Tarifverhandlung der Länder: Dienst ist Dienst, kein Schnaps

David Bieber

Knapp 6000 Beschäftigte bei Demonstration zur Tarifverhandlung der Länder

Es ist die dritte und vermeintlich letzte Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder am Mittwoch im Kongresshotel Potsdam. Sie wird begleitet von knapp 6000 Beschäftigten vor allem aus Berlin und Brandenburg, die vor dem Tagungsort am Templiner See demonstrieren. Bisher lagen Gewerkschaften und Arbeitgeber mit ihren Vorstellungen weit auseinander. Gelangen sie zu einer Einigung, würde der neue Tarifvertrag dann für mehr als zweieinhalb Millionen Beschäftigte der Länder gelten. Wenn nicht, drohen Verhandlungsrunde vier und mit Sicherheit weitere Streiks.

Kalle Kunkel, Pressesprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Berlin und Brandenburg, ist bei der Demonstration. Er zeigt sich »zufrieden mit der Beteiligung, wohl wissend, dass viele verbeamtete Landesbedienstete nicht dabei sein dürfen«. Denn Beamte dürfen nicht streiken. Dennoch: »Es ist voll, das ist gut.«

Wie seine Landesbezirksleiterin Andrea Kühnemann kritisiert Kunkel die verhärteten Fronten. Dass die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) mit ihrem Verhandlungsführer, dem Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), kein Angebot in Runde eins vorlegte, sei mittlerweile eine gern verfolgte Taktik, sagt Kunkel. »Dass sie aber auch kein ernsthaftes Angebot in zweiter Runde vorlegen, ist wohl ein neuer Teil der Strategie.«

Für Entrüstung und Empörung sorgten die Äußerungen aus dem Arbeitgeberlager, man könne sich eine Lohnerhöhung auf dem Niveau der Inflation plus »einen Schnaps oben drauf« vorstellen. In Verdi-Kreisen wurde dies als »unsachlich und unprofessionell« bezeichnet.

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Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Geld im Monat, mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Das soll die unteren Lohngruppen stärken. Auch Nachwuchskräfte sollen profitieren. Sie sollen 200 Euro pro Monat mehr bekommen. Das alles bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von lediglich zwölf Monaten. Die Gewerkschaften hoffen, dass der öffentliche Dienst durch die verbesserten finanziellen Rahmenbedingungen wieder attraktiver wäre. Denn es sollen etwa 600 000 Stellen unbesetzt sein. Klar ist für Verdi, dass die wachsende Kluft zwischen dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) und dem für die Kollegen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen geltenden TVöD nicht weiter auseinandergehen dürfe. Deshalb hat Verdi-Chef Frank Werneke unlängst durchblicken lassen, dass als Mindestresultat der Abschluss dienen soll, den die Gewerkschaften im April 2025 mit Bund und Kommunen erzielt hatten. Das Ergebnis damals: Mehr Geld in zwei Stufen: erst drei Prozent mehr und mindestens 110 Euro, dann noch mal 2,8 Prozent.

Die Arbeitgeberseite will da nicht mitmachen und argumentiert, dass solche Forderungen »finanziell nicht realistisch« seien. Laut TdL würde dies knapp 12,6 Milliarden Euro kosten. Fünf Prozent soll sie stattdessen vorgeschlagen haben, allerdings bei einer Laufzeit von 29 Monaten. So lange bliebe es dann bei den ausgehandelten Gehältern.

Immer wieder wurde bei den Protesten und Warnstreiks schon in den vergangenen Wochen und so auch am Mittwochmorgen auf die Inflationsrate hingewiesen. Die sei zwar zuletzt gesunken. Doch die Teuerung der vergangenen Jahre sitze den Beschäftigten in den Knochen. »Die Arbeitgeber führen die Verhandlungen auf dem Niveau von Kneipengesprächen. Die Kolleg*innen brauchen keinen Schnaps über den Durst, sondern einen spürbaren Ausgleich für die Reallohnverluste der zurückliegenden Jahre«, erklärte Andrea Kühnemann. Sie rügte die Finanzminister der Länder auf das Schärfste. »Seit Jahresbeginn erleben wir eine geradezu verächtliche Rhetorik gegenüber den Beschäftigten im Land«, sagte sie.

Ähnlich sah es auch Julian Diaz, Gewerkschaftssekretär der IG Bauen-Agrar-Umwelt: »Die Beschäftigten zeigen jeden Tag eindrucksvoll, was sie ausmacht: Verlässlichkeit, Engagement und die Bereitschaft, jederzeit für einen funktionierenden öffentlichen Dienst einzustehen. Ob Verwaltung, Naturschutz, Bildung, Gesundheit oder Sicherheit – ohne sie würde in Berlin und Brandenburg einfach nichts laufen.« Wer Fachkräfte gewinnen und halten wolle, müsse sie fair bezahlen.

»Das Argument fehlenden Geldes zählt nicht, solange die Länder und der Bund keine ernsthaften Anstrengungen unternehmen, das riesige Einnahmepotenzial auszuschöpfen, das mit einer gerechten Besteuerung der Reichen und Superreichen zu heben wäre«, kommentiert Brandenburgs Linke-Landesvorsitzende Katharina Slanina. Allein die Vermögenssteuer würde Brandenburg zusätzliche 2,8 Milliarden Euro jährlich einbringen, rechnet Slanina vor.

Erstveröffentlicht im nd v. 13.02.2026
www.nd-aktuell.de/artikel/1197535.demonstration-tarifverhandlung-der-laender-dienst-ist-dienst-kein-schnaps.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Unsere Impressionen und weitere Infos zur Tarifrunde:


KGK: Interview mit Lukas – ver.di Betriebsgruppe FU

Titelbild: Berlin Education Workers

Hier Brandmauer, dort Monarchisten

Shoan Vaisi über deutsche Politiker, die den Schah-Sohn unterstützen und eine Bewegung legitimieren, die »Tod den Linken« ruft

Von SHOAN VAISI

Bild: Video-Screenshot auf Instagram

Die Proteste im Iran stehen für einen tiefen gesellschaftlichen Aufbruch. Millionen Menschen weltweit solidarisieren sich mit den Protestierenden, auch in Deutschland gehen Menschen auf die Straße – viele von ihnen seit Jahren politisch aktiv, viele mit Familienangehörigen im Iran, die von Verfolgung oder Gewalt betroffen sind. Sie steht für den gemeinsamen Kampf um Freiheit, Würde, Frauenrechte und politische Selbstbestimmung.

Doch sie wird sabotiert – ausgerechnet von jenen, die vorgeben, sie zu unterstützen: die wachsende Unterstützung für monarchistische Kräfte durch deutsche Politiker*innen. Innerhalb der Bewegung gegen das islamische Regime gewinnt seit Jahren eine Strömung an Einfluss, die lange randständig war: Monarchist*innen. Mehrere Iran-stämmige Politiker*innen – darunter SPD-Abgeordnete, der FDP-Generalsekretär, eine grüne Oberbürgermeisterin und zuletzt die Hamburger Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) – haben ihre Unterstützung für Reza Pahlavi erklärt, den Sohn des ehemaligen iranischen Diktators. Wörtlich sagt Blumenthal: »Ich unterstütze den Demokraten Reza Pahlavi.«

Doch Pahlavi existiert politisch nicht losgelöst von der Bewegung, die ihn trägt. Wer Pahlavi unterstützt, unterstützt auch die monarchistische Bewegung, die in seinem Namen auftritt. Auf monarchistischen Demonstrationen – auch in Deutschland – gehören Parolen wie »Tod den Linken« zum Repertoire. In Wien traten Monarchist*innen öffentlich auf und drohten Linken mit Hinrichtungen. Wörtlich wurde angekündigt, es werde »keine Linken mehr geben«, politische Gegner*innen würden auf den Straßen Teherans hingerichtet. Diese Aussagen sind dokumentiert, öffentlich und eindeutig.

Neben Blumenthal engagiert sich auch der Hamburger SPD-Abgeordnete Danial Ilkhanipour seit Jahren für Monarchisten und für Reza Pahlavi als politische Figur. Die Frage muss erlaubt sein: Unterstützen Sie auch die Parolen »Tod den Linken«? Wer diese Fragen nicht klar verneint, trägt zur Normalisierung autoritärer Gewaltfantasien bei. Besonders heuchlerisch wirkt dies, weil sich dieselben Akteur*innen hierzulande als antirassistisch, antifaschistisch und gegen Rechts positionieren. In Deutschland wird zu Recht eine Brandmauer beschworen. Geht es um den Iran, scheinen diese Maßstäbe plötzlich nicht mehr zu gelten. Progressive Werte lassen sich nicht geografisch relativieren.

Diese Doppelmoral zeigt sich auch medial. Journalist*innen, die hierzulande rechte Aufmärsche konsequent einordnen, begleiten monarchistische Demonstrationen ohne kritische Distanz. Auffällig ist Bamdad Esmaili, der mit dem gebührenfinanzierten Format WDRforU monarchistische Kundgebungen begleitet, ohne Gewaltaufrufe einzuordnen. Oder Michel Abdollahi, der vor rechter Normalisierung warnt, zugleich jedoch Pahlavi unterstützt. Diese Doppelmoral beschädigt nicht nur die Glaubwürdigkeit einzelner Politiker:innen und Journalist:innen, sondern auch die Solidarität mit den Protesten im Iran selbst.

Progressive Werte müssen auch dort gelten, wo sie unbequem sind, wo familiäre Bindungen eine Rolle spielen und wo rechte Kräfte in migrantischen Communitys erstarken. Wer in Deutschland gegen die AfD kämpft, aber im Iran-Kontext Monarchist*innen hofiert, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer eine Brandmauer gegen Rechts fordert, darf sie nicht bei Bedarf einreißen.

Shoan Vaisi ist iranisch-kurdischer linker Aktivist. Er war gezwungen, aus politischen Gründen aus dem Iran zu fliehen. Seit 2011 lebt er in Deutschland, wo er auch über oppositionelle Bewegungen im Iran und im iranischen Kurdistan schreibt.

Erstveröffentlicht im nd v. 11.2. 2026
Hier Brandmauer …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Video:
https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/02/video.mp4

Iran in Aufruhr: Gegen den Westen, aber keine Unterstützung des Regimes – Beitrag zum linken Diskurs

Die komplizierte Lage in Nahost und besonders im Iran hat innerhalb der Linken viele Fragen aufgeworfen. Folgende Postionen sollten aber klar sein: Erstens die Revolte der Menschen gegen blutige Unterdrückung, für soziale und demokratische Rechte ist zu unterstützen. Zweitens sind alle imperialen Einmischungen von aussen, Irans Unabhängigkeit einzuhegen, und alle Legitimierungsversuche für ein militärisches Eingreifen des Westens bzw. für einen Regimechange in eine neue willfärige Diktatur energisch zurückzusweisen. Drittens unterstützen wir auch bürgerlich demokratische Reformen gegen Diktatur und Faschismus. Viertens haben Sozialisten die Aufgabe, die Revolte weitmöglichst in eine nachhaltige sozialistische Revolution umzuwandeln. Fünftens. Völker vereinigt Euch, Arbeiter:innen aller Länder erkennt Eure Kraft und setzt sie ein gegen weltweiten Faschismus, Imperialismus und Krieg. Agiert gemeinsam internationalistisch.Auch hier auf unseren Straßen in Deutschland.

Im Folgenden ein wichtiger Beitrag von Sozialismus von Unten zur Klärung von Hintergründen und Fragen.

Unser Hinweis: Bei der Betrachtung des imperialistischen Kräftemessens in Nahost darf die in den letzten beiden Jahren erlangte besondere Vormachtstellung der USA mithilfe Israels nicht unterschätzt werden. Diese Vormachtstellung soll nun durch ein Gefügigmachen des Irans abgerundet werden.

Weitere Anmerkung: die offen-faschistische, gewalttätige, unglaublich demokratie- und frauenverachtende monarchistische Bewegung mit dem Sohn des Shah, der als einer der blutrünstigsten Diktatoren in die Geschichte des Nahen Osten einging, wird gerade als iranische Opposition gegen die Mullahs der westlichen Politik besonders hochgepäppelt und hochgejubelt. Für das iranische Volk würde ein Regime-Change zum Shah Sohn den Weg vom Regen in die Traufe bedeuten. (Peter Vlatten)

Iran in Aufruhr: Gegen den Westen, aber keine Unterstützung des Regimes

Sozialismus von Unten, 23.1. 2026

Viele sehen das iranische Regime als Bollwerk gegen die USA und Israel. Arthur Townend argumentiert, dass der Aufstand von unten die wahre Kraft ist, um den Imperialismus herauszufordern.

Aus Iran schallen Aufrufe zum massenhaften Widerstand, während das Regime versucht, den Aufstand blutig niederzuschlagen. Auslöser der Proteste war ein starker Anstieg der Inflation – verbunden mit einer tieferen Wut auf das Regime.

Die Revolte hat eine Debatte innerhalb der Linken ausgelöst, die über eine Minderheit von eingefleischten Anhängern des iranischen Regimes hinausgeht.

Viele Menschen, die instinktiv auf der Seite der Demonstranten auf den Straßen stehen würden, befürchten, dass der Sturz des Regimes nur Israel im Nahen Osten stärken würde.

Einmischung Israels und der USA

Die Vereinigten Staaten und Israel haben ihre Unterstützung für einen »Regimewechsel« erklärt. Beide Staaten haben den Iran im vergangenen Sommer bombardiert und jüngst mit neuen Angriffen gedroht.

Der Zusammenbruch der iranischen Währung, des Rial, der im Dezember die Proteste in Teheran ausgelöst hat, wird wesentlich durch eine brutale Verschärfung der US-Sanktionen angeheizt, die darauf abzielen, die iranische Wirtschaft zu schwächen.

Die Zeitung Haaretz hat letztes Jahr berichtet, dass Israel Kampagnen in persischer Sprache finanziert hat, um monarchistische Stimmungen im Iran anzufachen. Diese Kampagnen zielten darauf ab, das Image von Reza Pahlavi, dem Sohn des iranischen Schahs, der in der Revolution von 1979 gestürzt wurde, zu stärken.

Und es gibt eindeutig monarchistische Teile der Proteste, die darauf abzielen, ein repressives Regime durch ein anderes zu ersetzen, das den Westen unterstützt.

Wenn es einen Krieg zwischen den USA und dem Iran gäbe, würden wir für die Niederlage der USA eintreten. 

Falsch, Proteste als »imperialistisch« darzustellen

Es ist jedoch falsch, die Proteste als irgendwie »imperialistisch« darzustellen – oder sich auf die Seite des Regimes gegen das Volk zu stellen.

Erstens ist das iranische Regime keine konsequente oder prinzipielle antiimperialistische Kraft oder Unterstützer des palästinensischen Befreiungskampfes. Der Iran hat während zweieinhalb Jahre des Völkermords wiederholt davon abgesehen, die Palästinenser:innen in Gaza zu unterstützen, aus Angst, dies würde seinen Einfluss in der Region schwächen.

Zweitens spricht diese Haltung Millionen gewöhnlicher Iraner, die nicht nur Spielbälle der USA oder Israels sind, ihre Handlungsfähigkeit ab. Eine Revolte von unten hat das Potenzial, über die Wünsche aller Mächte hinauszugehen und die Diktatur sowie den Imperialismus in der Region herauszufordern.

Dies war in den frühen Tagen der Revolution von 1979 der Fall, als Arbeiter demokratische Räte namens »Shoras« gründeten.

Was macht das Regime für Antiimperialisten attraktiv?

Der Iran behauptet, die »Achse des Widerstands« gegen den Zionismus und den westlichen Imperialismus anzuführen. Er unterstützte die Hisbollah im Libanon, die Houthis im Jemen, die Volksmobilisierungsmilizen im Irak und andere kleinere Gruppen. Das Assad-Regime in Syrien war bis zu seinem Sturz im Dezember 2024 Teil dieser Achse.

Nachdem Israels Völkermord in Gaza begonnen hatte, griffen die Houthis Schiffe der USA und Israels im Roten Meer an, bis die USA sie durch Bombardierungen in die Unterwerfung zwangen. Und die Hisbollah verteidigte den Südlibanon monatelang gegen die israelische Invasion.

Aber der Iran selbst hat außer Worten wenig getan, um das palästinensische Volk zu unterstützen.

Dies ist eine Folge des Aufstiegs des Iran zur Regionalmacht, die um die Vorherrschaft in der Region konkurriert. Die Achse war Teil der »Ring of Fire«-Strategie des Iran gegen Israel – Verbündete zu unterstützen, ohne einen offenen Konflikt zu riskieren.

Nach den Angriffen Israels und dem Sturz von Bashar al-Assad liegt diese Strategie in Trümmern. Verständlicherweise sehen viele den Imperialismus als die Dominanz der USA und anderer westlicher Staaten über schwächere Staaten – und das ist ein wichtiges Merkmal.

Was ist Imperialismus?

Aber Imperialismus ist mehr als das – er ist ein globales System konkurrierender kapitalistischer Staaten, in dem wirtschaftlicher und geopolitischer Wettbewerb miteinander verschmelzen.

Heute nimmt die Konkurrenz auf allen Ebenen des Systems zu – nicht nur auf globaler Ebene zwischen den USA und China. Im Nahen Osten hat ein größeres kapitalistisches Entwicklungsniveau zusammen mit dem Rückgang der USA den Aufstieg regionaler imperialistischer Mächte begünstigt.

Israel – die aufstrebende Macht – gehört dazu, wie auch Saudi-Arabien, Iran, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Tomáš Tengely-Evans schreibt: »Der Rückgang der US-Hegemonie gibt den regionalen imperialistischen Mächten mehr Handlungsspielraum, aber dieser ist nicht unbegrenzt.

Darüber hinaus ist es der Wettbewerb zwischen den Großmächten, der nach wie vor die Dynamik des Imperialismus auf globaler Ebene prägt, und regionale Imperialismen müssen im Allgemeinen innerhalb dieses größeren Kontext agieren.«

Dies hat zu einem Schmelztiegel imperialistischer Spannungen im Nahen Osten geführt.

Die anhaltende Barbarei Israels in Palästina wird durch die Ambitionen der USA angeheizt. Und in Syrien sind Kämpfe zwischen der neuen Regierung von Ahmed al-Sharaa, die von der Türkei unterstützt wird, und kurdischen Kräften ausgebrochen. Der Jemen ist zu einem Schauplatz des regionalen Wettbewerbs zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten um die Kontrolle wichtiger jemenitischer Häfen geworden.

Iran nicht antiimperialistisch

Der Iran spielt in dieser Dynamik keine unbedeutende Rolle. Wie die Autorin Anne Alexander schreibt: »Als Ergebnis seines Bündnisses mit dem Iran hat Russland einen Marinestützpunkt am Mittelmeer behalten«.

»Darüber hinaus hat Russland, auch dank der herzlichen Beziehungen des Iran zur Houthi-Bewegung im Jemen, eine problemlose Route für seine Tanker, die Rohöl nach Indien transportieren, aufrechterhalten können.«

Alexander erklärt, dass die iranische Produktion von Drohnen die Waffenarsenale der Houthis aufgefüllt hat, aber vor allem Russland bei seiner Invasion der Ukraine unterstützt hat.

Der iranische Staat ist also keineswegs antiimperialistisch, sondern Teil eines Systems imperialistischer Rivalitäten und verfolgt seine eigenen Interessen.

1979: Unterstützung Khomeinis durch Teile der Linken ein Fehler

Die Geschichte des Iran selbst zeigt die verheerenden Folgen einer Allianz mit vermeintlich »antiimperialistischen« Regimes.

Während der Revolution von 1979 sah die Kommunistische Partei Tudeh in Ruhollah Khomeini – der später Oberster Führer der Islamischen Republik werden sollte – eine progressive Kraft.

Wie der Historiker Peyman Jafari schreibt, bestand ein entscheidender Fehler der Tudeh und eines Großteils der Linken darin, »Khomeini bedingungslos zu unterstützen und ihn als Vertreter der ‚progressiven‘ – d. h. antiimperialistischen – Bourgeoisie zu betrachten.

Anstatt die Arbeiterklasse als unabhängige Kraft zu organisieren, ermutigten sie diese, Khomeini zu folgen.«

Dieses Versagen wurde deutlich, als Khomeini die Shoras, die während der Revolution gegründeten Arbeiterräte, angriff.

Ende der 1980er Jahre kam es zu einer Wende hin zur Marktliberalisierung. Schulden, Ungleichheit und Preise stiegen sprunghaft an. Im Jahr 2000 weitete Präsident Mohammad Khatami die Angriffe auf die Arbeiterklasse aus, und die darauf folgenden politischen Maßnahmen begünstigten Korruption und Vetternwirtschaft.

Einordnung der aktuellen Bewegung

Natürlich wäre es falsch, die aktuelle Bewegung als durchweg progressiv darzustellen. Monarchistische und reaktionäre Gruppen stehen im Konflikt mit denen, die Slogans gegen die Diktatur und »Frauen, Leben, Freiheit« skandieren.

Aber das Potenzial für etwas viel Größeres ist vorhanden.

Der Aufstieg des Iran zu einer regionalen imperialistischen Macht ist das Ergebnis einer Entwicklung des Kapitalismus – und das schafft eine größere und potenziell mächtige Arbeiterklasse. Und wir sehen den Aufstieg einer neuen Generation im Iran, die das alte Regime ablehnt.

Dies könnte die Kraft der einfachen Menschen in der gesamten Region stärken, sich gegen den Imperialismus zu wehren. Ob das geschieht, hängt jedoch davon ab, dass eine Massenbewegung aufgebaut wird. Eine Massenbewegung, die sich weigert, sich zwischen den USA und Israel einerseits oder der iranischen herrschenden Klasse andererseits zu entscheiden.

Die iranische Geschichte zeigt, wo das Potenzial liegt.

Die Iranische Revolution 1979

Die brutale Diktatur des Schahs wurde 1979 gestürzt, als sich die Volksbewegung mit Arbeiteraktionen verband. Die Ölarbeiter streikten über drei Monate lang und reduzierten dadurch die iranische Ölproduktion auf ein Viertel. Das traf den Schah dort, wo es ihm weh tat, und der Streik endete mit dem Zusammenbruch seiner Herrschaft.

Allgemeiner Widerstand wurde unter der Herrschaft des neuen Obersten Führers Ali Khamenei ein ständiges Merkmal.

Seit 2003 gibt es einen Zyklus von Protesten gegen politische und wirtschaftliche Missstände. Die aktuellen Proteste sind der jüngste Ausbruch gegen ein Regime, das es versäumt hat, die wirtschaftlichen und politischen Probleme der Iraner anzugehen.

Verschiedene Protestwellen haben wirtschaftliche Fragen thematisiert, insbesondere in einer intensiven Phase von Protesten und Streiks von 2017 bis 2020; zudem haben sie politische Themen aufgeworfen, insbesondere in der Bewegung »Frau, Leben, Freiheit«.

Arbeiterklasse kann Macht Khameneis brechen

All diese Kämpfe lassen die Möglichkeit erkennen, dass Khameneis eiserner Griff im Iran gebrochen werden kann. Was fehlt, ist die zentrale Rolle des Kampfes der Arbeiterklasse.

Jafari argumentiert, dass dies nicht nur »Slogans gegen Autoritarismus und für kulturelle Freiheiten« erfordert, die auf den Straßen skandiert werden. Es braucht auch »sehr klare sozioökonomische Forderungen gegen Privatisierung, prekäre Arbeitsverhältnisse, Outsourcing und Liberalisierung«.

Mit anderen Worten bedeutet dies, die politischen Forderungen der Bevölkerung mit den wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiter zu verbinden. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Zwar gibt es Anzeichen für Arbeiteraktionen, doch konzentrieren sich die aktuellen Proteste im Iran weiterhin auf eine massive, vielfältige Straßenbewegung.

Aber die Erinnerung an die Revolution zeigt den Weg in die Zukunft. Und auch der Arabische Frühling von 2011 zeigt, wie sich solche Bewegungen ausbreiten können, um die globale Dynamik zu durchbrechen, die den Nahen Osten erfasst hat.


Dieser Artikel erschien am 19. Januar 2026 zuerst im Socialist Worker und am 23.1. in Sozialismus von Unten.

Wir danken für das Publikationsrecht

TitelBild: Svu Köln

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