Imperialismus, Klassenrealität und die Rojava-Erfahrung im Nahen Osten – eine antiimperialistische Analyse

Eine antiimperialistische Analyse** aus marxistischer Sicht. Von Zeki Gökhan, Mitglied der Partei die Linke, anlässlich des Kampfes zur Verteidigung von Rojava. und der Rechte der Kurd:innen in Nordsyrien. Seine Analyse ist unerbittlich, seine Kritik kurz und deutlich. Ebenso aber ist seine Solidarität grenzenlos, ob mit den Kurd:innen, den Palästinser:innen, den Iraner:innen. Dabei ist immer klar, wessen Partei ergriffen werden muss. Denn wer den Schah gegen die Mullahs austauscht treibt die Menschen vom Regen in die Traufe. Und wer die Selbstbestimmtheit der Völker gegen die soziale und demokratische Selbstbestimmtheit der Menschen und umgekehrt gegeneinander ausspielt, kann strategisch im antiimperialistischen Kampf nicht erfolgreich sein. (Peter Vlatten)

Imperialismus, Klassenrealität und die Rojava-Erfahrung im Nahen Osten – eine antiimperialistische Analyse

Zeki Gökhan, die Linke, 27. Januer 2026

Imperialismus: Kein moralischer Fehltritt, sondern ein strukturelles System..

Imperialismus ist nicht das Ergebnis böser Absichten einzelner Staatsmänner oder falscher diplomatischer Entscheidungen. Er ist ein notwendiges Produkt der monopolistischen und finanzkapitalistischen Phase des Kapitalismus. In Lenins Worten ist der Imperialismus auf Kapitalexport gegründet, auf die gewaltsame Kontrolle von Märkten und Energiequellen ausgerichtet, und verbindet militärische, politische und ideologische Instrumente zu einem globalen Herrschaftssystem.

Solidarität mit Rojava ist Solidarität mit Demokratie, Feminismus und Menschenrechten.

Die Unmoral des Imperialismus ist daher keine Entgleisung, sondern seine Funktionsweise. Völker zu kaufen, zu bewaffnen und anschließend fallenzulassen; eine Kraft gegen die andere auszuspielen; jene, die gestern noch als „Terroristen“ galten, heute zu „Verbündeten“ zu erklären – all das ist kein Widerspruch, sondern imperialistische Normalität. Der Nahe Osten ist das sichtbarste Versuchsfeld dieser Praxis.

Greta Thunberg: "Wir verurteilen die Gewalt gegen die Menschen in Rojava und das Schweigen der internationalen Gemeinschaft. Wir fordern ein sofortiges Ende der Angriffe und den Schutz der Bevölkerung." 
Der Nahe Osten: Das Labor des Imperialismus..

Der Nahe Osten ist nicht wegen seiner ethnischen, religiösen oder kulturellen Vielfalt Ziel imperialistischer Politik, sondern wegen seiner Energiequellen, Transitwege und geopolitischen Lage. Die grundlegende Methode des Imperialismus in dieser Region ist:

  • die Völker nicht auf einer gemeinsamen Klassenbasis zu vereinen,
  • ethnische und konfessionelle Bruchlinien systematisch zu vertiefen,
  • einzelne Kräfte als Stellvertreter gegeneinander einzusetzen,
  • und am Ende alle Seiten geschwächt, abhängig und fragmentiert zurückzulassen.

,Die Entstehung des IS im Irak, die Linie von Al-Qaida über Al-Nusra bis zur HTS, sowie die Tatsache, dass al-Dscholani zunächst dämonisiert und später zum Führer eines imperialistischen Satellitenstaates aufgebaut wurde, sind keine Zufälle, sondern Ausdruck dieser Laborpolitik. Es geht hier nicht um Personen, sondern um Methode.

Die kurdische Bewegung und Rojava: Objektiver Gewinn, strategische Sackgasse

Die in Rojava entstandene Struktur ist das Ergebnis realer Opfer, jahrelanger Anstrengungen und des kollektiven Engagements der Bevölkerung. Diese historische Tatsache ist unbestreitbar. Aus antiimperialistischer Klassenperspektive zeigen sich jedoch grundlegende Probleme: die Existenz von 22 US-Militärbasen in Rojava, das Ausbleiben eines strategischen Bruchs mit dem Imperialismus, das Fehlen einer klaren gemeinsamen Klassenperspektive für andere Bevölkerungsgruppen der Region (Aleviten, Drusen, Christen, arabische Werktätige), sowie die Illusion, imperialistische „Schutzversprechen“ seien eine verlässliche Garantie.

Der Imperialismus schützt keine Strukturen aus Prinzip, sondern nur solange sie nützlich sind. Jede Kraft, die ihre Funktion verliert oder in einem anderen Szenario ersetzbar wird, wird ohne Zögern geopfert. Genau das erleben wir heute.

Die Illusion von „Freundschaft“ und die Logik der Miettruppen..

Im imperialistischen System gibt es keine Freundschaft, keine Loyalität, keine Prinzipien. Es gibt nur Interessenlagen.

Dass eine Kraft heute als „entbehrlich“ gilt und morgen für einen anderen Krieg angemietet werden soll, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck dieser Logik. Auch die Erpressung, der die kurdische Bewegung in Hewlêr ausgesetzt wurde, folgt genau diesem Muster. Entscheidend ist: Ohne einen theoretischen und praktischen Bruch mit dem Imperialismus lässt sich dieses System nicht durch bloße moralische Erklärungen überwinden.

Ein Ehrenstandpunkt ist wichtig – doch ohne strategischen Antiimperialismus bleibt er politisch ungesichert.

Kurzfristiger Erfolg – langfristiger Zerfall

Die historische Erfahrung ist eindeutig: Keine Bewegung, die den Imperialismus nicht theoretisch begreift und ihm klassenmäßig entgegentritt, kann eine stabile, langfristige und institutionalisierte Macht aufbauen. Dies ist kein moralisches Urteil, sondern ein historisches Gesetz. Temporäre Bündnisse mit dem Imperialismus können militärische Erfolge bringen, doch diese verwandeln sich nicht in politische Souveränität, da jede Macht, die imperialistischen Interessen widerspricht, früher oder später liquidiert wird.

Der rasche Verlust ölreicher Gebiete, Integrationszwänge und das erzwungene Schweigen sind direkte Folgen dieser Struktur.

Die Völker der Region und die Gefahr des Schweigens..

Die größte Schwäche einer unvollständigen antiimperialistischen Linie ist das Fehlen einer gemeinsamen Zukunftsperspektive für alle Völker und Glaubensgemeinschaften der Region. Aleviten, Drusen, Christen, arabische Arbeiterinnen und Arbeiter… Keine Struktur kann regionale Legitimität erlangen, wenn sie nicht deren Sicherheit, politische Subjektivität und Klasseninteressen sichtbar mitträgt. Imperialismus nutzt genau diese Leerstellen.

Schlussfolgerung: Die internationalistische antiimperialistische Aufgabe..

Die heute Rojava und insbesondere dem kurdischen Volk, aber auch allen unterdrückten Völkern des Nahen Ostens aufgezwungenen Politiken von Vernichtung, Massakern und politischer Auslöschung sind kein lokales Phänomen, sondern Bestandteil einer gesamtimperialistischen Angriffsstrategie. Angesichts dessen ist Schweigen keine Neutralität, sondern bedeutet faktisch Zustimmung und Mittäterschaft.

Antiimperialismus darf daher nicht bei theoretischen Analysen stehen bleiben. Wer die minimalen praktischen Konsequenzen seiner eigenen Positionen nicht zieht, produziert eine neue Form von politischer Inkohärenz. Den Imperialismus rhetorisch zu verurteilen und angesichts seiner Verbrechen zu schweigen, heißt, ihn praktisch zu reproduzieren.

Die kleinbürgerlich-reformistischen Eigenschaften der jeweiligen Führungen entheben niemanden dieser historischen und humanitären Verantwortung. Im Gegenteil: Sie machen den Aufbau einer von unten organisierten, internationalistischen Klassen- und Solidaritätsbewegung umso notwendiger.

Die Aufgabe der Gegenwart ist klar: den imperialistischen Angriffen eine aktive antiimperialistische Solidarität entgegenzusetzen, die Völker der Region nicht über ethnische oder religiöse Trennlinien, sondern über gemeinsame Klasseninteressen zu verbinden, und dem Schweigen die organisierte Gegenwehr entgegenzustellen.
Denn Geschichte erinnert sich nicht an jene, die nur richtige Analysen formulierten, sondern an jene, die zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtige Haltung einnahmen.

Protestwoche in Berlin

siehe auch unseren Bericht zu den Protesten gegen die Angriffe auf Rojava

Wir danken Zeki für das Publikatiosnrecht. Zeki Gökhan ist Mitglied der Partei die Linke und ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages.

Titelbild: Zeki Gökhan

Sind wir vorbereitet?

Wie Kriegsjournalisten in deutschen Medien aufrüsten. Und sich dafür sogar in die Weiten des Weltalls begeben

Von STEFAN BERKHOLZ

Collage: Jochen Gester

Das die vorherrschende Journalistik in diesen aufgewühlten und orientierungslosen Zeiten leistet, ist empörend und bedrohlich zugleich. Nicht die Verbreitung von Friedensgedanken begreifen sie als ihre Aufgabe, sondern Trommeln für kommende Kriege in allen Schattierungen.

Ein besonders hervorstechendes Beispiel erschien vor ein paar Tagen, am 14. Januar, in der »Süddeutschen Zeitung«. Die Überschrift stimmte die Leserschaft auf das Interview hübsch ein: »Sollte ein Krieg ausbrechen, wird der Weltraum zu einem entscheidenden Faktor«. Zwei Journalisten, Thomas Fromm und Dieter Süring, fachsimpeln mit Generalmajor Michael Traut, bei der Bundeswehr für die Weltraumsicherheit verantwortlich. Drei taffe Kerle in trauter Runde. Wie Schulbuben befragen die beiden Journalisten den Uniformierten, geben sich als Stichwortgeber und lassen das Thema Krieg im Weltall von allerlei Seiten beleuchten. Eine Freude für jeden Militär.

»Ist der Krieg da oben schon im Gange?«, fragen Fromm/Süring. »In gewisser Weise schon«, schlägt der Generalmajor die Hacken zusammen, »Russland und China haben gezeigt, dass sie Satelliten im Erdorbit zerstören können. Das All sei »kriegsentscheidend«, wissen die Schulbuben aus einem vorangegangenen Interview zu berichten und der Generalmajor dankt ihnen für den Hinweis. »Sollte ein Krieg ausbrechen, wird der Weltraum zu einem entscheidenden Faktor«. Wie aus der Pistole geschossen, folgt die nächste Frage: »Dass wir jahrelang mit zu romantischem Blick in den Sternenhimmel geschaut haben, rächt sich heute?« Der Generalmajor stimmt mit zackigem »Ja« zu. »Russische und chinesische Aufklärungssatelliten parken zum Beispiel neben westlichen Kommunikationssatelliten ein, um sie abzuhören.« Na klar: Spionage aus dem Osten ist gemein und hinterhältig, die aus dem Westen ist normal, denn: Der Westen will ja keinen Krieg. »Wir müssen fähig sein, deren potenzielle Startplätze und Flugwege zu überwachen – und zwar mit Hilfe satellitengestützter Frühwarnsysteme.« All das zur Sicherung des Friedens, versteht sich.

Wie friedliebend der Westen im Moment ist, beweist auf beeindruckende Weise Kamikaze-Dagobert (Trump) oder auch Gaza-Bennie (Netanjahu). Und im Zeitalter von Fake News und Orwells Neusprech können nun sogar schon Kriegstreiber zu Friedensnobelpreisträgern werden, wenn auch zunächst nur auf Pump.

Es wird getrommelt und trompetet, Kriegshysterie geschürt.

»Wäre das eine Option für Sie – die Zerstörung russischer oder chinesischer Satelliten?«, fragen Fromm/Süring. – »Als Militär muss ich über alles nachdenken«, sagt der Soldat. – Welche Eingreifoptionen sein Weltraumkommando denn überhaupt habe, wollen die Interviewer wissen. – »Mit 180 Leuten noch überschaubar, wir werden aber in den nächsten Jahren deutlich wachsen«, frohlockt der Offizier. – »Was kalkulieren Sie dafür?« – Schwer zu sagen, antwortet Michael und verweist auf einen »signifikanten Anteil auf der 35-Milliarden-Euro-Liste des Ministers«. – Die Fragenden sind besorgt: »Das Geld dürfte aber so nicht ausreichen.« – Schon gibt sich der Soldat »ganz optimistisch« und verweist nun auf ganz neue Felder zur Aufrüstung, nämlich die darbende Automobilindustrie Deutschlands. »Enormes Potenzial«, wittert der Generalmajor. – »Die hat im Moment sowieso weniger zu tun«, murmeln die medialen Kriegssüchtigen. Und der Generalmajor verweist frohgemut auf »Rheinmetall, die dafür in Neuss ein Automobilzulieferwerk in eine Satellitenfabrik umbauen. Von Autos zu Satelliten – genau das ist ein Weg!« Die »Kultur der Risikovermeidung« müsse sich wandeln, »also müssen wir Dinge schneller, flexibler und agiler vergeben und auch mal ins Risiko gehen«.

Sind die Interviewer in ihrer Kindheit zu kurz gekommen bei den Sandkastenspielen? Fantasielosigkeit und Verblendung nahe dem Irrsinn: Tod, Vernichtung, Verstümmelung, Untergang werden ausgeblendet?

Dieses Beispiel ist leider keine Ausnahme in diesen Zeiten. Das Hauptstadtblatt, der »Tagesspiegel«, bat am 15. November 2025 auf seinen Gesundheitsseiten einen Chefarzt zum Interview, will wissen: »Wie gut sind deutsche Kliniken auf einen Krieg vorbereitet?« Am 26. Oktober titelte das Blatt: »Dobrindt will schon Schüler auf möglichen Krieg vorbereiten«; am 24. Oktober: »Bundesamt gibt Bürgern Ratschläge für den Fall von Luftangriffen auf Deutschland«; und am 13. Oktober kam der BND-Chef zu Wort: »Wir stehen schon heute im Feuer«. Am 12. Oktober erfuhren die Leser: »Russland könnte Nato früher bedrohen als erwartet«. Und am 7. Oktober: »Militärexperten sehen ›Phase 0‹ erreicht: ›Könnten Vorbereitungen für einen Krieg zwischen Russland und der Nato sein‹.« Und so weiter und so fort.

Auch die »Taz« kommentiert seit Langem eine »Kriegsgefahr in Europa«. Das Blatt der Grünen überschrieb derartige Überlegungen am 27. September vergangenen Jahres mit der Zeile: »Begrabt den letzten Sommer in Frieden«. Und das Sturmgeschütz der Demokratie, »Der Spiegel«, bietet kräftig mit beim medialen Wettrüsten, an dem auch die Fernsehsender kräftig mitmischen. Nur ARTE bemühte sich um einen anderen Blick und brachte vergangenes Jahr, zur besten Sendezeit, die anderthalbstündige Dokumentation unter dem Titel: »Wie Kriege enden und Frieden möglich ist«. Friedensnobelpreisträger*innen, Diplomat*innen undehemalige Guerillakämpfer*innen berichteten, wie leicht und leichtfertig Kriege entfesselt sind und wie schwer die Kunst ist, Frieden zu stiften.

Warum sind Journalisten so besessen vom Krieg? Warum wollen sie den Kopf partout nicht wenden und, wenigstens hin und wieder, friedvolle Überlegungen anstellen? Es wird getrommelt und trompetet, Kriegshysterie geschürt, Stimmung erzeugt. Gewöhnung an Krieg als Naturzustand? Wer bietet jener Einfalt endlich Einhalt? Um die wirklichen Probleme der Menschheit anzupacken und zu lösen: Armut, Hunger, Umwelt, Klima …!?

Übrigens, ehe ich’s vergesse: Haben Sie schon bemerkt, welche Modefarbe derzeit die Autoindustrie ins Stadtbild trägt? Grün! Nicht irgendein Grün, sondern ein militärisches Grün. Auch so funktioniert Aufrüstung in den Gehirnen. Achten Sie mal drauf!          

Erstveröffentlicht im nd v. 23.1. 2026
 https://www.nd-aktuell.de/artikel/1197042.kriegshysterie-fatale-gedanken-in-ueberheizten-raeumen.html?sstr=Stefan|Berkholz

Wir danken für das Publikationsrecht.                  

Bundesweite Solidarität mit Rojava – Völker vereinigt Euch gegen Imperialismus, Krieg und Faschismus!

10 Tausende demonstrierten die letzten Tage in vielen Deutschen Städten gegen die Angriffe auf Rojava. Über 3000 in Stuttgart, insgesamt 10 000 auf mehreren Kundgebungen und Demonstrationen in Berlin. In Köln waren laut Beteiligten allein am Samstag auf 2 Großdemonstrationen zwischen 10 und 20 Tausend auf den Straßen. Am Freitag wurde in Berlin und anderen Orten für eine internationale Karawane zu den kurdisch selbstverwalteten Gebieten in Nordsyrien mobilisiert

Die seit dem Sommer 2012 existierende De-facto-Autonomie Rojava der syrischen Kurdinnen ist akut gefährdet.

Die Armee der syrischen „Übergangsregierung“ von Al Sharaa und dschihadistische Milizen greifen die demokratische Selbstverwaltung in Rojava massiv an. Kurdische Kämpferinnen werden enthauptet, in Al-Tabqah wurde die Statue einer YPG-Kämpferin niedergerissen.

Der Aufbau eines basisdemokratischen sozialen Gemeinwesens unter gleichberechtigter toleranter Einbeziehung aller Volksgruppen, Religionen und Frauen wie Männer ist ein positives Gegenmodell im ganzen Nahen Osten zur sonst vorherrschenden Spirale von Krieg, Terror und Intoleranz sowie einer von Kapitalinteressen und nationalistischen Egoismen getriebenen Hegemonie- und imperialistischen Großmachtpolitik.

Die Frauenrevolution als besonderes Element wendet sich dabei direkt gegen die patriarchalische Ideologie in der Region als eine Hauptstütze zur Ausübung und Verankerung hierarchischer ausbeuterischer Machtverhältnisse. Die „freie Frau in Rojava“ ist kurdisch, arabisch, assyrisch oder armenisch – und steht daher auch für eine internationalistische Perspektive!

Das Modell Rojava ist allen Reaktionären ein Dorn im Auge.

Die kurdische Selbstverwaltung wurde – das Bündnis mit arabischen Gemeinschaften hat leider nur bruchstückhaft gehalten und die Praxis hat oft nicht den propagierten Idealen entsprochen – zur Hoffnungsträgerin im Nahen Osten. Lange war sie aber auch Kettenglied innerhalb der nahöstlichen Machtgeometrie der großen geopolitischen Player, insbesondere der USA und Israels. Durch Israels mit Rückendeckung des Westens und der USA geführte Kriege gegen die Palästinenser:innen , gegen den Iran und Libanon, durch die Neuaufteilung Syriens hat sich das Machtgefüge deutlich zugunsten der USA verschoben. Rojava – nicht mehr als nützlich erachtet – kann infolgedessen geopfert und darf von islamistischen Milizen mit Unterstützung der Türkei und arabischer Staaten zerstört werden. Die USA dulden es nicht nur, sondern ziehen die Strippen und die EU dreht sich weg. Die deutsche Regierung paktiert unverhohlen mit den neuen islamistischen Machthabern in Damaskus.

Die Wut der Anhänger des Patriarchats richtet sich vor allem gegen die Frauen der Bewegung.

In einem Beitrag “ Rojava verteidigen – Die Frauenrevolution lebt! “ heisst es:

Dass die islamistischen Fraktionen, die unter dem Dach der “Syrischen Armee” zusammengekommen sind, systematisch Verbrechen an Frauen begehen, ist nicht von Zufall. So wurde zu Beginn der jüngsten Eskalation in Aleppo der leblose Körper einer kurdischen Kämpferin von einem Gebäude geworfen. Videos zeigen, dass in Gefangenschaft geratenen Widerstandskämpferinnen die Kehle durchgeschnitten wurde.
Verschleppte YPJ-Mitgliederinnen drohen versklavt zu werden. Auf einer Aufnahme präsentiert ein islamistischer Söldner aus Rakka stolz den geflochtenen Zopf einer gefangen genommenen kurdischen Kämpferin und sagt, dass “der Zopf das Einzige von ihr ist, das heil geblieben ist”

Völker vereinigt Euch – und zwar alle!

In Berlin war auffällig, dass nur wenig Menschen – eigentlich nur linke Internationalist:innen- von ausserhalb der kurdischen Community teilnahmen. Eine Kurdin beklagte sich darüber, dass soviel mehr Deutsche sich der Solidarität mit Palästina angeschlossen hätten. Dieses Gegeneinander müsen wir überwinden. Internationalismus darf nicht selektiv sein.

Menschen in Nahost von Gaza über Kurdistan, Syrien bis in den Iran müssen sich zusammenschliessen – wirklich alle – wie in Rojava angestrebt unabhängig von Herkunft, Kultur sowie religiöser oder sexueller Orientierung. Sie alle müssen gegen faschistische Regimes aufstehen und sich jeglicher imperialistischer und hegemonialer Instrumentalisierung widersetzen. Rojava wurde ein Symbol, wie unterschiedlichste Menschen selbstbestimmter auch im Nahen Osten zusammenleben können. Es wird Zeit, jeglichen Nationalismus und Rassismus zu übewinden und in konsequenten gemeinsamen internationalistischen Protest umzusetzen. Es wird Zeit, dass in Berlin wie in ganz Deutschland Kurd:innen, Palästinenser:innen, Iraner:innen, Jüd:innen, Muslim:innen,Jezid:innen, Venezuelaner:innen, Christ:innen und ja Deutsche und viele weitere gemeinsam auf die Straße gehen und Arbeiter:innen sich einmischen. Nur so lässt sich das Ränkespiel von Imperialisten und Faschisten durchbrechen.

So sehr im konkreten Einzelfall militärisch taktische Flexibilität für das Überleben erforderlich sein mag, die internationalistische Grundhaltung darf nicht aufgegeben werden. Null Vertrauen in die Imperialisten, ob sie nun Erdogan, Trump, Putin oder Nethanyahu heißen. Solidarität auch mit allen unterdrückten Nationen gegen imperialistische Vorherrschft. Aber bei der Befreiung dürfen die Klassenfrage, die soziale und demokratiche Selbstbestimmtheit der arbeitenden Menschen und die Frage nach den internen Herrschaftsverhältnissen nicht ausser Acht gelassen werden. Wer die Mullahs gegen den Schah austauscht treibt die Menschen vom Regen in die Traufe.

Auszüge aus einer internationalistischen Erklärung von Zeki Gökhan, Köln 24.1.2026:
Demo Köln, Foto Zeki Gökhan

Zehntausende Menschen haben heute Köln bewegt. Der Demonstrationszug reichte von Köln-Deutz bis weit über den Heumarkt hinaus.

Frauen, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen gingen gemeinsam –´mit Wut, Trauer und Hoffnung, aber friedlich und voller Entschlossenheit. Die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung in Syrien sind kein Zufall.

Die Verbrechen der Colani-Bande geschehen mit der Unterstützung und Duldung internationaler imperialistischer Mächte.

Das ist kein „regionaler Konflikt“, sondern Ausdruck eines Systems, das Krieg, Terror und Milizen nutzt, um Macht, Einfluss und Profite zu sichern. Der Kapitalismus produziert Krieg. Der Imperialismus braucht Spaltung. Wer Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Solidarität lebt, wird angegriffen. Rojava steht für eine Alternative zu diesem System:

  • für demokratische Selbstverwaltung statt Fremdherrschaft,
  • für Frauenbefreiung statt patriarchaler Gewalt,
  • für Solidarität statt Ausbeutung.

Gerade deshalb ist Rojava Ziel von Angriffen. Unsere Antwort darauf ist internationale Solidarität –Jenseits von Nationalismus, Rassismus und kapitalistischer Logik. (….)

Die Völker lassen sich nicht spalten. Die Unterdrückten stehen zusammen.

Und wir schweigen nicht, wenn Menschen entrechtet, vertrieben oder ermordet werden. Unser Platz ist an der Seite all jener, die für Freiheit, Würde und ein Leben jenseits von Krieg und Profit kämpfen.

Gegen Terrorbanden. Gegen Imperialismus. Gegen Kapitalismus. Für Frieden, Selbstbestimmung und internationale Solidaritä

Fotos: Peter Vlatten

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