Oh Herr lass Hirn regnen statt Bomben !

Ein Kongress der Vernunft, der Hoffnung und der Vision. Wien 10 und 11.06.2023

„Ich bin voller Hoffnung“, schreibt heute morgen Werner Ruhoff (DFG-VK) „dass diese Konferenz den Friedensbewegungen auf transnationaler Ebene Rückenwind geben kann. Wenn man die früheren Schriften Bertha von Suttners vor dem Ersten Weltkrieg liest, ähneln sie sehr der heutigen Situation, auch was die mediale Kriegsbesoffenheit angeht. Heute ist diese internationale Vernetzung der Kriegsunwilligen umso wichtiger, als es letztendlich auch um die Verhinderung einer atomaren Katastrophe geht. Es muss alles versucht werden, dem Leben auf der Spur zu bleiben und nicht den Totengräbern. Wir leben wieder einmal in finsteren Zeiten. Diese Konferenz mag ein Licht anzünden, das Mut und Wärme spendet für die weiteren Auseinandersetzungen mit den militaristischen Mächten, mit der Profitgier und mit der Dummheit, die sowohl die Klimaerhitzung als auch die Kriege befeuern. Ich wünsche der Konferrenz ein gutes Gelingen.“

ÖGB zieht kurzfristig seine Unterstützung der Friedenskonferenz in Wien zurück

Der Östereichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat zwei Tage vor dem Kongress seine ursprünglich feste Zusage für die Räumlichkeiten des Kongresses zurückgezogenn und damit die Durchführung des „größten internationalen Friedenskongresses seit Ausbruch des Ukrainekrieges“ , unter Beteiligung von Friedensnobelpreiträgern oder global renommierten Wissenschaftlern wie Noam Chomsky und US-Ökonom Jeffrey Sachs, gefährdet. Das Einknicken des ÖGB vor der Intervention des ukrainischen Botschafters in Östereich, einem Land ,das sich als „neutral“ definiert, ist ein Skandal.

mehr in unserem Artikel ÖGB zieht kurzfristig seine Unterstützung zurück und kündigt Räume der Friedenskonferenz in Wien

Aus dem Aufruf zum Friedensgipfel !
Wir verurteilen die illegale russische Invasion in der Ukraine. Wir sind uns der Mitverantwortung der NATO für diesen Langzeitkonflikt als eines von vielen Beispielen für Verstöße gegen das Völkerrecht voll bewusst. Gleichzeitig sind wir betroffen von den Folgen, die dieser Krieg und alle Kriege für die Gesellschaften haben – von Verletzungen und Todesfällen bis hin zur langfristigen Einschränkungen, die die Frauen trifft, die selbst in Kriegszeiten lebenswichtige Pflege leisten und trotz Menschenrechtsverletzungen für ihren Lebensunterhalt und Frieden kämpfen. Er zerstört die Umwelt und die Infrastruktur des Landes, verursacht weltweit steigende Lebensmittel- und Energiepreise, verschärft Armut und Hunger – insbesondere im globalen Süden – und bedroht die ganze Welt mit
einem Atomkrieg. Es ist an der Zeit, dass die Waffen schweigen und dass die Diplomatie beginnt, den Konflikt zu lösen. Wir müssen der Logik des Krieges die Logik des Friedens entgegensetzen    ........ mehr 

Reiner Braun und Sean Conner, IPB ( International Peace Bureau), fassen wesentliche Vorschläge zusammen, die auf dem Tisch des Wiener Kongresses liegen, um einen Ausweg aus der Kriegsdynamik zu finden. Wer Frieden will, sollte sich ohne Vorbehalte dieser Diskussion stellen und die Vision einer friedlicheren Welt verfolgen.

Der Apell schlägt den Bogen. Friedensbewegung muss mit den Bewegungen für Menschenrechte, Soziales und nicht zuletzt Klima zusammenmarschieren! Und wir meinen, Hirn und Vernunft allein reichen nicht. Leider. Um den auf Konfrontation ausgerichteten Kapital- und Hegemonieinteressen wirkungsvoll entgegentreten zu können, müssen sich wirklich ALLE zusammenschliessen! Konfrontations- und Kriegspolitik bekommen auch ihre Kehrseite nach innen. es ist mit mächtigen Widerständen zu rechnen. National wie international muss für den Frieden von der großen Mehrheit der Menschen gekämpft werden [1]nächste Gelegenheit zum Protest: 17.06.2023: PROTESTKUNGEBUNG „Keine Bomber über unserern Köpfen Brandenburg“.

International Summit for Peace in Ukraine, Wien 10. und 11.06.2023

„Weitere zehntausende von Toten und Verwundete, weitere Zerstörung von Natur und Städte, noch mehr Hass auf beiden Seiten in der Ukraine und in Russland oder Waffenstillstand – das ist die Alternative


Mehr Hunger und Armut überall in der Welt, mehr soziales Desaster und globale Ungerechtigkeit oder Einstieg in eine neue Periode der Kooperation und des Dialoges – das istdie Alternative


Mehr Konfrontation und wahnwitzige Hochrüstung, mehr Atomwaffen und Militarismus oder Rückkehr zur Rüstungskontrolle und Abrüstung und der Beginn einer Diskussion um eine neueSicherheits- und Friedensordnung in Europa – das ist die Alternative


Alle globalen Herausforderungen von Krieg und Frieden haben eine dramatische Zuspitzung nicht nur aber besonders auch in dem Krieg in der Ukraine. Die Eskalationsdynamik des Krieges bis hin zu einem mindestens Europa vernichtenden Atomkrieges ist latent vorhanden, ein großer Krieg zwischen NATO und Russland nicht ausgeschlossen – die militärische Dynamik weist diesen verheerenden Weg.

Aber die Vernunft kann noch gewinnen, der Vernunft und dem Realismus, dem Überleben und der Gestaltung der Zukunft mit zum Durchbruch zu verhelfen, dazu will der internationalKongress „Frieden in der Ukraine“ ein Beitrag leisten.


Deshalb ist und bleibt die friedenspolitische Kernforderung: Waffenstillstand und Verhandlungen

Waffenstillstand

Waffenstillstand heißt nicht die Anerkennung bestehender Frontlinien als Grenzen, sondern nur ein Ende des Tötens und des Mordens, ein Stopp der Zerstörungen. Raus aus den Schützengräben und Bunkern, hin zu neuem freiem Leben

Verhandlungen

Verhandlungen heißt nicht Zustimmung oder Anerkennung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russland gegen die souveräne Ukraine, heißt auch nicht die Vorgeschichte dieses Krieges besonders die NATO-Osterweiterung aus den Augen zu verlieren, sondern Wege für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft an dem Verhandlungstisch zu entwickeln – wahrscheinlich unter der Beteiligung von internationalen Moderatoren bzw. Mediatoren des Globalen Südens

Vorschläge für Verhandlungen liegen auf den Tischen der internationalen Politik und Diplomatie. Die Vorschläge aus der ehemaligen Regierung von Italien, aus Mexiko, die Überlegungen zum Frieden aus China und der Friedensplan des Vatikans, die (fast fertige) Vereinbarung von Istanbul vom März/April 2022 sowie die UN Resolution von Februar 2023 haben viele Gemeinsamkeiten, die als Grundlage von Verhandlungen dienen könnten.

Denkbar wären Vereinbarungen in die folgende Richtung, die weitreichende Kompromiss Bereitschaft von allen Seiten beinhaltet:

  • Die Ukraine ist ein souveräner unabhängiger Staat, der wieder die Neutralität in der Verfassung verankert. d.h. keine NATO-Mitgliedschaft wohl aber kann eine Mitgliedschft in der EU und der Eurasische Wirtschaftsunion in Betracht gezogen werden.
  • Für die Ukraine aber auch für Russland werden umfassende Sicherheitsgarantien vereinbart und völkerrechtlich legitimiert, u.a. durch den UN-Sicherheitsrat. Dies beinhaltet eine Demilitarisierung der Grenzregionen und einen Stopp einer weiteren NATO-Osterweiterung.
  • Für die Bezirke Lugansk und Donezk wird für eine Übergangszeit eine neutrale Verwaltung unter UN-Kontrolle eingerichtet, die ein Volksbefragen in 5 Jahren
    vorbereitet, die zu einer endgültigen Lösung, Autonomie in der Ukraine, Unabhängigkeit oder Anschluss an Russland führen kann.
  • Blauhelmtruppen aus neutralen Saaten des globalen Südens überwachen und kontrollieren die vertragliche Übereinkunft und die vereinbarten Grenzziehungen.
  • Vereinbart wird ein Zeitplan des Abzugs der russischen Truppen in Verbindung mit der Umsetzung des Gesamtfriedensplanes. Im gleichen Rahmen werden die Sanktionen der NATO/EU gegen Russland zurückgefahren bzw. aufgehoben.
  • Für die Krim wird der jetzige Zustand für eine vereinbarte Zeit festgeschrieben. Eine danach unter UN-Kontrolle stattfindende Volksabstimmung soll eine endgültige Lösung der nationalen Zugehörigkeit erbringen. Eine Kooperation der Krim und der Ukraine auf dem Gebiert der Wasserversorgung, des Handels und der ökologischen Sicherheiten wird vertraglich vereinbart.
  • Im Rahmen der OSCE werden Diskussionen und Verhandlungen über eine Neue Sicherheitsarchitektur in Europa auf der Basis einer Politik der „gemeinsamen
    Sicherheit“ aufgenommen mit dem Ziel zu einer neuen europäischen Charta bis spätestens 2025 (50. Jahre Helsinki Vereinbarungen) zu kommen.
  • Im Zusammenhang mit der Vereinbarung erklären die USA und Russland sich zur Wiederaufnahme von Gesprächen über atomare Rüstungskontrolle bereit und der ausgesetzte „New Start Vertrag“ tritt wieder in Kraft und wird verlängert bis zu einer neuen Rüstungskontrollvereinbarung.
  • Es wird eine umfassende Wiederaufbauhilfe vereinbart, die materiell auch durch Russland mitfinanziert wird. Dabei wird das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“
    vereinbart und ein Ausverkauf an internationale (Agrar-) Konzerne ausgeschlossen.

Abschlussbemerkung zu dem Verhandlungskomplex: ohne politischen Willen aller an diesem Krieg bzw. Stellvertreterkrieg Beteiligten, ist eine politische Friedenslösung kaum denkbar.


Abstand genommen werden muss von „Feldherrenmentalität“ und „Siegfrieden“. Dies gilt für beide direkten Kriegsparteien und die NATO. Verübte Grausamkeiten ja Massaker – von welcher Seite auch immer – sind kein Argument gegen sondern für Verhandlungen, nur ein Ende des Krieges, eröffnet den Weg zum Ende von Unmenschlichkeiten und ihrer Aufarbeitung.


Die Friedensbewegung sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Trotzdem hat sie eine wichtige Rolle, den Verhandlungsprozess mitzuinitiieren und zu begleiten!

Ihre Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, ihre vielfältigen kleinen und gr0ßen Aktionen helfen mit, ein gesellschaftliches Klima und eine entsprechende Kräftekonstellation zu entwickeln, in der Verhandlungen überhaupt möglich sind. Die Bündnispolitik der Friedensbewegung mit Parlamentariern und Parlamenten, ja mit verhandlungsbereiten Regierungen hilft mit, die Koalition der Friedenswilligen, die Friedenskoalition zu schaffen, die notwendig ist, den internationalen Druck zu entwickeln, der Verhandlungen realistisch erscheinen lässt und Widerstände überwindet.

Frieden muss wieder zur Ultima Ratio werden und Krieg als Ultima Irratio dastehen: dies geschieht nur durch die Demaskierung des Militarismus durch die Arbeit der Friedensbewegung.

Die Lösung der globalen Herausforderungen besonders des Klimawandels kann nur im Frieden gelingen – dies immer wieder darzustellen und argumentativ zu untermauern, ist die Friedensaufgabe der sozialen Bewegungen. Humanismus gegen Gewalt und Unterdrückung zu stellen, dafür Mehrheiten zu gewinnen, diese Aufgabe nimmt keiner der Friedensbewegung ab, auch und gerade, wenn es gegen den kriegerischen Mainstream und die damit verbundenen Medien eine schwierige, langfristige und oft auch frustrierende Herausforderung ist.

Es bleibt unsere Aufgabe, für gewaltfreie Friedenslösungen zu werben, zu verdeutlichen, Konflikte können und müssen friedlich gelöst werden.

Unabdingbarere Bestand dieser Friedensaktivitäten ist zu verdeutlichen, es gibt eine politische Alternative, zu Konfrontation, Krieg und Gewalt, dieses ist die Politik der gemeinsamen Sicherheit, die mindestens für Europa über Jahre ja Jahrzehnt segensreich gewirkt hat. Die Philosophie der gemeinsamen Sicherheit bedeutet, Sicherheit der einen Seite ist unverzichtbar mit der Sicherheit der anderen Seite verbunden, Frieden kann es nur durch Verhandlungen, Dialog, Kooperation, Rüstungskontrolle und Abrüstung geben.

Der erste Schritt dazu ist Vertrauen anstelle von Feindbildern und Hass. Die Friedensbewegungen leben dieses Vertrauen, diese Gemeinsamkeit mit dem „Feind“ vor, durch die „Diplomatie von unten“ (second hand track), durch vielfältige Kontakte gerade mit dem „politischen Gegnern“ Uns verbindet alles mit den FriedensaktistInnen in der Ukraine und Russlands und nichts mit den Kriegstreibern und der Rüstungsindustrie, deren Profite umso höher sind je mehr Menschen krepieren. Wir stehen an der Seite der Deserteure und helfen und unterstützen die Geflüchteten.

Für diese Vision – eine Welt ohne Kriege -, aber auch für das Ende aller Kriege durch Verhandlungen zu werben und besonders eine Waffenstillstands- und Verhandlungslösung für den Krieg in der Ukraine einzufordern, dazu soll der Internationale Kongress Frieden in der Ukraine dienen – als Auftakt für weitere Aktionen und als Forderung an die politischen Verantwortlichen. Wir wissen, ohne Abrüstung gibt es keine globale Gerechtigkeit und ohne Abschaffung aller Atomwaffen hängt das Damoklesschwert der Vernichtung des blauen Planten über uns.

Wir geben – auch geprägt durch eine lange Geschichte der internationalen Friedensbewegungen- die Hoffnung niemals auf, dass die Vernunft des Friedens über den Irrationalismus des Krieges durch Aufklärung und Argument siegen wird. Deswegen wollen wir alle Argumente für Frieden auf den Kongress zusammentragen und diese in einer Deklaration zusammenfassen, die wir an die Politisch Verantwortlichen in Ost und west, in Nord und Süd übermitteln wollen um mit ihnen in eine Diskussion, wo notwendig auch Streik zu kommen und hoffentlich mit vielen politischen Entscheidungsträgern überall in der Welt gemeinsam zu wirken.

Kriege werden durch Menschen vorbereitet und geführt, (viele) Menschen gemeinsam können auch Frieden erreichen, wenn sie Mehrheiten für sich gewinnen, können sie zu der „materiellen Gewalt“ werden, die Kriege stoppen – auch den in der Ukraine! Und wir hoffen, ihr macht mit!“

Weiteres International Summit for Peace in Ukraine, Wien 10 und 11.06.2023

Wir bleiben am Ball und berichten weiter!

References

References
↑1 nächste Gelegenheit zum Protest: 17.06.2023: PROTESTKUNGEBUNG „Keine Bomber über unserern Köpfen Brandenburg“

Eisenbahnunglück in Griechenland: eine Katastrophe mit Ansage

Hintergründe und Folgen des verheerenden Zugunglücks am 28. Feburar 2023 in Griechenland
Veranstaltung
Montag, 26. Juni 2023, um 19 Uhr / Haus der Demokratie, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Referentin: Evridiki Bersi

Das Zugunglück ist ein Lehrbespiel neoliberaler Politik und des Widerstands dagegen!

„Beim Eisenbahnunglück im Februar starben 57 Menschen. Zehntausende Demonstranten gingen aus Protest gegen den maroden Zustand der Bahn auf die Straße. Die griechischen Eisenbahner waren in einen Dauerstreik getreten. Das Unglück hätte vermieden werden können. Trotz jahrelanger Warnungen der Bahngewerkschafter, der EU und vieler anderer wurde der desolate Zustand von Netz und Bahn nicht verbessert. Durch die verordnete Sparpolitik und den Privatisierungszwang trägt auch die EU ein erhebliches Maß an Schuld. Die Referentin schreibt als Journalistin seit Jahren über diesen Skandal.

Nach dem Zugunglück hieß es sehr oft, dieses grauenvolle Ereignis habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Gerade die junge Generation würde den Mächtigen im Lande jetzt ihre Verantwortungslosigkeit nicht mehr durchgehen lassen. Die meisten Todesopfer waren junge Menschen gewesen. Das Ergebnis der Wahl am 21. Mai lässt aber befürchten, dass Ministerpräsident Mitsotakis sein Programm des autoritären Umbaus fortsetzen kann. Haben die meisten jungen Leute, die im März und April auf die Straßen gingen, bereits resigniert? Es bleibt die Hoffnung, dass neue Formen des Widerstandes entstehen werden, so wie es in den Jahren nach 2009 der Fall war. Auch die aktuelle Stimmung in Griechenland wird an diesem Abend Thema sein.„

Veranstalter: Bündnis Griechenland Solidarität Berlin in Kooperation mit: Haus der Demokratie, AK Internationalismus IGM Berlin, Rosa Luxemburg Stiftung (Europareferat), attac Berlin und SoliOli

Die Veranstaltung kann auch online über diesen Link verfolgt werden: online Link

hier zum Aufruf auf der Seite von „Bündnis Griechenland Solidarität Berlin“

hier ein Artikel von Investigate Europe “ Warum das griechische Zugunglück auch ein europäisches Versagen ist „

Unser Artikel zum Schiffsunglück vor der grieichischen Küste mit über 600 toten Flüchtlingen „Kalamatablues – Flüchtlingspolitik – das wahre Gesicht des Wertewestens!“

Unser aktueller Terminhinweis: „Gewerkschaftskonferenz für den Frieden„

Titelbild : Yorgos Konstantinou

Das Urteil Lina E – Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen (Esther Bejarano)

Dokumenation, Anmerkungen und Kommentare zum Urteil und seinem gesellschaftlichen Umfeld

Die Justiz bereitet sich vor. Der Rechtsruck kommt aus der Mitte der Gesellschaft . Die Zeiten werden härter. Konfrontations- und Kriegspolitik bekommen auch ihre Kehrseite nach innen. Die Spielräume für Rechts bis rechtsextremes Agieren bleiben dabei unangeatstet oder werden erweitert. Argus Augen nach Links, immer blinder nach Rechts. Ob Klimaakitivist oder Streikender. Widerständigkeit gegen Obrigkeit und gegen Rechtsextremismus oder auch nur selbstständige Streiks gegen das Kapital, werden zunehmend weniger geduldet bis extrem hart verfolgt und abgeurteilt. Taktische Schwächen und Fehler, gerechte Anliegen richtig zu adressieren und der breiten Bevölkerung zu vermitteln, werden gnadenlos ausgeschlachtet. Das Urteil gegen Lina E. steht in einer Reihe mit dem Streikverbot gegen Gorillabeschäftigte (wir berichteten) sowie die unverhältnismäßige unsägliche Hatz und exemplarische Verurteilung von Mitgliedern der „Letzten Generation“. Die in der westlichen Welt fast beispiellose Amputation des Streikrechtes durch die deutsche Rechtsprechung treibt zudem jede wirkungsvolle Form von Protest, die frei von pysischer Gewalt ist, in die Illegalität.

“Während Lina E. zu fünf Jahren und drei Monaten verurteilt wurde, ist der Waffenbeschaffer der NSU wieder (2018-2020) auf freien Fuß, und das nach knapp zwei Jahren. … *”Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen” (Esther Bejarano) *FreeLina .Solidarität ist Unteilbar *FreeLina !”, meint Ridrigo Gabriela dazu!

Kämpfen ja, Selbstjustiz Nein!

„Schon immer war der Staat auf dem rechten Auge blind. Ich ärgere mich trotzdem, wenn Linke sich angreifbar machen indem sie Gewalt ausüben.“, kommentiert Irmgard Schuster. Richtig, absolut keine Befürwortung von initialer Gewalt und Selbstjustiz! Und es gibt auch willkommene Provokateure, die wie bestellt dem Bild vom „gewaltbereiten Linken“ und der Hatz auf alles Linke Vorschub leisten. Aber auch Menschen, die durch ständige Verbote in die Ecke gedrängt, nicht mehr überlegt handeln. „Krieg den Palästen“, das wird verstanden, aber Krieg gegen „meine Mitmenschen“ oder eigene Missachtung von Menschenrechten, wie teilweise geschehen, stößt vollkommen zurecht auf Ablehnung. Was wir anprangern ist , dass dieser Staat oft Rechtsextreme gewähren lässt und hier bei Lina E. wie im Falle der letzten Generation besonders extreme und auch provokative Härte walten lässt. Neben der unverhältnismäßigen Härte stützt sich das Urteil gegen Lina E. ( siehe Stellungnahme des VVN BdA) lediglich auf Indizien, einem gummihaft veränderten §129, dessen volle Rechtmäßigkeit auch renommierte Verfassungsrechtler anzweifeln, und auf die Aussagen (laut Bundesanwaltschaft) mutmaßlicher Rechtsextremer. Hier wie bei den jungen Leuten der letzten Generation ist, unabhängig ob man alle deren Protestmethoden gutheisst, gegen das Agieren des Staates und die damit verbundenen Hetztiraden generell gegen Linke und Klimaktivisten Solidarität angesagt.

Wer die Diffamierung (nicht Kritik) von linkem Protest zulässt und unterstützt oder Links mit Rechts sogar gleichsetzt, der stärkt AFD und Rechtsextremismus. Wo keine „linke“ Gewalt ist, wird sie oft kampagnenhaft aufgebausch oder in Einzelfällen sogar auch heute wieder nach der Methode Reichtagsbrand erfunden, um Linke generell zu diskreditieren. Die jungen Leute der letzten Generation in die Ecke der RAF zu stellen und von den Schicherheitsbehörden sowie Staatsanwaltschaften und Gerichten entsprechend zu behandeln, ist ein Skandal und bedient letztlich rechtsextreme Hetzmuster.

Linke Aktion und linker Protest gegen die vorherrschende neoliberale Politik und Zeitenwende ist aber nicht nur legitim, sondern absolut notwendig im Sinne einer menschenrechtsorientierten lebendigen Demokratie. Ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken, eine angemessene Gesundheitsversorgung ,frische Luft und eine erträgliche Umwelt sowie nicht zuletzt Frieden wie auch das Recht auf freie Meinungsäußerung für Alle sind Menschenrechte für das Linke national wie international eintreten. Linke treten für die materiellen Bedingungen ein -u.a. Versammlungsrecht, umfassendes Streikrecht, Zugriff auf Räume,Kommunikationsstrukturen- und praktizieren sie auch im Widerstand zu einer demokratieeinschränkenden Rechtssprechung , damit sich der Mehrheitswillen der Bevölkerung gegen die Interessen kleiner Kapitaleliten tatsächlich durchsetzen kann.

Linke Aktion ist notwendig als Gegengewicht zu rechten menschen- und demokratiefeindlichen Rattenfängern, die im Teich der Unzufriedenen fischen. Ebenso notwendig ist die antifaschistische Initiative von unten, im Land, in der Stadt und im Kiez. Es muss die breite Bevölkerung sein, die rechten Strukturen gegenübertritt. Dem Staat gehört gehörig auf die Finger gehauen, wenn er zum Beispiel Vereinen die Gemeinnützigkeit streicht, wenn diese offenen Rassisten, Sexisten oder Rechtsradikalen den Zutritt verwehren wollen!

§129 abschaffen! Freiheit für Lina – Freiheit für alle Antifaschist*innen!

„Heute Morgen wurden die Urteile im #AntifaOst-Prozess verkündet: 5 Jahre und 3 Monate Haftstrafe für die bereits seit mehr als zwei Jahre in U-Haft sitzende Lina. Auch die drei weiteren Angeklagten wurden zu Haftstrafen verurteilt. Grundlage für die hohen Haftstrafen sind die Aussagen militanter Neonazis, denen die Bundesanwaltschaft vorwirft, Teil einer kriminellen Vereinigung zu sein. Denn: wirkliche Beweise fehlen in diesem scheinbar politisch motivierten Indizienprozess. Lina sieht sich nun mit mehr als 5 Jahren Haft konfrontiert. André Eminger, der über Jahre das rechtsterroristische NSU-Netzwerk unterstützt hat, das mindestens 10 Menschen umgebracht hat, bekam lediglich 2 Jahre und 6 Monate Haft.„

Martina Renner , MdB für DIE LINKE im Bundestag, Obfrau im Innenausschuss & Sprecherin für antifaschistische Politik

„Die Aufkleber waren in Eisenach allgegenwärtig. »Nationaler Aufbau« stand darauf oder »I love NS«. Sie markierten die Reviere einer vitalen Naziszene, die in der Stadt in Thüringen über Jahre ungestört gedeihen konnte. (….. ) Es gab Rechtsrockkonzerte, Kampfsporttrainings, »Kiezpatrouillen«. Letztere sollten Gegner einschüchtern, die zu Hause und auf der Straße gejagt und teils schwer verletzt wurden. In Eisenach habe es »über Jahre andauernde Gewalt« gegeben, sagt die linke Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss. Die Sicherheitsbehörden, fügt sie an,»ließen die Nazis agieren«: Diese konnten »über Jahre machen, was sie wollten«.“ (ND 3./4.Juni 2023)

Das Verbot der Demo zum Urteil gegen Lina E. wurde inzwischen durch das erste Berufungsgericht bestätigt: „Auch wenn es inzwischen eine Distanzierung von Gewaltaufrufen gegeben habe und zuletzt zu einer friedlichen Demonstration aufgerufen worden sei, bleibe zu befürchten, dass aus der angemeldeten Versammlung heraus Gewalttätigkeiten begangen würden.“ Man erinnere sich an Coronazeiten, wo dem Treiben von Querdenkern, Rechtsextremen und Hooligans nicht zuletzt in Leipzig freien Lauf gelassen wurde!

Linke Gewalt – Fakten und Propaganda in eklatantem Widerspruch

Gestern am 2.Juni war der 50. Todestag von Benno Ohnesorg, der in Berlin Opfer von Polizeigewalt wurde. Ein Höhepunkt der Hatz von Rechts bis Rechts-Mitte in den 60iger Jahren. Kurz vorher hatte die Springerpresse mit Schlagzeilen wie „Stoppt den Terror der Jung-Roten jetzt“ die Stimmung angeheizt.

„Nach der Verurteilung von Lina E. warnt Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vor einer wachsenden Gefahr durch Linksextremismus. Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamts zur politisch motivierten Kriminalität für das Jahr 2022 zeigen dagegen keinen Anstieg. Linke Straftaten – auch Fälle von Körperverletzung – sind im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen“ (Monitor 2.Juni 2023). Siehe Grafiken !

Ein aktueller Fall macht Furore – political profiling der Bundespolizei mit Aufforderung zur Denunziation ?

butenunbinnen meldete: „Wegen einer Demonstration zur Urteilsverkündung von Lina E. hatte die Bundespolizei die NordWestBahn (NWB) offenbar um Hilfe bei der Identifikation „von vermeintlich Linken gebeten. Siehe geleakte Anweisung auf dem Foto. Das Unternehmen will dieses Ansinnen abgelehnt haben.

FB Kommentar 2.Juni 2023 dazu : „Linke mit Dreadlocks auf Verdacht melden, die dürfen anscheinend nicht frei rumlaufen. In Deutschland scheinen wirklich sämtliche Dämme zu brechen! So DARF der Staat nicht agieren! Wo sind wir inzwischen angekommen?“

Kommentar I.Schuster zum historischen Hintergrund und Bewertung des Falles Lina S. : „Die Linksextremistin Lina E. wird zu 5 Jahren Haft verurteilt, in Leipzig eskaliert eine Demo, es gibt Verletzte, die Polizei spricht von schweren Ausschreitungen. Wie man heute lesen konnte, ist Connewitz ein leipziger Stadtteil, in den junge Leute ziehen, die vor der dominanten rechten Szene aus sächsischen Kleinstädten geflohen sind. Am 11.1.2016 kam es zu einem Überfall von Hunderten Rechtsexremisten. Neonazis griffen Läden, Kneipen und Stadtteilbüros auf der verhassten „roten Insel“ an. Die Polizei konnte damals 214 Männer und eine Frau festsetzen. Bis auf wenige Ausnahmen kamen alle Rechtsextremen – sofern sie überhaupt angeklagt wurden – mit Bewährungsstrafen davon. Für viele in der linken Szene der Beweis, dass Polizei und Justiz in Sachsen mit zweierlei Maß messen. (Quelle Rheinpfalz) Schon immer war die Justiz in Deutschland auf dem rechten Auge blind, man denke nur an die Polizeiermittlungen bei den Morden der NSU. Ich verurteile Gewalt, egal ob von wem, aber es sollte doch in unserem demokratischen Rechtsstaat selbstverständlich sein, dass alle vor dem Gesetz gleich sind!

Gedicht von Peter Jüriens, 2.6.2023
Der Kampf geht weiter

Lina E. ist vielleicht linksradikal
Und B. Höcke ist Rechtsextremist
Und jetzt raten Wir alle einfach mal
Wer von beiden im Landtag ist.

Gewalt ist nie gut. Doch begeht Staat Gewalt
und befördert den Waffenverkauf
Und die Nazis haben zig abgeknallt
Aber wehe, da steht wer gen auf.

Gewalt ist nie gut; Doch wer predigt Gewalt?
Wer bringt Waffen zur Demonstration?
Und Kriegshetze in jeder Sendeanstalt -
Toter Russ' gut - das hatten Wir schon.

Und Recht muss Recht bleiben, tönt's unterm Auspiz
Doch begeht Unrecht Mal um Mal -
Eine rechtsfreundlich bollernde Innenjustiz
Und auch das war schon einmal "normal".

Und statt gegenzuhalten ruft Unionsidiot
jetzt nach Patriotismus und Bla-
Aber Faschos wählt eben der Dummpatriot
Und nicht Euch, und das ist lange klar.

Und Frau Springers versyphtes Barbarenorgan
keift: Hasst Ökos! Hasst Schwule! Hasst Linke!
Während Reiche den Karr'n in den Abgrund fahr'n 
Unter heftigstem Rechtsgeblinke.

Und fast stürzt er, der Karren, da schreit Lindner schrill
Merz mault, Scholz und Habeck sie schwurbeln
Aber nicht ob des Sturzes; Nein: Weil Blackrock so will - 
Seinen Blutprofit anzukurbeln.

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