Weniger Teilnehmer als erwartet, Ärger mit der Polizei und große Gegendemonstrationen – Naziaufmärsche in Essen, Braunschweig und Gera
Titelbilder: Manuela Hillekamps. R-Mediabase.

Als Neonazi hat man es manchmal nicht leicht. Claus Cremer kann davon ein Lied singen. Der 47-jährige ist Landesvorsitzender der »Heimat« (früher NPD) und seit den 1990ern in der extremen Rechten aktiv. An diesem 1. Mai hat er einen Aufmarsch in Essen organisiert. In der Stadt hat die Partei ihre Landeszentrale und versucht seit einiger Zeit, Jugendliche für ihre Sache zu gewinnen. Regelmäßig veranstaltet sie dafür »Kennenlernabende«, ein Teil davon sind kleine Aufmärsche rund um die Landeszentrale. Nun, am »Tag der nationalen Arbeit«, wollte man es eine Nummer größer probieren. »Die Heimat« mobilisierte bundesweit zu einem Aufmarsch durch das Zentrum der Ruhrgebietsstadt. 500 Teilnehmer*innen kündigte die neonazistische Partei an.
Ein Erfolg wurde der Aufmarsch nicht. Auf dem Hirschlandplatz, wo die Neonazis sich trafen, musste Cremer nämlich immer wieder verkünden, dass es noch nicht losgeht. Erst mussten die Rechten auf ihren Lautsprecherwagen warten. Und dann wollte man nicht losmarschieren, bevor »Kameraden«, die im Stadtteil Altenessen in einer Polizeikontrolle feststeckten, zu den Neonazis in der Innenstadt stoßen konnten. Cremers Ansagen in Richtung der Polizei »Euren Feierabend bestimmen wir!« schienen für diese nicht besonders bedrohlich. Es dauerte bis 15:45 Uhr, dann erst kamen die vorwiegend aus Dortmund stammenden Neonazis in der Innenstadt an. Wenig später ging dann auch der Aufmarsch los, gut zwei Stunden nach dem eigentlich geplanten Beginn und mit weniger als 300 Teilnehmer*innen.
Durch einen stark von der Polizei abgesperrten Innenstadtbereich durften die Nazis eine Schleife drehen. Anschließend folgte ein längeres Programm aus neonazistischen Redner*innen und Musiker*innen, das auf ein stark nachlassendes Interesse stieß. Der gewalttätige Nazi-Promi Thorsten Heise sprach am Abend noch vor gut hundert Kamerad*innen.
Begleitet wurden die Nazis, auch am Abend noch, von Gegendemonstrant*innen. Die Essener Polizei spricht von 4500 Menschen. Die Nazi-Gegner*innen standen an so gut wie jeder Absperrung um den rechten Aufmarsch und übertönten die rassistischen Parolen der Neonazis.
Noch schlechter als in Essen ist der Tag für Neonazis in Braunschweig gelaufen. Dort hatte die NPD, eine Abspaltung der »Heimat«, die unter dem alten Namen weitermacht, zu einem Aufmarsch aufgerufen. 200 Teilnehmer*innen hatte sie angekündigt. Gekommen waren dann 40. Die mussten aufgrund der starken Gegenproteste und mehrerer Blockaden auch viel Zeit mit Warten verbringen. Außerdem mussten sie ihre Route ändern und konnten eine Kundgebung nicht auf dem zentralen Europaplatz durchführen. Gegen die 40 Neonazis gingen 1800 Menschen auf die Straße.
In Gera versammelte die Kleinstpartei »Dritter Weg« 200 Anhänger*innen zu einem Aufmarsch. 400 Menschen protestierten gegen den, erst in der vergangenen Woche bekannt gewordenen, Aufmarsch. Eine Sitzblockade wurde von der Polizei aufgelöst. 75 Teilnehmer*innen des Naziaufmarsches, die, wie es in der Polizeipressemitteilung heißt, »eine nicht angemeldete Anschlussveranstaltung« in Schmölln abhalten wollten, wurden von der Polizei kontrolliert und mit einem Platzverweis belegt.
Für die Neonaziszene war der »Tag der nationalen Arbeit« also als Reinfall. Bundesweit konnte sie weniger als 600 Teilnehmer*innen mobilisieren. Gegendemonstrant*innen bestimmten in allen Städten das Bild. Ud auch mit der Polizei hatten die Neonazis einigen Ärger.
Erstveröffentlicht im nd v. 2.5. 2026
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