50.000 Stellen auf dem Spiel. Nicht mit uns ! VW Arbeiter:innen vernetzen sich!

VW Arbeiter:innen vernetzen sich! Der gestern von der IG Metall Führung ausgerufene Protesttag in der Automobilindustrie soll keine Eintagsfliege bleiben. Nicht nur bei Mercedes, jetzt auch bei VW schlagen Kolleg:innen auf den Tisch. Um einen nachhaltigen Widerstand aufzubauen organisieren sich „Gewerkschafter:innen von unten“. Die VW Kolleg:innen fordern dabei vor allem, dass nicht weiter über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Es geht um „unsere Zukunft“! Dazu wurde heute (22.September) vor mehreren VW Werken das folgende Flugblatt verteilt.

50.000 Stellen auf dem Spiel. Nicht mit uns !

Was beschlossen wurde, was offen ist und wofür wir kämpfen!

Der Volkswagen Aufsichtsrat hat am 3. September 2026 dem übergeordneten „Zukunftsplan 2030“ einstimmig zugestimmt. Die darin genannte Erhebung zu rund 50.000 abzubauenden Stellen hat er laut offizieller Mitteilung „zur Kenntnis genommen“. Das ist noch kein standortgenauer Abbauplan. Es ist aber auch keine Entwarnung: Die Zahl steht im strategischen Rahmen für die nächsten Entscheidungen.

Was im Zukunftsplan steht
  • Rund 50.000 Stellen. Die Erhebung sieht konzernweit einen Abbau von rund 50.000 Stellen vor, einschließlich Managementpositionen.
  • Vier Werke ohne gesicherte Folgebelegung. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist laut Konzern ab 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert. Alternativen werden geprüft.
  • 9 Prozent Rendite. Von 100 Euro Umsatz sollen 9 Euro als operativer Gewinn bleiben. Das erhöht den Druck auf Kosten, Personal und Leistung.
  • Weitere Entscheidungen folgen. Ein Konzept zur europäischen Produktionsstruktur soll bis Ende Juni 2027 vorliegen. Über einzelne Sachinvestitionen sowie Forschungs- und Entwicklungskosten wird später entschieden
Was noch offen ist

Wo, wann und wie Stellen entfallen sollen, ist öffentlich nicht festgelegt. Eine Werksschließung ist nicht beschlossen. Dauerhaft gesichert sind die vier Standorte damit ebenfalls nicht.

Unsere Zukunft braucht unsere Beteiligung

Über den Beschluss gab es keine unmittelbare Abstimmung der Belegschaften oder der Mitglieder der IG Metall. Gewählte Vertreterinnen und Vertreter waren beteiligt. Wir verlangen vollständige Informationen, nachvollziehbare Kriterien und echte Beteiligung vor konkreten Einschnitten. Keine Beschlüsse im Aufsichtsrat ohne vorherige Abstimmung der Belegschaften. Demokratie darf nicht am Werkstor enden.

Dafür treten wir ein
  • Keine Werksschließungen und kein weiterer Stellenabbau.
  • Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich statt Arbeitsplatzvernichtung.
  • Keine weitere Arbeitsverdichtung und kein weiterer Lohnverzicht.
  • Transparenz über Standortpläne, Kriterien, Zeitpläne und Entscheidungswege.
  • Verbindliche Beteiligung der Beschäftigten und der Mitglieder der IG Metall.
  • Zivile, nachhaltige und ökologisch sinnvolle Produktion an allen VW Standorten
Unsere Werke. Unsere Arbeit. Unsere Zukunft

Verzicht bei VW. Wer fragt die Basis? Den offenen Brief von Christian »Schulle« Schulze lesen. Gemeinsam im Betrieb, in der IG Metall und über alle Standorte hinweg

Gewerkschafter von Unten.
Überparteilich. Solidarisch. Gemeinsam aktiv.

Wer wir sind

Wir sind Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Werken von Volkswagen. Zu uns gehören Vertrauensleute, Betriebsräte und Mitglieder von Vertrauenskörperleitungen. Uns verbindet unser Engagement in der IG Metall und die Überzeugung: Eine starke Gewerkschaft lebt von einer starken Basis. Als Gewerkschafter von Unten sind wir überparteilich organisiert. Wir tauschen Erfahrungen aus, beziehen gemeinsam Stellung und mischen uns ein. Die Beschäftigten müssen mitreden und mitentscheiden können, wenn es um ihre Zukunft geht.

Wofür wir uns einsetzen

Arbeitsplätze und Einkommen sichern. Wir stellen uns gegen Stellenabbau, Werksschließungen und weitere Kürzungen. Wir fordern kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich und Personalausgleich. Zivile Perspektiven schaffen. Wir lehnen einen Einstieg von Volkswagen in die Rüstungsproduktion ab. Stattdessen setzen wir uns für sinnvolle zivile Produkte ein, etwa Fahrzeuge für den öffentlichen Nahverkehr. Beteiligung von unten stärken. Wir wollen rechtzeitige Informationen, offene Diskussionen und verbindliche Beteiligung der Belegschaften. Dafür vernetzen wir uns über die Standorte hinweg.

Deine Erfahrung zählt.


Was läuft bei euch im Betrieb? Was müsste sich ändern? Bring deine Ideen ein, diskutiere mit und hilf bei Texten,
Flugblättern oder gemeinsamen Aktionen. Mach mit. Komm in unsere offizielle Signal Gruppe.
Unsere Werke. Unsere Arbeit. Unsere Zukunft

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Berliner Linke: Erfolg an der Tür, Ärger in der Presse

Der Wahlsieg ist da – doch Hauptstadtmedien zeichnen das Bild einer antisemitischen Partei. Das könnte SPD und Grüne in die Arme der CDU treiben.

Von David Rojas Kienzle

Titelbild: Screenshot Tagesspiegel

Dass Die Linke in Berlin die Wahl gewann, hat viele Gründe: die ungebrochen starke Unterstützung durch Jungwähler*innen. Dass sie es geschafft hat, sich als die Partei zu präsentieren, die die Interessen von Mieter*innen vertritt. Und nicht zuletzt dürfte der wirklich intensiv geführte Haustürwahlkampf zum Erfolg beigetragen haben. An rund 250.000 Türen habe man geklopft, erklärte der Landesvorsitzende Maximilian Schirmer auf der Wahlkampfparty am Sonntagabend. Dort, wo Die Linke an die Türen gegangen ist, hat sie gute Ergebnisse eingefahren.

Worauf Die Linke nicht bauen konnte, das ist Unterstützung aus den Leitmedien. In den Redaktionsstuben der Hauptstadtpresse hat man sich darauf geeinigt, dass Die Linke im Grunde eine antisemitische Partei ist. Im Fokus sind dabei die Bezirksverbände Neukölln und Mitte. Im Wahlkampf wurden in atemberaubender Schlagzahl Artikel veröffentlicht, in denen teilweise antizionistische Positionen in den Ortsverbänden und einzelne Äußerungen von Politiker*innen und Gästen der Partei zu Skandalen aufgeblasen wurden.

Für besondere Aufregung sorgte der Rapper Dahabflex. Dieser ist zwar nicht in der Linken, trat aber Ende August beim Ortsverband Neukölln auf und performte einen Song mit der Textzeile »Death to the IDF«, also »Tod der israelischen Armee«. Aus dieser Zeile wurde schnell ein antisemitischer Mordaufruf gemacht. Der Rapper selbst erklärte im Interview mit der »Jungen Welt«, er meine »selbstverständlich« die Institution. »Eine Institution, die mitverantwortlich ist für einen Genozid«, so Dahabflex. Wenn er diese Institution kritisiere, dann heiße das trotzdem nicht, dass er wolle, dass man israelische Soldaten tötet.Thema »Wohin geht die neue Linke?«

Der Shitstorm war aber schon längst in vollem Gange. In Verbindung mit Angstmache vor der von den Sozialisten geforderten Umsetzung des Volksentscheids »Deutsche Wohnen & Co enteignen« wird so das Bild einer Partei gezeichnet, die eine antisemitisch-bolschewistische Bedrohung für Berlin sein soll.

An dem Mediengetöse wird sich auch nach der Wahl nichts ändern, wie ein fast schon irrsinniges Beispiel von Kontaktschuld zeigt. Auf der öffentlich zugänglichen Wahlparty des viel gescholtenen Linke-Bezirksverbands Neukölln war kurzzeitig Issa Remmo anwesend, der als »Clanchef« gilt. Zwar wurde er erkannt und hinausgeworfen, Die Linke erklärte umgehend, dass man ihn weder eingeladen, noch irgendeine Verbindung zu ihm habe. Die Reaktionen folgten dennoch sofort – wie üblich in Erklärungen von empörten parteipolitischen Gegner*innen und genauso empörten Zeitungskommentaren, die völlig realitätsfern sogar ein Nähe der Linken zur organisierten Kriminalität suggerieren.

Die Berliner Linke hat die Wahl zwar gewonnen. Dass sie regieren wird, steht nicht fest. Rechnerisch wäre auch eine Koalition von CDU, SPD und Grünen möglich. Für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen bedeutet der dauerhafte Gegenwind aus der Hauptstadtpresse nichts Gutes. Denn gegen als politische Waffe eingesetzte Antisemitismusvorwürfe hilft keine Rechtfertigung. Jede Verteidigung bestätigt nur die Prämisse, es gäbe etwas zu rechtfertigen. Die Partei muss die Mechanismen der Diffamierung offenlegen und sich auf das konzentrieren, was sie im Wahlkampf getragen hat: das Versprechen, Berlin bezahlbar zu machen. Es ist an den Grünen und der SPD zu entscheiden, ob sie sich an diesem Projekt beteiligen wollen, oder ob sie sich von einer Kampagne erpressen lassen, die am Ende nur ein Ziel hat: linke Politik verhindern.

Erstveröffentlicht im nd v. 21.9. 2026
Berliner Linke …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Diese Welt gehört uns allen!

Aufruf zur Aktionswoche gegen Weltbank und IWF

Veranstaltung in Berlin


Der Internationale Währungsfonds setzt auf extreme Sparpolitik, fossile Ressourcenausbeutung und Privatisierung. Reformversprechen gab es viele – geblieben sind die immer gleichen neoliberalen Rezepte. 

Die Weltbank betreibt eine einseitige Politik zugunsten großer Konzerne und privater Profite – auf Kosten sozialer Rechte wie Bildung und Gesundheit und zu Lasten von Arbeiter*innen. Sie hat eine lange Geschichte von Menschen- und Umweltrechtsverletzungen. Ihre Politik begünstigt Landnahme und entzieht zahllosen Menschen die Lebensgrundlage. 

Beide Organisationen sind undemokratisch organisiert. Stimmrechte hängen vom Kapitalanteil der Mitgliedsländer ab. Dadurch haben die USA als einziges Land ein Vetorecht. Im IWF hat Deutschland allein mehr Stimmen als alle 45 Länder Subsahara-Afrikas zusammen. Die Afrikanische Union und die Allianz der Kleinen Inselstaaten fordern daher unter anderem, Regeln zu internationalen Schuldenfragen unter das Dach der UN zu holen – dorthin, wo gilt: ein Land, eine Stimme. Doch Deutschland und weitere Staaten des Globalen Nordens blockieren. 

Wir stellen uns gegen diese internationale Wirtschafts- und Finanzordnung, die Profite über soziale und ökologische Rechte stellt, Schulden als Machtinstrument nutzt, auf Aufrüstung statt auf Sozial- und Klimaschutzpolitik setzt und die Kosten globaler Krisen auf diejenigen abwälzt, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben.

Auch in den aktuellen Krisen  zeigen IWF und Weltbank, wo sie stehen: Auf den fatalen Anstieg der Lebenshaltungskosten infolge des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf Iran und die Region haben sie keine Antwort. Die soziale Ungleichheit wächst weltweit an. Auf der einen Seite steht eine enorme Vermögenskonzentration: Konzerne u.a. der Rüstungs-, Energie-, Digital- und Finanzbranche verbuchen Rekordgewinne. Dem stehen Milliarden Menschen gegenüber, die mit steigenden Preisen, prekären Arbeitsverhältnissen und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu kämpfen haben, ob in Bangkok, Dakar, Quito oder auch Berlin.

Weltbankpräsident Ajay Banga sitzt im Exekutivgremium von Trumps illegitimem „Board of Peace“ – und stützt so einen „Wiederaufbauplan“ für Gaza ohne palästinensische Beteiligung. Nach wie vor investiert die Weltbank in fossile Energie und hat sich auf Druck der USA 2025 auch für die Finanzierung von Atomkraft geöffnet. Zugleich droht ihr unabhängiger Beschwerdemechanismus weiter geschwächt zu werden – das einzige Instrument, mit dem Betroffene Verletzungen durch die Bank überhaupt anprangern und Abhilfe durchsetzen können. 

Reparationen für koloniale Ausbeutung und Klimazerstörung werden nicht gezahlt. Stattdessen werden die Länder des Globalen Südens weiter ausgepresst: durch Schulden, wirtschaftspolitische Auflagen und eine Finanzarchitektur, in der der Dollar dominiert. In 44 Staaten des Globalen Südens verschlingen Zahlungen an ausländische Gläubiger einen großen Teil der Staatshaushalte. Ein Drittel der Menschheit lebt in Ländern, die mehr Geld für Zinsen ausgeben als für Gesundheit.

IWF und Weltbank folgen in ihrer globalen Politik derselben Ideologie von Profitmaximierung und Machtkonzentration, die wir in Deutschland in Form von Sozialabbau, Kürzungen und verfehltem Klimaschutz sehen.

Weltweit wächst der Widerstand. Tausende werden gegen die Jahrestagung von IWF und Weltbank auf die Straße gehen: für eine gerechte globale Finanzordnung, gegen neokoloniale Ausbeutung, Umweltzerstörung, Krieg und Genozid. 

Wir stehen hier in Deutschland Seite an Seite mit unseren Mitstreiter*innen in Bangkok und weltweit. Wir tragen den Protest nach Berlin, wo einer der Hauptverantwortlichen sitzt: Die Bundesregierung ist als viertgrößter Anteilseigner beider Institutionen für diese Politik verantwortlich.

Wir sagen: Diese Welt gehört uns allen – brecht die Macht von IWF und Weltbank! 

Wir fordern:

  • Schuldengerechtigkeit: die bedingungslose Streichung illegitimer und sozial untragbarer Schulden und die Einrichtung einer UN-Schuldenrahmenkonvention.
  • Klimagerechtigkeit: ein Ende fossiler und atomarer Investitionen und eine gerechte sozial-ökologische Transformation.
  • Klimareparationen: Staaten und Konzerne, die für die Klimakrise hauptverantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu gehören ein Ende der schädigenden Praktiken sowie verbindliche Zahlungen in Fonds, die die am stärksten betroffenen Länder selbst mitbestimmen. Keine als „Hilfe“ getarnten Klima-Kredite.
  • Öffentliche Investitionen: in Bildung, Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit, Wohnen, Ernährung und Klimaschutz statt Austerität, Finanzialisierung und Militarisierung.
  • Demokratisierung der internationalen Finanzarchitektur: Über Schulden, Handel, Steuern und Klimafinanzierung muss dort entschieden werden, wo alle Länder mitbestimmen können. 
  • Schutz für die, die sich wehren: Wirksamer Schutz und echte Beteiligung für Zivilgesellschaft und Menschenrechtsverteidiger*innen weltweit. 

Kommt vom 5. bis 13. Oktober zu unserer Aktionswoche – und am 14. Oktober mit uns auf die Straße!

Im Abschnitt „Unterstützende Organisationen“ findet ihr alle die zur Aktionswoche und Kundgebung aufrufen. Für die Inhalte der einzelnen Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche sind die jeweiligen Veranstaltenden verantwortlich: 

Auf der Website der aufrufenden Organiationen und Initiativen finden sich alle Informationen
https://aktionstageiwfwb.de/

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