Verspätet und blockiert – ein frustrierender 1. Mai für Neonazis

Weniger Teilnehmer als erwartet, Ärger mit der Polizei und große Gegendemonstrationen – Naziaufmärsche in Essen, Braunschweig und Gera

Von Sebastian Weiermann

Titelbilder: Manuela Hillekamps. R-Mediabase.


Als Neonazi hat man es manchmal nicht leicht. Claus Cremer kann davon ein Lied singen. Der 47-jährige ist Landesvorsitzender der »Heimat« (früher NPD) und seit den 1990ern in der extremen Rechten aktiv. An diesem 1. Mai hat er einen Aufmarsch in Essen organisiert. In der Stadt hat die Partei ihre Landeszentrale und versucht seit einiger Zeit, Jugendliche für ihre Sache zu gewinnen. Regelmäßig veranstaltet sie dafür »Kennenlernabende«, ein Teil davon sind kleine Aufmärsche rund um die Landeszentrale. Nun, am »Tag der nationalen Arbeit«, wollte man es eine Nummer größer probieren. »Die Heimat« mobilisierte bundesweit zu einem Aufmarsch durch das Zentrum der Ruhrgebietsstadt. 500 Teilnehmer*innen kündigte die neonazistische Partei an.

Ein Erfolg wurde der Aufmarsch nicht. Auf dem Hirschlandplatz, wo die Neonazis sich trafen, musste Cremer nämlich immer wieder verkünden, dass es noch nicht losgeht. Erst mussten die Rechten auf ihren Lautsprecherwagen warten. Und dann wollte man nicht losmarschieren, bevor »Kameraden«, die im Stadtteil Altenessen in einer Polizeikontrolle feststeckten, zu den Neonazis in der Innenstadt stoßen konnten. Cremers Ansagen in Richtung der Polizei »Euren Feierabend bestimmen wir!« schienen für diese nicht besonders bedrohlich. Es dauerte bis 15:45 Uhr, dann erst kamen die vorwiegend aus Dortmund stammenden Neonazis in der Innenstadt an. Wenig später ging dann auch der Aufmarsch los, gut zwei Stunden nach dem eigentlich geplanten Beginn und mit weniger als 300 Teilnehmer*innen.

Durch einen stark von der Polizei abgesperrten Innenstadtbereich durften die Nazis eine Schleife drehen. Anschließend folgte ein längeres Programm aus neonazistischen Redner*innen und Musiker*innen, das auf ein stark nachlassendes Interesse stieß. Der gewalttätige Nazi-Promi Thorsten Heise sprach am Abend noch vor gut hundert Kamerad*innen.

Begleitet wurden die Nazis, auch am Abend noch, von Gegendemonstrant*innen. Die Essener Polizei spricht von 4500 Menschen. Die Nazi-Gegner*innen standen an so gut wie jeder Absperrung um den rechten Aufmarsch und übertönten die rassistischen Parolen der Neonazis.

Noch schlechter als in Essen ist der Tag für Neonazis in Braunschweig gelaufen. Dort hatte die NPD, eine Abspaltung der »Heimat«, die unter dem alten Namen weitermacht, zu einem Aufmarsch aufgerufen. 200 Teilnehmer*innen hatte sie angekündigt. Gekommen waren dann 40. Die mussten aufgrund der starken Gegenproteste und mehrerer Blockaden auch viel Zeit mit Warten verbringen. Außerdem mussten sie ihre Route ändern und konnten eine Kundgebung nicht auf dem zentralen Europaplatz durchführen. Gegen die 40 Neonazis gingen 1800 Menschen auf die Straße.

In Gera versammelte die Kleinstpartei »Dritter Weg« 200 Anhänger*innen zu einem Aufmarsch. 400 Menschen protestierten gegen den, erst in der vergangenen Woche bekannt gewordenen, Aufmarsch. Eine Sitzblockade wurde von der Polizei aufgelöst. 75 Teilnehmer*innen des Naziaufmarsches, die, wie es in der Polizeipressemitteilung heißt, »eine nicht angemeldete Anschlussveranstaltung« in Schmölln abhalten wollten, wurden von der Polizei kontrolliert und mit einem Platzverweis belegt.

Für die Neonaziszene war der »Tag der nationalen Arbeit« also als Reinfall. Bundesweit konnte sie weniger als 600 Teilnehmer*innen mobilisieren. Gegendemonstrant*innen bestimmten in allen Städten das Bild. Ud auch mit der Polizei hatten die Neonazis einigen Ärger.

Erstveröffentlicht im nd v. 2.5. 2026
Verspätet und blockiert …

Wiur danken für das Publikationsrecht.

Berlin – Stadt der Rüstung? Mit dem Defence Hub zur europäischen Rüstungsmetropole?

Berlin – Stadt der Rüstung? Mit dem Defence Hub zur europäischen Rüstungsmetropole?

mit Christoph Marischka (Informationsstelle Militarisierung) & Chris Hüppmeier (FriKo / DKP Berlin)

Mittwoch, 06.05.2026 18.30 Uhr, Rungestraße 20, 10179 Berlin (DER RAUM / Rotes Antiquariat)

Im Dezember 2025 verkündete der Berliner Senat freudestrahlend, dass er die Patentlösung für die wirtschaftliche Dauerkrise gefunden habe: Rüstung. Dafür wolle er Berlin – so wörtlich – zu einem „europäischen Leuchtturm“ in der sogenannten Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie entwickeln. Vorbilder dafür gibt es weltweit vor allem in Israel und den USA. Ziel ist es, insbesondere durch die Neuausrichtung der Start-up-Förderung die „Defence Tech-Szene“ nach Berlin zu locken.

Laut Senat arbeiten bereits über 400 Dual-Use-Unternehmen im Großraum Berlin – also Unternehmen, die Produkte entwickeln, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Anfang der Woche stellte dann der Regierende Bürgermeister Wegener zusammen mit der Industrie- und Handelskammer den Start des Tech Hub SVI Ost (Sicherheits- und Verteidigungsindustrie) vor, der dem Projekt „Defence Hub“ erste Konturen gibt.

Die laufenden Kriege in der Ukraine, Israels Völkermord an den Palästinensern und der Flächenbrand, den Israel mit seinem großen Bruder USA in Westasien entfacht hat, sind bedeutende Triebkräfte für die weitere Entwicklung von Kriegsgerät und Kriegsführung. Der Wettbewerb darum ist kriegsentscheidend.

Ob Drohnen, Robotik, Sensorik oder sogenannte Künstliche Intelligenz: Gefördert durch exorbitante staatliche Rüstungshaushalte (also Steuergelder) ist dieser Markt momentan beinahe der einzige Anlage- und Wachstumsmarkt.

Wir wollen uns an diesem Abend genau diesen Bereich des militärisch-industriellen Komplexes anschauen: Welche Akteure spielen darin eine Rolle? Wer steckt hinter den Start-ups, und welche Auswirkungen hat das „Defence Hub“-Projekt des Berliner Senats auf die gesamte Region?

Israel greift Flotilla an — auf die Strassen!

Heute Nacht hat die IDF 600km von Gaza entfernt 20 Schiffe der Flotilla angegriffen und abgefangen. In internationalen Gewässern, kurz vor der griechischen Küste wurden Dutzende Aktivist:innen entführt und werden wahrscheinlich gerade nach Israel verschleppt.
Aber warum? Mit rund 100 Schiffen ist diese Flotilla eine noch größere und entschlossenere Antwort auf den fortlaufenden Genozid und der grausamen Expansionspolitik Israels – die Besatzungsmacht hat Angst!

Deutschland empört sich über die Sperrung der Straße von Hormuz durch den Iran und will dort die „Freiheit der Seefahrt“ verteidigen. Bei der Strße von hormuz geht es um Öl und Rohstoffe. Aber wo bleibt die Empörung gegen Israel, dass seit Jahren in fremden Gewässern Gaza blockiert? Jetzt betreibt Israel offene Piraterie gegen einen humanitären Einsatz, 600 km weit weg von von der eigenen Küste! Triefende deutsche Doppelmoral: hier geht es ja nur um „Menschen“, die von einem miltärischen Verbündeten gekapert und bedroht werden.

Trotz der Angriffe segeln 30 Schiffe weiter um die illegale Blockade zu brechen und den Genozid zu stoppen!


Zeigen wir auch hier auf den Straßen, dass wir keine Angriffe unbeantwortet lassen und die Boote die noch Segeln werden unterstützen, bis sie an den Küsten Gazas ankommen!
Ungebrochen auf Land und auf See – Free Palestine!

Kommt heute in Berlin zur Kundgebung am Hermannplatz um 19 Uhr – together we will break the siege!

Mobilisiert in allen deutschen Städten. Macht den 1. Mai zum internationalen antiimperialistischen und antifaschistischen Kampftag! Die Kriegstreiber und Kriegsverbrecher bedrohen uns auf allen Ebenen: ökonomisch, sozial, politisch und militärisch.

Weitere Informationen zur Flotilla hier: Global Sumud Flotilla in See gestochen – lasst sie nicht aus den Augen!
Israelische Soldaten berichten. "Ich fühlte mich wie ein Monster" 

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