Helge Döhring (Hg.): „grosse, schöne, unvergessliche Tage“ Erinnerung an die spanische Revolution vor 80 Jahren

Ein Buch und eine Filmreihe geben einen Einblick und benennen auch die Widersprüche.

Von PETER NOWAK

Am 19. Juli 1936 begann in Spanien der rechte Militärputsch gegen eine linke Volksfrontregierung, der den Bürgerkrieg auslöste, in den das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien aufseiten der Putschisten eingriffen. Das ist die offizielle Erzählung über das, was sich vor 90 Jahren in Spanien zugetragen hat. „Was heisst Bürgerkrieg, für mich war es die Spanische Revolution“, sagte Heinrich Friederitzky, der sich als Anarchosyndikalist am Kampf in Spanien beteiligt hatte. Er gehört zu den 12 Anarchosyndikalist*innen, die in dem kürzlich im Verlag Edition AV veröffentlichten Buch „grosse schöne unvergessliche Tage“ natürlich pünktlich zum 90-Jahrestag erschienen ist.

Er gehörte zu den 12 Zeitzeug*innen, die zwischen 1936 – 1936 die spanische Revolution vor Ort erlebten, einige als Kämpfer*innen, andere als Journalist*innen oder deutsche Emigrant*innen, die im anarchosyndikalistischen Teil Spaniens dabei helfen wollten, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Dazu gehörte Etta Federn, die mit ihren jugendlichen Söhnen in Barcelona lebte. Die ehemalige Pazifistin wurde in dieser Zeit zur Befürworterin des bewaffneten Kampfes, und nicht 1940 beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Frankreich, wie es in dem Buch auf Seite 74 heisst.

Schliesslich wird Federn auf Seite 53 mit einem etwas verstörenden Bekenntnis aus dem Jahr 1936 zitiert: „Ich werde wohl demnächst meinen grossen Sohn herausschicken müssen, er hat sich als Freiwilliger gemeldet und bei diesem Krieg bin ich natürlich nicht Pazifistin und kann es nicht sein“ (S.53). Wenige Zeilen weiter bekräftigt Federn noch mal, wie sehr sie unterstützt, dass ihr jugendlicher Sohn auf Seiten der anarchosyndikalistischen Milizen mit der Waffe kämpfen will.

„Ich freue mich sogar, dass er selbst gehen will. Er fängt an zu verstehen, was die Bewegung bedeutet, denn er sieht, was sie leistet. Der Kleine, der übrigens mit seinen 14 Jahren viel grösser ist als ich.“ (S. 53). Ein 14-jähriger, der mit einer Waffe kämpft? Heute kommt uns sofort der Begriff des Kindersoldaten in den Sinn. Doch vom Wuppertaler Anarchosyndikalisten Fritz Brenner erfahren wir, dass es noch viel jüngere Kämpfer*innen gegeben hat. „Knirpse von zehn, elf Jahren hatten schon Uniform“ (S. 53), konnte er beobachten.

Und der deutsche Schriftsteller Carl Einstein, der Mitte der 1930er Jahre zum entschiedenen Befürworter des Anarchosyndikalismus geworden war, schrieb 1937: „Die Landproletarier und Kleinbauern, die zu uns stiessen, sind Brüder und Söhne der dort Unterdrückten. Sie schauen in ihre Dörfer hinüber. Viele ihrer Angehörigen, Väter und Mütter, Brüder und Schwestern wurden von den Faschisten ermordet. … Die Bauern blicken hoffend und grollend nach der Ebene, in ihre Dörfer hinein. Doch sie kämpfen nicht um Weiler und Besitz, sie streiten für die Freiheit aller. Knaben, fast noch Kinder flüchteten zu uns, Waisen, deren Eltern ermordet wurden. Diese Kinder kämpfen an unserer Seite. Sie reden wenig, haben aber viel begriffen“ (S. 51).

Hier zeigt sich, dass die Realität auch im anarchosyndikalistischen Spanien nicht so war, wie sich das heute manche im kapitalistischen Hinterland heute gerne vorstellen. Einstein macht sehr deutlich, dass diese Kinder und Jugendlichen, die hier mit der Waffe kämpften, nicht zwangsrekrutiert waren. Es war die brutale Realität der spanischen Gesellschaft unter der Knute von Klerus und Feudalwesen, die sie zu den Waffen trieben. Welche Alternative hatten sie auch, wenn ihre Dörfer von Falangisten gestürmt, ihre Eltern und Verwandten ermordet worden und sie durch die Flucht in die von der Reaktion befreiten Gebiete ihr Leben retten konnten?

Kindersoldaten oder junge Kämpfer*innen für eine andere Welt?

Diese Beobachtungen vor 90 Jahren sollten uns auch nachdenklich machen, wenn wir heute von Ländern des globalen Südens hören, in denen es bewaffneten Widerstand gibt, an dem auch Jugendliche beteiligt sind. Mit den aus den UN-Bürokratien entlehnten Begriffen von den Kindersoldaten wird wenig über die Lebensrealität erklärt, die schon in jungen Jahren erleben mussten, wie ihre Angehörigen, Eltern und Freund*innen verfolgt, gefoltert und ermordet wurden. Ihnen wurde das Recht auf Bildung und eine unbeschwerte Kindheit genommen. Wer soll darüber richten, wenn sie sich gegen die Verantwortlichen für diese Zustände erhoben haben, auch mit Waffen? Wer will vor allen beurteilen, ob diese Menschen noch zu jung dafür seien?

Gut, dass diese Passagen in dem Buch unkommentiert stehen geblieben sind. Sie sollen die Leser*innen auch verstören und auf die „extremen Widersprüche und Spannungen“ (S. 75) hinweisen, von denen Helge Döhring in der Einleitung spricht. Dort betont er sehr stark die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Linken, die sich dem Faschismus in Spanien entgegenstellten. Es ist richtig, dass an die Anarchosyndikalistin Federica Montseny erinnert wird.

Deswegen braucht aber die als La Passionaria bekannt gewordene Parteikommunistin Dolores Ibarruri nicht vergessen werden. Sie soll aber wie alle anderen auch kritisch eingeordnet werden. Nicht verständlich ist, dass Helge Döhring die links-kommunistische POUM als „Blendgranate“ und marxistische Minipartei, die neben dem Anarcho-Syndikalismus aussieht wie ein „Spatz“ (S. 8) klassifiziert. Schliesslich waren die Militanten der POUM zeitweise stärker dem Terror der Stalinist*innen ausgesetzt als die Anarchosyndikalist*innen.

Nicht alles schwarz-rot- oder rot

Dass die Widersprüche in der spanischen Linken zwischen 1936 – 1939 komplizierter waren und sich nicht in dem Gegensatzpaar autoritäre versus antiautoritäre Linke auflösen, erfahren wir in den Berichten der Zeitzeug*innen. Da erzählt Heinrich Friederitzky, wie er als junger Anarchosyndikalist mit einem Freund über eine KP-nahe Organisation die Reise nach Spanien antrat, weil ihre eigene Organisation dazu nicht in der Lage war. Ihr Plan, sich dann schnell zur anarchistischen Brigade Durruti abzusetzen, liess sich dann nicht umsetzen.

So wurden die Anarchosyndikalisten von dem kommunistischen Sicherheitsapparat kritisch beobachtet und ausgefragt. Sonst passierte ihnen nichts. Interessant ist auch die Schilderung von Anarchist*innen, die bisher immer die staatliche Ordnungsmacht abgelehnt haben und nun in Spanien selber zu Polizist*innen wurden. So sagt der Wuppertaler Anarchosyndikalist Helmut Kirschey „Wir wurden Polizei (grinst). Anarchistische Polizei, komisch ja (lacht). Weil wir uns immer versteckt hatten vor der Polizei. Wir wurden auf einmal Polizei“ (S.32).

Und sie scheinen ihren Job dort auch sehr ernst genommen zu haben. „Wir haben keine ausgewiesen, ohne dass sie auf der Liste waren“ (S.32) berichtet Kirschey über den Umgang der anarchistischen Polizist*innen gegenüber Mitgliedern der NSdAP, die in den Gebieten lebten, in denen die Anarcho-Syndikalist*innen eine neue Gesellschaft aufbauen wollten. Es handelte sich um Deutsche, die in Spanien lebten und dort die Putschisten unterstützten. Es soll hier gar nicht hinterfragt werden, dass diese Kräfte bekämpft werden mussten.

Eine interessante Frage wäre aber, wie sich die Polizeiarbeit der Anarchist*innen und Anarchosyndikalist*innen von den anderen Kräften der spanischen Linken unterschieden hat. Nur dann kann man sinnvoll darüber diskutieren, wo die Grenze ist zwischen notwendig autoritären Massnahmen, beispielsweise gegen offene und versteckte Anhänger der Putschisten und autoritären Massnahmen, die die Ziele der Revolution selber diskreditierten.

Auf Seiten der Kommunistischen Partei ist da auf jeden Fall die Verfolgung anderer Linker zu nennen. Auf Seiten der Anarchosyndikalist*innen wäre die Existenz von Arbeitslagern in denen von ihnen kontrollierten Gebieten zu nennen, die der kanadische Historiker Michael Seidman in seinem Buch „Gegen die Arbeit“ analysiert, das immer noch im Verlag Graswurzelrevolution erhältlich ist.

Ein solcher kritischer Blick auf alle Teile der spanischen Linken und der spanischen Revolution ist 90 Jahre später eine sinnvolle Perspektive. Der kleine Band von Helge Döhring ist deshalb so wichtig, weil hier 12 anarchistische und anarchosyndikalistische Zeitzeug*innen zu Wort kommen, die heute alle nicht mehr leben. Glücklicherweise gab es Menschen, die ihre Berichte aufnahmen oder aufschrieben.

A las Barricadas – Filmreihe in der Berliner Brotfabrik

Neben schriftlichen und mündlichen Zeugnissen sind es auch Filme, die den Kampf und die Niederlage der spanischen Revolution seit 90 Jahren begleiten. Im Berliner Kino Brotfabrik wird noch bis zum 31. Juli unter dem Titel A las Barricadas ein einziges Panorama von Filmen gezeigt, die die unterschiedlichen Spektren der spanischen Revolution darstellen. Zeitgenössische Filme finden sich dort ebenso wie Produktionen der letzten Jahre.

Neben bekannten Filmen wie Brot und Frieden von Ken Loach und Der Lehrer, der uns das Meer versprach über einen Bildungsreformer, der wie so viele Opfer des rechten Terrors wurden, gibt es auch viele wenig bekannte Filme zu sehen. Ein Höhepunkt ist sicherlich das Kurzfilmprogramm der CNT am 30. Juli.

Helge Döhring (Hg.): „grosse, schöne, unvergessliche Tage“. Verlag Edition AV 2026. 88 Seiten. ca. SFr. 23.00. ISBN: 978-3-86841-362-5.

Infos zur Filmreihe in Berlin: A las Barricadas!

Erstveröffentlicht im Untergrund Blättle v. 21.7. 2026
Gedenken an die Spanische Revolution

Wir danken für das Publikationsrecht.

Praxishandbuch Selbstverwaltung


Rechtsformen und Finanzierung für die Gründung von Kollektivbetrieben und Hausprojekten

Von Werner Ruhoff

Wie kann mensch sich eine andere Art des Wirtschaftens als die des „ewigen“ Geldvermehrens mit den sozialen und ökologischen Verwerfungen vorstellen? Das nachhaltige Anliegen der Autorin Elisabeth Voss ist die Vermittlung ihrer Erfahrungen und ihres Wissens aus der bunten Welt solidarischer Praktiken des Wirtschaftens, um die Entstehung neuer Unternehmen der Solidarischen Ökonomie zu unterstützen. In der von Kapitalverhältnissen beherrschten Gesellschaft erfüllt das Mittel der Befriedigung und Weckung von Bedürfnissen den Zweck einer endlosen Profitproduktion. Bei den Praktiken des alternativen Wirtschaftens ist der Zweck eine materielle, soziale und idelle Befriedigung ihrer Teilnehmer*innen.

Das Geld dient als Mittel zur Erfüllung dieses Zwecks, soweit die Praktizierenden das Geld nicht durch geldlose Beziehungen ersetzen wollen oder können. Die Autorin ist gelernte Betriebswirtin und hat mit ihrer praktischen Tätigkeit und ihrem journalistischen Schaffen einen reichen Erfahrungsschatz aus selbstverwalteten Strukturen und Netzwerken angesammelt. Während meiner Zeit in Köln-Mülheim nach der Jahrtausendwende beriet Elisabeth Voss uns während der kollektiven Planung für den Aufbau einer im Stadtteil zu verankernden Genossenschaft. Viele Jahre gehörte sie dem Herausgeberkollektiv der Zeitung Contraste, einem Organ für Selbstverwaltung, an. Die Autorin äußert sich in Beiträgen verschiedener Publikationen zu solidarischen Projekten und zur Frage einer demokratisch und ökologisch strukturierten Wirtschaft. Sie veranstaltet Seminare und hält Vorträge. Der Schwerpunkt ihres Interesses gilt einer Solidarischen Ökonomie, zu dem sie einen ausführlichen Wegweiser verfasste, den es inzwischen in zweiter, erweiteter Auflage gibt.

Ende 2025 erschien ihr neues Buch, das als ein Standard- und Nachschlagewerk für Menschen betrachtet werden kann, die Rat suchen, wenn sie ein selbstverwaltetes Unternehmen gründen wollen. Die Zielgruppen des fast 500 Seiten umfassenden Buches mit dem Titel Praxishandbuch Selbstverwaltung sind – so steht es im Vorwort – „die Gründer*innen von Kollektivbetrieben und Hausprojekten.“ In der Einleitung erläutert die Autorin ihr Verständnis von „Solidarischen Ökonomien“. Dazu zählt sie neben den Genossenschaften auch Care, Commons, feministiche Ökonomie und das Konzept Degrowth auf. Ihr geht es darum, dass sich solche „Alternativen zur herrschenden Ausbeutungsökonomie“ vermehren. Wesentliches Element solcher Alternativen ist, dass es nicht um eine persönliche Bereicherung auf Kosten anderer Menschen geht, sondern „um die Herstellung des Lebensnotwendigen, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.“

Das Buch behandelt Projekte demokratischer Selbstverwaltung in Form von kollektiven Unternehmen in unterschiedlichen Rechtsformen. Dass solche Rechtsformen ebenso wie die kapitalistische Wirtschaft und anonyme Märkte auch für Alternativbetriebe die Rahmenbedingungen stellen, deutet auf die altbekannte Frage hin, ob es ein richtiges Leben im falschen geben kann. Haben Solidarische Ökonomien das Potenzial zur positiven gesellschaftlichen Veränderung, oder sind sie nur Lückenfüller, wo das System soziale Leerstellen und Nöte verursacht? Die Autorin weist darauf hin, dass alternative Betriebe soziale Kämpfe nicht überflüssig machen. Dass eine solidarische Ökonomie von einer Wahlmöglichkeit zur Notwendigkeit werden könnte, bringt die Autorin mit den „zunehmenden Krisen und Kriegsgefahren“ hinsichtlich der aktuellen Weltsituation in Verbindung.

Das Buch ist mit der Einleitung in zwölf Kapitel gegliedert. Das beginnt mit Anregungen zur Kommunikation und Zusammenarbeit im Spannungsbogen möglicher Gruppenkonflikte. Im dritten Kapitel heißt es, dass die Rechtsform dem Projekt dient und nicht umgekehrt. Es geht um inhaltliche Fragen der Gruppenarchitektur, um Ziele, Qualifikationen, Räumlichkeiten und Zugehörigkeit; ebenso um die finanziellen Grundlagen und deren Quellen.

Ab dem vierten Kapitel geht es ans Eingemachte rechtlicher Fragen. Hier werden Grundbegriffe erläutert, und im fünften Kapitel werden Unternehmensformen vorgestellt. Dabei geht es u.a. um die Klärung, was Personengesellschaften und juristische Personen sind. Wichtig sind die Darstellungen der Haftungsbedingungen. Da die Aktiengesellschaft ausdrücklich auf die Vermehrung der Aktionärsvermögen ausgerichtet ist, wird diese Rechtsform nicht erklärt. Das sechste Kapitel behandelt die Rechtsform und Besonderheit der Genossenschaften.

Die Frage der Gemeinnützigkeit wird hinsichtlich der Zwecke und Steuern in Kapitel sieben beleuchtet. Finanzen und Grundbegriffe betriebswirtschaftlicher Kategorien werden im darauf folgenden Kapitel verständlich dargestellt, ebenso die Frage der Buchführung, der Steuern und Versicherungen. Zur Frage der im Kapitel Zehn erörterten Motivation, im Kollektivbetrieb zu arbeiten, gehört die eigentlich zentrale Bedeutung der Empfänger der Arbeit, eben der Kund*innen, die hier meines Erachtens zu kurz gekommen ist.

Wenn ich meine Produkte am Markt verkaufen muss, wie kann das Kollektiv seine Chancen und Risiken einschätzen? Wer hilft dabei, eine realistische Einschätzung zu gewinnen? Welche Einschätzungen, Erfahrungen bringen die Gründer*innen dazu selbst ein? Oder beschränkt sich das Kollektiv auf ihm vertraute Abnehmer*innen im politischen Freundeskreis oder in einem alternatven Netzwerk? Hier hätten ausführlichere Darstellungen der Bedeutung dieses Problems mehr Raum geben können.

Die elfte Kapitel dreht sich um alle Fragen, in ein Hausprojekt einzusteigen. Angefangen bei den Gründen gemeinschaftlichen Wohnens über den Erwerb oder den Bau eines Hauses und der Finanzierung, werden die Rechtsformen kollektiver Wohnprojekte erläutert. Es werden Projekte vorgestellt, u.a. das Mietshäuser-Syndikat oder die in Berlin-Kreuzberg ansässige Regenbogenfabrik.

Inzwischen gibt es zwar keine spektakulären Häuserbesetzungen mehr, aber in Anbetracht der akuten Wohnungslosigkeit vieler Menschen könnte die Erwähnung der Hausbesetzungen eine Anregung auf dem Feld sozialer Kämpfe sein. Das letzte Kapitel beschäftigt sich noch einmal mit speziellen Aspekten der in Kapitel fünf und sechs behandelten Unternehmensformen.

Wie passt eine Personengesellschaft oder Gmbh beispielsweise, ein Verein oder die Genossenschaft zum geplanten Vorhaben bzw. Projekt? Dazu gehören Fragen, wer in welcher Art am geplanten Projekt beteiligt werden soll und in welchem Ausmaß ist das mit wem zu finanzieren, woraus auch resultiert, dass es Beteiligte mit unterscheidbarer Bedeutung geben kann. Des Weiteren: wer ist vertretungsberechtigt? Benötigt mensch eine gesonderte Geschäftsführung bzw. einen Vorstand und einen Aufsichtsrat entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen?

Auch die finanzielle Haftung wird noch einmal in den Zusammenhang mit der zu wählenden Rechtsform erwähnt. Die „einfachen Gesellschafter*innen oder Mitglieder“ von Gmbhs und Genossenschaften haften mit ihren Einlagen. Wenn sie „von der Haftung befreit“ befreit sind, wie es am Anfang des zwölften Kapitels heißt, kann das missverstanden werden. Gemeint ist wohl, dass diese Personen nicht über ihre Kapitaleinlagen und die Bestimmungen der Satzung hinaus haften und sie von den „Verpflichtungen und Haftungsrisiken“ der Geschäftsführung und des Vorstandes befreit sind. In den Kapiteln fünf und sechs sind die Haftungsbedingungen konkret erläutert.

Das Werk entählt einen umfangreichen Anhang, u.a. mit zahlreichen Internetadressen. Der Text ist gut, verständlich geschrieben und mit wertvollen Hinweisen versehen; auch bezüglich des gegenseitigen Umgangs und der respektvollen Achtsamkeit miteinander. Für Menschen, die beabsichtigen, ein selbstverwaltetes Unternehmen zu gründen, erfüllt es den Zweck, sich kundig zu machen und mit gezielten Fragestellungen bei Rechtsberatern und Kreditinstituten im Bedarfsfall aufzutreten. Darüber hinaus ist es ein Nachschlagewerk bei auftretenden Fragen, die sich im Verlauf des Gründungsprozesses und danach ergeben.

Autorin: Elisabeth Voss – 475 Seiten; 39 € – Transcript Verlag 2025

Wir danken Autorin und Rezensenten.

Buchvorstellung: „TRÜMMER AUF TRÜMMER“

Zur Kritik der deutschen Staatsräson

Spätestens seit Oktober 2023 dient die deutsche Staatsräson als Sicherheit Israels der Verwandlung staatlicher Gewalt in einen Akt der Wiedergutmachung. Wie konnte die Erinnerungskultur zu einem Instrument rassistischer und antilinker Verfolgung werden? Und wie ist diese Staatsräson – angesichts des globalen Rechtsrucks – zu verstehen? Der Sammelband beleuchtet Vergangenheit und Gegenwart der herrschenden deutschen Ideologie und plädiert für ein universelles Nie wieder.

Mit Beiträgen von Bue Rübner Hansen, Leandros Fischer, Sami Khatib, Gilbert Achcar, Jewish Currents, Gerhard Hanloser, Emily Dische-Becker, Anna Younes, Alexander Gorski, 3ezwa, Nahed Samour, AK Beau Séjour und Alberto Toscano.

Buchvorstellung am 27.05. um 19 Uhr in den Mehringhöfen, Gneisenaustr. 2a, Berlin

Eine Veranstaltung der Buchmacherei und der Antifa-Werkstatt der Berliner VVN

Das Buch ist bestellbar unter: https://diebuchmacherei.de/de_de/produkt/truemmer-auf-truemmer/

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