten Lebensinteressen.



Treffpunkt Gewerkschafter:innen: 13:45 Uhr bis 14:00 Gesundbrunnen, siehe Plan , linke Seite vor dem Eingang von DB und S-Bahn Gesundbrunnen, 50 m bis zum Kundgebungsplatz


Gewerkschafter:innen und Beschäftigte haben allen Grund, sich den Aktionstagen anzuschliessen.


Die Bundesregierung plant eine Welle von Angriffen auf fast alle sozialen, ökologischen und politischen Standards der arbeitenden Bevölkerung. Selbst hart erkämpfte gewerkschaftliche Errungenschaften wie den 8 Stundentag oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden zur Dispoisition gestellt.

Diese Angriffe sind nicht die logische Konsequenz von Demografie und Mathematik, wie der Bundeskanzler auf dem DGB Bundeskongress Anfang Mai unter Buhrufen weiszumachen versuchte. Sie sind vielmehr logische Konsequenz von Militarisierung und „Kriegsertüchtigung“ der gesamten deutschen Wirtschaft und Gesellschaft, begleitet von einem geopolitischen Konfrontationskurs mit beispielloser Verschuldung, maximaler Profitsicherung auch in Krisenzeiten auf dem Rücken aller arbeitenden Menschen.

Krankenhäuser werden eingestampft, Kasernen und Musterungsstellen aus dem Boden gestampft. Statt Wohnungen werden Bunker, statt Straßenbahnen werden Panzer gebaut.

Dieser Kriegskurs bringt nicht Sicherheit, sondern gefährdet den Frieden. Dieser Kriegskurs kurbelt weder die Wirtschaft an noch bringt er ein Mehr an Arbeitsplätzen. Gesellschaftliche Arbeitskraft wird vergeudet für Produkte, die weder positiven gesellschaftlichen Nutzen noch ökonomische Folgetätigkeiten mit weiteren Arbeitsplätzen bringen.

Wenn Geld Schulen und Krankenhäusern weggenommen wird, um immer neue Waffen zu bezahlen, dann schadet das den Interessen der gesamten arbeitenden Bevölkerung, die zu vertreten die Gewerkschaften verpflichtet sind.


Panzer und Artillerie werden im besten Fall verschrottet, im Schlimmsten Fall zerstören und töten sie. Und machen uns selbst zur Zielscheibe.

Initiativen aus der Belegschaft, Gewerkschaften und Anwohner hatten sich für einen klimafreundlichen Umbau – beispielsweise zur Herstellung von Wärmepumpen oder Teilen für den ÖPNV – starkgemacht. Diese Vorschläge wurden von Politik und Konzern ignoriert. Bei Rüstungsgütern winken staatlich garantierte Aufträge und Extraprofite.

Die DGB-Gewerkschaften müssen den „Elefanten im Raum“ endlich offensiv ansprechen und die Mentalität des Burgfriedens hinter sich lassen. Die Angriffe auf den Sozialstaat und auf gewerkschaftliche Errungenschaften sind alarmierend und müssen durch entschlossene Mobilisierungen und Kampfmaßnahmen beantwortet werden. Wer so tut als hätte der Rüstungswahn nichts mit den Kürzungen zu tun, lebt an der Realität vorbei.

Vorbildlich der Landesverband GEW Berlin, der zur Unterstützung der Aktionstage aufruft

Alle Kolleg:innen, die den Aufrüstungskurs der Bundesregierung ablehnen, sollten sich am 11. Juli unbedingt an der Demo beteiligen. Ob Gesundheitsarbeiterin, Tramfahrer, Bauarbeiterin oder Metaller. Kommt mit uns auf die Demo und macht sichtbar, dass die Gewerkschaftsbasis den Kriegskurs nicht mittragen wird.

Programmpunkte mit Gewerkschaftsverteter:innen am Frreitag, den 10.Juli

10 Uhr „Podium: Wir sterben nicht für eure Kriege – Gemeinsam gegen Wehrpflicht!“ mit Vertreter:innen der GEW und Verdi!

19 Uhr „Podium: Kriegsrelevant: Arbeiten im Zeichen der Militarisierung“ Dafür sind Arbeiter*innen aus Gesundheit, Logistik, Produktion und Technologie/IT eingeladen.

siehe hier das volle Programm!

Aus dem Aufruf des Bündnisses:

Die Reichen wollen Krieg, wir wollen eine Zukunft.

Schulen verfallen. Jugendzentren schließen und jedes vierte Kind in Berlin lebt in Armut. Bezahlbarer Wohnraum ist kaum zu finden. Krankenhäuser kämpfen mit Personalmangel und die Zahl der Tafelbesucher*innen steigt. Trotzdem wird weiter gekürzt. Gleichzeitig gibt die Bundesregierung Milliarden für Kriegsgeräte aus und die Rüstungskonzernen fahren gigantische Gewinne ein. Mit der enormen Aufrüstung und der neuen Wehrpflicht soll Deutschland »kriegstüchtig« gemacht werden. Wohin das führt, können wir aus der Geschichte lernen: zu Tod, Hunger, und Elend.

Krieg beginnt hier!

Während hier Kriege vorbereitet werden, leiden Menschen weltweit. Deutschland ist in eine Vielzahl der Krisen und Kriege verwickelt. Die BRD ist viertgrößter Rüstungsexporteur der Welt und liefert Waffen unter anderem an Israel, die Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten. Deutschland beteiligt sich damit am Genozid an den Palästinenser*innen und dem Angriff gegen Kurdistan. Durch die Nutzung des Militärstützpunktes Ramstein ist Deutschland auch mitschuldig am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran.

Waffenproduktion stoppen

Die Umstellung auf Rüstung findet aktuell an vielen Orten statt. Aber auch immer mehr Kolleg*innen positionieren sich gegen die Umwandlung, denn Aufrüstung und Kriegsproduktion richten sich gegen alle Arbeiter*innen hier und international. Die Kriege werden um Ressourcen, Märkte und Handelswege geführt und sind eine unvermeidliche Folge der kapitalistischen Konkurrenz. Wir tragen nur die negativen Folgen. Wir verlangen den Erhalt der Arbeitsplätze, aber eine Umstellung auf eine Produktion, die uns statt den Profite der Reichen dient.

Alle zusammen gegen Faschismus und Krieg

Die ökonomische Unsicherheit, der Reallohnverlust und die Angst vor sozialem Abstieg befeuern die Spaltung der Arbeiter*innen untereinander und verschleiert so die wahren Gründe für Leid und Ungerechtigkeit. Geflüchtete und Migrant*innen werden von der rassistischen Politik in Deutschland zu Sündenböcken erklärt und gegen andere von oben stigmatisierte Gruppen wie Erwerbslose in Stellung gebracht. Aber wir lassen uns nicht spalten, sondern kämpfen gemeinsam und solidarisch gegen die Ursachen von Krise und Krieg. Wenn wir aktiv werden, uns vernetzen und organisieren, können wir uns eine Gesellschaft und ohne Krieg und Ausbeutung erkämpfen!

Fr–So, 10.–12. Juli 2026
Aktionszelt im Volkspark Humboldthain (zentrale Wiese)
Fr, 10. Juli 2026
Protestaktionen zum Mitmachen überall im Wedding. Achtet auf Ankündigungen.
Sa, 11. Juli 2026
Großdemonstration »Wedding ohne Waffen! Gemeinsam gegen Krieg!«
14:00 Uhr, S+U Gesundbrunnen.
Beteiligt euch, bringt eure Ideen und euren Mut ein!
Werden wir zusammen aktiv!
Gemeinsam stoppen wir die Aufrüstung und Kriegspolitik
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Mehr Info zum Thema im Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
Titelbild:  Peter Vlatten, Gewerkschafter:innen am 12. Oktober 2025 beim Protest in Wedding

Märchen über den „Sieg“ der Ukraine

Propaganda und Wirklichkeit.

Von MICHAEL SILNIZKI

Titelbild: Der ukrainische Generalstab berichtet von einem Angriff auf die Ölraffinerie „Slawjanski“ in Krasnodar in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni. Bild: facebook.com/GeneralStaff.ua/

„Одна и центральных главных национальных идей Украины — как можно больше врать себе и людям. Потому что если не врать — то рухнет всё.“ (Eine der zentralen nationalen Ideen der Ukraine ist es, sich selbst und die Menschen so viel wie möglich zu belügen. Denn wenn wir nicht lügen, wird alles zusammenbrechen.) – Oleksij Arestowytsch, Ex-Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskij, 20.04.2022

1. Allgemeine Situation

   Seit Tagen und Wochen verbreiten die ukrainischen und transatlantischen Mainstream-Medien die Siegesmeldungen der ukrainischen Armee am Boden und in der Luft. Neulich schrieb der bekannte US-amerikanische Militärexperte, Michael Kofman, am 23. Juni in seinem in Foreign Affairs erschienenen Beitrag „The Next Russia Threat. Moscow’s Military Power After Ukraine“: „Der Krieg in der Ukraine hat einen weiteren Wendepunkt erreicht. Die russischen Streitkräfte haben sichtlich Schwierigkeiten auf dem Schlachtfeld, da Kiews Strategie, den Krieg für Russland sinnlos zu machen, aufgeht. Selbst im Falle einer Niederlage wird Russland auf Jahre hinaus die größte Bedrohung für Europa bleiben. Trotz seiner stagnierenden Wirtschaft, der ungünstigen demografischen Entwicklung und des verkrusteten autoritären Regimes ist Russland nach wie vor eine Großmacht, die in der Lage ist und ein Interesse daran hat, die Sicherheitsarchitektur des Kontinents zu untergraben.“

In diesen zitierten wenigen Sätzen werden konzentriert in einem Atemzug der Eindruck von militärstrategischen Erfolgen der Ukraine und einer wahrscheinlichen Niederlage Russlands ebenso erweckt, wie alle gängigen Klischees von Russland als „verkrustetem autoritärem Regime“ und Schwarzmalerei über die daniederliegende russische Ökonomie, der bald das Geld für den Krieg ausgeht, wiederholt.

Dieses ständig wiederholte propagandistische Getöse über einen baldigen ökonomischen Niedergang, politischen Untergang und eine baldige militärische Niederlage Russlands spiegelt eher das Wunschdenken der Propagandisten als die realpolitischen Entwicklungen wider.

All jenen Propheten des russischen Niedergangs hat Putin Anfang Juni 2026 alles Nötige gesagt. Bei einem Treffen mit den Leitern internationaler Nachrichtenagenturen im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums St. Petersburg (SPIEF) antwortete Putin am 4. Juni 2026 auf die Frage eines französischen Journalisten, der auf Schwierigkeiten in der russischen Wirtschaft hingewiesen hat, mit einem Zitat von Mark Twain: „Was die Wirtschaft betrifft, so sind, wie Mark Twain sagte, die Gerüchte über meinen Tod übertrieben. Und so ist es auch jetzt. Was also haben sie vorhergesagt? Eine Niederlage auf dem Schlachtfeld. Der ehemalige US-Präsident sagte, die russische Wirtschaft liege in Trümmern.“

„Man darf Wunschdenken mit der Realität nicht verwechseln“, fügte Putin gleich hinzu. Russland besitzt nach Angaben des russischen Finanzministeriums Geldreserven im Wert von einer halben Billion Dollar und die russische Staatsverschuldung beträgt keine 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Davon können die EU-Länder nur träumen.

Aber auch an der Front ist die Lage alles andere, als die transatlantische Kriegspropaganda uns weismachen will. Ausgerechnet die ehem. Pressesprecherin von Wolodymyr Selenskij, Julia Mendel, warf dem Staathalter von Kiew am 17. Juni auf der Social-Media-Plattform X vor, dem „Westen“ „Märchen“ über den Sieg der Ukraine aufzutischen.

„Während Selenskyj dem Westen Märchen vom ‚Sieg‘ der Ukraine erzählt, fällt Kostjantyniwka gerade. Russische Truppen haben die Außenbezirke der Stadt aus mehreren Richtungen erreicht und dringen ins Innere vor. Sobald die Stadt fällt, ist der Weg in den gesamten Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk frei. Nach Kostjantyniwka folgt Druschkowka (ein wichtiger Logistikknotenpunkt), dann Kramatorsk. Die ukrainische Logistik könnte zusammenbrechen“, schreibt sie.

Zur Bestätigung dieses Berichts ist auf einen gerade am 30. Juni 2026 erschienenen Handelsblatt-Artikel verwiesen, dessen Verfasser direkt aus Kramatorsk berichtet und entrüstet feststellt: „Russland erobert Stück für Stück weitere Teile von Kostjantyniwka. In der Ostukraine sind die Folgen der intensivierten ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland bislang nicht zu spüren.“1

   Mendels Lagebeurteilung bestätigt aber auch Putin. In einer Pressekonferenz äußerte er sich am 29. Mai zuversichtlich über einen baldigen und siegreichen Abschluss der „Speziellen Militäroperation“ (SVO). „Die Lage auf dem Schlachtfeld entwickelt sich so, dass Russland von einem raschen Ende des Konflikts sprechen kann“,betonte Putin.

Die Entwicklungen an der Front belegen, „dass die russische Armee die strategische Initiative behält; unsere Truppen rücken vor und befreien immer mehr Siedlungen und Gebiete. Die Schwächung des Gegners ist ein Trend, der weder durch europäische Kredite … noch durch die Lieferungen der westlichen Drohnen aufgehalten werden kann“.

Die Tatsache, dass westliche Länder das Kiewer Regime weiterhin mit Drohnen für Angriffe gegen Russland beliefern, bedeutet nur eines: Wir müssen unser Luftverteidigungssystem stärken. „Und das tun wir und werden es auch weiterhin tun“, sagte Putin im Gespräch mit Journalisten.

Berichte entlang der Kontaktlinie bestätigen Putins Vortrag. Sie deuten darauf hin, dass die russischen Streitkräfte neue Stellungen im Donbas und in Noworossija besetzen und die sog. „Sicherheitszonen“ in den Regionen Sumy, Charkow und Dnipropetrowsk ausweiten. Das von der Ukraine kontrollierte Gebiet schrumpft täglich.

Am 24. Juni berichteten die russischen Medien zudem über einen russischen Hackerangriff auf die Datenbanken des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, ukrainischer Leichenhallen, medizinischer Einrichtungen und des Transports- und Kommunikationszentrums. Die Ukraine verlor laut den Berichten 2,4 Millionen Soldaten.

Ob die Zahlen stimmen oder nicht, können wir von unserer Warte natürlich nicht verifizieren, obschon selbst manche US-amerikanischen Militärexperten seit Langen von ähnlichen Opferzahlen ausgehen. Die EU-europäischen Massenmedien sprechen hingegen lieber von Millionen Verlusten der Russen, wohingegen die ukrainischen Verluste weitgehend totgeschwiegen werden, und erwecken dadurch den Eindruck, als würde die ukrainische Armee kaum Verluste erleiden.

Wie dem auch sei, den vorliegenden Informationen zufolge verloren die ukrainischen Streitkräfte allein im Jahr 2026 über 400.000 Soldaten. Ähnliche Zahlen wurden bereits 2023 verzeichnet. Bis August 2025 hatte die ukrainische Armee 1,7 Millionen Soldaten verloren, im Dezember desselben Jahres waren es bereits 2 Millionen.

Die meisten Opfer wurden in den Sektoren Saporischschja, Kupjansk, Pokrowsk, Liman und Konstantinowka verzeichnet. Berichten zufolge verlieren die ukrainischen Streitkräfte in jedem dieser Sektoren täglich bis zu 500 Soldaten.

„Gefallene ausländische Söldner werden nicht mehr als Opfer gezählt – sie werden alle als Unfälle verbucht. Unseren Informationen zufolge liegt die Zahl der im Einsatz für die ukrainischen Streitkräfte gefallenen Ausländer bei etwa 5000.“

Unterdessen kündigten die Behörden in der ukrainischen Oblast Tschernihiw die Zwangsevakuierung von zwölf Siedlungen an. Diese beginnt am 1. Juli. Bewohner der Oblast Dnipropetrowsk hatten zuvor ähnliche Warnungen erhalten. Der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleksandr Ganzha, stellte klar, dass dies für die Bewohner von 23 Siedlungen im Bezirk Synelnykiwskyj gilt.
All das deutet auf den Vormarsch der russischen Truppen auf der ganzen Frontlinie hin. Die BBC hat demgegenüber gemeinsam mit Mediazona die Namen von 226.055 russischen Soldaten identifiziert, die während des Ukrainekrieges getötet wurden. Mehr als 200 dieser Männer sind 18 Jahre alt (Stand 12. Juni 2026).

„Die tatsächliche Zahl der Gefallenen an der Front während des mehr als vier Jahre andauernden Krieges übersteigt die Daten, die wir aus öffentlich zugänglichen Quellen erhalten haben. Militärexperten schätzen, dass unsere Analyse russischer Friedhöfe, Kriegsdenkmäler und Nachrufe zwischen 45 % und 65 % der wahren Opferzahlen ausmacht“, spekulieren die BBC und Mediazona und resümieren am Schluss ihres Berichts: „Auf Grundlage dieser Schätzungen könnte die tatsächliche Zahl der Todesopfer unter Russen bis Mitte Juni (2026) zwischen 347.776 und 502.344 Menschen liegen.“

Wie man sieht: Viel Spekulation, wenig Gewissheit. Nichts Genaues weiß man nicht! Nur eines ist gewiss: Der Krieg geht weiter und verändert erneut sein Gesicht. Er verlagert sich zunehmend in die Luft und die Ukraine verspricht sich mit Hilfe ihrer transatlantischen Kriegskameraden einen baldigen Sieg über Russland. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

2. Drohnenkrieg

   „Es wäre nicht überraschend, wenn Russland innerhalb des nächsten Jahres zu dem Schluss käme, dass seine Position auf der Krim unhaltbar sei, und mit dem Truppenabzug beginnen würde, wie es dies bereits mit der Schwarzmeerflotte getan hat. Dies wäre eine gewaltige politische Niederlage für Putin“, frohlockte der bekannte US-Politikwissenschaftler, Francis Fukuyama, am 31. Mai 2026.

Seiner Überzeugung zufolge wenden die ukrainischen Angriffe auf Öl- und Gasanlagen tief im Hinterland, Tausende von Kilometern von der ukrainischen Grenze entfernt, das Blatt im Krieg. Bereits zu Beginn des Krieges behauptete er in einem NZZ-Beitrag vom 16. März 2022: „Putin wird die Niederlage seiner Armee nicht überleben.“

Alle seine Prophezeiungen seit dem Ende des „Kalten Krieges“ erwiesen sich bisher als Flop.

Russland sieht sich freilich in der letzten Zeit mit den Herausforderungen eines „Drohnenkriegs“ konfrontiert. Kiew lobt seinerseits die „ukrainische Drohne, die amerikanische Hornet“, ausgestattet mit KI und setzt auf diese „Wunderwaffe“ im Krieg gegen Russland. All das hat es schon einmal im Einsatz von HIMARS oder Storm Shadow gegeben.

Auch diese „Wunderwaffen“ erzeugten einst eine Zeitlang den „Nebel des Krieges“, bis sie dann irgendwann neutralisiert wurden.  Ein realistisches Bild des „Drohnenkriegs“ wird neuerdings vom polnischen „Instytut Wschodniej Flanki“ in einem von Oberstleutnant Maciej Korowai verfassten Bericht „Wer sagt, dass Russland den Drohnenkrieg verliert?“ vom 2. Juni 2026 gezeichnet.2

„Innerhalb von vier Jahren hat die russische Drohnentechnologie einen qualitativen Sprung gemacht“, schreibt Korowai. Anders als einige polnische Experten glaubt er nicht, dass die Ukraine Russland im Drohnenkrieg bezwingt.

Der Hauptpunkt seines Berichts ist nicht, dass Russland gelernt hat, Millionen von Drohnen zu produzieren. Der Autor dokumentiert einen weitaus wichtigeren Prozess: Drohnen hören auf, eine eigenständige Waffe zu sein, und entwickeln sich zu einem System für die kontinuierliche Überwachung des Luftraumes. Früher bildete die Front eine Kontaktlinie, hinter der sich ein relativ sicheres Hinterland befand; nun entsteht eine Zone kontinuierlicher Überwachung und Kampfhandlungen, die sich bis zu 30–35 Kilometer erstreckt.

   Korowai bezeichnete die Bemühungen der russischen Streitkräfte als „Russische Drohnenlinie“. Dabei geht es nicht um eine neue Teilstreitkraft, sondern um die Verteilung unbemannter Systeme entlang der gesamten Frontlinie. Beispielsweise wurde im vom Experten untersuchten 32 Kilometer langen Abschnitt der 2. Armee ein dreistufiges System geschaffen.

Bis zu 5 Kilometer von der Frontlinie entfernt befindet sich eine Zone vollständiger Kontrolle mit einem Limit von bis zu 560 Drohnen pro Tag. In einer Tiefe von 5 bis 10 Kilometern operieren Aufklärungssysteme und Lancet-Kampfdrohnen, die nach Nachschub und Artillerie suchen. Jenseits von 10 Kilometern gibt es eine Isolationszone, in der spezialisierte Einheiten bis zu 4.000 FPV-Drohnen pro Tag einsetzen können. Im Wesentlichen, so Korowai, handelt es sich um einen kontinuierlichen Kreislauf zur Erkennung und Zerstörung von Zielen in der gesamten taktischen Tiefe.

Der Autor ist der Ansicht, dass Russlands wichtigster Erfolg nicht in neuen Drohnenmodellen, sondern in der organisatorischen Anpassung liegt. Die Russen haben keine separaten unbemannten Streitkräfte nach ukrainischem Vorbild geschaffen, sondern Drohnen in bestehende Aufklärungs-, Artillerie-, Spezialkräfte- und elektronische Kampfführungsstrukturen integriert. Genau dies ermöglicht die rasche Ausweitung des Systems auf große Teile der Front. Polnischen Schätzungen zufolge waren im Herbst 2025 allein in der Zentralen Streitkräftegruppe rund 1.700 UAV-Besatzungen im Einsatz.

Der Bericht dokumentiert auch den Übergang der unbemannten Kriegsführung in eine industrielle Phase. Der Autor nennt Pläne, in Russland 2026 bis zu sieben Millionen FPV-Drohnen zu produzieren, darunter etwa 62.000 Geranium- und rund 6.000 Lancet-Drohnen, und bezeichnet dieses Ausmaß als „beispiellos“.

Laut Korowai spielen die wirtschaftlichen Aspekte der Kriegsführung Russland zumindest vorerst in die Hände.

Der Bericht konzentriert sich jedoch nicht primär auf die Beschreibung einer „Drohnenrevolution“, sondern vielmehr auf die Erkenntnis einer Revolution im Gefechtsmanagement. FPV-, Lancet- und Geranium-Systeme sind allein nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist die Fähigkeit, Aufklärung, Kommunikation, Datenverarbeitung, Entscheidungsfindung und Angriff in einen einzigen, kontinuierlichen Zyklus zu integrieren.

Im Wesentlichen entsteht ein automatisiertes System zur Zielbekämpfung, in dem die Drohne lediglich eine Verbrauchskomponente darstellt.

Nicht die beste Drohne entscheidet auf dem Schlachtfeld, sondern das beste System zur gleichzeitigen Steuerung tausender Drohnen. Und Russland ist, entgegen mancher Annahmen, in diesem Bereich alles andere als im Nachteil.

Die ukrainischen Streitkräfte verfolgen ihrerseits, wie bereits im März deutlich wurde, die Strategie, Probleme im Energie- und Treibstoff-Sektor in Südrussland und im ganzen Land zu schaffen.

Daher wurden Angriffe auf Ölraffinerien und Öllager in der Region Krasnodar durchgeführt, um eine Treibstoffblockade auf der Krim zu errichten. Diese wurde anschließend auf Ölraffinerien und Öllager in anderen Regionen ausgeweitet. Der letzte Schritt waren gezielte Terroranschläge auf zivile Ziele (eine Hochschule in Starobelsk, Busse in der DVR und LVR sowie auf der Landroute zur Krim bei der Autobahn Mariupol-Dzhankoy).

Der Plan Kiews und seiner westlichen Kriegskameraden besteht darin, die Treibstoffversorgung im Süden zu stören und dadurch sozioökonomische Spannungen in den Regionen sowie Treibstoffknappheit während der Ferientage, insbesondere auf der Krim, zu erzeugen. Nach dem Plan des Kiewer Regimes sollen dadurch materielle und organisatorische Ressourcen für die Lösung der Probleme im Süden des Landes freigesetzt und folglich die Angriffe der russischen Armee teilweise abgeschwächt werden.

Am 30. Mai führten die ukrainischen Streitkräfte beispielsweise einen Drohnenangriff auf das Kernkraftwerk Saporischschja durch. Die Drohne traf die Wand der Turbinenhalle von Block 6. Laut Rosatom-Chef Alexej Lichatschow handelte es sich bei dem Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf das KKW Saporischschja um einen gezielten Angriff.

Die Drohne wurde über Glasfaser gesteuert, was einen versehentlichen Treffer ausschließt: „Wir können sozusagen der gesamten internationalen Gemeinschaft gratulieren: Dies ist der erste gezielte Angriff auf die Hauptausrüstung eines Kernkraftwerks, der zur Explosion und Beschädigung des Turbinenhallengebäudes führte.“

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, äußerte sich besorgt über den ukrainischen Drohnenangriff auf die Turbinenhalle von Block 6 des KKW Saporischschja. Ein solcher Angriff gefährdet die Prinzipien der nuklearen Sicherheit.

Seltsamerweise tappt die IAEA jedoch, wie so oft, weiterhin im Dunkeln, was den Ursprung der Bedrohung des Kernkraftwerks Saporischschja betrifft. Sie registriert Angriffe und erklärt diese ab 2022 für inakzeptabel, ohne die Quelle der Bedrohung zu benennen. Das zur Frage nach der Glaubwürdigkeit und Unparteilichkeit der vom „Westen“ gesteuerten IAEA.

Dies ermöglicht es westlichen Medien, u. a. Theorien über „russische Provokationen in einem von Russland kontrollierten ukrainischen Kernkraftwerk“ zu verbreiten.

Hinter dem massiven Medienrummel um den angeblichen „Sieg“ der Ukraine verbirgt sich eine altbekannte ukrainische Strategie des nicht enden wollenden Informationskrieges: Die Angriffe sind ein Versuch, die eigene Verhandlungsposition zu stärken und die schweren Rückschläge der Ukraine an der Front, einen Mangel an Humanressourcen und Luftverteidigungssystemen sowie Probleme mit Energie, Infrastruktur und Wirtschaft durch spektakuläre Fernangriffe zu vertuschen und dadurch den Eindruck der erfolgreich kämpfenden ukrainischen Streitkräfte zu erwecken.

Kiew scheint zudem zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass es vor den US-Kongresswahlen im November ein Zeitfenster gibt, in dem Druck auf die Trump-Administration ausgeübt werden kann und muss. Ziel ist, den Druck zu erhöhen, damit die US-Republikaner den Kongress verlieren und die US-Hilfe zur Weiterführung des Krieges dank der dann gewonnenen Mehrheit der US-Demokraten im Kongress wiederaufgenommen bzw. erhöht wird.

Kurzum: Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und man darf sich von einer massiven proukrainischen Kriegspropaganda der Mainstream-Medien nicht blenden lassen.

3. Angriffe auf Moskau

   Zum ersten Mal seit Beginn der SVO gelang es Kiew, Moskau einen bedeutenden und wirksamen Schlag zu versetzen, indem es einen Treibstofftank in der Ölraffinerie Kopotnja sprengte. Am Morgen des 18. Juni erlitten Moskau und die Moskauer Region den schwersten ukrainischen Drohnenangriff seit Beginn der Militäroperation. Laut Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin wurden 194 Kampfdrohnen abgeschossen.

Mehrere Drohnen durchbrachen jedoch das Luftverteidigungssystem und trafen die Ölraffinerie in Kapotnja sowie den Großmarkt Sadowod, wo der Absturz einer Drohne einen Großbrand auslöste. Das Videomaterial des Drohnenangriffs auf Moskau deutet darauf hin, dass Kiew für diesen Angriff alle verfügbaren Mittel mobilisierte. Die Aufnahmen zeigen den umfassenden Einsatz von strahlgetriebenen und eher seltenen Kampfdrohnen, die an die Bars-Rakete erinnern, sowie von Morok-Drohnen, die der Gegner typischerweise für präzise Angriffe und Verteidigungsmanöver einsetzt.

„Die Tatsache, dass der Feind gleichzeitig mehrere verschiedene Arten strategischer Drohnenreserven eingesetzt hat, beweist indirekt, dass der Angriff weder systematisch noch militärisch, sondern rein politisch motiviert war. Kiew hat seine knappen Drohnenbestände bewusst aufgebraucht, um am Tag des G7-Gipfels die Luftverteidigung der Hauptstadt zu durchbrechen“, kommentierte der Telegram-Kanal „Militärchronik“ die Situation.

Das Ziel der „Drohnenkampagne“ 2026 besteht weniger darin, den russischen militärisch-industriellen Komplex, die Armee oder die Wirtschaft zu schädigen, sondern vielmehr die Moral der Bevölkerung im Hinterland zu untergraben, indem eine Bedrohung für das Leben und lokale finanzielle Schwierigkeiten geschaffen werden.

Die Benzinrationierung, „die infolge eines Großbrandes in Moskau“ erfolgte, ist genau der Zweck solcher Angriffe. Und die Verbreitung dieser Darstellung ist das eigentliche Ziel.

Kiew und der „Westen“ müssen nach gängiger Meinung in Moskau so viele Menschen in Russland und auf der ganzen Welt davon überzeugen, dass die ukrainischen Angriffe nicht einfach nur systematisch sind, sondern eine vollwertige Militärkampagne darstellen, die planmäßig und gemäß den festgelegten Punkten abläuft, und dass innerhalb von sechs Monaten etwa „die Krim eine Insel sein wird“.

„Es sieht so aus, als würde die Krim in naher Zukunft zu einer Insel werden“, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow. In Anbetracht einer solchen Mission ist die These, dass Russland nicht einmal seine Hauptstadt verteidigen kann, von größter propagandistischer Bedeutung.

Was die transatlantischen Mainstream-Medien aber verschweigen, sind massive russische Gegenangriffe. Wie Putin am 28. Juni 2026 in einem Interview erklärte, sind russische Angriffe auf Ziele tief im Inneren der Ukraine wesentlich stärker und zerstörerischer als ukrainische Angriffe auf russisches Territorium. Laut seinen Angaben sind die russischen Vergeltungsschläge „verheerend“ und verursachen enorme Schäden an der ukrainischen Infrastruktur.

Putin bezeichnete zudem die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf russisches Territorium als Versuch, von den Erfolgen der russischen Streitkräfte an der Front abzulenken und mediale Aufmerksamkeit zu erregen. Das russische Militär wiederum, so betonte er, führe Angriffe als Reaktion auf feindliche Aktionen durch.

An der Realität an der Front hat sich in der Tat strategisch nichts geändert. Denn wenn die ukrainischen Angriffe tatsächlich so erfolgreich wären, warum fordern Merz, Macron und Co. so penetrant eine sofortige Feuerpause, das Einfrieren der Front und nicht zuletzt eine unverzügliche Aufnahme von Verhandlungen? Hat die EU sich nicht jahrelang kategorisch geweigert, mit dem „Aggressor“ Putin zu verhandeln?

Woher kommt auf einmal die Eile? Wäre die EU-Führungsspitze tatsächlich an den Verhandlungen interessiert, dann wäre der Ukrainekrieg bereits im März/April 2022 beendet, Kiew hätte Moskaus lächerlichen Forderungen nachgegeben, und damit wäre die Sache erledigt. Seit über vier Jahren dauert der Krieg jedoch unvermindert an und entgegen den eigenen europäischen nationalen Interessen. Und was das Kiewer Regime angeht, so steuert es unaufhaltsam auf eine Niederlage zu.

Denn die Realität an der Front ist unbarmherzig. Sie zeigt, dass Kiew, nachdem es den gesamten Winter und Frühling über in isolierten Frontabschnitten Gegenangriffe erfolglos unternommen und behauptet hat, dass die Offensive der russischen Streitkräfte angeblich ins Stocken geraten sein sollte, plötzlich eingestehen muss, dass Krasny Liman (ein altes befestigtes Gebiet), so gut wie verloren sei.

Kostjantyniwka ist von russischen Truppen zu mehr als 90 % besetzt und der Vormarsch der russischen Armee gewinnt wieder an Dynamik. Unterdessen ist die Lage der Kiewer Infanterie nicht nur schlechter als 2023/24, sondern sogar schlechter als vor einem Jahr.

Darüber hinaus haben die Russen den Berichten zufolge einen Weg gefunden, dem Starlink-Satellitensystem entgegenzuwirken, und bringen nach und nach, wenn auch nicht so schnell, wie sie es sich wünschen würden, ein russisches Äquivalent in Betrieb.

Russlands Wirtschaft läuft trotz zahlreichen Beschränkungen, Verboten und sogar Piraterie auf See ungebremst weiter. Und wenn Merz verkündet, dass sich ein Zeitfenster für Verhandlungen geöffnet habe, weil er glaubt, dass die Ukraine aus der „Position der Stärke“ verhandeln kann, dann ist er auf dem Holzweg. Entweder kennt er die realen Kräfteverhältnisse an der Front nicht oder macht der deutschen Öffentlichkeit wider besseres Wissen etwas vor.

Die Kräfteverhältnisse bleiben ungeachtet der fortgesetzten Drohnenangriffen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur weitgehend unverändert bestehen, sondern verschieben sich langsam, aber unaufhaltsam in Richtung Russland.

Anmerkungen

  1. Pabst, V., Im Donbass droht der nächste Festungsring zu brechen, Handelsblatt, 30. Juni 2026, S. 12.
  2. Zum Nachfolgenden siehe auch Silnizki, M., Der Krieg des 21. Jahrhunderts. Zwischen nuklearer und digitaler Kriegsführung. 2. Juni 2026, www.ontopraxiologie.de.

Michael Silnizki

Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind.
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Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 30.6. 2026
Märchen …

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