Sofortige Freilassung aller Aktivistinnen und Aktivisten der „Globalen Sumud Flottille“

Die „Global Sumud Flotilla“ wurde in internationalen Gewässern – etwa 250 Seemeilen vor der Küste des Gazastreifens – von israelischen Kriegsschiffen umzingelt und abgefangen. Wir berichteten über die Ereignisse und Hintergründe.

Alle 50 Boote wurden inzwischen von der israelischen Armee aufgebracht, 428 Teilnehmer:innen aus mehr als 40 Ländern wurden festgenommen, verschleppt, gedemütigt und mißhandelt. Stand heute werden sie immer noch gefangern gehalten.

Die israelischen Streitkräfte brachten die Aktivistinnen und Aktivisten der Flotilla mit brutaler Gewalt in den Hafen von Aschdod im Süden Israels.

Videoaufnahmen zeigen, wie israelische Kräfte die Gefangenen misshandelten, während sie gefesselt auf dem Boden lagen, und sie zwangen, die israelische Hymne „Hatikva“ anzuhören. Besonders sorgte der rechtsextreme Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, mit einem provokativen Besuch vor Ort für Empörung. Ben-Gvir selbst trat demonstrativ vor die Kameras, verspottete die Inhaftierten und forderte öffentlich ihre langfristige Inhaftierung.

Nächste Kundgebung Berlin

Die israelische Verkehrsministerin veröffentlichte ein Video, in dem sie ebenfalls offen mit der Demütigung und Misshandlung der Aktivistinnen und Aktivisten prahlte.

Mehr als 87 der Festgenommenen traten aus Protest gegen ihre Inhaftierung und menschenunwürdige Behandlung sowie aus Solidarität mit den palästinensischen politischen Gefangenen in einen Hungerstreik.

Update 22.5.: die Gefangenen wurden nach einer Brandwelle internationaler Protesteb-wie hier beschrieben - in die Türkei gebracht und freigelassen. Kein Grund nachzulasse, alle Blicke auf Gaza zu richten, die Aufgabe der israelischen Blockade zu fordern und internationale Hilfe zu organisieren. 

Die italienische Ministerpräsidentin und der Außenminister kündigten an, den israelischen Botschafter einzubestellen, um offizielle Erklärungen zur Misshandlung der Aktivistinnen und Aktivisten der „Sumud Flottille“ zu verlangen. Zugleich bezeichnete die italienische Regierung das Vorgehen Israels gegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Flottille als „inakzeptabel“ und forderte eine Entschuldigung Israels für deren Behandlung

In Italien hatten am Montag landesweit Solidaritätsstreiks der Basisgewerkschaft USB Druck gemacht.

Die internationale Kritik an Israel wächst seitdem weiter an. Zahlreiche Staaten verurteilten in den vergangenen Stunden öffentlich die Behandlung der Teilnehmenden, nachdem Videos veröffentlicht worden waren, die die Misshandlungen, Demütigungen und öffentlichen Erniedrigungen der Festgenommenen zeigen.

Die Reaktionen aus Europa und anderen Teilen der Welt fielen ungewöhnlich scharf aus. Laut dem israelischen Sender Kanal 12 wurde der israelische Botschafter in Frankreich zu einem offiziellen Verweis einbestellt. Auch Portugal verurteilte das Vorgehen scharf und nahm Kontakt zu den israelischen Behörden auf, um die Freilassung portugiesischer Staatsangehöriger zu erreichen.

Der kanadische Außenminister kündigte an, den israelischen Botschafter wegen der „inakzeptablen Behandlung“ der Aktivistinnen und Aktivisten einzubestellen. Spanien sprach von einem „brutalen Vorgehen“ gegen die Teilnehmenden der Flottille und forderte eine öffentliche Entschuldigung Israels. Madrid entschied zudem, den israelischen Botschafter offiziell einzubestellen.

Auch aus Großbritannien kam deutliche Kritik. Die britische Außenministerin erklärte, sie sei schockiert über die öffentliche Verhöhnung der Aktivistinnen und Aktivisten durch Ben-Gvir. Belgien und die Niederlande kündigten ebenfalls diplomatische Schritte gegen Israel an. Der niederländische Außenminister sprach von „schockierenden Bildern“ und forderte die Einhaltung des internationalen Rechts sowie den Schutz der niederländischen Staatsangehörigen.

Das griechische Außenministerium verurteilte das Verhalten des israelischen Ministers „aufs Schärfste“, während Österreich die veröffentlichten Aufnahmen als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnete.

Auch außerhalb Europas wuchs der Druck auf Israel. Das Außenministerium von Qatar erklärte, die Demütigung der Aktivistinnen und Aktivisten zeige deutlich die systematischen Misshandlungen, denen auch Palästinenserinnen und Palästinenser ausgesetzt seien. Doha rief die internationale Gemeinschaft zu sofortigem Handeln und zur unverzüglichen Freilassung der Inhaftierten auf.

Die türkische Regierung verurteilte die verbalen und körperlichen Übergriffe auf die Teilnehmenden der Flottille ebenfalls scharf. Das Außenministerium in Ankara erklärte, das Abfangen der Schiffe in internationalen Gewässern verstoße gegen internationales Recht. Zugleich bezeichnete die Türkei Ben-Gvir als einen der zentralen Verantwortlichen für die Gewaltpolitik gegen Gaza.

Abstimmung der studentischen Vollversammlung in Leibzig gegen jegliche Zusammenarbeit mit Israel

Scharfe Kritik kam zudem aus Israel selbst. Der israelische Knesset-Abgeordnete Ofer Cassif erklärte, die Aktivistinnen und Aktivisten würden misshandelt, erniedrigt und unter direkter Unterstützung Ben-Gvirs inhaftiert. „Wenn so mit Ausländern umgegangen wird, kann man sich vorstellen, was Palästinenser täglich erleiden“, sagte Cassif.

Eine irgendwie gleichartige eindeutige Verurteilung ist von der Deutschen Regierung hingegen bis jetzt nicht bekannt. Das ist erbärmlich.

Es muss aber auch klar sein, dass scharfe Worte keine Taten ersetzen. Jede Unterstützung für und Zusammenarbeit mit Israel muss sofort eingestellt werden. Die israelischen Kriegsverbrecher müssen international geächtet und zur Verantwortung gezogen werden.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Studentinnen und Studenten der Universität Leibzig, die gestern mit überwältigender Mehrheit in einer Vollversammlung beschlossen haben, die Unileitung aufzufordern, jegliche Zusammenarbeit mit israelischen Universitäten und Institutionen sofort zu beenden.

Das Kalkül ist: „kein Auge mehr auf Gaza“ . Machen wir einen Strich durch diese Rechnung!

Lassen wir die Verschleppten und Gaza nicht aus den Augen. Mobiliseren wir die Öffentlichkeit. Zeigen wir, dass wir keine Angriffe unbeantwortet lassen. Es muss jeder mögliche Druck aufgebaut werden, daß die Aktivist:innen unverzüglich freigelassen werden. Nehmen wir an Protesten teil. Das ist gelebter Internationalismus und Antifaschismus! FREE PALESTINE!

Sofortige Freilassung aller Aktivist:innen!

Schreibt an Eure Außenministerien, daß sie dazu bei Israel vorstellig werden. Schon 1 Million Menschen haben entsprechende Aufforderungen versandt. Schlieẞt Euch der Kampagne an. Hier sind die Email Vorlagen.

Weitere Informationen zur Flotilla hier:

„Global Sumud Flotilla“ erneut in internationalen Gewässern von Israel angegriffen!

Auf der Sumud Flotilla: «Ein kleiner Einblick in ihre Maschinerie der Gewalt»

Global Sumud Flotilla in See gestochen – lasst sie nicht aus den Augen!

Titelbild: Screenshot und Beweisdokument aus dem israelischen Video mit Ben-Gvir

Unterstützt die Petition der VW-Kolleg:innen „Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft“!

Gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte bei Volkswagen haben in Anlehnung an den Beschluss der Vertrauensleute bei Ford in Köln ebenfalls eine Protestbotschaft verfasst. Für diese Erklärung wird auch weiter bei Kolleg:innen in den VW-Werken gesammelt. Unabhängig davon gibt es jetzt eine Petition, die alle unterschreiben können. Wir bitten um rege Unterstützung und Weiterverbreitung der Sammlung. Mit Hilfe dieser Resolution wird es vielleicht möglich, öffentlich bekannter zu machen, dass die Belegschaften keinesfalls wie selbstverständlich den Militarisierungskurs der Regierung unterstützen und hier auch Widerspruch zur Haltung ihrer Gewerkschaftsführungen in dieser Frage sichtbar machen wollen.

Link zur Plattform von open petition
https://www.openpetition.de/petition/online/nein-zum-umbau-auf-kriegswirtschaft

Weitere Informationen finden sich hier:
Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft

Kubas Krise spitzt sich zu – US-Invasion droht

Die Energiekrise in Kuba spitzt sich zu. Mittlerweile sind alle Ölreserven verbraucht, die kubanische Regierung ist zu Verhandlungen gezwungen. Die Bevölkerung wehrt sich und wird auf einen möglichen militärischen Konflikt vorbereitet.

von Perspektive Online

Titelbild: Miguel Díaz-Canel Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas, Präsident Kubas. Kremlin.ru, CC BY 3.0

Das am 9. Januar durch die USA verhängte Ölembargo gegen Kuba hält weiter an. Mittlerweile gibt es auf der Karibikinsel laut Energieminister Vicente de la O Levy überhaupt kein Öl mehr. Ende März durfte zwar ein russischer Tanker mit 700.000 Barrel Öl passieren, die Lieferung war allerdings schnell aufgebraucht.

Als Reaktion auf die massive Energiekrise, die zu Stromausfällen von bis zu 22 Stunden führt, protestieren immer mehr Kubaner:innen auf den Straßen. Die kubanische Regierung hat sich in ihrer Not mit dem Chef der CIA, John Ratcliffe, zu Verhandlungen getroffen. Gleichzeitig bereitet sie sich auf eine mögliche Invasion durch die USA vor.

Um die humanitäre Notlage und Energiekrise abzuschwächen, die direkt aus den Sanktionen der USA entstanden sind, bieten die USA Kuba 100 Millionen US-Dollar an humanitären Hilfsgütern an. Im Gegenzug werden „weitreichende Reformen des kommunistischen Systems in Kuba“ gefordert.

CIA-Verhandlungen und Anklage Raúl Castros

Die USA begründen ihre völkerrechtswidrigen Handlungen gegenüber Kuba mit einer „ungewöhnlichen und außergewöhnlichen Bedrohung“, die von Kuba gegenüber den USA ausgehen soll. Dafür spreche die Beherbergung von iranischen und russischen Funktionären sowie Hamas-Mitgliedern. Belege dafür gibt es weiterhin keine. Kuba argumentiert hingegen, dass es „keine terroristischen oder extremistischen Organisationen unterstützt, finanziert oder zulässt“.

Kurz nach den Verhandlungsgesprächen gaben die USA bekannt, Raúl Castro – Kubas Ex-Präsidenten und Bruder von Fidel – anklagen zu wollen. Damit wäre ein ähnliches Vorgehen wie in Venezuela möglich. Anfang Januar entführten die USA den zu der Zeit amtierenden Präsidenten Nicolas Maduro, um ihn in den USA vor Gericht zu stellen.

https://perspektive-online.net/2026/05/neue-praesidentin-venezuelas-oeffnet-das-land-fuer-westliche-konzerne/embed/#?secret=XnGI9ib7Ng#?secret=nzoMDa765Z

Die militärische Führung Kubas, inklusive des amtierenden Präsidenten Miguel Días-Canel, warnt vor Aktionen gegen den ehemaligen Machthaber, der mit 94 Jahren weiterhin über großen Einfluss verfügt. Eine Entführung oder Tötung könnte die Verhandlungen abrupt beenden und den Auslöser für einen militärischen Konflikt darstellen.

„Krieg der gesamten Bevölkerung“

Die Energiekrise zerrüttet die kubanische Gesellschaft derweil zunehmend. Dazu kommen verbrauchte Medizinvorräte und eine schwächelnde Landwirtschaft. Mit brennenden Müllhaufen auf den Straßen und großen Demonstrationen drücken die Menschen in Kuba ihr Leid und ihre Verzweiflung aus.

Der Protest richtet sich allerdings nicht gegen die Regierung, sondern gegen den amerikanischen Staat, der den Inselstaat seit der Invasion in der Schweinebucht 1961 zunehmend wirtschaftlich isoliert. Kubaner:innen sehen in einem militärischen Konflikt einen Ausweg.

Die Regierung in Havanna versucht darauf aufbauend die Idee des „Kriegs der gesamten Bevölkerung“ erneut aufleben zu lassen. Die Strategie stammt von Fidel Castro, dem ehemaligen Präsidenten Kubas und Anführer der kubanischen Revolution.

Durch eine Mobilisierung der gesamten Bevölkerung für den dezentralen Kampf mit Guerillataktiken soll die personelle und materielle Schwäche des kubanischen Militärs ausgeglichen werden. Als Teil dieser Strategie veröffentlichte die kubanische Regierung Fotos und Videos von Militärübungen mit Zivilist:innen.

https://perspektive-online.net/2026/03/us-embargo-treibt-kuba-in-die-krise-regierung-macht-historische-zugestaendnisse/embed/#?secret=aob3YQqaZE#?secret=3zn9dFonDF

Strategie der USA

Mit dem monatelangen Öl-Embargo setzen die USA auf die Zermürbung der kubanischen Bevölkerung, anders als in Venezuela oder dem Iran. Das als sozialistischer Staatsversuch bekannte Kuba ist den USA schon seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge.

Mit Blick auf die sich zuspitzende Weltlage, in der sich die großen imperialistischen Mächte eine möglichst gute Ausgangsposition für einen großen Umverteilungskrieg zu schaffen versuchen, ist der Versuch einer Übernahme Kubas nicht der Kampf zwischen Ideologien. Viel mehr stehen die russischen und chinesischen Verbindungen Kubas im Vordergrund.

Mit Öllieferungen und dem Verkauf von 300 Militärdrohnen an Kuba versucht Russland seinen historischen Verbündeten zu unterstützen. Die unmittelbare Nähe der Insel zu den USA spielt heute für Russland wieder eine große strategische Rolle, von einer humanitären Mission ist nicht zu sprechen.

Erstveröffentlich auf „Perspektive online“ am 19.5. 2026
Die Krise um Kuba spitzt sich zu …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung